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Full text of "Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover"

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i '3J 

DIE KUNSTDENKMÄLER 
DER PROVINZ HANNOVER 



HERAUSGEGEBEN VON DER PROVINZIAL- 

KOMMISSION ZUR ERFORSCHUNG UND 

ERHALTUNG DER DENKMÄLER 

DER PROVINZ HANNOVER 



IL REGIERUNGSBEZIRK HILDESHEIM 

6. KREIS ALFELD 







BEARBEITET 


VON 






OSKAR 


KIECKER 




PAUL 


GRÄFE 


Rca 


-B7\LIA\F.1STER A.D. 




PASTOR 



MIT 333 Am^>ILDUNGEN 



SELBSTVERLAG DER PROVINZIALVERWALTUNG 
THEODOR SCIIULZES lUICHHANDl.üNG, HANNOVER 

1929 
HEFT 17 DES GESAMTWERKES 




K 1 . 1 s( .1 1 1: i: 1 1 1'. I '. si- 1: 1 . 1 .r N (i r n i > i ) i ; i ■ c. k 

(. i; 11 r. ( i> i: r. i a n i: c k i:. 
i)i!i (K- INI) \ i;i!i.A(.siiArs. II AN\<)Vi:r. 



Vorwort. 



Uas \()iiii'm'ii(lc lieft 17 des (iesaintwerkrs. ihis die Kimsldciikiiiak'r 
(k's Kreises Alfeld heliaiuleU. wiirtk' im August lU'iö in Aiii^i'iff ^enoiiimeii. 
\)vy ,<4esehiclUliche Teil ist vom Pastoi' Paul (iialT in I laiiiiox ci-I /nideii. 
dem Verfasser dei" ,,(Teschichte des Ki'eises Alfeld". I)eai'i)i'ilel. Mit dei' 
Aufstellung dei' Denkmälerbeschreibun^ nach ortliclien k'eststeliunm'n 
und mit der Anfertigung der Photographien und Zeicdinungt'n war 
Regierungsbaumeister a. 1). Oskar Kieeker beaufli'agl. dw auch die fiii- die 
Herausgabe ei'fordei'liehen Ariieilen eiledigle. Die Leitung (k'r ArheiU'u 
lag in dv][ 1 binden des FroNin/ialkonsei'vatoi's Landesobeihauials 
Pi'ofessors Siebern. 

P>iii'gei'meister Di'. Bof.U' in Alfeld fertigte die Zeichnungen zu den 
Ai)b. N und 10 an. Die Aufnahmen zu Abb. I. <'>. 1 17. 1N7. bSl). 
191—203, 'iOf). 120N, 'ill, 21b, 227 230, 2;>7, 211 und ;)2I wurden von 
Fr. Tillx- aus Lamspringe l)es()rgt. b'iir die .\i)l). 50-51 lagen ;db'i\- Auf- 
nahmezeiehnungen des lU'gierungsbauials (i. Kt-Ilermann in l.niiebuiL; \()|-. 
Die l'nterlagen fiir Abb. 12, 13, 15. IC. 19, 5,S, 59, 95 9,S. KlO ir)2. 
212- 215, 221, 23(S sind dem l)t'iikm;dcrai'chi\ des Ihox inzialkonserNatois 
entnommen. Al)l). 207 wurde nach eiiu'r Aufnahme des Ik'zirkskoiiser- 
vators Dr. l)leil)aum in Kassel hergestellt. Abb. 21. 25, 2() sind nach 
Aufnahmen des Proxinzialmusenms in 1 lannowr wit-dergegebeii. das auch 
den l)ruekst()(d< zu .\bb. 30 herheh. X'oin Schlol.hnuseum in IJerliii stammt 
die Aufnahme fiii' die Abb. t)2. Die /cichnu ii<4eii zu Ahl). 2'.)9. 303). 
i)Ol, 307 stellte das ll()cld)auamt II in lliidcsiieim zur \'eit iii^uiiL;. Der 



IV 

Miii^isl i;il <l*-'r Stadl Alli'ld l;:i1) sciiio Ziisliiumuii^ ziii' \'(M()ri\'iillicliiiiiL> 
(Ut AI)1). 19, 29, 67, 70. 71. 107. Ahb. 110 ist aus Milholl. Kiiiisldciik- 
iii;ilci- I 1 1. Al)l). 22 und 2'.\ sind aus dci' ..Zi'ilscliiiri l'ui' christliclu' Kuiisl", 
II. .lahr^. l.S(S9. und Ahl). ;i21 — .'Vi.') aus dem Sitzuni^shciiclU der (ie- 
soll.sclinl'l lin- (leschichlt' und Allerliiincr (Kt Oslscepinx inzcu, 1907. cnl- 
uoninicn. lU'i der Anordiiuiii> des SLolTcs sind die von der nuchkoininissioii 
lui-dic lii\ eiitari.satioii der Hau- und KuustiU'nkiualei' der Pi-oxinz Hannover 
aut'i*eslelllen 1 Üeli llinieu xoni 19. .lull 192() inaÜLH'hc'nd gewesen, \o\\ 
(k'nen die wichlinsten nachstellend im Auszuii; wiedei'^ei^ehiMi sind: 

In dei" Eink'ilunii; solk'ii Angaben id)er La^e, Circiüe, Xalnr. k>e\(')lke- 
runi^'sverhä Unisse, iihei' elhnoi^raphisclie und Iridiei'e politiscdie und 
kirchliche Zusläink', über Handel und Verkthr, Slial.kui und \\'ei>e sowie 
über das Kunslhandwerk in gcdräiiLjter Kiiize und stets mir soweit gcocben 
werdt'U. als sie zum W'rständnis (\vv Denkmaler unerkil.'lieli sind. k",s 
bleibt Norbehalten, deraidine zusammenhangende, die ^anze l*i'o\inz 
betrelTende Angaben im Schluübaiule des Werkes zu machen. Aul'- 
genommen werden alh' l)enkmälei", welche dauernd in der Pi'oxinz \()r- 
lianden sind, gleichx iel in wehdiem Besitz sie sich betinden. N'orchrist liehe 
DeidvUiäler werden jedoch nui" dann berücksicditigt, wenn ihre Px'di'utung 
eine solche ist, dal.i sie im Rahmen dieses Werkes nicht entbehrt wei'den 
können. Das l)auernhans ist kuiz berührt. In (k'i' (iesaiulanoidnunt* sind 
(\\v kirchlichen Gebäude sorangestt'llt. daran schlieOen sich (Wv weltlichen 
Bauten nach Maßgabe xon .\lter und Bedeutung. Die BeschiH'ibung 
ei^folgt nntei' 1 )eriicksichlignng (\vy xoiangestt'llten geschichtlicIuMi Au- 
galn'U und aul Cirnnd der (ü-llich l'estgt'sti'llten te(dinischen und stilistischen 
Mei'kniale in m(iglichst kna|)|)er l-'orm: Mitteilnnm'ii rd)ei- diesen Hahnu'u 
hinaus sowie bLingehen auf wissens(dialtli(die Stieittiagen weiden \t'r- 
miedeii. \)]v .\ussla 1 1 uiigsstücke sind in gk'ichm;il.iiger BiMlundolge aul- 
gi'liihrt. Insclirilleii werden nicht samtricli. aber in imigliclist grober /alil 
gegebt'ii; auf dii' .\it ili-v lypeii wird im Ti'xt hingi'w iestui. aul' eine doch 
nur andeuleiide Wiedergabt' derstdben verzichtet. l'nst'r DeiikmaU'r- 
verzeichnis soll iindassende wissenschaftliche l 'iitersuchn iigeii \-ermeideii. 
nur dasieiiige geben, was auf ('.rund (utlicher l ■nlei-suchnng und der bis- 
herigen i'"orscluing als reststehend zu betiachteii ist: es soll eine Sammel- 
stelle der kunstgeschichllicheii (Quellen und eine (linndlage für wciti're 
Arbeiten bilden und '•iidlich übersichtlich geordnetes Mat^aial für eine 
umfassende, allgiMiieine deutsche KunstLieschichte bieten. 



DtMi Druck (k's vorliegenden Uiindes hesorgU' die l^'iiinn Ciehiiidi'i' 
.länecke, Druck- und Verlagsluuis. 1 Iiiiiiiox t'i\ die ;iucli s;indlichc Drnck- 
stöcke zu den Abbildungen herslelHe, bis iinl Abb. .SO und V2. 

Allen denen, welche den Pjeai-beilern dieses 1 b'IU's ihre lidiTsI ul/.iing 
iiaben zuteil werden lassen, insbesondere den Oiisgcist bellen, sei aiu'h an 
dieser Stelle der Dank abgesLatlet. 

Hannover, im März 1929. 



Die Provinzial-Koniniission 

zur Erforsch LI ni^- und HrlialtiiiiL; der 
Denkmäler in der Provinz Hannover. 



Inhalt. 



Seile 
N'iiiworl III 

l'jnlcil uiiü 1 



Seite 

l^uiiigi'n. 

Kirc'lic 122 



.\<1CM1SU'(II. 

Kirc-lu'. Pfarrhaus. Friedhof. 

clu-maliffcs Hcl liii.ysches (hil 11 
Alfeld. 

( rC'schichti'. Sladl \\a|)|)c'ii und 

Siegel 17 

die Nikohiikirche 23 

Sl . l'lisaiict Idiospilal und 

Kai)elle T)? 

das Hathaus (iO 

das Ratssilher uiul die (iilde- 

pokale fi7 

das Alle Seminar 72 

das Kalandliaus 76 (ici/.en. 

hürgerliehe Wolinhauleii ... 79 Kireiu' 

die Miililengral)enl>ru(l<e . . . 10.") Crrafelde. 

die liefest ignngen Id.") Ka|)elk 

.Minstedl. Crasle. 

Kirche lu!) Kirelu' 

Aiinnenhausen li;; ( irol.lfredi'n. 

I Kirche 

Itreinuin. I 

Kirche 114 

] hiiniiiiliausen 117 



l'^inisen. 

KircJic 125 

l^vensen. 



Kirche 

IC\-cr<)de. 

Kirche. \ erschiedeiies 
Eyershausen. 

Kapelle 



F(')lirsle. 

Kirclu' . 
l''()lziehausen. 

Kapelle 



r.apeilenilaüen. 

Kapelle. \\ (liinliäuser 



118 



neluisen, 

Kapelle * . . . . 120 

i:)<.rsiielf. 

Post haus 122 



llarharusi'H. 

Kiiche. Ciut. elieiiialige Ka- 
pelle. X'eischiedenes . . . 
Ha US f reden, 

Vorwerk, liur.iiruine . . . . 
Hörsuni. 

Kirche. e\-.-lulh.. ehemalige 

Kapelle 

I lornsen. 

r^oniäne 



2'.t 



."■)() 
53 



(■)2 
05 



SeiU' 

Moyershausen, 

Kirche, Mülilc 1()6 

Inison. 

Kirclu- 170 

Innen seil], 

Gräfl. V. Görlz-^\'l■is!K'^i>s^■]lt■s 

(ml 17 1 

klcinlrcdi'H, 

Kirclu" 17(j 

Lanispriiige, 

Literatur und Gescniehte . . 179 

die Klosterkirche (kalli. 

Pfarrkirche) 1<S4 

die Klostergehäude 211 

die ev.-luth. Kirche 222 

die Bauten iui Flecken . . . 227 
T.angenholzen. 

Kirche, \'erscliie(leiies. Mühle. 220 
] Jninier. 

Kirche. Gut 235 

Liibhrechlsen. 

Kapelle 239 

^leimerliausen, 

Kirche 2 11 

\elze. 

Kapelle 213 

Neuhof. 

Kapelle 241 

Ohlenrode, 

Kapelle 247 

Hollshaj^en 249 

Röllin«hau.sen. 

Kirche 20(1 



VII 

Seih! 

I\:i|)elle 2r)3 

Sack Lind Sdudcnheiuer Kapelle . 2.')! 
Segesle. 

Kapelle 2(')1 

Sehleni, 

Kirche, KreuzsIeitU'. \'ei-- 

schiedenes 2(i3 

Sellenstedt, 

Kirche 2<)S 

Warzen. 

Kapelle 271 

West leid, 

ev.-lu!h. Ivapellc, kalli. I'iarr- 

kirche. X'ci'schicik'iies . . . 273 
\\ el teborn. 

Kirche 277 

W'et tensen, 

Kaj)e]Ie, \'erscniedenes . . . 2<S1 
^^'inzenburg, 

Burgruine, kath. Pfari kirche, 

Doniäiu', N'erschiedeiu's . . 2<S I 
Wispenstein. 

FreiherrJich v. Grannusches 

Gut 292 

Wdltershauscn. 

Kirche 299 

Wrisbergholzen, 

Kircju'. Gräflich v. Giirtz- 

X'V'ri^bergsches (iut .... 3()() 

\'erzeichnis di-r 

Abbildungen 317 

Sachen 324 

Grte 32N 

Handwerker und KhhsIKm- . . 331 

Goldsthniiedezeichen .'!:;.'! 

Übersiihtskarle der Provinz Ilannoxer. 




riuiiiplikiH'ii/. aus der NiUolaikirclu' in Alli'li 
/ii Si'ilr i'xS. 



Der Kreis Alfeld. 



Einleitung. 

L/ci' Kreis All'eld gelKirl zum ostl';ilisclu'n I li'iovlland. Seine Grenzen Allßcmeinos, 
fallen so ziemlich mit zwei (uenzen dieses Hiiiüellandes zusammen: Xord- |-'^'^'|i'<'''''^'unfl 
rand des Harzes — Gandersiieim — Südrand der llilsmuldc und: ilils- 
mulde — Ostenvald — Deister. 

Seiner Bodeni^estalt naeli zerlalll der Kreis hauplsiieidieii in zwei 
Hauptteile: die Gronauer Kreidemulde und die Hilsmulde, fast aus- 
schließlicii alles aus Schichten der mesozoischen Formation aufgebaut. 
Das Innere der Gronauer Kreidemulde bildet von Rheden bis Eyeis- 
hausen eine etwa 20 km lange, von einem Juraring umij;ei)ene b]llipse. 
Ihre einzelnen Teile sind bekannt als Sieben Berge, Saci<\vahl und N'orberge. 
In Wirklichkeit stellen sie keine einzelnen Berge (hu-, sondern eine gir)ßere, 
bis zu 100 m im Nordosten ansteigende Hochfläche, die durch zahlreiche 
Auswaschungstäler als eine Reihe von pjnzeibergen mit nui- wenig W-r- 
kehrsuKiglichkeiten erscheint, daher der von der Winzenbuig fast seil nur- 
gerade bis nach Eberholzen führende und hier den AnsclduU an den allen 
Königsweg über Banteln zur Marienburg findende Rennstieg. \\':dirend 
deswegen auch die innere Gronauer Mulde nurschwacii besiedelt ist. liegen die 
östlichen Ortschaften der Börde an (K-r Grcn/e des h'lammenmeigels 
und Juras in fruchtbarer Einsenkung. 

Die llilsnudde bildet xoii (ireene l)is C.oppcnhiiiggc eine ringliuiuigc 
Gruppe von IkM'gen mit Ton. Kalk, Koiden, leisen. 

Schließlich ist noch zu nennen die ..Gandeisheimer Keltt'"' (Trias) von 
Gandersheim zunächst links der Leine und. nachdem sii' von diestM" kui'z 
voi" Alfeld dnrchbi'ochen wird, (hinn rechts im Kidt, l)ei l'anlehi und 
Elze ihren Abschluß findend. Die (iegeiid von Lanis[)ringe und Weite- 
born gehört der „Gandersheimer Senke" an. mit bedeutenden Keuper- 
ablagerungen. 

1 



Leiiu'lal im<l riroiKiuci' Mulde werden sclion sehr früh besiedelt sein, 
^ewiß schon in urj^esehiehtliciier Zeit, wie Fnnde der iinmitlell)aren 
Nachbarschaft (Eitzum) i^ezeigt haben (s. a. unter Netze nnd (iraste). 
Vom 10. Jahrluinderl nach (Ihristi Gebnrt an fand eine Besiedluno auch 
mancher bis dahin unbewohnter Waldgebiete statt, was verschiedene 
Ortsnamen auf -rode andeuten, einige Jahrhunderte später die mehr 
planmäßige Besiedlung durch Einwanderer in den sogenannten Häger- 
dörfern, z. 1?. Langenholzen u.a. Am dünnsten sind die grotJen Waldgebiete 
besiedelt. Ks wohnten 1919 im Kreise durchschnittlicii 100 iMinvohner, 
in (iei- Provinz Hannover im Mittel (w auf 1 qkm. Über die Einwohnerzahl 
des Kreises All'eld i<anii gesagt werden, daß er um 1()()0 etwa 1700') wehr- 
hafte Männer, um 1701, wo eine Zählung stattfand, etwa ()000 Einwohner 
zählte. l.S7r) hatte der Kreis 21286, 1925 28715, darunter ca. 90 Proz. 
lutherische Einwohner. Seine Größe, zurzeit 281 qkm, ist mannigfachem 
Wechsel unterworfen gewesen, da er seine jetzige Gestalt und ("ir(')ße erst 
in neuerer Zeit erhielt. 

Über die älteste Besiedlung-), wahrscheinlich bereits wäiirend dci- Inler- 
glazialzeit, läßt sich nicht viel sagen. Einzelne Ortsnamen lassen eine 
Besiedelung schon in der Steinzeit vermuten, und zwar wegen der Zu- 
sammensetzung mit der Endung ,,ithi" (wohl = Heide). Ein beim 13au 
dci- h'iedener Spiegelglasfabrik gefundenes und dem Provinzial-Museum 
in Hannover überwiesenes Bronzegefäß stammt etwa aus der Zeit um 
400 vor Christi Geburt (nach Gusmann erst aus viel späterer Zeit). 
Px'kannliich bringt der Volksmund auch den Ort Segeste mit dem 
(^heruskerfürsten Segest zusammen, aber auch ernsthaftere Forscher 
(Hoffmann, Kreye, Schorn) wollen neuerdings die Hermannsscidaclit 
in die Gegend zwischen Lamspi-inge, Segeste, Irmenseul und 1 lildi'sheim 
verlegen, wobei nicht nur ilvv Silberfund am Galgenberg, die Namen 
Segeste und Irmenseul, sondern auch die besondere örtliche Lage, 
namentlich auch der Paß bei Lamspringe von Bedeutung sind. 

Vom 3. .Jahrhundert an treten (he Sachsen hervor. In den Käm])fen 
zwischen Sachsen und Eranken wird die ,,Hohe Schanze" eine größere 
Holle gespielt haben. Als unter Karls des Großen Nachfolgern die frän- 
kische Macht zei'fiel, wurde das reiciie. vielleiclit ciugcwandcrti'. aber durch 
Verwandtschaft mit dem sächsischen llochadel bald als eingesessen gel- 
tende Gescidecht der Brunonen, das gerade in unserem Bezirk gi-<")f]ei-e 
P>('sitzungen hatte, um so einflußreicher. Graf Ludolf (i 871) grundete 
die KHister Brunshausen und Gandersheim, beide an dei- Kreisgrenze. 
Sein Sohn Otto der Erlauchte war dcv Vater Kouiu Heinrichs I. Die 



') Alle urkuiKlliclu'u Belege und Quellenangaben finden sich, wenn nicht be- 
sonders milgeleill, in P. Graff, Geschichle des Kreises Alfeld, 192N. 

-) Vgl. auch noch Walter Gusmann, Wald- und Sicdlungsfläelie Sudliannuvers 
etwa inj 5. Jahrhundert nach Christi, 1928. bes. S. 18, 104. 



Herzüi^'s würde und das GrafenanU vt'rl)liel)L'ii loiiaii hei den Xacld^omiiu'ii 
von Ottos cälterem Bruder Bruno III., dem ("iriiiuler P)iaunseh\veii>s, 
und teilweise bei den Billungern. Aber 1065 seiieniUe lleinricli IV. dem 
Ilildesheimer Bischof Ilezilo, der im Streit mil ('ireo()r vn. auf Heinrichs 
Seite trat, den Forst und Forstbann zwischen (ireene und (Gronau und 106.S 
die Grafschaft ,.in Ulis pagis Valedungon Aringe Guddingon et in his 
publicis gecciesiarum parroechiis Alicga (Flze) l^edun (Rheden) b'redt'uon 
(Großfreden) Walenhuson (Wallensen) . . . . \ also über den grciülen 
Teil des heutigen Kreises Alfeld. Hezilos Nachfolger Udo (1079 1111) 
ist zu nennen, weil er flämische Finwanderer ins Land zog (1 1;igerd(")rfer!) 
und unter ihm zum erstenmal von dem Anrecht des Bischofs auf die 
vielleicht schon früher erworbene wichtige Winzenburg, ,,des Stiftes 
Hauptschloß", die Rede ist, das die Grafen in Reinhausen zu Lehen hatten, 
und nach ihm sich auch ,, Grafen von Winzenburg" nannten. Eine so- 
genannte ,, Grafschaft Winzenburg" hat es nie gegeben. Bischof Adelog 
(1171 — 1190) erlebte den Sturz Heinrichs des Löwen. Bei der Aufteilung 
der weifischen Gebiete erhielt Hildesheim das Anrecht auf die Grafschaft 
Homburg und damit auf das spätere Amt Lauenstein. Bischof Otto I. 
(1260 — 1279) erwarb die ,, große Grafschaft" von Schirbeck bei Harlessem 
über den Heber bei Bilderlahe bis Sebexen, also im allgemeinen den 
Flenithigau und den vierten Teil der Grafschaft im eigentlichen Ambergau, 
auch wird ihm die Gografschaft 1277 von Rudolf von Habsburg bestätigt, 
so daß nunmehr auch der Osten des heutigen Kreisgebietes unter die 
Oberhoheit des Hochstiftes gekommen war. Bischof Magnus (1424 — 1452) 
gelang es dann auch, Lauenstein und Wallensen mit dem Stift zu vereinen, 
wodurch beim Ausgang des Mittelalters das ganze heutige Kreisgebit-t dem 
Hochstift unterstand. 

Die Lage der einzelnen, in den Urkunden genaniden Gaue l;d.U sicii 
nicht genau feststellen. Zum Flenithigau gehört der östliche, im Westen 
durch den Sackwald usw. begrenzte Kreisteil bis zur Winzenburg und 
Gandersheim hin mit einer geringen, dem Ambergau zuzuschreibenden 
Ausnahme (Lamspringer Klosterforst mit Rolfshagen, Glashütte und 
Ammenhausen). Der Valedungon = Gau der Falen (vgl. den Ortsnamen 
Wallenstedt), schließt sich ihm wohl südwärts an, etwa von Bethein bis 
Barfelde — \Vallenstedt. Der Aringo liegt wiederum weiter südlich, etwa 
von Rheden-Brüggen über Alfeld bis vielleicht Großfreden (vgl. l-'reckMion 
in der genannten Urkunde von 106(S). Die Westgrenze der zuletzt genaniden 
Gaue ist schwer zu ermitteln, auch nicht mit Hilfe der späteren kircidiehen 
Einteilung, als ob die Bannbezirke der alten Archidiakonats- oder Mutter- 
kirchen mit den alten Gauen bzw. Gerichtsbezirken zusammengefallen 
wären. Der Guddingon ist seiner Lage nach ebenfalls sehr schwer zu be- 
stimmen. Nach der genannten Urkunde ist es. kurz gesagt, der Bcziik iiiii 
Wallensen, also in bezug auf den Kreis Alfeld Duiiigen mit Umgebung. 



Mit dem Enverb der Goi^ralschaft war das letzte Hindernis zur Aus- 
iii)uno der Landeshoheit in vollem Umfange gefallen. Von jetzt an wurden 
die Vögle wirkliche Beamte. Die Vogteien wurden Amter. Der Vogt wai- 
(U'i- Anilinaiin. Amtssitze wurden u. a. die Winzenburg für den gröfjten 
Teil des heuligen Kreises, ferner für den östlichsten der Wohldenstein, 
liir den westlichen der Lauenstein. Die Angewohidieit. diese Sitze, so oft 
besondere Ausgaben nötig waren, an die Stiftsjuiiker oder aii(k'ie zu xer- 
])fänden, wurde dann bekanntlich die W'ranhtssung zur 1 lildesheiniei' Stifls- 
fehde, die unter Bischof Johann 1\'. ( 150.') 1527) ausbrach und für 
den Bischof so sehr ungünstig auslief. Auf dem Beichstag zu Worms' 
1521 wurdi' id)er ihn die Acht verhängt. Die Herzöge von Braun- 
schweig und Kaleid)erg fielen als Achtsvollstrecker ins Land. Am 
21. .Juni 1522 konnten sie auch die Winzenburg, nachdem dei- Puheilurm 
in dii' Luft geflogen \vai\ fast ohne Schwertstreich nelimen. bis 1523 
duicli den Ouedlinburgei- Bezeß dei' Fehde, die namenloses Elend auch 
übel' den Kreis Alfeld gebracht hatte, ein Ende gemacht wurde. Dei" 
l)isch()r seiior das gesamte sogenannte ,.(iroüe Stift", darunter auch die 
Amtei' Lauensteiii (Duingen und Umgebung) an Kaienberg und 
Winzenbuig und Wohldenstein (Bolfshagen) an Braunschweig- Wolfeidiüttel. 

So wai" also der gi'ößte Teil des Hochstifts dem Bischof nicht mehr 
Untertan. Aber fin- eine etwaige F^inführung der Reformation im Kreise 
war damit zuniichst nichts gewonnen. Denn sowohl Erich 1. von Kaien- 
berg wie auch Heinrich der .Jüngere waren Anhänger des katholischen 
(daid)ens. Dahei' wurde die Beformation in Kalenl)erg ei'st nach hjiclis 
Tode von dessen Witwe Herzogin Elisabeth als N'ormund ilii'es unmündigen 
Sohnes Erichs II. durch Antonius Corvinus eingeführt, und zwar hau})t- 
sächlich durch v'ww große Kirchenvisitation, bei der die damit Beauftragten 
von Amt zu .\mt zogen und am Sonntag Kantate 1543 (27. .\pril) auch 
in Lauenslein (Duingen und Hoyershausen) eintrafi'U. Ebenso 

wuide die Beformation in Braunschweig-W()lfeid)iiltel durch eine \om 
Sclniialkaldischen lUind \n'ranstaltele Kirchenvisilalion eingetühil, nachdem 
dieser im Kriege mit Heimich dem .lungeren 1511 dessen Land besetzt 
hatte. .Vm-h hier gehörte Antonius Corvinus zu den Beauftragten, ft'i-nei' 
Bugenhagen u. a. Am 30. 31. Oktober L542 weilten di*- Visitatoren in 
.\lleld. Aber das Werk hatte keinen längeren Bestand. Als Heiniich sein 
Land zurückerhielt und Erich IL 15l() selbst die Begierung übernahm, 
begann die Gegenreformation, begünstigt nom dtin ITir die Evangelischen 
unglücklichen Ausgang des Schmalkaldisclun Kriiges. l-'.isl unter Hein- 
richs Nachfolger .Julius (156(S — 1589) wurde die evangelische Lehre wieder 
gestattet. FLr führte die noch heute gültige sogenannte Kaleubt-rger 
Kirchenordnung 1569 sowohl hier ein als auch im P^ürstentum Kalenberg- 
GtUtingen, das er 15.S1 nach I^richs II. Tode mit seiinMii Laiidi' vi-reinigte. 
Zugleich fand auch <"ine Neuordnung der kirchlichen Aulsichlsbezirke statt. 



5 

Im Anschluß an die ehemalige Bekehriiiii; ziiin Chiisleiilum waren 
die ursprünglichen wenigen Tauf- und Mutterkirchen zu Arcliidiakonats- 
kirchen geworden, denen die inzwischen neu gegründeten Kirchen und 
Gemeinden unterstellt waren. Ihre Bezirke nannte man „Bann". Davon 
kommen fiu- unser Gebiet folgende in Betracht: Bann Detfurth, etwa 
dem Flenithigau entsprechend, Bann Lamspringe, dieses mit der näheren 
Umgebung umfassend. Bann Wetteborn mit Winzenburg — Everode — 
Kleinfreden, Bann Adenstedt, wo ja auch ein Goding war, mit Wolters- 
hauscn, Sehlem, Wrisbergholzen, Bann Alfeld mit urspriinglich 1(S Pfarren, 
ferner Bann Wallensen mit Duingen. Später wurde \Vellei)()rn mit Alfeld 
vereint und 1531 auch Adenstedt. Im gewissen Anschlul.} daran wai- scIkih 
1512 in Alfeld ein evangelischer Superintendent eingesetzt. Herzog 
Julius unterstellte sein Land 1568 in kirchlicher Hinsicht fiiiif General- 
superintendenten, von denen einer seinen Sitz in Alfeld hatte und unlt'i' 
sich die vier Spezialsuperintendenturen in Halle, Holzminden, Wrisberg- 
holzen (1653 aufgehoben, 1(S23 wieder errichtet, 1927 ff. mit Sitz in 
Sehlem) und Lamspringe (mit Sitz in Groüfreden. 1()59 aufgehoben). 
Das Lauensteiner Gebiet gehörte im K). .ialirhundt'il zur Inspektion 
Gronau, 1636 ff. zur Inspektion Münder a. 1)., danach zu Salzhemmeii- 
dorf, Oldendorf, Coppenbrügge. Doch wurden Limmer und Hoyershausen 
im 19. Jahrhundert Alfeld beigelegt, das von 1(S33 nicht mehr Sitz eines 
Generalsuperintendenten, sondern nur eines Superintendenten war. 

Der Dreißigjährige Krieg hätte im Großen Stift die Beformatioii 
beinah wieder in Frage gestellt. Mehrmals stand das Gebiet fast im Mittel- 
punkt der Ereignisse, zumal, als Tilly und Wallenstein am 13. Oktober 
1626 in Limmer bei Alfeld eine Zusammenkunft hatten. So sollte auch 
das Restitutionsedikt 1629 mit voller Schärfe durchgefidirl und das (iroße 
Stift, nachdem nunmehi- aueli das Reichskammergerichl gleiclies ent- 
schieden hatte, dem Bischof zurückgegeben wertlen, der bereits am 1. Ja- 
nuar 163(^ die Winzenburg und am 7. .lanuar den Lauenstein in Besitz 
nahm. Sogleich wurde der katholische Gottesdienst wieder eingeführt. 
Das Eingreifen Gustav Adolfs und der allzu kurze Aufstieg Herzog 
Georgs konnten die Ereignisse wohl aufhalten, ai)ei- nicht völlig 
ändern. Im Goslarer Sonderfrieden 1(VI2 traten die weifischen Herzöge 
endgültig das Große Stift außer Laueiistein wiediM- an den Bischof 
ab, mußten auch in die Bedingungen einwilligen, daß die Bewohner nur 
noch 40 Jahre, die Adligen noch 70 .lahre evangelisch i)leiben durften. 
Diese Bedingung fiel allerdings durch den Westfälischen h'iiedeii, aber die 
Herrschaft des Bischofs blieb und wurde die Ursache zahlh)ser Heligions- 
wirren, besonders, als in Winzenburg, dem stets mit katholischen Amt- 
männern besetzten Amtssitz, katholischer Gottesdienst eingeführt, in 
Westfeld uiul Everode eine katholische Kirche gebaut und vom Kloster 
Lamspringe aus eine erfolgreiche Bückgewinnungsarbeit getrieben wurde. 



Es kam zu cnislen Slreitifikeilon. Ja, der Kiiiiiirst von Hannover ließ 

1710 llihlesheini, Peine und Winzenburg besetzen. Erst der Rezeß von 

1711 sehn! einigermaßen Ruhe. 

Der Siei)enjährige Krieg traf unsern Bezirk liauptsäehlieh in zwei 
AbsehniUen, 1757/5(S und 17GÜ ff. Die schlimme Zeil begann jedesmal 
mit dem l^ndringen der Franzosen, obwohl sie doch eigentlich als Ver- 
biiiidcle des Fürstbischofs kamen. Ihnen gegenüber zeichneten sich unter 
dem ()i)erbefehl des Herzogs Ferdinand von Braunschweig namentlich 
Frevtag und Luckner aus. Ihiter französischer Ein([uartierung litt be- 
soikU'is Limmer 1 77)7, unter solchei' der W'rbiindeteii in (\vv langen 'Äv\[ 
(\cv \Vinter(|uartiere Wrisbergliolzen und lingebung, überhaupt dei- 
Ost teil des Kreises. Nach Beendigung des Krieges seufzte das llochstift 
unter einer drückenden Schuldenlast. Da die öffentlichen Ausgaben 
hauptsächlich von der bäuerlichen Bevölkerung zu tragen wanMi. kam es 
unter dem Einfluß der französischen Revolution schließlich um 17*)() zu 
dem bekannten Bauernprozeß. 

Infolge des b'iiedens von Luneville wurde Preußen unter anderem auch mit 
llildesheim abgefunden, zur grc'ißten Enttäuschung Hannovers, das es erst 
1(S1 1 in Besitz nehmen konnte, nachdem alle Leiden der Franzosenzeit über 
(las nach 1(S()7 dem KonigreichWestfalen zugeschlageneGebiet dahingegangen 
waren, wobei die endlosen Truppendurchzüge auf der Heerstraße Hannover- 
Dehnsen— Limmer (iöttingen noch nicht einmal das Schlimmste waren. 

In die hannoversche und spätere preußische Zeit fielen eine Reihe 
wichtiger Verwaltungsncuerungen, die auch eine Neueinteilung dei- Ämter 
zur Folge hatten. 

Das alte Amt Winzenburg, das im Mittelaltei' einen ziemlich großen 
Bezirk umfaßte, da es sich bis Hockelu und (Iroßdüngen erstreckte, hatte 
iu)ch im IC). .lahrhundert schwankende (Irenzen. Erst mit der Aufstellung 
des ,,\Vinzenburger Erbregisters" 1Ö7<S wurde das anders. Das Amt 
zerfiel danach in 4 Gohen (Vogteien): Die Hasekenhiuiser (Winzenburger) 
Ciohe, die Gehlenberger Gohe (Adenstedt), die Gohe Altes Dorf (wüst bei 
.Mfeld) und die Niedere Börde (Nienstedt bei (iionau). Beim b'riedens- 
schluß Kil'i bliebiMi l^odenburg mit ()strum und Brunkensen braun- 
schweigisch: 1 (><)() wurden sechs Ortschaften i\vv Niedei-en Bxu-de Gronau 
beigelegt. Im .lahre LSlf) trennte man Wehrstedt ab. Ai)er da die sog. 
.lunkeidiufer mit eigener GerichtsbarktMt in (.U'v westfälisciien Zeit aul- 
gehoben und auch in hannoverscher Zeit /uniu'hsl nicht wit'der ein- 
gerichtet wurden, so halte das Amt jetzt einen wesentlich erweiterten 
(ieschüflskreis. Neben dem Amt \Vinzeni)urg ist auch das Amt Bilder- 
lahe zu nennen, dem Lamspringe und Lmgebung angeh()rten. Als im 
.lahii' 1820 die Patrimonialgerichtsbarkeit wieder i'ingt'iichlet wurde und 
dadurch die Amtsgeschäfte sich verminderten, vereinigle man 1.S2.S die 
beiden Ämter durch Errichtung des Amtes Bilderlahe mit Sitz in Lam- 



KREIS 
GRONAU / \.w>Kd((xA 



KREIS 



Segeste '.. ( 'i ''' 
*— EreinunJ '"-' 

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BRAUN- ,j-'' 
\SCHWE3G r- " M.ARIEN 



BURG 




FREISTAAT 3RAUNSCHVVEIG 



I 1 1 1 1 ^ 



BRAUN SCHwriG 



Abb. 1. Her Kreis .Mlcld. (1 :2.')(HHMl. 



springe. Aber 1836 geschah schon wieder eine Teihnig in die bi'idcii Anitcr 
Alfeld und Bilderlahe, da auch verschiedene Palrinioiiialgerichte wieder 
an die staatlichen Behörden abgetreten waren. Das daiuahge .Vinl Ahehl 
umfaßte etwa den westlichen Teil des heutigen Kreises, erhielt vom Amt 
Lauenstein 1(S48 dazu: Brünighausen und Limmei-: this Amt Bildcrhihi' 
etwa den heutigen östlichen Kreisteil, aber docli in größerem L'mfange, 
denn es reichte von wSalzdetfurth bis Winzenburg. Seit bSö'i hies das .\mt 
nicht mehr: Bilderlahe, sondern: Lamspringe. In gleichen .lahre legte 
man dem Amt Alfeld Bott und Hoyershausen bei. im .lahre 1<S59 wurden 
die Ämter Lamspringe und Elze aufgehoben. Hin Teil dei- Ortschaften 
des erstereu fiel an Alfeld, ein anderer an Bockenem (spTittT Kieis Maiien- 
burg). Aus den Ämtern Elze, Gronau und den (U-m .\inl .Mfeld entnom- 
menen Ortschaften Brüggen, Sibbesse, Petze bildete man das .\mt dronau. 
Das Amt Alfeld wurde dann 1<S85 Kreis, gleichzeitig legte man ihm noch 
10 Ortschaften und (jetzt aufgehobene) Forstgutsbezirke des Amtes 
Lauenstein bei: Capellenhagen, Fölziehausen. Diiingen. Weenzerbrucli. 
Duingerwald, Duingerbergteil, Botterholz. Kiill. Ahe. Lid)brechtseii. so 
daß damals der Kreis den Umfang erhielt, den er bis zum heutigen 
Tage behalten hat (Abb. 1). 

Der Kreis Alfeld hat sich von einem überwiegend ländlichen Kreise 
mehr und mehr zu einem Industriegebiet eidwickelt. In den Dörfern 
herrscht im allgemeinen die fränkisch-thüringische Bauweise, die alt- 
sächsische mir in den dem Amt Lauenstein entnomiiuMieii. aber auch 
hier nur vereinzelt und in manchem der fränkischen angepaßt. Die 



Bevölkerung betrieb zwar in der Hauptsache die Landwirtschaft'), aber 
viele waren auch in den großen Waldungen beschäftigt, der außerdem die 
erste Veranlassung für eine sich mehr und mehr entwickelnde Industrie 
wurde. Auf dem Ilolzreichlum beruhen einstige Kiilderei und die (ilas- 
hütten (Lamspringe, Westerberg, Schildhorst, Freden), deren erste Grün- 
dung bis ins 16. Jahrhundert zurückgeht. Andere seit alters bestehende 
Betriebe sind die zahlreichen Steinbrüche und die großen Kalk- und Mergel- 
werke (Lamspringe 1290, Röllinghausen 1189) (he (iipsbrenncreien 
(Everode vor 1838) und Ziegeleien (Alfeld 1450), die Töpferei und Ton- 
warenanfertigung in Duingen und Lmgegend seit dem 16. Jahrhundert, 
anch die einstige Fayenceindustrie in Wrisbergholzen 1735 ff., die Ver- 
wertung der Eisenerze (Carlshütte in Delligsen und All'ehl 17.')()), die 
Kohlenförderung bei Duingen und Weenzen (bereits 1585). 

Die Bestrebungen zur Hebung von Landwirtschaft und Industrie 
werden in bester Weise unterstützt durch ein treffliches Straßennetz. 
Neben den älteren Straßen von Hildesheim zur Weser über Alfeld — 
Eschershausen oder Elze — Capellenhagen ist vor allem die alte Heerstraße 
von Süden nach Norden zu nennen, die von Göttingen nach Hildesheim 
(der ältere Weg) unser Gebiet bei Lamspringe (erwähnt 1439) oder (der 
jüngere, nach 1768 ciuuissierte Weg) von Göttingen nach Hannover bei 
Dörshelf — Alfeld — Limmer durchschneidet. 

Die Geschichte des Eisenbahnwesens beginnt 1851, als die 1853 er- 
öffnete Bahn Hannover — Göttingen erbaut wurde. Ein alter und einstmals 
sehr in Anspruch genommener Verkehrsweg, die Fhißschif fahrt auf der 
Leine, ist als solcher gänzlich abgekommen. Das letzte Nutzholzfh)ß 
kam 188(i (kirch Alfeld. 
DciikniäkT. An Kunst- und Baudenkmälern bietet der Kreis Alfeld viel be- 
merkenswertes. Voll erhaltene Bauten aus der romanischen Zeit sind 
nicht mehr vorhanden, wohl aber zahlreiche Reste. So birgt die gotische 
Nikolaikirche in Alfeld neben anderen noch drei Gewöll)e (\vy ersten Anlage. 
Auch in Langenholzen finden wir im Chorquadrat und der Apsis Zeugen 
der romanischen Periode. Vielfach enthalten die Landkirchen und 
Kapellen besonders in den Türmen Spuren aus tridimit tehdteiTieher 
Zeit, z. B. Adenstedt, Grafeide, Hörsum, Hoyerhausi'ii, \Viisl)eigh()l/A'ii. 
Unter den gotischen Bauten nimmt die gewölbte Nikohiil^irclie in 
Alleld, vom Ende des 15. Jahrhunderts, die erste Stehe ein. Teilstücke, 
Ciu)ranlagen und 4'ürme siiul verschiedentlich erhalten, so in Almstedt, 
Grafeide (1512) und Woltershausen (1519), Sehlem (1194) und Wetteborn. 
Die Benaissancezeit vernachliissigte den Kirchenbau im Kreise ziemlich 
stark zugunsten des Profanbaues. Etwas pfleglicher wurde die Kirche in 
Wrisbergholzen behandelt, die zwischen 1605 und l(i21 vergrößert wurde. 

') N'gl. Grall, Das Milt rlalUT unsrrcr LaiuiwirlM'liall in ..All-I lildfslu'inr-. 1921). 



Erst gegen Ende des 17. Jahrliuiulerls wiirck' der Kiichcnhau wiedrr 
belebt. Die großartige Neuanlage der Kloslcrkiiclu' und di's Klosleis 
in Lamspringe, die an gotische Überlieferung ankniii)ll. cnlstaiid zwischen 
1670 und 1731 (Kirche 1()9() vollendet, Ai)leii'liigcl 17;]], iMvilreppe \7'M\). 
Zu gleicher Zeit wurden auch viele evangehschc Kii-clien cnieiUTl und 
erweitert, z. B. Lamspringe (1682, 169'i) und Sack (l(H)l). Die I-:nl- 
wicklung hält dann während des 1(S. und 1<). .lahrhunderls an und iMstreckl 
sich auch besonders auf die Ausstattung (siehe unten). Zahlieiche Land- 
kirchen und Kapellen im Kreise wurden im 1<S. .Jahrhundert neu gebaut. 

Vom mittelalterlichen Profanbau ist wenig vorhanden. Die Burg Freden, 
1402 zerstört, ist ähnlich wie die 1522 eingeäscherte Winzenburg nui- noch 
in schwachen Trümmern erkennbar, doch sind die bemerkenswerten W'all- 
anlagen bei beiden deutlich zu verfolgen. Schk)[] Wispenslein, ckis aucli 
befestigt war, bewahrt noch im Untergeschot] des llerreniiauses gotische 
Reste und den Stumpf eines alten Turmes. Von der einst stattlichen 
Befestigungsanlage der Stadt Alfeld aus dem 15. .Jahrhundert ist nur 
ein Wehrturm, der sogenannte Filierturm erhalten, von der Ring- 
mauer spärliche Reste, doch ist der Ringwall und ein Teil der (iräl)en 
noch gut zu sehen. Im Alfelder Rathause, das 1585 — 1586 in edlem 
Renaissancestil vergrößert wurde, sind Reste eines älteren gotischen 
erhalten. Da die felsige Bodenbeschaffenheit des Kreises Alfeld Natur- 
stein in genügender Menge lieferte, hat sich der Backstein erst in neuerer 
Zeit (Ende des 18. Jahrhunderts) ausbreiten können. Die Gebäude waren 
im Mittelalter meistens mit Schiefer (Goslarer!) gedeckt. Der städtische 
,, Ziegelhof" in Alfeld wird allerdings schon 1 150 erwähnt. Es wird also 
anzunehmen sein, daß damals bereits Dachziegel mit dem Schiefer in 
Wettbewerb traten. Backsteinbauten sind jedenfalls aus dieser Zeit 
nicht erhalten. 

Die Fachwerkbauten, von denen uns sch(")ne Beispiele in (k-n 
Alfelder Ackerbürgerhäusern überkommen sind, waren entweder mit 
breiten Holzbohlen ausgesetzt oder mit Lehmstakung gt'sehk)ssen. 
Unter den Holzbauten nimmt das sogenannte Alte Siniiiiiir in Allekl 
(1610) eine überragende Stellung ein, einmal, weil es eins der wenigen 
freistehenden Bauten dieser Art ist, dann aber auch wegen seines Reichtums 
an geschnitzten Bildwerken. Werke des Kunstgewerbes und der Klein- 
kunst haben sich im Kreise Alfekl in etwas gr()Berer Menge erhalten, 
doch ist die romanische Zeit mit keinem Werke vertreten. Noch dem 
13. Jahrhundert dürfte das schöne, jetzt im Provinzial-Museum in Hannover 
befindhche Triumphkreuz angehören. Auch das gute Kiiizilix aus P^verode 
ist ein ziemlich frühes gotisches Stück (jetzt Heimatmuseum in Alfeld). 
Altarschreine, wie sie im 15. und 16. .Jahrhundert in Gebrauch kamen, 
stehen mir nocli in Giafekk' nnd k'Jmsen an urspi-ünglicher Stelle, in 
Eimsen aUerdiiiüs nui' das Mittelstüek. und in nicht niehi' aller Kirche. 



10 

Der einstige Hochaltar der Xikolaikirche in Alfeld, gleichfalls ein Flügel- 
altar, befindet sich in der Minoritenkirche in Köln, ein Nebenaltar und 
ein Aveiteres Schnitzwerk (Marias Tod) aus derselben Kirche im Provinzial- 
Museum in Hannover, wo auch noch ein gutes Kpilaph aus Alfeld auf- 
gestellt ist. Der Barockzeit gehören die sehr schönen Schnitzwerke der 
Klosterkirche in Lamspringe aus der Werkstatt des Bildschnitzers Lessen 
an, der auch anderweitig im Kreise Alfeld, z. B. in Sack und Westfeld, 
tätig gewesen zu sein scheint. Dieser Meister wirkte befruchtend auf die 
Ausstattungen vieler Kirchen des Kreises, zumal der Wunsch evangelischer 
Gemeinden auf Beschaffung von Altären mit eingebauter Kanzel im 
18. Jahrhundert immer reger wurde und die Künstler vor lohnende Auf- 
gaben stellte. 

Romanische Glocken und solche der Übergangszeit sind nicht vorhanden, 
gotische aus der zweiten Hälfte des 15. .Jahrhunderts und dem Anfang 
des 16. aber mehrfach. Unter den Abendmahlsgeräten ragen die alten 
Kelche in Graste und W^oltershausen, hier auch eine Patene, besonders 
hervor. Die Patene, livländischen Ursprungs, stammt aus dem ersten 
Viertel des 15. Jahrhunderts, der Kelch ist einige Jahrzehnte jünger. 
Älter aber als die Geräte in Woltershausen ist der Kelch in Graste, der 
noch statt des gotischen Zapfenknaufes ein Pomellum zeigt, dessen 
Kuj)pa aber bereits die gotische Trichterform angenommen liat. 



11 



Adenstedt. 

Kirche, ev.-luth., Pfarrhaus, ehem. Hetlingsches Gut. 

Literatur: K. .Janicke, Urkundenbuch des Hochstifts Hildeslieini. S. (VA, 701. 
228. — H. Hoogeweg. Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheiin H. 1064, HI 37, 
IV G38. V 737, VI 1013, 546, 988. 1005. — Derselbe, Inventar der nichtstaatlichen 
Archive im Kreise Alfeld, unter: Adenstedt. — J. Chr. Harenberg, Historia eccl. 
Gandershenicnsis, S. 1610, 727, 750, 1609. — H. A. Lüntzel, Die bäuerlichen Lasten 
im Fürstentum Hildesheim, S. 65, 183. — Derselbe, Die ältere Diözese Hildesheim, 
S. 282. — Derselbe, Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim, II 154. — 
F. Günther, Der Ambergau, S. 234. — A. Bertram, Geschichte des Bistums Hildes- 
heim I. S. 94. — J. Machens. Die Archidiakonate des Bistums Hildesheims, S. 389. — 
K. Kayser, Die reform. Kirchenvisitationen, S. 220. — G. B. Behrens, Stamnd>aum 
der Herren v. Steinberg, Additt., S. 55. — Adreßbuch der Stadt und des Kreises 
Alfeld, 1925. — J. L. Lauenstein, Historia, Diplomatica Hildensiensis II, S. 277. — 
W. Mithoff, Kunstdenkmäler III. ~ P. Graft. Geschichte des Kreises Alfeld. 
S. 476 ff u. 219. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover. Karten, C HI. ebeiid.: Alfeld. A. F. Xr. 4 
und 7 von 1726; ebend.: Hildesheim, des. 76, 1; ebend. : des. 8.|, Konsistorium, III 5 
und 654: ebend.: des. 83, Hannover IV B 2, Nr. la. ■ — Alfelder Batsprotokoll vom 
29. Januar 1630. — Ephoralakten Alfeld, unter: Adenstedt von 1740. -^ Alfelder 
Landratsakten, Fach 380; ebend.: H. B. III 17, Xr. 2; ebend.: E C IV 7; ebend.: 
älteres Rep. III 567, 586. I 439; ebend.: Winzenburger Erbregister von 1578. - — 
Schloßarchiv Brüggen. Lchnsbrief von 1589. — Schloßarchiv Wrisbergholzen II 
Cr von 1590. - - Ephoralarchiv Wrisbergholzen. unter: Adenstedt. — Beschreibung 
aller Kirchen... Handschr. im Histor. Verein für Xiedersachsen — Schulclironik 
von Adenstedt. 



L)as auch jetzt noch stattliche Dorf Adenstedt (622 Einwohner) war Geschichie. 
immer ein bedeutenderer Ort. Schon der mit der Enchiiii^ ,,stedl'" zu- 
sammengesetzte Xame weist auf eine sehr alte Siedlung hin. Da später 
einige Hägerzins zahlten (Winzenburger Erbregistcr von 1578), wird eine 
Einwanderung stattgefunden haben. Bereits 1022 ist von eiiu'm Xenbau 
der Kirche seitens des Bischofs Godehard, der hier i)esonders gern weilte, 
die Rede. So wird es einer der ersten Orte gewesen sein, die ein eigenes 
Gotteshaus erhielten. Das erscheint anch noch begreiflicher, wenn man 
bedenkt, daf.} es lange Zeit Sitz des Gogerichts der Gehlenberger Bcude. 
auch Sitz eines Ereidings war. So erhielt die Kirche schon bald nach ihrer 
Errichtung den Rang einer Tauf-. Mntter- und Archidiakonatskirche. 
Ol) sich ein bei Eiimmelse ansässiges Minislerialengeschlecht von .Vden- 



12 



Bcsclirt'JlMin.L». 
KirclK'. 



stedt nach diesem oder einem anderen Adensledt nannte, isl nieiil _i*enaii 
festzustellen. 

Grundherren waren 1210 die Grafen von Wohldenberg, ferner die 
Klöster Clus (1222), Ganderslieim (1222), Lamspringe, das Godehardi- 
kloster (1357) — daher Jieißl noch eine Dorfstraße ,,im Kloster" — , 
Domdeehant und Domi)roi)stei in Hildesheim (13(S2), die Herren v. Sclnvi- 
cheldt (1390), v. Wrisberg (1115), v. Elvede (1420), und besonders die 
V. Steinberg (1487), später (Erbregister 1578) auch die v. Rauschenplat 
und Burchtorf. Mehrere Ackerhöfe waren aber freie Lehnshöfe. Sie zahlten 
nur Freienzins und unterstanden dem genannten Freiending. Dazu ge- 
hörte auch der jetzt Brunoltesche, im herrschaftliclien Stile erbaute 
Ackerhof, der längere Zeit im 18. Jahrhundert ein v. Stoplersches Lehen 
war (Hellingsehes Gut). 

Die Einwohnerzahl betrug 1701: 233, 1925: 022. 

Die jetzt bestehende Kirche ist unter Leitung des Maurernieislers 
Wendt in Brüggen in den .Jahren 1736 — 1738 erbaut. Der Turm wurde 
1017 erneuert und 1649 mit Spitze (Helm) versehen. 

Das 29,00 m lange, 13,80 m breite Schiff mit dreiseitigem Chorschluü, 
wurde in den Jahren 1736 — 1738 an den über einem Quadrat von 7 m, mit 
1,70 m dicken Mauern errichteten, z. 4\ mittelalterlichen Turm angebaut; 
gleichzeitig scheint das Glockeugeschoß hochgefiihrt zu sein (Abb. 2). 
Das 1,20 m starke MauerwTrk des Schiffes ist in Bruchstein mit Quader- 
ecken hergestellt. Die schlichten Fenstergewände und die profilierten 
Türgewände bestehen aus Werkstein. Die Schallöffnungen im 4\irm 
sind scheitrecht überdeckt und durch Rund- und Achteckssäulen, die 
aus der romanisciien Bauzeit stammen, geteilt (roter Sandstein). 

An der hölzernen l'reppenwange im Turm ist die Jahreszahl 169() 
eingeschnitten. Die als Holztonne ausgebildete Decke des sehr weit- 




Abb. 2. Kirche in Adonstodt ; Gniiuiriü. (l:2:)ü.) 




I llllll MI ) 1 1 1 1 1 1 1 1 , (_ 

\l)b ) iMitlii in Vtknsttdt Oiii isclmill ( 



I\'ll"US?) 1111(1 l't'ic'lU'S 

Schnörkel- und Ranken- 
werk beleben die Altai- 
wand. An der \'()rderseite 
des Altartisches ein Öl- 
gemälde (Christi Geburt), 
auf der Predella eine Dar- 
stellung des Abendmahls. 
An der Kanzel Kreuzi- 
gung (gesclmitzt). Ober- 
halb des Schalldekels: 
Grablegung (Ölgemälde); 
als Bekrönung: Christus 
mit der Siegesfahne, 
links und rechts davon 
Engel mit den Marter- 
werkzeugen (Abb. 4). 

Das Orgelgehäuse, 
etwa aus dem letzten 
Drittel des bS. .Jahrhun- 
derts, ist 1894 stark um- 
gewandelt. 

Taufe, über acht- 
eckigem Fuß, aus Eichen- 
holz. Becken ;)(S cm r, 
von 8 Säulen getragen. Am 
oberen Rande, erhaben 
gearbeitet, in gotischer 
Schrift: ...Mairi 10. \'. 1 I. 



1 -!>(l.l 



13 

räumigeii Schiffes ist stark in 
das Dach hineingezogen; Höhe 
bis zum Scheitel etwa 8,50 m. 
Hölzerne Emporen umziehen 
Ost-, Nord- und W'estwand sowie 
einen Teil der Südwand (Abb. 3). 
Der mit der Kanzel ver- 
bundene stattliche Altar wurde 
gleichzeitig mit dem Kirchen- 
schiff hergestellt. Links und 
rechts der Kanzel gewundene 
Säuk'ii mit BlumenrankiMi : zwei 
1 leiligeiifigurcii (.lohaiines und 




Altar inil 
Kanzel. 



ürael. 



Taul'sU'in. 



Abi). 1. Kirche- in Adcnslcdl ; Altar. 



14 



Taufscliüssel 



Altarleuchter, 



Lasset die Kindleiii zu mii- komuieii". Eiilstelum^szeit etwa Mitte 
19. Jahrhundert, 

Taufschüssel aus Zinn, 25,5 cm, Höhe (5 cm, um 1<S1() eiil- 
slanden. 

1. Zwei AlLarleuchler, Bronze, Ende 10. .hdirliunderl. 1 leihe 'M em, 
Fuß 21,5 cm, Teller 17 cm. 

2. Zwei andere aus Zinn, idmlieh (U'nen in Sellenstedt. Höhe 59 em, 
erste Hälfte 18. .lahrhuncU'rl. 

Abendmahls- Kelch,silberveri>()hlel, I l()lie25,5cm,Kuppa.0 11,4cm. Fnü iibereinerdem 
^ ' ■ Sechspaßähnlichen (irundform.<Scmid:)erdemFuß:Knauf. Am 



P^ 



Kronleiuhter. 



m 



unteren Rande innen einoravierl : ,,Adenstedt 170<S. H. Henne- ^„^ 

mMwW 
berg.P.H. Ludeken Alt: J.Kuhnan Alt". Goldsehmiedezeichen: Q5^ 

Patene, silber-vergoldet, 14 cm. Goldschmiedezeichen wie am 
Kelch. 

Oblatendose, silbern, im Grundriß elliptisch. Großer Durchm. 11,2, 
bzw. 7,9, H()he 5,1 cm. Inschrift in lateinischer Schreibschrift: ,, Heinrich 
Mewers und Dorothea Mewers geborene rrj PQ^ 
Schünemann 1826". Goldschmiedezeichen: '^ W^/^<^/^i^///royAO'A 

Weinkanne aus Zinn, Höhe 21,2 cm ohne den 2,5 cm holien Deekel, 
11,6 cm, Schoppenform; auf dem Deckel: ,,A 1818". 

Es sind drei Kronleuchter im Schiff aufgehängt. 

1. Bronze, Höhe 0,74 m, 
0,70 m, achtarmig. Statt der 

unteren Kugel verkehrt birnen- 
förmiger Körj)er mit der I7m: 
Schrift in gemischten Buchstaben : 
,,Harm. Lüdeken, Maria Sünd- 
macher hat diese Crone zu der 
Ehre Gottes verehret Anno 1718". 

2. Bronze. Höhe 0,70 m. 
0,71 m, äliiilich der ersten 

Krone. Insclniftin Schreibschi'il'l : 
,,.Iohs Göttl. Kippenberg, Canler, 
.loh. Wilh. Stenborn, Pastor. .loh. 
Jacob Harwig, Joh. Herm. Gro- 
lian, Joh. Heinr. Mävers 1795". 
Meide Kronen sind für elektrisches 
Lieht t'ingericlUel. 

.■5. Krislnllglaslenchler, voi'- 
(k'in Altare hängend, sein' gut in 
(Irr l-'oiin, in musliTgiiltiger Weise 
nnU'i' 1 )eibehaltung dei" nalüi'- 
liehen Kerzen für elektrische l^e- 




.\i> 



Kiirhf iri Aek'UstcUt ; (■.la>l)ikl. 1.1:1.) 



15 

leuchtung eingerichtet. Am Metallriiige liisehril'l in laleinischer Sclireii)- 
schrift: „Zur Ehre Gottes von Johann Ih'inrich Seliiinemann. Adenstcdt 
am 21. Dezember 1821". 

1. Läuteglocke, o 1,28 m. Unter der Haube ein etwa 1 cm holu'r. rrlockcn. 
aus Meerweibchen und Blättern zusammengesetzter h'ries, darnnter in 

2 ZeikMi die Inschrift: „ANNO 1610 * 3. MAI VP:RBrM DOM INI MANF/l" 
IN AETERNUM * lOHANNES WEDEMEIER PASTOR ANDREAS 
EVENSEN VOGET. / TILEHAMAN • HENNI .JAGAV ALTERLE Vl'h: 
CASPAR CLAGES HANSS TROLLEN HANS SCHUNEMAN EILERT 
GADEKENHOLT". Darunter ein 3 cm hoher Fries aus kleinen Beigen 
mit kleebkittartigem Maßwerk, an denen Palmetten hängen. Sciu'iil 
z. T. verstümmelt und verrutscht. Am langen Felde: 

•5f MEISTER lOCHIM 
SCHRADER -X- 

Die Bügel der Krone sind mit Flechtbändern und Kö])i"en verziert. 

2. Zweite Glocke, o 1,14 m. Unterhalb der Haube vier dünne Sclmiir- 
züge. Inschrift am langen Felde: „IN HONOREM SS. TRINITATLS / 

HAEC CAMPANA CONFECTA EST / ANNO 16(33. P CLAl- 

DIUM / BRICON PASTORE D. .JACOBO SCHÜTTEN / DIAKONIS 
HANS CLAGES BARTOLD / SCHUNEMAN. HANS HAGEMAN ET 
CHRISTOPHER OSSENKOPH AEDITUO JOACHIMO / HEGEMAN 
/ PSALM 116. LAUDATE DMN OMNES GENTES / LAUDATE CUM 
OMNES POPULI ETC. JACOB EVENSEN GOGREVE/DUM TRAHOR 
AUDITE HUCVOCOVOS /AD SACRA VENITE/ANDREAS ULRICHS". 
Die Worte: „ANDREAS ULRICHS" sind nachträglich anmodellieil. 

3. Uhrschlagglocke, sehr schlecht zugänglich. etwa 0,40 m. In- 
schrift, soweit zu sehen: „ •• MEVERS • H : C . L • HEN • •• 
••••M1723 • ALTARISTEN". Am oberen Rande über der Schrill 
stehende, unter der Schrift hängende Palmetlen. 

Die an den Emporenbrüstungen angehefteten, anf Leinwand gemalten (H-mäldi- 
Ölgemälde von (dwa 0,90 X 2,20 m Größe, stellen, bis anf zwei, Szenen aus 
dem Leben Christi dar. Links des Altares Abrahams Oi)fei-, icchts gleicii- 
falls eine Opferszene. 

Die Bilder sind von demselben Meister, (Um- ancli die Gemälde im 
ehemals Hettlingschen Gute hergestellt hat. Ein 73X67 cm großes liild 
rechts vom Altar au der Empore, darstellend Mariae Verkündigung, ist 
künstlerisch höher zu bewerten, es stammt nicht vom ]\Ieister der son- 
stigen Gemälde, der auch die am Altar angebrachten Bildei- gemalt hat. 

Unter der Decke: drei etwa 5 X ;)..')() m große, direkt anf die Schal- 
bretter gemalte Bilder. Im Osten: Christi 1 liminelfahrl. In der Mille: 
Dreieinigkeit. Im Westen: Verklärnna (du-isti. Meister nnhfkannt. 



Iß 

Glasbilder, Zwei Glasl)ilder mit den Iletling- und Sto])]erscheii Wappen, 31 
X25cm groß, hängen vor den Ostfenstern unterliallj der Empore. Sehwarz- 
lotzeichnung auf grünlichem Glase. Inschriften: 

1. „Christoph Joachim Hetling, Pächter des adelguhts U'ehrstedt 
und ein wohners in Adenstedt 1736". (Wappen.) (Abb. 5.) 

2. ,,Eliesabeth Phi / lip])ine Hetlings ge / l)ohreii von Stopler 1736". 
(Wappen: l^ose, dainiber Halbmond, nach unten offen.) 

Grnbstoiiu'. An der inneieii Ostwand sind zwei Clrabsteine aus Sandstein aufgerichtet. 




Abb. G. Ehcmalifics IIotliriLCsclios Ciiit in Adenstedt: Wohnrniiin. 



1. Höhe 2,11 m. Breite 1,06 m, lebensgroßes Bildnis eines Geist- 
lichen, laut Insclirift des Hartholoniaeus l^ei'gmann. gestorben 16.^9. 
Zwei Waj)j)en. 

2. Höhe 3,08 m, Breite 0,73 m. Grabstein des Amimanns .lolians 
Freidenhammer, gestorben H)]7. Vier Wappen. Im 7(S 72 ein großen 
Felde Kreuzigungsgruppe. l iileii: vier kniende männliche und sechs 
weibliche Figuren. Inschriften ])iblischen Inhalts. 

IMnnhaus. Das südlich der Kirche liegende Pfarrhans, ein in hjchenfachwerk 
hergestellter zweigeschossiger Bau, wurde im .Jahre Ki^ö eriiciilel, wie 
aus einem über der Eingangslür in den Sturz geschnittenen Chronostichon 
hervorgeht: „AEDE SACRA STRVCTA LENTO HVETROQVE RE- 
DVCTA ENNOVVS IPSE LOCVS ST AT RAIOCS SHJVE FOCVS ALHR". 
Die Schrift ist infolge schlechter Bemalung schwei- (Milzifferbar. 
Friedhof. Auf dem Fi-iedhofe hat sich ein /nr Erinnerung an die h'riedensfeiei- 
1814 errichteter Denkstein erludlen, der jetzt in die Kriegereiiiung 
1914—1918 einbezocen ist. 



17 

Wohnhaus, Eicheiiiachwerk, Gefache verj)utzt. Vorderseite 17 Ge- I^hemaliges 
fache, Breitseite 8 Gefache, zweistöckig^. Am Sturz der naiij)teii)i*anostiir JJ^/J^J^f^iit 
zwei Wappen, ganz ähnlich denen auf den Ghisfenstern in der Kirche. Unter- Wolinliaus. 
Schrift im Bande: „CHRISTOPH JOACHIM HETLING '/ ELISABET 
PHILIPPINE V. STOPLER". Au(5erdem am Sturz: „AX XO 17 22". 
Hanstür verdoppelt, ans Eicheidiolz, gute Aufteilung. 

Im Obergeschoß: zwei Wohnrcäume (F,mpfangsiauin und Selilalzimmer), 
deren Wandbespannungen aus Ölgemälden auf Leinwand bestehen (Abb. 6). 

Die dargestellten Szenen scheinen einer Dichtung entlehnt zu sein: 
offene Landschaften mit dicken Wolken, auf denen 1^'iguren sitzen, die 
Spiegel tragen, in denen sich Parkanlagen, Springbrunnen u.a. sj)iegeln. 
Von demselben Meister rühren die meisten Bilder in der Kirche her. 

Zwei Ölgemälde von früheren Besitzern im Erdgeschoß, zwei weitere 
Porträts befinden sich im Obergeschoß. 

Ofen im Obergeschoß, gußeisern, mit Wappen und der .lahreszald 1725. 

Am Torpfosten: H. CIL SOmER / H. MI. HAREXBERG. AXXO l.S()7'. 



Alfeld. 

(Kreisstadt am Leinefluß.) 



Literatur: Arcliiv für Slädtekuude I, S. 455 ff. --v. Bahrfoldl, In .Münzblätter, 
l!)t 4. - W. Becker. Die Braunschw. (Glashütten im Nieders. Jahrl)ueli, 1927, 

5. 1 ff. — A. Bertram. Geschichte des Bistums Hildesheim III, S. 290. — 
H. Böttger, Die Brunoiien (liezügUch Duttingen, S. 217). — Botho, Cronecken 
der sassen, IVIainz 1492, unter: Aluelde. Iväthe Büschgens, im Corpus Calholi- 
corum, Heft XI (192G), S. 11. A. h\ Büsching, Lebensgeschichte denkwürdiger 
Personen VI, S. :U2. — M. Burchard. Das Stadtarchiv zu Stadthagen, Taf. 2, 4. 

6, 7. — Zeitschr. für christl. Kunst. 1889 :der Alfelder Hochaltar. — R. Doebner. 
Statuten und AVillküren der Stadt Alfeld, in Zeitschr. des Ilistor. Vereins für 
Niedersachsen, 1896. — Derselbe, Urkundenbuch der Stadt Hildesheim I. S. 'A\. 
45, II, S. 911, 914, 629. — R. Dralle. Zwischen Weser uml JA'inc. - lu-slscbriri 
der Freiwilligen Feuerwehr x\lfeld. 1923. — W. Fricke, Festschriricn zur .lubcll'i lei- 
der Alfelder Liedertafel 1912 und 1927. - - P. (iraff, (ieschiclitc des Kreises AilVId. 
S. 571 ff. — Derselbe, (reschiebte der Auflösung der gottcsd. JMirmen. S. :15. 
Hannov. Magazin 17.53 77 (bezüglich Dulliugen). — Freüi. .1. (irote. Verzciclnüs 
wüster Ortschaften, S. 8 (bezüglicb Dullingen). - .1. Cbr. Harcnberg, Historia 
eccl. Gandershemensis. S. 1617. H. llerberholz, Festschrift zur Jubelfeier des 
Realprogymnasiums zu Alfeld. — Derselbe, Festschrift zur 2.5jährigen .Iui)elieier 
der höheren .Mädchenschule zu Alfeld. W. Heinze, Geschichte tler Stadt .Mfeld. — 
Heise, Aus dem ..Weißen Buch" der Sladt .\lfeld im Vaterl. Archiv. 18 11. 

J. C. St. Hölling, FZiid. zur welll., Kirchen- uiul Reformat ionshislorie 

Hildesheim. — H. Hoogeweg, Urkuiulenl)uch des Hochstifls Mildcslieim. 11 KI'.h». 
V, S. 478, bezüglich Duttingen III, 81. Derselbe, Invenlar (kr inelilstaalliciien 
Archive im Kreise Alfeld, unter: Alfeld. — K. Janicke, l'rkundenbuch des Hoch- 
stifls Hildesheim. S. (k"). 631. 763. K. tvayser. Die refornialor. Kirc lienvisilationen, 

3 



18 

S. 87, 21G, 334. — Kühl, Geschichte der Stadt .Jülich 11. S. 220. — S. Kümnierle, 
Encyklopädie der Kirchenmusik II, S. 299. — J. L. Lauenstein, Historia Diplomatica 
Hildesiensis II, S. 259, 271. — H. A. Lüntzel, Die ältere Diözese Hildesheini, S. 421. 
— J. Machens, Die Archidiakonate im Bistum Hildesheim. — G. Merker, Nach- 
richten über das Seminar zu Alfeld. - — K. Michelsen, Die Lehr- und Arbeitsschule 
zu Alfeld, 2. Ausgabe. - W. Mithoff, Kunstdenkmäler IlL unter: Alfeld. — 
Monumenla Germ. S. S. IIL S. 7G8 (Thietmars C.hronik). Mohrmann, ,,Das 

Kaiandhaus" in Denkmalpflege, 1903. — G. L. Müller, Das Leims- imd Landes- 
aufgebot, S. 103. — A. Reuter, Alfeld a. d. Leine (Westermanns Monatshefte, 
1925). — W. Roßmann und R. Doebner, Die Hildesheimer Stiftsfehde, S. 910 bis 
1001. — K. Scheibner und H. W. Oppermann, Die ersten 100 .lahre des 
Königlichen Seminars zu Alfeld. — R. Schmidt, Das Glas, S. 192. — 
C. Schuchardt, h'rühgesch. Befestigungen, S. 107. — G. Schumann. Fest- 
rede zur Friedensfeier, 1871. — Siebmacher, Das große Wappenbuch I. I\'. 
Stadtwappen, Tafel 156, Erl., S. 127. — P. Siedentopf, Zur Befestigung der Stadt 
Hannover (Haimov. Kurier vom 12. April 1925 und 10. Oktober 1926 und im Hannov. 
Magazin 1927). — Osw. Spohr, Die Nachfahren des Ratsbaders . . Si)ohr in Alfeld. - 
Art. : Stockfleth, i. Allg. D.Biographie. — H. Sudendorf, l'rkundenbuch zur Geschichte 
der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg YIII, S. 373, X, S. 9, III S. 2, I S. 15. 
X S. 257. — W. B. Theele, Chronik Alfelds. — Derselbe, Die Stadt Alfeld. — Der- 
selbe. Urkundenbuch zur Geschichte der Nikolaikirche in Alfeld. — E. v. Uslar, 
GescJiichte der Grafen von Winzenburg. — P. Zimmermann, Album Helmstediensis, 
S. 290, 122, 172, 188, 229, 257. — Die Literatur über Duttingen siehe auch Duingen. 

Quellen: Alfelder Ratsarchiv, daraus besonders: H. Hoogeweg, Alfelder 
Urkundenbuch, hdschr, im Ratsarchiv. — Bosze, Forschungen zur Geschichte 
des ,, Blauen Steins". — Fr. Buchholz, Das adlige Geschlecht v. Steinberg, hdschr. 
im Schloßarchiv Brüggen. — M. Burchard, Die Alfelder Bürger, von 1452 — 1584, 
noch hdschr. im Besitz des Verfassers. — Derselbe, Ergänzungen zu Ileinze. Gesch. 
im Exem|)lar des Landratsamtes. — Derselbe, Regesien im Alfelder Stadt - 
buch I, mul Bürgerlistcn dazu. — Ephoralarchiv in Alfeld, bes. die handschrifll. 
Ergänzungen im dortigen Exemplar von Höllings Reformationshistorie, Kirchen- 
buch 22, XII. - — Gildeakten (außer denen im Ratsarchiv) der Bäcker (Bäckerm. 
Otto), Böttcherakten (z. Z. Schuhnuicherm. Bormann). — Schulchroniken der 
Alfelder Schulen. — Staatsarchiv Hamiover, Domstift 2018, ebend. Urk. Marien- 
rode, 274, 421, 451. — Stadtbuch L ..Weißes Buch", Stadtbuch m. d. Kn.ippen, 
Stadibuch IV. sämtlich im Alfelder Ratsarchiv. — \Yinzenl)urger Erbregister von 
ir)7<S. i. Altelder Landratsami. 

Abbildungen: Alfeld, Gesandaiisitht aus der Mitte des 19. .lahrhiiiiderts, 
im Ratsarchiv, ebendort : die einstmalige katholische Kirche (lu'ke Paulistraße) 
(Photogr.), ebendort: Alfeld vom Flugzeug (Phologr.). - v. Bahrfeldl, Münz- 
blätler 1911 (Alfelder Münzen). — Denkmalpflege, 1903, S. 81: Kaiandhaus. - 
P. Gral'f, Geschichte des Kreises Alfeld. — W. Heinze, Geschichte Alfelds. — ImI. 
Müller, Führer durch Alfeld und Umgebung. — Mainzer Sachsenchronik unter: 
Aluelde. — - H. Meyer, Korkfabrikant, Alfeld, alte hölzerne Leinebrücke (Photogr.). - — 
W. Mithoff, Kunsldenkmäler III. — E. Pitsch, Ölbilder im Rathaus, auch in Wester- 
manns Monatsheften (Mai 1925). — J. Reimers , Handb. der Denkmalpflege. 
3. Aufl., S. 170, Fig. 346 und 366. — Reuter a. a. O. — Staatsarchiv Hannover. 
Karten I A f 33. — Siebmacher I. IN' 2 Stadtwappen Taf. 156. — Stadtbauamt 
in Alfeld, 156 Aufnahmezeichnungen (kr Rathausfassadin, aufgenommen 1925 
durch O. Kiccker. 



10 

Alles Dorf bei Alfeld. 
Literatur: Bodemann, i. Zeitselir. des Histor. Vereins für Niedersaehsen, 1882, 
S. 311. — P. Graff, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 375, 129, (U7 — W. Heinze, 
Geschichte der Stadt Alfeld, Urk. 5, 24, 2t), S. 18, 3(i. — H Hcxgeweg, Inventar 
der nichtstaallichen Archive im Kreise Alfeld, S. 7. — Derselbe, Urkundeid)uch 
des Hochstifts Hildesheim H, 1090, IV 1389. II. Sudendorf, Urkundenhuch zur 
Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg .\, S. 2.5(). 

Quellen: Ratsarchiv Alfeld: Alfelder ITrkundenbuch, hdschr v. lloogeweg, 
Urk. Nr. 136, ebendort : Stadtbuch I S. S. 281. 

Abbildungen: P. Graff, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 129 und Sladt- 
plan vor S. 599. 



In einer lirkunde vom Jahre l'it)") wird v\n Arehitliakon eiwalinl, 
welcher der des Archidiakonats Alfeld sein muß. Daraus eri^ibt sich, 
daß damals schon eine Siedlung mit einer Archidiakonats- oder Mutter- 
kirche vorhanden war, 1214 ist ein ,,villicus" des Bischofs in ,,Alvelde" 
erwähnt. 1221 sagt Bischof Sigfried 1.: ,,villam Alvelde cum jure et 
integritate, qua eam invenimus, servavimus liberam nostro successori". 
Bischof Sigfried I. (1216 — 1225) idiernahm also den Ort mit gewissen 
Bechten, die nur einem städtischen Gemeinwesen zukamen. Danach 
fiek^ die Gründung der Stadt und des Archidiakonats wohl noch in das 
12. Jahrhundert. 

Bald darauf wird auch die Nikolaikirche als Mutter- und Archifhakonals- 
kirche erbaut sein. Noch jetzt weisen ja Spuren auf jene frühmittelalter- 
liche Zeit hin. Patron der Kirche war seit 1355 das Kloster Marienrode, 
welches das Patronat 1570 an den Landesherrn abtrat. Begünstigt 
wurde die Errichtung dieser Kirche als Archidiakonalskirche olme Zweifel 
dadurch, daß das neue städtische Gemeinwesen nicht die erste Siedlung 
an dieser Stelle war, sondern daß ein längst vorhandenes ,, Altes Dorf" 
unmittelbar vor den Toren der Stadt dort, wo jetzt der alte Friedhof liegt, 
Bedeutung als uralte Dingstätte des GaugericlUs in der ,,Gohe Altes 
Dorf" hatte. Die alte Dinglinde ist noch jetzt auf dem Friedhof zu sehen. 
Das ,,Alte Dorf" selbst, erstmalig 1258 (1210) erwähnt, mit seiner dem 
heiligen Georg und den 14 Nothelfern geweihten Kirche, ist wahrscheinlich 
in der Stiftsfehde zerstört, sicher aber schon um 1520 wüst gewesen. Die 
Kirche brannte 13(S3 ab, wurde aber trotz der Nähe Alfelds wiederaufgebaut. 
1641 wird der Diakon der Nikolaikirche noch ,, Pastor der Georgskirche" 
genannt, trotzdem dieselbe nicht mehr vorhanden war. .Andere Wiislungeu 
in der Nähe Alfelds sind: bei b'öhrste Arnhausen oder Ackenhanseu, 
vor 1500 genannt, Hudessen und Bodensen, von denen Weiteres nicht 
bekannt ist, zwischen Alfeld und Flörsum; Duttingen, im 9. Jahrhundert: 
,,Duttungen in pago Aringho", 1264: Dulinge, bisweilen mit Duingen 
verwechselt. 



Geschichte 



20 




Abb. 7. Archäolotsiscber Phin der Sliidl Allcld. (li.MtOd.) 
1. N'ik(>lai-tr:il.U>. 2. Halliiuis. — ■ 3. Altes Seminar. — I. Welirtiinn am I.aiidmtsaml. 
schenke (Winde 17). (>. elieniali^jes v. Sleinlx'i lisebes Wolinhaiis. 



ö. 15iiii;er- 



Dio Anlai>c der von \oi'iilierciii al.s Sladl l;(m1;icIiI('ii CiiiiiKluiiii /cii^L 
nalurgomäß auch eine gewisse Regelmäßigkeil in dci Cuslall eines Ovales, 
dessen Westseite dnreli di-n Middengrahen, einem allen Leineai-m. eine 
Kiid)uchlung erhielt (Abb. 7). Im ungelähien .Millelpnnkle lagen die 
wichtigsten (iebände um den Ahirkt- und Kiichplalz grui)|)ierL am oberen, 
höher gelegenen Ost- und Siidrand die (ieh()t'le der benachbarten und zniu 



21 

Teil auch in Alfeld begütcileii Adelsfamilieii : v. SlciiilnMii. v. Wrisbcr^, 
V. Stückheim u. a., außerdem der McWiehehot' mul der Kalaiidshof. Eine 
1358 genannte, 1387 den Herren v. Sleinberg verpfändete ,,P>urn" außer- 
halb der Stadt verfiel bald. Außerhalb lag auch das schon 11 12 erwidmle 
Elisabethstift. 

Die Entwicklung der bald nach der Gründung von ihrem bisclnW'lichen 
Landesherrn mit manchen Privilegien bedaclUen Sladt nahm einen 
guten Fortgang, so daß sie die zahlreichen l\'li(ien des Mittelallels, die 




Al)l). S. Siej^ol der Stadt AllVId vom Jahre 1258. 



.\l)l). '.). Sifycl diT Stadt Alfeld vom .Jaluc 1 177. 



Brandschatzung 1305 durch die Braunsclnveiger Herzöge und die in der 
Stiftsi'ehde 1522, gut überstand und damals als die zweite Stadt des Bistums 
angesehen werden muß. 

Die Reformation fand erst 1542 Eingang, (ileichwohl lassen sich 
manche früheren Berührungen mit der Reformation feststellen. Weist 
doch das Universitätsalbum von Wittenberg bis 1529 schon 15 Xainen 
aus Alfeld und Umgebung auf. Auch gilt Alleld als Heimat des Minoriti'ii 
Augustin Alveld, des Gegners Luthers. Aiteie Schriftsteller meinen, 
das holsteinische Geschlecht v. Alfeld, dem auch jener Aiignstin angelKire, 
hätte seinen Namen daher, daß sie einstmals die Alfelder Burg besessen 
hätten, doch ist darüber nichts l^rkundliches bekannt. 

Eine längere Friedenszeit nach den Stürmen der Reformalions- iiiid 
Gegenreformationsjahre ließ um 1600 mehrere fast gleichzeitig aufgefiihrle 
Gebäude erstehen: Rathausvergrößerung, Lateinschule (Altes Seminar), 
Superintendentur, Kaiandhaus). Schwer lasteten die Leiden des Dreißig- 
jährigen Krieges auf der Stadt, namentlich seit 1(V25, wo Wallensleiii 
und Tilly sich hier trafen. Auch an den sj)äteren wichtigen i^eschichtlichen 
Ereignissen nahm es mehr oder weniger Anteil. Als besonders bemerkens- 

4 



22 




Al)b. 1(1. AllVldcr I5i:iklc'atcn vona Jahre 12,'>(). 



worl ist zu t'r\v;iliiu'ii, dnü l.SK) ein großer ßraud 10 1 Wohuhauscr ein- 
äscherte, so (lalj zwai" weiiij^er das Slraßennelz. aber doch das alte Stadt- 
bild last völlig zerstört wurde, zuin;d in den folj^enden Jahren verschiedene 
Brände auch noch manches von dem Wcnii^en vernichtete, was «eblieben 
war. Die Einwohnerzahl Alfelds betrui,^ 1823: 2100, 1925: 6985. 
Stadtwappen Wap])en und Siei^el der Stadt Alfeld sind unter sich verschieden. Das 
und Siegel. v;ir^f|tsicgel zei^t in der älteren Form (1258) einen aufsteiitenden Nikolaus 
mit Krunimstab in der Hechten und Buch in der Linken (Abb. 8), später, 
zuerst 1137, den auf tineniThron sitzenden heiligen Nikolaus mit l)isch()fs- 
stab und se^nendei' Hechten (Hand der (ierechtif4keit), und (himnter 
rechts das Hildesheimer bischöfliche Landeswappen und links den Alfelder 
Dreiecksschild sowie die Umschrift: „SIGILLUM CIVITATIS IN 
ALVELDE" (Abb. 9). Zu vergleichen sind auch einige Braktealen 

unter den 271 Brakteaten desKlein- 
fredener Münzfundes auf dem dort- 
igen Kirchhof 1888, die in Alfeld ge- 
|)rägt sein müssen. VAwv Miinz- 
schmiede ist im 11. .lalirhundert in 
Alfeld nachzuweisen, auch gab es 
neben der Braunschweiger, Goslarer 
und andere um 1500 auch eine be- 
sondere ,, Alfelder Mark" und ein ,, Alfelder Pfund"'; 1618 war die Münz- 
schmiede neben dem v. Steinbergschen Hause am Klinsberg. Die Brakteaten, 
aus der Zeit nach 1250 stammend, zeigen einen sitzenden Bischof und zu 
beiden Seiten ein A. (Abb. 10). Der obengenannte Waj)penschild ist 
geviertet (Hot und Gold) mit aufgelegter blauer Scheibe. Die Stadtfarben 
sind Gold-Rot. Die blaue Scheibe an der Herzstelle bringt man in Zu- 
sammenhang mit dem ,, blauen Stein" am Hathauseingang. Der ,, blaue 
Stein", ein Basaltstein, findet sich auch in anderen Städten, namentlich 
im Rheinland. Er ist ein Rechtsmal. In Alfeld ist er in Beziehung zur 
Sage von dei' Lippoldshöhle bei Brunkensen gesetzt. 

Da sich über dem Hathauseingang, am Alten Seminare und andeivn Orten 
auch ein anderes Wappen i)efindet, nämlich ein KartuschenschihI unter 
einem gekrönten ,,A", von zwei zugekehrten stehenden Löwen flankiert, 
und die vier Plätze (Felder) noch durch Silberstreifen voneinander 
getrennt (vgl. Abb. 51), so ließ man 1902 durch den Hcraldiker Otto 
Hupp in Schleißheim das nun gültige Siegel entwerfen. Es stellt dar: 
in Gold auf rotem Thronsessel sitzend den heiligen Nikolaus in bischöf- 
lichem Gewände, in der Flechten ein Buch, in der Linken den Bischofsstab 
halU'nd: zu seinen h'iißi'u zwei gegeneinander geneigte Schilde (bei Sieb- 
nuK'her und in einer l'rkunde von 1 177 sind sie dagegen nicht gegenein- 
ander gelehnt), von denen der rechte von Gold und Hot gespalten die 
Hildesheimer Farben trägt, der linke von Rot und Gold (Alfelds Farben) 



geviertet, an der Herzstellc mit einer blan gebuckelten Seheibe belegt ist. 
Das jetzt verwendete Wappen ist dasselbe wie das IU'naissancewapj)eii 
über dem Rathauseingang, ohne die unriehtigen sili)erneii 'rrennst reifen 
und ohne Krone und Schnörkel, F'arben: Rot-Gold, 



Die Nikoiaikirche, ev.-luth. 

Urkundliche Nachrichten über die Baugesciiichle (\v\- Nikoiaikirche (icscliicliie 
stammen erst aus den Jahren 1409 — 1423. Damals erleillen der Bischol', 
der Abt von Marienrode (als Patron) und der Plarrer der Alfelder Kirche 
die Erlaubnis zum Bau der sogenannten Sleinbergschen Kapelle, (\\v 
nach ihrer Fertigstellung auch eine Inschrift mit Angabe des Baujahres 
1423 erhielt. 1482 wird die Sakristei urkundlich erwähnt. Damals stand 
ein dem Simon und Judas geweihter Altar ,,bove dem gerhuße". Es 
würde daraus zugleich zu folgern sein, daß 14<S2 die südcislliche Ecke der 
Kirche schon zweigeschossig ausgebaut war. Über den Turmbau berichtet 
das ,, Weiße Buch": ,,Anno 1488 turres in Alfeld construuntur". Da eine 
Urkunde von 1486 besagt, daß die v. Wrisberg in diesem Jahre den 
Bartholomäusaltar gestiftet hätten, der in der Kapelle der nordwestlichen 
Turmhalle aufgestellt war, so muß diese bereits bestanden haben, entweder 
in dem noch romanischen oder vielleicht schon gotisch hergerichteten 
Turmteil, dessen Obergeschosse dann erst 1488 vollendet worden sind. 
1503 wurde laut Datuminschrift an der Xordostecke dieser Teil fertig. 
Zwischen 1731 und 1750 war am Xordportal (Eimser J^ir) noch die Jahres- 
zahl 1555 erkennbar. Vor der 1892 erfolgten Erneuerung der Sleinberg- 
schen Kapelle befanden sich zwei Wappen (v. Freden? und v. Steinberg) 
im Sturz der beiden gekuppelten Fenster der Ostseite. Im Millelgewände 
dieses Fensterpaares war die Zahl 1588 eingehauen. 182^5 ist eine sechste 
Eingangstür an der Nordseite zugemauert. 

Reichhaltigere Nachrichten sind über die Ausstattung erludtiMi. 1. ■)'.).■) 
stiftete Ludolf v. Wenden einen Altar; 1482 wird, wie schon eiwidint. 
der Altar ,,zu den heiligen Aposteln Simon und Judas"" gi'uannt, I 185 
der ..Unserer lieben Frau und St. (ieorg" (.Jürgen); 150() ist der ...Mtai- 
zu den heiligen fünf Wunden .lesu (Christi"' von Ludelef Rothmann ge- 
stiftet; 1517 beschenken die Einbecker Bürger Becker und lisemann den 
Altar ,,St. Matthiä"; 1526 wird erwähnt: ,,am Ortpfeiler vor dem (.höre 
in Norden der Altar: Se])lem gaudiorum" zu Ehren der .lunglrau. (U's 
Matthias, der fünf Genossen usw. Unter weiteren anderen NNcrden ;iueh 
Mauritius und Lucia genannt. Da diese 1 ledigen nebiMi der Jungti;iii. 
dem Papst Ui-l>aii und der heiligen Kath;irin;i auf dem Alfelder Alt;ir- 



24 

Schrein im Pioviiizial-Museuin zu Hannover (Welienninseum) vorkommen, 
dürfte es sich hier um den Altar: Septem gaudiorum handeln. 

Der 18(S(S verkaufte, jetzt in der Kölner Minoritenkirche befindliche 
große Altarschrein stammt aus der Werkstatt Borgentriks (dieser lel)te 
um 1190 in Braunschweig). Der Chor der Kirche ist vermutlich damals 
also fertig gewesen. Von den ehemaligen Altäien isl nui' noch dci' Allar- 
tisch in der Sakristei der Kirche erhalten. 

Die Beformation, die endgültig löliS in Alfeld gefestigt war, rief größere 
Veränderungen in der Ausstattung hervor. 

Der Lettner wurde 1574 al)gel)rochen, ein neuer Taufstein 1570 ge- 
stiftet, der seinen Formen nach aber schon früher angefertigt sein muß, 
sofern es sich um den jetzt noch vorhandenen gotischen Taufslein 
handelt. 1574 erhielt die Kirche eine neue Orgel mit 2 Manualen und 
23 klingenden Stimmen (iM-bauer: ,, Meister Hans aus Braunschweig"), 
die jedoch unter Beibehaltung alter Register Mitte des 19. .Jahrhunderts 
erneuert wurde (Schaper-Hildesheim). 

Daß auch diese Orgel schon eine Vorgängerin gehabt haben muß, 
geht aus einer undatierten Urkunde hervor, in der ein Priester Joh. 
Rolant, der um 1526 lebte, genannt wird. Unter anderen wird darin 
gesagt, daß der Organist ,,up der orghelen speien" sollte. 

Eine ältere hölzerne Kanzel ist 1669 aufgestellt, der frühere große 
Barockaltar 17.3(S: beide scheinen erst beim Umbau der Kirche 18(S8 — 1892 
entfernt zu sein. Damals wurden auch die alten Emporen abgebrochen, 
bis auf die Orgelprieche, die aber umfassend umgestaltet ist. 1925 sind die 
Turmhelme neu beschiefert. 
BeschreiixiMg. I^ie jetzige dreischiffige, gewölbte gotische Hallenkirche mit Doppel- 
('.riiiidrii.i- türm im Westen und einer Gruftkapelle an der Südseite hat sich aus einer 
romanischen Anlage entwickelt, deren Reste teilweise erhalten sind. Die 
bedeutendsten derselben bilden drei Gewölbe, wahrscheinlich das Quer- 
haus der alten Kirche. Da die rechteckig ])rofilierten 4'renngurte teils 
rundbogig, teils schon schwach s])itzbogig sind, dürfte die Bauzeit gegen 
Mitte des 1.3. .Tahrhunderts liegen. Mithoff berichtet (1875) von einem 
weiteren Best, einem ,,2,33 m vom b'uübodeii entfernten, romanisch jiro- 
filierten Kämpfer an der Ostwand des nordwestlichen Thunns"', indessen 
scheint dieser Rest verlorengegangen zu sein. Im südlichen i'urmteil 
befindet sich eine in etwa 9 m IbHie liegengebliebene Wendeltreppe mit 
1,10 in dicker Spindt'l und 1.10 m langen Stufen. Der grauweiße Sandstein 
(spiUei- außen mit rotem Stein umkleidet) sowie die Art der Bauaus- 
führung, lassen den Schluß zu, auch in dieser Tre])j)e einen Best der 
romanischen Westaidage zu sehen. 

1 )ie Vergröl.UMung der Kirche erfolgte im Laufe des 15.. Jahrhundert in zwei 
Hauabschnilten. Zuerst wurden die drei westlichen, später die beiden öst- 
lichen .Joche und der fast (piadratische Chor sowie der Doppelturm eibaut. 



26 




Laut Inschrill ist 1 123 ein Anbau an clor Südseite erfolgt als Gruft- 
kapelle der Familie v. Steinberg. Auch die Nordseite hat bis zum Anfang 
des 19. .lahrhunderts einen dieser Kapelle entsprechenden Anbau gehabt, 
so daß bei der I^rweilerung die idierheferle Kreuzform wenigstens äußerlich 
gewahrt blieb. Schwache Spuren des Anbaues sind an der Nordseile 
erkcnid)ar. 

Die letzte Vergrößerung fand Ende des 15. und Anfang des 1(). .lahr- 
hunderts statt, als dem Chore nördlich wie südlich weitere zweigeschossige 
Anbauten angefügt wurden. Der nördliche ist zur Kirche gelegt, nachdem 
die hier eingebaute einstige Prieche der Kalandsbrüder entfernt war. 
Der südliche nahm im Erdgeschoß die Sakristei, im Obergeschoß eine 
w^eitere Prieche auf. Das Obergeschoß der v. Steinberg- 
schen Kapelle mag damals gleichfalls aufgesetzt sein. 
^C^^r^v |^>^:- J Eiu über einer kleineu Nische an der Nordseite im 
(j^ Osten befindlicher Sturz trägt die Zahl 1503, vermut- 
lich das Jahr der Beendigung der Erweiterung. Das 
Mittelschiff der so entstandenen Hallenkirche \var 
frülier durch ein hohes Satteldach überdeckt, in das 
(He lüedrigeren Seitenschiffsdächer der einzelnen Joche 
einschnitten. Spuren von Profilen und vierWasserspeier 
an den Strebepfeilern der Nordseite zeigen deutlich 
an, daß jedes Joch einen besonderen kleinen Giebel 
trug. Kalkleisten an den Innenseiten der Giebel 
geben die ehemalige Neigung an. 
Das jetzige mächtige, die Kirche in ganzer Breite überdeckende Sattel- 
dach ist vermutlich 1746 hergestellt gleichzeitig mit dem beschieferten 
Dachreiter, in dessen Wetterfahne sich die genannte Jahreszahl befand. 
Die Gesamtlänge der Kirche beträgt rund 17 m, die Breite 22 m 
(Abb. 11). 

Die drei Gewölbe des romanischen Querschiffs werden von vier kräftigen 
Pfeilern mit Vorlagen aufgenommen, deren teilweise vorhandene Ecksäulen 
auf Basen mit Eckblättern ruhen und romanisch ornamentierte Würfel- 
kapitale tragen (Abb. 12). Die Kämpfergesimse sowie die zugehörigen 
Westteil. Wandvorlagen sind im gleichen Stilcharakter profilit'rt. Maßgebend für 
die l^reile der 1 lalkMd<irche, die Anfang des 15. Jahrhunderls zur jetzigen 
Größe erweitert wurde, war das stehengebliebene Quersciiitf des ro- 
mani.schen Baues. Zunächst wurden die drei Joche zwischen (üesem und 
dem Westturm von (irund auf neu hergestellt. Die vier, die Gewölbe tragen- 
den achtseitigen Pfeiler (0 1,05 m) leiten ohne Betonung der Kämpfer in 
die Scheidbögen über (Abb. 13). Die mit Kehle profilierten Rippen und Quer- 
gurte ruhen auf Konsolen, die an den Pfeilern nur reich profiliert, an der 
Südwand aber mit Laubwerk und Köpfen geschmückt sind. Als Wölb- 
material diente Sand- und Kalkbruchstt'iii. Die Gew^ölbeschlußsteine 



Abi). 12. Nikolaikirche in 
Alfeld ;r<)m. Kapital. (1:4.) 



Aufbau. 

Romaiiisclici 

Teil. 



27 



im Westteil zeigen Rosetten nnd diesen verwandte iM)rinen; einer der- 
selben trägt die goliselien Kleinbnehslaben : ,,iii. n.". 

Am Strebepfeiler, hart östlich des Siidporlals. ist in 1,2.") m Höhe 
(Unterkaiite) eine 37 cm hohe, (w cm ])reile Sonnennhr mit der (Jahres-) 
Zahl 1519 angebracht. An der Nordseite ist der Eingang — die sogenannte 
EimserTür — als architektonisch ausgebildeter Portalbau hervorgehoben. 
In die gotische Architektur sind auch die beiden seitlichen Strebepfeiler 
einbezogen und zwar derart, dal.5 auf iliren unteren Schrcägen h'iguren 
auf Konsolen stehen, die am (islHehen Pfeiler die .lungfrau Maiia mit 
dem Kinde, am westlichen den heiligen Nikolaus daisleMen. Zwischen 
den Strebepfeilern steigt oberhalb der spitzbogigen 'riiruiiir;ihnuing ein 
stattlicher Giebel auf mit Laubbossen und Kreuzblume (Abb. 11). 

Der um drei Stufen erhöhte üstteil, drei .Joche hing, wurde schon bald o^lttii. 
nach Fertigstellung des Westteils gleichzeitig mit dem Chor aufgeführt. 
Die Wölbscheitel liegen hier im allgemeinen etwa 1 m h()her als im gotischen 
Westteil, und etwa 1 ,50m 
höher als im romani- 
schen Teil. Auch im Ost- 
teil w^erden die Gewölbe 
von achtseitigen Pfeilern 
getragen, deren Seiten 
hier aber leicht hohl ge- 
arbeitet sind, wodurch 
die Kanten schärfer her- 
vortreten. Die Scheid- 
und Quergurte sind 
denen im Westteil gleich, 
die Diagonalrippen da- 
gegen schärfer im Profil, 
das hier eine Hohlkehle 
bildet (Abb. 15, 16, 17). 

Die Schlußsteine sind 
unter sich verschieden 
und kunstvoller als im 
Westen; sie zeigen Son- 
ne, Stern, Köpfe, einen 
Schild mit weißem Pferd 
auf rotem Grund, ferner 
Christus, einen Bischof 
(Nikolaus?), einen vor 
einem Kelch knienden 
Engel, schließlich über 
dem Altardas Lamm mit ai.I). i:;. NikoiaikiMiu' in Aiicki. imu'irs. 




28 



SaUrisli'i 
1111(1 Xord- 
üstanbau. 



(k'iii Pcduin. All (Irr siidliclKMi 
Außenseite, am zweiten Strebe- 
pfeiler von Osten, befindet sich 
in etwa 'Am Höhe in gotischer 
l inrahinuHU ciiic etwa <S() cm 
hohe, ;>() cm breite Nisclie, 
darüber eine kleine Wimperge 
mit seitlichen Fialen. In der- 
selben eine rnnd (U) cm hohe 
Christusbüste mit Krenznimbus 
(zweite Hälfte lö. .lahihuii- 
derts). Material: roter Sandstein 
(Abb. IS). 

Durch die Sakristei nebst 
Obergeschoß an der Südostecke 
und einen ähnlichen Anbau an 
der Nordostecke erhielt das 
Schiff die letzte Vergrößerung 
(zwischen 1482 und 1503). Die 
Sakristei liegt rnnd 1 m höher 
als der Chorraum, mit dem sie 
durch eine Treppe verbiiiideii 
ist. Das überdeckende Netz- 
gew^ölbe ruht auf einer reich 
profilierten Mittelsäule. Die mit 
Hohlkehlprofil versehenen Hippen schneiden geschickt in den Säulen- 
schaft ein. Zwei spitzbogige Maßwerkfenster erhellen den 3,10 m hohen 
Raum. VÄuc Nische im Mauerwerk dient als Schrank, eine andere als 
Piscina. ITnterhalb des Ostfensters der alte Allartisch. Über der Sakristei 
liegt ein jetzt nicht benutzter Raum von 5,50x5,20 m (iröße, der bis 
vor der letzten Instandsetzung (1888 — 1892) als Prieche diente und durch 
eine Treppenanlage hinter dem Altar zugänglich war. .letzt sind die 
Öffnungen nach der Kirche vermauert. Der Raum wird (Uircli zwei drei- 
teilige reiche Maßwerkfenster der spätgotischen Zeit belichtet. Die Eck- 
konsolen, auf denen sich das rippenlose (iewölbe setzt, sind mit Köj)fen 
geschmückt. Als Fußbodenbelag dient eine Racksteinflachschicht vom 
Steinformat 13x26 cm. 

Der Nordostanbau scheint 1503 vollendet zu st'in. Die gotische Kiciii- 
buchstabeninschrift: ,,Anno dni mv<^m" im Sturz einer Nische, an dw 
Nordostecke (außen), läßt jedenfalls darauf schließen. Der Form nach 
stammt auch das neben der Nische liegende, mit geradem Sturz versehene 
Maßwerkfenster aus dieser Zeit. Der gerade Sturz läßt vermuten, 
daß der Nordostanbau gleichfalls zweigeschossig war. Der Scheitel 




.\1)1). II. Nikohiikirchc in Allcld. Noidporl 



1: 100.) 



29 




Abb. 1.'). Xikolaikirchc in Alfeld : ()iier>chnitl. (li'.^nii. 



des Gewölbes liegt hier l,üü m höher als die Scheitel im \Veslteil und 
2,10 m höher als die des romanischen Teils. Daß der Nordostanbau nicht 
mit dem Chor gleichzeitig erbaut ist, zeigt deutlich der jetzige nordöstliche 
Pfeiler vom Schiff, der offenbar das Reststück zweier alter Außenwände 
bildet. In diesem Teil ist eine achtstufige Treppe zur Westtiu-, der so- 
genannten Kaiandtür, angelegt. Der Schiffsfußboden liegt hier etwa 
1,<S0 m tiefer als der Erdboden. Außen neben der Tür befindet sich eine 
Hochrelief darstellung (Stalionsbild) in hellem Sandslein, .5<SxG0 cm groß: 
Kreuztragung. Im Vordergrunde fünf Gestalten, davon eine einen Salben- 
topf tragend, spätgotische Arbeit. Ferner eine Kreuzigungsgrui)pe (gotisch,) 
links und rechts zwei Gestalten in langen Gewändern (Hochrelief), außer- 
dem neben den Grabsteinen, nahe der Kaiandtür, eine gotische Monstranz 
als Machrelief (s. Abb. 11). welche nach ;iiil'rii die frühere Stellung des 
Tabernakels kennzeichnete. 

5 




::-;:ii:::ii::i:::;|jjJi 
:::;:::::::::::::: 




^^^^^^^^^^^ _^ 



Abb. 17. NikoUükiicIu' in .VllVkl; Xurdscile. (1:250.) 



32 




Steinbergsche An der Siitlseitc des Kiichciiscliitles, vor dem loniaiiischeii Teil, wurde 
Kapelle. .|^^ Jahre 1 123 eine Kapelle angebaut, die zuoleich als Grufl für die Fa- 
milie V. Steinberg diente. E!ine über (ier Tür eingehauene gotische Mi- 
nuskelinschrilt, die vor der 1892 erfolgten Ausbesserung „schwierig zu 
entziffern" war, gibt das Baujahr an: ,,Na goddes: boit • 
verteyhundcrt und: l)re • und twinlich iar • do • wart (ht • 

ghcbuwet • dat is wai' • : • Cappella nob Steyberg". \ov 

der Schrift, als Anfang das nebenstehende Steinmetzzeiciien. 
In (h'i- untei' dem betonierten Fußboden befindhciien, jetzt 
unzugi'ingiichen (iruft sollen noch einige Särge vorhanden sein. 

\)\v Kapeile ist über i'echteckigem (irundi'iü \'on (),5() /; l,(S.") m i'rbaut 
und durch zwei ungk'ich gi'oüe Kreuzgewölbe mit gekehlten Hip|)eii 

idoerdeckt, deren Schlußsteine 3, 10 m üJK'r 
dem jetzigen Fußborleii liegen. Die W'ölb- 
anfänge stützen sich auf einfache Fck- 
konsolen. Die Gurtrippe, die sich mit 
denDiagonalri])pen durchdringt, sc Inu-i de f 
wie diese direkt in die Wand ein. An 
den 11 cm i.Durchm. großen Schlußsteinen 
ist auf Dreieckschilden das \ . Steinberg- 
sche Wappen und das v. Klenkesche 
(? Zahnrad mit vier Speichen) ein- 
gemeißelt. Über dem zuizeil als Vor- 
halle benutzten Raum befand sich früher 
eine nach der Kirche geöffnete P'.mpore, 
die jetzt vermauert und unzugimglich 
ist. Das mit reichen Ahißwerkfenstern 
ausgestattete Obei'geschoß ist vom Dacli- 
Ixiden aus einzusehen, da die Gewölbe 
fehlen. An der Westwand sind Spuren 
einer alten Kaminanlage sichtbar. Außen 
:\\\^ dem südlichen Strebepfeiler das 
\. Steinbergsche Wap|)en. 

Das aufgeluMide Mauerwei'k der 
Kiichenwiinde und si'inei' Anbauten be- 
steht aus Bruchsteinen mit Fenster- und 
i^)i"talgewänden, Kcken, (lesimse und 
Strebepfeilern aus loten Werksteinen 
der H()llinghäuser Uiiu'he. doch sind 
in i\v\\ unleien Lagen auch \'erschiedenl- 
lich wi'ißgraue Steine verwendet, die ver- 
nuitlich bt'im .\bbruch der ersten Kirche 

IS. NikolaikiiTheinVIlcld; .Nische im ,y,.\x omii' n wiiiili'ii Mir ^iui iiiiil H^fkicifp 

SUcln'pIciler (lor SiidsciU". gOXOniHU WllMKN. \ )\( .>U( 1- U UO C^SFSi 1 IL 




33 



der Kirche sowie die Sleinl^eroselie K;i|)elle sind jel/.l mit l>anli|)iilz 
versehen (Abb. 16, Abb. 17). 

Der Westseite der Ivlix-he isl (Ue das <j;esaiHle Stadt hild Altclds l)c- Wfslliinn. 
herrschende ]^oppeltiirmanlai>(' in ganzer Breite xor^ehi^erl (Al)l). 11)). 
Wie im geschichtlichen Teile (hirivelei;!, kommen als P>anzeit (he .Jahre 
1486— 1 18(S in Fratze. Über rechteckiiJem (irnn(hil.5 sli"i<Jt (he Hanmasse in 
ruhigen Formen auf profiliertem Sockel emj)oi-. iM'k- und zwei Mitltl- 
lisenen gliedern die Westseite in senkrechter, ein gotisches (iesimsc in etwa 
9,50 m Höhe in wagerechter Richtung. In rund 17 m Ihdie, die durch 
die beiden unleren Stockwerke eingenommen wird, lugiiint die Ibei- 
leitung der quadratischen seitlichen Turnunassen zum Aclüeck. wäh.i-eiid 
dazwischen der Mittelbau hochgelehrt ist. 

22,35 m über Erdboden setzen sich dann die li()lz('rni'ii 'runuliclme 
auf, unten noch durch, ein die Glockenslube aufnelmicudcs (Juerdach Ner- 
bunden, weiter oben in zwei gelrennten achlseitigcMi Pyraudden cuipor- 
strebend, die in etwa 59 m Höhe 
mit Kugel und Hahn abschließen. 

Jede Turmpyramide isl von 
drei kleinen Türmchen mit Luken 
am Fuße umstellt. Das äußere 
Turmnuiuerwerk (Werkstein) be- 
steht aus rotem Röllinghäuser 
Sandslein. Am Westportal ist 
der Steinschnilt bemerkenswert, 
überhalb des Portales sind zwei 
Nischen mit zierlichen Wimpergen 
und Fialen, darüber ein gotisches 
Gesims und ein gotisches Rund- 
fenster mit drei Dreibogen und 
Nasen angeordnet. Im Erdge- 
schoß der Turmanlage befindet 
sich in der Mille eine übei- 
wölbte Durchgangshalle. Der 
Raum unter der nlirdlichen 
Pyramide, der die Kreuzgewölbe 
verloren hat, diente früher als 
Kapelle (Bartholomäuskapelle), 
jetzt nur noch als Al)slellraum. 
Unter (\v\- südlichen Pyranude 
ist die schon eingangs erwähnte, 
wahrscheinlich noch romanische 
Treppe erhalten, von der aus 
sich mittels HolztrepjXMi uiul 




l'.i. NiUolaikiichi in Allel«!; WosUciU', .Scluiiihilil. 



34 



Slcinnit'lz- 
zeiclicii. 



Allärc, 



Leitern die oborcn rurmgeschosse und die Helme erreiclieii lassen. 
Infolge der früher geringeren Höhe des Kirchendaches lag das im dritten 
Stockwerk des Turmes befindliche große Fenster der Ostseite, das dem 
der Westseite (bleiverglast) völlig gleicht, frei. 

Am 1(S. April 1885 brannte der südliche Turmhelm ab; er wurde 1886 
neu aufgeführt. Der nördliche, etwa 200 Jahre alte Tnrmhelm blieb 
erhallen. In ihm befindet sich unterhalb der Uhrschlagglocke ein jetzt 
nicht mehr benutzter Raum für den Turmwächter. Beide Helme sind 
im Jahre 1925 neu beschiefert (Abb. 20). 

Die an der Kirche eingeschlagenen Steinmetzzeichen sind in Abb. 21 
wiedergegeben. Die Zeichen finden sich mit Ausiudnne des am Turm- 
portal vorhandenen, sämtlich, zum Teil mehrfach, nur am Ostteil (Nord- 
wand) vor. Die Ost- und Südseite sind verputzt. Das an der Steinberg- 
schen Kapelle befindliche Zeichen (s. o.) nimmt seines Alters wegen eine 
Sonderstellung ein. 

Ausstattung. 
Der einzige in der Kirche noch erhaltene Altar ist der in der Sakristei 
mit Weihekreuzen auf der Platte. Ein jetzt in der Minoritenkirche in 

Köln befindlicher großer spät- 
gotischer Hochaltar (Altar- 
schrein) wurde, nachdem er 
schon längere Zeit nur noch 
als W^andschmuck gedient 
hatte, gelegentlich der letzten 
großen Instandsetzung der 
Kirche entfernt und durch 
einen neuen, in gotischen For- 
men gehaltenen hohen Aufbau 
ersetzt. Der in der Zeitschrift 
für christliche Kunst (Jahrgang 
1889, S. 178) beschriebene 
Altar mit geschnitzten Figuren 
auf (ioldgrund, zeigt im Mittel- 
felde: Maria mit dem Christus- 
kinde in der Glorie, zu ihren 
b'ii(,U*n zwei Engel, Leuchter 
haltend, am Sockel eine ver- 
gangene Inschrift in gotischen 
Kleiid^uchstaben. Seitlich die- 
ser' Darstellung zwei kleine 
Heiligenfiguren und je zwei 
größere Gruppen. Verkün- 
digung, Geburt, Anbetung der 










Abb. 2(1. N'ikolaikiichc in Alfeld; Schaiibild der Nordscitc 
(Xacli einem Aquarell von O. Kiecker.) 



35 

Weisen, Beschneidung (Abb. 22). In den l'liiivcln Chrisli Einzng in 
Jerusalem, Abendmahl, Gebet am Ölberoe, AuCerstcluiiig. Die viei- 
unleren Gruppen darunter, drei Männer im Sloek, drei iMüdchen im 
\W[[ liegend, eine Enthauptung, beziehen sicii auf die Legende vom 




Al)b. 21. Nikoliiikirclic in Alfeld; Stcinnietzzeiolion. (1 :2.) 

1. Am Portalgewände des Tnrniein^anges, 2. am Gewämle der Niselie an der 

Nord-Ostecke, .i bis 8 und Kl bis 12 vom östlichen Strebepfeiler d< r \nr(N«ile, 

!). vom MaueiNverk der Xordseite nahe der Ostecke. 



heiligen Nikolaus. Der Altar stammt aus di'r Werkslall des um 1 l'.K) 
in Braunschweig nachgewiesenen Bildschnitzers Borgentrik (.\bb. 23). 
Ein zweiter Altarschrein aus Lindenholz, mit alter Bemahiug und 
Vergoldung, etwa 1510 -1520 hergestellt, befindet sicli im Proviiizial-Museum 
zu Hannover (Abb. 24). Im Schrein Maria mit dem Kinde, in den l'liigeiii 
links Papst Ui'baii. reeiils der heilige Maniilins. iiiil.U'ii links die lieilige 



36 




37 

Katharina, rechts die heilige Lucia, letztere beiden gemalt (Abb. 25). 
Ein Teilstück (Marias Tod) eines Nebenaltares wird elxMilalls im Provinzial- 
Museum aufbewahrt (Abb. 26). 

Ein aus dem .Jahre 173.S stammender Altar, der etwa l.S<S<S aus der 
Kirche entfernt wurde, ist nur noch in Hruchsliu-ken vorhanden, die 
sich im sogenannten Alten Seminar (Heimatmuseum) befinden. Hierzu 




AIjI). 2:5. 
Xikolaikirchf in Alfeld; .MitlellVld \()ni flicmalitifii 1 lochüllar, jt't/.t in der 
Minoritenkirche in Köln. ( .\us ,,Zeitsclirift f. cliiistl. Kunst". .lalwj:;. l.S.S'.t.i 

gehören: 1. Ein holzgeschnitztes Band mit der Inschrift: ,,AXNO: 1738". 

2. Figur, 1,80 m hoch, Petrus, in der Hand den Schlüssel (Abb. 27). 

3. Figur, Gegenstück zum vorigen, in der rechten Hand die P)ii)el. 1. Kor- 
pus, 1,26 m hoch. 5. Figur, 1,50 m, stehend, der triumphierende (".hristns. 

6. Figur, 1,50 m hoch, Christus, Körj)er knabenhaft weich, im Manti'l. 

7. Frauengestalt mit leicht angezogenen Knien, etwa 1,20 m hocii, linker 
Arm fehlt, halbsitzend. 8. Frauengestalt sitzend, viciiricht noii diT Schräge 
der Verdachung, in der Hand eine Vase. 9. Zwei Pulten mit gewundenem 
Füllhorn, aus dem Früchte fallen, Höhe rund 90 cm, beschädigt. 10. Zwei 

6 



38 




39 



Putten, 94 cm hoch, stehend. 11. Weibliche iMnur, NO ein IkhIi. Ge- 
wand vom Winde gebläht. 12. Seitenteil des Altars, 1,(10 m hoch (Abb. 2<S). 
13. Zwei Säulenkapitäle, 28 cm hoch, für 0,l<Scm Schal'ldiirchm. 1 1. ImhiI- 
zehn kleinere ornamentierte Teile, daruiilei- ein 1 )()|)|)i'l\v;i|)|)('ii. <■),■) cm hoch. 
80 cm breit. Der Altar ist nach dem Wappen vom l'lhcpaar i\'ipe 




Al)l).-J.'). NMU-olaikirclic in AllCld; NCIicn:ilt:ir (1 iiukvilcn (In- |-|ii-i'n. 
(Mit (JioiU'liniifiung Sr. Kgl. Hoheit des Ilcrzogs zu Hraiinschwcig ii. Lunciniig.) 



40 



gestiftet (Abb. 29). Der Altar ist nach einer noch vorhandenen Photo- 
graphie (Heimatmuseum) in Abb. 29 wiedergegeben. 
Kanzel. Orgel. Kanzel, Gestühl nnd sonstige Ausstattnngssliicke sind neu. Die im 
.Jahre 1862 von Schajjer in Hildesheim aulgestellte Orgel hat ein neu- 
gotisches Gehäuse ohne Kunstwert. Einige Register stammen aus der 
cälteren Orgel. 
Triimiphkreu/. VAU Triumphkrenz, zurzeit im Provinzial-Museum (s. .lahrbucli 1927, 

l^and 2), aus Holz und bemalt, 3,10 m hoch, wird Mitte des 13. .Jahr- 
hunderts entstanden sein. Dem 
großen Kreuz ist ein kleineres, 
graugrün getöntes aufgesetzt, 
an dem (\cv Koipus hängt. 
Die Querarme des kleineren 
Kieuzes werden von P'.ngeln 
gehalten; die oben vorhanden 
gewesene Darstellung von Gott 
Vater fehlt jetzt, l'nten ruht 
das Kreuz in einem von zwei 
stehenden Kngeln gehaltenen 
Tuche. TauföiMnig gewundene 
Dornenkrone mit Ivnötchen 
als Dornen. Am Untersatz 
Abrahams ()])ter (Machrelief) 
(Abb. 30). 

Ein 'rabeiiiakei, ganze 
Höhe, ohne den neuen 30 cm 
hohen Sockel, 2,91 m. Breite 
() 1 cm, stand Nor der letzten Instandsetzung der Kirche hinter i\cn\ 
Altar an dei- Stelle der Innenwand, wo sich an der Außenwand 
das Bild der Monstranz befindet (s. Nordostanban); jetzt ist es in der 
Turmvorhalle aufgestellt. Anfang des 15. .Jahrhunderts. Material weißer 
Sandstein mit roten Earbresten und Spuren einstiger Vergoldung am 
Eisengilter. tintersatz als Opferstock ausgebildet (außer Gebrauch). 
Am Sockel vorne Maßwerk in Flachai'beit, seitlich in Hleudnischeu 
je eine Heiligenfigui'. Im Mittelteil eine schreinartige, durch Eisengitter 
verschlossene Nische mit Marieid)ild. Oberer Abschluß als Baldachin 
id^er zwei Spitzbögen mit Nasen und sj)ätgotischem Eanbwerk, seitlich 
Beste von Malen. Auf dem Sakramentshäuschen, abuehnd)ar, die Mutter 
Gottes, sitzend, mit dem Kinde (Abb. 31). 

In der nördlichen Turmhalle, einem ehemaligen Kapellenraum, steht 
noch ein einfacher frühgolischer Opferstock aus weißem Sandstein, mit 
profiliertem Sockel (Platte und Karnics) und Abdeckplalte (Platte und 
Wulst). 




Sakra- 

llU'llls- 

hiiiischeii. 



Abb. 26. Nikohiikiirlic Iti AllVld; It-llNliiik 
eines Altarsehreiiies (Mniias Tod). (Mit ( lenehininuiu 
Sr. l\i;I. I lolieil des I lerzo^szii Hrjumscliweiji ii. Liinebni'*. 



Opierstock. 



41 




covoco 
melos 
pago 
prono 



Die 




J.iiute- 
slocktMi. 



Ein gotischer, nach seinen Formen dem Ende des 14. Jahrhunderts Taufst t'iii 
angehöriger Taiifstein ist im nordöstlichen Joch der Kirche aufgestellt. 
Höhe 1,06 m, Fuß neu. Die Ihihe der achtseitigen roten Sandsteinkut'e 
beträgt 63 cm. Becken 8'2 cm. Das Hecken ist jel/t inil Moiirl 
verfällt. Am olleren Rande eine bewegte Laubwerkskanle, daruiiliT 
in acht rundbogig geschlossenen, mit Nasen verselienen Nischen in Relief 
die 24 cm hohen sitzenden Figuren des heiligen Nikolaus, .Johannis d. T., 
der Apostel Petrus und Paulus, der Mai'ia mit dem Kinde und (Ut ht'iligen 
drei Könige (Abb. 32). 

Ein zweiter Taufstein aus loteni Sandstein bt'tiiidcl sich in ilcv 
Sakristei. Mitte LS. .lahrhundert. Holzdeckel etwa 50 cm hoch. 
Ganze Höhe mit Deckel 1,51 m. Becken oval, 13 cm breit. Bemalung 
rot (Ülfaibe) mit teihveiser Vergoldung 

Von den im Westtuiin hän- 
genden beiden Läuteglocken 
stammt die kleinere vom .Jahre 
1468 (Abb. 33), 1,27 m, Höhe 
ohne Krone 1,05 m. Zwischen 
drei Schnurzügen unterhalb der 
Haube die Inschrift in gotischen 
Kleinbuchstaben : ,,anno dni mo • 
cccc"^ • Ixviii defuctos plago • 

tonitrua • frago • ast • 

clago • dni • sollepnia - 

facis • laus • sadao • 

sit • nicolao". Die ein- 
zelnen Worte sind durch Punkte, 
Blätter, Brakteaten und kleine 
figürliche Darstellungen aus dem 
Marienkult getrennt, ferner am 
Ende der Inschrift und gegen- 
überliegend eine 24 cm hohe 
Figur des heiligen Nikolaus. An 
den beiden Schnurzügen hängen 

Blätter und Früchte, 

außerdem ist das neben- 
stehende Zeichen des 

Gießers angegossen, 
große Glocke wurde im 
.lahre 1705 in Alfeld ,,auf der 
Wünne" gegossen, 1,70 m. Am 
oberen Rande ein Palmettenfries. 

T I ■ cx. I r-" 1 1 ATT-.- TXT Al)l>. 27. N ikiilaikiiilic in Alfeld; 

Inschrift am langen Felde: ,,AIE1N ,,-i.,„. ,1,.^ Aitans v..n 173.S. 



42 



Uhrschlag- 
ülocken 



Kron- 
Iciiclitcr. 



SCHALL ZUR KIRCHE GEHT WEIT UND BREIT / GIB GOTT 
DAS FOLGEN ALLE LEÜHT / WANN ICH ZUM GRAAB DEN 
TODTEN KLINGE /HILF DAS ICH TODS GEDENKEN BRINGE / 
GOTT GEB AUCH DAS MANS NIE ERLEBE DAS ICH EIN 
UNGLÜCKS ZEICHEN GEBE", auf der Gegenseile: „l^URCHARDT 
FRIDRICH SCHMIDT LUDOLF KÖNIG BURGERMEISTERE •. 
7,5 cm darüber das Alfelder \Vap|)en in der Form, wie es sich am Rat- 
iiausportal befindel. Feiner sind der Glocke einige Naturabdriicke von 
Blättern angegossen, am unteren Rande: ,, CHRISTIAN LUDEWIG 
MEIER [Braunsclnveig] GOS MICH ANNO 170;)". Eine dritte Glocke 
aus dem Jahre 1()21, . L<S m, ist im Kriege abgeliefert worden. 

Zwei Uhrschlagglocken li;ingeii an den Außenseiten des n<")rdiichen 
'rniMuliehncs. nur zum J'eii vom Turminnern 7ai sehen. 

Die ältere von iimen wird aus 
dem Anfange des Ki. Jahrhunderts 
stammen, etwa 60 cm, bei ungefähr 
gleicher Höhe. Eine gotische Minuskelin- 
schiift umzieht den oberen Rand, darunter 
ein Bogenband mit Kleel)laltl)(")gen. Im 
langen Felde ein kleiner gotischer 
Kruzifixus. 

Die zweite l'hischlagglocke nuig 
33 cm hoch sein bei rund 70 cm unterem 
Durchm. Von der Inschrift ist zu lesen: 
„ME FECIT lOHAX BARWAR 1) 
BECKER". Von diesem Glockengießer 
sind Werke von 1672 — 1695 bekannt. 
Am Joch steht die .Jahreszahl 1681 ein- 
geschnitten. 

Im Dachiviter auf dem Satteldache 
des Schiffes ist eine (ilocke von 50 cm 
Durchm. ohne Inschriften und Zierglieder 
aufgehängt. 

Im Kirchenschiff sind zelin Kron- 
leuchter aus Bronze aufgehängt, die in 
neueier Zeit sachgemäü instandgesetzt 
und tin- clcklrische Beleuchtung ein- 
gerichtet sind. Dabei scheinen auch teil- 
weise Reste verschiedener Leuchter be- 
nutzl zu sein. 

1. Im nördlichen Seitenschiff (West- 

leil), Höhe 71 cm, 65 cm, zwölf- 

''Ä^ii'^jS'ASrv'.nS!^ 'Hinig in zwei Reihen. An den Armen 




43 

Delphine. Doppeladler der Bekröiiunn plastiscli. An dw Kunrl die ein- 
zeilige 0,5 cm hohe Inschrift eingraviert: ,,M \V1-:HXM<:K (ilHEX 
BOLBIER ANNO 1617 HAT DISSE • KROIIN • HIN DE EHR • 
GOTTES GEBEN MARGRETA WNSTEFELT". 

2. Im nördlichen Seitenschiii" (romanischer Teil), Höht- ;')! cni, sechs- 
armii> in einer Reihe. Arme mil Delphinen als Zierat. An drr Kn^el 




Abb. 20. Niki)l;ukiirlic in Alfeld; o!ioin:ili^>;or Altar \in\ 1738. 



die (Anfang 19. .Tahrhnndeil) i'iiigravierlen Hnchslahen (.Schieil)schrift): 
„JKGDI\\ darnnter einzeilig in Großhnchstahen : „MARGHh'/rE DEN- 
KEN HANS DENTKEN * MARIA IIAVD'r HV21". 

3. Im Mittelschiff, nnler dem ersten .Joch östlich des romanischen 
Teils, Höhe und etwa 10 cm. Sechsarmig in eiiur Reiiie (l)el})hine). 
Zierate unter dem Doppeladkr in einer Reihe. Enlstehungszeit erste 
Hälfte des 17. Jahrhunderts. 

4. Imsüdlichen Seitenschiff (westlicher Teil), Höhe 55 cm, 53 cm. Zwei 
Reihen mit je sechs .Vrmen. Doppeladler plastisch (Mitte 17. .Tahrhundert). 



44 

5. Im MitU'lschirr (westlicher Teil), Höhe 90 cm, etwa G5 cm, 
sechzehnarmig in zwei Reihen, dazwischen acht Zierate, abwechselnd 
Schnörkehverk und verschnörkelte Köpfe mit Fischschwänzen, die dem 
Anfange des 17. Jahrhunderts entstammen mögen, wogegen das Schnörkcl- 




Ahh. ;50. Nikolaikiicho in Alfeld; Triiimphkicuz. 
(Mit Genc-lmiif^uni^ Sr. Kyl. Hoheit des Herzogs zu Hraiinschweiu; ii. LiiuehuriJ,.) 



werk die Formen vom Anfang des IcS. Jahrhunderts zeigt. Der l.cnchler 
scheint danach unter Benutzung anderer zusaiumengesetzl zu sein. 

6. Im Mittelschiff, Westteil vor (\vy Orgel, unzugänglich, achtarmig, 
Höhe und etwa 55 cm. Adler auf dem Mittelkörper fehlt. An der 
Kugel: „DIESE KRONE HAT AXDREAS FREKEX SELIC.ER HIN- 
TERLASSEN WITTER ISEREY WITTSCHIVEN IN DIE EHR 
GOTTES GEGEBEN ANNO 1644". 



45 



7. Im nörclliehen Seitenschiff ((islliches .loch), Kramergildekrone, 
Höhe und Diirchm. 60 cm, zwölfarmio in zwei l^eihen. An der Kugel 
(0 14,5 cm) steht: „DIE LÜBLICHEX / KRAMERGILDE ' KR(3XE\ 
/ DEN 22 DEZ 1711 / ALTERMAN / JOBST HINRICII KÖNKl / 
GILDE MEISTER JOHAN CONRAD MEIMIARDT '. Weiler 
unten noch eine — entfernte — Insclirift, unleserlich, die anscheinend 
das Wort: „HAT " enthalten hat. 

8. Im südlichen Seitenschiff, lonianisclu-r Teil, Ihihe ')'.] cm, 
045cm, sechsarmig, der bekrcuiende 1 )()i)j)ela(litM- ist mit 25 cm Eliigel- 
spannung eigenartig breiL Zierglicdcr am Miltelkörper: Rankenwerk 
und Schlangenornament: etwa Mitte LS. Jahrhundert. 

9. Im Mittelschiff vordem Altare, Höhe 1,20 m, . etwa -SC) ni, sechszehn- 
armig in zwei Reihen. Zwischen den Reihen 

Zierglieder in Eorm von Seepferdchen. Auf 
der rund 27 cm im Durchm. großen Kugel, 
von einem Kranze umsäumt, die Inschrift: 
„UT/PIÜ HL IC COETUI PRAELUDICIAM 
ME SUIS SUMPTIBUS FIERI CURARUNT 
H. W. KREKEMEIER HUIUS CIVIT AL- 
FELD • LIT. CONSUL / ET / CA STAMMEN 
EIUS CONIUX GLORIA LAUSQ DEO 
SED LUX .ETERNA SIT / ILLIS AO. A. 
CHRISTO NATO/MDCCXLIX ". Flügel des 
Adlers flach, Körper plastisch. 

10. Im südlichen Seitenschiff (östlicher Teil), 
Höhe 62 cm, 57 cm, zwei Reihen mit je sechs 
schlichten Armen, Dojjpeladler mit sehr breiten 
Flügeln. Die Inschrift in ungelenker lateinischer 
Schreibschrift: ,,Schumocker Gilde Krone 1820". 
Die Krone stammt aber den Formen nach etwa 
aus der Mitte des 17. .lahrhunderts. 

Am Pfeiler neben der Kanzel ist ein 1602 
von der Knochenhauergilde gestifteter Wandarm 
angebracht, der 12 cm vor die Pfeilerfliicht,' 
vortritt (Abb. 31). Ein ähnlicher, aber t-infacluM- 
gehaltener Wandarm befindet sich in der so- 
genannten Steinbergschen Kapelle, der die 
Form vom Ende des 17. .lahrhunderts zeigt. 

Die Altar- und A be n d ma h I sge rä t e. 

Zwei ganz gleiche Altarleuchter ;ius L>i(mizi'. 
38 cm hoch, tragen am Rande dw Licht lelier 

]• ^ ■• 1 1-1 1 ■ 1,1 .,1 ..,1 I ,,..,.K ..; n . Abb. ;;i. NikDlaikirclu' in AUclti; 

die gotische, an beiden gleichlautende Inschiitt. sakramentshäuschcn. 




WaiKhiniic 



Alhir- 
Inu-hl 



46 



Keldio 



Wcinkaniie. 



„Anno • (Ini • M xvCvii • obt • hilborch • 
goltberges • in • Hilden et decU • has • 
candelabras • in • Alvelde pro meo- 
ria • ". Der liuchstabe M der Jahres- 
zahl ist durchstrichen, offenbar, 
nachdem der Ziseleur das kleine ,,c" 
hinter der Hundertzahl XV her- 
gestellt hatte, wodurch das ,,M" 
überflüssig wurde (Abb. .'iö). Die 
anderen beiden Altaiieuchtei" und die 
in dei' Sakristei sind aus neuerer Zeit. 
Zwei silberne Leuchter, 21 cm hoch, 
mit 15 cm breitem Fuß aus (\vy 
ersten Hälfte des IcS. i X M i 
.Jahrhunderts. Gold- «^ 
schmiedezeichen : QC^ 

Es sind drei Kelche vorhanden, die in der Sakristei aufbewalirt wcrdt'u. 

1. Silbervergoldeter Kelch, Höhe 25 cm. Kui)i)a .: 13 cm. ^TTk 

Am Sechspaßfnß die Inschrift (Schreibschrift): ,,Die Bürger \jj^ C^ 
und Einwohner der Stadt Alfeld 1797". Goldschmiedezeichen: tifel 

2. Klin ganz ähnlicher Kelch, Höhe 22 cm, Kuppa c< 12 cm, Sechs- 
paßfuß, Gravierung in Schreibschrift: ,, Johann Leonhard Loede Burg- 
meisler Sc Engel Maria Loeden geb. Kreipckeh 1797". Das Wort: ,, Burg- 
meister" ist in Punkten graviert und vielleicht erst etwas sj)äter an- 
gebracht. Goldschmiedezeichen wie am ersten Kelch. 

3. Ein weiterer silberner Kelch mit Sechspaßfuß, 




Abb. .32. Xikoliiikirchp in Alfeld; 
Teilst iick vom Taiifstcin. 



@ 



Kuppa 11 cm, trägt am Fuß 
Kreisfüllung. Etwa Mitte des 
17. .Jahrhunderts. Goldschmiede- 
zeichen fehlen. Die am Mittelteil 
der Handhabe befindlichen Orna- 
mente in Treibarbeit haben Ähn- 
lichkeit mit denen an der Oblaten- 
dose in Großfreden. 

Eine Weinkanne aus Silber ge- 
hört zu den 1797 gestifteten Kelchen, 
ganze Höhe 25 cm. Hals und Bauch 
werden von einem Band aufgelegter 
Blattornamente und Perlschnüre 
umzogen, letztere auch am Fuß. In- 
schrift wie am großen 
Kelch. Goldschmiede- 
zeichen nebenstehend. 



ein Weihekreuz 



in 



17,2 cm hoch, 
einei' gotischen 




^^ 



Abb. :W. Nikolaikirche in Alfeld; 
Glocke von 1408. (1:20.) 



47 




Oblateiidose. 



Löllel. 



Vbb. :n. Nikolaikirclic in Alfeld: 
Wiindlciirhtcr. ( I : lo.) 



Silberne, innen vergoldete ovale Ob- 
latendose: 12x8x4 cm, mit gleicher In- 
schrift wie an den Kelchen und der Wein- 
kanne von 1797. Goldschmiedezeichen wie 
an der Weinkanne. 

Zwei Kelchlöffel, 14,5 cm lang, silhcr- 
vergoldet, an den Stielen: ,,H Si K. d. 
St. Alfeld 1797" und „H. J. L. L. E. 
yfc M. L. 1797". Goldschmiede- 
Ipj ^% zeichen zu 1) wie an der Wein- 
ass kanne, zu 2) wie nebenstehend. 
Ein mit Deckel 19 cm hohes gotisches Rauchfaß aus Bronze, Weihraiuli- 
an drei Eisenketten hängend, wird im Heimatmuseum aufl)ewalirl. -'■'•'"• 
Becken c 10 cm. Der etwa 13 cm hohe turmartige Deckel in (kirch- 

brochener Arbeit ist ()l)t'ii 
sechsseitig (Abb. 'M')). 

Ein kupfervergoldetes Vortragekrt-uz. 
Vortragekreuzes wird im 
Heimatmuseum aufbe- 
waiirt. Höhe 22,5 cm. 
Breite des Querbalkens 
11 cm. Die in der Kreuz- 
milte angebraclile (",hri- 
stusfigur von I cm Höhe, 
jilastisch, gut ziselieit, 
dient zugleich als Hand- 
habe für den Verschluß, 
unter dem die Reliquie 
lag. Ilne l iniuiUung ist 
noch vorhanden. An den 
Enden der Kiriizarme je 
ein aehlrckiLi^'i' weiüei" 
Bergkrislall in l-'assung, 
auf rotem Tuchgi iinde. 
\\)n den \ier Steinen fehlen 
jetzt zwei. Am Stabansalz 
eine zahnradartige Rosette. 
Die Riieksi'ite zeigt zise- 
lierte Ranken im ("haraklei- 
der Hochgotik. I^nt- 

stehungszeit elw;i um 1 100. 
(".hrislus ohne Seilen- 
wuntle, Dornenkrone tau- 




HHif'ii-^ni'iiii^oir'öillieii' 

Abb. 35. Nikolaikirchf in Alfeld; Altarknii-ht.-r. (1:1.) 



48 

artig geflochten; nur ein Fußnagel, Suppedaneum und Signum fehlen 
(Abb/37). 
Zinngeräte. In der Sakristei werden sieben Zinnteller, eine Zinnschale und eine 
21 cm hohe Kanne aus Zinn aufbewahrt, die als Erinnerunggaben, laut 
Gravierungen, von Konfirmanden aus den Jahicn 1(S17 bis 1860 gestiftet sind. 





Al)b. .30. Xikolaikirche in Alfeld; 
Wciliraiichgcl'jil.'.. 



Abb. 37. Nikolaikirchf in Alfeld; 
Vortragekreuz, Rückseite. (\:'J.\ 



Epitaplic U. 
(rral)steine. 



ir)G.s. 



Die Grabsteine und Epitaphe. 

Von den zahlreichen Grabplatten und Epitaphen der Kirche, die 
zum größten Teil bei der letzten Instandsetzung der Kirche an den 
Außenwänden angebracht wurden, sind die besteihaltenen die beiden 
Wandmale in der Steinbergschen Kapelle. 

1. Epitaph derCATlIARINE VON HAXSTEIX vom Meister A. R. 
(Abb. 38). Höhe 2,02 m, Breite 1,06 m. Material: grauweißer Sandstein. 
Das 14 cm hohe Abschlußprofil und der 65 cm hohe Aufsatz sind 



vermutlich etwa 30 Jahr später dein löüS heri^eslclllcn iintcrni Teile 
hinziizui^efüol. Die Vorderseite des (irabsteiiies ist iiiil lolcr und 
schwarzer Farbe bemalt. (Gewand der b'iour schwarz.) 

Die architektonisch uniiahnUe Bildniselie nimnd die vor dem 
Gekreuzigten kniende Fignr dw Verstorbenen im JanmMi Gewände 





i4f --' 




Al)l). ;i,S. Xikolaikirclu' in Alfeld, ( SteinlHTf^sche 

Kapc'llf); (Irabstein Catliarinas v. Steinberg, 

geb. V. rianstein. (1568). 



.Abb. li'.l. NikolaikiiThc in Alfeld 
(Steinbergsche Kaiielle); 
(Irabstein v. .lahre l.")7('). 



ein (Flachrelief). Am Aufsatz das v. Steinbergsehe Wai)|)en. rmselnift 
im Bande: „SIVERDT VON STEINBEIUH I'. Links und rechts der 
Figur je vier Ahnenwappen der Verstorbenen auf kix'isiiiiidc l\'ll('r ge- 
legt, im Bogen über der Figur: SPES MFA CIIHISTIS-. linbVide 
des Untersatzes: „ANNO NACH CHRISTI GEBLUTH DO MEN 
1568 ZELLEN HORT / IST DE ERBAR CATHARINA VON HAN- 
STEIN / SIEVERTZ VON STEINBERG NACGELASEN WP:T\VREIN 
/ IN GODT DEN HERN ENTSLAFEN FRI / DFB Lh:iBl-:N SELE 



50 

GODT GNEDICH SEI A. / A R" (Meisterzeiche ii) (vol. vom nleicheu 
Meister das Epitaph von Obergs in der Marktkirche zu Hintehi). 

1576. 2. Epitaph der MARG. V. VELTEM. Höhe 2,20 m, Breite 
1,03 m (Abb. 39). Der jetzt mit grauem Anstrich verseliene Sandstein 
ist in fünf Stücke zerbrochen, aber wieder gut zusammengesetzt. Im 
Mittelfeld (F'lachrelief) Christus am Kreuz, kräftig herausgearbeitet, ohne 
Dornenkrone; im Minlergrunde eine deutsche befestigte Stadt — als 
Jerusalem. — Rechts unter dem Kreuz die betende, kniende Mutter 
und ein Töchterlein, links vier Söhne im Knabenalter. Sämtliche Köpfe 
offenbar porträtcchl. 

Der Rahmen trägt 1(3 Ahnenwappen. Am Gebälk die Wajjpenbilder: 
(von links nach rechts) „V. KLVVER, V. KRAMME, V. VELTEM, V. 
SCHENKE, V. HEIM, V. HOLTE". Am linken Rande (von oben nach 
unten): „V. SCHVLEB, V. KLVBER, V. O. ASSEBURG, V. lAGAW". 
Am rechten Rande (von oben nach unten): ,,V. REDEN, V. SCHVLEB,, 
BARNER, V. BERGE". Am Sockel: Hnks „V. BERGE", rechts: „V. 
OBERSEN". Im Bande, das den Frauenkopf umgibt: „CURISTUS 
IST MEI LEBEN''. Im Rahmen unter dem Mittelfelde (erhaben auf 
vertieftem Grunde) in deutscher Renaissanecschrift : ,,Ano Dm. 1576, 
den 20 Septem / bris ist die Edle Erbare und viel / thugentsame Frauwe 
Marghreta /geborn von Veltem Siuert vö Stein / berg eheliche Huisfrow 
in Christo sei / lichhchen etschlaffen /". Am Fuße des Steins in Re- 
naissanceumrahmung: ,,MEMENTO MORI". 

An der Nordwand der Kirche sind 14 zum Teil recht bemerkenswerte 
Grabsteine aufgestellt. Die Reihenfolge in der nachstehenden Beschreibung 
ist von Osten nach Westen, ihrem Standort entsprechend, innegehalten. 
Als Material ist fast durchweg heller Sandstein verwendet. Die Dicke 
schwankt je nach Größe zwischen 12 und 28 cm. 

1507. Grabstein des Braunschw.-Lüneburgischen Praefekten HENRICUS 
HEINEMEYER. Höhe 1,85 m, Breite 1,14 m. Architektonisch aus 
gebildeter Rahmen mit der knieenden betenden Gestalt des Verstorbenen 
unter dem Kruzifix. H. war in Winzenburg Amtmann. (Kaiand- 
bruder.) 

1685. Grabstein des Konsislorialrals und Generalsuperintendenten OWENUS. 
Höhe 1,98 m. Breite 1 m. Großer Kranz, darüber Krone mit drei Blumen. 

1743. (irabstein des Gräflich Sleinbergschen Obeiverwallers .lOBST PAPE. 

Höhe 1,90 m. Breite 90 cm. In dei' Mill(> Inschrift im Zierrahmen, 
oben l)op|)elwappen, gehalten von zwei Putten. Unter dem Schrift- 
rahmeii links 4\)tenkopf, rechts geflügelte Sanduhr. 

1669. Grabstein des Professors Pastor prnn. HENRICUS MARTIN ECCAR- 
DUS. Im Rahmen unter Kleeblatt bogen die lebensgroße Gestalt des 
Verstorbenen im l'alar, in der Linken die Bibel. In den Bogenzwickeln 
Wappen. Umschrift laiimenartig um den ganzen Stein. 



51 



Grabstein der ELISABETH SCHREWEN. Höhe 2 in, Breite 89 cm. 
Kranz als Schriftrahmen, oben links iiiid rechts Wa])i)cii. iinlcii links 
geflügelte Sanduhr, rechts Totenkopl. 

Bruchstück eines Steines. Hcihe 7<) cm, lireite 92 cm. Dopix'lwnppen 
mit fünfzackiger Krone, gehallen von Putten. Tnler (hesem Bruch- 
stück ein Hochrelief aus der spätgotischen Zeil, (S7 cm hocli, <S2 cm breit, 
aus gelbem Sandstein. Dies Bildwerk ist verwittert und i)i'sch;idigl, doch 
sind noch einige Figuren der reichen Grup])e (i\i-eu/.autri(htung) recht 
gut erhalten. 

Höhe 1,22 m, Breite 70 cm. Der Stein ist stark al)getreteii. Dar- 
stellung: kniende, betende Frauengestait von vorn. 

Grabstein des Kämmerers und Kirchenprovisors IIELNH. MATTIIIP:S 
SCHREFFEN. Höhe 2,20 m. Breite 1,12 m. l':ber der von einem Kranz 
umzogenen Schrift liidcs und rechtsein Wappen, unten gefUigelte Sanduhi- 
und Totenkopf. 

Grabstein der PHILIPPINE SCHBADERN mit gut verteilter In- 
schrift, Höhe 1,60 m, Breite (S2 cm. 

Grabstein der Pastorentochter MARGARETH, ELISABETH Ml L 
(MCLII). Höhe 81 cm. Breite 51 cm, Wappen- 
bild im Oval. 

Grabstein der JOHANNA CHRISTINE 
SCHRADER. Höhe 1,28 m. Breite 73 m, 
sonst wie der Grabstein von 1761. 

Grabstein der Frau MARGRETE ILSA- 
BETH PAPEN. Höhe 2,05 m, Breite 95 cm. 
Schrift im Zierrahmen, darüber Doppel- 
wappen, von Putten gehalten, unten Toten- 
kopf und Sanduhr. 

Höhe 2,05 m. Breite 8ß cm, Dicke 23 cm, 
aus rotem Sandstein. Zwei Wappen in acht- 
eckigen Feldern, darüber ein Monogramm: 
SMF. Inschrift über den Wapi)en in Barok- 
schrift, deutsch: Hier ligt des mannes Hertz/ 
der tochter Schatz begraben / ist nVn DVrCh 
iesVs bLVt Im HIMmel auffgehaben. Die 
als Chronostichon hervorgehobenen Buch- 
staben sind in lateinischen (irolibuchstaben 
ausgeführt. Unter dem Wappen (12 Zeilen in 
Schreibschrift): MAR GAR IS HIC PL.M.lDh: 
RECUBAT, COGNOMINE FRIEDMEIR 
PARTE CUIUS TERRAE QUÄLE / VIS 
ILLA FUIT / PARS MELIOR VIVENS ai.i,. m. Mkoia.kirciu- m .\iiei.i; 
CyELI / MEUS INCOLIT ARGEM / INO 3 ^^'""^^"" JS.r ^''■'^'"■■'• 




1758. 



Millf 

l.S. .Jahrli. 

Stations- 

iMld. 



Zc-il ? 



1 752. 



17(il. 



Wu'A. 



ITC)'.». 



I(i72. 



52 

DEI PERAGIT SECULA / LiETA SINU / H^C UBI COGNORIS 
QUO TE/VIA DUCIT EUNTEM / LECTOR AHIET FELIX VIVE / 
VALEQ DIU ". 

1607. An der Norchvand des ruiiius Grabplatte der ANNA V. WRISBERG 
(Abb. 40). Höhe 2,35 m. Breite 10,5 m, Darstelkiiiiv: Oberhalb der mit 
Engelskopl' t^eschmückten Schrit'tplatte die Iel)ensorof3e Frauengestalt 
im Mantel. Inschrift in deutscher Renaissanceschrift: ,,Wie der Hirß 
schreiet / nach frischem Wasser / So schreiet meine seele ' Gott zu dir 
etc. Psal 42." ' Darüber zwei Wappen in Kreisen, links mit Unterschrift: 
DIETERICH BOCK, rechts mit Unterschrift: ANNA V. WRISBERG. 
Beiderseits des Mittelfeldes je acht untereinander angeordnete Wappen 
in folgender Anordnung (links): „V. WRISB. V. ZERSEN / D. BOCKEL / 
RVSCPLA / RVTENB / V. VTZE / LANDSB ' DVIEN", (rechts): 
„REBOCKE V. NETTE / HEBESEN / STEINBR. KASSEBRO 
RUSPLAT/Y. HANNENS /V. SENGE". Im äußeren, den ganzen 
Stein umziehenden Schriftrahmen (deutsche Renaissanceschrift): ,,Anno 
Christi 1607 den 21 (Sbris ist die Edle und vieltugendreiche Fraw Anna 
geborn von Wrißberg Dieterich Bocks von Norlholtz nachgelassene w. . . . 
Alters 67 iahr und I monat in Christo seliglich entschlafen der sie fi(")hlich 
wiedererwecken wirdt. Arne . . 

17cSl. Grabsteine der MARIA, ELIS. und der CHARLOTTE, Grafinnen 
V. HOYM an der Westseite, ähnlich in Form, Aufbau und Schrift. Über 
den Inschriften W^appen, von Löwen gehalten. Inschrift am ersten Stein: 
„HIER RUHET SANFT IN GOTT DER LEICHNAHM DER W^EI- 
LAND / HOCHGEBOHRNEN FRAU / FRAU MARIE ELISABETH , 
GRÄFIN VON HOYM / GEBOHRNEN GRÄFIN / VON LASBERG , 
ENTSCHLAFFEN / D. 27. OCTOBER 1784 , IHRES ALTERS 84 JAHR 
/WENIGER 8 TAGE/OFFENB: JOHANNES 14. V. 13 / SELIG 
SIND DIE TODTEN/ /DIE IN DEM HERRN STERBEN /VON NUN 
AN DA DER GEIST / SPRICHT DASS SIE RUHEN / VON IHRER 
ARBEIT / UND IHRE WERKE FOLGEN / IHNEN NACH". 

1799. Inschrift am zweiten Stein: HIER RUHET / AUF HOFFNUNG/ 
DER ENTSEELTE / LEICHNAM CHARLOTTENS / GEBOHRNER 
GRÄFFIN / VON HOYM / GEB. DEN XXII STEN SEPT: MDCCXXIV 
GEST: DEN XXVI STEN NOV: / M DCCL XXXX IX, IM LXXVl 
JAHRE / IHRES FROMMEN LEBENS - - ' ICH WILL SIE ER- 
LOESEN/AUS DER HOELLEN, UND VOM TODE ERRETTEN, 
TOD ICH WILL DIR EIN GIFT SEIN llOKLLE ICH WILL DIR/ 
EINE PESTILENZ SEYN". Rechts unten im Schnörkel der Name 
des Bildhauers: (Kratzenberg). 

1603. An der Südseite der Kirche befindet sich nur der Grabstein des Hans 
MARSSON ANDREAS, am Strebepfeiler neben dem 4\irmeingang, 
1,40 m hoch, 70 cm bieil. Im Millelfehle die im Mantel gehüllte betende, 



Rechts ein Kruzifix, dessen Fußende 



53 

i'iu Meisler- 



kniende Figur 
zeichen trägt. 

Die Grabsteine an der Ostwand (von Süd nach Nord). liöJie 2,80 m, 
Breite 1,45 m, stark beschädigt, abgetreten. Darstelhmg: Im Mittelfekle 
die stehende, vom Beschauer halbrechts gerichtete Figur eines barhäuptigen 
Ritters in voller Rüstung mit dem Schwert in der linken Hand; zu Füßen 
der Helm. Links, oben und rechts umziehen Wappen in Umrahmungen 
das Mittelfeld. Die äußeren Ränder des Steines sind ])escliriflet gewesiMi, 
jetzt größtenteils unleserHch, soweit zu lesen, in liegender deutscher 
Renaissanceschrift: ,,.... der Edle Gestrenge Christoff von Wrisberg 

Obrist seines Alters 74 in dem Herrn SeHgliehen enlsehlaffen 

dessen Seel . . . .", von den 1<S Wappen sind noch die folgenden Unter- 



schriften zu lesen: V. R.. BA . . . (Rutenberg?), 
V. WENDR, D. ROCKE V. NCKTEOTT (unsichei 
V. LENGE, V. VARPKE, Y. WLNNHUSEN. 



). V 



STOCKHEM, 
SAMPLEVE, 



Höhe 1,30 m. Breite 72 cm, Dicke 15 cm, aus rotem Sand 



stein, stark beschädigt und aus- 
gewittert, Mittelfigur kaum noch 
erkennbar, unten zwei \Vap])en. 
Schrift, abgesehen von wenigen 
Buchstaben, unleserlich. 

Grabstein, Höhe 2,05 m. Breite 
1 m, Dicke 20 cm, aus grauem 
Sandstein, Schrift zum Teil stark 
beschädigt. Im Mittelfelde, um- 
rahmt von einer Architektur im 
Renaissancestil (Säulen, Gebälk). 
Kruzifix. Links vom Kreuz kniend, 
betend, der Vater mit vier Söhnen, 
rechts die Mutter mit drei Töchtern 
und einem Kinde in Windeln. 
Unter den Säulen links eine Haus- 
marke, rechts ein Dreizack. Die 
Inschriften verteilen sich auf das 
Gebälk und darüber sowie unter 
der Darstellung im Mittelfelde, sie 
sind teihveise unleserlich. 

Grabstein des Johan Fried rieh 
Christoffer Backhaus, Höhe 1,32 m. 
Breite 69 cm. Der Stein enthält 
nur Schrift, in der das Auftreten 
des W\)rtes ,, ADIEU" bemerkens- 
wert ist (Abb. 41). 




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•4. 




^^^/ummnin'!^: 



Ende 

16. Jahrli. 



Zeil 



1599. 



1710. 



Al)l). 11. Xikolaikirclic in Alfeld: MoiivIimii/, 
('iriil)>tciiic von 17 in und 17.')() ;in der OslM'ltr. 



54 




\l)b. 12. Xikolaikirche in Alfeld; v. Stcinbergsches Epitaph. (1:33.) 
(Aus „Reimers, Handbuch für die Denl<malpfletie", HI. Aufl.) 

1756. Grabstein des Pastors HEIN. REICHE, Höhe 1,1)0 in, Breite .S^) cm, 
Darstellnni; des Verstorbenen in Lebensgröße (s. Abb. 41). 
Epitapli. Ein einstmals 1,25 m hohes, etwa 3,50 in breites Epitaph ans Holz, 
ehemals im Chor, befindet sieh jetzt im Provinzial-Mnsenm zn Hannover. 
Nachdem die nnteren Zierglieder, die Inschririi)l:i[le iiiul das große 
Mittelbild entfernt sind, ist es bei Neueinrichtnng des Musenms zn einer 
Tiirnmrahmung umgearbeitet und neu bemalt (Abb. 42). 

Milhoff besehreibt das Stück wie folgt: „Sehr großes Epitaph mit 
architektonischer Umrahmniig im Chor (an der weslliehen Sakristeiwaiid) 



55 




Abb. 43. Xikolaikirche in Alfeld; v. StcinlK-rtisclics l'.pitaph. 

enthaltend (unlerlialb des Gesimses) ein von je zwei korinthiselieii SfinK'ii 
flankiertes, die Gehurt Christi darstellendes Haiij)tl)ikl von i^uter Aus- 
führung mit der Unterschrift [in gotischen Buclistaben] : „Uns ist ein 
Kindt gebühren (ein Sohn ist uns gegeben) ESAIA. (9, 6)". An den Posta- 
menten der Säulen die Evangelisten. Dazwischen ein Sockelbild, worauf 
links ein Ritter mit acht Söhnen, von denen vier, wie jener im Harnisch, 



56 



rechts zwei Edelfrauen und rünf Töchter kniend dargestellt sind, und 
folgende Unterschriften (erstere beiden nebeneinander stehend) sich 
befinden [gotische Buchslaben]: „Anno Dnj 1521 Ist der Edler Melchior 
von Sleinbergk geborn. Anno 78 den 15 May Ist sein Ernueste zu Wis])en- 
stein Christlicher bekantnisse seliglich in Gott entschlalten". 

„Anno 1579 (?) Ist die Edle Jutte von Salder geborn. Anno 67 den 
31 Octobris Ist die Edle Erbar und viellhugentsame Jutte von Salder 

zu Hildesen Christlich vor- 
scheide". 

„Der Edler Erbar und 
Ernvester Melchior von 
Steinbergk hat mit der 
Edlen Erbarn und viel- 
lugentreichen Jutten ge- 
born von Salder, seiner 
Ehelichen hausfrauwen ge- 
zeuget 6 söne und 5 töch- 
ter, Burckhardt, Siuerdt, 
Gerdt, Jacob, Melchior und 
Christoff, Catrina Maria 
Jutte Anna und Olke 
Margareta. — Darnach mit 
der Edlen Erbarn und viel- 
tugentsamen Sophien ge- 
born von Bodendorf nach- 
gelassen witfraw gezeuget 
2 söne und 3 töchter, Ge- 
orgen Burckhardt und Melchior, Julia Lucia und Sophia, welchen alle 
der liebe Gott seinen gnedigen segen hie zeitüch und dort Ewigk ver- 
leihen wolle. Amen." 

Am Friese der Einrahmung und an den Seilen des Epilaj)hs die mit 
Farben ausgestatteten Ahnenwappen in langen Beihen (Abb. 43). 

Offenbar ist das Geburtsdatum der ersten Gemahlin Jutta von Saldern 
falsch, wahrscheinlich 1529. Die Abbildungen geben das Epitaph vor 
der Umarbeitung wieder. Seine archileklonische Formgebung ähneil 
der Architektur am Erker des Bathauses in Alfeld. 

Als das Stück ins Museum kam, ist eine ornamentale, gemalte Dar- 
stellung, die nicht ursi)rLinglich zu dem E])ilaph gehörte, an Stelle der 
Bcliefplatte eingesetzt worden; jetzt aber auch enli'ernt. 
Totenschiid. Ein kreisl'örmiges, hölzernes Totenschild, 3 80 cm, reich geschnitzt 
mit dem Sleinbergschen Wa])pen, ist zur Erinnerung an Christoffer v. 
Steinberg gestiftet (1608). Es befindet sich zurzeit im Heimalmuseum 
(Abb. 44). 




Abb. 14. Xikolaikirche in Alfeld; TdlcnsLliild 



0/ 



An der Emporenbrüstung sind 23 ältere 73 73 eni große Bilder Gemälde. 
(Öl auf Leinwand) mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte Christi 
angebracht: ein weiteres befindet sich auf der lunpore selbst. Knt- 
stehungszeit und Meister unbekannt. 



St. Elisabethhospital und Kapelle. 

Von den früheren Hospitälern ist nur das an di-r Landstraße nach (k-schiclile. 
Hannover liegende Elisabethstift vorhanden, hjiislnials gab es aucii 
noch andere Hospitäler, nämlich (his I leingengeistiiospitai (St. Spiritus) 
mit Kapelle nebst ,, Wasserfriedhof" (t)is ISiU) l)enutzt füi- b'remde. .\n- 
geschwemmte, Selbstmörder u. a.) und der „Elendenherberge" (Eremden- 
herberge) auf der Burgfreiheit vor dem Leinelor, lö22 (Stiftsfehde!) 
abgebrochen, um den Eeinden keine Zuflucht zu gt'w;Uirrii. und mit dem 
1424 zuerst genannten Paulshospital (für Männer). Kckv Lriii- und LuuM- 
straße, vereinigt. Neben diesem Hospital St. Pauli lag das Kathariuen- 
hospital (für Erauen). Beide wurden LS.ö.ö wegen BaufidHgkeit abge- 
brochen und die Stiftungsvermögen mit dem des Baveidiauses vereiuigt 
(Altersheim und Krankenhaus, 1855 erbaut). Die zu jenen beiden Hospi- 
tälern gehörige Kapelle erwarb die katholische Gemeinde und richlele 
sie sich nach erfolgtem l'mbau zum Gotteshause ein. Sie wurde um 
13 Euß nach Westen verlängert, so daß sie nun statt eins drei Stiten- 
fenster hatte und im ganzen 37 Euß maß. Auf dem Westgiebel wurde 
ein von zwei gotisch gehaltenen Eialen flankierter Giebelreiter mit ("docke 
errichtet. Nach Erbauung der jetzigen katholischen Kir(lu' (19021)3) 
wurde die Kapelle abgebrochen. Das Elisabethstifl (..Sekenhus to sunne 
Ilseke") wurde bereits 1112 erwähnt. E^s diente damals zur Aufnahme 
der Aussätzigen, seit Mitte des 17. .Jahrhunderts al)ei- als Alteisheini 
für 12 ..Hospitaliten". Vermutlich ist die zum Stift gehörende jetzige 
Ka])elle 1()68 erbaut, als die farbigen Glasfenster vom Rat der Stadt 
und sieben Gilden gestiftet wurden. Eine Vorgängerin war 1525 vorhanden, 
da ihr ,, Opfermann" damals genannt wurde. 1529 hieß die Kai)elK" 
„Pfarrkirche", 1531 „St. Elisabeth Gotteshaus vor Alfeld". Das noch 
bestehende Stiftsgebäude wurde 1(S27 erbaut. 

Die Stiftsanlage besteht aus Wohuliaus und Kapellr (Abb. 15). I5rsrlirciiiun; 
Ehemals lag neben den Gebäuden ein Eriedhof. von di'in jetzt l<auui 
noch etwas zu sehen ist. 

Das 1827 errichtete, zweigeschossige Wohugi'hriude ist in laichen- Wohuliaus. 
fachwerk mit verputzten Gefachen hergestellt und niil 1 Mannen gedeckt, 
Länge 20,50 m. Breite 9,30 m. Die Grundrißanorchnmg des Obergeschosses 
gleicht der des Erdgeschosses. Zwölf Wohn- und Schiafräume gruppieren 
sich um mittlere Längsdielen, deien unteie mit 12 l-"eueistellen als Küchtui- 
raum dient. An der Saumschwelle (k-s Obergi'schosses der östlichen 

ü 



58 

Schmalseite ist die Inschrift: „BRACKMANN CONSISTORIALRATH — 
FROBESE CONSUL — MÜLLER PASTOR — FORKE ADMINI- 
STRATOR ANNO 1827" eingeschnitten. 
Kapelle. Südlich des Wohngebäiides ist gegen Ende des 17. Jahrhunderts, 
über einem Rechteck von etwa 5,50 x 8,75 m die freistehende kleine 
Kapelle als Fachwerkbau errichtet (Abb. 46). Ost- und Westseite mit 
Giebeln. Die Gefache der Nordseite zeigen Lehmputz; die übrigen Wände 
sind unter Verdeckung des Holzwerkes mit Zementmörtel beworfen. 
Dachbinder aus älterem Holzwerk mit gebogenen Bohlen hergestellt. 
Deckung: rote Pfannen, First und Wiudbrett mit Schieferlafehi. Auf 
dem Westteil des Daches über einem Quadrat von 1,50 m Seite ein Dach- 
reiter, in dessen Windfahne FF. 1815 steht. 










i iiiiiiiii i — I — I — 1_ 



Abb. '15. Ivapelle und Wohnhiuis des EJisabethsUrtcs in Alfeld; Cinindrisse und rhRTschnitte. (1:250.) 



59 

Die Felder der Holzbalkendecke sind mit flott gemaltem Rankcnwerk 
in Gelb und Schwarz gefüllt (Abb. 47). An einem Balken in Renaissaiice- 
schrift der Spruch: „Herr unser Gott wende dich zum Gebeth untl zum 
flehen, dass deine Knechte für dir lluin: Las deine äugen offen stehen 
über dis Haus Nacht undt Tag. Über (üe Stätte (hivon (ki gesagesl Jiast 
Mein Nähme sol dasein Du wollest Hören das gebeth das deine knechte 
und Mägde an dieser statte thun". 

Die über dem Altartisch vorgekragte hölzerne Kanzel wird beiderseits Altar (Kanzel), 
von einer gewundenen Säule und frei endigendem Hanken werk ein- 
gefaßt. Kanzelvorbau etwa 50 .Jahre älter als der um 1700 entstandcMU' 
Altar aufbau. An der Brüstung: Mitte Christus (Ölbild) darunter die 
Worte: SALVATOR MUNDl, liidvs ST. MARCTS, rechts LUCAS. 
Bemalung: blaugrau und gelb. 

Auf dem Altare stehen zwei Altarleuchter aus Botgul.i, etwa Mitte Altarleucliler. 
16. .Jahrhundert, 31 cm hoch, und zwei Zinnleuciiler, mit breitem 
Fuß und zwei Schutztellern. Höhe 25 cm. Inschrift: ..DOROTHEA 
EVE, A. MÜLLERS", am zweiten, auf dem unteren Teller: „F. C. A. M. 
ALBRECHT 1721". Zinnstem])el: zwei Schilde, A mit Krone darid)i'r, 
dazwischen: E. Z. 1704? 

Ein zweiarmiger, bronzener Handleuchter, Fußj)lalte niu, etwa Mitte HandleiuhUr. 
16. Jahrb., von eigenartiger Form (Abb. 48): sechs weitere aus Messing und 
zwei aus Zinn, entstammen demEnde des 18. und Anfangdes 19. .Jahrhunderts. 

Ein Altarkreuz aus Messing, ganze Höhe 25 cm, Korpus 17 cm, Ende Altarkivuz. 
15. Jahrhundert, gute Arbeit, soll aus der Nikolaikirche in Alfeld stammen. 

Glocke im Dachreiter, unterer c 37 cm, Höhe 30 cm. Aufschrift: (".locke. 
„JOACHIM WEISHOF • VORSTEHERE • ANNO 1705 • JOBST HIN- 
RICH KÖNIG". 




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Abb. 46. Kapelle uml Wohnhaus des Elisabethstiftes in Alfeld; Nordseile. (1:250.) 



60 



Kronleuchter. 



Kelcli. 



Bildwerk. 



Glasbikler. 



Der einzige Kronleuchter ist zwölfarmig, drei Zierglieder zwischen 
den Sförmig gebogenen Armen fehlen. Die Arme sind in zwei Reihen 
angeordnet. Anfang 1(S. .lahrluindert. 

Kelch nebst Patene aus gninhchwcißeni ("das von einfachei' Pokal- 
form mit (loldbemalung. Am unteren Rande in (ioldbuchstaben, zum 
Teil abgängig: „TORIAS HIRSCDBERGKR CAT • RIXA Kl'HLE- 
MAN : ANNO D. MIXI l(')9r\ Der Kelch befindet sich jetzt im Heimat- 
museum. 

An der Nordwand, auf Konsole. Standbild dci- Siiftciiii mit ihrem 
Sohne, Höhe 60 cm, Holz, bemalt, barock. 

Im großen Fenster iÜ3er der Eingangstür (Westseite) sind acht 
farbige Glasmalereien, mit sieben Gildewappen und dem des Rates 
der Stadt Alfeld, aus dem .Jahre 1668 vereinigt. 



Das Rathaus. 

Gescliichte. Von der ältesten Verfassung der Stadt ist nur wenig bekannt; denn 
das älteste Stadtrecht (,,sate" = Satzung) ist nicht mehr aufzufinden, 
aber aus verschiedenen Urkunden geht hervor, daß die vier Bäuerschaften, 

in die die Stadt eingeteilt war 
und die nach den Toren die Lein-, 
Hörsumer-, Holzer- und Perk- 
bäuerschaft benannt wurden, aus 
den Großbiu'gern, also den Pa- 
triziein, je drei ,, Bauermeister" 
wählten. Diese Zwölfmänner (Con- 
sules) bildeten den Rat, worin 
immer der Reihe nach einer als 
Prokonsul (Bürgermeister) den Vor- 
sitz führte, l'm 1 156 erlangten 
auch die Gilden Mitwirkung bei 
i\cv Stadtverwaltung und durften 
12 — 16 Beisitzer stellen. Außerdem 
wäre noch der Stadtschreibei- als 
ständiges Mitglied zu nennen, zu- 
erst der ..Schulmeister", nach dem 
l(i. .lahrluindert ein Rechtskun- 
diger. Nach einer Neuordnung im 
.lahre 1726 sollte der eigentliche 
Rat ein Achtmännerkollegium bil- 
den: 2 Bürgermeister, I Senatoien. 
2 Kämmerer. Erst die westfälische 

Kapelle des Klisabctlistiftes in Allclil: '/.-.t ,.^.,,.Kt ,, I ;,>.■,,.,, ..ll.,., ,>;.. l.'.wl., 

Teiistück der Decke. /.eil maclite (liest'in alleii ein r.iKle. 




61 



Seit 1815 steht ein „rechtskundiger Bürger- 
meister" an der Spitze des Magistrats. Be- 
reits in gotischer Zeit besaß Alfehl ein Bat- 
hans, das vielleicht wie in anderen Sliidlcu 
mit der Halle der Tnchniacher verbunden 
war. Im Jahre 15<S5 wurde das Gebäude 
bedeutend vergrößert. In den Baurechnungen 
(Batsarchiv) werden damals die Meister Jo- 
hann und Bartold von Mele genannt. Der 
alte Bathaussaal lag früher im Erdgeschoß 
und war von der Südseite her zugänglich 
(Brauttür), zum Tanz wurde der Vorplatz 
im I. Obergeschoß benutzt (Abb. 49). 

Das freistehende Bathaus bildet den 
südlichen Abschluß des abschüssigen Markt- 
platzes. Es entstammt in seiner jetzigen 
Form im wesentlichen dem Ende des 16. Jahr- 
hunderts, doch gehört seine ursprüngliche Anlage der 
etwa dem Ende 15. Jahrhunderts (Abi). 50 und 51). 




B<-'schreil)ung. 



4,S. Kapelle des l-:iisabethstiftes 
in Alfeld; Handleuchler. 



i^otiscluMi Zeil ;iiu 




Abi), in. Uathaiis in Alfeld. 



62 



Der erste zweigeschossige Bau ließ im Westteil, dem abfallendeii 
Gelände entsprechend, den Keller zum Teil über den Erdboden hinaus- 
ragen, so daß hier gleichsam ein weiteres Geschoß entstand. An der 
Westseite sind noch die einstigen Staffeln des alten Giebels im Mauerwerk 
sichtbar. Ende des 16. Jahrhunderts erfolgte die Vergrößerung des Rat- 
hauses durch Aufstockung in Renaissanceformen. Gleichzeitig entstand 
der über fünf Seiten des regulären Achteckes hochgeführte Treppenturm 
an der Nordseite und die 1,75 m breite Wendeltreppe aus rotem Sandstein. 



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Abb. 50. Rathaus in Alfeld; Keller- und Erdgeschoß. (1:250.) (Aufnahmezeichnuiig von G. Killermann.) 



63 



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64 

Schrägfenster zeigen auch äußeilich den Verkuif der Treppe an, deren 
Spindel mit Diamantquadeni und Buckeln besetzt ist (Abb. 52). Zu gleicher 
Zeit (1586) wurde der die ganze Höhe des Rathauses bis zum Hauptgesimse 
einnehmende zierliche Erkervorbau hergestellt (Abb. 53). Profilierte (iesimse 
umziehen in Fußboden- und Fensterbrüstungshöhe die vier Geschosse dieses 
Erkers, die durch Pfeiler un(\ Siiuienslellungeii mit reichem ])lastischen 
Schmuck gegliedert sind. Haumaterial roter H<)iHngh;uiser Sandstein und 
weißer Bruchstein, in den Flächen verputzt. Das SaltehUich ist zurzeit mit 
roten Pfannen eingedeckt, die geschweifte, mit Zwiebel abgeschlossene 
Pyramide des Treppenturmes mit grauem Schiefer. 




Abb. :>2. l'.aLhaus in Alfeld; Querschnitt. (1:200.) (Aufnahmezeichnung von G. Kcllotin:uin.) 



65 



Haupteingang als Portalbau ausoebildel, seitlich der Tür 
jonischeSäulen,GebälkmitMetüi)enun(l rriglypiu'ii. Darüber 
ein von Karyatiden beseitetes Feld mit den AH'eldei- Waj)pen 
und der Jahreszahl ANNO 1586, naeh oix'ii duieh Drei- 
eckgiebel abgeschlossen (Abb. 54 und 55). 
Die gleiche Jahreszahl befindet sich auch oben 
am Westgiebel mit dem liidvs angegei)eiien 
Steinmetzzeichen: Zwei weitere Steinmelz- 
zeichen sind an den Giebelkonsolen der Nordseite eingehaueii (Abb. oben- 
stehend). Aus der mittelalterlichen Zeit sind nur nocli einige bVnster 






.Abb. 53. Rathaus in Alfeld; l'",rkcr. (1 :.">().) ( Aiifiialunc/cicliiuin^ vim ('■. Kcllcinumn. ) 



66 

im Ostteil vorliaiHlen, ferner ein .spjit^ülisehes dreiteiliges Fenster 
mit geradem Sturz an der Westseite (Abb. 56). 

Im Inneren ist aus dem Mittelalter die geräumige Kelleranlage 
erhalten, im Ostteil als Lager- und Wirtschaftskeller, im Westteil als 
Ratskeller mit Gastwirtschaft. Dieser, an der Nord- und Westseite durch 
je eine Treppenanlage von außen her zugänglich, ist mit rippenlosen 
Kreuzgew()ll)en überdeckt: Millelstülzen i'echtecki«' mit abaefasten Kanten. 




Abb. 54. llathaus in AUlIcI; llaiiijlpoital, Ansicht inid Sclmill. 0:ö(i.) (Aul'iialinu'zi'iclnuuiti von G. Kclluiinanii.) 



67 

Im Erdgeschoß Wohnräume, in den Obergescliossen Diensträumc des 
Magistrats. Im Vorplatz des ersten Obergeschosses und im Sitzungssaale 
einige Holzstützen in Renaissancecharakter. An den Hoizbalkendecken 
des Archivs und der früheren Arrestzelle im Turm sind noch teilweise 
die alten Stuckverzierungen, ganz ähidich wie im alten Seminar und 
in der Kirche zu Evensen, vorhanden (s. d.). Türen zum Teil noch alt; 
Haupteingangstür verdoppelt und reich benagelt. 

Am Erker, in den Brüstungsfüllungen, h'arl)sj)uren (Schwarz und 
Oker) nur schwach erkennbar. 



Das Ratssilber und die Gildepokale. 

Das bald nach der Gründung der Stadt Alfeld entstandene Handwerk Gcsdüditc. 
erlangte eine ziemliche Blüte. Wie überall, schlössen sich die einzelnen 
Handwerke auch hier zu Innungen, Gilden, Ämtern oder Brüderschaften 
zusammen. Die Bäckergilde wird bereits 1333 erwähnt, ihr Gildehaus 
(1514 ,,brothus" ge- 
nannt) lag Ecke Markt 
und Marktstraße. Das 
,, Ambecht'" der Tuch- 
macher und Wollweber 
(1437 ,. Gilde'", im Jahre 
1447 ,,broderschaft" ge- 
nannt), die als die vor- 
nehmste galt, besteht 
schon 1388. Besonders 
viele Mitglieder hatte die 
Schuhmachergilde, 1471 
zuerst erwähnt, deren 
Angehörige noch im 
19. Jahrhundert bis zu 
15 Gesellen beschäftigten 
und auf die umliegenden 
Märkte zogen, daher 
auch ihre stattliche Her- 
berge. Ihr Gildehaus noii 
1489 lag am Markt 12. 
Ferner sind zu nennen: 
die Kramergilde, die der 
Leineweber (1588 ge- 
nannt), der Tischler 
(1658 genannt), Dach- 
decker (1696 genannt), Abb. 5.j. Hathau^ in WU-M-, llauptportal. 




68 



Beschrciljiuif 
Ratssilber. 




der Böttcher (1707 genannt), der Schnei- 
der (1584 genannt), der Schmiede (1643 
genannt) niid der übrigen übHchen Hand- 
werke, über deren Bestand aber keine 
älteren Nachrichten vorhanden sind. 

Die bedeutende Stelking, die die 
Gilden einnahmen, erhellt auch aus den 
noch vorhandenen Stiftungen (Fenster 
in der Kapelle St. Elisabeth, Kron- 
leuchter in der Nikolaikirche) und iliien 
Einrichtungen, Gildebrieten. Gildeladen 
und Gildepokalen. Gerade (üe k'lzteren 
geben uns Zeugnis von dem hohen Stand 
des Handwerks. Von den alten Pokalen 
sind noch zwei zum Ratssilber geh()rende 
und drei Zinnpokale in Alfeld erhallen 
geblieben, ein Glaspokal, der wahrschein- 
lich in der Nähe Alfelds entstanden ist. 
befindetsich im Schloßmuseum in Berlin, ein weiterer aus Glas(Zwölfmäiinei- 
pokal) vom Jahre 1717 ist 1888 verkauft. Jetziger Standort unbekannt. 
Zu dem im Rathaus aufbewahrten Ratssilber gehören: 
1. Silberner Zwölfmännerpokal, Höhe 31 cm, mit Deckel 38' 2 cm, 
Kuppa 1114 cm, Fuß 12 cm (Abb. 57), saubere Gravierung, an der 
Vorderseite das Wappen der 12 Männer (eine von 12 Händen gehaltene 
Säule), im Helm Buchstabe A und Krone, auf der Rückseite die Figur 
des St. Nicolas mit den Buchstaben S. N. Umschrift am oberen Rande: 
„DIESES IST DER ZWÖLF MENNER IN ALFELDT IHR WAPEN". 
An der Kuppa die Namen von 12 Alfelder Bürgern und die Jahreszahl 
1672. Am Fuße: „SEIT FRIEDLICH UND LEBET MIT EINANDER 
BRÜDERLICH". An der Handhabe des Deckels zwei Löwen, die 
einen Rundschild mit hellblauem Stein halten, Umschrift : r^^ 
„HALT GLAUBEN UND EINIGKEIT, TRACHTET NACH {jj| 
GERECHTIGKEIT". Gold.schmiedezeichen: UW 

der Kramergilde. Höhe ohne Deckel 37,5 cm, 



Abb. 56. Rathaus in Alfeld; 
Fenster an der Westseite, (etwa 1:4(1.) 



!3 



RECHT UND 

2. Silberner Pokal 
im Ganzen, ohne Standarte 47,5 cm (Abb. 58), reiche Treibarbeit, 
Punktiertechnik, Kuppa 12,2 cm, Fuß 16,4 cm. Bekrönung: Krämer, 
eine Standarte haltend, unter dem linken Arm ein Bündel. \m Bande 
des Deckels: „DER LÖBLICHEN KRAMER GILDE 
WILKOM ZU ALFEL13T 1740 RENOVIRE PETR^ 
ALTERMANN", und in lateinischer Schreibschrift: L. DralU 
Altm. 1858 bis 77. Goldschmiedezeichen: 

3. Silberner Bürgermeister- oder Ratsmännerpokai, llöiie ohne Deckel 
32,8 cm, im Cranzen, ohne Standarte 46,5 cm (Abb. 59), oben 11,4 cm, 




69 



iiiiten o 11,5 cm, ehva Mitte dos l.S. .hihiluiiKlcrls. l"'l)er kivisrimdciii 
Fuf3teller sechs Buckel als Ül)erleituni4 zum ti-ai^enden Mittelteil, der 
als nackter Knabe mit Weinlauboewinden ausoehildet ist. Heich orna- 
mentierte Treibarbeit. Kuppa ähnlich dem Fuße, gebuckelt. Als 
Bekrönung des Deckels ein auf"erichteter Fihve mit Slaiidartt'; darauf (Um- 




Abb. 07. UatssilbiT in Alfeld; ZwöIfniämuTpokal. (1:^.) 

,, Blaue stein" als «geschliffene bhuie (ilasperle und die liiscluiri (Schreib- 
schrift): ,,Renovatum M. Dece 17(S7'". Im Deckel (innen) (hisi^ul gezeichnete 
sauber gravierte Wappen der Stadt. Inschrift (Schreibschrift): ,, Eines Ehr- 
baren Raths der Stat Alfeldf (\Vapj)eii). am Deckelrande 17 Namen von 
Alfelder Bürgermeistern, I^atsschreibern und Kammerheiieii. Am Deckel- 
rande hängen 3() Silberschildciien mit den Xamen dei' SimkiIoicii 
von 1756 an bis zum hiaitigen Tage. P)is zum .lahiv INOC) komm! 
auf diesen das Wort ,,(".oncordia"" oft vor. (ioldsciimiedezeii-heii : 






lU 



70 



('rildei)okalc. 




.\l)li. .-),s. 
l'inUsjllipi- in AllcM; Ki;uiioit;ilck'puk;iI 



1 . Zinnerner Pokal (lerBäcker- 
i^ilde, aulbewahrl im Heimat- 
museum, Höhe 50 cm bis Ober- 
kante des Baretts der Figur 
I )eckelbekrönung. Standarten- 
Iräger im Hainisch (Abb. 60). 
Inschrillen: ALTERMANN • 
1 1 . GEH H ABI )T MÄVE B S • 
GILDEMEISTER • H. BE- 
NEDICTUS GÜNTEB • II. 
HEINBICII • PHILIP Bü- 
NENBEBG-", in der Mitte 
Krone, Rückseite: Anno 1744. 
Am Mittelteil Wappenbild mit 
der Umschrill : ,,\VAPh:N 1 )I^R 
BECKEBGILDE IN AL- 
FELDT". Bückseite in deut- 
schen Benaissancebuchstaben : 
,,Weil Du zu uns kommen 
herein / Mußt Du nach allen 
Gebrauche fein / Mich nehmen 
an, wie ich dir gebracht / 
Weigerst dich des so hast du 
unsere Gilde veracht 4'rinck 
mich nur aus ohn alles wehren 
Es gereicht unser Gilde und 
dir zu Ehren / Drum nini micii 
willig und gern an EiiuMi 
Bausch ich dir woiil gtinnen 
kau/", darnnler am Wulsl : 
,.Sey(l friedlich, und lebet mil 
einandei- brüderlich". Zinn- 
zeichen unkeiinllicli. 1 )er Pokal 
wird jelzl noch beniil/t. 

2. Zinnernei-j^okal der Schmie- 
deinnung, aufbewahrt im Ilei- 
malnuisiMim, Ib'Wie bis Obei'- 
kanle der b'igur ÖOcm (Abb.T)] ). 
Am oberen Baiule: „DIESES 
IST DEB LOBLICHEN 
SCHMIDEC.ILDE HIB WIL- 
KOM", im Kranze: ,,IN AL- 
FELDT • ANNO ITOp-. Als 



71 



Bckröiiuiig: ein Schmied, in 
der linken einen Schild, in der 
rechten Standarte mit Inschrift 
(Schreibschrift): „VIVAT DIE 
LÖBLICHE SCHM IDE GIL- 
DE 1770". Zinnzeichen: Rose, 
darüber Krone (anf der Ab- 
bildnng rechts). 

3, Zinnerner Pokal der Schlos- 
serinnnng, ähnlich dem vorigen, 
V. J. l(S5cS, mit großem Schlüssel 
auf dem Deckel. Höhe öl cm. 
(Im Heimatmuseum.) 

4. Gläserner Achtmännerpo- 
kal, Höhe 25,6 cm, 15,5 cm, 
Kuppa urnenförmig, Schaft 
^valzenförmig, Fuß breit und 
rund. Glas grünlich, irisierend. 
Bemalung mit bunten Schmelz- 
farben (Abb. 62). An der Kuppa 
zwischen zwei Blüten die Um- 
schrift: „S. NICOLAUS AN- 
NO : 1716". An der Gegen- 
seite das Wapi)en der Acht- 
männer zwischen deren Namen, 
ähnlich wie am silbernen Zwölf- 
männerpokal; links vom Wap- 
pen: „ADRIAN JÖRNS, 
WORTHALTER, CASPAR 
PEINEN-BEYSITZER STE- 
PHAN KREIPKEN • HANS 
HINRICH WACKENRO- 
DER • ", rechts vom Wajipen : 
„FRANTZ BURCIIARl) 
SCHUHMACHER • TIESE- 
MAN RUHHOFF • CORD 
HINRICH PAGEL • ESAIAS 
WITT SCHIEFFEN-'-. Die 
Umschrift an der Mündung 
lautet: „WAREN DER H : 8 
MÄNNER IN ALFELDT". '- 
Am Schaft: „ZU DER HERRN 
GEMACHT. NICHT REDLICH 




Al)b. 5!l. I'.:il--ill 



.S M.\XNb:B 

is'i". i)i-:i! SO 



in Allcld. IlMt-m; 


iniiiil 


WIJ.KOM 


r, I N 


MICH \i-;i 


! AC 



ICH 



72 



WER MICH ABER TRINKET WILLIG ALS , DEN HAB ICH 
GERN IN MEINEN HAUS". Am Fuß: „LEBET UNTEREINANDER 
FREUNDLICH UND BRÜDERLICH". 



Gesell ich tc. 



Beschreibunu. 



Das Alte Seminar. 

Eine Schule ])esaß Alfeld beieils im Miltelallei". und zwar sowold 
eine schon 1250 Ljenannle Pt'aiTschule als auch eine im späteren Mitlei- 
alter i^egriindete städtische Schule. Sie lag 11(S3 und gewiß schon vorhei- 
am damaligen „Steinweg", jetzt am Kirchhof Nr. 4 genannt, zurzeit 
katholische Schule, lune Folge der durch die Reformation veranlaßten 
Neuordnung des Schulwesens war die Einrichtung einer Lateinschule, 
die zuiuichsl auch im genannten alten Schulhause untergebracht war. 
aber lOK) dicht daneben ein eigenes Gebäude erhielt, das sogenannte 
,,Alte Seiuinar". so bezeichnet, weil von 1813 bis 1855 freistehende Räume 

dem Lehrerseminar über- 
lassen waren. Die Latein- 
schule wurde 1781 in eine 
Biwgerschule umgewan- 
delt. Zurzeit dient das in 
städtischem Besitz befind- 
liche Gebäude als Heimat- 
museum der Stadt Alfeld. 
Nach der Baurechnung ist 
der reiche Figurenschmuck 
unter Leitung des Bild- 
schnitzers ,, Meister An- 
dreas Steiger" in der Stadt 
Alfeld selbst angefertigt 
(Abb. 63). 

Das in seinen Einzel- 
formen von der Hildes- 
heimer Holzbaukunst be- 
einflußte sogenannte Alte 
Seminai' wurde im .lalire 
Kilo als Unlerrichtsge- 
l)äude erbaut. Es bildet 
den (istlichen Abschluß des 
ncirdlich der Nikolaikirclie 
liegen(lenPlatzes(Al)l).()l). 
Dei- freistehende, zweige- 
schossige Bau, 7,95 m 
breit, 19,20 m lang, ist 
in h>ichenfaclnverk mit 






ö9 



Ai)l). r.o. 

Pokjil (liT niukersildc 
in AllVkl. (1:0.) 



.\l)l). (11. l'okal der Schniicdc 

•AiMv in Allcld; (1 :.">); (tcclil- 

das Zinnuirl.lcr/ciclu'n). 



73 

kräftigem wStänderwerk auf roten (Röllinghäuser) Saiidsleinsockel aufii;(.'- 
setzt. An der Nord- und Südseite sind Giebel angeordnet, das weit aushi(k'nde 
Dach ist mit Pfannen gedeckt (Abb. 65). Gefachausmauerung Back- 
stein, neu, Fußboden im Flur Sollingplattenbelag, in den Räumen 
Holzdielungen. Ein Keller fehlt. Das gesamte Ilolzwerk des Gebäudes 
ist außen ungewöhnlich reich geschnitzt. 

In der Mitte der Westwand das Eingangs|K)ital mit k'reilre[)pe, bei 
der letzten Instandsetzung zum Teil ergänzt (Abb. (iG). l/iiiks und rechls 




Abb. 62. Achtmannerjjilas aus Alfeld. 



der Tür Karyatiden auf Säulen, korinthische Kapitale. Oberhalb (Um- Tür 
das Alfelder Wappen in der Form, wie es am Kalhausportal (s. d.) vor- 
kommt. Inschrift am Portalgebälk: „MACHT KUCII usw. SYH. LI. 
VERS 31", hnks und rechts über den Kapilälen: 16—10. Die Stiele des 
Fachwerkes sind mit Säulen, Hermen. Doppelsäulen, Pilastern usw. in 
kräftiger Flachschnitzerei geschmückt, unterhalb der Fenster, zwischen 
den Brüstungsplatten Kartuschen, bcriiigelte Köpfe, Blumenvasen und 
ähnliches, darunter auch ein Hahn und Hirschköpfe. Die reich profi- 
lierten Füllhölzer zwischen den Balkenköiifen sind durch schrägliegenden 

11 



74 



Zahnschiiitt belebt. Den I laujiLscliinuck ])i](lcii die Fiilliiii^eii der 
Fensterbrüstungen, die denen am Kalaiidi^iebel idmlich siiul (Abb. 67). 
Die das ganze Haus umzieliendi' Insehrift in lateinischen Großbuch- 
staben an der Setzschwelle des Obergeschosses lautet: (Nordseite): GEN. 
28. CAP. VIDIT ISAACIDES PORRECTAM AD SIDERA SCALEM: 
(Westseite): PER QUE HANG ANGELICOS IRE REDIRE CHORAS: 
ECCE TYPüM, QUID ENIM SCHOLA? QUID? NISI MYSTICA 
SCALA: CUIUS APEX SALVA AT RELLIGIO ET REGIO EST: 
ORDO MAGISTRORUM. (Südseite): HIC DESCENDIT, CAPTUI 
ADAPTANS DOGMATA UT ASCENDAT CARA lUVENTA GRADUS: 
CUR? (Ostseite): AIS EUSERIE UT VIGEAT, THEMIS UTQUE THRI- 
UMPHET SCEPTRA FORIS TENEAT PAX, HYGIEA DOMI. HING 
SUADENTE MINI (STERIO PLAUDENTE SENATU SUMPTIBUS) 
HAEC CONDITA FUIT SUMME DEUS, DILECTE. (Nordseite): PA- 
RENS, FAC, DIVITE FRUCTO, SCALAM, URBEM, ET POPULUM 
HUNC SOSPITET ALMA SALUS 1610". Die eingeklammerten Worte 

sind spätere Ergänzung und lauteten früher: STERIO ET FA- 

CIENIE SENATU CUM POPIT.O SUMPTUM" (n. IKHHng). Die 
P)rüstuiigslii!hmgeii stellen laut Beischriften dar: 

Erdgeschoß (Westseite): „SALOMON, TIBULUS, DAVYT, FIDES, 
SPES, CHARITAS. PATIENTIA, PRUDENTIA, JUSTICIA, FOR- 

TITUDO, TEMPERANTIA, JU- 
DITH, MARCELLIUS, OVIDIUS. 
(Südseite) JESUS CHRISTUS" 
(Abb. ()8) und die vier Evangelisien. 
(Ostseite): Die vier großen und die 
zwölf kleinen Pronheten. Nordseite: 
„VISUS, GUSTUS, RATIO, 
ODOR, TACTUS, AUDITUS". 

Am Obergeschoß (Westseite): 
Die neun Musen, fernei' acht alle- 
gorische Darstellungen der Künste 
und Wissenschaften. (Südseite): 
..MOSES. AARON. STEPHANUS. 
PAILUS. PETRUS und TIMO- 
THEUS" (Abb. 69). (Ostseite): 
ADAM-EVA, SETH. HI^NOCIL 
NOAM, Sb:M. ABRAHAM ISAAC, 
.JACOB, fiMiii 1 (nicht ursprünglich) 

.JACOB, .i()si<:pii. M()si^:s er- 

I^ETTUXG. MOSES und ARON, 

s()(hinii eli<:asar. PIXEHAS, 

Al)l). C.IJ. Alu- S.n.inai in Allcl.l; Sii.l..>lansklit. AIUATHAR". (Nordscltc): DR. 




75 

MARTINUS LUTHERUS, PHILIIMHS MELANCTHON. IJAHTOLIS, 
TRIBONIANUS, HIPPORATHES iiiid GALENUS". Die Eülluiii.en der 
Nordseite zeigen außerdem Wappen; die der Nord- und Oslseile li-anen — 
bis auf die neueren — noch die Namen von All'eider P>in'oern (Stifter?). 

An den Stielen der Südseite des Obergeschosses: „IIÜRATIUS COCLES, 
MARCUS MANLIUS, MUTIUS SCAEVOLA", darüber, an den Stielen 
der Südseite des Dachgeschosses: „YALERIUS CORVl'S, DECIUS 
MUS, Q. FABIUS, REGULUS, CATULUS", dazwisclien als Brüstungs- 
lülhmgen: „K. SAUL, K. DAVID, K. SALOMO, K. .lOSAPI lAT, K. 
IIISKIA, K. JOSIA", darüber an den ol)eren Stielen des Giebels dei- 
Südseite: „MARCELLUS, SCIPIO, PüMPEIUS", und in den IJnislnngs- 
lülinngen: „ZACHARIA, SIMEON, APOLLOS, Tl-dMlLLlS •. kl/lere 
beiden mit den Namen von All'eider Bürgern. 

An den Stielen der Nordseite des Obergeschosses: ,, MARCUS, CllVrilS, 
SCIPIO, ANIBAL, JULIUS CESAr! ALEN :^1AGNUS", darüber im 



wv/.::'.'«:mmrs7r7r 



Y'iirii^n 



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g.'^a» w fiisiitn 



:mjivv/,mmiium'i. 



m!:i..A 




.\l)l). i;i. Alles Seminar in Allcld; 
Cirundiisso mhu J';i-(I- und ()l)i'i >»esclu)l.l. (l:2li().) 



76 



Handinühlc. 



Geschichte, 




(').■). Alles Sciiiiiiiif in Alle 
( »nciM-hnilt. (l:2(Mi.) 



l)achi*cscliül.{: „CODRUS, MILTIA- 
DES, LEONIDAS, THEMISTOC- 
LES,PAl^SANIAS", dazwischen Brii- 
stun«siüllungen: „JOSIAS, EHUD, 
SAMGAR, GIDEON, SEPHTHAM, 
SIMSON". Darüber an den drei 
Stielen: ..EPAMIXONDAS, PELO- 
PIDAS, XEXOPHON", und in den 
Brüstungsfüllungen : „LEVI, MICHA, 
ELI, URIA". Im Giebeldreieck der 
Spitze: Zwei musizierende Engel. 

Außer den an anderen Stellen 
schon beschriebenen Kunstgegen- 
ständen im Museum ist noch eine 
Ilandmühle vom Jahre l(So9 zu er- 
wähnen. Sandstein, sechsseitig, 
ö 30 cm, Höhe 15 cm, mit Relief- 
kopf und Jahreszahl. Eine ähnliche 
ist am Herrenhaus in Wispenslein 
eingemauert. 



Das Kaiandhaus. 

Viele Stiftungen hängen mit den mittelalterlichen, auch in Alfeld 
blühenden Brüderschaften zusammen. Solche Brüderschaften mit Wohl- 
fahrtszwecken leiblicher und geistiger Art waren hier die Brüderschaft 
,, Unserer Lieben Frau" (Mitglieder der Knochenhauer- und Kramergilde), 
die des ,, Heiligen Leichnams" (Wollwebergilde, genannt 1518), die Brüder- 
schaft ,, Corporis Christi" (Bäckerknechte), ,,St. Jacob" (Leinweberknechte) 
,,Fabiani et Sebastiani", ,,Jodoci Urbani" und ..Bealae Virginis" (alle 
drei der ,, Schuhknechte", die wegen der bereits erw;dintt'ii Größe der Gilde 
im ganzen drei I)rüderschaften l^ildeten). Alle diese Brüderschaften hatten 
eigenes Vernnigen, deren Ertrag für Seelenmessen, Almosen an bedürftige 
Zunftgeiiossen und deren Witwen und Waisen verwandt wurde. 

Von den im eigentlichen Sinne geistlichen Genossenschaften loefantlen 
sich in Alfeld Augustinermönche aus Hildesheini. Terminarier (erwähnt 
1451). Sie besaßen in Alfeld mehrere Häuser. Der sogenannte Mönchehof 
war Wohnsitz des Abts von Marieinode. der 1355 — 1570 das Kirchen- 
patroiuit besaß. Nach endgidtiger i'jnfidirung der Reformation erwarb 
der Magistrat 1570 das Grundstück und richtete es zur Supeiiiilendenlnr 
(Wallstraße 2) ein. Einen dabei iibiigbleibenden Best kaufte 1()97 (Km- 
Bischof zwecks Errichtung einer kalholischeii Mission. Doch kam es iiiclil 
dazu; daher verkaufte man den Platz (NVallstraße 3) im Jahre hS30 N\ei[er. 



77 



Vor allem geluH'l daliiii auch 
die l)ereits 1381 erwähnle Kalaiid- 
briiderschaft mit eigenem Mause, 
eigenem Versammlungsraum und 
eigener Ka})elle in dei' Kirche, wo 
sich die Brüder, hauptsächlich die 
Pfarrer des ,, Bannes" Alfeld, die 
Adligen und sogenannlen Hono- 
ratioren der Nachbarschaft an 
jedem zweiten Wochentage im 
Monat, also nach den Kaienden, 
wie der erste Monatstag in dei- 
lateinischen Sprache heißt (daher 
ihr Name) versammelten, woraus 
die späteren monatlichen Pfarr- 
konferenzen entstanden sind. Diese 
Versammlungen wai'en mil Vigilit'ii 
für die verstorbenen Mitglieder und 
Almosenansteilung verbunden. Die 
Mitglieder, also auch die aus- 
wärtigen, wurden, wie dieses laut 





Abi). (')7. Alto ScMiiiiiar in Allel«!; Nordwcsli-ckc. 



Abi). (Ki. Aile> Scminnr in Allcld: l'urbil. 

Kirchenbuch noch lange Sille 
blieb, von allen l)riidei'n und 
Schwestern des ..Kalaiid" ge- 
meinsaiu in .Mich! /n (iiahi' ge- 
tragen. Die gr(')ßle 1)1 üle wird 
der Kaland auch hier um 1 ()()() 
entfallet haben. Das Cehcitl 
Wallslral.U' .'). also nnmilielbai' 
neben dem M()nclu'h()r. auf dem 
das P)()() abgebrannte Kalaiid- 
haus stand, geh()i'le 1272 t'iiicni 
Manne namens l'lrich Daio, 
danach mehi'ereii Piit'slerii. 
t>in ai-chileklonisch hedcutsamiT 
Neubau wurde Anfang des 
17. .Jahrhunderts eiiichl(.'l (Ab- 
hildung 70). Nach dem Dreißig- 
irdu-igen Ki'iege scheint das 
llaus aber beicits in l*ii\at- 
bt'silz gekoiniiu'ii zu sein. Wie 
andeicii ( )rls. so w iiide in dieser 
Zeit die Kala ndhiiideischal t 



78 

auch in Alfeld auii^clost. 1()92 isl das llaiis iiaclnvoislicli in Pii\al- 
hand gewesen. 
Iksciucibim}^. Der am Hinterhaiise des im Jahre 1906 abgebrannten Wohnhauses 
Wallst raße 5, Ecke Kalandstraße, einst vorhanden gewesene Erkervorbau 




11 



Mm 



.\l)l). t),S. Alles SfiiiiiiMi- in Allcld; Hnist mv-islnlliiiii;. 

(Abi). 71), 1(). Sej)tend3er 1906 al)gebr()chen, wird zurzeit in I-?eslen 
auf dein Dachboden des Realprogymnasiunis aufbewahrt, lüchenfaeh- 

werk, zw^igescliossig, auf I^ruchstein- 
soclvel; darül^er Giebel. Grundnial.ie 
rund 3,50x2,10 m, ganze Höhe etwa 
1 1,75 m. 

Entstehungszeit laut Inschrift 1015, 
Sländerwerk, Schwellen nnd Eüllhölzer 
; — reich geschnitzt; neben der spätgotischen 
Kanke kommen Eierstab und Zalin- 
schnitl vor (Abb. 75). Hriistungsfiillungen 
mit allegoiischen Darstellungen in b'lach- 
schnitzt-rei von guter Bewegung und ge- 
schicktei' VertiMlung: Die \iei' Elemente 
(Abb. 72 KiNIS), die vier remi)era- 
mente (Abb. 73 CHOLERIl'S). die viel" 
(damals hekaimleii) bj-dteile (Abb. 71 
ASI \). aul.U'rdem zwii 'rafeln mit 
Wappen. 

Auf dem eisten das Monogramm 
I). M., als Wappenhalti-r ZN\ei reimische 
b'rieger. im Spiiichband : ..ANNO 

ALI). t\'\. All. 'S Sciniiiai- In Mlcld; ,^ . .' .. ,,,, . , ' _ . ,,, , •, , , 

•j.iKimk .1.1 suiiwMiKi. D. \ . N. l.-^p" (Al)l). /()). W appeiinild des 




79 

zweiten: Bieiienkorl) auf einem Schemel, Wappeiihaller zwei Pullen, 
im Spruchband: ,,1()15" (Al)b. 77). 



Bürgerliche Wohnbauten. 

Da die Stadt Alfeld mehrfach von s^roßen Bränden, znlelzl i^e^en Milh' Allgfim-ines. 
des 19. .Jahrhunderts, heimgesucht wurde, sind nur wenij^e Wohidiäuser, 
durchweg Fachwerkbauten, erhalten geblieben. 





Abi). 7(1. Krkcr des cluMiKili^cn KalaiKlhaiiscs iti Allcld. 

Die noch vorhandenen zeigen einen eiulK'itüclien 'i yp von Ackei'- 
bürgerhäusern, der sich im Millelaller heransgei)iidel halte und bis in 
die ersten .Tahrzehnte des 17. .lahrhunderts beibehalten wurde. Die grö- 
ßeren und reicheren Gebäude diesei' Arl siinl nach gieiclicni (irnndi-iß- 
scliema einuerichtet. 



80 



Von der Straße aus veriiiiUelte ein l)reites Kint'alirtslor den Zii- 
i^anff zu einer geräumigen Diele von rund ö m Höhe. Daneben lag 
gewöhnlieh der Wohnraum nach hinten. Eine Küche im heutigen 
wSinnc war nicht vorhanden. SeitUch, etwa in der Mitte des Hauses, 
befand sicli ein ollenes Herdfeuer, über dem ein mächtiger Rauchfang 
angelegt war. Die Tivijpe, ofl slalllicher Art, lag gewöhnlich im 
lii n leren Gebä udeleil . 

Im Aufbau zeigt die Slraßenwand durchweg das l)is zur I )i('leiidecke 
hochgefüiirtc Ständerwerk in Eichenholz, hjne nach der SlralJe stets 
vorgekragle kräftige Balkenlage schloß das Dielengeschoß ab. Darüber 
befand sich dann der Lagerboden für die Erntevorr;'ile, die bis unter das 
Dach gestapelt werden konnleii. Straßenseitig wai' (his Geschoß mit 
iiol/.klappcn xciscIuMi. wie sie sich jetzt noch am Hanse Winde 17 \"or- 

finden. Giebel sind nie nach der Straße 
entwickelt, Traufe und First wai'en 
also parallel der Straße gestellt. Brand- 
mauern fehlten. 

Windevorrichtungen sind Inst stets 
vorhanden. Entweder belinden sich 
die Seilrollen oberhalb der Einfahrten 
an den Traufüberständen oder sie sind 
im Inneren der Gebäude angebracht 
(z. B. Am Markte 10). Nur einmal, 
am S])eicher des Hauses Am Markte 7 
(Hinterhaus), ist ein kleiner Erker 
oberhalb der Traufe auf vorkragendem 
Gebälk für diesen Zweck angeordnet. 
Die Einrichtung wird hier noch benutzt. 
Etwa Mitte des 17. .lahrhunderts be- 
gann man die Noihandeni'U hohen Dit'Ien 
auszubani-n und in WohnriUnne umzu- 
wandeln. Die Dielenhöhe erlaubte eine 
Zwischenteilung; es entstand dannt 
das jetzt allgemein anzutreffende 
Senkgebälk. Im Äußeren tritt diese 
Umgestaltung als Dielengeschoß, Zwi- 
schengeschoß und Obergeschoß in 
Erscheinung. denn auch dieses 
wurde spätei- straßenseitig zu Wohn- 
zwecken ausgenutzt. Einige Häuser, 
" ■ -— ' 1 z.B. Holzerslral.U> 1.) und Winde 17, 

Abb. 71. 1 1 1 • 1 1 1 •• 

lukor dos ohcmalinon Kaljmdliaiises in .Mfeld; /-l^'lgt.'n UDCr UOCll (llf l^odeUraUnU' lU 

(AiifiiaiinuzciihiuiW vom '.rahre 1903.) uahczu alter Foiui. 1 )erselbe Tvp findet 




81 




I ;iicninli!j;c's Kaiandhaus in Allild: 
P)iristiiiii;sr(illuni;. 




SclnVfllc'll. 



sich auch l)ci cUmi kleineren Hiir^-er- 

häusern vor, nui' mit (km l'nler- 

schied, daß statt dei- Diele ein 

schmaler seitlicher Flur aiii^eordnel 

wurde. 

In der künstlerischen Durch- 

bildunt)' (K'r Eiuzelformen /eisten 

die Alfelder Bürs:>erhäuser eine ijanz 

ähnliclie EntAvickluni^' wie sie in der 

Hildesheimer Gegend auch sonst 

üblich war. Träger des Schmuckes 

waren zunächst die Setzschwellen 

und Konsolen, später die Stiele 

und Hrüstungsfüllungen aus Holz. 

Backsteinmuster kommen kaum vor mit Ausnahme des Hauses 

Leinstraße 20, das aber erst Anfang des ]<S. .Jahrhunderts erbaut wurde. 
_ , Die Konsolen zur Unterstützung Konsolen und 

der Vorkragungen des Obergeschosses 
und der Traufe sind um 1500 noch 
schlicht gehallen. In einwärts gekehlten 
Schmiegen wachsen sie aus dem unteren 
Stiel heraus und sind nel)st den 
l>alkenk(')|)fen höchstens leicht abge- 
fast. Vereinzelt sind au der unleren 
Übergangsstelk' zum Stiel \\enige an 
die gotischen Formen anklingende 
Profile eingeschnitten. Die Haiken- 
köpfe erhielten unten ein Viorlelkreis- 
lu'sl im zweiten Viertel des !(>. .lahrhunderts werden die Profilie- 
rungen der Konsolen reicher. Rundsläl)e und Kehlungen Iriden zahlreicher 

auf. z. B. an den Häusern Seminarstraße 1 und llolzerstraße P): die Balken- 

k()j)fe bleiben in der einfachen h\)riu 

bestehen. P^ni 1600 etwa werden 

auch die Seiten der Konsolen 

geschmückt: das Profil nimmt die 

charaklerislische Schneekenform 

an, z. B. Am Markte 7. Nach 

Rückkehr zu den einfacherc'U 

b\)rmen \-ersch\\ indeii um 1700 die 

Konsolen ganz, die Vorki'agungen 

werden geringer und mii' mittels 

wagerechter Profilleisten in ganzei- 

Breite der Hauswand bcwii kt. Ai.i..7i.i;hciu.KaUm(ihausin.\iirM;i',ni-.inim>tuiiun^ 



lilllslllIlt!:sllllllllU 



111 Alfeld; 



P 



rofil. 




82 




.\i)i). 



I^lu"iii;ilini'> K:il;ui(lli;uis in Allcld: hricv 



Iiriistuiif»cii 
und Stiele. 



Die Selzschwclk'ii der Ober- 
t^eschosse änderten idiidieh den 
Konsolen iliren Zierat. Das Haus 
Seminarslraße 3 (1490) zeigt als 
einziges Al)tivi){)uni>eii in der Art 
der Hi'aunsehweiger Faclnverke. 
Sonst \\ur(len Schwellen und 
zum Teil auch das Riegel- 
werk nur durch llache Proi'ile 
verziert (Speicher, Am Maikte 7), 
(1 Unterhaus). 

Gegen Mitte des Ki. .Jahrhun- 
derts lit'len dann Bogenfriese und Flechtbänder auf: verschiedenllich 
auch Inschriften (Holzeislraße 13, Winde 17). Wie an anderen Orten 
hemmte dei- Dreiüigüigiährige Krieg die weitere Entwicklung. 

Iiu zweiten N'ierte! des IC). .Jahr- 
hunderts, bei aufblühendem Wohl- 
slande trat eine weitere Bereicherung 
der 1 lauswände ein. Bevorzugt 
wurde in der Hauptsache die 
halbe Hoset te, die am Hause 
Seminai'slraüe 1 über Stiele und 
Fußstreben gezogen, später (Holzei- 
slraße 13, Winde 17) aber in die 
hölzernen P)rüstungsj)latten selbst 
verlegt wurde. 

Kurz nach IbOO erschienen dann 
in starkem Helief allegorische Dar- 
stt-llungen in den b^idlungen (Haus Semiiiarstral.U' 1<)). (he auch auf den 
Slielen erscheinen (vgl. Altes Seminai- und Kaiandhaus). 

b>rst Anfang des LS. .lahr- 
. . ^ hnndei'ts begann nuin wieder, 
gleiciisam Z(")gernd. Holzschnil- 
/.ereicii an den Urüst ungt'ii anzu- 
wenden ( Leinst raße 21), doch 
kam man nicht übei' ri'in oi'iia- 
inentale Pudiandlung hinaus. 
In den nachslehenck'ii h>in- 
/.elheschreihungeu sind (he 
(iebcinde dem AUcr nach aul- 
UiMiihrt. 





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.\l)l). 7i>. 



lihcnialim's Kiilandluiu 
15riistiinjisl'iilliinii. 



111 Allch 




Abb. 



l-:iu'mul.l\alan(lliaiis iiiAIIVlil; nnisliiiiüNriillimi. 



83 

Das dreigeschossioe eingebaiile Faclnverkgehäiide ist das idtesle Scminar- 
datierte Privathaus in Alfeld. Laut Überschrift über der (später iiiiii'e- ^^'■''"^' •'• 
stalteten) Eingangstür stammt es aus dem Jahre 1490 (Abb. 7(S). 

Die Einteilung der Zimmer ist nicht mehr ganz die ursprüngliche. 
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Wohidiaus undassend instand 
gesetzt, der hintere Teil abgebrochen. Gleichzeitig scheiid (his Stiinder- 
werk neu gefestigt und in Lot und Wage gebracht zu sein. Auch die 
früher bis unter Dach offene Diele erhielt damals iiii' jetziges Senkgel);dk. 
Der mit Halbkreistonne überdeckte Keller ist aber eriiaiten gel)liel)en: 
er wurde mit einem neuen Zugang versehen. Die 9,5 m bicite Straüenwand 
zeigt noch ziemlich den ursprünglichen Zustand, hat aber infolge Senkung 
eine erhebliche Schräglage nach dem Hausinnern bekommen (Abb. 79). 

Reste von Ausnutungen an den Riegeln und Stielen lassen erkennen, 
wo sich einst die kleinen Fenster befanden. An dem noch vorhandenen 
Spitzbogen des einstigen Einfahrtstores in gotischen Buchstaben die 
Inschrift: „Anno dni MOcccc^xc'^'" (Abb. 80). 

Das eingebaute Wohn- und Geschäftshaus wurde etwa um l.')(l() Am .Markte 10. 
errichtet, also wenig später als das Haus Seminarstraße 3. Ein noch iUx'r 
der Eingangstür schwach erkennbares Stück des flachen Spitzbogens 
weist darauf hin, daß der jetzige Laden und der FLingangsfhir früher einen 




\mM i 1 1 1 1 1 ' 1 1 1 

Ahl). 7S. WohnlKiiis in Allcld, Si-ininarslralk' ü; 
Cinindiissc xom l'.rd- und Kcllcr^ücschoK. (1:200.) 



84 

Raum (l)i('U') bildctt'ii. Xacli hiiiU'ii cTwcilcrl sich dor b^lur und iiiniiiU 
die Trepjx.' auf. Kiii ZiniiiuT und die Waschküche sind um denselben 
angeordnel. zwei getrennte tonneugewölble Keller von ihm aus zugängig". 
Die 1,30 mim Quadrat großen Deckenöffnungen liir die einstige Auf- 
zugsvorrichtung sind noch jetzt eikennbar, die im Dachboden befindliche 
ist durch eine verdojjpelte, gut profilierte Klappe abgedeckt. 

Im Obergeschoß gruppicreu sich die Räumlichkeiten um den großen 

Vorplatz. Den Aufgang zum zweiten Obergeschoß vermittelt noch die 

'liH'l)l)c. urs|)riingli( he Treppe aus Eicheuholz mit Balustrade, das bedeutendste 

Schmuckst tick dieses Hauses, zugleich die best erhaltene Holzt reppe aus 

alter Zeit im ganzen Kreise Alfeld (Abb. 81). 

Die (leschosse sind niedrig. In der Ausführung der Straßenwand 
(sieben Achsen) schließt sich der Bau an das Haus Seminarstraße 3 
;iii. nui' sind hier iWv N'orkragnngen durch Schrägbretter zwischen den 
iialkenkcipfeii geschlossen, auch fehlen die Zierate. Einige ursprüngliche 
Innentüren und Fenstei' sind iu)ch erhalten. Der auf Seite (S7 dar- 
gestellte Stiel mit Kopfbändern und Saltelholz bt'findel sich im 
Torweg (Abb. 82). 

Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgte ein umfassender Umbau. 
Schrank. Kin im Erdgeschoß (Flur) aufgestellterSchrank mit Füllungen undgekrö])f- 
len Profilen stammt etwa aus dem Anfang des 18. .lahrhunderts (Abb. 83). 




Al)l). 7'.». Wohnliaiis in AllVld; ScmiiiiiTsliaMo 3; Quersclinilt. (1:20(1.) 



8.") 

Das einzige, nocli erhaltene S])eichei"L*el);iii(l(.' in Alfeld Ijelindet sicli Am Markte 7, 
im Hofe des Hauses Am Markt 7. Bauausführung und Kinzelformen 'SpeicheTr 
weisen auf den Anfang des 1(). Jahrhunderts hin. Im (irundriü ist es 
14,70 m lang und 5,80 m tief. Der Aufbau schließt sich eng dem der 
Wohnhäuser an (Abb. 84). Auch hier hat das Dielengeschoß durch ein 
Senkgebälk eine Unterteilung erhalten. Pferdestall, Waschküche und einige 
Wirtschaftsräume befinden sich im Erdgeschoß. Das Zwischen- und 
Obergeschoß sowie der gesamte Boden dient als Bansenraum für Kinle- 
vorräte,. Die Vorkragung des Obergeschosses beträgt etwa 50 cm, 
ist also etwas stärker als gewöhnlich an den Wohnhäusern. h4ache 




I I I nl iii ij 1- 



-i 1- 



-A ! 



Abi). Sil. Wohnliaiiv in Allcld, ScMrniarslraßi' !!. (l:l(H).t 



12 



86 



AViiidr (i. 



W 

stral.k' 



Scmin; 
slraUe 



Prüfilieruiii^eii sind an Sclzsclnvelle nntl Ric^^el eingeschnitten (Abb. 85). 
Eine besondere Jk^tonung liat das Gebäude durch die Aufzugvorkehrung 
erlialten, die noch heute benutzt wird. Die Seih'olle der Winde ist hier 
unter der Grundschwelle eines aus der Dachfläche vorgezogenen Erkers 
befestigt. Im Giebeldreieck ist der Mittelständer auf gut ausgebildeter 
Konsole in lialber Höhe vorgesetzt. Sämtliche vorkragenden IJalken- 
kö])fe wer(kMi von KonsokMi der übliciien Ansfüluning untersliilzt. 

Die mit Lehm verputzten Gefache tragen geweilUe Kalkiiberziige. 
Ob die Luftgitter des Zwischengeschosses alt sind, konnte' iiichl ermittelt 
werden; jedenfalls waren idinliche wohl von Anlang an vorhanden. Als 
Fiillhölzer zwischen den Balkenkr)])fen dienen einfache, schräg eingesetzte 
Hohlenstiicke. Zurzeit ist das Gebäude mit roten Pfannen eingedeckt. 
Das im Anfbau dem Hause Seminarstraße 3 nnd Marktplatz 10 ;din- 
liche, seclis Achsen zeigende Haus läßt noch schwache Reste vom ehe- 
maligen flachspilzbogigen Einfahrtstor erkennen. Es entstammt wie 
die obengenannten der Zeit um 1500. 

Das Gebäude verteilt seine fünf Gefache auf 8,30 m Vorderwand- 
breite. Über dem Erd- und Zwischengeschoß befindet sich ein niedriges 
Obergeschoß. Die Gesamthöhe des mit dem Senkgebälk versehenen Erd- 
geschosses beträgt nur 4 m. Als Entstehung kommt die Zeit um 1500 in 

Frage. Ricgclprofilierungen wie an 
den Häusern SeminarstraßeSundam 
1 linterhans Am Markte 7 (Speicher). 
Die Eingangst iir war, wie die Reste 
beweisen, ehemals spitzbogig ge- 
schlossen. 

Das Gebäude wird in den ersten 
Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts 
gebaut sein. I^s zeigt im Grundriß 
nnd Aufbau die typische, jetzt aber 
durch mancherlei Umbauten vei'- 
änderte Aidage. Die Straßenwand 
wird (Uuch sieben Gefache ge- 
bildet, dessen mittleres, etwas 
brc'iteres. den llanpteingang enl- 
luUl. 'rinnnuahmnng ans dem 
Anfang des 10. Jahrhnnderls. 
hinter der iu)ch der Rest eines 
sehwachprofilierten Spitzbogens er- 
kennbar ist. 

An den Riegeln, oberhalb der 
l'",i'dgescliol.ili'nster, ein fortlantendes 

Inihaus in Alfeld, Am Miiiktc lo; i \„,^^,^^ ,„4^ er 1 1 

■i,-,.pp^.. Ornament von prohherten, nach 




87 



Holzcr.stral.5e 4. 



üben ülTenen Kreissegmen- 
ten. An der Setzschwelle 
des Übergeschosses ein 
doppeltes Bogenband. Die 
Fußstreben des Oberge- 
schosses werden nebst den 
zugehörigen Stielen von 
Halbkreisornamenten über- 
zogen, die denen an der 
Winde 17 sehr ähnlich sind. 

Das etwa 8 m breite ein- 
gebaute Wohnhaus zeigt 
typischen Grundriß mit 
ehemals breiter, jetzt aus- 
gel)auler Dielenanlage. Rest 
eines stumpfen Spitzbogens 
vom alten Einfahrtstore 
noch erkennbar. Riegel- 
profilierungen ähnlich wie 
an den Wohnhäusern Hinter 
der Schule und am Speicher 
Am Markte 7 (Hinterhaus). 
Die Fußstreben des 2. Ober- 
geschosses sind anscheinend 
erneuert. Geschoßhöhen 2,40 m (Eirdgeschoß) 2,25 und 2,20 m. 

Die Straße Hinter der Schule gehört zu den wenigen Straßen, Hinter der 
die von dem letzten großen Brande in der Mitte des 19. .lahrhunderls ^^"^^'^ ^"^• 
verschont geblieben sind. 

Eine geschlossene Grup])e der Fachwerkhäuser Xr. 2 hi.s I lial noch 
im Äußeren das alte Aussehen bewahrt. Als Erbauungszt'il kommt elwa 
die erste Hälfte des 16. .Jahrhunderts in Frage, also etwa dieselbe Zeit, 
in der das stattliche Wohnhaus Winde Xr. 17 (Bürgerschänke) eiilshiiideii 
ist. .Jedes Haus hat seinen besonderen Zugang und Kelleiranm, jedoch 
sind die Dachböden ohne Trennwände geblieben, jetzt allerdings behelfs- 
mäßig durch Schalungen voneinander geschieden. Abb. 86 zeigt Raum- 
einteilung und H()henentwickliiiig des Hauses Nr. 2, dessen Zugangstrej^pe 
einstmals außen vorgelegt war. Das Gebäude diente früher eine Zeitlang 
als Schulhaus (Klasse im iM'dgeschoß). Die X'oikiagung des ()l)ei-- 
geschosses beträgt etwa K) cm. Die wenigen Profilierniigen. naikiii- 
köpfe und Knaggen sind ivcht einfach ausgi'bildel. Das Ihius isl iiiii- 
6,25 m breit. 

Das nach der Straße ,, Hinler dei- Sciude'" mit Giebel vei'sehene lu'k- Winde Nr. 17. 
haus ist wegen seines Reichtums an Schnitzweik das bemerkenswerteste 




.\hl). S2. 



Wohnhiuis in .Mfeld, .\m Maikl. 
Waii(horlau:e im Torwcii. 



8S 



Hiiii^ciluiiis Allclds (Ahlj. (S7). (lek'ovnllich ciiiei- Iiislaiidselzuii^ im 
Jahre 1905 ist das Erdgeschoß v()lho umgestaltet, wobei die Umiassuiigs- 
maiier an den Slraüeiiseiten massiv aulgel'idiil und die Erdgeschoß- 
höhe (hii-cii Eiulieieu in den Erdboden vergr(')ßeil wurde. Das Unter- 
geschoßdient jetzt einem Gaslliausl)elrielje (lUirgerschänke), das Zwisclien- 
geschoß Wdhnzwteken, das nur zum Teil ausgebaute Obergeschoß 




Abb. S;{. Wohnhaus in Alfeld, Am Markte 10; Schrank. (l:2ii.) 

als jiodenraum (Abb. 8(S). Das Dach ist durch Kelilbalkenlagen mit Bohlen- 
belägen in drei weitere Böden unterteilt. Den Bauformeu nach zu urteilen, 
stammt das in Eichenfachwerk über einem Heehteck von etwa 10 II m 
hergestellte Gebäude aus der Mitte des ](;. .lahrhunderts (1513?). 
Zwischen- und Obergeschoß haben außen ihr altes Aussehen bewahrt. 
Kopfbäuder und Selzschwellen des Obergeschosses sind reich geschnitzt, 
rntcrhalb der Fenster sind die (iel'ache mit Ilolztaleln au.sgesetzt, die als 
Haujjtzier Kreise und Halbkreisbögen mit ansprechenden Strahlen- 
teilungen zeigen. An der Setzschwelle des Obergeschosses (Westseite) 
steht die Inschrift: „ALLEB WELT PBACHT UM) MUTH: STEIT 
XA TITLIKEM (iUTII. WEN SE DAT EBWABVEX: VALEEX SE 
NEDER i:y;\) STARVEX\ Die Lage einiger Schnurzugornamente 



so 




an den Riegeln läßt erkeiiiiei), daü die 
Fenster vom ersten Obergeschol.) in 
späterer Zeit vergrößert sind. An der 
Nordseite des Obergeschosses ein Stiel 
mit den Darstellungen von llanchverks- 
gerät für Lederarbeiter, sowie die Buch- 
staben: „H. M.". Links davon auf 
einer Gefachfüllung die Inschrift: ,,WIR 
BUWEN STEIGE UNI) VESTE / UND 
SINT DOCH FROMDE GESTE /DAR 
WI EWICH SCHOLDEN SIN / DAR 
DENCKEN WI WEINICH HIN". 
Rechts in der Füllung: „SOLI DEO 
GLORIA. GODE DEM HEREN UND 
SCHEPPERE MEIN SI LOP PRIS 

UND FRF ALLEIN ^". Der Nord- , . ^_^__ 

giebel und die gesamte Südseite ist Abb. si. speiciuMin Aiicid, Am MinkuT luii. 

,-, , . ^ , , .. . Ansicht, Schnitt- (1:2(10.) 

zurzeit mit grauem Schieier behangt. 

Das Pfannendach ist 1925 26 neu gedeckt. An der Nordseile zeigt eine 
Gefachausmauerung Ziegelmusterung, im übrigen sind Lehmsteine als 
Wandschluß verwendet (Abb. 89 u. 90). Das eiserne Aushängeschild 
wird etwa dem Anfange des 19. .lahrhunderts entstammen. Das Gebäude 
wurde als Gildehaus für Lederhaiidwerker errichtet. 192S liat es einen 
neuen Anstrich erhallen. 

Das in Fuchenfachwerk gegen Mitte des 16. .lahrhnnderts erbaute 
Reihenhaus zeigt den üblichen Grundriß. Die Reste der Zugangstore zur 
Diele, straßenseitig wie auch hofseitig, sind noch erhalten. Küche und 
Wohnzimmer, getrennt durch einen mächtigen — jetzt entfernten — Raucli- 
fang lagen linker Hand vom Eingang (Abb. 91). Das Obergeschoß (Boden- 
raum) kragt etwa 30 cm vor. Straßenseitig zeigt das etwa 10 m breite 
Haus sechs Achsen. Zwischen den Stielen des Obergeschosses sii-.d als l>rii- 
stungsfüllungen 0,55 1,2(S m große Ulmenholzplatten eiiigeselzl mit ji' zwei 
nebeneinander liegenden, etwas überhöhten Halbkreisfiillungen in Fiach- 
schnitzerei, ähnlich wie am Hause Winde 17 (Bürgerschänke). Selz- 
schwelle mit Flechtband verziert, darunter PerlschnurornanuMile. Das 
Dach ist jetzt mit roten Pfannen eingedeckt. Der Sockel massiv, die 
Küche unterkellert (Abb. 92). Auf dem Dachboden wird eine etwa um 
1600 angefertigte beschädigte Lade aufbewahrt. Dreite 1,9 1 m. Iir)he 
(S5 cm, Tiefe 73 cm. 

Das an der Ecke der Wallstraße liegende Wohngebäude hat nach der 
Straße vier breitere und ein schmales Getarh bei rund 9 m (lesaml- 
breite erhalten. Das Erdgeschoß isl duich fmhaiileii. /uK'lzl im .lahiv 
1913, stark verändert. Vorkragung in iiblichn- NW'isc im Obergeschol.i : 



Holze r- 
straüe \A. 



1 lolzcr- 
straüc 11, 



90 



Holzer- 

stniüe 11, 
Ilinlerliaus. 



Am Marklc 7. 
Vorderhaus. 



hier auch Fußslrebcu an den Stielen. In der Küche ist noch der alte 
steinerne Rauchfang vorhanden mit der Inschrift: ,,1589. TONNIES: 
SMEDT: ENGEL: HELMOLD". An den Konsolen typische Orna- 
mente der deutschen Renaissance. 

Das an der Wallstraße mit fünf Gefachbrei len errichtete Hinterhaus, 
etwas älter als das Vorderhaus, zeigt die iil)liche Aufbaukonslruktion 
mit .")() cm vorkragender Balkenlage des Obergeschosses. Hausbieite 
7,90 m, II()he des Erdgeschosses 2,05 m, des Obergeschosses 2,10 m. 

Das um 1600 erbaute Wohn- und Geschäftshaus hat durch verschiedene 
L'mbauten im Inneren wie im Äußeren sein ursprüngliches Aussehen stark 
veränderl. Auch sein ehemaliger plastischer Schmuck ist verloren- 




Abl). Sfi. SpiMoliiT in AllVld. Am Marktr 7 Ulli.; IciMiu-k, Sclinilt. (1:2(1.) 



91 



Seminar- 
straüe 1(3. 



gegangen, doch sollen noch einige Holzschnilzereien unler dem Putz 
erhalten geblieben sein. .Jetzt zeugen nur noch einige reich profilierte 
und geschnitzte Konsolen, die die Vorkragung des Obergeschosses tragen, 
von der einstigen schönen Ausbildung der Vorderwand (Abb. 93). Das 
Gebäude mißt im Grundriß 10,75 m zu 1(5 m. Die Geschoßhöhen 
betragen im Erdgeschoß 2,60 m, im Zwischen- und Obergeschoß je 
2,36 m im Lichten. 

Im Aufbau weicht das Haus von den id)rigen Wohnhausern Alfelds Holzcr- 
aus der gleichen Bauperiode insofern ab, als das Zwischengeschoß mit ^^''^'^^ ■'• 
Senkgebälk fortgefallen ist. 

Das jetzt mit Schiefer behängte dreigeschossige Gebäude, das nach 
der Straße vier Fensterachsen bei einer Gesamtbreite von etwa 6,75 m 
erhalten hat, soll unter dem Behang noch gute Schnitzwerke bewahren. 
Es ähnelt im Grundriß und Aufbau dem Hause Nr. l der Holzerstraße 
und gehört zur Gruppe der 
kleineren Wohnhäuser Alfelds. 

Das eingebaute Fachwerkhaus ist 
im Inneren durch Einbauten vielfach 
verändert. Im F2rdgeschoß bildet 
die Diele mit den beiderseits an- 
geordneten Gelassen zugleich die 
Durchfahrt von der Straße zum Hof 
und war vorn und hinten durch 
hohe, breite Einfahrtstore zugäng- 
lich, ist also ganz ähnlich dem Hause 
Holzerstraße 13 angeordnet (Abb. 95). 
Die nur 2 m i. L. hohen Zimmer des 
Zwischengeschosses liegen beiderseits 
eines nur indirekt beleuchteten Flu- 
res. Früher war das Dielengeschoß 
5,30 m hoch. Zur Linken der Diele 
sind die Balken parallel zur 
Straßenflucht verlegt, bei dem 
vorderen Zimmer sind sie außer- 
dem nach der Diele hin vorgekragt 
und von einfachen Konsolen unter- 
stützt (s. Abb. 97 a). In die Schwelle 
der oberen Riegelwand sind die 
Balken der Diele dann nachträglich 
eingezapft, während sie neben der 
Küche auf dem Rahm der offen- 
bar später eingefügten Trennwand 

fi- ^ ' ' Abi). SC). Wohiihmis in .Mlcld, Iliiitrrdci Scluilf 2; 

dUiliegen. (liundiiß vom lüdgi-schoü iiiui QiuTMlinitl. ( 1 : 2(10.) 





92 




| n ii| H ii| 1 1- 



Ahli. ST. \V..liiili;nis in .\ll<>l<l. Wiiul«. 17: WcstM-itf. (1: !<»(».) 



93 



l)ic Kik'lic isl ilurcli v\\\ 
kleines Fenster Non dem 
schmalen Einschnitt belench- 
tet, der nach dem Nachbar- 
i»run(istiick hin nnbebaut ge- 
blieben isl. Der offene Herd, 
mit dem nicächtigen Ranch- 
fang \vui(le 1910 dnrch eine 
einfache Anlage mit rnssischen 
Rohren ersetzt. Der mit 
Tonnengewölbe aus Bruch- 
stein überdeckte Kellerist uid er 
der Werkstatt angeordnet, die 
deshalb um zwei Stufen 
höher liegt als die Diele. Das 
2,50 m hohe Obergeschoß, 
ursprünglich ungeteilt, diente wie der DachbockMi als N'urratsrauni. 

Die jetzt unter einem schützenden Schieferbehang liegende Vor(k'r- 
seite war reich mit Holzschnitzereien geschmückt, die zum größten Teil 
durch Axthiebe entfernt sind. Nur zwei mit liegenden Frauengestallen 
verzierte Brüstungsfüllungen unter den Fenstern des Zwischengeschosses 




Al)b. S8. 



Wolinliaiis in Allcld, \Viii<lc 17; 
(".riindiiB. (l:2(in.) 




rr^ — ' — ' — ' — ' — t — ' — ' — ' — ' — I 

Abb. S'.) u. '.»(). Wolmluuis in Allclii. Windi' 17; (.)ner>cliniU iin.l Noidscilc. (l:2(Ml.) 



94 

sind cihaltt'ii, dcreii Ik'dciiUuii^ nicht mehr restzuslelleii isl, eine derselben 
vielleicht „Fortitudo" (Abb. 96). Die Verzierungen an den Vorkragungen 
des Dielengeschosses, jetzt mit Zinkblech bekleidet, sind so entstellt, daß 
auch hier ihre Bedeutung nicht mehr erkennbar ist. Am besser erhaltenen 
Übergeschoß hißt sich auf der Setzschwelle noch die in erhabenen goti- 
sierenden Kleinhiichstaben auf vertieften Streifen ausgesparte, stark ver- 
witterte Inschrift zum Teil eiilziffern; sie beginnt: ,,ACH GODT MI.T. .." 





• ffZ'juiv v.:rM BT/a t ay. 




Abli. Ul. WOImliaiiv in AllVld, I l(.l/,.r>ti;il.k' lii; nucrsi-hiiiU, Cniiulrissi-. O : ^""- 



95 



und schließt: „VORDORBEN MOCHTEN SE WOL VOR (SICH) UND 
YHRE KINDER SORGEN". Oberhalb der Schwelle ist ebenso wie 
unter den Fenstern ein Horizontalgesims eingeschoben gewesen, darauf 
deuten Einschnitte an den Pfosten der Briislungslidlungen hin. Diese 
sind mit geschnitzten liegenden Figuren geschmückt, mit den lomisciieii 
Gottheiten, denen die Tage der Woche geweiht waren (Abb. 97). 

Von links beginnend. 1. MARS (Dienstag) mit Brustharnisch, Schwert 
und Kriegsfackel, einen Helm mit wallenden Federn auf dem Haui)te. 
2. SATURNUS (Sonnabend) mit der Sense, ein Knäblein auf dem rechten 
Knie, das er mit der Hand ergreift. 3. VENUS (Freitag) mit Pfeil und 
Rose, vor ihr Amor, der ihr auf den Händen ein Herz entgegen trägt. 
4. SOL. (Sonntag) das Haupt von einem Strahlenkranze umgeben, in der 
Rechten eine Scheibe haltend, ein Szepter in der Linken. .'). .IfPrih.H 
(Donnerstag) mit wallendem, langem Bart, das Blitzbündei in deieihohtMUMi 
Linken. 6. MERCURIUS (Mittwoch) mit beflügeltem Reisehut und 
Schlangenstab. 7. LUNA (Montag) hält in der Linken die Mondsichel, 
mit der Rechten hebt sie den Zipfel eines Tuches empor, das um ihren 
Leib geschlungen ist. Zwischen diesen Füllungen sind die Pfosten 
mit Flachornament bedeckt; im oberen Teil zeigen sie Kandelaber- 
säulchen, ebenfalls aus dem vollen Holz herausgeschnitten. Am unteren 
Teil des Schaftes und am Kelch des Kapitals stilisiertes Blatt- 
werk. Die Hofansicht hat noch im wesentlichen das alte Gepräge 
bewahrt (Abb. 98). Die Form der 
Balkenköpfe mit stützenden Kon- 
solen ist in Abb. 97 b wiedergegeben. 
Fenster neu. Als Bauzeit ist der 
Anfang des 17. Jahrhunderts anzu- 
nehmen; die Jahreszahl 1612 soll 
früher über dem Eingang gestanden 
haben. Daß Hildesheimer Einflüsse 
bei der ornamentalen Belebung der 
Hauswand bestimmend gewesen 
sind, zeigt das im gleichen Charakter 
1608 erbaute Kniepsche Haus, 
Hildesheim, Hoher Weg 391, wo 
unter den Brüstungsfüllungen des 
Obergeschosses dieselben G()tter- 
figuren vorkommen und auch die 
Pfosten mit gleichgebildeten Kande- 
labersäulchen geschmückt sind. Ahn- 
liche Bauten in Alfeld sind das soge- 
nannte Alte Seminar (1610) und der 
Anbau des Kaiandhauses (1615). ^,,1,. 92. woIu.ikui. in aiv.m. iioi/,rstn.i.i.- 1:5. 




96 



Holzer- 
straße :]. 



Pnuli- 
slrnUe l. 



Am Ivüiis- 
herii Xr. (i. 




Ahh. 'X\ 



Woliiiluiiis in AllVId, Am AhukU 
l!:ilk(iik(>iis,,|r. 



Das Reihenhaus Ilolzerstraße 3 
ist laut Iiischriri iibei' der Hau))l- 
eiii^aii^sl iii- im .lahi'e l(i 19 eihaiit . 
l^s zeiLil iiaeii der Straße nur 
(h'ei (jel'aeiu' soii je 1,7.') ni i. I.. 
Das ()berL(eseii()ß ist etwa 20 cm 
voriJekragt. (Abi). 99). Ivs i^elnirt 
zur Gruppe schmaler H ii rijerh äuscr 
olme Dielenanlai^t'. 

Das 9,.").") m breite dreige- 
schossige Facinveri<^e])äude hat 
wie üblich Voi-|<rai^un<4en aul 
geschwungenen profilierten Kon- 
solen unter den l)all<t'id<.r)pl'en. 
(Sieben (iel'ache). 

Am Riegel id)ei' dem elie- 
maligen, nocii ei'lvenid)ai'en Kin- 
taJH-tstor steilen (Ue Worte: 

„ VXD lAIlR. AN GODES 

SEGEN IST ALLES GELEGEN. 
ADOLF SCHMIDT AXXO l().')(l 
14.JLXY: ANXA PAGELS. An 
der Setzseliwelie des zweiten Obergeschosses ist die Inschrift ein- 
geselmitten: „PSALM XXXVII. HABE LUST AN DExM HERRX, 
1)I:H wird DIR GEBEX WAS DE IX HERTZ WUNDSCHET. BE- 
EILllE DEM HERX DEIXE WEGE l^XI) HOFFE AUF IIIX ER 
WIRDS WOL MACHE. ICH DIX .lUXG GEWESE UXD ALI' WOBDE 
UXD IIAP).'" (iil)i'r und untei' dem Wort Hab. noch einige P)Uehstaben). 
Das iriduMi' Woliiüiaus einer (ieln')l'tanhige der Familie w Sleinbei'g 
ist als I 'reistelieiules Gebäude auf der Hdhe des Kliiisi)(.M'gi's nahe dem 
Siidwall in Eichenfachwei'k auf massivem Sockel errichtid (Abb. 100). 
Die obeiiialb des nördlichen b>inganges auf einer Insehi'ifltal'el xorkom- 
ineiule .Jahreszahl lb99 scheint wH'iiiger Bezug auf das Baujahr zu nidimen 
als aul' die Ausbildung der aichitt'ktonisch umiahmteii Tür, in dessen 
oberem hVIde neben dem Spruch: ..Wi'.X GOT G 1 1 5 1 • SO SCHADET • 
KEIX • Xh:il)T • WEX (iOT • XlCHl' GilH • SO HlLFl • KEIXE 
ARBEIT-, der Xame „SABINA AMALI A VON • ADELEPSEN • 
WITWh: • VOX • STT:IXP>1^RG • 1()99-- eingeschnitten ist. daneben 
links ein Schild mit dem Sleiidxxd-:, i'echts gt-spallen und zweinial geteilt mit 
\ t'iset/tcii l-"arl)cii (Abb. 101). Wenn etwa das Haus 1(»99 neu eri-ichlet 
sein sollte, so ist es imnu'iliin aus Teilen cini's idteren zusammengestdzt. 
Aul.ici- (k'r genannten 'Tili' /ci^l das IJanwt'ik kv\\\c architt'ktonis(di 
betonten (diedi'rnngeu. Die T'enslcr sind ;uis j iingerer Zeil. T'.iii lii'l'er. 



<)7 



mil Ilalhloiiiie übcrdeckler KelliT licj^l uwicv dein nr()(,{(.|i WOhnrauiu 
im Erdgeschoß. Er ist diircli eine gcwendeltc livppc iiidiMli;dl) des Auf- 
ganges zum Obergesclioß zugänglich und hatte iiühcr vielleicht einen 
zweiten Ausgang nach dei- Wallseite hin, wenn nicht auch das dort jetzt 
vorhandene Gangstiick auf eine Verbindung mit weiteien Ivelleranlagen 
anderer bei der Erbannng vielleicht noch bestehender Baulichkeiten 
hinweisen könnte. (Abb. 102). Das Haus ist über einem Hechteck von 
9x16 m in zwei Geschossen hochgefnhrt. Gefachansfiillung in Lehm. 
Die Westseite hat im Erdgeschoß eine Betonverkleidung erhalten, das 
Obergeschoß ist hier mit Pfannen behangt. (Abb. 103). 



juinaa-y^rm- 



GE3CHAFTS- 



FLUR 



Ma^Ti 




nm mm m-, 



\ wmfmy/A^ssm 



ZIMMER 



KAMMER 



f VA>^M WA'>f'y . ^ ^!^^ mt. 



f-^'-'-^^-W'^^-^— 



'-, SCHIAF2IMMER 



W^^^E^^i 



m'muim^ruTT:^ 



TLXJR 



ABSIELL- 



'^h'U/yj'Ai'/MA 



o^ 



SChtLAF^"! 



5ü-LLAP"-:rr 



•mvv^m mjf}jy,^j^. 



SCHIAFZIMMER \ 



. 1 1 ■ jB 



F4'^'^1 ■• ^ ^ ' \ ' ' ' ' ^ 

Abi). 91. W.)linhaus in Alfeld. Am Marklr 7; lud- u. ()l)iTi;csflioB^Ariin(iiiss.'. (1:200.) 



Das Eckhau.s entwickelt seine beiden hohen Geschosse auf einem 
massiven Sockel. Die ErdgeschoÜfenster sind durch aufgesetzten Blend- 
rahmen eingefaßt. Bemerkenswert ist der Tiirsturz, der in einem von Hanken- 
werk umgebenen Kranz die Inschrift: „JUSTUS PAPE, MAHGHETA 
ILSABE NIEMEN ANNO 1720'-. in Flachschnitzerei erhalten hat. 

Die Traufe des Reihenhauses Leinstraße 20 verläuft in gleicher Höhe 
mit dem Nachbarhause Nr. 21. Beide Dächer sind ohne hervortretenden 
Absatz in gleichem Neigungswinkel hergestellt. Da auch die Fenster- 
umrahmungen einander völlig gleichen, ist aiiziinehnien. daß beide 
Gebäude ziemlich gleichzeitig Anfang des LS. .lahiiiuiiderls lur- 
gestellt sind. Der Erbauer hat hier auf jegliehen plast iseheii llol/zieral 



Holzer- 
straße 33. 



Jamh- 
straße 2Ü. 



98 



Leinstraße 21. 



verzichU'L dali'ir abci' die i^aiize Kraft des Schmuckes auf die i^emiisterten 
Backsleinausniaueiuiii^eii der Gefache i^elei^t, (Hacksteiumusleruiigeu 
kommen im Kreise Alfeld mir ^vellil^ vor vi^l. Midile in Lani^eiiholzen). 
Das Erdgeschoß des dreistöckioen Hauses ist völlig umgebaut, zuletzt im 
Jahre 1906. Breite nach der Straße rund 9 m, Tiefe etwa 12,25 m, 
Geschoßhöhen 3,20 m im Erdgeschoß, je 2,80 m in den beiden oberen Ge- 
schossen (Abb. 104, rechts). 

Das etwa () m breite Reihenhaus ist wegen seiner reichen Flach- 
schnitzereien ornamentaler Art an den Fensterbrüslungen bemerkenswert, 




I m 1 1 U li I 1 1 1 1- 



Abh. ',»5. WoliiiluHis in Allcld, Sciuinarstr;tl.lc l(i; OiiciMlinit t. (l:l(ill.) 



99 



die Aiifaiio- des 1(S. Jahrluiiiderls entstaiideii sind. Vier ret>elniäßige 
Fensleraclisen, profilierte Fenster- und Briistuni^siahnien sowie krall ii^ 
profilierte Gesimse unter dem vorkragenden zweiten übergeschoü und 
der Traufe geben dem Hause eine straffe, wohl abgewogene Gliederung. 
Haustür und Schaufensteranlagen entstammen der neuesten Zeil. Das 
Dach ist mit zwei Erkeraufbauten versehen (Abb. 101). 

Das Fachwerkgebäude entstammt etwa dem Anfange des 1(S. .Jahr- 
hunderts, doch ist die Fmrahmung des Einfahrtstores aus idleivn Stücken 
zusammengesetzt. Links und rechts des Einganges auf Sockeln je eine 
gewundene Säule, darüber im Zierrahmen: Rankenornamente. Im Sturz 
-- aufgemalt: „GODE DEM HEREN UND SCHEPPERE MEIN SI 
LOB PREIS UND ERE ALLEIN". 



JA'iii- 

s traue 17. 




Obere Müh- 
U-nstraOe 1. 
(Obere War- 
nemühle.) 



Abb. !i(>. Wohnbaus in AllVld, Srniinarstraßo 16; Slraßcnansic-hl. il:l(i(l.) 

Die noch im Betriebe befindliche Wassermühle erhidl ihr Wasser 
aus dem durch die Stadt geleiteten kanalisierten Warnearm. Infolge um- 
fassender Umbauten ist das alte Gebäude völlig verändert. Erhalten ist 
noch der Sturz der Eingangstür, auf dem der Buchstabe A mit der Krone 
darüber eingeschnitten ist und die Beischrift: „ANNO MDCCLXXXIII 
G.E.HENKE.CONSULE.C.F.BERGllOl- CAMERARIO.AFniMr.IUM 



100 



HOC ICXl«: CAI^AMIIOSO DIvSTHTCI r.M DI^XOVO.../- (die letzte 

Zeile ist durch den Hleiidrahinen der jetzii^eii Tiir vei-deekt). 
Unter der Das jetzt mit Schiei'erbehang versehene Facluveikoehäude ist laut 
Kirche <». injjchrift (Schreibschrift) im Schlußstein der flachbogig überdeckten Tür: 

,,Den 15. .Junius i^oricht 1801". Es dient als Wohn- und Geschällshaus. 
Koffer. Auf dem l)a(dd)()deii wird ein Koffer vom Jahre 1(399 aufbewahrt 

(Abb. lO.')). 








1 lol7X\- 

slral.ie ül. 



H — I 1 — I 1 — \ — I ^ 1 — I— f 

ALI). '.17. Woliiilimis in .Micld, SciniiKirsIral.ic IC; •rcilstiick der StraBcn^cilc. (1::{:{' ,.) 

l)as zwei^esehossii»t', l'iJlO ni hreiit' Wohnhaus ist im l-j-dij;eselio(.i 
massiv . im Obergeschol.! in l''achwei'k mit I )aeksteinausmauerunn heri.>estellt. 
\'ier l-"enster sind beidi'i'seits (k-r l^ini^aniist ür anj^eorcbiet, (he wie diese 
mil W'eiksteinumrahmungen vei'sehen simL Sandsteinciuadei' fassen 
(he lü-keii ein. Das Obergescliofi wird sl ratU'nseitis4 (hiich sechs sciimale 



101 



und l'ünf breitere Gefache aufgeteilt. Nach dem im Türsturz hetiiullichen, 
mit Monogramm und Jahreszahl versehenen Scldußstein wurde das 
Haus im Jahre 1801 erbaut odei- umgebaut. 




l i ü i l i uM 1 \ 1 \ \ 

Abb. OS. Wohnhaus in Alffld, Si-mniarstiaße 16; Ilofansichl. (1:100.) 

Kill etwa 1,50 m breiter, 40 cm hoher Stein, vielleicht ein ehemaliger Windt.' 15. 
Türsturz, wurde in den Grundmauern des 1865 abgebrochenen Vorderhauses 
gefunden; jetzt vermauert im Hofe an der Wand des Wohnhauses. Darauf 
in Relief Hufeisen und zwei Beschlaggeräte im Schild und Inschrift: 
„JOHANN FRIEDRICH KREIKENBOHM. ILSA CATERINA 
BARTELS ANNO 1724". 

14 



102 

Hei Ausschachtiiii^saibeiteii wurden aui" dem (iruiidstiicke vier kleine 
im^lasierte Tongefäße gefunden, davon zwei mit Henkeln. Gotisch? 
(Heimatmuseum.) 
Gartentorc. \\■^^, vieUaeh in den Ortschaften des Kreises Alfeld, so finden sich auch 
innerhalb der Stadt zahlreiche Garten- und Hoftore, deren steinerne 
Pfosten meist gute Gliederungen und ansprechenden ornamentalen 
Schmuck zeigen. In der Hauptsache entstanden solche Tore, deren Türen 
gewöhnlich durch moderne ersetzt sind, in der zweiten Hälfte des 18. und 
der ersten Hälfte des 19. .Jahrhunderts. 




AI)I).'.KI. Wolmhiuis in Allcld. I Iol/( rstrnßc :?; Vorki:iiiim'^ des Ohctucschosso. 



\'()ii den vielen seien geiiannl: 

1. Winzenburger Straße 1. Hellgrauer Sandstein, Höhe rund 2,30 m, 
im Grundiiü (|ua(lralisch, 'SA cm Seile, ()i)ere Heki'önung. Kugel 27 cm 0, 
(lariinlcr v\\\ aus Plättclu'ii und Kai-nies zusammengesetztes Gesimse. 
iVls Ornament ein Mechtband in bS cm bi-eilcm l"\'lde, darid)t'r die l)Ucli- 

, , F-M • , . ,„. , ANNO 

stahen — — und am zweiten IMoslen: . 



G-B- E 



1833 



103 



p:;^ mim;;:::mmm ■■ w r 



y^vm/A'Mi>/Ami'//MM 



J 




■ tisrnm/jn-j'/M }m m'/M^ 



\w!^s!S!m:±zm 



mif'//////'r//^/ m,wmmis'Aiitiiiw 



IL I ■f v/wi'W'.'.>Zt-vu^VyBv.»7777fe 



•i^ 



ik 



v//M'/^y/m mtm mm.wM,>A 



H 1 



Abi). 1(10. Woliiiliaus in Allcld, Kliiislxin (>; 
GninclriU vom Enli^cscliol.i. (l:2(i(t.) 




Abb. 101. Wohnliaus in Alfold, Klinsbert; C; Ihuistiir. (1:2.'5.) 



104 



^/^ 




2. Auf dem Nachbargruiid- 
stück des vorstehenden eine ein- 
fachere Form. Höhe 2,33 m mit 

, 1 1 ff I • P • K • 

den Inschriiten 



ANNO 



lllUl 



S • M • S 



1774 

3. Ecke I lihk'slu'inuT SliaUe 
und Eimser Wci^. (lanz äliiiiicli 
wie (k'r vorii^e und anscheinend 
vom selben Meister mit den In- 
F • A • B 



Schriften 



und 1772. 



AI)!). 102. Wohnliaus in Alfeld. Klinshorg 0; 
gticrschnitt. (1:2()().) 



C • E 



A-E- K 

k Ecke Schilk'i'slraüe und 
Eimser Wei>, neben dem 
alten Friedhof. Hoter Saiuk 
stein, Mühe 2,30 m, mit den 



Inschriflen ^^ und (k'r .Jahreszahl 1<S15. 

D-K • 

5. Hildesheimer Straße 32. Roter Sandstein. Inschrift : ,,1 • W • P'- l.Sl V\ 

B. Tor zum allen Friedhof (Hildesheimer Straße). Hoter Saiuk 

stein, Hekninniif^: Ein auf die Ecke gestellter Würfel. Inschrift: 

„MAG ISTHAT i(S26". 




Abi). 10.3. Wohnhaus in Allcld, Klinsberg 6; Straßenseite. (1:2(MI.) 

Alter Fricdliof H^'r :dle Friedhof, auf dem noch einige sehr alte Eindenbäume stehen, 
(Hildc'slu'inu'r j^j^t keine Grabmale aus älterer Zeit aufzuweisen. Erst aus dem Anfange 
des 19. Jahrhunderts sind einige noch in gutem Zustande befindliche 
erhalten. Die bemerkenswertesten von diesen sind: 

1. Grabstein der Dorothea Philii)i)iiic v. ()l)erg aus dem .lahie hSOl, 
2,50 m hohe Huiidsäule mit Kugel als Hekröiiung aus rotem Sandstein. 



105 



2. (irabinal des .loh. (Ihrislian Miiiul venu .laliir ISOC). Holei" Sand- 
stein. Urne auf Sockel von quadratischem GrundriU, 2,15 ni lioch. 

3. Grabmal des Fr. Wilh. Witte vom Jahre I.SO?. Hoter Sandsltiii. 
Pyramidenstumpf auf Sockel, Tme als Bckröiumi^, reiche Oiiiaineii- 
lieruiii^. 

1. Grabmal der Pastorenwitwe Müller, oeb. Ewii^, vom .lahre 1X37. 
aus weißem Sandstein, als i^otische Fiale ausgebildet, auf Sockel mit 
Pfeilervorlagen an den Kanten. 



Die M ii h le ugra l)e n brücke. 

Bis vor etwa 30 .lahren fidirte ül)er die Leine eine 17()U ei-neue 
Holzbrücke, und zwar an der Stelle, wo sich das Wehr befinc 
1887 ist sie durch die jetzige eiserne ersetzt. \)c\- umuittelbar ol)erh 
des Wehres sich abzweigende sogenannte Mühleuarm, ein alter, zur Sic 
rung der Stadt und zum Treiben einer Mühle benutzter Leiuearm 
von der noch vorhandenen steinernen Brücke überspannt, die laut 
Schrift an den östlichen Wangeuabschlüssen im .lahre 1771 eri)aut 
(Abb. 106). Das Gewölbe ist als flachbogige Tonne ausgefidirt. 
Brücke ist etwa 6,50 m breit und rund 18 m lang. 

Eine dritte Brücke (Flutbrücke) führte schon im 16. .lahihund 
über den ,,Kolk", sie wurde 
später erneuert. 

Die Befestigungen. 

Bestimmend für die Anlage 
der Stadt Alfeld w^ar die günstige 
Lage am rechten LTer der Leine 
am Fuße des südlichsten der 
Sieben Berge, wo eine Anhöhe, 
der Klinsberg, eine gute t'ber- 
sicht über das südlich der Stadt 
sich verbreiternde Leinetal ge- 
stattet. Von Osten her mündete 
die dem Laufe des Warnebaches 
folgende alte Straße, von Süd- 
osten die im Tale liegende Straße 
von Winzenburg. Auf dem linken, 
westlichen Ufer der Leine lag 
gleichfalls eine Senke, durch die 
eine Straße führte. Für die Vertei- 
digung war also die Lage der Sied- 
lung sehr günstig. Außerhalb dei- 
anfruiglich kleinen Siedlung, dem ^i,,, ,,,, \vnhnh:uis(T in .\\uu\. i.cin-tini.ic 2<i 

1.3 



rte 
let. 
alb 
he- 
ist 
Iii- 
ist 
Die 

lerL 




lOß 



Alten Uürl, war das Schloß des 
Bischofs an der Leine erbaut, 
das bereits 1358 erwähnt wird. 
Die Laqe dieses festen Schlosses 
(Hur<4) ist ziemlich genau nach- 
zuweisen. Es stand dort etwa, 
wo sich jetzt das Geschäftsge- 
biiude der Reichsbank befindet. 
Im 15. .Jahrhundert hatte 
sich das Gemeinwesen derartig 
vergrößert, daß eine Um- 
gürtung mit Ringmauer, Wall 
Graben erforderlich wurde. Nachdem die Befestigung der mm- 

rigen Stadt bewirkt war, verlor die Burg ihre Bedeutung und verfiel. 

Hauj)lsicherung der befestigten Stadt bildete die fast 10 m hohe, über 




\V(ilinli;ius in Allcld. 



und 
meh 
Die 



Abb. 105. 
l'iitcr der Kirche 



9; Kofrcf. (1:2.-).) 




.\bb. 106. -Mühlengrabcnbriickc in Alfeld; .\nsicbt. Oiicischnitt. (liiiiidriU. (1:200.) 



107 



1 m dicke, mit Toren und Türmen 
versehene Ringmauer, vor der sich 
die innere Grabenanlage, von der 
äußeren durch einen Wall mit 
etwa 3 m Kronenbreite getrennt, 
befand. Die Lage der Mauer ist 
noch heute mit ziemlicher, die 
der Wälle mit großer Genauigkeit 
festzustellen (s. Stadtplan, Abb. 7). 

Vier Stadttore, das Leintor, das 
Hörsumer Tor, das Holzer- und 
das Perktor bildeten die Zugänge 
zur Stadt. Lein- und Perktor 
einerseits, Hörsumer und Holzer- 
tor anderseits sind fast geradlinig 
durch Straßenzüge miteinander 
verbunden. 

Einige Querstraßen mit teil- 
weise starkem Gefälle nach der 
Leineseite, ermöglichten einen 
gesicherten und schnellen Verkehr 
innerhalb der Mauern. Überaus 
geschickt ist die Umwallung dem 
Gelände angepaßt. 

Südlich fällt der Klinsberg 
(Klint = Abhang) ziemlich steil 





Al)l). 1(17. Wehrtunu in Allcld; (.l-illerlurm). 





A])l). lOS. Woliilniin in AllfUi: C.nindrisso. n:2.")0.')-i 



108 



ab; iinWesliMi siclicrtc die Leine, im Norden das verhältiiismäOi«* tiefeWarne- 
tal, so daß nui- an der Ostseile größere Erdbewegungen erforderlich wurden. 
Die (iräl)en konnten leiciil durch das Wasser der von Osten kom- 
menden Warne geriillt werden, (he außerdem noch mit einem Arme durcli 
die SLadl geleitel wurde und zwei Mühlen Helriel)swasser zuiührte. 
Hoogeweg schieihl, daß sich unter den Hegesten im Weißen i^uch die 
Augal)e belinde: .,Anno Christi 1317 haben die von All'eldt die Werna 
in ihi-e Stadt gebracht". II. hall diese Nachricht für historisch. Die 
Mauer ist im l<S. .lahrhundi'rt abgetragen und die (ii-;d)en sind zum 
gr()ßten 'Teil \-ei'schiit tet odei" in Anlagen umgewandelt. Vau kuizt'r 
Maueri-esl an dei- Ostseile und einige 

si)äiiiche Trümmer an der Nordseite d/^ 

sind ietzt noch xorhanden. Der c-^^-'^ji'Qz^'^ 

Wall ist als Promenade hei-gei-ichtet. 




Ahh. lini. Wcliiliimi in Allcld; Oiicisihiiit I . i 

( 1 ;■-!:>( 1.1 ' ;><f,-j 

Die letzten lori' \ crscinvanden \i\- (ß^: 
lang (li-s 1',). .lahrJHUKk'iis. Die - ^ 
Heste xom Leinlor sollen i'rsl 



- Nw^ 185g 



Wehrtunn. 1 XS(i ent lernt sein. Der einzige, von ''''' ''''ziMamrvcMn''Whr'Vs£''''''"''^^^ 



109 

der Befestigung noch verblicbeiu" Wchrlurni, dci- sogi'iuiiiiilc l'"ilK'rliinii, ist 
in die Baugruppe des Ende des 19. Jahrhunderts eiiichtclrii Kreisslände- 
hauses einbezogen (Abb. 107). Er ist et^vn um die Mille des 1."). .Jaiuiuiii- 
derts über einem Quadrat von elw:i 7.10 ni Seitenlange mil nach Norden 
abgeschrägten Ecken erbaut iiiid hat eine 1 b'Wie xoii 20. 7() ni bis 
zur Oberkaute des gut erhaltenen Zinnenkranzes (Abb. 10<S u. 109). 
Baumaterial: weißgrauer und roter Bruclisteiii. Zinnenkianz an den 
Ecken im Grundriß rundbogig. durch N'orkragung des Mauerwerks 
bewirkt. BrUstungsmauer au den lu-ken erlnWit. Au der Innenkante 
der Zinnen eine Entwässerungsrinne, Ol cm l)reit, b cm Met. an ihren 
Außenseiten ein gotisches Abschlußi)rofil (1 lohikelde). locken mit 
einfachen Wasserspeiern. Das Innere des Turmes, dreigeschossig, ist 
mit rundbogigen Tonnen in den Obergeschossen mit spilzbogiger J'onne 
im Untergeschoß überdeckt, dieses jetzt Kellerraum mil .'},'20 m Scheitel- 
höhe. Das erste Obergeschoß hat in neuerer Zeil (hirch zwei Beton- 
decken Unterteilungen erhalten. Im 7,()0 m hohen zweiten Obergesciioß 
ehemals eine Balkendecke, 2,07 m über dem Fußboden, erkennbar an 
dem Konsolenkranz. Von dort war auch der auf zwei Konsolsteinen 
ruhende massive Abort an der nord()stlichen Ecke zugänglich. Wölbstärke 
der obersten Tonne 1,31 m einschließlich des Erdauftrages (Abb. 110). 



Almstedt. 

Kirche, ev.-luth. 



Literatur: H. Wittig. Die (iruiulherrschafl in NDrchvcsIdeulsclihiiid. S. 'lö'.i. — 
H. A. Lüntzel, Gescliichte der Diözese und Stadt Mildesheini II. S. 17.'), ()08. — 
Derselbe, Die l)äuerlielien Lasten im Fürstentum Hildeslieim. S. 1(S.'^ ff. — 
K. Doebner. Studien zur Hildesheimer Geschichte, S. 178. — Derselbi'. l'rkunden- 
))uch der Stadt tiildesheim IL Xr. 5.3. --- H. Hoogeweg, Inventar der niclitslaal- 
liehen Arctiive des Kreises Alfeld, unter: Almstedt. - - Dersellji'. t rkuiulenlmcli 
des Hochstifts Hildesheim, 1111437.2.").'). ^■I.")t(). — Hitdeslieimei- J.aiidcsordmmgen. 
2. Ausg. 1822, II, Anh. XL -- J. Trieselmann. Beschreibung der W asscrtlul li 1783. 
auch nüt anderen Beriehten veröffentlicht in ..Bote aus der Börde". li)23, S. 32 ff . — 
Iv. Kayser, Die reformatorischen Kirchenvisitalionen. S. UHl. — P. Graft, Geschichte 
des Kreises Alfeld, S. .511 ff. 

Quellen: Staatsarchiv HaniU)ver: Cal. Br. des. 10^". 21 C I 27. ebend.: des. 
83, III 11. — Archiv des Alfelder Landratsamtes: älteres Reiiertoriuin L S. 17 1. — 
Ferner: Akte C. A. III 7: XI, 3, Xr. I: Iv E IX 3 und l: H B TIl 18. 1. Winzen- 
burger Erbregister von 1578. -• Almstedter Pfarrarchiv: PalrimonialgericJitsbuch. 
Kirchenrechnung, 1654. — Schulchronik von Almstedt. — Alfelder Eplioralarchiv : 
Almstedter Schulakten. — Schlol.^arclüv Wrisljcrgliolzcn : IUtjcIiI i'ilici- die Wasser- 
flut; ebend.: IV, II o 1747. 



110 

Geschichte. L/er Name Almstedl bcdeulet: Aiisiedluiii> an der Alme (Ulmenbach). 
Das Moritzstift in Hildesheim hatte hier schon 1151 eine VilHkation. 
Daher ist die Kirche auch dem St. Moritz geweiht, auch liatte das Stift 
zeitweise das Patronat, das jetzt das aus der Vilhkation hervorgegangene 
(iut l)esitzt. Dieses Gut hallen l)is 1570 die Herren v. Sleinl)erg. Durcli 
die Verheiratung der letzlen Erbin, der Anna v. Sleinberg, mit Aschwiii 
V. Asseburg, fiel es an diese und ebenso durch Verheiratung einer v. Asse- 
burg 1610 an den Herrn v. Lützow und abermals durcli Verheiratung 
seiner Tochter an die v. Rheden (Rhoeden), von denen es der Schatzrat 
V. Kurtzrock (Kurzrock) in Hildesheim kaufte (f 1777). Danach gehörte 
es den Familien Ernst und Lüntzel, von denen es 1<S37 die Familie v. Slein- 
berg wieder erwarb. 

Andere Grundherren waren nach dem h^rbregisler 157<S die v. P)()il- 
feld. Die Dompr()i)slei in llildesheim halle hier seit 1277 Hesilzungen, 
das Kloster Lamspringe 1620. Es gab auch eine seit 1307 (Hoogeweg, III 
1592) erwähnte Familie v. Almstedt. 
Beschrcihuna. Die Kirche ist über rechteckigem Grundriß von 10,25X20 m in rotem 
Bruchstein erbaut; Wände verputzt, Tür- und Fenstergewände aus 
Werkstein. Turm im Osten frühgotisch, im Erdgeschoß die Sakristei 
enthaltend, mil rippenlosen Kreuzgewölben id^erdeckt. Hölzerne Turm- 
pyramide, achlseitig, tlberleitung vom Viereck durch Schrägfläciien. 
Schallnken an vier Seiten des Helmes. Turmdeekung: Schiefer kleinen 
Formates, nach deutscher Art in Lehm auf Lallung (Abb. 111). 

Das angeblich KiLS errichtete, 1721 aber völlig umgebaute und 1(S19 
nach Westen erweiterte Schiff ist mit dem Turm durch eine spitzbogige 
Öffnung verbunden, die aber durch die Altarrückwand verdeckt wird. 
Tür- und Fensteröffnungen mit geradem Slurz. (Drei Rundfenster.) 
Mansarddach jünger, mit roten Pfannen, Firste niid Grale mit Schiefer- 
einfassnngen. Abschlußbrett der Mansarde profilieil, Traufgesimse aus 
Holz. Uberdeekung des Schiffes in 7,50 m HcWie mil gepnlzter flnch- 
elliptischer Holztonne; Bemalung neu (Abb. 112). 




1 



1 


--- 


1 


■ 


- 


- 


- 


!- 






1/ 











Al)l>. 111. Kinlif in AlnisUdl ; C.iimdril.l. (I:2.')<). 



111 



l-jiiixirc. 



Der hölzerne Altar ist stralT ge- f Altar, 

gliedert. Tisch schlicht, Rückwand 
mit Aufbau reich ornamentiert. Kan- 
zel über dem Altartisch vorgeklagt ; 
rechts und links derselben gewundene 
Säulen mit Blumen, seitlich davon 
Schnörkelwerk mit Engeln. Beiderseits 
des Altars Durchgangstüren. Horizon- 
tales Abschlußgesims verkröpft, mit 
Verdachungsansätzen und Engeln. 
Schalldeckel mit Baldachin. Oberteil 
nur in mittleren Drittel hochgeführt. 
Abschluß: Christusfigur mit Siegesfahne 
auf goldener Kugel. Bemalung graugelb, 
mit Gold abgesetzt. 

Am Altartuch (roter Samt) einge- 
stickt: A • M • B • 1760, am Kanzel- 
behang: 1784. 

Eine Emporenanlage befindet sich 
im Westteil, zweigeschossig, getragen 
von zwei gewundenen Säulen. Im 
ersten Geschoß Priechen mit vier fenster- 
artigen Öffnungen nach dem Schiff. 

Im zweiten Geschoß die Orgel aus der ^ "^ Orgel. 

Mitte des 18. .Jahrhunderts, schlicht und 
klar im Aufbau, mittleres Pfeifenwerk 
aus der Fläche vortretend und von 

Konsolen getragen. An der Mittelkonsole: Wappen (v. Hhoeden): an 
der Brüstung der unteren Empore vier weitere Wapj)eii in (iold und 
Rot auf dunkelblauem Grund im Oval: 

1. ADAM ERNST FRIDER VON RHCEDEN. 

2. AUGUST FRIDERICH VON RHCEDEN. 

3. ELEONORA SOPHIA V. RHGEDEN geb. V. Mh:i)lXG. 

4. SOPHIA MARG. FELICITAS V. RH(E1) geb. V. Ai;n:\. 

Die Brüstungen der seitlichen Emporen zeigen b'iilluiigi'n inil Bietler- 
docken (Abb. 113). 

Ein Taufengel von guter AusfiUirung befindet sicii in dei" Sakristei. Taufi-njid. 

Auf dem- Altartisch stehen vier Bronzeleuchler. Zwei davon 29,5 cm Altarlcuchler. 
hoch, oberer Teller 13,2 cm, Fuß 15,4 cm; darauf au heidrii 
Leuchtern gleichlautend: „C • T ■ M ■ ff • M ■ \fORfTZ: MOI.LER ,, 
ANNO 1656". Die beiden audei'eu lA'uchtei", filiulich (leneii iu Evensen, 
etwas jünger als die vorigen, 2() cm hoch, oben 11,5, nulen n 13,5 cm, 




Abi). 112. Kirche in Alinstedt ; Oiiorsehnitt. 
(1:230.) 



112 



Kron- 
k'uchler. 



Glocken. 



tragen am Fuße die luschiiri : 
„HANS ' OPPERMAN // BART 
HOLT • IIANEN'-. 

l^ionzekrouleiiclilei'. äliiilich 
(Iciieii in Adeiistedl, LSarniig, je 
neun Arnu", in zwei Reihen. Doppel- 
adler [)lasliseh gearbeitet, statt der 
Kugel binif()rniiger Körper mit 
Inselirilt: ,,1)()NAVIT • A • E • 
1< • V • HHÖEDEN 1742". 

1. Große Läuteglocke von 
Hannen Koster, ganz ähnlich der 
in Wollershausen, 1,02 m. 

rnterhalh dei" Haube zwischen 
Ziergliedern in gotischen Klein- 
buchstaben: ,.sum dulcisona l'leo 
mortua pello nociua frango 
touitrua Ingo demonia vocor maria 
haiinen koster me l'ecit anno dni 
in. d. \ii" (Abb. 1 1 l). Am langen 
b\'l(l: Maria mit dem Kind auf 
der Moudessichel im Strahlenkranz 
mit dem Monogramm Härmen Klosters (Abb. 115); auf der gegenüber- 
liegenden Seile Figur mit Schild l;i cm hoch (St. Moi'itz). (Abb. 116.) 




1 



.\i)i). 1 i;i. 



-- — 








^^ 


^ 




Kirche in- Almsted t 
Orsel. 


Westen 


P 


ore niil 




^ll!i!W^lll! 




Alil). 111. Kirehc in Alinsicdt ; TeilstruU der ( ildekeninselnill . 



Abeiid- 

niahlsgeräli' 

Kelcli. 



2. riirschlagglocke (schlecht zugänglich), .j etwa 0,10 m. Inschrift, 

soweit zu ermitteln: „M • EHXST FHIDEHICH VON H FATHOX 

HAT MICH (iIESSEN LASSEN • ME FECIT C- A • P>ECKEH HIL- 
HESHEIM". Von C. A. Becker (Vater) sind (docken von 1711 bis 
1777 erhalten. 

\)\v .\bi'iidm;ililsg(,'räte werden im IM'airhausi' iiufbewnlirt. Kt'lch. 
silbervergoldel, 20,() cm hoch, Kuppa 11,2 cm, Sechsj)aßfuß 13,3 cm. 
.\\\ den Za])fen des Knaufes in l'bt>reck stehenden Quadraten von 
1,') mm Seitenlänge in gotischen Kk'inbuchstaben auf blauem F.maillegrund 
((irubenschmelz) : ,,miur?". Auf dem Knauf fliischen gotisierende Maß- 
werkmolive. Lm-schrifl am iMißrande: „.lOANS 1. DAS BLUT .IHESl' 
(TlBlSri COTTES SONS MACHET UNS HEIN VON ALLER SUNDE. 



113 




Abb. 115. 

Kirche in Almsti'dt; 

Maiieiil)ild und 

(iießerzeiclien 

an der Glocke. 



1650". Zwei aufgenietete W'iippcii 
mit den Buchstaben H • V • L • ( ) • I , 
und C-M-V-D-A-B. Vennullich 
ist der Kelch 1650 unter Benutzung 
eines alteren gotischen hergeslelll, 
von dem auch die Buchstaben am 
Knauf stammen, die wohl Beste 
aus den Namen „Jhesus" und 
„Maria" sind. 

Eine Patene, c 15,5 cm, silber- 
vergoldet, trägt unterseits im Kreise 
in lateinischer Schreibschril'l (he 
Namen: ,, .Johanne Marie Christine 
Almstädt 1851. .Johann, Heinrich 
Wunuenberg". 

Oblatendose aus Zinn, 4,5 cm 
hoch, 1 1 cm lang, 8,5 cm breit, mit 
der Inschrift : „T • E • A • Anno 1745". 




I>;i(c'i)c 



()l)Iatcn- 
(iosi'. 



Aiii). nc. 

l\irclie in .Mmsledl. 
Fisiur ;in der (1 locke. 



Ammenhausen. 



Literatur: F. Günther, Der Amjjergau, S. 430. — J. Clir. Harenbero. Hisloria 
eccl. Gandersliemensis, S. 1584. — H. Hoogeweg, Urlvundcnliudi des Iluclistills 
Hildeslieim, II 398 ff., .550, (331. III 548. IV 787. 834, 858, 85i>. ~ Zweiler Jahres- 
Ijericht für Kunst und Natur. Hildesheini 1846. — • K. Janickc, Urlvundenlnu-h des 
Hochslifls Hildeslieim, I 421. — K. L. Kolven, DieAVinzenbiirg, S. 132.— A.H.Lüntzel, 
Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim. II 177. — H. Sudendorf. Urlxunden- 
buch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und Lünel)urg, IX 48, I 265. — 
P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 564. 



L)ie erste Siedlung Ammenhausen scheint unterhalb des jetzt vor- 
handenen Dorfes gelegen zu haben, denn M\[[c des 19. .lahiiniiiderts 
sind in den Wiesen Grundmauern gefunden. 

Als älteste Grundherren werden die v. Escherde, \. Bovenden. v. 
Wohlenhausen und v. Wallmoden genannl. 

Das Dorf wird 118H erstmalig eiwidmt, als Lip])old v. Eschede eine 
Hufe Land dem Kloster Lamspringe übertrug. 1281 war das Dorf als 
solches verschwunden, dagegen ein KlostiMiiof vorhanden. i;V24;25 er- 
klärten die Einwohner aus Dahlum, das Kloster halle Ländereien von 
Ammenhausen bis zum Wege nach Dahlum mit den früher dort belegenen 
Dörfern gekauft; denn die h'urehen zeigten, i\ul\ die Gegend ehi'inals 
bewohnt gewesen sei. Der ..Aushof (Vorwerk ../.ui' \'ifh/.iiehl ") besland 



Gesell i eilte. 



114 

mehrere hundeiL Jahre. 1092 war er schon seit „längerer Zeit" auf- 
gegeben. 

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden drei Höfe in Ammen- 
hausen neu gebaut, jedoch an einer oberhalb der ersten Siedlung gelegenen 
Stelle, Zurzeit gibt es dort 6 Hofstellen. 



Breinum. 

Kirche, ev.-luth. 

Literatur: J.Crusius in ..Bote aus dir Horde", liri.'), S. 2 und löff. — R. Doelt- 
ner, Urlvuiideiihucli der Stadt Hildesheiiii, I 90. — H. Hoogeweg, IJrkundeiihueli 
des Hochstifts Hildesheim, II 111. 510, IV 1340, III 1243, Y 17."), IV 13<S4. VI lOlC. 
— Derselbe, Inventar der nichlstaatlichen Archive im Kreise Alfeld, unter: Breinum. 
— K. Janicke, Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim, I 253, 320, 387, 619. — 
K. Kayser, Die reformator. Kirchenvisitationen, S. 223. - — I. L. Lauenstein, Historia 
Diplom. Hildesiensis IL S. 270. — A. H. Lüntzel, Die bäuerlichen Lasten im 
Fürstentum Hildesheim, S. 1<S0. ^ W. ]\lithoff, Kunstdenkmäler III. -- H. Suden- 
dorf, Urkundenbuch zur Geschichte der Herzüge von Braunschweig und Lüneburg. 
I 10, 303, 79, II 49. — J. Trieselmann, siehe unter Ahnst edt. — P. (".raff, Oesdiichte 
des Kreises Alfeld, 516 ff. 

Quellen: Alfelder Landratsarchiv: H. B. 111 l'J, Nr. 22; ebend.: E. (i IV 7, 
J. B. I 5; älteres Rej). I, S. 915: ebend.: Winzenburger Erbregister von 1578. — 
Schloßarchiv Wrisbergholzen IV II E. — Staatsarchiv Hannover: Hild. des. 76. 1. — 
Schulchronik Breinum. 



Cicschichte. Joreinum = Haus des Brand, wird 1119 zum erstenmal genannt, 
nändich im Schutzbrief des l^ischofs Bernhard von Ilildesheim zugunsten 
des Klosters Lamspringe, dessen Güter in Biviiiiun vorlu'r Kkbert v. l.i- 
ulekesheim (Lüttingessem, wüst bei Hildesheim) halte. Im 1,'5. Jahi- 
hundert werden erwähnt: Alexander de breinem sacerdos (1207) und 
Hermannus de breynem sacerdos (1257). Doch darf man nicht ohne 
weiteres daraus schließen, daß die sehr alte Kirclu- damals schon 
vorhanden gewesen sei, denn diese beiden hallen vielieielil nur den \amen 
V. Breinum, waren aber anderwärts Priester. Der romanisciie Turin weist 
allerdings auf frühes lU'slelu'u des (ioltesiiauses liin. l'".iue Familie v. 
Breinum befindet sich in den Lrkunden seit 1201 (l)oebner 1 .')2). Den 
Zehiden von Breinum, der bis dahin den v. Oberg, deren Lehusiu'ii' die 
Grafc'U V. Schaumburg, und wahi'seheiuiieh auch den v. lieiuihurg. deix'ii 
Lehnsherren die Kdleu v. Meinersen waren, gehörte, erwarb 1224 das 
Kloster Derenburg bei 1 laii)i'rsta(lt. Als drittes Kloster hat das Hildes- 
heimer Godehardistifl hier seil 1300 Grundbesitz. Andere (irundherren 



115 

waren die v. Dötzen und v. Horlteld (lür beide sielu- das iMbregisler 157.S), 
die V. Steinberg 1335 ff., und die v. Freden (bis 1311). 

An den aus romanischer Zeit stammenden Turm wurde im späten Roschreihunj 
Mittelalter das Schiff angebaut, docli hat dies bei der Instandset/Aing im 
.Jahre 1794 bis auf wenige Reste seinen gotischen Charakter verloren. 
Grundriß rechteckig (17 ■ 7,10 m), Turm rechteckig (7x5 m), ganze 
Lange außen 22 m (Abb. 117). Wände Bruchstein, verputzt. Tür- und 




Abb. 117. Kirche in Breinum; Grundriß. (1:250.) 



Fenstergewände Werkstein. Am Ostgiebel schmales Spitzbogenfenster, als 
freie Giebelendigung ein spätgotisches Steinkreuz. Fenster und die Tür 
mit geradem Sturz. Am Türsturz: ,,AXXO 1794". Dachdeckung: rote 
Pfannen; First mit grauem Schiefer eingefaßt. Dachreiter mit geschweifter 
Haube auf dem Walmdach des Turmes, sechsseitig, beschiefert. Das 
Innere, mit flachbogiger Holztonne übedeckt, ist 1907 umfassend instand- 
gesetzt (Abb. 118). Schallluken des Turmes 
rundbogig mit romanischer Mittelsäule. 

Der mit der Kanzel verbundene Altar 
wurde zwischen 1722 und 1728 vom Bild- 
hauer Fahrenholz aus Bockenem ausgeführt. 
Kanzelbrüstung durch gewundene Säulchen 
gegliedert. Beiderseits der Kanzel Pfeiler- 
vorlagen mit reich ornamentierten Schäften. 
Gebälk zierlich profiliert, um den Schalldeckel 
herumgeführt. Links Johannes mit der Bibel, 
rechts Moses mit den Gesetzestafeln in Voll- 
figuren. Seitenteile der Rückwand als reiches 
Schnörkelwerk ausgebildet mit ovalen Feldern, 

die Bibelsprüche enthalten. lauter dem Schalldeckel eine schwebende 
Taube, auf demselben Maria mit dem Kinde. 

Auf der Verdachung symbolische Figuren, links Glaube, rechts Hoff- 
nung, in der Mitte Christus mit der Fahne. Altardecke, roter Samt, von 
1854, darunter dunkelblaue Samtdecke von 1719 (Abb. 119). Der Altar 
ist 1747 48 durch Kunstmaler Schulze aus I lihK'sheiin ..ilhiminierl'-. 




Abb. 118. Kirclu- in Hrcinuni; 
Qm-rschnitt. (l:2.")(l.) 



Altar mit 
Kanzel. 



116 

Auf dem Allartisch ein 83 cm hohes Kruzifix (Korpus 22 cm), mit 
reich geghedertem und verziertem Untersatz, anscheinend gleichfalls vom 
Bildhauer Fahrenholz. Inschrift: „ANNO 1728 SOPHIA MAGDALENA 
NIEDER STADT". 
AUarleuchU'r. Zum Altare gehören zwei Holzleuchler, (VUi cm iu)cli, mit 9 cm langem 
Lesepult. ^.is^3j.,^^.,i y^ji-,!^ aiif drei Füf3en ruhend. Inschrift: a) ,, CHRISTIAN 
NOLTEN", b) ANNA MARGRETA KUN". Fuß und Milldleil reich 
mit Akanthusranken im Charakter der Altarschnitzeiei geschmückt. 
Lesepult, ähnlich geschnitzt, mit Kartusche, von iMigeln gehalten. In- 
schrift: „A-M-C-N-1721 • D-IO-MAR". Zwei weitere Hronzeleuchler, 
Höhe 28 cm, Fuß 14,5 cm, gehören der Form nach der ersten Hälfte 
des Iß. .Jahrhunderts an. 
Oi)fcrsto(k. Ein 7('» cm hohes Holztischchen (als Opferslock). tiitgl am Tisch- 
plättchen die Schriftzeichen: ,,C-T-1672". 
Ori^c'l. Die Orgel, etwas jünger als der Altar, schließt sich diesem im 
Charaktci- des Schnitzwerkes an. 
Sciir;mk. Aul' der Kanzelprieche befindet sich ein Scliraid<. etwa um 1700 ge- 

feitigt, beschädigt, mit Spuren von Bemalung (Blumen). 
Taul'ciii4t'l. Der hölzerne Taufengel, etwa 1 m groß, ist naturalistisch ht'malt; 
erste Hälfte des 18. Jahrhunderts, 
Cllorkiii. Zwei Läuteglocken hängen im Turm. 

Die erste, : 0.70 m, zeigt unter- 
halb der Haube zwischen schlicliten 
Seilzügen, in gotischen Kleinbuch- 
staben die Inschrift: ,, Maria + est -{- 
nomen + meüm + facta + anno 
+ m + cccc -i Iviii". 

Die zweite, 0,90 m, trägt am 
Kronenbügel Flechtband und Kö})fe. 
Umschrift unterhalb der Haube 
zwischen Ziergliedern: ,,HER MAT- 
THEUS WENTHEMIER PAR- 
NER THO BREINEM HINRICK 
S AUTEMANN LAMPE TILO 
GROVE SAGTE FITH". Am 
langen Felde: Christus am Kreuz, 
daneben Maria und Johannes: an 
der anderen Seite Christus in Wolken, 
(laridTer im Bogen die Umschrift: 
„VO DANXEN ER KOMEN WIRT 
ZU RICHTEN DIE LEBENDIGEN 
UX DIE TODTEX. HENNI KRUS- 
Knvh.. in ,;„.„..„„; A,,.,. SE HEFT Ml GEGOTEX 1562". 




117 

Eine dritte, 1512 von Hannen Koster gegossene Glocke wird seit 
1914 im Provinzialmnseum zu Hannover aufbewahrt. Am langen Felde 
kleines Marienbild. Inschrift in gotischen Kleinbuchstaben: „maria • 
mater • disperatorü • fuga • multitndine • demonü, salve • consolatrix • 
miseroru • suscipe • aias • eorum • härme • koster • me • fecit • ano 
dni • m • d • xii". 

Kelch, silbern, 1907 neu vergoldet, Höhe 22 cm, Kuppa .^ 11 cm. Abciul- 
Sechspaßfuß. An den sechs Zapfen des Knaufes und am Schaft ein- '»3J]|\'^ß^'i'«Le 
fache, dem gotischen Stil entlehnte Muster. An der Oberseite des Fuß- 
randes in liegenden lateinischen Großbuchstaben: ,, DIESER KELCH 
GEHÖRET NACH BREINEM UND HA T IHN DOROTEIA BRUGGE- 
MANS GANTZ VERGULDEN LASSEN. ANNO 1652'\ An der 
Unterseite des Randes: ,,35% lott". Goldschmiedezeichen: 

Die Oblatendose, 3,5 cm hoch, : 8,5 cm, kreisrund, f~i^ TävO 01)laleiidose. 
stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Auf dem Deckel: 
,,M-E*H-H', C'.J-B-'\ darunter Krone und wappen- 
artiges Doppelbild: Totenkopf und das himmlische 
Jerusalem. Goldschmiedezeichen nebenstehend: 

Kronleuchter aus Bronze, rd. 60 cm. Kugel 20,5 cm, mit Kronleuchtor. 
der Inschrift: „HINRICH HÖWEL ANNA MARGRETA EICKHOF. 
1715". Ein zweiter, zwölfarmiger Messingleuchter entstammt dem Ende 
des 19. Jahrhunderts: ein Glaskronleuchter von etw^a 1800. 

Vier Ölgemälde auf Leinwand an der Decke, in großen Feldern, ver- Deckfiibildcr. 
muthch Anfang des 18. Jahrhunderts, mit biblischen Darstellungen, 
denen die zugehörigen Bibelstellen beigefügt sind. Römer X, 17 — 18; 
Marc. XIV, 22—24; Gen. 28, V. 5; Gen. 32 V. 26. 

Zwei in Öl auf Leinwand gemalte Schrifttafeln, 0,74x1,04 m groß, ckHlenkialeln. 
sind zur Erinnerung an ein Unwetter vom 27. Mai 1738 aufgehängt. 

Verschiedene Torpfosten im Dorfe tragen Jahreszahlen aus dem Torpfosten. 
18. und 19. Jahrhundert, beim Hause Nr. 2: H. C. B. und 1769. An der 
Pfarrscheune die Inschrift: „HEINRICH LUDWIG FISCHER PASTOR 
1818". 




Brünighausen. 



Lite rat vir: H. Doebner, Urkuiulenbueh der Stadt Hildeslieiiu. \' von i:iSl IHÖ. 
— Job. Fr. Falke, Trad. Corbeiensium, S. 519. — A. H. Lüntzel, Geschichte der 
Diözese und Stadt Hildesheim I. S. 80. — G. L. Müller, Das Lebns- und Landes- 
aufgebot unter Herzog Heinrich, S. 556. — Rudorff. Das Amt Lauenstein i. Zeitschr. 
d. Hist. Vereins für Niedersachsen. 1858. S. 321. — H. Sudendorf, LTrkundenbuch 
zur Geschichte der Herzoge von IJraunschweig und Lüneburg L S. 184. --P. Graft. 
Geschichte des Kreises Alfeld. S. 2W) ff. 

10 



ll.s 

Quellen: Schloüaiclüv W risbcrghuJzeii : 1\\ XI A und \ 1 A (1; lenur cl)cn(l.: 
?,. Abt. — Staatsarchiv Hannover: Cal. Br. des. 2. Nr. 72; ebend.: des. 2 von lölil: 
ebtMul. : des. 2 Amt J.auenstein 12b und :',()b. Landratsarehiv Alfeld : A. F., Xr. 14. 
- Pfarrarehiv Jlovershausen : ..altes" KirehenlHich xon I.IN."). 



üesdiieble. Ol».' l^Hi'H 1 K'i Ten \. liiniiiLiliauseii werden 1250 — l'iö.S uikuii(Hicli 

^oiiaiint. Im iil)riij;cn sind die P>esi(zverhältiiisse sehr verwickelt. Sichei' 
i.sl nui', (\:\V> es im 17. .Inhrliiindeil den v. Slöckheini in Liniiner i^ehörle 
und nach dert'n Aussterhen an die v. Wrisber^ fiel. Seil 1(S19 i>ehörl 
CS |)()liliscli zu l.immci-. kirchlicli dagegen schon in der Helormationszeit 
zu I lovershauscn: 1X09 hat das „Landgut" 3 Feuerstellen und lö I^in- 
woliner, jetzl I 1 lausuummeiu. darunter die auch schon in liltcren .\kten 
genaunle Mühle. 

Die Norhandenen (iulshanleu sind neu bis auf das sog. .Maislall- 
aebäude, einem massi\en \\'(>huhause aus dem LS. .lahrhuuderl. 



Capellenhagen. 

Kapelle, ev.-luth., Bauernhaus. 



Lileralur: \\ . (insniann. Wald- und Siedlunt^sfläciie Suilhaunovers, S. ;>G. 
J. Chr. Ilarenberg, Ilist. eecl. Gandersheinensis S. 95.'). — (,. L. Müller, Das I.ehns- 
uud Landesaul'gebot unter Herzog Heinrieh, S. ')'y2. \\. Peßler, Das altsäehsisehe 
Üauenduuis, S. INi;. \V. Milhotr, Kunsldenkniäler I. — R. Rustenbach, Der Gau 
AMkanavelde i. /Ischr. des Histor. ^'ereins für Xiedersaehsen, 1!)00, S. 213. — 
Rudorff, Das Amt Lauenslciu i. /eilschr. des Histor. N'ereins für Xiedersaehsen, l<sr)8. 
S. :5.S4. 2t!. ^ V. Graft. Geschichte des Kreises Alfeld. S. 2:)2 ff. 

Quellen: Slaalsaicliiv I laniioxcr : C.ai. I'.r. des. 22 \ 19: ebend.: des. 17 l\ 
1, II. Alfelder l.an(iratsarcli!\: 11. R. 31,Xr. 1. Scliulchronik C.apelh'iduigen. 



Gesehiehle. Das Dorf (lapcilcnhagtMi ucbsl dem KiOl geuaiinlcn, dann wiist ge- 

wordeneu N'orenhagen, gehörte i'hedi'ui zu den lU'silzungen der lullen 
Herren w Homburg und wird auch in einer 1 l()ud)urger Tikunde l/JOl 
zuerst erwähiü. Sein Xame zeigt nicht nur an, dat.! es ein 1 lägerdorl 
ist, sondern, daß i's damals schon eine l\a|iclle hatte. LangjiihrimM" (irund- 
herr war als I^rbe der Ilomburger der Landesherr, also das .\mt Lauen- 
sleiii bzw. die Domäne b'.ggerseu als sj)älerer .\nilssitz. Lm 1500 war aber 
auch das Kloster (iandersheim hier bi-giitert. 

Das Dorf halle LS09: 305 Kinwohuer, 1925: 230. 
Resehrejbuiig. Die Kapelle, 9,25 (),50niim (iruiidiiü groß, isl in Lichenfachwerk 1709 
Kapelle, ^.j.j^.^^^ (a^Ijjj j'jO). (iefachc mit Lehm verputzt, weiß gekalkt. Sockel ;ius 



119 

bearbeiteten Bruchsteinen, darunter zwei Werkskiiic niil dci- In.sehiill : 
„C. S. T. 18()1'' und„C. S. T. FICKH". Dacli nacli Westen al)<'e\vahntMnit 















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.Vbl). 120. T\aiK'llc in (!apellenhaf(eii. 

Sollingplatten gedeckt. Am Ostgiebel ein Dachreiter übe 
stumpfem, achtseitigem, fast kegelförmigem Zeltdach, r 
Inneres schmucklos, Holzwerk der 
Emj)ore — an der West- und 
Nordwand — ohne Anstrich. Unter- 
kante der Emporenbriistung mit 
ausgeschnittenem Saumbrett. Auf 
dem oberen Holm eingeschnittene 
Platznummern. Fenster mit Holz- 
sprossenwerk. Balkendecke unter- 
sejts verschalt. Der schlichte Altar- 
tisch ist gemauert, die Kanzel auf 
dem Altartisch ist durcii eine Tritt- 
leiter zugänglich. 

Zwei Altarleuchter aus Zinn, 
25,5 cm hoch, in Saulenform, 
tragen die Inschrift: ,,C()B1)1" 
LOGES WITWE 1742". 

Das älteste Haus (Nr. 36), 
Fachwerk, hat die Inschrift: 
„HANS HERMANN ALBBECI IT 
ANNA DOROTHEA I\IARC..\- 
RETE KOCH ANNO ITiVi". 



r dem 
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Hill 

■nie. 




Altar- 
Icuclilcr, 



Woliii- 
liäuscr 



Til. Wi)linh;iiis Nr. 7 in ('.apcllcMilia^cn. 



120 

Wohnhaus Nr. 7 ist ein zwcii^eschossiges Fachwerkgebäude. Über 
dem großen Einfahrtstore steht (iie zweizeiHge Inschrift: ,,CORD HIN- 
RICJI VESPERMANN TRINISABETHPALAND. ANNO 1771. GOTT 
l^EWARE DIESES HAUS / ALLE DIE DA GEHN EIN UND AUS" 
(Ai)b. 121). 



Dehnsen. 

Kapelle, ev.-luth. 



Literatur: .1. Fr. Falke, Trad. Cürl)eic'nsiuni, S. ü8G. — H.Hoogeweg, Urkunden- 
l.ucli des Slills Hildesheini. IV 1166, V 506. VI 678, 1160, 349. — Derselbe, Inventar 
der niehlslaat liehen Arehive im Kreise Alfeld, vniter: Dehnsen. — K. Janieke, 
rrkinidenhueh des Hochstifts Hildesheim, I 239, 387. — G. L. Müller, Das Lehns- 
uiid J.andesauf gebot unter Herzog Heinrich, S. 556. — A. Peters, Inventare der 
jiichtstaatlichen Archive im Kreise Gronau, S. 31. — P. Graft, Geschichte des 
Kreises Alfeld, S. 286 ff. 

Quellen: l'"r. Buchholz, Das adlige Geschlecht v. Steinberg, Handsclir. im Schloß- 
archiv Briiggen; ebend. : Lehnsurkunden von 1589 und 1590. — Schloßarchiv 
Wrisbergliolzen: Saalbuch. — Staatsarchiv Hannover: des. 74 Amt Lauenstein, 
currente Registratur zu 1752; ebend.: (]al. Br. des. 2 Amt Lauenstein 64. Schul- 
chronik von Dehnsen. 



Geschichte. Ua aus den ältesten Urkunden nicht deuthch hervorgeht, welches 
von den verschiedentlich genannten: Dedensen, Dedenhausen, hier eigent- 
lich gemeint ist, so haben wir sichere Nachrichten über das Dorf Dehnsen 
im Kreis Alfeld erst aus dem .lahre 1274, wo die Herren v. Steinberg von 
der Hildesheimer Domkirche mit einem Teil von Dehnsen belehnt werden. 
Ferner war das Kloster Gandersheim hier begütert und belehnte (1470) 
ebenfalls die Herren v. Steinberg mit Grund und Roden. Außerdem sind 
noch als Grundiierren die Hock v. Wülfingen und die Herren v. Wrisberg 
zu nennen. 

Nach den Akten der Generalvisitation 1588 war schon zur Refor- 
malionszeit, als b'iliai von Hoyershansen. eiiu' Kaj)elle in Dehnsen voi- 
handen. 

Der Ort hatte 1809: 204 Einwohner, 1925: 395. 
Beschreibung. l^i^' Kaijclle ist Ende 1(). .lahrhunderl aid" Kalkbruchsteinsockel in 

Eichenfaclnverk mit Lehmsteingefachen und Lehmstaakung erbaut, 
teilweise in neuerer Zeit auch mit Hacksteingefachen versehen. Innenmal.k' 
9,70x6,60x4,40 m. Westwainl zum grcU.Uen 4Vile mit Dachpfannen 
behcängt. Deckung mit roten Sandstein])lalteii. \n\ Westende des Daches 
ein Dachreiter id)er einem Quadrat von 1,()0 m Seitenlänge, beschiefert. 



121 

Auf der Spitze, Kugel uiul kleine eintaehe Wetterfahne (Abi). 122). 
Wände und Holzbalkendecke mit heller Kalkfarbe geslriehen. Die sehmale 
Empore im Westen ist schmucklos. Die Fenster sind noch all. siehe 
Abbildung des l^i'ofils der Kreuz))foslen. 

Der Altar mit Rückwand, aus der bjbanmigszeit (bjchcnhoi/). Aliar, 
enthält ein Mittelbild, 0,90 x (),(; I lu, Kreuzigung (,,Mich dinste|-). das 
sehr geschickt gemalt ist (Meistei- nicht zu ermitteln). Heiderseils des 





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Abi). 122. K;i|it'll(' in Hclinscn; (^)iicrvclinil t , Ansklil, C.nindiiß. {\:27i<K) 
Kri'iizpri>'~ti'ni)r()ril der l'ciisicr. (1 :.■).) 

Bildes Säulen. Als seitliche Abschlüsse (Hbilder. 0.;i8 (),1,S m. archi- 
tektonisch umrahmt. C.hi'istus links als Sieger, icchls als guter llirte. 
Den oberen Abschluß der .Mtaiwand bildet ein 1.].") in hohes Kreuz mit 
gedrungenem Korpus (Alib. 123). 

Die Läuteglocke im Dachreiter, ■ 0,.")7 m, trägt unlerhalh (\c\- Haube ('.locke 
die Inschrift: „DÄHNSEH GEMKIXb:", am Schlagring zwischen lianken- 
verzierungen: „M: THOMAS RIDEWEC, CiOSS MICH IN 1 l.VXXOVblH 
ANNO 1733". 



17 



122 



Dörshelf. 

Posthaus. 



J, i I f r ;i I II r iisw: s. imlcr ..Iniscir 



(■.('scliiclitc. Uns (ii-iiii(lsl iick des ;ilU'ii 

liclu'ii Kri'i.s_<*iciize (liircliscliiiillci!. 




.\1)1). 12:!. K;i|)cllc in Dcliiiscn; .\ll;ir. 



'oslliMUScs l)(')rsln'll wird xoii der siid- 
l'^iiiluT wurde DihsIu'H' ;iiich ,,Sliim|)IVr 
riiriu" ^eiiaiiiil. Aul der Knilr ;ius 
dem 17. .lahi hundert ist .,1 )(')r.slu'ir" 
als spilzci' '1 unii iiiil Anbau cinm'- 
zc'ichnet. Das ganze Anwesen \\;\y nou 
einer runden FLiniassung (Kniek) nel)sl 
dem iiblichen dazu geluirenden Sehanz- 
grahen umgeben. Dii' Spitze des 
Turmes ist aber schon im 1 <S. .lalirh. 
abgebrochen, daher kam damals dei' 
Name ,,Stumi)fer Turm" in (iebrauch. 
Im .Jalire 171(i wird ..1 Xirslndm" 
geschrieben, ein Zeichen, (hd.i mau 
über die Herkunft des Namens aucli 
damals schon nichts meiir wul.Ut'. 

Wie jetzt noch, war im Post- 
hause schon früher eine (iast^^ irlschafl 
eingei'ichtet. I )ei" Krug gelKute im 
1<S. .lahrlunulert den v. Sleinberg. 

Das in Bruchstein unter Quader- 
verwendung errichtete Posthaus trägt 
die .Jahreszahl ,,1721" und che Namen: 
( 1 • M • MET.JE-BHINKMANN. i:ine 
stattliche Freitreppe vermittelt (Kmi Zu- 
gang zum hochgelegiMH'u b".i'dgesch()l.5. 



Duingen. 

Kirche, ev.-luth., Verschiedenes. 



J,i I c r;i I II r; .1. (",. 15;irinj;. Ji{.'sc-lir(.'iJ)UU,u; itir S;i;iic im Aiiitr I .iiuciist i'iii. - 
.loli. b'r. Viükv. 'J'rad. (■,()rl)iMensiuni. S. 2(i()/ 109. — H. Bollf^cr, Diözesaii- imd (iau- 
yrriizcn. S. .'iO.S. 1-". (lünlluT. Der AiiibcTi^jui. (Vrimni. Weist hiinicr W. S. (HcS 11. 
iiikI III. S. 271 IT. — .1. Chr. llarcnhcrij. llisloria ('(cl. (landcrsiuMiiciisis. S. ii,"),"). 
W. lieiiizc. (■.escliichle der Stadt All'i'ld. S. 2 1. II. 1 l()<)i>e\vc'u;. l ikundeidtuch 

(U's I loehstiris 1 lildeslu'ini. \' 17.'), ."17."), \l 70(i. :>]{'). DerselJ)^. Iii\iiilai' dci' 



123 

niclilslaatlk'hen Archive im Kreise Alfeld, uiiler : I )iiiii^'eii. I I. .Jarck. Zur Kirtlieii- 
geschichte des Amtes Laiiciistein i. Ztselir. d. (1. T. iiieders. K. (i.. l'Jld. S. lioti. 
K. Kayser, Die reformator. Kirchenvisitalioiieii. S. .')()(). A. II. .I.iiiilzel. Die 

ältere Diözese Hildesheim. 2(S7, 334. - - W. Milholf. KunsIdenkiniUer I. — 
G.L.Müller, Das I.ehns- mid l.aiidesaufgebol unter Herzog lleiiirich, S. .'),") 2. — ■ 
Rudorff, Das Amt Lauenstein i. Ztschr. des Histor. ^'ereins tiir Nicdcrsaehseii. 1858, 
S. 230, 337, 283, 366 ff., 357, 212, 310. — R. Rustenbaeh, Der (iau Wikaiiavelde 
i. Ztschr. <les Histor. Vereins für Niedersachsen, 1900, S. 220, 213. II. Schiialh. 
Die Herrschaften Everstein, Homburg und Spiegelberg, S. 78. II. Suik'ndorf. 

Urkundenbuch zur Geschichte der Herz(»ge v. Braunschweig uiul I.inu'burg. \ \ 168. 
— A. Seidensticker, Rechts- und AVirlschaftsgeschichte norddeid scher b'orslen I, 
S. 343 ff. —W. Wittich, Grundherrschaft, S. 238 ff. - P. (Iraff, (icsciii.lile des 
Kreises Alfeld, S 260—273. — - Bezüglich Duttingen: siehe Literatur unter .Mfeld, 
Stadt. 

Quellen: Alfelder Kirchenbuch zu 1507. — Fleckensarchiv Diiingcn: Diensl- 
beschreibung: ebend. : Hausliste. — Alfelder J.andratsarchiv: idti'ns lUpcrl.. S. O.'il 
und 442; ebend.: H. B. HI 30, Nr. 40; Fach 339, 3 und 385. Havemann. i. d. 

V. Oeynhausenschen Sammlung, und Mithoff, Wappenstudien, beide Hdschr. i. Histor. 
Verein für Niedersachsen. — Staatsarchiv Hannover: Cal. Br. des. 22 X 19; ebend.: 
des. 19 XI L 17 Lauenstein; ebend.: des. 83 Consistorium Hannover H 1355 und 
1357 und IH 190; ebend.: des. 74 Amt Lauenstein, currente Registratur. — Schul- 
chronik von Duingen. 

Abbildungen: Harenberg a. a. O. Tafel XXXL — Der 14. Grabstein an der 
Alfelder Kirche. — Havemann und Mithoff a.a.O., Handschr. i. Histor. N'erein. - 
Landesaufnahme 1764: Karte im Staatsarchiv. 



Beivils in den Corveyer Überlieferungen von 82() IT. wiid ein ,,l)u- (iescbicht 
Ihnngen" im Aringo erwähnt. Es ist sehr fraglich, ol) damit Duingen, 
welches überhaupt niclit im Aringo lag, gemeint ist. Wirklich sichere 
Nachrichten haben wir erst nach 1233, von wo ab das im K). .Jahrhundert 
ausgestorbene Ministerialgeschlecht der Herren v. Duchngen häufig ge- 
nannt wird, die in der ganzen t4nge])ung als Lehnsleute des Klosters 
Corvey und der Edlen Herren v. Homburg reich begiUerl sind. Da Hecht.s- 
nachfolger der Edlen Herren v. Homburg schließHch drv Lmidesherr war. 
so wurde dieser später der hauptsächlichste Grundhen-. Aul.U'rdem be- 
saßen in Duingen noch Güter das Hildesheimer Godehar(likU)sler (1315). 
die Hildesheimer Domkirche (1351), die Herren v. Hock (13.S7) und deren 
Erben, (üe Eamilie v. Engeibrechten, scidießlich aucli d;is Kloster Gan- 
dersheim (um 1500). 

Eine Kirche wird schon in den mittelalterlichen Archidiakonalsverzeich- 
nissen genannt. Patron war der Archidiakon von WnUenseii. später der 
Landesherr. \Aegen ihrer Baufälligkeit mußlr sie beziighc li des Turmes 
schon 16(32 und dann auch 17;)() ff im ganzen fast völhg neu frb:iut werden. 

Da Duingen ein Elecken ist, besaß es eine besondere \'erfassung. 
ein eigenes Fleckenswappen ('raidH\ niedercU'ulst h Dnwe, irrhimlieh 

abgeleitet von der mitteialterlieiien Ortsbeneunung: Duewingen — das 



121 

\Vai)i)en dei' I Ionen v. Diuliniicn zeii^l eiiicii M'.'liivnküi)!) und ein noch 
vorliandenes, l?-')! erbautes Hat haus. Die Einwohnerzahl des durch seine 
ehemals Ziddreichen 'i'öplei-eien im IX. .Inhrhuiulert weilbekaniden 
h'leckens helrui^ l-SOU: ,S i:'». 192.'): i;517. 
Knchc. Das KirchenscidU' isl rdx'r dem Hechteck von 'i.'j.öO \2 m in Kalk- 

Bcscluril)iiiiii. j,^^,j|j ^.^ji^^ Duini^ei- Beri*e (Dolomit) im .lahre \7'M) an den altiMi 'rurm an- 
i>el)aul. ("irun(h-ili'inoi-dnuni>symmeliisch ( Abb. l'i I). Laui^sseiten l)t'i(lerseits 




Altar niil 
Kanzel. 



Al)l). 12 1. Kirclu- in Duiiifion; (irundril.l. (1:250.) 

mit sechs Achsen. Tür- und Fenstergewände aus Werkslein. An der Oslseile 
ein b'enster. Turm und Schilf sind verj)utzt. Das Schiffsdach ist nach 
Osten al)£.;'ewalml. Der gotische Turm ist über dem Ixechlt'ck von 7 x 7,50 m 

in Bruchstein erbaut, mit Walm- 
dach, auf das ein achtseitiger Dacli- 
leitei' mit leicht geschweifter, 
beschief er ter Haube gesetzt isl. 
Turmdach, wie das des Schiffes, 
mit roten Sandsleinplatti'u gedeckt. 
Das Innei'e (k'r Kirche, schliciit 
gehalten, wii'd in 7 m Höhe durch 
eine verputzte' N'ontendecke ab- 
gescldossen. b'enster mit lüsen- 
s])i'ossenwerl<. 

Schhchte l'.mjxjren umgebensäml- 
1 Mche WTinde des Schiffes. (Abb. 125.) 
Auf dem NM'slHclien Teile der b".m- 
\){)vv ist im .lahrt' 17(^5 die Orgel 
aufgestellt. 1(S27 2(S gründlich i'rneui'it. ohne KnnstwH'rl. 

\)vy noch xorhaiulene mit telaltt'iiiche Altai tisch hat etwa Mitte 
des IN. .Jahrhunderts eine geschinlzle Rückwand i)ekommen, deren 
Mittelteil bis unter die Decke reicht. Kanzel über dein Allartisch vor- 




v/Mmmmm/mmm:. 

.\1)1). 12."). Kirche in Diiiiiiicn; (,)ii( ixhiiiU. i l:2.')().i 



125 

i^ckrai^l. Seillich dcrsrlbeii ](' v\\\c krrillii^ j^cw iiiKinu' S;iiih', (lani'l)eii 
Holzfigiireii, etwa 1,30 in hoch, liiii^s Moses, rechts i\vv ^iile 1 lirte. i'l)er 
dem Schalldeckel der Aul'erslaiideiie. Auf dvv N'erdachuiiL; heidei'seils 
ein Engel. 

Zwei Bronzek'ucliter auf (heiseiligeui Sockel, ;Uuilicli deuen auf (k'ii AllarU'uclihT, 
Seitenaltären der Kloslerkirche in Lanispringe, Mith' IS. .lahihuiiderl. 
Höhe 0,15 ni, Füße auf Kugeln, Kandelaiierfoi-ni. 

Im Schiff hängen di'ci Bronzekrouleucliler, daxou einer xoni dahre KinnUiRiiici- 
1909, zwei etwa Mitte 1(S. .lahrhunderl. Die große Krone nül zwei ['»eiJuii 
von je acht Armen, ,o 0,8(S m, besitzt iJchtteUer in Muschelform, Adler 
fliegend, stark plastisch. Die kleine Krone, O,!)? ni, zeigl die Inschrift: 
„HINRICH BECKER, LUCIA MEIERS" nehsl den Wappen ^\vv (ge- 
nannten. 

Die Läuteglocke, . 0,72 m, stammt ans dein Jährt' IhS.'i. l'nischrill (.locko. 
am Hals in gotischen Kleinbuchstaben:,, Aniu) • dni. • niO • cccc" • l.wxiii 
in die • pantaleonis • nicolans • katherina *". 

Von den Abendmahlsgeräten ist nur die silberne ^ip^ l'aleiie, 

Patene alt. 14 cm. (ioldschmiedezeichen neben 
stehend. Herstellnngszeit etwa um IcSOO. 

Auf dem Friedhof neben der Kirche befinden sich einige (irabsteine Fricilhor. 
ans dem Anfange des 19. .lahrhunderts, teils breite stehende Steinplatten, 
teils Eisenkreuze auf Sandsteinsockel. 

Im Garten der Apotheke ist auf 0,50 m hohem Sockel ein kreisrundes Taufstriii 
schlichtes Becken, o 0,<S5 m, 0,25 m hoch, aufgestellt, das einst als 
Taufstein der Kirche gedient haben soll. 

Die bei der Fleckensverwaltung aufbewahrte eichene Lade der Töpfer- T()|)ft'rla(lt'. 
gilde trägt die Inschrift: „TOEPFERMEISTERS LADE. G. SALERLAXD 
ALTM. 1815''. 




Eimsen. 

Kirche, ev.-luth., Verschiedenes. 



Literatur: ('.. I^>()(1e, t'radtl. S. N12 If. II. l^ött<>fr. Die l^iiiiioiuii. S. :.it|. — 
R. Doel)iUT. l'rlvundtMilnu-li (irr Stadt I liideslieini. ! S.'). 72 1. iM'hr. .1. (.rote. 

Die Land])e(te i. Ztsrhr. ttistor. \ereins iiir Nicdcrsafliscn. INCl. S. .'IC.T. I-". (.initlur. 
Der Anibergau, S. l t(i. ,1. Clir. I Iaren])erif. Hist. eccl. (".andersluiHciisi^. S. iniT. 
W. Heinze, Gescliiclitr dri' Stadt Alfeld. S. IdU. 11. HooLjewe.u. l rkimdcninuh 

des Stifts ttildcslieini. \\ lOOl. KKiS. \' 1 ~'V2. Derselbe. Jii\ ciil ar dci' iiirlil slaat- 
lielien Arehive im Kreise Alfeld, unter : i:imseii. Is.. .laiiieke. t rkuiidenjiueli des 

Hoclistifts Hildcsheini. I ."..SC., ilül, KU, 121. I2S lt.. V.VA. l."..S. IC.n. 17:1 lt.. 2,S !•. 488. 
."):i7. ('>:;i. WA f1'.. HVA. K. Ka\ser. Die retornialor. Kirclienvisitationen, S. 22(). — 
I. L. Lallenstein, llisloria Diplom. Mildesiensis IL S. 277. A. H. Liintzel, Gc- 

sehiehte der Diözese und StadI I liliU'sheim I. S. S2. Marienwi nlcr t ikiiinleidiuch. 



126 

S. 1 1. A. Mi-inJ)frg, (beschichte dvs KIosUts Lamspringc. S. U IT. \V. MithotT. 
KmisIdcnkmäkT III. — A. Peters. Iiivenlare der iiichtstaatlichen Archive im 
Kreise (iroiiau, S. 20, lU. A. Seidenstieker, Rechts- und Wirtschattsj^eschichte 
norddeutscher Forsten I, S. H97. - P. (iraff. ("reschichte des Kreises Alfeld, S. ;}()(> ff. 

Ouelien: Schloßarchiv Wrisbergholzen. 111: e])end.: I\'. II (). — Alfelder 
Landratsarchiv: Winzenhurfier Hrhreoisfer von l.")7N. Slaalsarchiv Hannover: 

J.ains])ringe ()r. l.SN. Katsarchiv Alfeld: Stadthucli ..mit d. Knojjpen". Hl. II.'): 
ehend.: 1 ioogeweg. Alfelder rrkundenbuch. Xr. 130. Pfarrarchi\ Lan^enhol/.en : 
Pfarrla^erbuch. S. 75. — Einiser Schulchronik. 

Ahbilduni': (iraff. a. a. ().. S. 1^70. 



C.eschichie. iliinscil wird l)eroils sicher 117(Sff. bezeui>"t durch häufit»o Erwäliniinp; 
eines cdcllrcicii Geschlechts, der Herren v. PLimseii. Vhcv ihre HesitziiilLjcn 
in h".iiiiseii ist ahei' sonst nichts bekannt. \^iehnehr wai" \nv Ti'-ll der 
Hischot von 1 üldesheim einei' der Oherlehns- und Grundhei'ren von 
iMUisen, ein anderer die Grafen von Ravensberi; bzw. als deren l^echls- 
nachloli^er (he Grafen von .Itdich, von denen M7<) die Herren v. Wris- 
bt'r^, die noch jetzt das Patronat iiaben, mit einem Teil von Eimsen 
belehnt wurden; ferner das Hildesheimer Moritzstift, das die Herreu v. He- 
den, auch Hheden geschrieben (bei Patteusen), mit einem anderen Teil 
des Ortes belehnte, so daf] die v. Reden fridier, aber jetzt nicht mehr. 
mit den v. Wrisberg abwechselnd das Patronat ausübten, schlieühch. wie 
das Rrbregister von 1578 und idtere Nachrichten melden, das Kloster 
Gandersheim, das den Zehnten besaß und damit die Herren v. Steiuberg 
heU'hnte. 

Die dem Paukratius, nach anderer, aber wohl auf Verwechselung 
mit Imsen beruhender Nachricht dem Urban geweihte Kirche wai- im 
Mitlehdtei- hingst vorhainlen. denn ]'.V2] wird als Pfarrer genannt: .lo- 
hannes, plehanus in „FLmessen". Die Kirche ist bS.'JcS wegen Haidalligkeil 
gescldossen, aber erst l<So5 abgebrochen, um einem l(Sr)7 eingeweihten 
Neubau Platz zu macheu. 

Der Ort hatte 1<S()9: 211 Einwohner, 1925: ;571. 
15es( hreil>un}4. Turm und Schiff sind im .lahre 1855 in romanischen lianlornun iihaiil. 

wobei der Westturm zur Hälfte in das 16,50x11 m im Grundiil.l giol.U' 
Schiff hineingezogen ist. Chor gewiilbl, nach Osten heransgeriickt. mit 
di'ei Seiten eines Achteckes geschlossen. Seillich des Chores gewolhli' 
Anbauten, nou denen der südliche als Sakristei dient. Iraufgesimse als 
Bogenbaud ausgebildet. In'uster rundbogig, mit 1 lolzsprossenweik. 
Das Dach des wSchiffes ist mit Pfannen, der achtseitige aus (\cn\ Ouadrat 
entwickelte Turmhelm mit Schit-ft-r eingedeckt. 

luneuwände geputzl. mit Gliederung durch natnralistiseh aufgemalte 
l^ilaslei- mit loskanisehen Kapil;di'n. Decke Ihich, \eiputzl. weiß ge- 
strichen. Eiupoie im Westen, siidlich und ncudlich l)is etwa zur .Mitte 
des .Schiffes voigezogen. Orgel im W'i'sten, ohne Kunst wert. 



Kirche 



127 

Der Altartisch ist i^eniaiierl imd mit hoher Hiickwaiid aus Slciii, Alhn 
in romanischen Formen versehen; in einer Hun(lb()i>ennisehe ein allei" 
Korpns (Renaissance) und (darunter) ein Teil des eliemali<>;en s|);ili^olischen 
Altarschreines mit neuem Ölfarbenanslrich. Die gut geschnitzle (iiiippe 
stellt die heilige Sippe in bemallen und vergoldeten l'^guren dai-. In 
der Mitte die bekrönte Maria mit dem einen Apfel hallenden ChrisUiskind 
auf dem Schoß; links von ihr die heilige Anna in einem P)uche lesend, 
i-echls die heilige Elisabeth mit Johannes auf dem Scliol.). l'ulen zwei 




Al)l). 12C,. Kiivlic in l-".iiHM_Mi; Mil Idbild (1( 



Altan 



Frauengestalten, die linke mil zwei Kindern, dlv rechte mil i'iiiem Kinde. 
Zu Füßen Maria drei biicherlesende Kinder. Hinlei'der (iruj)j)e ein Teppieii. 
über den an jeder Seite vier Männer schauen. Obeiei- Al)schiul.! der 
Darstellung durch drei Baldachinbogen (Kielbogen) (Abi). 126). 

Die Kanzel, von der Sakristei aus zugänglich. lr;igl an der Hriistung Kanzel, 
fünf Apostelfiguren, die wahrscheinlich vom alten .\!tai- stammen. 

Schlichtes Taufbecken aus Holz, ganze llolie ]..)'.) ni. Anfang 1'.). .lahi- i": 
hundert, Ölfarbenanstrich steinarlig, leicht vergoldet, darin 2.)..') eni im * 
Durchmesser große zinnei-ne Taufschliissel mit Monogramm A. M. 

Zwei Bronzeleuchtei", 2(S cm hoeii. mit rundem b'uütt'iler auf drei Allaiiiiuliler. 
h'üüen, walzeidcirmigem Schaft uu(\ c\\\vn\ Seliatt lini^^. aus dei- zwi'iten 
Ihdfte des 1(). Jahrluindeits. idinlich denen in Imsen. 



iiitl)eiki'ti 
aulscliüssc]). 



128 



Kioiilciichl er, 



(ilockcn. 



A))en(l- 
iii;ihls<»(.'räU', 



l'"iic(lli() 



J--inr.)hrlst()i(' 




Kirche in J'-iinson; Tiil-Iiuk 
Zierl'ries der Glocke. 



Zwei BronzelcuchU'r, 32 cm hoch, den vorioeii ähnlich, aus etwa 
derselben Zeit stammend. 

In der Sakristei ein 22,6 cm hoher llandlenehter ans Messinij, dem 
h'jide des IN. .lalirhunderts anj^ehörend. 

Min l)r()nzeki'()nleuehter, anscheinend ans zwei aiten znsanmu'n- 
i*esetzt, 17. .lalii'luindi'rt. Inini^t im SciiilT. l-jni^e \Vandl)elenehtnni>en 
sind \ci niuHich ans dvn Ai'mi'ii xon alten Ki'onen heri^eslelH. 

Von den beiden Lanlc^loeken ist 
die im .lalnc 1777. dnreh P.A. 
Becker ans llannovei' i^e^ossene. 
alt, 0,cSl m. l'nteihalb der Haube 
eine Zierleiste (.losua und Kaleb), 
^•^^-i^'.y?^''^J^?^^J^J^^^^lP^J (Abb. 127), darnider eine einzeilioe 
¥* --^,^:^^:^ir:£^j^>^^-jC^^»^J:Mjm inschritt: „AD. SACRA HVHICO- 

L.ASI AI) FVNERA FIXA PHh:- 
CESQVEHAECCE VOCAT P\IS\ 
TRISTITIAMVE SONAT". Ein 
daiin enihallenes (Ihronostichon eri^ibt abweichend die .lahreszahl 1772. Im 
langen k'eld ein Kruzifix, genau wie in Wettensen. Darunlei in Innf 
Reihen die Inschrift: „HENRICH, LVDOLPH, BARTENS / JOHANN, 
HERMANN lUJHDE. ALTAR I STEN / ., MVNn^CA CVRA IN CAM- 
PANl'LAE PRIORIS LOCVM / SVCCESSI FORMATA HANNOVRIAE 
— P. - P. A. BECKER / A. R. S. M DCC L NNVII". Auf der Gegenseile: 
„*S.1).G.* SACRIS EIMENSIVM DICATA PATRONVM ECCLESIAE/ 
DNI FRIEDERICI • OTTONI • DE • REDEN* DNILVDÜVICI • ERNE- 
STI • HENRICI • DE • GCERTZ * DICTVS WRISBERG *". 

Kelch, silbern, innen vergoldet, P) cm hoch, Kuppan c 10,7 cm. 
Am Sechspa(,5tnU die Inschrift: „H. ESAIAS PEIN HENNING WOLFS. 
JOST MSHh:i{ • Anno Christi • IbOB". An den sechs Zajjfen des 
Millelknanfes die golisieiciulen Pnchslaben : ,,.11 II^SI'S". Goldsehmiede- 
zeichen nicht erkennbar, vielleicht wie an der Oblatendose. 

Oblatendose, silbern, Anl'ang 17. .lahrhnndert, .^' 7 L, ein, 
2,7 cm hoch, mit W'eihekrenz. Ik'idt' Ti'ile wt'i'den heim I.chrci 
aufbewahrt. Goldschmiedezeichen nebensteluiid. 




Auf dem I'^riedhof liegen noch zwei c 
Giabplatten der Scharlotte Bode. 
P.ode, t 1.S58. 

Im Orte befinden 



\va 2 



ni liolie, 
des 



0,8.') m breite 



bSö;), und des .lohann Hennig 
sich eiingi' Torpfosten von guter Ansfiihi'nng. 



129 



Evensen. 

Kirche, ev.-Iuth. 



Literatur: H. Hoogcwcg. l'rkun(k'nl)ii(.'h des lloehsliris I lildcsheini. W l.')l.'), 
VI 205. III 1592, 1683, IV 944, VI 1417. ~ Derselbe, Inventar der nichtslaallichen 
Archive im Kreise Alfeld, unter: Evensen. — H. Janicke, Urkundenbuch des Hoch- 
stifts Hildesheini. I 253, 387, 475. — K. Kayser, Die reformator. Kirchenvisitationen, 
S. 222. — W. Mithoff. Kunsldcid<ni:der ITT. - P. Graff. Cri-schichlc des Kreises 
Alfeld. S. 527 ff. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover; Hild. des. 'A. 11 l,ainsi)rini»c, Xr. 1: c'])ciid.: 
des. 76, 1. — Alfelder Landratsarchiv: \Vin/.cid)ur<>c'r hj-breuistcr von 1578; ehend.: 
E C IV 7. — Schulchronik von Evensen. 



hte. 



Oclion 1149 hatte das Klo.ster Lamspringe in Kvenseii Besitz. Ik'gütert (lescliic 
waren hier ferner die Herren v. Steinberg (1307 ff.). Sie hatten ancli 
eine Vikarie in die Kirche gestiftet 
und sind noch jetzt bzw. deren 
Rechtsnachfolger, die Herren 
V. Gramm, Inhaber des Kirchen- 
patronats. Zeitweilig allerdings die 
Familie Bnrchtorf, ähnlich wie in 
Harbarnsen. Daher ist die Kirche, 
die um 1578 (Erbregister) verfallen 
war, nicht von den v. Steinberg, 
sondern um 1600 vom Amtmann 
Jonas Bnrchtorf neu errichtet. 
Evensen wurde früher, da es keinen 
eigenen Pastor hatte, von den Geist- 
lichen in Ilde und Bockenem bedient, 
erst seit 1896 ist es Sehlem beigelegt. 

Das Dorf hatte 1701: 76 Ein- 
wohner, 1925: 177. 

Die Kirche in Evensen scheint B.liri LLUli U U L ^ - -, ^-'.^^ Resdireihung. 

unter Benutzung älterer Mauerzüge 
gebaut zu sein. Ihre gegenwärtige 
Gestalt hat sie laut Inschrift an 
der Ostseite des mit fünf Seiten vom 
Achteck geschlossenen Chores: 
,,Anno 1600" bekommen. 

Länge des Schiffes: 15,5 m, 
Breite 8,15 m. Wände aus P>ruchstein eigener Fehlmark. veri»ut/,l mit 
Kalkmörtel. Türgewände piotilierl. rundbogig geschlossen. \\\ der Süd- 
seite ein zweigeschossiger Eingangsv()ii):iii mit iMuporenhx'ppe (Abi). l'iN). 




.M)l). 12S. Kirche in Evensen; Oriindriß 
lind (,)iiersclinitt (l•.2,^0.) 



30 



Altar mit 
Kanzel. 



Ci'slühl. 



'raufcntii'l. 



Tauf- 
st ander. 



Allar- 

Iciiclitcr 



Kron- 
Icuililer. 



Dachdcckuiig: rote Pl'aniuii, First und (iiate l)eschielert. Am West- 
ende, nahe dem Giebel, ein achtseitiger Dachreiter, der mit einer 
Sciiweiiung zur Laterne überleitet. Diese ist gleichfalls mit geschweifter 
Haube id)erdeckt, als Abschluß Kugel und Wetterfahne mit der Zahl 
1<S()5. hVnsler des Sciiiffes mit 1 lolzsprossenwerk; im (.iior: Kisen- 
rahnien mit Kathedralglas in Bleifassung (Abb. 129). 

Der l'Ulerzug der Holzbalkendecke und die Balken des Vorbaues 
sind mit Stuck verziert, offenbar vom Meister der Stuckarbeilen im 
Alfelder Rathaus (Abb. 130), Empore schmucklos: Orgel von l<S13ohne 

Kunstwerl. Chor und Gcstiihls- 
fußboden gedielt. im dang 
Sollingplatten. 

Über dem Allartisch ist die 
Kanzel in Bokokoformen vorge- 
kragt; neben derselben beiderseits 
gewundene Säulen. Holzver- 
kleidung des Altartisches mit 
blauen Ornamenten bemalt. An 
den über die Breite des Altartisches 
hinausreichenden Seiti'iiteiK'n 

der Rückwand flach xorti'etende 
Pfeilervorlagen. 

ImChor befinden sich und)aule 
Sitze mit Gitterwerk. 

Ein Taufengel, nur noch in 

geringen Resten vorhanden, wii'd 

auf dem Dachboden aufbewahrt. 

Der Taufständer aus Holz, 

2'.) cm hoch, : 0.3<S in, hat die 

l"\)rm eines Kapitals auf kurzer 

klassizistischer Säule: erste 1 Üilfte 

des 19. .Jahrhunderts. 

Zwei Altaileuchtei" ans Bronze, .30,."^ cm hoch, mit 10 cm hohem 

angegossenem Dorn, entstammen etwa dei' Mitte des 17. .lahrhundeits. 

Zwei weitere ähnliche, aus {[vv M\\\v di's IS. .lahihuiukTts weiden 

zurzeit im Schulhaus aufbewahrt. 

h",in KionlenehliT, 0.91 ni. sechsaiinig, als lU-kiiuuing: ein auf t'iiu'ni 
.Vdk-r reitendei" Mann. Inseln il'l ;iii (Kt 20 cm großen Kugel: 
„GOTT ZI' EHREN , IM) ZL\M CIIRISTITCHEN / NACHDEXKIIX 
HAT DIESE MESSINGES KRONE IN DIESE / KIRCHE VEREHRET 
/ CATHARINA AWKN , Cl IRl STOFFER HOHMF ISTERS SEHE / 
GEWESENEN EINWOI 1XI",BS Zf OSTl^RX NACHGELASNE 
WnWE l(i()7'. 




üfcn»- 



Al)l). lUll. Kirc-lic in l'.\ cun 



i;^i 



Eine LäuU'i^lockc ist im Dachrciler aulLjehäiii^l. 
0,72 m. Ornameiile rauh wie Eisenguß. In- 
schrift zwischen zwei Ornamentbcändern: ,,*.!()- 
HANN, DIETERICH ZIEGNER AUS HANNO- 
VER HAT MICH GEGOSSEN, ANNO 17()(1. 
* . . . . M * ", hinter der Jahreszahl ein 15 ein 
breiter Zwischenraum, aus dem die Scliritl l)is 
auf einen Ruchstahen (M) fortgenommen ist. 

Ein Wappenstein idoer der Eingangst iii- am 
Vorbau, 0,31 x 0,30 m groß, trägt die Inschriit • 
,, Jonas Rurchtorf", in gotischer Schrift, darüber 
das Wappen des Genannten. 



Everode. 

Kirche, ev.-luth., Verschiedenes. 

Literatur: R. Doebner, Urtvuiidenbuch der Sladl 




rShSS^ 



(ilocke 



Wappcnst ein. 



Abb. l:!(). Kirche in 

•■.Ncnscii ; SliK-kvcrzicnin^; 

des Halkciis. 



Hildesheini. 1 (i7, J1I548, II 964, 13S0. Grimme. Weist - 
liiimer IV. S.licS.'Jff. — - J. Frhr. Grote, Verzeichnis wüster 
Ortschaften, S.2:^. — J. Chr. Hareuberg, Hisl.eccl. Ganders- 

liemensis, S. Kit 1, 946. - W. Heinze, Geschichte der Stadt Alfeld. S.;',0<l. 1 1. I locgc- 
weg, Urkundenbuch des Stifts Hildesheim, III 548, II 964, IV l^,")!, (liiS, 1 t.j.'), 72.') ff.. 
V 314, 715.719, 952, VI 160. — Derselbe. Inventare der nichtstaatlichen Archive im 
Kreise Alfeld, unter: Everode. — Zweiter Jahresbericht für Kunst uml Natur. 
Hildesheim, LSKi. ^ K. .lanicke, L^rkundenbuch des Hochstifts Hildcshcim. I 3<S. 
(i5, 67 ff.. 221. K. Kayser, Die reformator. Kirchenvisitationen. S. 222. 

K. L. Koken, Die Winzenburg, S. 133. — A. H. Lünt/.cl. Die iUtere Diözese Hildes- 
heim, S. 430, 262. — Jos. IMachens, Die Archidiakonate. S. 110. — W. Mithoff, 
Kunstdenkmäler III. — W. Paasch, Gesch. v. Winzenburg i. Mitteil, gemeinnütz. 
Inhalts II. S. 241. — A. Peters, Entstehung der Amtsverfassung. S. 2(il. — Derselbe, 
Inventar der ni<4itstaatlichen Archive im Kreise Gronau. S. 11. - b'acti sjx'cies, 

betr. Religionsbeschwerden Hildesheini 1()96, S. 17. 6 I. 1!>7. 1». /inunermanii, 

Album Acad. Helmstadiensis. S. 234. — P. Graft. Geschichle lies Kreises Alfeld. 
S. 401 ff. 

Quellen: Alfelder Landratsarchiv: Wiuzenburger l-lrbri'gister Non 157S; 
cbend.: H B III 4, Xr. 1. — Staatsarchiv Hannover: Hild. des. 7(). 1: ebend.: des. 
83 Cons. Hannover II 170(), IV B II, Xr. 8b und III 241: ebend.: Hildesh. J.andes- 
archiv 80 Tl., 3 Abschn. 56 und 57. - br. Bartels, Die Höfe in b:ver()de. Hdsclir. i. 
Besitz des Verfassers in Everode. Scliulchroniken xou bAi'rode. 

Abbildungen: Staatsarchiv HaiinoNcr: Kartt'ii III (.1) 1. Xr. 2: ebend.: 1 A 
F 31. — Graft, a. a. ().. S. KMi und Kartenheilage. 



tverode wird bereits um das .Jahr 1000 in dt'n Giiterver/.t'ieimissen (ieschichle. 
der Hildesheimer Kreuzkapeile, die später zum 1 lildesheimer MiehaeUs- 
kloster gezogen ^^nr(le und in denen des Michaeliskloslers als ...\v(. ninga- 



132 

roth" erwähnt. Das Michaolisklostcr besaß hier u. a. auch ein ,,Hägergut"'), 
später auch den „Paterhol", jetzt Thiele Nr. 32, wo man an dem Giebel 
noch die Jahreszahl 1720 bemerkt und im Hause selbst noch Überreste 
ciiemaliger herrschartliclier Zeit findet. Das Kirchenpalronal ühev Eve- 
rode, wohin auch das später wüst gewordene llasekenhnsen (jetzt Winzen- 
l>urg) bis 1110 gehörte, besaß das Michaeliskloster, aber nur bis 1302, wo 
es dieses an den Bischof gegen das über Steinwedel abtreten mußte. 

Andere Grundherren waren im Mittelalter die Herren v. Freden, 
V. Reden und v. Uslar, ferner die Klöster Clus und Gandersheim, später 
(Erbregistej- von 157<S) auch die v. Rauschenpia t. v. Stoj)ler und v. Stein- 
berg. 

Die alte, bereits frühzeitig erwähnte Kirche war schließlich so bau- 
fälHg. (hiß 171)2 (he jetzige erbaut werden mußte. 

Die Katholiken richteten sich 1694 im noch vorhandenen Hause 
Kloth Nr. 33, damals dem Förster Widewaldt gehörig, eine Kajjelle ein, 
die 1780 wegen Baufälligkeit einging. Erst 1908 wurde wieder eine Kapelle 
erbaut. Das genannte Haus Nr. 33 mit Inschrift über der Tür von 1()72 
dürfte das älteste Bauernhaus des ländlichen Kreisteils sein. 

Das Dorf hatte 1701: 164 Einwohner, 1925: 611. 
Beschreibung^ Die Kirche ist über rechteckigem Grundriß von 11,65x7,90 m in 
■ h'achwerk auf massivem Sockel erbaut, außen an drei Seiten mit Kalk- 
nuhtel verputzt, an der Westseite abei' mit dunkelgrauen Schiefer- 
tafeln behängt. Holzfenster rechteckig mit kleinen Scheiben in Blei- 
Fassung. 

Bretterdecke leicht gebogen, in der Mitte eben. Fußbodenbelag Back- 
stein, davon einer mit den Buchstaben: ,,I. J." (in Schreibschrift) und der 
.Jahreszahl 1831. Das Dach ist mit Pfannen gedeckt. Im Westen ein 
Dachreiter über quadratischem Grundriß (4,50 m Seitenlänge) mit Zelt- 
dach, Kugel und Hahn. Erbauungszeit der Kirche 1792, des Dach- 
reiters 18()0. 
Altarwaiul. Vor der großen einfachen Rückwand, links und rechts der über dem 
Altartisch vorgekragten Kanzel vom Jahre 1815 zwei schlichte Holzsäulen. 
Über den Durchgangsöffnungen je eine gut geschnitzte Heiligenfigur aus 
neuerer Zeit. Auf der Rückseite Teile eines gotischen Gemäldes (Himmel- 
fahrt) und Reste von Schnitzarbeiten, vielleicht von Lessen (siehe Lam- 
springe). Die Allarwand ist in Goslar erworben. 
Orgel. Die Orgel aus den Jahren 1859/60 auf dei' bjnpore ist schmucklos. 
Taiifstein. Taufstein 1,02 m hoch, ans Sandstein, vom Jahre 1811. 
Allaiicuclilcr. Zwei Altarleuchter werden zurzeit im Pfarrhause aufbewahrt, Bronze, 
der ältere ungefähr Mitte 16. Jahrhundert, 23,2 cm hoch, 12,5 cm Fuß- 



^) I'"ht'nfalls in dein wüst f^ewordcneii, 1321 ff. genannten Hohberhusen, (bis in 
ileni jetzt sog. Oi)perluuiser Tal Südwest Meli der Teufelskirche lag. 



133 

durchmesser (Dorn fehlt); der zweite wenii,^ .jiiiiger, etwa 24,5 cm hoch, 
Fußdiirchmesser 17,4 cm. 

Von den zwei Länteglocken im Dachreiter hat die eine die Inschrift (iluckt-n. 
am oberen Rande des langen Fehles: „GEGOSSEN VON S. LANGE 
IN HILDESHEIM 1848", doriinler: „GRUSSENHEHG, ZEITIGER 
PASTOR". Die zweite Glocke ist im Jnhre 1893 von Radier in 
Hildesheim gegossen. 

Ein 14 cm hoher Zinnkei(4i entstammt (kMn Anfang des 11). 4:iliiluiiideits. KcUli. 





Abb. l;il. Kirclic in JOvciodc; Kruzifix. 



Abb, \'.\2. Kirche in Evcrode; Kopl lio Kriizilix 



Hölzerner Korpns eines Krnzifixes (Abb. 131), Hände fehlen, 1,73 m 
groß. Der Kopf zeigt ansgesprochen niedersächsische Gesichtszüge nnd 
trug ehemals eine Perücke: 15. .Jahrhnnderl (Abb. 132). Ferner ein 
h>ngel, Holz 1,05 m hocii, um KiOO. Beide Stücke jetzt im Ih-imat- 
museum in Alfeld. 

Am katholischen Schulhaus ist ein 1.17 m hohes MaiitiihihI aufge- 
stellt: Jesus mit der Kngel in den Armen dei- stcheinh'n ^bltl^■|■. Hoter 
Sandstein (Abb. 133). 

Die Eingangstür zui" Haussti-Me Xr. 3 in tAi-rotk'. eine 2 ni h(4u\ 
0,75 m breite verdojjpeite Eichenholztür stammt ans (Km- allen, ab- 
gerissenen katholischen Kirche oder Kapelle in Winzenhni'g. 

18 



Bildwerke 



Haust ür. 



131 

Haus 'So. 1 laus 33, Facliwcrk, im Balken über dei Tür liisehritl: ,,DXS CHRISTO- 
PlIOR^^ MÜNNICH PM ET CATHARINA MARIA WIDEVALT. AN 
DXl MDCLXXII ME FIERI FEC". (Ältestes F>auernhaus im Kreise!) 




Al)b. l;5:!. Marioiil)il(l in Evorodc. 



Haus 32. Maus 32, alter Palerhof, tragt im (iiebel die Jahreszahl 1720, im Hause 
eine Holztafel mit Wappen und Namen des Abts Gabriel von MWA. 
Dil' Kaitelic dt-r Katholiken ist neu. 



Eyershausen. 

Kapelle, ev.-luth. 

I.i l t'iat iir: ,1. fJir. HaronbiTg, Hisl. et-cl. ÜaiKltTshcinousis, S. 721. 1527, 
ir)95. 870. — H. Hooi'ewi.'g, Urkundeubucli des Stifts Hildcslieim. II 964. — Derselbe, 
Inventar der iiichlstaalliclicn Archive im Kreise Alfeld, unter: Eyershausen. — 
K. Kaj'ser, Die reformator. Kirchenvisitationen, S. 219. — Leibniz, Script. Br. II. 
S. 357 ff. — A. H. Lüntzel, Die bäuerlichen Lasten im Fürstentum Hildesheim. 
S. 189 ff. — Derselbe, Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim. II 172. — ■ 



135 

Jos. Machens, Die Archidiakonate, S. 281. — W. Mithoff. Kunstdenkmälcr JIl. - 
W. Roßmann, Die Hildesheinier St iftsfelule, S. 496. — P. Graff, Gesell itlile des 
Kreises Alfeld, S. 456 ff. 

Quellen: Staatsarehiv Hannover: Lamspringe Or. 160, 161, 161. — Alfelder 
Landratsarehiv: Winzenhurger Erbregister von 1578; ebend.: C All und E C IV 7. 
— Sehulehronik von Eyershauseji. — Welteborner Pfarrarehiv: Alphei's Genieinde- 
ehronik. 



L)a die Schreibweise des Ortes in alleren Zeilen seht- wecliselle und Ge 
daher nichl genau festgestellt werden kann, ob es sich in den l'rkniideii 
wirklich um Eyershausen oder ähnlich lautende Ortschailen der Nachbar- 
schaft handelt, so sind die Nachrichten ans deni Irühen Mitlehdler (12. .lahr- 
hiindert) gänzlich, die aus dem späteren ziemlich unsicher. Die ältere 
Schreibweise: Heigershausen, Eygershausen, aus der Zeil der Sliflslehde, 
in der es abbrannte, will vielleicht zum Ausdruck l)ringen, daß es zu den 
sogenannten Hägerdörfern gehörte. 

Güter besaßen hier (1406) die Herren v. Freden, v. Dalem, v. Wenden 
(1420), vom 1(). Jahrhundert ab die v. Salder bzw. deren Nachfolger 
V, Hammerslein-Equord. 

Die Kapelle, Filial von Wetteborn, wird bereits im Winzenburger 
Erbregister (1578) genannt. Sie mußte 1706 abgebrochen und durch 
einen Neubau ersetzt werden. 

Das Dorf hatte 1823: 296 Ein- 
wohner, 1925: 309. 

Die Kapelle ist über dem 
Rechteck von 10,50x7 m in 
Eichenfachwerk, auf Sandstein- 
sockel nach 1706 erbaut. Ge- 
fachausfüllung mit Lehm, hellblau 
mit Kalk gestrichen. Giebel- 
dreiecke nicht ausgemauert, mit 
roten Pfannen, dem Deckungs- 
material des Daches, behängt. 
First mit Schieferplatten ge- 
dichtet. In der Mitte des Sattel- 
daches über dem Quadrat ein be- 
schieferter Dachreiter mit acht- 
seitigem Zeltdach (Abb. 131). In 
der Wetterfahne ein lautendes 
Pferd und die Jahreszahl 1721. 
Die Bretterdecke, 4,30 über dem 
Fußboden, mit Vouten an den 
Längsseiten. Altai wand aus ^,,,, jo, k:.|h'1i«' in i;yiishaiiM>n. 




15e.selnH'ii)inu 



136 

neuerer Zeit, hinter ihr eine 2 m breite Empore, aus der die Kanzel 
etwa 0,10 m weit vorkragt. Die Wcstenipore ist seitlicli an der Nord- 
und Südwand vorgezogen. 
Leiidilcr. Zwei Zinnleucliter, 19 cm hoch, der quadratische Fuß a])geeckt. 
Schaft walzenförmig. Die an beiden Leuchtern gleiche Inschiift: 
,,H' G- 13- S- 1736- " ist an der Fußplatle eingraviert. 
Glocke. Eine Läuteglocke hängt im Dachboden, nicht im Dachreiter, 0,75 m. 
Am langen Felde die Inschrift: „ICH Rl^FE EUCH DURCH MEINEN 
KLANG / KOMT BRINGET EUREN SCHÖPFER DANK / GEGOSSEN 
H. A. BOCK IN EINBECK 1823". Gegenseite: „JOHANN, HEINRICH 
BRUNCKE PASTOR /HANS HEINRICH BARTELS ALTARIST / 
HEINRICH PROBST VORSTEHER". 



Föhrste. 

Kirche, ev.-luth. 

Literatur: Creme und Depjie, i. Xieders. Jahrbucli. XachricliKiil)!.. l!»2(i. 
S. 53. — R. Doelmer, Urkundenbuch der Stadt Hildesheiiii. H 1(I02. — i:. 1-. .1. 
Dronke, Trad. Fuldenses, S. 100. — Freih. J. Grote, Verzeielinis wüster OrtschafUii, 
S. L 1. --W. Heinze, Geschithtc der Stadt Alfeld, S. 28, 279. ^ H. Hoogeweg, 
Urkundenbuch des Höchst ifls Hildesheini, HI NO. 1409, Y 1.35, III 522. - Derselbe, 
Inventar der nichtstaatlichen Archive im Kreise Alfeld, unter: FöhrsU-, aucli S. 18. — 
Zweiter Jahresbericht für Kunst und Natur, Hildesheim 1816. Iv. Kayser, Die 
reformator. Kirchenvisitationen, vS. 225. — I. L. Lauenstein, Historia Diplom. 
Ilildesiensis II, S. 284. — A. H. Lüntzel, Die bäuerlichen Lasten im Fürstentum 
llildesheim, S. 189. — Derselbe, Die ältere Diözese llildesheim, S. 235. Derselbe, 
(k-schiclitc der Diözese und Stadt Hildesheim, II 173, 608. — W. Milholt, Kunst- 
denkmäler ITI. — A. Peters, Inventar der nichtstaatlichen Archive im Kreise 
Gronau, unter: Brüggen. ■ — .1. Fr. Sc.liannat, Fuhlischer Lcludiot'. S. 303. - V. Graft. 
Geschichte des Kreises Alfeld, S. 318 ff. 

Qu eilen: Schloßarchiv Briiggen : Lehnsbriefe 1589 ff. el)cn(I. iWiilirii.Hcschrciliung 
des Gerichts AVispenstein, Hdschr. — Alfelder Landiat^-arcliiN : Winzenburger 
Erbregihter von 1578; ebend.: H B HI 5, 4 und 5, e])en<l.; A 1- 7. Staatsarchiv 
Hannover: des. 85 Consisl. II 1812. — Schulchronik von hOhrsIc. 

.\i)l)il(i u ngcn : Slaatsarcliiv Hannnovcr. Karten I A f 33. 

Geschichte. LJie älteste Schreibweise l'iir h'(')hrslc' hiutcl .,\iioresele"". .Man niniml 

an, (hiß die Siedlung wegen dei- wahiscIieiiilicluMi Zusammensetzung 
mit der Siedlungsendung ,.ilhi"' bis in die Steinzeit liint-iiiri-icjit. .Vuch 
sonst gehört Föhrste zu den Oitscimtten, iibi'r wt'lche (Wc ;iltesleii Nach- 
richten am weitesten zurückgehen. Denn aus den Ul)erlieterungen 
des Klosters Fulda ergibt sich, dal.i dieses Kloster schon bald nach 
seiner 712 erfolgten Gilindung in Föhrste (Woresete, N'norsete, N'uoresete) 
im ,,Areliinge" (Aringo) Land erworben hat. Später waren die Grund- 



137 

herren das Hildesheimer Moritzslift (llf)! IC.) und die Univii v. Sloinboro- 
(1351), die auch das Patronat über die im MitlehiltiM beivils voihandeiie, 
dem heiligen Andreas geweihte Kirche hallen. 

Da im Erbregisler die Einwohner teilweise als .Jlägerlenle" aiiovseheii 
werden, ist es in gewisser Hinsicht den „n:igei-(h)rl'(Mir- zuziireclinen. 





Abb. l:iö-i:5(;. Kirche in l'oluNtc; (■rundril.t imd (^)ncisrhiiHt. (1:2,')().) 

Die Einwoimerzahl betrug 1(S()<): 321, 1925: <S73. 

Bemerkenswei-l ist noch, dat.l (his Plai-rhaus 1711 mit fast allen Akten 
abbrannte. 

Die Kirche wurde im .lahre 182! iibei' einem Hechti'ck nou 12.5 22 im lifv,(!irfii)iiiig. 
in Bruchstein errichtet (Abb. i:)5). Der Turm, aus dem Mit tilaltci ''"'"'■ 
stammend, liegt mirdlich vom .Schiff, ([uadiatisch, 7,.")() m Seitenlange. 
Die Kirche ist nicht geostet. Die im rntergeschol.5 des Turmes befindliehe 
(iruft ist duich ein Loch in di'r gewölbten Decke zugänglich. An der 
Oslseile drei, an der Nordseite vii-r kleine übereinanderliegende luMister- 

19 



1 38 

(itliuingen mit oeradcm Sturz. Traufoesimse mit Reuaissanceprofiieii, 
Dacli beschiefert, mit gebogenen Flächen vom (hnuhat zum Achteck 
übergeleitet. Laterne als achtseitiges Prisma ausgebildet. Helmpyramide 
(\vr aufgesetzten Laterne unten leicht gescinvcift. von Kugel und Wetlei'- 
!ahne b('kr(")nt. 
Scliiir. Das Schirr ist wie dei" Turm auHen xcrputzt unter h'reilassung dci- 

Quadereckeu und dei' profilierten Trii- uinl h'ensteröffnungen, (he aus 
Werkstein bestehen. Di'ci Portale mit kräftigen, auf Konsoh-n ruhenden 
(iebidken. In diesen Hibelspriiciu'. Am Siidporlal das \\'api)en 
Call \. Steinbergs und die Jahi'eszahl LS'il. An der Südseile ein (S cm 
\()i- (hl' Mauerflucht \oi-gezogener Mi! telrisalit mit flachem (iicbeldreieck. 
An den Längsseiten je acht, an dei" Siidseite zwei gi'oüe lla(dd)ogig ge- 
schlossene Fenster mit 1 lolzsprossenteilung. t'ber jeder 'Vüv ein l^ind- 
fensler. Das Dach ist nach Süden abgewaimt. mit loten Pfannen 
gedeckt, birst und Grate mit Schiefereinfassungen. Traufgesimst' idinlich 
wie am Tnini. 

Das Innere ist mit einer Voutendecke abgeschlossen, xci'putzl: 
zwei in der Längslichtung veiiaufende Unterzüge sind sichtbar gelassen 
(Ahl). \:M')). 

Die Em))oi'e auf schlichten 1 lolzst ützen. daiauf die Orgel, ist ohne 
Kunstwert. 
Altiir iiiii Die Allarwand. laut Anfsidn'ifl l.S.Sl instainl gesetzt, stanmü idwa 

' aus (\v\- l^rbauungs/eit der Kirche. Heste eines älteren Altares (Mitte 
17. dahrh.) siinl wiederbenutzt, andere liegen noch auf dem Kirchen- 
boden. An der vorgekragten Kanzel ein Kruzifix, über den seitlichen 
Durchgängen je eine Heiligenfigur. 
'i'niitc. Taufe aus Nußbaumholz furniert. 1,11 m hoch, einschließlich Deckel 
gemessen, (irundriß (piadralisch. Die darin befindliche Taufschüssel 
aus Messing, ,0 0,30 m, tr;»gt am Hände iMcheln und Punktornameide 
in Ti'cibarbeit. 
Altarlciicliicr. \'ici' AI tarleucldei' aus Hi'onze. Zwei (la\on 27..") cm hoch, auf drei 

l'id.ieii, l-"ußteller lö.iS cm, etwa zweite 1 lidfle des 1(). .lahrhunderls. 

Fin an(U>rer, 2«),3 cm luxdi, mit (\v\- Inschi'ift: „ANDREAS 
seil APER 1659". 

Dei- vi(M'te ist reicher profiliert, l)()(d«:enf()rm, 30 cm hoch, b'ußteller 
17eni. Inschrift: ,,IIINRI(:iI Ml'LLER ANNO 1667". 
Kionicuclilcr. Im Schiff h;ingcn zwei Kronleuchter, daxon einer sechsarm ig, o 0,5()cm, 

oben Doppeladle]', an den SliuMnig gebogenen Arnu'U Delphine, etwa 
Ende 17. .lahrhundert. 

l^in (daskionleucliter aus der Mille des 1*.). dahrhundei'ts. 
Crlocken. Die L;mteglocke (Abb. 137), O.NC) in, tragt die einzeilige Umschrift 

unterhalb der Haube in gotischen Kleinbuchstaben: ,,Ave Maria * gratia * 
pleiia * arnoldus ynis"" (Rrakteattnabdruck) (Abb. 13<S). Darunter zwei 



139 

l'il^c'i/A'iflR'H und ein Kru/ilix (AJ)1). 139). Pil^cr/cicIuMi : 1. Maria 
mit dem Kinde niiler einem Baldachin: seillieh je eine Imi^ut, 
darunter eine nieliL zu enlzilfernde Schrift in «jolischen Kleinhncii- 




i"" i "" i 



H ( 



Abb. VA7. Kirclic in Föhrstf; (Vlockc. (l:lu. 



Stäben, vielleiclit eine .Jahreszahl (siehe auch Wrisbert^holzen: Glocke 
von 1443). 

2. Brustbild eines l>isch()fs zwischen zwei I^n^eln mit hohen l-"lii^eln. 
unter diesen Darstellungen die Alxhiicke dreiei' Brakleati'ii und einen 
leeren Wappenschild. 



MümMMM: 



Abb. l:;.S. l\irvlic in l'olirslc; TfiMiuk der ( . IikU< luii-ilii ill . 

Die Uhrschlagglocke hiingl auHeii. idwa in iuilher Hohe der Turm- 
pyramide. Höhe lund 9,50 m, L'mschritt sowiil zu lesen: ..l't'B DIE 
GEMEINDE FÜHH.STE 1831" CM- 

Die AbendmahlsgerJite ^ver(hll im Plarrhanst' aulix'wahil. Kt'jch, 
siii)ervei-gol(k't, 121 cm hoch. Seelispatiluti. Knauf l)iinlornii;^ Am 




AIu'IkI- 
Mi;iliKucr:il(' 




Abi). i;{'. 



Kirolu' in l'dhistc; l'ili^'T/.cicIicii 
u. :i. Mii der (iliicUc. 



\'aseii. 
Torpfeik'r. 



l''iißr;iii(li' (.■iii<^r;i\ icrl : .,.\. lOS:i_ 
TEMP. : r.\ST : 1-(')I{ST : .lOllAX- 
XIS (iÖPXERI (LAB IX DIE EURE 
C.OTTES DER KIR : S. AXDREAE 
ZV EÖRSTE DIESEN KELCH MIT 
I)E:R PA TEN A. IIEINR. BREU- 
XOTTEN UND SEINE ER. ILSE 
S(:nyL\LTZ'\ Ihm-hcm- in laleiiiiscIuM 
Schicihscliriri : ,.1^i-ik'Uci'1 und t'rlK'ilu't ;iiii I. \(\\ . l.Sä'i xoin Kolhs 
llr. Gk'iK'\viii-I\('l u. dess. l^lu'lraii (".hrisliiic gel). Kuliiu' 
in F'örsle IlXr. llZ.Z.d. Pasl .Jahns", (ioldschmiedezeiclu'n : 
l*alcMU' ohne Kiinstfoiincn. Goldschmiedezeichen fehlen, 
l'nler dem l)()(len der ()hlalen(h)se Inschrifl in hilei- 
nisehei' Sehieibsehril'l : .,(iescheniv v. Hr. (ilenewinktl 
I. Adv. l(S.i2". (iohlsehniiedezeichen nebenstehend. 

Zwei zinneiiie \'asen mit den Buchstaben P. 1^ 1737. 
Wie verschieden Hieb im Kreise Alfeld, sind auch in Föhrsle einige 
altere Torpfeiler erhalten, so au deu Gehöften Nr. 4 und 14. 



Fölziehausen. 

Kapelle, ev.-luth. 

LH erat ur: .1. E. Rarint>. Hosclireilnuiji diT Saali'. S. (i. H. Hoogeweg, 

Inventar der iiiclilslaatliclu'ii Arcliivc im Kreise Alfeld, unter: l-'öl/.iehausen. 
K. Kayser, Die reronualor. I\.irclu'nvisitationeii i. ZIschr. d. (iesellseludl tiii- 
iiieders. K. C. \Ili, 1<)()I, S. 2(1(1. W. Mithoff, Kiuistdenkinider I. (i. L. .Müller. 
Das J.ehiis- und J.andesaufgelxil unter Herzog Heinrich. S. .■(l!». .').")2. \V. PeUler. 
Das altsäehs. Haueriihaus. S. 1(S(). - Rudorff, Das Amt J.auensteiii i. Ztselir. d. 
Hisl. Vereins. IS.'xS. S. \V\1 . \\ (iralT. (leseliiehle des Kreises Alfeld, S. 2:)(; ff. 

(^)uelieii: Staatsarcinv 1 laniiovt'i- : Cal. Dr. des. 2(ie; el)end.: des. 22 X l!l: 
ejxiid.: des. cS.'i Coasisl. 11, .\r. ]7.")(» un(l 1701. .Mfelder l.andralsarehiv : 11 B 

ill ;')!. Nr. 2. — Die Sehulelironik von Fölziehausen. 



(iesehiehle. F (iiziehaiisen, 15.35 ,,b'alszbusi'n"" genannt, gehörte den llenvn v. 

Dudingen (l)ningen) als Li'hen, nach deren .Absterbt'n den \. 1 lalle (vor 
1519), dann den v. Adelebsen (1025), danach den v. C.iamm, die es 1()<S5 
dein Schatzral Strube verkauften. Später war auch die Familie v. Engel- 
brechleii hier begütert. 

iMiie Kapelle war schon xor Kinriihiiing i\cv P>eroi'mali()n 15(S5 xor- 
handen, b'ilial \(ni Wallensen. 

Das Dorf halte 1.S23: 132 l^inwohner, P)25: KU. 



1 II 

Im Weciizcr linirli, ohci-lialb von l'\)lzi(.'li;iiiseii. licL;! ;ils Wiisliiiiij; (Ins 
Sepschcr Feld (Sebhossor Feld), vielleicht i>leiehbe(leult'ii(l iiiil dem 
schon im 9. Jahrhundert in den Corvever {''berlieterun^en i^eiKinnlen 
Suitbodesbüden, um 1400 nocii als ,,Seypessen" vorhanden. 

Zwischen Koppengrave und Pa|)enkanii). unweit dei- Kiiibbemiihle 
lat^ einst „Feldterdizen (Velderdizen)". 

Die Kajielle ist über einem (Irundi-il.) von (S,*)() (>,.')() m in laichen- Hcs(liiril»uiig. 
l'achwerk aut Hiuehsteinsoekel im Jahre 17J2 erbaut (Abb. 1 10). (ieiaehe: 




i>»f>^' ^. "■* 




Al)l). 110. Kapclh' in l"()l/,ifli:uiNcn ; Siliaulnld, (^)iicisclinitl, 
(iiuiidiil.'.. (1:2.'>(L| 



Lehmstaakung und gekalkter Lehm|nitz. Dachdeekung: Sollingplatten. 
Verbandhölzer des Daches gebeilt. Im Westen eine schmale Empore 
mit eingeschnittenen Platznummern auf dem Holm der Brüstung. 
Fensler mit Ilolzsprossenaufteilung. Der kleine, nui- l.'.X) m im Oeviert 
messende J\irm ist erst 1(S9'2 eibaul. 

Die Fingangstür aus Fichenholz, 1,75 m iioeli. 1.17 m breit, ist \cv- 
doi)pelt: kräftige Profilierung, geschickte Benagelung. gute Musterung. 
Türklopfer als Ring aus Fisen. 

Am 0,12 m hohen Stni'z, jel/t serwitlert, die scelis/eihgi' Inschrill: 
an der Aul.kMiseite: „ALLES ZF (lOlTFS EllHbLX , HAT l)lb:S WOL- 



1 12 

LEX VEREHREN DIE TOCHTER VOM SELUiEX CAXTOR 
STRANCKMAXN / DIE HERREN STRUBEX HAREXS WOLLEN 
VERMEHREN , ALLES ZU GOTTES l^HREN". 

An der IiiiuMiseite, ofi'eiihnr die i^^jitsclzuiii^: „WIES PAS'iOR 
GRUPEN COMMITTIRET INI) DlRCll I iC LEE ])I':R DORFE- 
SCHAFT AUFFGEFÜHRET. AXXO 1731-. 
Al(;ir, Der ciiirache Altar tr;ii>'t neben dem MillellVide doekenartige Säulen. 
Oherluil!) des Allares ist die schnuieklose Kan/A'l ani^ehraeht. 
AII;iiI(ikIiUt. N'orlia iiden siinl \ier Zinnleuehtei', dason aber nur zwei auf dem 

Allare ant'üeslelll . Dii'se sind 27 em hoch, h^d.ilelk'i' 12.2 cm, am niileri-n 
Ibiiide eini^ia\ieil : ,,b\ 1). 15. 171 I". 

l)as /weile Leuehlerpaar hal (l()ekenl'(")iinin(.'n Schalt nnd 0,2*.) m llolu'. 
Fnßplatte o (),!() m. am P.ande: ..IIEXXY MEYER CATIlAllIXA 
k:XGEL SAUTEMANS 1732-. 
(ilockc. Die Lcänte,t>locke, 0,46 m. Iriii^l an der Haube zwischen zwei Ziei"- 

leislen die Lmschrilt: „ANNO 17()(i GOS MICH MkLGGERT CHRI- 
STOPH HECKEP. IN HILDESHEIMIV. Am langen Felde in zwei 
Zeilen: „HERR .JOHANN DAVID STRVREL SCHATZRHA 1 ZI 
ZELLE DEN CVHRFVRSTLICHEN HAVS HANNOVEIV. In der 
Mitti' des langen k'eldes ein Kruzifix. 



Qerzen. 

Kirche, ev.-luth. 



I. i U' la I u I' : C. IJ. HchiH'iis. SlaiimiJ);iuni ... diT Hcrrrii \-. StcinlxTi!;. S. .")7. 
II. I l(>(),m'WC'g, rrkundc'n])ii(li (\vs Ilorhsl il Is I lildeshciiii. I\' 71. HKi. III I KU». 
\' 127. — Derselbe. Invcnlar der iiichlslaiitlielien Archive im Kreise .Mfeld. unler: 
Gerzen. — A. H. J.ünlzel. (iesehiehle der Dif-zese iiiui Stadt I lildeslieiiii I. S. Sj. 
II 531. ()08. - Maricnroder l'rkundenbueli Nr. 1.'). W. .Milliolf. KunstdenU- 

niälor III. — A. Peters. Inventar der nichtstaat liehen Arehixf im Kreise (ironaii, 
imti'r: lirüggeii. — - II. SiuhMuhirf. l 'rkim(ieni>U(ii zur ( iesciiiehte der Herzöge 
von Braunsehweig und l,ünel)urg Hl. S. 1 l.'i. 120. 1. S. 10. P. Cirall'. (ieschiehte 
des Kreises Alfeld S. 'A'i:) ff. 

Quellen: SehloliarchiN Hrüggen : I.ehnshritde von l.').s;Mt. und Ki.').!. .Mfelder 
Laüdratsarcliiv: Winzenhin-ger I^rhregisler von l.')7N. .Schulehronik \un (lerzen. 



' ''»'sehiclile. Uic Sii'dlnn^ CuTZiMi wird in den angeblichen Traditionen (k's Klostei's 

Cor\ey zu den .Jahren (S5 1 (S77 als ..Roduno"" ..(du'rdeo;heshnsi"' in 
(1(M' ,..\i'inoh()mai'k" (.Xrinijooan) genanid. Sie war deminich noch als 
Rüdnui^ hekanid und wiid darum spTder entstanden sein als die benach- 
barten Oilschaltin. 

Von Coi'N'cy werden damil bt'lehnt die Edlen \\ 1 loht'uhiichen. dann 
die Indien \. Ilomburo. Aber später (1300) ist deien Lehnshen- nicht mehr 



113 

das Kloster Corvey, sondern — ans nns nnhckannlen (irimden das 

Kloster Gandersheim. Andere Lehnsherren waren (he Herzöge von 
Braunschweig (1344), die Edlen Herren von Meinersen (um dieselbe 
Zeit), die Herren v. Herlingsberg (vor 1309) und der Landesherr (Hisehol). 
Schließlich waren fast alleinige (irundherren nnd Palrone - es wai- 
also schon damals die Kirche vorhanden - die Herren v. Sleinberg (1 .')'.)<)), 
außer ihnen hatte noch 1302 IT. das Hildesheimer Morilzslifl in deizen 
Grundbesitz. 

Das Dorf — Mater condiinala mil Föhi'sle halle l.S'i."): 'M)i') Lin- 

wohner, 1925: 837. 




Abb. in. Kirclic in ('.erzen; C.rnnclril.l niul ( )iieiselniil I . ( 1 :2:)0.) 



Die Kirche ist im .laiire ITll.S in Drnchslein i^ebanl niil Lrk- l>i'.schrcil)iin.t 
quadern, Tür- und Fenstergewänden aus Werkslein. Länge 19.30 m. im 
Schiff (S,90 m, im Chor 6,75 m breit (Abb. 1 II). Die \\;iii(k' sind anl.icn 
mit Rauhputz und Kellen])utz versehen, unter dem I )a(hiibt'rslaiid 
Schrägbretl. Pfannendach, nach Osten abgewahnl. Inscliiilt id)ei- dcv 
Eingangstür: „BEWAHR DEINEN FUS/WENN DL /IM ll.MSE 
GOTTES GEHEST t'ND KOMM DAS DL HÖHi:sr PLl-".. SAL. 
5 CAP. V. 1. AXXO 17C).S--. Darüber in vwwv I'.KmkIc PvblXO- 

VIERT 1(S9() ---■. \)vv W'eslgiebrl ist mil diiiincii. schicfci aiiigrn S;iii(l- 
steinplal len bt'h;ingl. 



144 



Allar iiiil 
Kanzel. 



l'.iiiporo. 



Allariciichlcr. 



Kroiilciiclilcr. 



'raurscliüsscl 



Im Weslcii des Daches ein Dachreiter iiher dem Achleck. Haube 
^eschweil't, am langen Stiel Kugel und W'eüeii'ahiie. Das Innere ist glatt 
Ncrputzt, 6,50 m bis zur Voutendecke hoch. Ausmalung aus neuerer Zeit. 
Die I lolzl'ensler mit Sprossenani'teilung zeigen gotisierende ?"ormen. 
\)\v Allarwand mit der Kanzel und l)urchgaiigs()irnungen reiclit bis 
zui" Höhe der Km])()reid)riistuiig und ist in dei- Mitte id)er einem nou zwei 
Säulen getragenen (iebälk bis zur Decke hochgezogen, hier reiciier 

geschnitzt, ein Olgeinidde (Kreuzigung) um- 
schließend, rnteriiail) des Sciiaihleckels eint' 
schwebende, holzgeschnitzte Taube. 

Eine hölzerne Empore im Westen mit dem 
schlichten OrgeI])ros])ekt und weitei' an beidiMi 
Langseiten l)is zum Ciioi. ihre Hriistung durch 
.Si'iulchen gegliedert und nach unten mit ausge- 
sägtem Saumi)rett versehen. 

Zwei Altarleuciiter aus Bronze, LS cm hoch, 
mit <S cm langem vierkantigen Doi'u. eidstammen 
der Mitte des 16. .Jahrhunderts (Abb. 1 12). Anl.{er- 
dem zwei Zimdeucliter in einlacher Ari)eit. 

Im Schill' zwei Kronleuchter, davon einer aus 
Bronze, sechsarmig, j; 0,42 m (Abb. 143), ver- ^ 
mutiich aus der Erbauungszeit der Kirche, I F 
mit nebenstehendem, 2 cm großem Zeichen : P*! 
Der zweite, ein Cdaskronleuchtei', stammt 
aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 

o 




Al)l). 112. Kiiclu' 
AltiitlcuclUci. 



\ ascn. 



Die raut'schiissel aus Zinn, 0,23 m, 
6 cm iioch, zeigt auf dem Boden im Kreise 
(he eingravierte Inschrift: „ES. MARCI II 
C. V. s! ICH I'AVEETE EUCH MIT WAS- 
SER ABER ER WIRD EUCH MIT DEN 
HEILIGEN GEISTTAUFEX I.M.C. 1750". 
Zwei weil^glasierte Steingutvasen, mit 
1 laiuhnalereiin DelfterArt(Blau und Violett- 
braun), .Jagdscene, zweimal gleichmäßig, 
an Vorder- und Rückseite. Fabrikzeichen 
u\\[('v dem Roden \VR (Wrisbergholzen). 
S()iisti<)t's. Auf dem Dachlxxleii befinden sich neben beschädigten Totenschiidchen 
(Korpus), .^.^jjjj Jahre 1<S02 verschiedene Bruchstücke von Schnitzwerkeii. darunter 
der ()0 cm hohe Kori)us eines Kruzifixes (LS. .lahrhundert). 

Aul (lein Zwei Grabsteine, LS. .lahihimdeil ; Toipfeik'r mit .laliies/ahl 17*)l. 

[■"licdhol'. 




Abi). 1 ll{. Kirclic in (ici/.cn; 

Kroniciii-Iilcr-. 



145 

Qrafelde. 

Kapelle, ev.-luth. 

Literatur: R. Docbncr, Urkundonbnt-h der Stadt Hildeshcim. I !)I(i, II 2. - 
H. Hoogeweg, Urkundenbuch des Hoehstifts Hildesheini, III IKiC). 1722. \' I KU I. 
IV 638, 1155, 726, V 314, 715, 719, II 964. — Derselbe, Iiiveiihir der nirhlslaallirlun 
Archive im Kreise Alfeld, unter: Grafeide. I\. .lanickc l "rkundenbucli <lcs 

Hochstifts Hildesheim, I 63, 67, 69. — A. 11. Lünt/.el. Die liaucrliehen ],ask-ii im 
Fürstentum Hildesheim, S. 189. — W. Mithol'f, Kunsldenkmäler III. \. Peters. 
Inventar der nichtstaatlichen Archive im Kreise Gronau. S. 14, 21. .\. Seiden- 
sticker, Rechts- und Wirtschaftsgesciiichlc norddeutscher I-"orsten 1. S. I(l3. — 
P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 107 i'f. 

Quellen: Alfelder Landrafsarchiv: Win/.cnbniger Ijbrcgister xon ir)78: 
ebend.: Fach 334, 9. — Schloßarchiv Wrisbcrglndzen: Aktr Ixli-. Hurt^ in (rralelde. 
— Staatsarchiv Hannover: des. 83 Consist. 11. Nr. 2042. (irari'idcr Schnlclirdnik. 

Abbildungen: Graff a. a. O., S. 490. 



I5t'^(■h^elhun< 



Der ürtsiiame, iiiiriühcii Miüelallcr auch ,,(iiarhr". ,,(irari()ir' ^'naiiuL, Gest-hiclite. 
scheint mit dem Wort ,,Grab'' ziisammenzuhäni>en. Nacli <kii ältesten 
Nachrichten hatte das Hildesheimer Michaelisklostcr liici- um lO'i'i I>e- 
sitzungcn. Anch das Moritzstift in Hildeslieim und das Kloster l>ams|)iin^e 
waren liier begütert, wie Nachrichten ans den .Iahten 1297 und l.')l() 
ausweisen. Andere (Iruinlherren waren die w Sleinl)(,'rg (l.'i31 IT.) und die 
v. Wrisberg (Erbregister von 157(S), die hier einen ,,Sa[lelh()rf (.,l)Urg"", 
,,Burggnt") hatten. 

Die schon vor der Retormalion xorhandene Kapt'lle war stets l'"ilial 
von Adenstedt. 

Das Dorf hatte 1701: 115 Kiinvohner, 11)25: 2:V.\. 

Die Kapelle, etwa 1() in im Innern lang, 5,80 m hit'il, ist in versehiedenen Kapelle 
Bau])erioden errichtet (Abb. 14 1). Der gotische (dior ist laut Insehiiflstein 
an der Südostecke im Jahre 1512 erJ)aut (Abb. 1 15). l ider der ». 
Jahreszahl das nebenstehende Steinmelzzeichen. Mauerwerk: Hruch- ,M 
stein mit einbindenden Werksteineckeii. Chor im Osten mit i'iiu'm ^ ^ 
einfachen, im Süden mit einem Fensler, dessen Xasenweik \(»n Hnndi)(")gen 
eingefaßt ist, im Norden ein einfaches HnndbogeidVnstei': iiider dem Ost- 
fenster eine mit Halbkreis geschlossene Nische. Soeki'l- und I l.innlLiesims 
sowie die Fenster aus Sandstein. Das vielleicht ;ius ronKinischer Zeil 
stammende Schiff hat seine jetzige h'orm im wt'sentlichen in der iTslen 
Hidfle des bS. .Jahrhunderts erhallen. .\m geraden Sturz di's I-". rd gesell ol.!- 
fensters nel)en den 1 Jnchstalien I. F. die Zahl 1729. (.\in IJalkiwi vor 
dem halbkreisförmigen JVennbogen zwischen Seliiir und Chor die Jahres- 
zahl „ANNO 1753"). 

Die Schiffswände, etwa 1,10 ni dick, ans UrmJisteintMi mit dnnneni 
Kalkmörtelantrag, habt-ii sorgfältig ixJianeiU' h'enstergewiinde, Portal- 



14() 

gewändc aus rotem Sandstein, darüber ein eingelassener Christuskopf aus 
rrühmittelalterliche Zeit (Abb. 145). (Ein ähnlicher Kopf befindet sich 
am Turm der Kirche in Wrisbergholzen). 

Ein Fenster der Südseite ist als Blockzargenfenster ausgebildet, 
ähnlich wie in Ohlenrode. 

An der Westseite sind spiiter zwei kiäftige Strebepfeiler ohne Verband 
vorgesetzt, sodaß sich zwischen ihnen und der Westwand eine 3 cm 




Abb. 111. Kapelle in Graleide; Gruiidriü. (1:230.) 



breite offene Fuge gebildet hat. Der Giebel der Kapelle ist im Osten 
massiv (Abb. 146) und von einem achtseitig gebildeten Knauf und 
eisernen Fähnchen bekrönt, im Westen unterhalb des Krüppelwalmes 




.Vbb. 145. Kapelle in 
Grafeide ; Inschriftsteiii 
und rom. Kopf. (1:20.) 




giSMSrMfn^i^.' 



Abi). 1 Kl. K:iprlle in (.lalrldc 
Oslwaiiil. (l:2:)(l.l 



aus Fachwerk, das mit roten Pfaniieii behängt ist. Dieser Pfanneii- 
behang ist dann, die Strebepfeiler verdeckend, bis zum Erdboden 
heruntergeführt. 

First, Grate und der kleine über dem Quadrat errichtete Dachreiter 
mit seinem achtseitigen Zeltdach sind beschiefert. .\m Helm ein Schutz- 
dach für die Uhrschlagglocke, in der Wetterfahne die .Jahreszahl 1841. 



147 

Das Innere der Kapelle ist mit ocradei- P)alkeii(l('eke iiheideekt. die 
im Schiff sichtbar, im Chor verschalt und ^eputzl ist. im Chor liegen 
noch die alten SolHngplatten. Die Fenster mit llolzsprosseiiwerk, nur 
in einigen noch einfache Hleiverglasungen. 

Am steinernen Pfosten des Kirchhofseingaiiges die .laliies/.;dd l.S()7. 

Der Altartisch aus Stein, mit füid' Weihekreuzeu auf der mit Schräge Altar, 
ausladenden Deckplatte. 

Rehquiengruft an der Vorderseite. An der Südseite eine 30, < 30 cm 
große, 25 cm tiefe Öffnung. 

Auf dem Altartisch steht ein spätgotischer Altarschrein von beson- 
derer Schönheit, der 1(S9() von dem Kunstmaler Harald iMiedrich in 
Hannover wiederhergestellt wurde. An der 0,49 x 1,()3 m großen Predella 
sind die 12 Apostel mit Attributen sehr sauber in Öl geinall. in der 
Mitte eine Monstranz (Abb. 117). 

Von links nach rechts stellen die Figuren dar: 

1. Bartholomäus (Messer); 2. Thomas (Lanze); 3. Matthäus (Schwert); 
4. Andreas (Andreaskreuz); 5. Johannes Ev. (Kelch); 6. Petrus (Schlüssel); 
Monstranz; 7. Paulus (Schwert); 8. Philipi)us (Kreuzstab): 9. .lacobus 
min. (Walkerbaum); 10. .Judas Thaddäus (Keule); 11. Simon (Säge); 
12. .lacobus maj. (Pilgermuschel am Stabe), darüber der (heigeteilte, 
reich geschnitzte und bemalte Altarschrein. 

In der Mitte unter einem zierlichen vergoldeten Hankenweik in durch- 
brochener Arbeit Maria mit dem Kind im Strahlenkranz auf der Mond- 
sichel, vom Beschauer links St. Katharina mit dem Rade, rechts die 
heilige Elisabeth, neben sich einen Knaben, in dessen Almosenbüchse sie 
eine Gabe wirft. 

Auf den Altarflügeln l^afelbilder, links die heilige Anna selbdritt, rechts 
St. Barbara neben einem Turm, in dessen Fenster eine Monstranz sichtbar 
ist. 

Bei geschlossenen Flügeln erscheint die Verkündigung in Öl gemalt: 
links die heilige Jungfrau, ein Buch lesend. Im Spruchband in gotischen 
Kleinbuchstaben: ,,Ecce ancilla domini fiat ndchi s(.'cu(hi verbu tun", 
rechts Engel mit Schwert (Gabriel), im Si)ruchl)anil : ,,Ave gncia plena 
dns tecum est", 

Bekrönung: Ki'uzifix mit O..")!) m hohem I\orj)ns auf gut gezeichnetem 
Holzkreuz. Der 1926 nochmals instandgeselzte. farbige Schrrin enlslaninit 
dem Ende des 15. Jahrhunderts. 

Von einer alten Em})ore ist noch ein 2,05 m langes, 12 cm hohes l)i'ett llmporc. 
auf dem Boden, als Schalbrett dienend, vorhanden, mit den aufgenialti'ii 
Worten (Barockschrift): ..bSOl Ist diese Prieche zni- I-Jiic Gottes vei- 
macht". 

Taufstein, etwa 1 lu hoch, aus Sandstein, achlseitig. am Obei'teil Taul'stcin. 
in drei Zeilen die Insehrift: „ANNO 1662 PAS4X)RE HAPIISUC HOC 



148 




Al)l). 1 IT. Kiipclli' In Ciülfldc; .\ll;iiM.lii(iii. 



1 10 

IX IIOXOR DEI / HANS HAMAN SEN DX: .lACOHO SCHÜTTEN 
DIACON / HANS HAMAN .JUN: M. TILEIA (lEWEN 3 TALEH" 
(Abb. 148). Am Fuße die zwei in Abb. 148\vie(leri>eoebeiK'n Steininetzzecheii. 

Das Taufschüsselcheii, c 12 cm, 5.5 cm hoch, aus Zinn, mit zwei zier- Taufscluisscl. 
liehen Handgriffen, ist etwa Ende 18. .lahrliuiKlcrts angefertigt. 

Es sind zehn Leuchter aus Zinn vorhanden, die teilweise in einem Wand- .Vltarlciu-liter, 
schranke stehen. Zwei davon, 17 cm hoch, sind denen in Sellenstedt ähidich 
(Kandelaberform). Inschrift am Fuß: ,,GRAFEL". Zwei Leuchter, ein- 
facher als die vorigen, 37 cm hoch, mit rundem 1-^iß. Zinnzeichen 
von 1805. Drei Leuchter, 20 cm hoch, als Huiidsiiulc aul' l^iß von 



-4 — ^ 
R' iHAN^HAIAl 




C 




i i i " i "" i 



.\J)b. 148. Kapelle in Grafelde; Taufstein. (1:20.) 
Steinnietzzeiclu'H vom Taiifsteinfiiß. (1:2.) 



11,5 cm 0. Ein Leuchter. 26,5 cm hoch, Fuß :: ILO cm, Dockenlorm. Zinn- 
zeichen von 1749. Zwei Leuchter, 18 cm hoch, auf AchteckfuÜ. idmlich 
denen in der Kapelle des St. Elisabethhos])itales in Alfeld. Ziniizeichen 
vom Jahre 1719. 

Kronleuchter, Bronze, sechsarmig. .■ rund (Klein: zwiite Ihdtte des Kroiilouihlcr. 
16. Jahrhunderts. An den Armen hängen sechs etwa 20 ein im 1 )ui(hniessfr 
große Bronzeringe (Abb. 149). 

Läuteglocke im Dachreiter, o 63 cm. An der ilaul)e ein Kranz, (.locke, 
darunter in vier Zeilen, die obere Hälfte des langen Feldes einnehmend, 
die Inschrift: „ANNO 1650 HATT DIE GEMEINE ZU GRAFFEL 

DIESE GL(X:KEN Zr ehre GOITh:S GIESSEN LASSEX / 

IHR PASTOR IST (lEWESEN: BARTHOLOMAEUS BARGMAN 
HILD. ALTERLEUTE HANS STOFFREGEX (.1 IRISTOFFEL / 
OSSENKOP. DIE ELTESTEX MEXXER IIAXS P.RIXCKMAX 
HAXSCLAGES HANS MEIER HÄRMEN VOLMER IIEXXI Sl.APKH 
HANS HAMANN. GOS MICH MEISTER IIENNI LAMPE IN IIIL- 
DESHEIM". 

20 



150 

Abend- Kelcli, silbern, innen vergoldet, Höhe 18,5 cm. Sechspaßfuß, Paßbcii^en 
niahlsgcräte. ^.,.^^.j^ 10,8 cm. Am Fuß dngravierl : „ANNO 1662 ANNA rm 
MOLLEN, HANS ACHILLES. S. N. WITWE", und in Klein- L^ 
bnchstaben: ,,wii>1 191oth. llthalß S.". Goldsclimiede/AMchen : ^US' 

Palene, silbern, 12,3 cm, mit Weihekreuz. Inschrift: ,,Hogrefe 
.lacol) Evensen, Angneta Maria Kniggen I. E. Ehe Anno 1662". 



9 




Al)l). 1 l'.l. Kiipcllc in Grafclde; Kroiilciiclilcr. 

Weiiikaniie, Zinn, in Form eines I)eckelscho|)j)eiis, 18,5 cm hoch, 
S) cm. Inschrift: ,,Conrat Soffregen, Andreas Soffregen 1717". Zinn- 
zeichen von 1749. 
Vasen. Zwei Stück genau wie in (icrzen, aber stark beschädigt. Steingut aus 
dei' ehemaligen Wrisbergholzenschen Töpferei. 



Graste. 

Kirche, ev.-luth. 



J.ltcTalur: Dcppc, i. XiccttTs. .JalirJ)iicli, l!)2(i, Nacln-iclitcMi])lat l. S. .")!. - — 
Tl. Iloogiweg. l'ii<uii(l(Mi])Ufli des 1 loclislills HiJdcslioini. \'l 71, III ITiKS. — Derselbe 
Inventar der nielitslaatiiehen Areliive im Kreise AH'eld, unter: (Irasle und J.ani- 
sj)ringe. K. Janieke, lIrkundenl)U(li des Hochstills Ilildesbeini, 1 .I.'jN. K. Kay- 
ser, Die rel'orniator. Kirehenvisilat ionen. S. 220. • — A. II. Liinizel. Die bäuerliehen 
Lasten im Fürstentum 1 lildeslieim. S. (ü). l)ersell)e. Die iUtere Diözese Hildcsheini, 
S. 273. — W. Milbutr. KimsIdenlviniUer III. - - P. (Iratr. C.eseliielite des Kreises 
Alfeld, S. 5BB lt. 

Quellen: l'rk. 808 d. I list. \'ereins tiir Xiedersaelisen. - Alfelder Landrats- 
arc-hiv: Winzenburger Erbregisler von l.")7.S: el)end.: (1 A 1. Nr. 1. - (Iraster Sebnl- 
chronik. - Staatsarchiv Hannover: I,aiiisi)riuge ()r. I(i2: ibeiid.: des. ,s:; Consisl. 
H 2(Mr). 

Abbildung: Mit hoff. Tat. Hl. 



151 

Ua das Wort Graste Absclilcil'uiii> eines urspriiiiolicluMi ,,("ir;isillii" (icscJücliic, 
= Grasplatz sein wird, so hätten wir hier wegen der lliiduiio .jlhi" i.jne 
Siedlung vor uns, die bis in die Steinzeit zurückreicht. IJie älteste urkund- 
liche Nachricht stammt aus dem Jahre 1172, wo der Name des Grasler 
Priesters genannt wird, zugleich ein Zeugnis dalür, daü damals hereils 
eine Kirche vorhanden war, deren Patronin die ,,l)()niina" von Lani- 
springe war. Die Kirche wird früher oft Kapelle genannt, ist jetzt aber 
„Mater combinata" mit Lamspringe (luth.). Das Kloster Lamspringc er- 
warb hier schon bald nach seiner 
Gründung Besitzungen. Andere 
Grundherren waren die Herren 
V. Wrisberg (1372), die v. Stöck- 
heim (1 l(S8) und die v. Steinberg 
(schon vor 1589). 

Der Ort hatte 1701 : 7(\ 1925: 
318 Einwohner. _i^__, ^^^ 

Die Kirche scheint im .lahre mBÄl . " WL .iJ^H lk'schieil)un< 

1723 erbaut zu sein, wie aus einem 
jetzt im Inneren über der Ein- 
gangstür eingelassenen Stein 
(Sturz, 1,75 m breit, 0,24 m hoch), 
hervorgehen dürfte, dessen In- 
schriftlautet: „JOH. AM 10. CAP 
9. V. ICH BIN DIE THURE: 
SO lEMAND DURCH / MICH 
EINGEHET DER WIRD SELIG 
W^ERDEN : UND WIRD EIN 
UND / AUSGEHEN UND WEI- 
DE FINDEN ANNO 1723". In 
der Wetterfahne am Anfallspunkt 
des Ostwalmes steht die Zahl 
1849. Die letzte Instandsetzung 

erfolgte durch C. W. Hase. Hierbei erhielt die Kirche neugolische Stil- 
formen, auch wurde an der Südseite eine kleine Sakristei in Backstein an 
das in Bruchstein errichtete Schiff angebaut. P'enster und Tür der 
Sakristei ähnlich denen des Schiffes, aus Sandslein (Abb. 150). 

Das Innere ist zum grö(3ten Te\\ durch Emporen verbaut, mit llolz- 
tonne abgeschlossen, auf welche vergoldete Holzsterne genagelt sind. 
Drei Balken als Anker laufen in Höhe der J'raule durch das Innere. 

P\ißboden unter den Bänken Backstein, im Mitlelgange Sollingplatten. 

Das Mauerwerk des Turmes ist älter als das vom Schilt, vielleicht aus iurm. 
gotischer Zeit. Turmhelm Anfang des 20. JahrhuncU'rts nach Zerstörung 
durch Blitzschlag teilweise neu bebaut. Glockengeschoß in achli'ckiger 




Abb. l,")(t. Kiiflic in (iia>>le. 



Altar und 
Kaiizfl. 

Altark'uchlcr. 



Kroiilt'iulitcr 



152 

Gruiidroriii aiii' quadialischein riiteihau (Hriichsleiii), lk'linp\ rainide 
im unleren Drittel geschweift, hölzernes profiliertes Traufnesimse. 
Dachdeekuiii^ vom Turm und Schiff i^rauer Schiefer auf Schaluni». 

Allai" und die an der Südwand siehende Kanzel slaminen aus dei" 
Zeil der Inslandsetzung durch ('.. W. Hase. 

Zwei Altarleuchter, aus Bronze, 29,5 cm hoch, h\iß r' 15,5 cm, in 
Haluslerform, sind um 1700 verfertigt. 

Der Kronleuchter aus I^ronze, o 0,(iO m, trägt zweinud sechs Arme 
übereinander. Doppeladler i)lastisch, an den Sförmig gebogenen Armen 
l)elj)hint': fünf Zierglieder zwischen den Ai-mreihen, idiidich wie am 




Alil). löl. Kiiclie in Graste; Kelch. (1:1.) 



r,]()C 



Abcnd- 
niahlsgcrätc. 



Leuchler in Sellenstedt, An der Kugel: „CORDT WUNDENBARCH. 
ILSABE BEYS, D, D.", Erste Hälfte 17. .Jahrhundert, 

Die Läuteglocke, 1,09 m, zeigt an der Haube ein Zierband, wie es 
an den Beckerschen Glocken häufig vorkommt; am langen Felde die 
() cm hohe Inschrift (Hand): „PASTOR STEPHENSEN KLOKKEN- 
GIESSEB / BECKER IN HILDESHEIM, KANTOR HILDE BRAND. 
ALTARISTEN LOOK, SCHNELLE, LOOK / UND BORCHERS, 
BAUERMEISTER SCHNELLE / UND HAMAN CHRISTIAN LOOK 
HAT 5 THALER GEGEBEN / PFINGSTEN 1798". An der Gegenseite 
(Hand): „WIE EINST POSAUNEN HALL Zl'M OPFERN / RIEl^^ 
ZUM HÖREN — SO RUFET JETZT / MEIN SCHALL ZU HÜRlvN 
lESU LEHREN / KOMT EVANGELISCHE, MW ANDACHT — / 
VOLLEM GEIST UND HÖRT AUS GOTTES WOBT WAS CHRISTUS 
EUCH VERIIEIST!". 

Die Al)en(imahlsgeräte werden beim Lehrer aufi)e\vahrl. 

Kelch 17 cm hoch. Knppa 10, fi cm, silbervergoldet, Vergoldung 
abgängig (Abb. 151). Fuü rund, mit Weilu'kreuz, Schaft ins Sechseck 
übergehend. Unter und über dem Pomellum in golischen Kleinbuch- 



Stäben: „ihesus" und „maria"', stark l)eschädigt, außer ('iel)rauch, 
um 1400. Ältester Kelch im Kreise. 

Patene zum Kelch £>ehörend, 15,3 cm, silbervergoldct. mit Weihe- 
kreuz. 

Ein weiterer Kelch silbervergoldet, 27 cm hoch. K'uppao 13 cm. Fuß 
mit geschweifter Umrißlinie. Vom Rande entwickelt sich in gewuiKk'iier 
Form der sechsseitige Stiel. Knauf birnförmig, gewuntk'ii. it r j ^^ 
Unter dem Rande eingraviert : ,, Tempore Pastoris .7. M. 1 lirsch. \fn^j | |R) 
Aö 1769". Goldschmiedezeichen nebenstehend. ^6/ UjJ^ 

Ein Weinkännchen, 13,5 cm einschl. des Deckels hocli, <S,'2 cm, \\\\n- 

aus Zinn, Entstehungszeit etwa Ende 18. .Jahrhundert. Zwei (ilaskannen '-^'"""l'^"- 
stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. 

Ein beschädigter Taufengel, 1,10 ni hoch, liegt zurzeil in dei- Ulir- Taurcii^fcl. 
kammer. 

Die Taufschüssel, c 23 cm, 5,8 cm hoch, in Schalentoi ni, aus Zinn, Tiuitsrlüisse 
gehört der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an; schlicht. 

Die Friedhofsmauer ist zum Teil alt; in ihr als Baumaterial ver- I'rifdliof. 
schiedene Grabsteine vom Ende des 18. Jahrhunderts. Besonders be- 
merkenswert ein 0,66 m breiter, 0,34 cm hoher Stein, der im Bogen die 
Inschrift trägt: „JOBST BACKHAVS / OPPERMAN ANNO 1596", 
ferner ein 0,74 m breiter, 0,19 m hoher Stein mit der Inschrift: ,,DISSE 
RODEN ZV MV / REN HEFT HENNIGE / LVCKMAN BEZALT". 



Großfreden. 

Kirche, ev.-luth. 

Literatur: Bariug, Diplom, iniscell . . . clavi> XXXIII, S. 507, .")()!). — 
H. Böttger, Die Brunonen, S. 217. — Deppe, i. Nicdersächs. .Jalu-])., 192(), 
Nacliriclitcnblatt, S. 53. — R. Doebner, Urlvunclenbiuli der Sladl ilildesheini, 
V 489. — C. Greiffeuhagen, Die festen Häuser in und l)ei (Irol.i- und Kleiulreden 
i. Niedersaclisen, 1917, S. 52. — W. Gusinaun, Wald- und Siedhuigsiläche Süd- 
hannovers, S. 104. — Freih. J. Grote, Verzeichnis wüster Ortsrhatleu. S. 3, 7, 8, 23. — 
J. Chr. Harenberg, Historia eccl. Gandershemensis, S. 1577. II. Hoogeweg, 

Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheini, II 102, IH20, 109 1. 1\ 1 l.!C.. 107, 639, V 202, 
III 2S5 ff., 8 12, 942, 1097, VI 148. — Derselbe, Inventar der niclUstaaliichen Archive 
im Kreise Alfeld, unter: Großfreden und S. 57. — Zweiter Jahresbericht für Kunst 
und Natur, Hildesheim. — K. Janicke, Urkundenl)uch des Hochstifts Ilildesheim, 
1 103, 111. 113, 387, 390. — K. Kayser. Die reformator. Kirchenvisitationen. S. 222. 
— K. L. Koken, Die Winzenburg, S. 132. — 1. L. Lauenslein, Historia Diplom. 
Hildesiensis IL S. 282. — A. H. Lüntzel, Die bäuerlichen Lasten im Fürstentum 
Hildesheim, S. lS9ff. — Derselbe, Die ältere Diözese Hildesheim, S. 242. — A.Peter^. 
Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim 11. S. 214. .Jos. Machens, Die 

Archideakonate, S. 42, 29. 57. — W. .Mithoff, Kunstdenkmäler HI. - Derselbe, 
Inventar der nichtstaatlichen Archive im Kreise Gronau. S. 39. 21. 40. - Huddrff. 

21 



154 

Das AniL I.auenslcin i. Zlsclir. des Ilislor. Vereins, 1858, S. 311. — A. Seidenstickcr, 
Rechts- und Wirtschaftsgeschichte norddeutscher Forsten I. 105. — P. Graft', 
Geschichte des Kreises Alfeld. S. 399, 41 fi ff. 

Quellen: Havemann, Über die Herren v. Vredcn i. d. v. Ol'ynhausen'^clu•ll 
Sammlung im Histor. Verein für Niedersachsen. — ^ Alfelder Ephoralarchiv: unter 
GroÜfreden, Pfarrhaushau. — Alfelder Landratsarchiv: Winzenburger Erbregister 
von 1578 und das im Staatsarchiv: des. 74; ebend.: C A 1; C A XI 3, Nr. 4; A F 11 ; 
älteres Repertorium I, S. 483, 465. — Staatsarchiv Hannover: Hild. 76, 1: ebend.: 
Mild. Landesarchiv, I 82. Tl.. 3. Abschn., Nr. 152: ebend.: I 36, Abt. T. Nr. 28. Kopf- 
schatz ]()64: ebend.: Lal. Er. des. 10-^". — Schulcbronik von ( rrolürcdcii. 

Abbildungen: Greiffenhagen a. a. O. — Graft a. a. G. 



Geschichte. runde aus der Hronzezeit Meisen auf selir frühe Ik'siedlun^ hin. Die 
älteste urkuiidüche Nachricht von ,,Fredenoir' staiiiiiü aus dem .lahre 
1068 (s. alij^. 'IVil). Grundlierr und Kirchenpatron war der Landesherr, 
also der ßischof, doch zeitweise (1180 — 1296) das Kloster Marienrode, 
auch die Herren v. Freden 1317 bis vor 1101, als deren Stammsitz der 
noch heute ,,Alte Burg" genannte Muschelkalkhügel hinter dem Dorf 
angesehen wird. Doch sind von einem Burgsitz kaum noch Überreste 
vorhanden. Dagegen sieht man noch deutlich (he Mauerreste des ehe- 
maligen bischöflichen ,, Festen Hauses" auf der Muschelkalkklippe beim 
östlichen Dorfeingang rechts der Leinebrücke, unweit der alten Zeiiiit- 
scheune von 1739. Andere Grundherren waren die v. Steinberg (Erb- 
register 1578) und vielleicht auch (he v. Dorstadt (1271). 

Eine Kirche, im Mittelalter auch bisweilen ,, Kapelle" genannt, war 
bereits 10()8 (s. o.) vorhanden. 

Das Dorf hatte 1701: 331 Einwohner, 1925: 1895, einschl. des Hiller- 
gutes Esbeck. Die ältesten Nacinichlen üi)er Esbeck sind unsicher, da sie 
sich zumeist auf Esbeck bei Mehle beziehen dürften. Doch sind seil ].')89 
sichere Nachrichten vorhanden. Es hiel,{ (himals auch Esemke und ge- 
hörte (k'u v. Rauschenphil, den v. Shickheim (1()()9), v. Sehwieeiu'it 
(1618), Schottelius (1659), aus deren Zeil (his 1 lerreniuuis slamml. \. Heden, 
jetzt V. Allen-Linsingen. 
Ik'sclui'iiuing. \'on einer millehdterhciien Kirche in (iroLtfreden ist nur nocii der 
Wesllurm eriudten. Vor Aufführung dieses Turnu's mul.i in ( lioLifreden 
eine allere Bauaniage vorhanden gewesen sein, denn im Mauerwerk sind 
Hauglieder aus der Zeit des romanischen Stiles eingebaut (S;iulenschäfle. 
Steine mit Schachbrettmuster n. a.). Der jelzl voriiandene Turm ist üi)er 
einem Geviert von 7 m Seitenlänge hochgeführ! und mit hölzernem Turm- 
helm abgeschlossen. Überleitung vom Quadial zum gedrehten Achleck 
durch Eckgrat. Deckung mit Sandsteinplatlen. auf der Spitze eine Kugel. 
Seil 1928 befindet sich am Helm ein Glockt'nausban und ein Zifferblallerker. 

Der Anbau des Schiffes über eiiu-m Hechleck von 25,5 12,5 m er- 
folgte in den .Jahren 1818/19 in Sellerdolomil, wobei gleichfalls Steine 



155 

der alteren Kii'che ^vieder verwendet sind (AI)]). 152). Anl.ienpntz .i^latt, 
graugelb. Fenster, Portalgewände, Soekel nnd (lebändekanten ans 
grauem Werkstein. Gewände schwach profiliert, der Stnrz als 
gedrückter Bogen ausgebildet; das rund 30 cm hohe prol'ilierte IlanpL- 




Abb. 152. Kirche in Großfiedcn; Criindriß. (1:250.) 



gesims besteht aus Holz. Das Dach ist nach Osten abgewalmt und mit 
roten Pfannen gedeckt, First und Grate mit Sandsteinplatten. Ibihe 
des Schiffes bis zum 1^-autgesims mnd 6,50 m. Das Innert' wird dnicli 
eine Segmenttonne aus Holz übei'deckt. Schlichte Fmj)0!en an dei' West- 
wand sowie an der Nord- und 
Südwand etwa bis zur Hälfte des 
Schiffes (Abb. 153). 

Das ander Südseite befindliche, 
mit schwach profilierter Um- 
rahmung versehene Portal ist dem 
am Turm der ev.-luth. Kirche in 
Lamspringe ähnlich. Über kräf- 
tigem Profil am Sturz auf rotei- 
Sandsteintafel die Inschrift: 
„AUSPICHS ; AUGUSTISSIMI 
AC POTEXTISSIMI PRINCIPIS 
AC DOMINI — DOMINI / GP:- 
OHGII III / BRITAXNIARFM 
HANNOVERAEQUE REG IS 
DEFENSORIS FIDEI / DUCI 
BRVNSVIGENSIS LUNEBIRGEXSIS 
MEGAFREDEXSISCLEMENTISSIMI; 




.\i)l). 153. Kiii-hc in C.ioülrcdcn ; Oiicr M-hiütt. (1 



PA TROX I i<:(:(:lp:stap: 

TEMPLFM HOC IX GI.OHIAM 
DEI OPTIMI MAXIMI EXSTRUCTUM EST / ANNO SALI llS PER 
CHRISTUM RECUPERATAE M 1) CCCXIX , .IOAXX1-: 1- K II )b:H ICO 



l\)rtal. 



15(5 

MASENBALG, PASTORE / JOANNE ANDREA BESTIAN, HENRICO 
ANDREA / MENNERE PROVOSIRIBUS / JOANNE HENRICO 
SCHLOTEN PRAEPOSITO LOCI /". Darüber Urne aus rotem 
Sandstein. 
AUar mit Der Altar erinnert in seiner Form an den in Hari)arnsen. Die über 

Kanzel. ^|^^^^ Altartisch vorgekragte Kanzel wird von je einer kleinen und einer 
großen Säule beseilet; am Sockel der inneren Säulen beflügelte Engels- 
köpfe. Über den seitlichen Durchgängen holzgeschnitzte Figuren. Unter 
dem Schalldeckel eine Taube, oben Auge mit Strahlen. 
Alturli'iuhli r. Zwei Bronzeleuchter, der Form nach aus dem Ende des 16. Jahrhunderts, 
35 cm hoch, oberer Tellern 15 cm. Zwei Messingleuchter auf 
quadratischem Fuß mit walzenförmigem Schaft, 23 cm hoch, etwa 
Anfang des 19. .Jahrhunderts. 
Tiuifsehüssel. Die schlichte Taufschüssel aus Zinn, 28 cm, 5 cm hoch, entstammt 
der Mitte des 18. Jahrhunderts. 

Glocke. Die Läuteglocke, 1,30 m, trägt an der Haube eine Eichenblat tränke 
und die Inschrift: „GEGOSSEN VON SIEGMUND LANGE IN HIL- 
DESHEIM IM .JAHRE 1836", darunter ein 6 cm hohes Ornament in 
Form eines Tuchgehänges. Am langen Felde: ,, SELBST EMPFINDUNGS- 
LOS ERREG / ICH IN FÜHLENDEN SEELEN / HEILIGE LIEBE 
UND SCHMERZ / SCHRECKEN UNI) WONNEGEFÜHL", auf der 
Gegenseite dasselbe in lateinischer Sprache: „IPSA CARENS SENSU 
CORDA / IMPLEO MOLLIA SENSU TRISTI ET AMORE PIO LAE- 
TITIA ADQUE METU". 

Abend- Kelch aus Zinn, über achteckigem Fuf3, Höhe 19 cm, Kuppa :; 10,7 cm. 
mahlsgeräte. p^^^^^ ^^ .Jahrhundert. Der zweite Kelch aus Messing, Kuppa 10,4 cm, 
18. .Jahrhundert?; beide schlicht. 

Die Patene aus Zinn, 12,8 cm, ist ohne Schmuck. 
Die silberne Oblatenschale zeigt zierliches getriebenes Ranken werk 
am umgebörtelten Rand; oval, 12,6 x 10,7 cm. Flöhe 2 cm. Am 
Rande in Schreibschrift: ,,Zur H^hre Gottes Andenken von ZlmWA^i 
F. B. 1811'. Goldschmiedezeichen nebenstehend. WW . ^mi i.5 

Vasen. Als Altarschmuck dienen zwei Steingutvasen, 18cm liocli, weiß glasiert, 
mit Ranken blau bemalt. Unter dem Boden das Fabrikzeichen: F. 
Datierung unsicher; ferner vier Vasen mit Henkeln, aus blauem Glas, 
zwei 28 cm, je eine 29 cm und 25 cm hoch mit eingravierten Inschriften 
in Schreibschrift, umzogen von einem Kranze: ,,Gott allein (üe Ehre / 
.1. H. C. Hennecke den 25. Jan. 1824 / Zur Ehre Gottes gewidmet / 
von Caroline briedericke Henriette Drever". 



IT) 7 

Harbarnsen. 

Kirche, ev.-luth., Gut, ehem. Kapelle, Verschiedenes. 

Literatur: C. B. Behrens, StammJ)auin der Herren v, Steiiil)(T^^, Add.. S. 55. — 
R. Doebner, Urkundenbueh der Stadt Hildesheim, VII (i55, ()73. - J. b'r. Falke, 
Trad. Corbeiensium, S. 4. — Freih. J. Grofe, Die Landbede i. Ztschr. d. Histor. 
Vereins für Xiedersachsen. LS(n, S. .'{(w IT. 11. ll.>;)geweg, Urkundenbueh des 

Hochstifts Hildesheim. VHI 2'A\). t,S<S. Derselbe. Inventar der niehtstaatliehen 

Archive im Kreise Alfeld, unter: Harbarnsen. - A. H. Limtzd. Die ältere Diözese 
Hildesheim, S. L52. — A. IVIeinberg, Geschichte des Klosters Lams|)riii«e, S. 41 ff. 
W. Mithoff. Kunstdenkmälcr III. — A. Peters, Inventare der nichtslaat licluii 
Archive im Kreise Gronau, unter: Brü.ogen. — A. (1. Th. Wcdckind. in ..liole 
a. d. Börde", 1920 ff. — P. Graff, Geschichte des Kreises .MlVld. S. KiS if. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover: Lamspringe ()r. 171, 17!l, LSO: ebeiid.: 
A F 7 1092 Lauenstein II SS; ebend. : Cal. Br. 21 C IV: des. S.'i, Consistoriuni. II 2201. 
— Schloßarchiv Brüggen : Lehnsurkunde von 1589 ff. - Alfelder Landratsarchiv: 
Winzenburger Erbregister von 1578. — Harbarnser ScIiuUhronik. 



Harbarnsen wird z^va^ als ,,Haribernessuni in pa^o Fk-illu'" (Fle- Geschichte, 
nithigau) schon in den Corveyer Überlieferungen um <S22 — 820 erwähnt, 
doch stammen sichere Nachrichten erst aus dem Jahre 12(11. Das 
Dorf wird schließlich Eigentum der Herren v. Steinberg (1159), (he es 
allerdings 1608- -16 18 an die Amtmannsfamilie Burchtorfverpfiinden mußten, 
von der auch die Gutsgebäude neu aufgeführt wurden. Da (hcse h'aniilie 
1618 eine eigene ,, Hofkirche" erbaute, so hatte der kleine Ort hinge Zt-it 
zwei Gotteshäuser. Die eigentliche Dorfkapelle — Filiai \on WolLers- 
hausen — ist schon im Erbregister 1578 erwähnt. Sie wurde 1768 durch 
einen Neubau ersetzt. Im .Jahre 1821 wurden beide Gotteshäuser durch 
einen Erneuerungsbau der ziemlich baufällig gewordenen Hofkapelle 
zu einem Gotteshause vereinigt. Bauausführender war Maurermeister 
Kratzenberg aus Alfeld. 

Der Ort hatte 1809: 209, 1925: 307 Einwohner. 

Die Kirche hat bei 18 m Gesamtlänge eine Breite xoii etN\;i 9,50 in. BcMlirelhunj 
Mauern 1,20 m dick, aus heimischem Kalkbruchstein eibant. außen u.nd 
innen verputzt. Chorschluß außen polygonal, iniuMi fhuhrundbogig. 
Tür- und Fenstergewände roter Sandstein, schwach [)r()filierl (.\j)b. 151). 
Über der Eingangstür (Westseite) eine Steinplatte mit dei- Inschrift: 
„IM JAHRE 182{ / IST DIESE KIRCHE DURCH VEREINBARUNG 
ZWISCHEN / DEM HERRN OBERSCHENK ERNST AUGUST VON / 
STEINBERG UND DER GEMh:iNE HARBARNSEN ZUR (GEMEIN- 
SCHAFTLICHEN KIRCHE EUER DIE / GANZE GEMEINE EIN- 
GERICHTETWORDEN HERR AMTMANN OTTO ALS BAUHERR". 
Oberhalb der Platte ein Rundfenster. Hauptgesims jirofiliert, aus Holz. 
Dachdeckung in roten IM;mncii. h'irsl, Gi-att" und dei' im Westen id)i-i- 
dem Ouadrat errichtete Dachreilei' beschiefcrl . Ib'hn des Dachreiters 



Kirche. 



158 

ins Achteck übcrlührl. Kiit>el, Wetleirahiie mit den Ijuchslahcn H. B. 
A. V. S und der Zahl l.S'il. 

Das schlichte Innere wird durch eine flache Holztonne in m Höhe 
überdeckt. Fußboden S()llin,m)lattenl)ela<>, ('horleil um !(> cm erhöht. 
Fenster horizontal geschlossen, Holzsprossenleilung. 




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Abi), löl. Kirche in riarljarnsen; 
(irunilril,! und Oucrschnitt. (I:2ö(».» 



Allar iiiil 
Kanzel. 



Steinbild 



Allarli'uchlcr 



Kronlouclitor 



Wciliranch- 

«eläU. 



Allar und Kanzel sind ähnlich wie in (iroüfreden ausgebildet. An 
dei- Kanzel vier geschnitzte, wahrscheinlich ältere Figuren (zwei Engel, 
Petrus, Paulus). 

Ein Sandstein, in der Südwand außen eingelassen, 0,75X1 m groß, zeigt 
die Dreieinigkeit und zwei Wappen. Beischriit: „HENRICUS BURCH- 
TORFF, ANNA V. STOLBERGN. ANNO 1618. GELOBET SEY DIE 
HEYLIGE DREYFALTIGKEIT YON NUN AN BIS IN EWIGKEIT'. 

Zwei yVllarleuchter aus Bronze, ?^1 cm hoch, gehören dem Aidaiig des 
19. Jahihundeils an, außerdem zwei Zinideuchter, 32.5 cm hoch, aus 
dem Ende des 18. .Jahrhunderts. 

Der Kronleuchter aus Messing, .; 0,60 m. tiiigt in zwei Reihen übei- 
einander z\v(')lf Arme. Inschrift (Schreibschiifl) : ..Geschenkl von Herrn 
T(')nnies und dessen Ehefi'au Dorothea geh 'l'euue in llaibarnsen 1868". 

Vaw Bauchgefäß, an drei Kellen häiigeud, aus Messing, eiilslamml dem 
Ende des 18. Jahrhunderls (außer Gebrauch). 



15<) 




Al)end- 

malilsf^iTiUi'. 

Kcicli. 



Die Läiiteglocke, 0,83 111, ist am oberen Haiide mit r.aiiki"iitrii\s C.lockc. 
und Palmetten geschmückt, dazwischen die Inscliiilt: ..(lI-lCiOSSEN VON 
.1. H. BARTELS IN HILDESHRIM 1868'-. Am kmoen Fekk>: „VER- 
KÜNDE LAUT DEN BUND DER TAUFE ; RUF UNS ZU KIRCHE 
UND UNTERRICHT / UND TÖNE WENN IN UNSER.M LAUFE / 
DER PILGERSTAB AM GRABE BRICHT'. Auf (k'r Gegenseite: 
„VON STEINBERG PATRON. WTEGAND PASTOR KUUIHEN- 
VORSTAND / G. MEYER. F. MEIBAUM / E. BEYES / E. SIEBKE 
IL BRINKMANN". 

Ein Kelch, silbervergoldet, ILihe 1 7,7cm, 
Kuppa 10,5 cm, Sechspaßfuß, Knauf 
reich verziert, am Fuße eine kleine 
Kreuzigungsgruppe mit Maria und Jo- 
hannes unter demKreuz, außerdem linksund 
rechts die Schacher; ferner ein 29 x 27 mm 
großes Medaillon, das zwei Wappenbilder 
im Kranz zeigt mit den Buchstaben 
H. B. A.V.S, darunter die Jahreszahl 1618. 
An der Unterfläche des Fußes in Bogen- 
form: „ANNA V. STOLBERG HEN- 
RICl'S BURCHTORF" (Abb. 155). Der 
Kelch stammt seiner Form nach aus dem 
Anfange des 16. Jahrhunderts, die Wid- 
mung ist also später angebracht. 

Eine Patene, 13,5 cm, silbervergoldet, ohne Goldsehmiedezeichen. l'atcne. 

Auf dem Gut Harbarnsen (Eigentümer Freiherr v. Cramm-Brüggen) c.ut. 
ist das zweigeschossige, in Eichenfachwerk mit 17 Gefachen an der 
Vorderseite etwa um 1600 erbaute Wohnhaus bemerkenswert. Gefache 
verputzt, Bruchsteinsockel. Vorkragung des Obergeschosses rund (>,.")() ni 
auf reich geschnitzten Konsolen. Fiillhölzer mit Kyma uiul Zahnselmit I. 
Im hölzernen Sturz der Haupteingangstür sind die Worte: ,,0MN1A 
DUCE DEO. HENRICUS. A. L. B. BURCHTORFF. ANNA MAR- 
GRETHA HAGEN" eingeschnitten. 

Die ehemalige Dorfka])elle, auf dem sog. Kapellenbrink im westlichen lOlu-mali^e 
Teile der Ortschaft, ist nach Erbauung der jetzigen Kirche (1821) in ^'^1'^' 
Privathände übergegangen und dient z. Zt. Wohnzweeki-n. Grnndiit! 
quadratisch (5,50 m Seitenlänge). Höhe bis zur Traufe 1.5(1: zweisl()ckig. 
Eichenfachwerk. Ein als Riegel verwendeter, vermutlich einstiger Tiir- 
sturz trägt die Worte: „DIESER BAU IST GEMA(JH IM JAIIH 
ANNO 1768". Am Sturz der Eingangstür die Zahl 1877. 

Die Riedebrücke aus hellem Bruchstein trägt an der Wangr rineii Hic'clcl)riukc 
vielleicht früher als Schlul.'.slt'in verwendeten, 0,33x0,32 ni großru Sliiii 
mit der Inschrift: „ANNO 17'.)7. V. S.^-B.". 



AI1I). 1,55. Kirclio in Harbarnsen; Kelch. 



1 m 

Hausfreden. 

Vorwerk, Burgruine. 

Literalur: Baring, Diplom, niisccll., :ul cd. II clnv. diploni. XXXIII, S. 507, 
501). - A. IkTtrnin, (rcscliichte des liistimis I lildc-slu-im I. S. .'iöO. — G. Bodo, Der 
IJradcl, S. 241 ff. H. D()C'l)ncr. rrkundi'iibiu'li <lcr Stndl I lildcsluini. IH 1."). — 
C. Greiffenhagcii, Die drei festen I läuser in .... (irol.!- un<l Kieint'reden in Nieder- 
sachsen, 1917. S. 52 tr. iM'eih. .1. (liote, \'ei/.eieiinis wiister ( )iisciuiüen. S. 21. — 
]'". Crüntlier. Der Anibergan. S. 52(S ff. ,1. Chr. Ilarenberg, llisl. eeel. (landers- 

heniensis, S. 15.S1, 71.S, O-l.S, <)5I. «SUl , 988. - v. Modeidierg, .Marieiirode. S. ;51(). - 
H. Hoogeweg, Urknndeidincii des lloehstifts 1 lildesiieim. 11 (l.n, 'A'l'l, .')()'.». 1\' 107. 
VI 'M8, 405, 422, \' IM. 2(;2. Zweiler .lahresheriehl lür Kunst und Nalur, 

Ilildesheim, 1846. — K. .laiueke, rrkundenl)n<ii des Hochstift.s Hildesheini. I 121. - 
K. L. Koken. Die Winzenburg. S. 191, 12,"^ A. II. Lüul/.el. Die ältere Diözese 
Hildesheini. S. MI». W. .Mithoff, Kunst<lenkniäler III. ]\Ionunienla Genn. Hist.. 
\'II 872. Ci. 1.. .Müller, Das Lehns- und Landesaufgebol unter Herzog Heinrieli, 

S. 100. 1 1. Sudeildorf, l 'rknndenbueh zur Gesehiehte der Herzöge vonBraunsclnveig 
und Lüneburg. V 78. KW). 17:5, 195, 218, 11 270. und XLII, V 81, 1X238 If., 241, 
2(U), X 159. — Walkenrieder Urkundenbueh. II 1. 'A, 53, 58. 5. G. 187. 30. — 
P. Graff, Geschichte des Kreises Alfeld. S. ;!9(i ff. 

Duellen: 1 laveniann. Die 1 lerreii \ . N'redeii i. d. v. OeNtihausenschen Saninilung 
im Histor. N'eri'iii l'iir Nic'dersachseii. Alfelder I.andrat sarelii\- : \Viiizeiii)urger 

IZ'"])register xon ir)7S. 

A])])iidu ngen : I lart'iilx'rg a. a. (.>.. Talel ."}5. - Greiffenhageii a. a. (). -- Graff 
a. a. (). - (jandeislieimer .Sl iftskirehe, östliche Seiteiikaijelle der Südseile. 



Geschichte. Im .Iniirc ]'A\\ KM? ciwirklcn die 1 Iciiii v. l'"ii'(k'n die l<j-|;iul)iiis, ein 

'/AI \Viii/.oid)iii'^ L*cli(')iij4es Voiwerk noii den Herren v. Sleinhefo. die es 
in Pfan(ll)esllz hatten, einzulösen und hier ein ,, Festes Haus" zu bauen, 
das den Einc;ani^ von der Leine in den Menilhigau beherrschte. Aber sie 
behielten es niehl allzulanoe. Ks wurde an die Herren v. Wettber,^ verkauft. 
Von (Hesen k;iin es ;in die w HecU'ii und wurde \n\\ cht an i'ine Haid)- 
ritterbur^. Alsbahl verbündeic' sieh der Hiseiu)t von Ilildesheim luil den 
Herz()i<en von (irubenhai^en und anderen benaehbarlen Landesherren, 
um die Huro" zu zersiriren. Diest'ui Liiiidnis traten aiicii luehrere Städte 
bei, z. 1^. Braunschweii^ und ("i()ttini<en, das auch ein starkes (ieschütz, 
die ,,i»roteste l^ussen", an (he Hur<>" heranriiiirle. Obgleich dieses nach 
der Aboabe einiger Schüsse barst, konnien die Huroleule docli dei- Lber- 
maehl nicht widerstehen. Sii> sehhii^en sich untei' N'eriuslen dui'cii. Die 
Huri* selbst wurde 1102 zerstört und \ereinbarl, einen Wiederaufbau 
nicht zuzulassen. Die Burgruine' ni'bsl Vorwerk ,,I lausfreden" odei ., Alt- 
hausfreden" fiel an W'inzi'iiburg zuriici< und wird xoii (\vr Doiniine aus 
verwaltet. Die unweit gelegene Wiislung Ollensen ist vielleicht das 1022 
genannte .\lazun (.Macholdessun) im Menithigau. 



ic.l 

In llausiredcii ])i'sl('lil ji'l/.l nur noch eine ninlnnurriclie (irholhinhi^i' r>rsrlirril)mi'. 
mit neueren Gebäuden aus iMclienlaelnverk anl liiucli- i)/\\. Werkslein- '^^'''*^'^''"''^- 
Sockel. 

Am Sehalslall ist iii)er dem iMnlahfl tor die .laineszald 1 7*.)() einii;eliauen. 

Auf einer etwa 2 km siidlieh di-r Orlsehall Kleinfredt'u iiei^eiMlen ll()he lAiiiiu-. 
am reciilen Leineul'er i)erinden sich die spiirMehen I^'sle einer iiidieren 
Burg (Abb. 150). Die 28 x 57 m grof3e, reclileckige Maueranlage war von 






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Abb. l.')!',. Jiiirg-lMcdcii; C.riiiKlril.!. i 1 : l<i(((».) 

einem, zum Teil auch von einem zweiten trocknen Wallgraben um- 
zogen. Von den Gebäuden sind nur noch kurze Stücke der Grundmauern 
zu erkennen, etwas deutlicher der ein 2,70 m im Lichten großer quadra- 
tischer Raum und ein Mauerrest an der Ostseite. Der ungefähr in (U-r 
Mitte der Anlage vorhanden gewesene Brunnen tritt jetzt als runder. 10 in 
tiefer Erdtrichter in Erscheiiuing. 

Ein auf der Burg gefundener Spoiii und ein Fingerring Ijefindi'n sicli 
im Eigentum des Sattlermeisters Otto Heine in Kleiidreden. zur Zeit 
im Heimatmuseum in Alfeld. 



^T52r(lIZ^(s^I]^II(SIl?Ii^^*IP.^^^E«^5?a^ 



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Abb. l.iT. Hm-fi-l'iTtlcn; Inschrift am Finticirinsi. (S:l.) 



Besonders beachtenswert ist der genannte goldene Hing. 2 nmi i)i-eil. linacriing. 
2 cm, mit den Namen: ,, Melchior, Caspar Balthasar'. letzterer Name 
etwas undeutlich in gotischen Großbuchstaben. Anfang des 1 I. .lahr- 
hunderts (Abb. 157). 



162 



Hörsum. 

Kirche, ev.-luth., ehem. Kapelle. 



Literatur: l'"rcili. J. Grote, Die Laiulbede i. Ztselir. tles Histor. Vereins für 
Nieclersachsen, 1861, S. 367 ff. --- W. Heinze, Geschichte der Stadt Alfeld, S. 25. — 
H. lioogeweg, ITrkundenhuch des Hochslifts Hildesheini, VI 1182. ■ — Derselbe, 
Inventar der nichtslaaliichen Archive im KreiseAlfeld, unter: Hörsum. — K. Kayser, 
Die reformator. Kirchenvisilationen, S. 224. .1. ].. J.auenstein. Historia Diplom. 
Hildesiensis II, S. 28.'5. - W. Mithol'f. Kunsldenkmaler HI. - .1. U. D. Starcke, 
Ev. Kirchenstaat, S. 6(5 (Ex. d. Alf. Ephoralarchivs mit hdschr. Zusätzen). — 
H. Sndendorf, Urkundeiihuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und 
Lüneburg I, S. 184, VI, S. 109. — P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 357 ff. 

Quellen: Alfekler Landratsarchiv: Winzenburger Erbregister von 1578. — 
Staatsarchiv Hannover: Cal. Br. 21 C IV 4. — Schloüarchiv Brüggen : Haus- und 
I>agerbu(h des adl. Guts Hörsum; siehe auch die Quellen zu Föhrste. — Schul- 
chronik von Ilörsum. 



Geschichte. Oic licdeiiliuio des in den älteren Nachrielüen sehr verschiedenartii» 
geschriebenen Namens ,, Hörsum" (Haskeszen, Hersze, Hotzem, Hörs- 
hcimh) ist nicht festzustellen. Als GiiindheiT wird 1304 der Bischof von 

Alinden genannt. Die eigentlichen 
Grund - Patronatsherren waren 

(1487 if.) die Herren v. Steinberg, 
die hier auch den noch vorhan- 
denen ,,Edelhof" besitzen. 

Die in vorreformatorischer Zeit 
erwähnte, wahrscheinlich der heili- 
gen Katharina geweihte ,, Ka- 
pelle", schon bei Einfidining der 
Reformation ,,Filiar' von Langen- 
hülzen, jetzt ,, Mater combinata", 
wird nicht mehr benutzt, sondern 
eine neiu\ bSIil erbaute. 

Der Ort hatte 1809: 190, 1925: 
105 Einwohner. 

Die Kirche ist hiut Inschrift 
1831 erbaut. Grundriß rechteckig 
10,65x17,72 m. Kalki)ruchstein, 
Eckeinfassiingen, Fensler und 
4Hirgewände aus rotem .Sand- 
stein. Wandfhichen außen rauh 
ge|)ulzt, die hölzernen 4'rauf- 
nach Osten abgewaiml, mit roten 
Pfannen gedeckt, First und Gi-ale mit Sciiiefer. I)ei- massive 4'ui-in ;iii 
der Weslwand ist oberhalb des Daches dachreiterarlig ausgejjildel, 



Beschreil)unL!;. 
Kirche. 



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Abb. l.^S. Kirdu- in IIoimiiii. 

gesimse profiherl: das Dach 



163 

im Kircheninnern durch zwei Holzsäulen uiiteistiil/,l, die zui^leich die 
Orgelbühne tragen. Oberhalb der Kireheiidecke ist er gaii/ in Holzfach- 
werk hergestellt und beschiefert. Überleitung vom Qua(hat zur aehtseitigen 
Laterne durch geschweifte Flächen. Das unten ebeid'alls kacht geschweifte 
Zeltdach ist durch Kugel und Kreuz bekrönt (Abb. 15(S). Inschrift ül)ei- 
dem Eingang: „Wenn ich zu deinem Hause geh / gieb daf] ich heilig vor 
dir steh". Links und rechts davon „ANNO -- SZ. 1831". In der Ver- 
dachung der Tür ein Steinbock im Kreise, das v. Steinbergsche Wappentier. 











Abb. 109. Kirche in Höi'siim; Kronlouchtor. 



Alt; 
niil 



irwaiid 
Ivaiizcl. 



Das Innere, mit schlichter Voutendecke geschlossen, ist neu bemalt. 
Fenster durch Holzsprossenwerk aufgeteilt. Westempore mit Orgel ohne 
Kunstwert. 

Die hölzerne Altarwand, im Stile der Erbauungszeit der Kirche, trägt 
in der Mitte die Kanzel über dem Altartisch, daneben zwei hohe Säulen, 
die (his kräftige Gebälk stützen. Im Giebeldreieck ein Auge im Strahlen- 
kranz. Links und rechts rundbogig geschlossene Durchgangsöffnungen. 
Verzierung der Wand durch einfache geschnitzte Ki-nnzgewinde und 
Urnen. 

Ein nicht mehr im Ge])rauch liefindHches Kreuz, mit kleinem liölzeiiieii Altarkrouz 
Korpus, vergoldet, zeigt am Fuß einen 'rolenk()i)f, am Untersatz 
griechisches und lesbisches Kyma, vermutliche bjitstehungszeil um ISOO. 

Die Altarleuchter aus Bronze, 25 cm hoch, in Dockentoiin. sind etwa 
um LSOO gegossen. 

Der Kronleuchter aus Bronze, mit zwei Reilien von je (> Armen. 
56 cm, zeigt die um 1700übHehe Form, ist aber später teilweise ergimzt 
(Abb. 159). 



All 



;irlc'uclitc'r. 
tiili'iiclilcr. 



164 

Glocken. Die kleinere Glocke, z M ein, ist unterhalb der Haube mit Hlattkante 
und Ornanientband geschmückt. Am langen P>lde eine Bischolst'igur und 
ein Märtyrer mit dem Doppelkreuz. Inschrifl in gotischen Kloiiiiniclistai)(Mi 
unterhalb der Haube: ,,() rex glorie christe veni cum j)ace + 
vocor katherina + ano dni. m ccccc x vi" (Abb. HU)). Die 
Glocke trägt das nebenstehende Monogramm 1 lärmen Kosters. 
Ein Teilstiick des Frieses ist in Abb. 1()1 wiedergegeben. 

Die größere, 65 cm, zeigt am langen bVld Maria mit dem Kinde 
und eine liischofsgestalt. Inschrift in gotischen Kleinbuchstaben unterhalb 






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Abb. 160. 
Kirclie in llörsiim; 
Glocke von 151 fi. 




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Abb. 162. 
Kirche in Hörsiini; 
Glocke von 1531. 



Abb. 161. Kirche in Ilörsiini; 
Einzelheit der Glocke von 1516. 



der Haube: ,, Maria vocor -•- Braut Helmes me iecitanno dom. in ccccc 
XXX im" (Abb. 162), außerdem das nebenstehende Meisterzeichen. 
Grabstciiu". Neben dem Eingang zur Kirche stehen zwei Grabsteine aus den .Jahren 
1(S11 und 1(S17 mit Farbspuren. Grund WTiß. Schrift schwarz, Hand 
dunkelgriiii. Eckzierate hellgiiin oder gelb. 

Taufstein. An gleicher Stelle ein ausgehöhlter Stein, halbkugelig, außen (S I cm, 
innen 61 cm, Höhlung 3(S cm tief, ohne Kunstform; ehemals ein Taufstein. 

Eliemalige Das Haus Nr. 38 trägt die .Jahreszahl 1730, birgt aber romanische 
Kapelle. ß^>^^^. y^^^ ebener Erde ein gew^ilbter, jetzt als Iveller benutzter Raum, 
ehemals Kapelle, quadratisch, 1,20 m Seite. Kuppelartiges Gewölbe 
aus Kalkbruchstein, rippenlos. Gratansatz 50 cm über dem Fußboden. 
In der Südwand ein romanisches lUindbogenfensler .33 cm breit, (SO cm 
hoch. An der Westwand eine spitzbogige Nische, im Osten eine solche 
mit gedrücktem Bogen. Mauerstärke etwa 80 cm. Dei- iMißboden. jetzt 
betoniert, hatte früher Sandsteinplattenbelag. 



165 

Hornsen. 

Ehemaliges Vorwerk der Winzenburg, jetzt Domäne. 

Literatur: Hannov. gclclirt. AnzciiiicMi, ITöii. S. 1 1 Iti. - K. L. Kokon, Die 
Winzenburg. S. 117 und Urk. VIII. — (i. Ochr, Lündl. Vorluiltnisse im Herzogtum 
Braunschweig-Wolfenbüttel, S. 21. — C. Schuciiardt, Atlas vorgeschichtl. Befesti- 
gungen, Heft III und IV. A. Seidenstickcr. Rechts- und Wirtschaftsgeschichte 
norddeutsclier Forsten I. S. .'^87. Sommer in ,,Bote a. d. Bör(k'". — P. Graff, 

Geschichte des Kreises Alfeld. S. 1(17 ff. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover: Lamspringe Or. 22.'). Alfeidcr J.andrnts- 
archiv: Winzenburger Erbregisler von 1578. 



L/as noch 1337 als Dorf bestehende Hornsen (Iloi-oiisen, wohl = Geschichte. 
Sumpfland), ist vor dem Eintritt des 16. .Jahrluiiiderls wüst f>eworden 
und bestand seitdem als Vorwerk der \Vinzen])uro, wnrde aber ItSOl 
selbstständige Domäne. Das ehemalige Dorf gehörte der Famihe v. Stein- 
berg, die noch nach 1607, als es schon längst Vorwerk war, Ansj)ruch daranf 
erhoben. 

Unweit von Hornsen liegt die ,,x\lte Burg" odei' ,,()hlenbnrg", 
eine mittelalterliche, wahrscheinlich (Schnchardt) als Lager gedachte 
Volksburg, von der noch einige geringe Reste vorhanden sind. 

Die Domäne hatte 1823: 63 Einwohner, 1925 ebenfalls 63. 

Die Gebäude der Domäne entstammen zum größten Teil dem 19. .Jahr- Beschreibung 
hundert. Das älteste von ihnen ist der Kuhstall, dessen Dachboden als '^^hstall. 
Kornspeicher diente. Über der einstigen vermauerten Tür steht che 
Zahl 1555. Das Baumaterial ist von der Winzenburg, die damals abgetragen 
wurde, entnommen. Im Laufe der Zeit hat der Stall mehrfache 
Änderungen erfahren (Mauerdicke 1,10 m, Bruchstein). 

Das Verwaltergebäude, in Eichenfachwerk erbaut, lehnt sich au den Verwalter- 
Kuhstall. Es war vor Errichtung des neuen Herrenhauses Wohnhaus des ^^ ''*^'^ ^" 
Pächters. Im Mauerwerk des Hauses ist der alte, 39 cm hohe, 1,09 m 
breite EichenholzsLurz einer Tür eingelassen mit der Inschrift: ,,11 IS • 
MRA • ISPH AD MAIOREM DEI GLO-/RIAM • 171 1:", rcriur einige 
nicht mehr leserliche Buchstaben, vermutlich Aiifaiigshm-hstabeii des 
Bauherrn oder des Meisters. 

Der Schafstall, aus hammerrecht i)earbeiteteti Hruchslciiicn, tragt Sdiafstall. 
über der Einfahrt die Anfangsbuchstaben von Clemens August im Oval 
mit der .Jahreszahl 1727. Die an der Gegenseite befindliche .Jahreszahl 1857 
deutet auf eine Verlängerung des Stalles um etwa 10 m hin. 

An einer anderen Scheune, über dem Einfahrtstor ein Schlulisteiii Scheune 
mit dem Monogramm G. R. V. und der .Jahreszahl 1858. 

Eine Hofglocke, 42 cm, hat unterhalb der Ilaui)e die liisclirift : Glocke. 
„FVRSTLI. HILDESHEIMERSCHE HOEFCAMMER ', begleitet von 
stehenden und hängenden Palmetten. 

22 



166 

Im laiiijen I-VId ein Kriizü'ix, links und ivchls davon Xalurabdrücke 
von Blättern. Inschrilt: „AD MAIOREM ÜKI GLORIAM". An der 
Gegenseite ein Marienbild, gleichfalls beseite! von Hlattabdriicken; 
Inschrift: „AVE MARIA". Am Schlagring: „ANNO 1709- GOS MICH 
HEINRICH LAMPEN IN HILDESHEIM". Die Darstellungen ähneln 
denen an der Glocke im Dachreiter der Kloslerkirche zu Lamspringe. 



Hoyershausen. 

Kirche, ev.-kith., Mühle, Kreuzstein. 

Literatur: Freih. J. Grole, Verzeiohuis wüster Orlschafleii. S. 13, 25. — 
J. Clir. Harenherg, Historia cccl. Gaiulersheinensis, S. 94S. --- H. Hoogeweg, 
Inventar der nichtstaatlichen Arcliive im Kreise Alfeld, uiiler: 1 loyershausen. — 
Kalenbcrger l'rkundenbuch, V 41. — K. Kayser, Die refornialor. T<.irciicnvisita- 
lionen, S. .'^(iO. — G. L. Müller, Das Leluis- und Landesaul'gcbol uiiler Herzog 
Heinrich, S. 552. — W. Peßler, Das altsächsische Bauernhaus, S. 142. — Rudnrff. 
i:)as Amt Lauenstein i. Ztsclir. des Histor. Vereins, 1858, S. .320, 358. 365.— H. Suden- 
dorf, Urkundenbucli zur Geschichte der Herzöge von Braunscliweig und Liuieburg \', 
S. 135, 193. — P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld S. 273 ff. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover: Cal. Br. des. 22 X 19: ebend.: des. 19 XI 
L 17 Laucnstein; ebend.: des. 83 Consist. H 2711 und 2712: e])end. : Cal. Br. des. 2 
Amt Lauenstein 30b. — Alfelder Landratsarchiv H B III 8, Xr. 12. — Pfarrarchiv 
in Hoyershausen: ,, altes" Kirchenbuch. ■ — Schulchronilv von Hoyershausen. 

A])l)i]dun2: Peßler a. a. O. zu S. 142. 



Geschichte. iJvv Name ,, Hoyershausen" = LIaus des Hoyer (Hugo) weist auf eine 
ältere Siedlung hin, aber die erste urkundliche Erwähnung stammt erst 
aus dem .lahrc 1378. 1589 wird der Ort ,,Heierszhausen" genannt, auf 
der Karte von Gigas ,,Heyerssen", auf der von Seniler und Arenhold 
„Heyershusen''. Grundherren waren die Herren v. Sleinberg (1493), 
die Herren v. Stöckheim und vor ahem der Landesheri-, also das Amt 
Lauenstein, später auch noch das Gut Biuid<ensen (1707) und die Eamilie 
V. Kropp. 

Die aus vorreformatorischer Zeit staninuMide, aber fasl völlig umgebaute 
Kirche war der .lungfrau Maria und dem heiligen Land)erl geweiht. 

Der Ort hatte 1818: 333 Einwohner, 1925: 259. 

Dicht bei Hoyershausen zeigt das ,,Sellighäusei' lü-id"" (\\v Stätte an, 
wo das bereils 1589 wüste Seilighausen lag. \'on einer anderen Wüstung 
zwischen Hoyershausen und Lübbrechtsen, nanuMis Schepj)elhausen, ist 
keine urkundliche Naciirichl vorhanden. 
Beschreibung. Im .lahre 1752 ist das Schiff der Kirche erneuert, liauausführende 
nnm '^^''^•'»^'•i Maurermeister König und Zimmermeister RahU'fs aus Hannover. 
Vom alten Bau ist noch der West türm in romanischen Bauformen erhalten, 



167 

doch 1733 und 1766 umgestaltet (Abb. 163). Über eiiuMii Ileclileck 
von etwa 5,30x7,90 m ist der Turm in iirnchslcin liocliiieliUnl und Iräi^l 
jetzt wie das Schiff einen Rauhputzbewnrt. In der Uslwand, in Höhe der 
Glockenstube, befinden sich zwei rundl)OL>i«)e \ermauertc Fenster mit 




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Abi). 1G3. Kirche in I loyershaiiscii. 

nachträglich eingesetzten romanisclien Rundsäulen. Vermutlich sind 
diese früher Mittelsäulen gekuppelter Fenster der Westwand gewesen, 
die beim Einbringen der Glocken (Anfang des 16. .Jahrhunderts) von dort 
entfernt wurden. Zeltdach mit vierseitiger, beschieferter Laterne, Kugel 
und Hahn mit ^i'^»' Toi-.rac7rihi 1803. Schiff rechteckig, im Grundriß Schiff. 




Abb. Ifil. Kirdio ITnvorshansrn : Gninririß. (1:250.) 



11,5x20,5 m (Abi). 164). In etwa 6,50 m Höhe setzt sich das nach 
Osten abgewalmte Satteldach auf, das mit Sollingplatten gedeckt 
ist. Gewände der Türen uiul Fenster bestehen aus rotem Werkstein. 
Die ebene Decke mit WandanschhiUprofil isl gejjutzt. Die Fmi)ore 



168 



Opferstock. 




.\l)l). Ki.'). Kirche in HoyiTshaiison; Oiiersclinitt. (l:2ö()). 



im Westen ist bis etwa zur Schiffsmitte auch an der Nord- und Südwand 
entlang geführt, auf ihr die Orgel ohne Kunstwert. 
Altarwand. Die Altarwand, vermutlich in zwei Bauperioden erl)aul. dürfte die 
jetzige Form Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten haben. Beiderseits 
der ül)er dem Altartisch befindlichen Kanzel eine korinthische Säule 

auf Sockel. Am Gebälk ist der 
Schalldeckel vorgekragt. Im 
Felde des oberen Abschlusses 
ein Auge im Strahlenkranz 
(Abb. 165). 

Der ü})ferstock hinter dem 
Altar, auf achtseitigem Fuli mit 
Engelsköpfen, ist aus Sandstein 
und schwarz getönt, Höhe 1,05 m 
(Abb. 166). Am Behälter die In- 
schriften: „H. JüHAN GHOVh: 
CUM UXORE SUA ANNA 
TORNFRI FIERI FECIT AN- 
NO SALV. 1595", links: „GODT 
BETALLT ALLES S. M.", 
rechts :„GEVET SO WERT IW 
GEGEVEN LUCAS 6. C. G. IL". 
Taufschüssel. Die Taufschüssel aus Zinn, 27 cm, trägt die Inschrift A. C. H. 1712. 
Altarlcuchtcr. Zwei Altarleuchter aus Bronze, etwa 23,5 cm hoch, ;uif drei h'üßeii, 
Mitte 1(). .Jahrhunderts (Abb. 167). 

Zwei weitere Leuchter aus Messing und zwei aus Zinn, 
etwa dem Anfang 18. Jahrhunderts angehörend, werden 
im Schulhause aufbewahrt. 
Glocken. Von den zwei Läuteglocken ist die große alt (1514) 
(Abb. 168). Diese, 1,08 m, trägt unterhalb der Haube 
in gotischen Kleinbuchstaben die zweizeilige Inschrift: 
,,Anno dni m • vCxiii. Mater ave sanctisima virgo maria 
l)artu posl ])artu sicut et ante manens virgo (piem cristu 
l)eperisti lade ducasti nie rege me serva me tueare ])otes 
me tibi coiendo me virgo relinquere uch(?) ne perea x})ö 
funde maria preces härme Koster me fecit" (Abb. 169). 
Am langen Feld Marienbild mit dem Knaben im 
Slrahlcnkranz, ein Brakteatenalxh iick und das Zeichen 
Härmen Kosters. Auf der Gegenseile das Reliefbild des 
heiligen Laurentius mit dem Rost (Abb. 170). Die Glocke 
gehört zu den sclninsten des Meisters (Abi). 171). Am Klitppt'l. ans neuerer 
Zeit, ist unten der Name ,,J. Ossenkop" eingeschlagen. 

Die Uhrschlagglocke, 38 cm, ohne Zierformen, vermutlich um 1300. 



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HIOHANGROVE 
CVM UXORE SVA 



ANNATOiyCRI 



FlERIFECiT 



Abb. ICiCi. Kirche ii 

I lii\ ci^liauscn; 

()l)IVi>l<nk. (l:U(t.) 



IC) 



Der Kelch, silbervergoldet, Sechspaßfuß mitKuppa von 1 1 ,,S cm Durchm., Abend- 
zeigt am Fuße die Inschrift: „Hans Gödeken (Ui. lOthl, «r^ mahlsgeräte. 
Curdt Schnellen dd lOthl Hinrich Brandes dd Mihi Umv. \\^ ^Tl 
Goldschmiedezeichen nebenstehend. -'•'^"» ^*^ 

Eine Patene, o 15 cm, silbervergoldet, ist schlicht. 
Goldschmiedezeichen nebenstehend. 

Der Krankenkelch mit Patene aus Zinn, um 17UU geschaffen. 

Eine alte Weinkanne aus Zinn ist 
vor einigen Jahren verkauft. 

Als Trittstufe vor dem inneren Gral)sleiiu' 
Turmzugang dient ein (Tnd)stein vom 
Jahre 1685. 



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Abb. 167. Kirche in Hoyersiiaiiscii; 
Altarleiichter. (1:1.) 



Abb. 168. Kirclic in Hoyershauscn; 
(Hocke von 1.514. 



Zwei Porzellanvasen, 27 cm hoch, mit Bildnissen von ("hrislus und Vasen. 
Maria im Medaillon, handgemalt, etwa Mitte 19. .Jahrhundeit heigestellt. 




.\1)1). 169. Kirche in I loyersliansen; 'l'cilstiick der (iloekciiiiis^-hrifl. 



Eine Wassermühle, ungefähr (SOO m sudlich der Ortschaft lloyers- Mühle, 
hausen, ist seit etwa 1910 außer Betrieb. Erdgeschoß massiv, aus hammer- 
recht bearbeitetem Bruchstein, pA'ken. Fenstei- und Türgewände aus 

23 



170 

Werkstein. Obergeschoß Fachwerk mit Backsteiiiausmaiieriing. Pfaniien- 
dach. Im Schkißstein über der Eingangstür steht die Inschrift: ,, Mit 
Genehmigung K()iiiglichc'r Landch'ostei zu Mannover / ist diese Mühle 




Abi). 170. 

Kiiclic in I foycrsliaiison; 

Olockcnhild. 

(St. Liuircnlius.) 




.Vbb. 171. 
Kirche in Iloyersliausen; 
Tcilsliic'U vom (Uocticnfiies. 




Abb. 172. 

Mühle bei Hoyershausen; 

Kreuzstein. (1:20.) 



erbauet im .Jahre 1844 /durch / Friedrich Steins / Conrad Gödeke / Christoj)h 
Gasi)aul / Cristiau Vespermann /". 
Krcuzstein. N'or dem Hauseingang liegt ein 1,42x0,57 m großer, schon stark 
abgetretener Kreuzstein (Abb. 172). 



Imsen. 

Kirche, ev.-luth., 



Literatur: .1. Fr. 1^'alko. Trad. Corl)eiensiuin, S. 13. — A. Herbst, Die Heer- 
straf3en Südhannovers, S. lOÜ. — H. Hoogeweg, Urliundenbucli des Hoclistiits 
Hildesheim, VI 100 I. — Derselbe, Inventar der niclitstaatliclien Arcliive im Kreise 
Alfeld, linier: Imsen. — K. Janicl<:e, Urkundenbiieii des Mochstifts Hildeslieim I. 
S. 39Ü. — K. Kayser, Die reformatorisclien Kirclienvisitationen, S. 225. -- W. Mit- 
lioff, Kunstdenkmäler III. — A. Peters, Inventare der niehtstaatlichen Archive 
im Kreise Gronau, unter: Brüggen. — P. Graft, Gcschielite des Kreises Alfeld, 
S. 311 ff., siehe auch die Literatur 7ai Gr(>ßfre<len. 

Quellen: ScJdoßarchiv Brüggen: Lehnsurkimdeii l.")81 ff, siehe auch die (Quellen 
zu Föhrsle. — Böttcher, Gescliichtl. Nachrichten im Imser Pfarrarchiv. — Schloß- 
archiv Wrisbergholzen IV X F. — Alfelder Landratsarchiv: A F 7: ebeiid. : Winzen- 
burger Krbregister von 1578; ebend.: C B II 14. — Schulchronik von Imsen. 

Abbildungen: Staatsarehiv Hannover: Karten I A f 33; ebend.: (Histor. 
Verein) Stich des Pastors Böttcher von Giere. 



Imsen, schon in den Corveycr Überlieferungen als ,,Inin);)iiluis" = Geschichte. 
Haus des Immo „in diicatn Astfala in pago i\ringo" genannt, wird uri<und- 
lich zuerst 1180 erwähnt. Damals war Grundherr das Kloster Bakenrode 
(Marienrode). Von der (^orveyer Grundherrschaft verlautet nichts mehr. 
Die eigentlichen Gruiid- und Falronalshenvn waren ai)er (bereits 1298) 
die Herren v. Steinberg. Andere (ii-uiidlienen, wie die Scliaumbura- 





AIjI). 17o. KircliL' in Imsen; Giumlriß und Qucrsclniill. (,1:230.) 



Lippesche Lehnskurie, die Herren v. Wiislnrg und die Herren v. Sierslorf 
treten weniger hervor. 

Eine dem Urban geweihte Kirche bestand schon in sorretor- 
matorischer Zeit. 

Die Einwohnerzahl betrug 1809: 363, 1925: 327. 

Von einer bei Wispenstein liegenden Wüstung Dorp ElviMi ist niclils 
Weiteres bekannt. Die Überlieferung, daf] Imsen ehedem an einer 
anderen Stelle gestanden hätte, eidhiüt als Wahrlieitskei-n die Talsache, 
dafi einstmals zwischen Großfreden und Imsen im sogenannten Sciiwarzen 
Sieck die 1317 genannte, bereits 1,")7S wüste SiiMJlung Hercingehnst'n 
(Barsihausen) lag. Andere Wüstungen waien: Dotihausen, uiderlialb 



72 



Beschreibung. 



des Tödiiigsbcrges beim Groß! redener Rhöiikrug, ebenfalls 1578 \vüst, 
ferner unweit davon beim Fredener Kalkwerk Riglinghausen, auch 1578 
wüst, desgl. ebenfalls bei Großfreden Echusen, falls es nicht dasselbe ist 
wie das ehedem an der Greener Amtsgrenze gelegene, auch schon 1578 
wüste Eichausen. 

Die Kirche ist über einem Rechteck von 20,40 x 10,30 m im .Jahre 
1758 in Brnchstein erbaut unter Quaderverwendung an den Gebäude- 
kanten, den Tür- und Fensterumrahmungen (Abb. 173). F'enstcr flachbogig, 
Türen rechteckig. Wandflächen verputzt. Traufgesimse aus Holz, etwa 
30 cm hoch, auch um den Westgiebel herumgeführt. Das Dach ist 




Abb. 174. Kirche in Imsen; Inschriftstafcl über dem Eingang; 



im Osten abgewalmt und mit grauen Pfannen gedeckt, First und Grate 
beschiefert. Am Westende über dem Giebel ein achtseitiger beschie- 
ferter Dachreiter in Fachwerk mit Ilolzgesims und geschweifter Haube, 
Kugel und Wetterfahne, die im Kreis den Steinbock mit den Buch- 
staben 1^. V. S. und die .Jahreszahl 1758 zeigt. Am Anfallspunkt des 
Wahnes eine fast gleiche Wetterfahne. 
Westtür. Eine Sandsteinplatte über der W\^sttür, 96 cm hoch. 2 m breit, mit 
"^platte' i'ßich geschmücktem Rahmen, zeigt in der Mitte das v. Steinbergsche 
'Wappen, daneben die Inschrift: (links) „MATT. XI. V. 28. KOMMET 
HER 7X MIR ALLE" usw., (rechts) „BEY KRIEG UND TOD BEY 
ANGST UND NOT SCHÜTZ DU DEIN VOLK O TREVER GOTT. 
TEMPORE BELLI AEDIFICATUM", im Rahmen unten: ..ANNO 1758 \ 
(Abb. 171.) Das Innere der Saalkirche wird in (),()() m Höhe durch eine 
h(")lzeiiie, mit Windelboden versehene verputzte Voutendecke abgeschlossen, 
deren Spiegel mit Stuckleisten von hnlbkieisfiuniigem Profil eingefaßt 
und an den Ecken durch stuckiertes Mnschel- und Bhimenornameiit 
betont ist. An einem Stein der Chorstufe, offenbar von einem allen Grab- 



173 



Kruzifix. 



Altarieuchter. 



Kronleuchter. 



stein herrührend, stehen dic' Worte ,.AM : \VI-:N r • 1-"I{ ■ I • KETLER" und 

die Jahreszahl 1702. 

Der hölzerne Altar, mit der Kanzel verbunden, aus der Erbauungszeit Altar mit 

der Kirche. Beiderseits der Kanzel eine gewundene Säule. Gebälk verkröpft. ^'^^"^^''• 

An der Kanzelbrüstung ein farbiges Flach- 
relief (Kreuztragung). Am Schalldeckel ein 

zierliches Wappen. 

Ein hölzernes, kleines Kruzifix hängt an 

der Xordwand. bemalt. Zweite Hälfte des 

16. .Jahrhunderts. 

Zwei Altarleuchter aus Bronze. 2N cm hoch. 

auf drei Füßen, in der Auffassung aus der zwei- 
ten Hälfte des 16. .Jahrhunderts (Abb. 17.5). 
Außer einem Glaskronleuchter, etwa der 

Mitte 19. .Jahrhunderts entstammend, ist ein 

sehr guter, sechsarmiger Bronzekronleuchter 

vom Jahre 154.5 vorhanden: die obere 

Endigung in Form eines Mannes ausge- 
bildet, der in der Linken einen Schild mit 

Sinnbildern aus dem Schlosser-, Schmiede- 

und Gürtlerhandwerk, in der flechten eine 

Flagge mit den Buchstaben .1. 11. M. — J. I). 

P. R. und der Zahl 1763 trägt. Als untere 

Endigung ein Löwenkopf mit Ring (Abb. 176). 
Zwei Läuteglocken hängen im Turm. 

Die Glocke von 1596, z 69 cm. zeigt 

unterhalb der Haube einen Tritonen- 
fries, in demselben einmal das Lamm 
mit der Fahne im Schilde. Darunter 
zweizeilig die Inschrift: DOMIXUS • 
TILOMAXXUS • MESSORIUS • AB • 
OTTHILEGEX- FAMULUS- / S. JE- 
SU CHRISTI • ME FIERl • P^ECIT • 
AXXO DOM IX I • VIRGIXEI • POR- 
TUS • 96 (Abb. 177). 

Die zweite Glocke von 1760, 
z 75 cm. hat unterhalb der Haube 
einen Akanthusfries und die Inschrift: 
(Hand) „GOSS MICH (Engelskopf) 
CHRISTOPH AUGUSl BECKER 
ZU HILDESHEIM. AXXO 1760-. 

Darunter ein Kruzifix mit drei Blättern (Xaturabdrücke). Auf der 

Gegenseite ein geflügelter Engelskopf. 




Abb. 175. Kirche iri'Imsen ;" 
Altarleuchter 1 ; 4.) 



Glocken. 







Abb. ITti. Kirche in Imsen: Kronleuchter. 
(1: UM 



Abend- 
mahlsgeräte. 



Ölgemälde. 



Grabstein. 




174 

Ein Kelch, silbcrvergoldet, 17,5 cm hoch, der Form nach etwa um 
1500 angefertigt; auf dem Sechspaßfuß ein Weihekreuz; der mit Maß- 
werk geschmückte Knauf mit sechs Zapfen besetzt. An 
der Kuppa, eingraviert, das v. Stcinbergsche Wappen. Gold- 
schmiedczeiclien (bei einer Ausl)esserung eingeschlagen): 
Die Patene, zum Kelch gehörig, aus demselben Jahre, 
mit nebens teilen de in Goldschmiedezeichen. 

Die übladendüse aus Silber, ohne Schmuck. 

lun weiterer Kelch aus Zinn 12.3 cm hoch, (hizu 
eine schlichte zinnerne Patene. 

Die zinnerne Taufschüssel von einfacher Form 
wird nicht mehr benutzt. 

In der Kirche sind vier alte Ölgemälde aufgehängt: 
1. 0,93 X 1,08 m groß (Abendmahl): 2. 1,02 x 0.78 m 
groß (Ecce Homo); beides Leihgaben des Freiherrn 
V. Gramm, aus Schloß Wispenstein stammend; ferner 
3. 42x39 cm (Verklärung Christi); 4. 58 x 42 cm 

.Abb. 177. Kirche in Imsen; /Xi-ai^i^jcfiinft') 

(■locke von löUd. ^ ^ t-> i^^ 

Im Mittelgang liegt ein schon stark abgetretener 
Grabstein des Verwallei's von Wispenstein, .Johann Georg Klapperot (f 17 12). 




Irmenseul. 

Kirche, abgebrochen, Gräfl. v. Görtz-Wrisbergsches Gut. 

Literatur: G. Hoffniann, Die Varusschlacht i. Niederd. Ztg., 1927, Nr. 179 ff. — 
H. Hoogeweg, Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheini. VI 1004. — Derselbe, 
Inventare der nichtstaat liehen Archive im Kreise Alfeld, unter: Irmenseul und 
Wrisbergliolzen. — A. H. Lüntzel, Die bäuerlichen Lasten im Fürstentum Ilildes- 
heim, S. 18'J ff. — ■ Hr. Meibom, Disserl. de Irniensule. 1688. — - A. Meinberg, Ge- 
schichte des Klosters Lamspringe, S. 41 ff. - - W. Mithoff, Kunstdenkmäler III, 
S. 188. — C. Schuchardt, im Preuß. .Jahrb., 1904, S. 245 ff. — A. G. Th. Wedekind, 
in „Bote a. d. Börde", 1921, S. 66. — P. Graff, Geschiclite tles Kreises Alfeld, 
S. 472 ff. — Derselbe, Die Herren v. Stöckheim im ..Ilann. Magazin", 1928, siehe 
auch die Literatur zu IJmmer und Wrisbergliolzen. 

Quellen: Urk. Nr. 817 des Histor. Vereins für Niedersachsen. — Alfelder 
Landratsarehiv: Winzenburger Erbregister von 1578; ebend.: C All und A D 3; 
ferner: G A XI 3, Nr. 4; ebend.: Fach 363, 2. — Schloßarchiv Wrisbergliolzen IV, 
Abschnitt 3 B. ■ — Schulchronik von Irmenseul. 



L/er Xame Irmenseul wird immer wieder, auch von neueren Forschern 
Geschichte. (Förstemann-Jellinghaus, Schuchardt, Iloffmann) ii-gendwie mit der 
Irmensäule und auch mit der Hermannsschlacht in Verbindung gebracht. 
Urkundlich wird das Dorf merkwürdigerweise erst 129.S erwähnt. Damals 
waren die Herren v. Steinberg in ,,Krmeiisulle" begütert. Schon im 
15. Jahrhundert gehörte das Doif den Herren v. Slöckheim, die hier auch 



175 



ein Gut besaßen, es kam nach dem im 1(S. Jahiluuulerl erlol^^len Auss(eii)en 
dieser Familie (sieiie unter Limmer) an die Herren v. Wrisberg, denen 
das Gut nocii jetzt gehört. Nacii dem l^ii)rei>ister von 1578 hatte auch 
das Kloster Lamspringe hier Besitz. Kbeni'alls nach dem hj'bregister gab 
es in Irmenseul schon danuils eine Kapelle. 

Die Einwohnerzahl betrug 1809: 197, 1925: 211. 

Von der in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts al)gei)r()eheiien 
Kirche sind sämtliche Teile, die einen gewissen Kunstwert besaßen, nach 
Wrisbergholzen gekommen (s. d.). Kin Sockel und ein Gewölbeschlnß- 
steiu (0 14 cm) sind beim Bau eines II()lzschui)i)ens auf dem Gute wieder 
verwendet. Der Schlußstein trägt, jetzt nicht sichtbar, nach Mithol'l' die 
Wappen der v. Stöckheim und v. Münchhausen. 

Ein 49 cm hohes, 17 cm breites Belief in Sandstein, etwa zweite 
Hälfte 17. .Jahrhundert, befindet sich auf dem Dachboden des Schulhauses. 
Weibliche Figur mit Anker, Kleidung vom Winde gebläht, beschädigt. 

Ein Rest der schon im Mittelalter vorhandenen Gebäude mag in 
der großen Scheune, gegenüber dem Wohnhause, zu sehen sein, da die 
Profile der Strebepfeilerabdeckungen gotischen Charakter zeigen (Abb. 178). 

Das Wohnhaus (Fachwerk), ist etwa um die Mitte des \i\. .Jahrhunderts 
erbaut. An der Setzschwelle des Obergeschosses Flechtbänder, ähnlich 
wie an der Bürgerschenke in Alfeld. Die Vorkragung des Übergeschosses 
beträgt etwa 40 cm, Ihiterstützung 
durch Konsolen. 

An der langen, zum Teil als 
Schafstall beuutzten Scheune, 
deren Dachboden als Kornspeicher 
diente, steht an einem Fenstersturz 
etwa in der Mitte der Südwand, 
die Zahl 1576. Die Verlängerung 
der Scheune nach Osten ist als 
Einfahrttor ausgebildet: an seiner 
Nordseite zwei 56x45 cm große 
Steintafeln unter 10 cm hohem 
profilierten Gesimse, auf denen 
sich die Wappen „LIPPOLTS \'. 
STOCHEM- und „KUNNES V. 
MUNICHAUS" befinden. 

Die Hofglocke (jetzt nicht 
mehr benutzt), vielleicht aus der ein- 
stigen Kirche stammend, 43 cm. 
trägt unterhalb der Haube tlie 
Inschrift: „DA PACEM DOM INE 

ANNO 1643 . Ahli. 17S. Giil'^sclKnmc in Irni.Mis<iil. 




lii'sciirei- 

Reste der 

elieinaligen 

Kirclie. 



Relief. 



Gut. 
Sclieune. 



Wuluiliaus. 



Lange 
Sclieune. 
(Schaf stall). 



W'appen- 
lalelii. 



Glocke, 



176 

Kleinfreden. 

Kirche, ev.-luth. 

TJleraliir: C. B. Behrens, Stanimbauin tler Herren v. Steinberg, S. 53, Add. 
S. .")."). — A. Bertram. Gesch. des Bistunis Hildesheini I, S. 428. — G. Bode, Der 
Uradel, S. 90 ff. — R. Doebner, Urkundenbuch der Stadt Hildesheini, VI 581, 629/34, 
V103,204,VII623. — F. Günther, Der Ambergau, S. 400. J. Chr.Harenberg,Historia 
eccl. Gandershemensis, S. 900, 948, 954, 786, 828, 1614 ff, 422 ff. — W. Heinze, 
Geschichte der Stadt Alfeld, S. 50. — H. Hoogeweg, Urkundenbuch des Hochstifts 
Hildesheim, II 585, 780, 881. 1117, IV 1511, 148. V 47. 130. 100. III 20, 82, 300. 
1411, VI 990. III 3()4/06. — Derselbe, Inventare der nicht staatlichen Archive im 
Kreise Alfeld, unter: Kleinfreden. — K. Janicke, Urkundenbuch des Höchst ifts 
Hildesheim, I 631, 399. — K, Kayser. Die reformator. Kirchenvisilationen, S. 223. — 
Derselbe, Salzdetfurth, S. 58. — J. L. Lauenstein, Historia Diplom. HildesiensisII, 
S. 282. — E. G. Leibniz, Scriptores rer. Brunsvic. IT. S. 350, 358. — A. H. Lüntzel, 
Die bäuerlichen Lasten im Fürstentum Hildesheim, S. 189 ff. — Derselbe. Die 
ältere Diözese Hildesheini, S. 263. — Derselbe, Geschichte der Diözese und Stadt 
Hildesheini IL S. 181, 310, 541. — J. Machens, Die Archidiakonate. S. 110. — 
G. Max, Geschichte Grubenhagens, II, S. 121. — \V. Mithoff, Kunstdenkmäler HL — 
(r. L. Müller. Das Lehns- und Landesaufgebot unter Herzog Heinrich, S. 416. — 
II. Sudendorf, Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und 
Lüneburg I. S. 642, 066. -— P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 430 ff., siehe 
auch die Literatur zu Großfreden. 

Quellen: Alfelder Landratsarchiv: Winzenburger Erbregister von 1578; 
ebend.: C A L E C IV 7. B C I 29, E C I 13: ebend.: C A V 0, Nr. 2; ebend.: H B 
HI 7. Xr. 4. — Staatsarchiv Hannover: Cal. Br. des. X^-", Nr. 27: ebend.: Domstift. 
191 1 : ebend. : des. 83 Consistorium II 1800. - Schloßarchiv Wrisbergholzen : IV 1 . - 
Pfarrarchiv Kleinfreden: Schlußseiten der Kirchenrechnung 1600/1733. — Schul- 
chronik von Kleinfreden. 

Geschichte. Oie ältesten Nachrichten über Kleinfreden sind unsicher. Die Forscher 
sind sich nicht klar darüber, ob unter dieser in verschiedenen Urkunden 
erwähnten Ortschaft nicht ebensogut über- und Niederfreden (Lichten- 
berg i. Braunschw.) gemeint sein könnte. Sicher ist nur, daß Kleinfreden 
(Kr. Alfeld) 1214 erwähnt wird, damals auch bereits eine Kirche besaß. 

Grundherren waren die Herren v. Freden, die Herren v. Dahlum 
(1274), (his Kh)sler Wülfingliausen (1271, 1443), das Kloster Clus (1436), 
die Herren v. Uslar als die Erben der v. bereden (1192) und die Herren 
V. Salder (1310), zuletzt die Herren v. HainnuMslein-lMjUord als Heclits- 
nachfolger derer v. Salder. 

Das Patronat, das vorher die v. Freden iniu'lialU'ii. erliiell 1 KiS durch 
,, Inkorporation" das Kloster (4us, von dem es 1695 an (iandersheim, 
1(S()3 an den Herzog v. Braunschweig und (hirch Austaus' li 1(S2.') an den 
hannoverschen Landesherrn überging. 

Die Einwohnerzahl betrug 1701: 122, 1809: 495, 1925: 1671). 
Beschreibung. Die Kirche ist, genau geostet. im .Jahre 1782 in Bruchstein (Selter- 
dolomit) an den älteren Turm angebaut, dessen Achse von der Üsl-West- 



177 

linie um etwa 20 Grad abweicht (Abb. 179). Giebel der Ostseite in Fach- 
werk. Die Nordseite ist mit Zement, die Ost- und Südseite mit Kalk 
verputzt. Tür- und Fenstergewcände aus Werkstein. Unter dem Dach- 
überstand ein Schrägbrett. Als Dachdeckung rote Plannen (Abb. I.SO). 
Das Erdgeschoß des Turmes, sog. Beinhaus, war IriUier mit i'inciu 
Kreuzgewölbe überdeckt. Die Tür nach dem Schitt ist vermauert. 




Abb. 179. Kirche in Ivleiiilrodcn; Grundriß. (1:250.) 



Die Art der Bauausführung des Turmes weist auf die gotische Zeit 
hin. Das von Mithoff angegebene Baujahr 1()67 diufte wohl nur für 
die oberen Teile des 11,50 m hohen, dort 1 m dicken Mauei-werks 
als richtig anzunehmen sein. Im Obei- 
geschüß befinden sich vier Schallöff- 
nungen, außerdem an der Südseite ein, 
an der Nordseite zwei Schlitzfenster. 
Traufgesimse aus Holz. Helm grau be- 
schiefert. Übergang vom Viereck zur 
achtseitigen Laterne durch geschweifte 
Flächen. Die hohe Abschlußpyramide ist 
stärker geschweift, bekrönt mit Kugel, 
Hahn und Kreuz (Abb. 181). 

Das Schiff ist fast 19 m lang, 8,75 m 
breit. Fenster durch Holzsprossenwerk 
aufgeteilt. Der Fußboden etwa 30 cm u nter 
Erdgleiche. Der Eingang zur Kirche liegt 
an der Nordseite unter einem elliptischen 
Fenster. Im Felde iilier der Tür, geschiil/.l durch ein (irsimse, i'ine Stein- 
platte mit der Inschrift: „PRE: SALO: I). SOP. V. 1. / BEWAHRE 
DEINEN FUS / WENN DU ZIM HAUSE GO'l rh:S GEHEST UND 
KOMM DAS DU HÖREST / DIESER STEIN IST GEMACHk ,/ VON 
GUTEN FREUNDEN IN HIESIGER GEMEINDE /ANNO 1782 /". Tür- 
griff (Gelbguß) Hand mit Knebel, ähulich wie iu Br)ninghauseu an der Kireiie. 




.\bl). 180. Kirche in Klcinfn 
Ouerschnilt. (l:2.")0.i 



178 



Altarwand. 



Tauf- 
schüsscl. 



Allar- 
leuchter. 



Kron- 
leuchter. 



Glocken. 



i 



Die gestäbte Bretterdecke, 6,15 m über dem Fußboden, ist neu. Die 
Westempore läuft bis etwa zur Hälfte der Schiffslänge an der Nord- und 
Südwand weiter. Trennung von (>hor und Schiff durch niedrige Stufe 
mit Schranken. Ausmalung 1906 durch den Maler Wiederhold aus Hannover. 
Der bemalte hölzerne Altar ist mit der Kanzel und der schmalen Ost- 
empore zu einem Aufbau vereinigt, zugleich mit der Schrift entstanden. 

Neben der Kanzel Säulen. Als 
Altarbild: Jerusalem, (davor in 
Holz geschnitzt: Christus am 
Kreuz, 40 cm hoch), gemalt 1817 
von F. HOINECKE aus Hildes- 
heim. 

Eine Tauf schüssel aus Messing, 
41 cm, am Rande eingraviert: 
„CM. HILMER/ 1723'\ bcfindel 
sich im Pfarrhause (außer (le- 
brauch). 

Zwei Altarleuchter aus Bronze, 
27 cm hoch, Ende des 16. .Jahr- 
hunderts, am oberen Rande vier 
zi n nen artige Aussch nitte . 

Von den drei Kronleuchlerii 
ist nur der achtarmige aus Bronze 
bemerkenswert, 56 cm. Doppel- 
adler plastisch, mit Hütchen auf 
dem Kopf. Von oberen Zierarmen 
sind nur noch drei vorhanden. 
Inschrift auf der Kugel: ,,ZUR 
• GESCHENCKT VON DEN 
im Pfarrhause aufbewahrt: Dei- 




Abb. 181. Kirche in Klcinfredcn. 



Kelch. 



EHRE GOTTES DER KIRCHE 

JUNGEN LEUTEN 1783", ferner 

zierliche Mittelkörper eines Kronleuchters, 39 cm lang, mit plastischem 

Adler, Kugel 7,5 cm, Knopf unten als Pinienzapfen ausgebildet, etwa 

Ende 18. Jahrhundert, und ein gleiches Gußstück, 38 cm lang, Adler 

flach, etwa Anfang des 18. Jahrhunderts. 

Zwei Läuteglockcn hängen im Turm, davon die kleine, 68,5 cm, 
frühgotisch, ohne Inschrilleu, die große, 1,07 m mit Ornamentband 
aus Füllhörnern, unterhalb der Haube Inschrift: „MICH GOSS JACOB 
RADLER BEI S. LANGE IN HILDESHEIM 1853". (Erste Radlersche 
Glocke!) 

Ein zinnerner Krankenkelch, Höhe 15,8 cm, nebst Patene, im Pfarrhause. 



179 




Abb. 182. Lamspriiit;c um IDÖO (iiaeli AUiiaii). 



Lamspringe. 

Flecken, ehemaliges Kloster. 



Literatur: C. B. Behrens, Stammbaum der Herreu v. Steinberg, S. 6, 19, 27, 
59, 68, Beil. S. 9, 16, 17, 30 ff. und Urkunde von 1214. — A. Bertram, Geschichte 
des Bistums Hildesheim HI. S. 203. — Fr. Bleibaum, Bildschnitzerfamihen, S. 204, 
215. — Derselbe, In Alt-Hildesheim, Heft 6. — Böhmer-Mühlbacher, R. imp., 
I 579, Xr. 1455. — R. Doebner, Urkundenbuch der Stadt Hildesheim, I 270, 400, 
406, V 273, 322, VI 130 ff., VII 624 ff. — Derselbe, Studien, S. 162. — Dürre, In 
Westfäl. Zeitschr., Bd. 36, 2, S. 164ff. — J. Fr. Falke, Trad. Corbeiensium, S. 246, 571. 

— Fr. Gatzemeyer, i. d. Lamspringer Heimatblättern, 1924, S. 4. — C. Greiffenhagen, 
Die drei festen Häuser in ... Groß- und Kleinfreden i. Medersachsen, 1917, S. 52 ff. 

— Freih. J. Grote, Verzeichnis wüster Ortschaften, S. 23, 21, 8, 5, 14. — F. Günther, 
Der Ambergau, S. 3, 17, 440, 509, 94, 40, 450, 479, 488, 556, 515. — H. Guthe, 
Braunschweig und Hannover, 2. Aufl., S. 377. — J. Fr. Harenberg, Hisl. eccl. 
Gandershemensis, S. 751, 786, 953, 1525 ff., 1527, 155 t. — Heineccius, opusc. 
posth., 925. — W. Heinze, Geschichte der Stadt Alteid. — G. Hoffmann, Die 
Varusschlacht i. Niederd. Ztg., 1927, Nr. 179 ff. — H. Hoogeweg, Urkundenbuch 
des Hochstifts Hildesheim, III 45, 76, 1091, 1122, 1151, 1308, 1.561, II 582, 514, 
,564, 119, 372, 497, 575, 1198, III 200, 373 ff., .348, 633, 654 ff., 717, 706, 725 ff., 
771, 1022 ff., 844, 1073, 1081 ff., 1095, 1183, 1439. 1642 ff., IV 122, 154, 808, 
834, 787, 797, 858 ff., 864, 1275, 1384, VI 1016 ff., V 709, 1347, 1105,1268, VI 82, 
703, 753, 592, 675, 944. — Derselbe, Invcntare der nichtstaatlichen Archive im 
Kreise Alfeld, unter: Lamspringe. — Zweiler Jahresbericht für Kunst und Natur, 
Hildesheim 1846. — K. Janicke, Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim, I 12, 
421, 215, 236, 387, 253, 327, 347, 416, 396 ff . - K. Kayser, Die reformat. Kirchen- 
visitationen, S. 48,227, 223. — Derselbe. Sal/.dclfiirlli. S. 4. — K. L. Koken, Die 



ISO 

Win7A'nl)urg, S. 217, lü 1 IL, 219, 132. — J. L. Laueiistein, Hisl. Diplom. liildesiensis, 
S. 246, 281. — A. H. Lüntzel, Die ältere Diözese Hildesheini, S. 134, 158. — Derselbe, 
Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim I. S. 23, 27, 86, 153, 159, 321, H 157, 
542 ff. — Derselbe, Die ])äiierlichcn Lasten im Fürstentum Hildesheim, S. 152, 
l.Sl ff. — ^E. G. Lcil)niz, Scriptores rer. Brunsv. II. S. 3G0. — ^ A. Meinberg, Geschichte 
des Klosters Lamspringe. — W. Mithoff, Kunsldenkmäler III. — O. Müller, Die 
Entstehung der Landeshoheit. S. 74 ff. — A. F. O. Münchmeyer, Predigt am 
Tage der Einweihung der evangelisch-lutherischen Kirche in Lamspringe. — 
W. Nedderich, Wirtschaftsgeographische Verhältnisse des ostfälischen Hügel- 
und Tiefhuules i. Forsch, z. deutsch. Landes- und Volkskunde XIV, 3, S. 229. — 
(r. Oelir, Läudl. Verhältnisse im Herzogtum Braunschweig, vS. 109. — A. Peters, 
Invcnlare der nichtstaatlichen Archive im Kreise Gronau, vS. 15. - Derselbe, 
Amisverfassung i. Ztschr. des Histor. Vereins für Niedersachsen, 1905, S. 264. — 
W. Roßmann, Die Stiftsfehde, S. 485— 506, 510, 559. — H. Schilling, Das Ganders- 
heimer Plenar, i. Histor. Vicrteljahrsschr. 1901. — Seibertz, Urkundenbuch I. 
Nr. 3. — H. Siebern, Denkmalspflege, 1915, S. 73 ff. — Derselbe, Kunstdciikinälcr 
II 3, S. 209. — A. Seidensticker, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte norddeutscher 

Forsten I, S. 420. — Spezies Facti . . . 1696, S. 209 ff. — Facti spezies 1749, 

S. 85—88, 156, 66, 191, 5. — J. U. D. Starcke, Evangelischer Kirchenstaat, S. 61. — 
H. Sudendorf. Urkundenbuch zur Geschichte der Herzöge von Braunschweig und 
Lüneburg, II 306. — R. Freih. v. Uslar-Gleichen, Geschichte der Grafen v. Winzen- 
burg, S. 262 ff., 285. — Wiegand, Trad. Corv., 76 und 351. — Wippermann. Reg. 
Schaumburg., S. 45. — P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 529 ft. 

Ouellen: Staatsarchiv Hannover: Lamspringe Gr.; ebcnd. : Amt Lam- 
s])ringe. Nr. 1,2,3,4,5; ebend. : Kopialbücher, IV 109a, 109c; ebend. : Hild. des. 3 
Lams])ringe la und 19; ebend.: des. 3, 11 Lamspringe 19; ebend.: des. 3, 11 Lam- 
springe 1, 1», 1«, IP, V^, 1> ,1", Ihh, loo. ebend.: des. 3, Lamspringe, 20 und 21; 
ebend.: Cal. Br. des. 10, 2g 1; ebend.: Urk. Nr. 785 und 786 des Histor. Vereins. — 
Fleckcnsarchiv: Lagerbuch. — Alfelder Landratsarchiv: Winzenburger Erbregister 
von 1578; ebend.: H B III 23, Nr. 2; ebend.: Rudert, Entwickl. d. Glashütte bei 
Lamspringe, Hdschr. (Archiv des Kreisausschusses); — Alfelder Ratsarchiv: zum 
Jahr 1647/48. — Archiv der Veste Koburg: Gandersheimer Plenar. — Schukliroiüken 
von Lamspringe und Glashütte. 

Al)bildungen: Staatsarchiv: Karten: III C 111 b 1, Nr. 8a c und 9a — d. — 
Merian. — Bertram a. a. O. — Bleibaum a. a. O. — Siebern a. a. O. — Graff a. a. (). — 
Ed. Müller, Führer durch Alfeld und Umgebung. - - Niedersachsens Sagenborn. - 
Vgl. auch die Aufstellung am Schluß des geschichtlichen Teiles. 



Vor- L)ic' Cicscliiclite des Klosters und seiner Gebäude, des Fleckens Lam- 
3emer -ung. ^j^j.ji^^^^ mit der evan.^elisch-lu Iberischen Kircbe und den Biirgerbauleii 
ist so eng miteinander verkniipl'l, daß eine Trennung nacb den verschiede- 
nen Gruppen unzweckmäßig erscheint. Eiiizt'bic gescliichllii he Xotizcii 
sind in den (lebaudebeschreibungen entballen. 
Geschichte. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die äußerst giiiislige ürthche Lage 
schon frühzeitig Veranlassung zur Aidage einer Siedlung gewesen ist, 
die dann infolge der im \). .laliiiuiiiiU'rl geschehenen Klostergründung 
bald zu größerer iilUte gelangle. Denn über die Wichtigkeit des Passes 
bei Lamspringe besteht kein Zweifel. Es führte auch die große Süd- 



181 

Nordverbindiiiig: Mitlelläuclischos Meer — Frankfurt — Göttingen — Hildes- 
heim — Nordsee über Lamspringe. So beklagte sich 1439 — 1440 der Hildes- 
heimer Magistrat, daß Bischof Magnus die „Gemeine herstrate" von 
Göttingen über Lamspringe nach Ilildeshcim hätte sj)erren lassen, so daß 
die Fuhrleute von Göttingen nach ilanihurg den Unnveg über Sarstedt 
machen mußten, wodurch der Ilildesheimer Handel sehr ,, verkürzt" 
werde. So lag also Lamspringe von alters her an einer sehr wichtigen 
Straße, jedenfalls Grund genug dafür, wenn in (Heser Gegend eine Kloster- 
gründung geplant war, sie gerade hier ins Werk zu setzen. 

Allerdings ist die älteste Geschichte des Klosters in Dunkel gehüllt, 
da Gründungsurkunden fehlen. Man wird aber mit Sicherheit annehmen 
dürfen, daß diese Gründung ebenso, wie es auch sonst damals id)Iich war, 
durch einen in der Nähe w^ohnenden und begüterten Dynasten geschah, 
der sich dann mit den Seinen in geweihter Erde bestatten lassen wollte. 
Die Legende spricht von einem Grafen Ricdag von Winzenburg. Wie bei 
der Geschichte Winzenburgs noch weiterhin ausgeführt ist, kann es wohl 
möglich sein, daß der Gründer des Klosters dort irgendwo ansässig war. 
Auch die Namen des Gründers Ricdag sowie seiner Gemahlin Imhildis 
können geschichtlich sein, da der Name eines Grafen Ricdag, der in dieser 
Gegend angeblich um (S71 begütert war, auch in Corveyer Nachrichten 
vorkommt. Ebenfalls steht urkundlich fest, daß Ludwig der Fromme 
einem Grafen ,,Richdag" Bauernhöfe in Westfalen schenkte, die dieser 
dann dem Kloster Meschede überwies, wo auch seine Gemahlin ,,Emhildis" 
(vgl. Imhildis!) begraben wurde. Vielleicht ist das gräfliche Paar als 
fränkische Parteigänger nach Ostfalen gezogen und hat hier Lamspringe 
gestiftet. So würde sich auch erklären, daß es dem bei den Franken so 
hochgeehrten Dionysius geweiht wurde. Auffallend ist auch, daß unter 
den im Schutzbrief des Bischofs Adelog vom .lahre 117<S genannten Kloster- 
gütern auch solche in Pitelen aufgeführt werden, walirscheiiiHcli gleich- 
bedeutend mit Beleke im Regierungsbezirk Arnsberg bei Meschede. 

Vielleicht hat auch darin die Sage recht, wenn sie den Namen des 
Ortes nicht einfach von dem Lammebach ableitet, sondern von einem 
springenden Lamm (vgl. das Klosterwappen), das die lange gesuchte 
Quelle entdeckt habe, indem nämlich eine geeignete Lage fiu- den Kloster- 
bau erst nach längerem Suchen dort gefunden wurde, wo unterirdische 
Wasserzüge aus dem Muschelkalk in reichen Quellen zutage trt'leii. 

Als angeblichen Gründungstag nennt man den Li. .Juni (S7;). Aber 
die erste urkundliche Nachricht iuiben wir erst vom .Jahre 11.38, wo Pajist 
Innozenz II. das Kloster, das mit Benediklinerinnen besetzt war. in 
seinen Schutz nimmt. Aus dem genannten Schutzbrief des Bischofs 
Adelog von 117.S erfährt man, wie günstig sich das Kloster, dessen Kirche 
inzwischen zur Mutterkirche erhoben war. entwickell hat. Es besaß 
27<S nufeii = 8340 Morgen Land, 1 Kirchen, melirere Kapellen. 10 MiUilen, 

24 



182 

große Walcliiiigcii und den Zehnten von 17 Dörfern. Auch gab es damals 
in Lams])ringe bereits ein Armenhaus. 

Dadurch, (hd,5 die eintretenden Nonnen eine Aussteuer, gewöhnlich 
in Form von Giundslücken ein])rachten, wächst der Besitz fortwährend, 
auch seine Maclitstellung, namentlich als es 1225 von der Grafengewalt 
frei wild und 1259 die Vogtei erhält. Im gleichen .fahre gründet Heinrich 
V. Sleinberg den Katharinenaltar. 

Im 13. Jahrhundert sind (Ue meisU'ii Ortschaften uiui Siedlungen 
der Nachbarschaft im Besitz des Klosters, das dann ans ihnen Vorwerke 
macht. Die Einwohner werden nach Lamspringe gezogen sein nnd das An- 
wachsen des Ortes befördert haben. So erklärt es sich, daß sieh gerade in 
der rmgebung von Lamspringe viele wüst gewordene Ortschaften befinden. 

Ihre Namen zugleich mit Angabe ihrer ersten bzw. letzten Krwähnuiig 
sind von Westen über Süden nach Osten folgende: Eilberneshausen 
(1178), Ilildeveshausen (1119, 1296), Regershausen, jetzt Flurort: Heigers- 
häuser bVld (1578), Oldenrode (1578), Eckehardeshausen, jetzt Flurort: 
F^ggershäuser Feld (1149), Klaus (1624), Marienstein (noch als Flurbezeich- 
nung 1850 vorkommend), Redingshausen bei Gehrenrode (1149, 1518), 
Brodesende (Brosende, 1283), Brunshausen, jetzt Forstort: Brunshäusei- 
Berg (1119), Hetegereshausen (1149, 1325), Rolfshagen (siehe dort), 
Suitereshausen (1149, 1325), Hebenhausen (1007, Verwechslungen mit 
Evensen sind nicht ausgeschlossen, s.d.), Hieshausen (Hyseshusen. llikies- 
hus, 9. .lahrhundert), Panshausen (1285, später verlegt und dann nicht 
mehr zum Kreise Alfeld gehörend), Wohlenhausen (1131, das später wieder 
aufgebaute liegt nicht mehr im Kreise Alfeld), Modeshausen (Modelhus 
1149, später Forstort: Modehäusischer Hai), Ziegelhütte, jetzt: Wald- 
schenke, Glashütte (erst 1791 gegriunlet, auch in Lamspringe selbst 
wuide 1874 eine Glashütte gegründet, die aber ebenfalls einging), Ler- 
mnnde (später: Neuhof, s. d.), Ammenhausen (1183, 1281, erst am Beginn 
des 19. .lahrhunderts wieder von Neuhof aus ausgebaut, s. d.), Holthusen 
bei W()llersheim (vielleicht älter als Lamspringe, 1119 zuerst genannt). 

So reihte sich ein Grundbesitz an den anderen. Das Kloster wurde 
immer vermögender. Im .lahre 1335 schenkten die Herren v. Steinberg 
auch vier Hufen vor Breinum, deren Einkünfte zur Beschaffung von 
Pelzen dienen und zu Martini den Nonnen wegen der gioßen Kälte in der 
Klosleikirche gereicht werden sollten. Außerdem wurde aus diesen 
b>inkiinftt'n der Marienallar gegi'ündet. 

Doch jetzt begann langsam, aber unaufhaltsam dei" Niedergang. Unter 
der ft4ulereichen Herrschaft des Bischofs Geihaid (13(i5 1398) wurde 
das Land verwüstet. Zehnte und andeiT Lasten kamen nicht ein. Man 
mufUe mit der Verpfändung von Gütern beginnen, um, wie in einer Urkunde 
von 1370 berichtet wird, wenigstens den Klosterfrauen Brot und Dünnbier 
reichen zu können. Im Jahre 1365 war aber noch ein neuer Altar durch 



183 

Hennig v. Wallmoden geslit'lel und 1385 eine Kapelle noh C.iird \. Stein- 
berg. 1410 mußte man sich in der Not an Kchiig Hupicclil wiMiden. Ans 
der Bittschrift geht hervor, daß das Kloster in seiner Hliite 1<S() Nonnen 
unterhielt, auch durch das Klosterhosjütal viele Wohltaten hatte erweisen 
können. Trotzdem man ein Stück nach dem anderen versetzen mußte, 
war die Not am Anfang des 16. Jahrhunderts sehr groß. Damals gründete 
man jedoch noch von Gandersheim aus den .Johannisaltai'. 

In der Stiftsfehde wurde der Flecken eingeäschert, auch das Kloster 
geplündert. Eine Visitation 1542 zur Einführung der Reformation brachte 
keine eigentliche Veränderung, denn nach Heinrichs d. .1. Hiickkehr 
wurde es wieder katholisch. Auch unter Herzog Julius ging die l^vange- 
lisierung nur langsam vonstatten. Die Hauptverändcinng, daß es nicht 
mehr dem Bischof, sondern dem Landesherrn unterstellt war, geschah 
schon durch die Stiftsfehde. Die eigentliche Verwaltung fidirte jetzt 
nicht mehr ein geistlicher Propst, sondern ein weltlicher Verwalter. Die 
evangelische Priorin hieß nunmehr auch ,, Domina", und die Urkunden 
aus dieser Zeit beginnen mit den Worten: ,,Wir Domina und Verwalter . . ." 

Im Dreißigjährigen Kriege litt das Kloster unter langen Einquar- 
tierungen. Schon 1625 erhielt es als Abt den aus England vertriebenen 
Placidus. Die Verwaltung wurde vorläufig vom Hildesheimer Godehardi- 
kloster geführt. Danach war es allerdings wieder einige Jahre evangelisch, 
aber nach dem Sonderfrieden von 1643, nach dem das Große Stift wieder 
an Hildesheim fiel, übergab der Bischof es den aus England vertriebenen 
,, schwarzen" Benediktinern, die das Kloster gleichsam neu gründeten. 
Der Flecken Lamspringe, in dem sich 1644, als die erste Messe wieder 
gehalten wurde, nur zwei Katholiken befanden, hatte bald wieder 300 
katholische Kommunikanten. Die stattliche Kirche wurde 1670 ff. an 
Stelle der alten ,, ruinösen" erbaut, ebenso die umfangreichen Kloster- 
gebäude 1731 ff. Das Kloster erlangte 1()5() auch seine Gerichtsbarkeit 
wieder. Die Schuldenlast, die bei der Übernahme des Klosters durch 
die englischen Mönche 27000 Thaler betrug, konnte getilgt weiden. Am 
Ende des 1(S. Jahrhunderts war Lamspringe das reichste Kloster des 
Hochstifts. Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses kam es mit 
Hildesheim an Preußen, wurde 1(S03 aufgehoben und erhielt einen Admini- 
strator. Die Klostergebäude dienten später als Sitz des 1(S2<S nach hier 
verlegten Amtes Bilderlahe, bis dieses aufgehoben wurde. Jel/.l ist es als 
Klostergut der Klosterkammer nntcrrstellt. 

Die Kirche aber blieb Pfarrkirche der katholischen Gemeinde, widneiui 
die Lutheraner nach der Rekatholisierung 1643 zuerst nach Graste gehen 
mußten und erst nach vielen Mühen 1661 die Erlaubnis zum Ka])ellenl)au 
erlangten. Erst 1682 konnten sie eine eigene Kirche bauen, die aber schon 
1690 abbrannte. Eine neue wurde 1692 errichtet, vorläufig ohne liirm 
(1819 angebaut). 



].S4 

Das Verliäitiiis dei" Koiit'cssioiK'ii ist jelzt so, daü von 221cS lüuwülmcrii 
(Zählung von 1925) et^va 700 der katholischen Gemeinde angehören. 
Im Jahre 1803 zählte man 586 Kathohkeii. 18()<) im i-anzen 1391 Imii- 
wohncr. 

Der jetzige Flecken erstreckt sich idjer 2 km lang zwisclien zwei Berg- 
liicken, dem Heber und dem \Vester])erg ])ei nur mäßiger Breitenent- 




Al)l). KS:i. Klostt'ikirehc in Lauisprintic; OrLsbild \ oiu W'ciliwasMr bi'ckcn der Kl(i>t( rlvirchc 

iallung. Ein großer Teil der Hauptstraße ist einseitig bebaut. Die andere 
Seite wird durcli die hohe Mauer des alten Kloster-, jetzigen Amtsgartens 
abgeschlossen. 

Von alten Darstellungen der Ortschaft sind zu nennen: 1. Der INlerian- 
sche Stich von 1650 (Abb. 182). 2. Eine Federzeichnung in der vormals 
KcMiiglichen Bibliothek in Hannover, aus etwa gleiciier Zeit. 3. Eine 
Autiiahmezeichnung am Weihwasserbecken in der Klosterkirche in 
Stuccolustrotechnik (etwa 1720) (Abb. 183). 4. Ein Bild des Klosters auf 
dem Altarbilde des Marienaltares, ungefähr aus gleicher Zeit. Der Turm 
auf der Zeichnung am Weihwasserbecken ist vor einigen Jahren in Funda- 
menten im Keller eines Grundstückes (Eigeulinner Friseur Paare) fest- 
gestellt. Die Reste sind aber durch Beton wieder verdeckt. Beim Bi'ande 
im .fahre 1819 wurde der Ort zum größten Teil durch Feuer zerstört; 
Kirciu'ii. Kloster und P»athaus aber verschont (Abb. 184). 



Die Klosterkirche (kath. Pfarrkirche). 

Bcschri'il)iing. Bauresle der ersten Klosteranlage sind nirgends festzustellen. Der 
Neubau der jetzigen großartigen Klosterkirche wurde am 26. Mai 1670 
i)eg()nnen. Der hohe (Jior ist 1688, das Schiff am 26. Mai 1691 geweiht. 
Als Baumeister werden Lambers, av;s dem Kloster Abdinghof, dessen 
Gral)i)latte sich noch in der Kirche befindet, und Maurermeister .Tobst 
Scherk ans Hörnede (Horde) in Westfalen genannt. Die Ausstattung 
erfolgte anschließend, vornehmlicii in den Jahren 1697 bis 1708. 

Die Kirche besteht aus dem Schiff, dem Chor, unter dem eine krypta- 
artige Gruft angelegt ist, dem zweigeschossigen Sakristeianbau und 
einem unvollendeten Westturm. Statt des Turmes wurde das Dach 



185 

am Oslendo des Schiffes mit einem Daclii-eiter versehen. Die (lesamllaii.ne 
des Inneren beträgt ()(),5()m von denen 21 m anf den Choren Hallen (Abb. 1<S5). 

Das als dreischiffige Halle, mit viei- (lewölbejoehen in Ilebersandstein Schitr. 
(Brnchstein, hammerrecht bearbeitet) erbaute Schiff ist innen rund 
29,50 m breit. In seiner maclit\-olleii \Veilr;iuniigkeil t'rinneit dw Innen- 
raum an das Schiff von St. Maria zur Wiese in Soest. Die /.\v()ll' in liruch- 



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cA^u = j'x^^.'i 



\1)1). ISl. ('l)crsiclilsi)l:in der Kloslcranlaj^i' i" l.;^^l^p^i^^^c. 



stein hergestelllen ("ie\V()ibe ruhen auf sechs achtst'itigcn Preiieiii, dei-eii 
Nvesliiches Paar stärker ausgebildet ist. weil es anUer dei' massiven, die ganze 
Breite des Schiffes einnehmenden Empore noch einen Turm tragen sollte. 
Die diesem Pfeilerpaar entsprechenden Wandvorlagen sind auch an der 
Innenst-itt' der Weslwand zu ei'kenuen. l)ie niu-dhche X'oiiaiie iiininil einen 



.SC) 




187 

Teil tler zur üri>ell)rihiK' iiiid (Umii 1 )aclil)()(UMi I iilnx'iKk'ii sleiiu'i'iH'ii Wendel- 
treppe auf. Nach außen hin ist diese Treppen;! idai^e ^leichralls durcli 
geringes Herausrücken der Manei- helonl. 

Die rippenlosen Gewölbe werden (hircli breite an dm Kanten leielit 
abgefaste Gurtbogen getroml. Sie setzen sieii anl' die kräftig ausladenden 
Käm])fergesimse der Pfeik'r. an den Wänden n\)v\- auf Konsolen, die mit 




.\l)li. I.SC. Klostcrkiirlic in Lainsprinji;i'; OurrM-liniH. ililKin.) 



reichem Bildwerk (Blätter und Früehle) geschmüekl sind. In den KapptMi 
Rüslhk'lier, die durch untergelegte Sterne verdeckt werden. An den Außen- 
seiten nehmen kurze, hohe Strebej)feiler den Wölbschub auf. Die wenigen 
horizontalen Gliederungen, die obeien Abschlüsse der Strebepteiler und 
die etwa in halber Höhe an ihnen befindliehen Nischen sind in rolem 
Werkstein ausgeführt: aus dem gk'i(du'n .Maleiial auch die Innahmungen 
dei' \ier Poi'laU' und dir I )ek!()ming (k's NWunkdlicppeiiiisaiits. Diegrol.U'U 



188 

ruiidboi^ii^ .m'schlossciu'n FcMister sind bcidtM'seits neben den Strebe])feilern 
anijeorcbiel. Hleiverjj;]asung in kleinen reclileckiii;en Seheiben (Abi). 18()). 
Zwei tViUiere Zugänge an der Westseite sind wohl sehon zur Zeit, als 
die alten, westlieh der Kirehe geli'genen Klosleibauten abgeiissen wurden 
(etwa 1730), vermauert. 




Ahl). IST. Kiichc in l.;misi)iinm'. Innen 



Del' KirchcnrnUhoden ist mit roleii (|ua(h-nlisehcM Saiidsicinphit leu 
belegt, unlei- denen sieii nur noeii einige alte niil (irabschiilteii heliiideii. 
Die geputzten Wände und (lewcilbe iiaben im \()rigt'ii .lahiiuindert seidiehten 
hellen Kalkansti'ich erhallen, die (lurlbogen sind hellrosa gelfuil nnd 
dureh anfgemalle b'ugen beiebl. l)iesi'll)e Aufteilung zeigen auch die an 
den Wandansehliissen (\ry ( ir\\()||)c anlgcniallen Scliildbogen nnd die 
Pleder (Abb. lcS7). 



189 

Die chva in halber Il()lie des Seliilles an der Westseile ein^ezoi^eiieii drei 
Emporengewölbe stützen sich zum Teil auf Wand- und Pfcilcrvoiiagen, deren 
jonische Kai)itäle und Konsolen reich belebt sind (Adler und Blumen- 
gewinde). Das mittlere (iewlilbe ist als rippenloses Kreuzgewcilbe aus- 
gebildet, die seitlichen tonniMiartig mit je sechs Stichkappen, die sich 
im Scheitel treffen. Von der großen Orgel wird nur dei- Hauni id)ei- dem 
mittleren Gewölbe eingenommen, die seitlichen iiiihnen sind unbenutzt. 

Das mächtige, das ganze Schiff lUx-rdeckende Dach (Xeigungsvei- 
hidlnis 1:2) ist mit grauem Schiefer gedeckt (Abb. INN). X'ierzehn kleine 



|]iiij)()re. 



Dacl) und 
Dachreiter, 




Abb. ISS. Kldslci'Uirchc in l.amx])riiu 



icilils ( lloikcnluiiis. 



Erker beleben beiderseits die großen Dachflächen, h^in sich aus dem Wesl- 
ende erhebender, über dem Achteck erbauter Dachreiter wuide im .lahre 
1876 durch den jetzigen ersetzt. In ihm hängen nur die l'hi'schlagglocken, 
während die Läuteglocken in einem besonderen (dockenhaus untei\ge- 
])racht sind. 

Der Bau des ursprünglicli geplanten hohen Weslturmes ist olierhalb 'l'unnresl 
der Gewölbe eingestellt, vermutlich, weil die (iründung nicht zuverlässig 
genug erschien. Da das 1731 begonnene Abteigebäude auf Schwellrost 
gegründet ist, wird eine gleiche Ausführung auch bei dei- Kiiche 
anzunehmen sein. Daß sie auf sumpfigem l-)0(h'n erbaut wuide, 
ist erwiesen. 

Der 21 m lange, 9,85 m bivite (dioiraum mit pol\gonak'm Ostschluß Chor, 
liegt 1,75 m Iniher als dei- Schiffsfußboden (Abb. 188). \'om Schiff führt 
eine neunslulige Treppe empor. deix'U holzerui' Wangen kunst\()ll ge- 
schnitzt sind. Die ("berdeckuuLi eiloli>le mit eincin lOnnengewiilbe, das 



nio 



Kryptii. 



(lral)inal( 



wcsllich gegen die Schiffsmauei- ausläul't und im Osten durch einen breiten 
(iurtl)()g"en abgescidosscn ist. Dieser JMldet zugleich (Kmi Ansatz für die 
liinf durch profilierte Hij)pen gelrenulen Kappen des (Isthchen Abschhd]- 
gewölbes. Die Hauptliehchtung des Chores crtolgl durch fünf hohe Fenster 
an der Xordseite: die Siidseitt- hat nur deien zwei erhalten. Trennung des 
Chores vom Schiff durch xortreffhch geschnitzte Chorschi'anken, an (he 
sich das prachtvolle alle Chorgestüiil anschheßt (s. Abb. 211). 

h^fwa in der Mitte dvv .\nlage 
sind zwei weilei'e Stufen cjuer 
durchgi'legt. wodurch der Kaum 
für den Hochaller iu)clnnals er- 
li()hl wurde. P>ine \ei"mauerle Tür 
an der Südseite l;d.U auf eine 
fiidieie N'erbiiulung zwischen dem 
(".hol' und dem (alten) Konvents- 
fliigel schließen. .letzt befindet 
sich in der Türnische ein (Xot-) 
Beichtstuhl. Die Umrahmung 
dieses einstigen Portales stammt 
seinen Formen nach aus der ei'sten 
Hidfte des IS. .lahrhuiulerls. doch 
sind neuere Zutaten erkennbar. 
Die Türöffnung ist 2 m hoch und 
1.25 m breit. 

l'nter dem Chor ist ein krypta- 
arliger Raum von .'157 m Hcdie bis 
zum Scheitel der flachbogigen 
Tonne angelegt. In die Tonne 
schneiden von den iHUislern aus- 
gehende im Scheitel auslaufeiule 
Kappi'u ein. lliei-durch erscheiid die Decke kreuzgewölbeartig (Abb. 190). 
Ihre Stärke beträgt im Scheitel l.ö cm. Die 2 m dicken Mauern sind vor 
einigen .Jahren gegen (irundfeuchtigkeit geschützt. Der Raum ist im 
.Jahre 1927 neu ausgemalt (durch Fhrhardt aus (iaiulersheim). Dimi Zu- 
gang zur (Iruft vermitteln zwei zehnstufige 'Trepi)en neben dem .\ufgang 
zum Chor. Die Ornamentfi-iese und T>ngelsköpfe auf den l^ahmu.iigen der 
Eingänge scheinen id was jünger oder xon anderer llaud als das sonstige 
l)ild\\erk des Kirchengebäudes zu sein. 

An dersüdlichen Längswand befinden sich zwei kleine (iruftanlagen( 1()9;^) 
mit architektonisch gut gegliederten. 1.75m hohen, l.(i5m breiten, gleich aus- 
gebildeten Inschrifttafeln (Abb. 191). Die eine (Tiufl enth;dt die Helic[uien 
des Frzbischofs Oliver Plunket. wie die neunzeilige Inschrift besagt : ..HFFI- 
OVLK SANCT.K MFMOHLT: OLIVKHII FLVNKET AI^CI IIFPIS- , 




I\l<)>terkiic'hi' in I.;ini^printit'. 
Ostan-ichl. 



191 

CÜPI AKMACHANI TOriVS HIHKHXI.l': PKIMAIIS: OVl IN 
ODIVM CATHOLICE FIDEI LAQVEO SVSPKXSVS, l-.X IHACTIS 
VISCERIBVS ET IN IGNEM PROIECTIS, CELEI^HIS MAHTYH 
ACCVBVIT LONDINI PRIMÜ DIE JVLII, ANNO SAEVTIS M- DC • 
LXXXI, / HVNC TVMVLVM EHEN IT H^'^^ • 1)^^"^ • MAVRVS 
CORKER / HVIVS MONASTERII AREAS ANNO !)>•' M • 1 )(". • XCII I". 




Al)l). IDO. Klosterkirclif in l.iiriiNpiini;!-; Kiypln, (inmdiil.l und Schnill. (l::;(lil.) 



Über (\vv Inschrilt in erhaheiuT Arbeit Bischolsiniilze mit (Im IiituliK 
links schrägliegend ein Doppelkreuz, reehls ein Pnlinzweig: (hiruntt'i- 
links das Lamm mit dem Krummslab, ix'chts ein Doj)peladler. 

Die zweite Gruft, ganz gleich dei' anderen ausgel)ildet. hat die 
Inschrift erhalten: „MIC RECVISCVNT OSSA lUDAGl ILLVSTRIS 
AC PIISSIMI COLITIS DE WINT ZENRVRG OVl HOC MONA- 
STERIVM EX IXTEGRO EVXDAVrr REEICTA VXICA FILIA 
RICBVRGA/ SANCTIMONIALI HVIVS MONAS TI^R 1 1 PRIMA AR- 
EA /TISSA ANNO SALVTIS DCCCXLVIl IIVXC IVMVLVM ERE- 
XIT R^'^^ D^^'^ MAVRVS CORKER , HVIVS MONASTERH 
AREAS ANNO D^i MDCNCllI'. 



192 

Sakristei. Der zweigeschossige Sakristeianbau ist im siithistlicheu Winkel zwischen 
Schiff und Chor so angelegt, daß ei- im Äußeren als Fortsetzung des 
Seitenschiffes erscheint. Das mit einer 'i'onne überwölbte Untergeschoß 
enthält die Sakristei der Kirche. In iiir ist dei" unten beschriebene 
Altar aufgestellt. Das ()i)ergeschoß, dessen hViister veriuauert sind, ist 
nicht zugänglich. Es hat dieselben Abmessungen wie die Sakristei und 
ist mit einem Krenzgewcilbe iibersj)ani![. 




.aLllQ\lA' 
-NCTC MLMORl/T. OLlVEKM PL VNKLT AR' HltriS = 
.er"! m<M\iHam; rnrivs HlhERNl/T !»R1 M AT IS'.FQVi 
N- '^'.l\"r( THt-LK /t FICEI L..\0 f;- •sriNiVS,' 

:< .;a> :1S vi,;<.i-kibvs ei in lONtM ikoifctis 

rFI tM.'.IS N'jM'.rV? OC VHV n l Of !WI PMMO Dil- IVLIl, 

■; :jo Ä\i>'ri.'! M.nc.i.xxxi. 

.• ., .'v. v.;,rr>:|, RMV..-DVV, ;^4^v«V.S rr.jRKi-B. 
^ -■ ■ <•• A.aBAS AMNO D''Mnc.XC IM 



S5^fl?;:?|5» 



\l>\). l'.M. Kloslcikirclic in I .;imsiiiini;c ; 
(Vr;\hm;il ()li\cr l'IimUct'- in ilcr Krvnln. 



A u SS 1 a [ l u n g. 

Allärt'. Sämtliche reich geschmiicklt' Alliire. IVidiei' iu NW'il.! und (iold ge- 

halten, sind im vorigen .Jahrhundei'l mit bi'auner ()lfari)e deckend ge- 
strichen, die Figuren fai'big hi'handelt. Ai'chileklui-teile zum Teil mit 
(iold abgesetzt. 
Hochaltar. Der auf dem hohen Chore aufgeslellle lir)l/.erue 1 lochalhir /eigl die 

um 170(1 id)liche b'orm (Abb. 192). In der 1 lauplsaclie stammt er von 
dem Miinslerschen I lofbildhauer Mauiits (ii'cMiiuger. docli scheiueii 
die Tischlerarbeiten in Lamspriiige selbst hei'gesteilt zu sein. Das 
Ante|)i'udium, mit seiner leiciien. um das Mit tehnouogramm 1. 11. S. 
grujjpierten 1-lankenverzierung ist etwas jüngei-. Der den .\ltaitisch 
um i'und .")() cm überraüende Sockel dient als Feuchtt'ilKink : auf ihr stehen 



193 




Abb. 1!)2. Klosterkirche in Lanisprin^o; Clior iiiil llocliiiilar 



194 

sechs holz<fcschnitzte, weiß bronzierte Leuchter in Kandelaberform (Anfang" 
1(S. Jahrhundert). Zwei Paar gewundene Siiulen mit Laubwerk in den 
Windungen sind beiderseits des Mitteli)ii(ies (Anl)etung der Hirten) ange- 
ordnet. Oberhalb des Sockels liegt ein reich geschnitzter, mit Putten 
zwischen Laubwerk verzierter Fries (Abb. 193, 194). Zwischen dem linken 
Säulenpaar die gut lebensgroße Vollfigur des heiligen Benedikt, zwischen 





.\l)l). mi) und l'.M. Kiriiic in I.anispiinj. 



am I lochnllar. 



dem rechten die der Scholastika (Schwester des heiligen lU'nedikt). 
Beide halten in der Linken den Krummstab. Über den seitlichen, rund- 
bogig geschlossenen Durchgängen sind die Figuren des heiligen Adrian 
(links) und des heiligen Dionysius (rechts) aufgestellt. Kin bi'citi's, ver- 
knipfles Gebälk schließt das untere (icschoß des Altares ab. In (\vv Mitte 
des unterbrochenen Segmentgiebels tragen drei Engel eine Kartusche mit 
der Aufschrift: „ALTARE PRIVILEGIATIM h:X VIT', darunter die 
päpstliche 4'iara nebst zwei Schlüsseln. Aul dei- Segmentrundung zwei 
große Engel, am oberen, kleineren Ciescliol.i in dei' Mitte, als ("icmälde die 
Kninung Marias, seitlich eingefaßt von geschnitzten Cherubim. In der 
Mitte oben das \Vapj)en des Stifters Georg von Horde. Seitlich des 



195 

Mittelteiles, oberhalb der gewundenen Sänlen des Inlergeschüssses, stehen 
Petrus (links) und Paulus (rechts). Als Bekrönung des Altares das 
Lamm mit der Fahne. 

Das jetzt im Altar bet'indliche Ölgemälde, l .;> ni groß, stellt die Altiubilck-r. 
Anbetung der Hirten dar. Es stammt von der Hand des Laienbruders 




Abi). l'JÖ. Kli>slci kin-lu- in l.ainsi)iint;f; .M;iiuiialt:ir. 



Hieronymus Sies, der fast sämtliche in der Kirche vorhandene Bilder 
gemalt hat. Drei weitere Bilder zum Auswechseln liir den Hochaltar 
hängen noch im Schiff der Kirche. Maria Empfängnis, Abendmahl, Aller 
Heiligen, letzteres in Anordnung und Farbgebung InWier stehend als 
die anderen und vermullicii nicht von Sies. 

Der an der Üstwand des lundMchen Seitenschiffes aulgeslellte hölzerne Maricnaltar 
Marienaltar, auch Rosenkranzaltar genannt, ähnelt im Authau sehr dem 



1% 

Hochaltar (Abb. 195), doch ist seine Architektur straffer, geschlossener 
Rosenkranz- und schöner. Ganze Höhe rund 15 m. Das Mittclbild (Üli^emälde) stellt 
Maria im Rosenhag mit dem Jesuskind auf dem Schoß dar, davor 
kniend zwei Klosterbrüder. Im Rankenwerk zwischen den blühenden 
Rosen kreisrunde Medaillons mit Darstellungen aus der Heilsgeschichte. 
Geflügelte l^Lngelsköpfe umschweben die Figur der Maria. Die Szene ist 
nach Lamspringe verlegt, denn im Hintergrunde ist die Südseite der 
neuerbauten Klosterkirche dargestellt, jedoch ohne den Konventsflüge], 
der offenbar damals noch nicht begonnen war. Gewundene Eichen- 
holzsäulen fassen das Mittelbild ein, in dessen unterem Teil noch der Aufsatz 
des äußerst kunstvollen Drehtabernakels hineinragt (Abb. 196). Am 
Sakramentshäuschen selber zehn kleine, geschickt in die Architektur 
eingefügte Engelsfiguren. Die Kreuzigungsgruppe im Tabernakel zeigt 
den Korpus mit sehr steil erhobenen Armen, in .lansenistischer Auffassung, 
wie er auch sonst noch :ihnlich mehrfach in der Kirche vorkommt. Links 
und rechts der Altarsäulen, oberhalb der Türblenden, zwei Mönche (Bene- 
diktiner). Über dem Hauptgesims im Mittelfelde die Krönung der Maria, 
geschnitzt (hölzerne Vollfiguren). Das Gebälk des oberen (Halb-) Geschosses 
setzt sich auf Pfeilervorlagen und Cherubim, links und rechts seitlich 
Priestergestalten. Oberhalb des Rundbogens als Abschluß, Christus auf der 
Weltkugel, zu seinen Füßen auf der Rundung zwei Engel, Kreuz und 
Säule tragend. 

Von den Cherubim, die neben den seitlichen Sockelabschlüsseii an- 
gebracht sind, trägt der rechtseitige eine Schriftrolle mit der .Jahres- 
zahl 1713. Antependium von guter Aufteilung (Rokoko); im Miltel- 
medaillon weibliches Brustbild mit über der Brust gekreuzten Armen. 
Altar des hl. Der dem heiligen Benedikt geweihte hölzerne Altar an der Ostwand 
Benedikt. ^^^^^ südlichen Seitenschiffes gleicht in Höhe, Aufbau und Architektur 
dem Marienaltar. Im Mittelbild die Darstellung vom Tod des heiligen 
Benedikt. Die Figuren über den seitlichen Türen am Sockel (links nur 
Blende, rechts Sakristeieingang) stellen Papst Gregor den Großen und 
den heiligen Augustin, den A]iostel der Engländer dar. Im Ober- 
geschoß, geschnitzt, Benedikt, dem von zwei Engeln die Bischofsmütze 
aufs Haupt gesetzt und von zwei weiteren Engeln Buch und Krummstab 
übergeben wird. Als liekrcüuing die Himmelskönigin mit einem Buche 
in der Reciiten. Inschrift auf der Buchseite: „ET VNAM SANCTAM 
CATHOLICAM F:T APOSTOLICAM ECCLESIAM". Statt des Sakra- 
inciilhäuscIuMis sind auf dem Altar .lansenistt-nkreuz und zwei Relicjuien- 
behälter aufgestelll. 

Die Altarschrankeii des Maiienaltares und des Bcnediklaltaies wurden 
gegen Ende des 17. .Jahrhunderts hergestellt, sind also älter als die Altäre 
selbst. Als Künstler kommt Heinrieh Eessen (Um- Älteiv, Bildhauer in 
Goslar, in b'raae. Die etwa 97 cm hohen Schranken sind den Altären 



197 




Al)l). l'.lfi. Ixldslcikirclii' in I .anispi in-c ; I )icli laliniKikrl de- Mai irii;ilt;ii- 



26 



lO.S 

in rechteckiger F'orm vorgelagert und mit Kniestufen verseilen. Durch 
ausgeiiisehte liohlenstücke werden sie in Felder geteilt, die durch reiches 
Hankenwerk, Vasen, Füllhörner u. dgl. in durchbrochener Arbeit belebt 
sind. In den Nischen sind Putten mit Marterwi'ikzeugen und andeien 
Sinnbildern aulgestellt (Abb. 107). 
Altar des lil. l)ei' am südlichen Mittelpl'eiler aiigel)aute, dem heihgen DiouNsius 

Dionysiiis. ^^.^y^.ji^t^^ hölzerne Altar ist wesentlich kleiner als die drei 1 lauplaltrirt-. 
Im Miltelbild die Tanli' des Ileiligen. Beiderseits sind divi gewundene 
Säulen aufgestellt, die das reich j)i-ol'ilierte, nach voiii vorgezogene, 
stark verkr()])fte (iebälk tragen. Gebälk wie Segmenl beigen sind in 
der Mitte durchbrochen. Über dem Gebälk in der Mitte ein Medaillon- 
bild des heiligen Dionysius mit dem Lamm unter Baldachin, der von neun 
haigelsgestalten belebt und von einem Adler bekrönt wiid. Ganze Höhe 
des Altaivs 7 m (Al)l). lU.S). Auf dem Altarlisch als Vollfigni- der heilige 
Dionysius, in genau gleicher Auffassung wie am Hochaltar, sein IIauj)t in 
den I landen tragend. Antependium ähnlich den übrigen Allären, holz- 
geschnitzt mit Kreideüberzug, bemalt, zweite Hälfte des 1(S. .lahi-hnnd(M-ls. 
Die Allarschranke hat als Millungen Docken. 
Altar des hl. Der Altar des heiligen Adrian am n()rdlichen Mitlelpfeiler ist in 

Adrian, pyj-j^^^ Material und Aufbau ganz idmlich wie der Dionysiusaltar ans- 
geführl. Die bildlichen Darstellungen sind dem Leben dieses Heiligen 
enllehnl, die Figur auf dem Allarlische stellt ihn in ähidicher Haltung wie 
am Hochaltar dar. Als Hekrönung ein die Wellkugel umfassender Kugel, 
dessen Heine nach hinten gegen den Pfeiler erhoben sind. 
Altäre an den Die beiden, dem heiligen .Joseph und der heiligen Katharina geweihten 

.Mtäie an den (isllichen Pfeilern bestehen aus Pa]i])e und Schlacken einei' 
Glashiittt", sind wohl nur als Notbehelf ausgeführt, da die Mittel des 
Klosters knapj) wurden. Wenn auch ohne Knnstwert, verdienen die um 
1700 angefertiglen Stücke doch wegen des vei'wendelen Werkstoffes 
Heachlung, Mittelbild des rechten Allares: h'luchl nach .\gyplen, des 
linken unklar. Anlependien ähnlich wie l)ei den id)iigen Allären. (Die 
l-'iguren auf den .Mlailischeu stammen aus neuerer Zeil.) 
Altar in der \h'\- in der Sakristei befindliche Altar ist nur der Rest eines älteren 
Sakristei, xit.,,.^.^^ vermutlich des Hochaltares der alten Kirche (Abb. 190). Das 
von gewandter Hand gemalte Mitlelbild, stellt iTu' Mntlei- Gottes mit 
dem Knaben auf dem Schof3e dar. auf Wolken thionend. umgt'ben noii 
kleinen iMigeln, die ihr die Krone aufs Haupt selzi'u. wahrscheinlich nicht 
\()n Sies. Die .\rchitekl ur ist straff, im HenaissaiU'echarakttM' gi'halten. 
Am Gebälk die .lahreszahl IC).");;. Die seitlich iiebtMi dem Mitlelbilde auf 
den Sciuvt'ifungen silzi'uden h'.ngel sind xcrnuitlich i'in Wei'k des älteren 
Hessen. VAn Kruzifix dient als H)eki(tiuing. Dei' l)reite l'nlerbau des 
Altares besteht jetzl aus feingegliedertiMi Schi;iid<en ans (h'in lunle des 
1(S. .lahrhunderts. 



(»stlieheii l)ei- 
(len Pi'eilern. 



199 




Abi), l'.li. Kloslorkiivhc in Lamsprinjic; 
TiiKliH-k ciniT AllaisclHaiilsc 




Al)l). l'.l.S. Kiic-lic in l.anisprin'^c; Dionysin^allar. 



200 



Altar in der Der Mariciialtar in der Krypta nimmt die L*anze Höhe des Raumes 
Krypta. ^^^^ (3,57 m). Die Mitteldarslelliing zeigt ein in Holz geschnitztes Vesper- 
bild. Im Herzen der Mutter ein Dolch. Über dem Mittelteil die Wappen 
der Stifter, getragen von zwei Engeln: rechts und links als seitliche Ab- 
schlüsse, knieende Engel mit Kerzen. iMgenartig sind bei diesen die schmalen 
Gesichter und die etwas handwerklieiu- Behandlung der Gewänder. 
Allailiscli gemauert. Im Antej)endium das Monogramm Mariae. Entstehungs- 
zeit etwa Mitte des KS. Jahrhunderts. 
Bemalung neu. Stifter des Altares 
waren Joh. Arnold v. Bockhorst, 
Hildesheimer Kanzler, und seine Ge- 
mahlin Mariae Anna v. Kscheidioi-sl 
(s. Abb. 190). 
Kaii/el. ^^^B ^^^^^^^^BW 9 l^i^' ^)i^^ siid()stliclien Schiffspfeiler 

angebaute Kanzel ist ein Werk von 
.Jobst Heinricli Lessen dem .lungeren, 
Sohn H. Lessens des Alteren aus 
Goslar, aus den ersten .Jahren des 
18. .Jahrhunderts: sie zeigt große 
Ähnlichkeit mit der von ilim gefertig- 
ten in der Frankenberger Kirche in 
Goslar (Abb. 200). Wie dort ist sie 
auch hier als llängekanzel hergeslellL 
i'iit liuei Treppe, deren getäfeltes Ge- 
lander wie die Ivanzelbrüstung 
außerordentlich reichen plastischen 
Schmuck zeigen. I31umen, Akanlluis- 
ranken, Putten (Abb. 201, 202, 203). 
Auch der Zugang, als Bortalbau ausge- 
fiUu't, ist mit kunslvollem Schiiilz- 
wei'k versehen. Tür zwischen zwei 
koiiiilhischen Säulen. l'her dem 
("u'bälk ein Segmenlbogen, bekr()nl mit divi kleinen l-'iguren, links 
(Um- Glaube, rechts die Hoffnung, in (Ut Mitte Maria mit dem Kinde, 
letzteie vielleicht nicht ursi)iiinglich (Abb. 204). Dei- Sclialldeckel 
ist dui-ch drei Gesimse in zwei horizontale Abteilungen zerlegt. 
I^itten und Bankenwerk in iip])igem Beichtum, teils durchbrochen, 
teils völlig frei ausgeführt, l)elei)en den Aufbau, dei' von einem Posaune 
blasenden Engel in Vollfigur bekrönt wird. Im Spruchband die Worte 
aus Jesaias, Kap. 5<S, V. 1. Die Kanzt'l ist Mitte des 19. .lahi-huuderts 
deckend mit brauner Ölfarbe gestrichen, teilweise mit Gold abgesetzt. 
Orgel. Das Werk der über fünfzig Register enlhaltendeu Oigel nimmt den 
mittleren Teil der Empoi'e ein. liir reich geschnitztes Gehäuse, mit \ieleii 




Abb. ID'.t. Klostcrkirclic in l.anispiinjic; 
Altar in der Sakristei. 



201 




Al)l). 2(H). Klo^li'i kirchf in ].;mi--piint;i'; K:iii/.cl. 



27 



202 

sichtbaivii IMVitVii, liilll die gesamte Fläche unterhalb des Gurtbogens. Das 
Schnilzwerk schlieOL sich den Formen der Kanzel und der Chorstühle 
an, zwei Posanne blasende Engel, von sehr großen Abmessungen, sind 
in den seitlichen Zwickeln des die Orgelbiihne tragenden gedrückten Rogens 
angebracht. Die Orgel stammt aus der zweiten lirdfte des 17. .lahrhunderts, 
angekauft KiiSO, seit Mitte des 19. Jahrhunderts braun mit Ölfarbe 
gestrichen, Einzelheiten durch Goldbelag betont (Abb. 205). 

Taufbecken. Vorder Westw'and des Mittelschiffes ist das achteckige steinerne Tauf- 
becken in Kelchform erhöht aufgestellt. Der reich geschnitzte hölzerne 
Deckel, mit der Taufe Konstantins, w'ird dem Ende des 18. .Jahrhunderts 
entstammen, wiUii'end das Taufbecken selbst zugleich mit der dasselbe 
umziehenden kostbaren Schranke aus Eichenholz im .bihrc 1()9() 
(Inschrift an der Eingangstür) hergestellt ist. Diese Schranke, 1,1)0 m 
hoch, stammt aus der Werkstatt des jüngeren Dessen. Reiche, 
durch Figuren belebte Akanthusfüllungen schmücken die sieben Felder 
des an den Kanten durch Nischen mit Putten gegliederten Werkes (Abb. 
206). Der obere Abschluß der Schranke zeigt wiederum reiches Ranken- 
wcik in freier Endigung. Anstrich duidcelbraun, Ölfarbe (Abb. 207). 

l'x'ichlsliililc. An den Längswänden des Schiffes sind beiderseits die dreiteiligen 

Beichtstühle aufgestellt. Die daran befindlichen, etwa lebensgroßen 

Figuren nehmen auf die l^eichthandlung Bezug. Bekrönung des ncirdlichen 

Stuhles: Christus auf dem Ölberge, des südlichen Christus mit den Büßeiii. 

Ein nicht mehr benutzter Beichtstuhl mit einfachen Gittern, der 

vielleicht noch aus der alten Kirche stammt, wdrd in der Sakristei 

aufbewahrt. 

Clior- Beiderseits der nach dem Chor hinaufführenden neunstufigen Treppe 

schranken. ^^,^^,^^ ^,^,|. (.,^^j. ^^^^^.^j^ 3 .^Q m breite, 3,50 m hohe Schranken vom Schiff 

gelrennt. Diese Trennwände sind von Heinrich Lessen dem .lüngeri'n 
hergestellt und zeigen wie die Kanzel seine unumstrittene Meislerschaft. 
Drei gewundene Säulen auf Postament gliedern die Wand in je zwei 
Feldei', (he mit üppigen, stark plastisch gearbeiteten Akanthusraid<en 
ausgefüllt sind. Pinienzapfen und freie Akanlhusendigungen bilden den 
oberen Abschlnß id)er dem reich verzierten Gebälk. Der kniende Engel 
mit der Stundenglocke ist spätere Zutat (Abb. 20(S). 
Chorgeslülil. Da (\vr Clioi' am 15. August 1()<S<S geweiht wnnU', mnß ein ChorgestiihI 

(himals l)i'reils bestanden haben. In üblicher, alt heigi'bi'achtei- Form sind 
links und rechts an den Längswänden die eichenen l)änke der Konventualen 
aufgestellt, beiderseits aus je 2(i Klappsitzen mit schnnicklosen Miseri- 
cordien bestehend. Wangen und Miltelstüt/.i'ii in Zeichnung und Arbeit 
sehr gut. Blumen, Früchte, Tiergestalten und Putten (Abb. 209, 210). 
Die reich geschnitzten 2 m hohen Rückwände aus Eichenholz sind von .lobst 
Heinrich Lessen d. .1.. aber erst kuiz nach 1701 hergestellt. Einteilung, 
den Sitzen entsj)rechen(l, durch gewundene Säulen. In den Füllungen 



203 




^1^1, 










Teilstück der Kanzcllirüstiiny,. 



AI)!). 202. Klo^liikiiehe in I.ainspiinti;e; 
Teilstiu'k des K;in/.il;iid'j»ani'es. 



^^'(.'rkc des Bildhauers JuIjsI I leinr. Lesseii 
in Goslar, wo er 1698 die ähnliche Kan- 
zel der Frankenberger Kirche herstellte. 





AIjI). 2(i:1. IvIosU'ikiicIie in l.;inis|>rlni«e; 
Unterer Kanzelalischlul.l. 



.\l)l). 2(11. Klovtcrkirclie in Lani--i)riii;.;e, 
' Portal des Kan/elanl'iianscs. 



204 



Gestühl 



Miischelornainente, roicli prorilieilc Al)schliißgcsimse, freie Akaiitlnis- 
endiguiigen. Ziergliedcr in Lindenholz. Fülluiigeu Eichentafoln (Abb. 21 1). 
Die Chorstühle sind nicht bemalt. 

Das Gestidil der Klosterkirche besteht aus Bänken, die in den Jahren 
1710 — 1720 gestiftet wurden, davon eiiu' Anzahl mit dei' Jahreszahl 1710 




Alil). Lio.). Kl()>l(>ikiiili(' in l,am>>|)iiiti;('; Ornd. 

und dem Lamspringer \\'ai)pen (Lamm mit Krummstab). N'ielfach sind 
die Namen der Stifter, 1 leiligenfigui-en und (He Stirtuiigsjahre in (he 
Wangen eingeschnitten. Die I5aidve sämtlich ohne .\nstrieh. 
AVeihwasser- Das 1,10 m hohe \\'eih Wasserbecken ist zurzeit nahe der Haupteingang.s- 
tm- im nöi-dlichen Seitenschiff aulgeslelll. Ks ist aus fünf Sieinen zusammen 



20.5 




Abb. 206. Klostcrkiiclic in l.amspriii'ii'. Taursiciu-cliraiike. 




Abi). 'M>i. Ivlosleikiiclic in Laiu^piiiij^c; I''ülliiiijj; dur TaiilÄLi'iu^chriuiUc. 



20C) 

iiiebaut, die mit reicher Stiiccoliistroarbeit durch den Laienbruder Hie- 
ronymus Sies belegt sind (Abb. 212). Sockel über quadratischem Grund- 
riß, Becken achtseitig (Abb. 213). Die Darstellungen an dem Stück sind 
verschiedener Art, zum Teil ideale Architekt uivii und Perspektiven, zum 
Teil I)lunuMi und l^anken, l)lumenvasen. Kartuschen, ferner das Mono- 




U:..'kJi 



7i^^!d\' 



Al)l) .2(»S. Kloslcrkii'chc in I .nrnsiniimr; ( .li(irsilir:ink 



granini Christi l.ll. S. Insclirirt: „SANCTE PA TKH BKXKDICI'K LN'IEH- 
Cl^DK PRO NOHIS'- (Abb. 214). Von besonderer Bedeutung ist die 

Dai'stellung der Klosli'i'anlage xon Süden aus mit den P>anliehl':eilt'iu N\ie 
sii' t'twa um 1710 aussahen, also iiacli \^)lkMi(hing der neurii Kirche, abei' 
noeli mit (k'ii alten Klostergebäuden (s. Abi). 1(S,">). 
Sonstige Ar- An ^\eile^^'n Stnccolustroarbeilen von (\vv lland des llieroiiNnins 



beitcn in 
Stuccoliislro. 



Sies i)e\vahrl die Kirehi- in (k-r Sakiislei cin^Mi Altai aufsal/ ?. inschi'iftlich 
vom .Jahre 171() in reich geseiinilzlem l>ahmcn mit l<'igurcn von Heiligen, 



207 

Vögeln, Arabesken und Inschril'ten, unter deiicii dns iKichsleheiidc Iii- 
schrifträtsel besonders auffällt: 

QUID TUA TE 

BE BIS BIA ABIT 

RA RA RA 

ES ET IN 

RAM RAM RAM 

II 



r^N 





Abb. 2{l'.) und 21(1. Klusterkirchc in I.anispiinj;"('; ('.liDislulilwini-iii. 



(o süperbe quid superbis tua superbia te superabit. Terra es el in terram ii). 
Darüber im Medaillon Christus am Kreuz und Jerusalem (Abb. 215). 

Am nordwestlichen Emporenpfeiler im Rahmen eine RankenverzierniiLj 
mit dem Bischofsstab, Lamm, Mütze, Iiifidp,. Jahreszahl 1711. 

Im Chor: zwei Darstellungen im Rahmen. 1. Maria. Inschrift: ,,1M.M.\- 
CVLATA CONXEPTIO. B. M. V. Große 65x85 cm: 2. St. Benedictus. 
(Ein Bild, St. Georg, befindet sicli in «Um- KlosliTkirch^' in Grauhor.) 
Von gleicher Ausführung neben dem Kanzeli)ortal tiiu Iiischiiftplatte mit 
dem Hinweis, das unter dem ,, nächsten bezeichiulcn Stein" (Fußboden- 
platte mit Kreuz f) der Abt Josepli II. im .lahre 1753 beigesetzt sei. 



208 




Ahli. 211. Kliisliikhclic in I .:uii^priii:-;c'; (:ii(Ui;csl ulil. 



209 




Das alU'sk' noch vorhaiuleiu' AiisslaUuiii^ssl iick dor Kloslcikirclu' Vrs|)C'ii)il(l. 
ist die an der \Veshvaiul des uördlit'lu'ii SeitenschillVs aul.i^islcllle. rund 

90 ein holie l^ieta, etwa aus Milte des 15. Jahr- 
hunderts. Die l^enialun,L> in natui-ahstisehen b^ul)eii 
ist jünger, ebenso der das 1 laujit der Maria um- 
gebende Slenienkranz (Abb. '_il<)). 

Hart neben dem Haupleingang im Innern isl I\nizil'i\. 
ein Kreuz an der Nordwand mit rund 2 m hohem 
Korpus aus Holz aufgestellt. Entstehungszeit etwa 
Mitte des 18..Jalirhunderts. Bemalung naturalistisch. 

Vier Altarleuchter, Messing, in Kandelaberform, AliinUiichtcr 
gehören der zweiten Hälfte des LS. .lahriiunderls 
an. H(')iie 12,0 cm. Drei b'iiüe, (ircilenki allen 
mit Kugel. Zwei Mi'ssingleuehler, je 22 em hoch 
(Anfang hS. .lahrhundeid) werden xow den iMigeln 
am Drehlabei-nakel des Hosenkranzallares gehallen. 
Abb. 212. Im Pfarrhause wird ein 88 cm holu's P.eli- 

Kiosu-rkirchc in La.nsp, in,..; (j^j^uki^euz aufbewahrt. Silber plattiert : unter (das- 

\\ (Mliwasscrbecken; ' J 

Schnitt. (1:200.) flüsseu 24 Relifjuieu. Zweite Hälfte 18. .Jahrhundert? 




Pu'licuiicii- 
krc'ii/.. 




Alili. 21:1 lind 211. KiosU'i kirchc in I .;iiiis|)i'iiu 
Wciliwassi rlx'ckcn. 
SliU(i>liis|r<>;n bcit \ on I licrom inns Sics. 




210 

Mef3gewänder. Zwei Meßgewänder imd ein Cliorniaiilel von weißer Farbe, mit Blumen 
geziert, sind aus dem KriMiuiigsmaiilel Jakobs II. angefertigt. Ende 
17. .Jahrhundert. 
Meßgerälf. Die Meßgeräte sitid nach Aiigahi' des Oilsgeisthcheii ohne Kunslwt'il. 




Abi). 21."). Klosli'rkirclic in l.iimspi in^c; Stiiiiolusl lonihcil \ oii I licroiiN iiius Sii-s. 



Dil' (i locken. 

Läuteglocki'ii. Im ("dockcid nrm ruhen der Kirche sind zwei Lanleglocken aufgehängt, 

deren ältere vom Jahre 1461 stammt. 3 1,03 m. An (k-n Kioneidiiigehi 
Flechtbänder. Unterhalb der Haube in gotischen Kk'inbuchstaben die 
Inschrift: ,,-f- anno • dni • m • cccc • I xiiu • s • aih'ianus • s • dionisius • patroni • 
iiiesus • maria • ri(kigus • fuiukitor-"" (Abb. '217). Am Schhigring (k'r Ah- 
(h'nck einei' l)rakleale. 



21 



Die andere Glocke stammt vom Jahre Kil I. Duicliiii. 1,11) dk Krone 
iehlt. Jetzt ist die Glocke mit schmiedeeisernen Ankeiii l)eles(ii>t. Inlcr- 
halb der Haube ein Fries aus Einhörnern, deren 1 linlerleiher in Schwänze 
und Weinranken auslaufen. Inschrift 
zweizeilio: „*** IN HONOREM 
SANCT.E ET INDIVIDLLE: TRI- 
NITATIS * IN DIE VISITATION 
MAR et: ANNO: /M IEEE SIMO SE 
+ CENTESIMO DECIMO QVAR- 
TO + MARGARETHA LVDEI^S 
DOMINA lONAS BORCHTORP 
PRAEPOS:". 

Im Dachreiter der Kirche häni^en 
zwei Uhrschlagglocken und eine 
weitere Glocke vom Jahre 1711. 
I )iese hat 59 cm Durchm. Unterhalb 
der Haube einen Fries, darunler 
die zweizeilige Inschrift: (Hand) 
„PER INTERESSIONEM. H. MA- 
RLT: • VIRGINIS • ET • S • S. M. M. 
ADRIANE ET- (Hand) /DYONISY 
A FEE GURE ET- TEMPE STATE 
LIBERA-NOS- DOMINE-". Am 
langen Feld ein Ornamentband von 
der Form wie an einer Glocke in 
Sehlem, ferner Christus am Kreuz 

mit zwei Engeln, auf der gegenüberliegenden Seite Maria mit zwei Engeln 
(Abb. 218). Am Rande die einzeilige Inschrift: (Hand) „M. CHRISTOITI. 
AUGUST BECKER GOSS MICH IN HIEDESHEIM. ANNO 1741". Die 
Stundenglocke, 69 cm bei 27 cm Höhe trägt die einzeilige Inschrift: 
„AUGUSTINUS TEMPEST AP>BAS FUNDENDAM CVI^WIT OPERA 
lOANNIS THEODORI EAMPEN. A. D. 1727 (?)'". (Abi Tempest 
ließ 171(5 den Eaienhof in Sehlem bauen.) Die Vierlelstuiideiiglocke, 
50 cm, hat als einzigen Schnuick die dreizeiligt" liischrifl : ..(".AST 
BY / EBVTCHER 1721". 

Gra l)sl ei ne. 

Der Kirchenfuf3boden ist mit eini-i- groüen Anzahl von Sollingplalten 
belegt, die Grabinschriften von Klosterbrüdern ent hallen, die Platten 
liegen nicht mehr an den ursprünglichen Stellen, einige sind auch in das 
Mauerwerk der Südwand eingelassen. Im weslliehen l'eile (ler Kirclie 
außerdem sieben größere Grabsteine an den Wänden: 

1. Grabstein des Heniii von Steiidierg aus dem .lahri' ir)l.S. Insehiitt 
in b'raktur. Mittelbild Chrislus am Kreuz. daruntiT das I':ilei'ni)aar mil 




Kliislfrlviiclir in I .iitiisprintio; 
\■^■^|)l•|■l)illl. 



lllscllhlg- 

Üockoii. 



('iral)sU'iiu'. 



212 

einem Sohn und vier Töchtern. Am Sockel acht Wappen. Der 2 1 ni 
große Stein ist grau gestrichen (Abb. 219). 

2. Grabstein des Siverdt von Steinberg vom .lahre 1550. linschrill 
in lalt'inischen Großbuchstaben. Mitteldarstelhmg: Ein Geharnisciiter, 
stehend, betend, in den Ecken des Mittelfeldes vier Ahnenwapj)eii. Gr(")ße 
2 X 1 m. Sandstein (Abb. 220). 

3. Grabstein des Maximilian Heiniich de Meitre, (t 170(S) und st'iiuT 
Gemahlin Maria Catharina de Meitre (f 1701), .'> m hoch. 1,()0 m hreil. 




Al>l). 217. Kli.slcrkirclic in I .^iiiisi.riii-r ; •|'ciK|iuk ,|c|- 
Cldckcriinst-hiill noii 1 KU. 



( lUismalcrci. 




j'ü^^^; 



Oben das l^hewappen. Im Mittelfeld, das links uiul rechts \on Säulclieii 
in Flachrelief und Rankenwerk eingefaßt wird, steht auf einem ausgemeißel- 
ten Tuche die bogenförmig angeordnete lange Inschrift, deren Buchstaben 
mit schwarzer Masse ausgefiült sind, l'iden in einei- Kartusche: 
,.;ETEI^XAM HE / QUIEN CLEMENS COX CEDAT .lh:Sl'S 

VEHAQl'E PEHPETU.E: /DONA SALUTIS ; 
1^'JS"". Als lk'ki'()nung liidvs eiiu' Putte, rechts ein 
Toteidvopf. 

I. Grabsti'iu des lOcSi \-ersl()rl)enen Pr;ifekli'ii 
Theodor l)..sen, l.(SOm hoch, 1 m breit, aus gelbem 
Sandstein, mit gut verteiller Schrift, die mit P)lei 
ausgelegt ist. 

ö. Ein weiterer, 1,7,') m hoher, 1 m breilei- Sti'in 
zeigt oben das Abtswajjpen. Laut Inschrifl ist ei- 
zum Gedächtnis des dritten Abtes vom Kloster, 
.losephus Shei'wood im Jahre 1()90 gesetzt. 

(). Grabstein mit unleserlicher Schrift, 1.70 m 
hoch, \)r) cm breit, etwa der Zeit um 170()entstamnu'n(l. 
7. (irabstein wie xor. aus roti'in Sandsti'iii, 
1,75 m hoch, 1 ni breit, aus dem .lahre 17()l. 
Glasmalereien und Gemiikle. 
Die hi'iden gi'ol.U'ii südlichen C.horfenstei- sind nnl 
\\'aj)|)eu(larstelluii_!4eii in .Schwarzloth unter spai- 
sanu'r Vei'wendnng von (ielb, geschmück I. 

1. iMiglisches KcHiigswappen mit der l'nterschrift : (Schreibschrift): 
„.lACOlU^S 11. DEI GRATIA MACiNAE / BHITANNIAE FRAXXIAE 
V:V JilHERiNIAE / REX DEEENSOR VU)E\ ETC. ANXO 1685- 
(Abb. 221). 




-Vbb. 218. KIosUMkirclic 
in Lanisprinfie; M;iricnl)il(l 
an der CiIdcUc von 17 11. 



213 

2. Bischofswappeii. Unlcischriil: „HERMANNo WERNERIS DEl 
ET / APOSTOL. SEDIS GRATIA EPISCOPUS PADERBORN: / 
S. R. I. PRINCEPS. COMES PYRMONTAXUS ET PP,.\EIH)SITo 
CATHEDRALIS ECCLESIAE / IIILDESYMENSIS. ANNO ICSI". 

In einem Südfenster der Kivj)hi ist eine 11 ein hohe, 31 ein hfeite 
farbige Wappenmalerei aus dem .lahrc \{)K.\ in l^)lci fiiiLveselzl. 





Abb. 2ly. Klostt rkirihc in I.ainspiiiu 
ürabstein der lleiiiii \ oii Steinberj. 
;iiis (Ic'iii Jahre 13 IS. 



Abb. 22(1. Kl<i>lerl<iielir in l.ain^iirin^^e; 
( iial)stein Si\ crdt \ .StrinbiTU \. Jahre l.").")(i. 



Außer den Altargemälde u ist iioeh eine gioUe .\u/ahl nou 'lalelgiMnidden ('.miähU' 
in sehwarzem Rahmen, etwa 4x2 m groB, im Kirelieiiiunereii aul'geiiäiigt 
(Öl auf Leinwand). An der Nordwand hiul rnterschriftiMi : 1. .lohannis 
baptist. 2. Petrus. 3. Phil!ipi)us (Hueh und N'oi-ti-agekivu/.). I. Malthfuis? 
(Lanze?). 5. Bartholomäus? (sägearliges Messer), an (Ki- SiulwaiKL 

1. .Jacobus minor, 2. St. Matthias? 3. .laco])Us maior. I. St. Ainheas. 
5. Beatissima virgo Maria. Im (".iior an der Südwand: 1. St. lU iicdiclus. 

2. St. IL Dnnstanus. 3. St. Maiirns. 1. St. Plaei(his. ."). Sl. Cunihulns. 
(). St. Bonifacius. 7. St. .\nselmus, an der Nordwand: I. lirda. 2. Sl. 
Augustinus, 3. St. Lauivntius, I. St. Benedictus, 5. Sl. (iregorins. Samthehe 
P)il(l('r sind von llieronymns Sies gemalt. 

28 



214 



Die Klostergebäudc. 
Die 17.')1 erriclitelei) Hau})tgebäude des Klosters gruppieren sich um 
einen iiaeh Westen ot'ienen Hof, der im Xoiden von der Klosterkirche, 
im Osten von dem ehemaligen Abteigebäude und im Süden von dem frü- 
heren \Vohngei)äu(le der Konvent ualen begrenzt wird (Abb. 222). 
Ahleil'lügc'l. Der sogenannte Abteiflügel ent- 

hält jetzt im Mittelbau die Woh- 
nung des (iuts])ächters, an der 
Xordseite die Wohnungen der ka- 
tiiolischen Geistlichen, an der Süd- 
seite Mietswohnungen (Abb. 22.')). 
Wie bei gelegentlichen l>auarbeiten 
festgestellt werden konnte, ist das 
Gebäude auf Schwellrost gegründet. 
Über dem hohen, mit ripjienlosen 
Kreuzgewölben überdecktem Keller 
erhel)t es sich in zwei Geschossen 
zu stattlichei' Höhe (Abb. 224). 
Der für das aufgehende Mauer- 
wi-rk benutzte Sandstein stammt 
wahrscheinlich aus den Brüchen 
des Hebers, die roten \Verksteine 
der Quaderverzahnung an den 
Ecken wurden vermutlich aus den 
Brüchen am Wege nach Neuhof 
gewonnen; aus ihnen sind auch die 
Portal- und P'enstergewände her- 
gestellt. Die Wände sind mit 
Kalkmörtel verputzt und an der 
Gutshofseite grau gestrichen. 

Laut der über dem Hauptportal 
mit goldenen Buchstaben aufge- 
malten Schrift wurde der Bau 
17;n vollendet: „ANGLIA GER- 
MAXAS .JOSEPHUM MITTIT 
AD OHAS HUIUS UT AUS- 
PlCllS SURGERET ISTA DO- 
Ml S MDCCvXXXr*. Die prächtige Freitreppe vor dem Hauptzugang an 
dei- Ostseite des Gebäudes wurde erst 1 7'^ß in Mehler- und Seltersand- 
stein erbaut (.\bb. 225). 

Zwei Durchfahrten mit reich profirH'iten Porlahimrahmnngen verbanden 
ehemals den Klosterhof mit dem groüen Gutshof. .letzt wird als solche 
mir noch die ncndliche, unter der Pfarrwohnung liegende benutzt. 




Abb. '22\. KlosliTkirchc in l.;ims]iriTin{ 
Ciliislcnstcr- im f.lior. iXin- der \Vic(lcilici>lcl 



215 




#— Tf 




Al)l). 222. Die Kloslfiiiula.m' in l.aiiispriiit^i'; (,1 : Ijtitr/a.) 



I 




r 



216 




217 

Das etwa 90 in lange Gebäude ist mit ruteii Plaiiiioii eingedeckt, düch 
sind Firste und Grate sowie die Dächer des nach Osten zu vorgezogenen 
Mittelteiles und der auf demselben befindliche Dachreiter mit grauem 
Schiefer belegt (Abb. 226). Der Mittelbau des Al)teiflügels wurde einst 




Abb. 224. Kloster in Lamsprinsie; Alitcillünol. Oiicrscluiill. (1:200.) 

nurvon den Prunk-und Festräumen eingenommen, deren Iridierer Glanz noch 
heute zu erkennen ist. Leider ist im Jahre 18% die prächtige, mit der Himmel- 
fahrt Maria bemalte Decke des oberen großen Saales, weil sie im schleciilcn 
Zustand war, entfernt und (Uirch eine gerade Decke iM-setzt worden. 

29 



218 



Eingangshalle. In der stattlichen Eingangshalle des Erdgeschosses sind in Ecknischen 
die vier Erdteile „Europa, Asien, Afrika und Amerika" als symbolische 
Kleiner Saal. Vollfiguren aus Holz aufgestellt. Hinter dieser, die ganze Breite des 
Mittelbaues einnehmenden Eingangshalle liegt der kleine Saal, 4,80 m hoch, 
dessen Wände mit Temperagemälden auf rauher Leinwand geschmückt 
sind. Die Bilder stellen Szenen des täglichen Lebens dar; mit nieder- 
ländischem Einfluß. Die Darstellungen haben durch neuere Cbermalung 
gelitten. Die beiden Kaminbilder (Öl auf Leinwand) zeigen den Fürst- 
bischof Egon von Hildesheim und Georg HL? 

Beiderseits der Eingangshalle 
liegen die Zugangstreppen zum großen 
Saal, der die ganze Tiefe des Gebäudes 
hei 1 1.60 ■: 15,80 m Grundfläche ein- 
nimmt. 

Großer Saal. ^IS^Ä^^^tN /l^^x" ^^'^^Ti^ ^^^'■' ^^^m*'*^' dieses 8 m hohen 

Baumes sind durch Wandpfeiler und 
Kaminvorlagen mit reicher Stuck- 
arbeit gegliedert (Abb. 227 und 228). 
Auch die Fensterleibungen und die 
über den Türen liegendenWandflächen 
zeigen schön gezeichnete Stuckonia- 
mente (Abb. 229 u. 230). Die Kamin- 
einfassungen bestehen aus Marmor. 
Die in die Stuckumrahmungen ein- 
gesetzten Ölgemälde stellen Kaiser 
Karl VI. u nd Papst Benedikt XIII. dar. 
Im Speisezimmer des Pächters 
fjdlt eine dreiteilige Bogenarchitektur 
auf mit Belieffiguren (Christus, Maria 
und .loseph), die \ielleiciit Beste 
eines ehemaligen Altars der Privat- 
kapelle des Abtes sind. Außerdem ist 
eine fridiere Türbekrcinung aus der Fjugangshalle jetzt im Speisezimmer 
angebracht. Stuckplaslik mit Putten und Baid-Lenwerk, (Wc .lagd sym- 
bolisierend. 
Südflügel. Der etwa 75 ni lange, rund 12 m bieite Südfliigel, der den Konvenlualen 
als Wohnung diente, enthiUl jetzt die Klosteroberf()rsterei, eine Arzt- 
wohnung und eine große Anzahl von kleinen zurzeit vermieteten Wohn- 
räumen. Ahnlich wie an der Ostseite vom Abteiflügel ist auch hier der 
Mittelbau etwas vorgezogen und mit einem flachen Giebel ausgestattet. 
Die Bauausführung des Südflügels schließt sich so eng der des Westbaues 
an, daß auf eine gleichzeitige Herstellung mit demselben geschlossen 
werden muß. 



Speise- 
zimmer. 




Abb. 225. 



Kloster l.;imsiii'ini;c; \ lilcillir^rl. 
I'icitrcppc. 



219 




Abb. 226. Kloster Lamspringe; Abteiflügel, Mittelteil. (1:200.) 



Neben- 
gebäude. 



220 

Der größte Teil der Stallungen und Scheunen, die den geräumigen 
Gulshof umziehen, stammt aus der Zeit zwisclien 1730 und 1750. Diese 
Wirtschaftsgebäude sind massiv in Bruchstein erbaut, teilweise gewölbt 
und mit Pfannendächern versehen. Im Schlußstein des Tores einer 
an der NordseiLe des Hoies stehenden, fast die ganze Länge desselben 
einnehmenden Scheune mit Seitenlängstenne befindet sich das Monogramm 
(.1. H.) und (He Jahreszahl 1745. 




Die Ostseite diesei- Scheune hat einen Querbau (Sj)eicher) erhalten, 
der gU'iclizeitig den (iutshof al)schließt. Das von Ge])äuden nicht besetzte 
Stück der Ostseite wird von einer Mauer i)egi'enzt, in der das sogenannte 
SchiUertor mit architektonisch gut ausgebildeten Pfeilern eingebaut ist. 
Kloslermiihle. Die im (Irnndi-jß etwa 7 7m große Wassernuihle steht nahe dem 

(istlichen Mauerzuge des Amtsgartens, war also vor dem Neubau der 
1751 vollendeten großen Klostergebäude den damals vorhandenen Bau- 
lichkeiten enger angegliedert. Das in Eichenfachweik auf Bruchstein- 
unterbau errichtete kleine Bauwerk mag dem Anlange des 17. Jahr- 
hunderts entstammen. Die Gefache sind jetzt größtenteils mit Back- 
steinen ausgemauert nnd ver])utzl. Das Middrad ist neu (Abb. 231). 



221 




Abb. 22.S. Kloster Lamspringe; Abteiflügel, 
Kamin im großen Saal. 



222 



Lamniequelk'. 



Im Klostcrgarten befindet sich die Quelle des Lamniebaches, die 
dem Olle den Namen gegeben hat; sie wurde im Jahre 17<S7 neu gefaßt 
und architektonisch ausgestaltet. Links und rechts des 2,5 x 2,5 m großen 
Ouellbeckens sind 'rrei)i)enanlagen geschaffen. Über der Ausfluß()ffnung 
der Quellslube ist eine 0,95 1,20 m 
große Steinplatte eingelassen mit dem 
Wappenbilde von Lamspringe (Lamm 
mit Krummstab) im Medaillon und 
iU'iu Abtswappen (Abb. ZVl uiid 'ZV.U. 





Abb. 22il. Kloster J.anispiiii^c; Alitcilln^icl, 
WiiiKlIiilluniA im Jiiol.icn S:i;il. 



Abb. 2M). Kloslcr l.aiuspiingc, Ablfifbi;i;fl, 
I-CnsliTlcibuii"; im ^roBen S:i;il. 



Die e\ a iigelisch-lu therisciie Kii'che, 

Beschroihim^. Die Kirche ist liiciU genau geostet; ih.re Längsachse verläuft von 
Südwest nach Nordost. Im (irundriß ist die Kirche nach dem Chor 
(Noi-dost) stark verjüngt. Laut Inschrift über der Tür an der Südwest 
liehen Längswand ist sie 1692 erbaut, doch ist dei über dem Quadrat von 
7,75 m Seitenlänge errichtete Turm eist im .lahre 1.S19 hinzugefügt 
worden. (Abb. 'IIU). Die Wände bestehen aus Hiuclistein vom Heber; 
sie sind außen und innen mit Kalkmörtel verputzt. Die Fensteröffnungen 



223 

erhielten Werksteingewände, ilue Form zeigl schwache gotisclie An- 
klänge (Abb. 235). Der Dachiiberstand ist zwischen den Balken du ich 
Füllhölzer vom Qnerschnitt eines Viertelkreises abgeschlossen. Das ikmIi 
den drei Chorseiten abgewalmte Dach ist mit roten Plannen gedeckt, es 
trägt am Zusammenschlnß dei- Dachllächen einen achtseitigen Dach- 
reiter mit geschweifter Haul)e (Abb. 2'M\). Dieser ( etwa 3 m) ist mit 




iLiL ^ - .^ -iL - ~ ' 



Abb. 2;51. Kloster Lamsprin^i' ; [\lostcrniiilile. (1:250. 



granem Goslarer Schiefer in dentscher Deckungsart behängt und ge- 
deckt. In der Wetterfahne die Buchstaben I. .\. V. S. und die .lahies- 
zahl 1092. Über dem 1841 vermauerten nördlichen Portal (gelbweiüer 
Sandstein) befindet sich eine ansprechend ornamentierte Inschrifttafei, 
die der an der Kirche in Sack Ijefindlichen fast xcHhg gleicid. Offenbar 
sind beide Tafeln aus der Werkstatt des idteren Dessen hervorge- 
gangen (siehe Sack und die aus Riechenberg stammenden Seileiialtäre (k-r 
.lacobskirche zu Goslar). Unterhalb des Doppehvappeiis (v. Steinberg- 
V, Münchhausen) in einer Kartusche in i)aroker Fraktur: „Diese 
abgebrandte Kirche hat Hr. Henning Adolplis von Steinbergs / Witwe 
nebst dehren Einigen Soliii .lohan .\dolj)hs ' v. Stt'inl)erg allein Gott 
zu lehren aufi'bauen las.sen / der wolle sie vor ungliick l)ehtiten undt hei 



224 



reiner Lehre ; Erhalten das durch sein ^vurt viel Menschen Seelig / 
werden mögen Anno 1692 /" (Abb. 237). 




Al)l>. 232. Kloster Lnnispiin 



nriic(|iicllc. (1 :!((.) 



Der 'riinu. duich den jetzt der Zngarig zur Kirche erfolgt, ist mit 
Ecklisenen aus roten Quadern gegliedert; seine mit gedrückten Bögen 
überdeckten Fensterumrahmungen sind schwach profiliert. 

Der beschieferte Helm vom Vier- 
eck in das Aciilcck idoergeführt, hat 
unten an jeder Seite vier kleine 
Krkerausbaulen erhalten, von denen 
dei- nach der Hauptstraße liegende, 
etwas größere das Ziflerblatt der 
L'hr trägt. 

Das jetzt allein hcnutzle Portal 
hat eine einfache architektonische 
(lliederung erhalten. tiber dern 
Sturz, unterhall) eiuei in einer 
Nische steheiuicii Sandsteinurne ist 
eine Inschrift j)latte eingesetzt, die 
untci- dem Monogramm G. R. HI 
in einer langen lateinischen Inschrift 
den Namen des Palrons (König Geoig III.), den Baumeister (A. Kratzen- 
berg), das Baujahr bSP) und (Wc Namen des damaligen Kircheni)r()vis()ren- 
kollegiums angibt. 




Abb. 2:;: 



KIdsbr- l.iunspriii^c; W'apiKMisbMii ;in 
der Laniiii('(nicllc. 



225 

Das von einer Holztoune überdeckte Innere wurde im Jalire 1921 Inneres, 
neu ausgemalt. Trotz des starken Einbaues von zweigeschossigen Emporen 
ist die Kirche übersichthch und erschein! iiiclit beengt, eine Folge der 




Abb. 234. Kv.-luth. Kinlic in r.amsprinpcp; CnindriB. (1:2.50.^ 



eigenartigen Grundrißform. Im Emporenlußboden eingesetzte Reste einiT 
ehemaligen Emporenbriistung mit farbigen Ornamenten (Abb. 23(S). Die 
Empore hinter dem Altai- entstammt etwa der Mitte des 19. Jahr- 




Ahl). 2:50. l-:v.-luth. Kirche in I.;inisprinL 
Oiierschnitt. (1:2.>0.) 




Abb. 2;i(i. l^v.-lnUi. Kinlic In I .•mi-.iiriiiiii'; 
Daciii'cllii'. 



hunderts. Unter dem Kirchenfußboden befinden sich zwei Kellerräume, 
die mit Tonnengewölben überdeckt sind. 



226 



Altar mit 
Kanzel. 



Krcinlcuchtcr, 



AltarlcuclittT. 



(Hocken. 



Abend- 
mahlsfieräle 



Der Altar ist der Entstehiingszeit entspreehend als Kaiizelaltar aus- 
gebildet. Neben der Kanzel stehen beiderseits zwei Säulen mit glatten 
Scliiillen. Schalldeckei und Oberteil des Altares haben üppigen Schmuck 
und reiche Proiilierung erhalten. An der Kanzelbrüstung das v. Stein- 
bergsche Wappen und die rnlerschriil : ,, Johann Adolph von Steinberg". 
Vier ältere Kronleuchter sind im Schiff aufgehängt. Von ihnen stammt 
der größte (aus Messing), o 0,95 m, zehnarmig, etwa aus dem ersten 
Drittel des 19. Jahrhunderts; von den übrigen ist der älteste der sechs- 
armige, e 50 cm, mit der Inschrift: „ILSA MARS /L-H-H-TR-/ 

Aö 1686". Sförmige Ar- 
me mit Delphinköpfen, 
sechs obere Zierate 
fehlen jetzt. 

Der dritte, sechsar- 
mig, 46 cm hoch, hat 
einen plastischen Adler 
als Aufhänger, oben 
sechs Zierate, darunter 
nochmals drei weitere 
und an der Kugel die 
Huchstaben: „I -H -H • 
lOM A-M-L-I-W • 
1759". Der vierte, etwa 
dem Ende des 18. Jahr- 
hunderts angehörende 
Krcnileuchter, ist sechs- 
armig, 15 cm; Adler flach, Kugel unten |)rofiliert. sechs Zierate in 
Blumenkelch form. 

Zwei Altarleuchter aus Hronze, ungefähr Ende des 17. Jahrhunderts, 
30,5 cm lioch, mit einem 1 1 cm, den oberen Tellerrand überragenden, zierlich 
gearbeiteten, ai)schraubbaren Dorn. Kandelaberform. Am unteren Rande 
einziseliert: „IIINRICH ■ TILE - SCIIAFMEISTEIi-. 

Außer der 1921 gegossenen eisernen Glocke ist im Kirchturm noch 
eine iUtere aufgehängt. 86 cm. Unterhalb der Haube von Zierfriesen 
eingefaßt, Inschrift:,, GEGOSSEN VON C. A. BECKER IND H. DAMM 
IN IIILDESHEIM 1817". Am langen Eelde: „WENN IHR DIE STIMME 
DES HERRN HÖRET SO VERSTOCKET EURE HERTZEN NICHT 
PS. 91". Auf der Gegenseite: „DIE EVANGELISCHE GEMEINDE 
LAMSPRINGE HAT MICH UMGIESSEN LASSEN". 

Kelch, Höhe 20 cm, silbervergoldet, unterer Rand geriffelt, Sechspaß- 
fuß, an dem birnförmigen Knauf ein kleines Zierband. An 




Abb. 2:i7 



Ev.-Iuth. Kirche in Lamspringe; Zierstcin iibci 
alten Eint:;anti:. 



XIEKAMP. Ao. \7\S'\ (loldschmiedezeichen nebenstehend. Ql^ 



der Unterseite des Randes eingraviert: ,,/. C. (iREVE. A. F. 



« 



227 



Der zugehörige LöiTel, 11,5 cm lang, zeigt ; 
silberne Oblatendose stammt aus dem .Jahre l.S.Sl 
mit Weihekreuz, ohne Zeichen; vielleicht ältei 

Die 26,2 cm hohe silberne Weinkanne ist 
wegen ihrer feinen Gravierungen besonders 
bemerkenswert, beflügelte Engelsköpfe, iilätter, 
Bkimen um Ranken überziehen die gesamten 
Flachen. Auf der Oberseite des Deckels die 
Widmungsinschrift :(Schreil)buchstaben),, Marie 
^^ Soi)hie Stender /geb. Stender / fdas- 

4]Q ^M/'i^ hütte bei Lamspringe 1(S39 



;l('iclie Zeichen. \\\ 



Patene, 
ils (U'i- i\ek' 



1 1,' 



iie 
cm, 



(lohl 




R:üsl<clicr 



Abi). 2:5S. F.v.-luth. Kirclie in 

Lamsprintip; chciiinlim' [{rüstnii^is- 

fiilliiiiji, jel/.t l'ul.lhoilcnix'lai;. 

(Nacli cincin .\<ni:iicll \()ii 

II. Sichern.) 



sclimiedezeichen nebenstehend. Ein 
Krankenkelch aus Zinn, ist 1700 von Pastoi- 
Marß geschenkt. 

Die Bauten i m F lecken. 

Der an der Hauptstial3e etwa in der Mitte 
des Fleckens nahe der Klosterkirche gelegene 
Ratskeller (Gemeindebesitz) gehört zu den 
wenigen Gebäuden, die von dem Brande im 
Jahre 1819 verschont geblieben sind. Aus dei- 
Flucht der Wohnhäuser um etwa 7 m vortretend, 
beherrscht er stark das Ortsbild. Der in Eichen- 
fachwerk aufgeführte Bau wird etwa Ende des 
17. .Jahrhunderts hergestellt sein (Abb. 239). Die 
Gefache sind jetzt größtenteils massiv ausge- 
mauert und verputzt. Die beiden Geschosse 
der Westseite mit Biberschwänzen, das Dach- 
geschoß mit holländischen Pfannen behängt. Zwei die ganze Länge des 
Daches einnehmende Dachluken lassen die frühere Benutzung des Dach- 
bodens als Speicher erkennen. Unter dem Gastzimmer ist ein tonnenid:)er- 
wölbter Keller angelegt. Im Erdgeschoß befindet sich ein Gasthausbetrieb, 
im Obergeschoß ein 10x5,50 m großes Gemeindezimmer (Abb. 210), Von 
besonderem Reiz ist die kleine, nur 90 cm tiefe. 10,5 m breite N'oihalle, die 
in vier von Holzpfeiler getragenen Halbkreisbögen sich öffnet (Abb. 211). 

An der Straße nach Neuhof, am Nordausgang des Fleckens, steht gegen- cienuiiuiL-liaus. 
über dem alten Friedhof das über eineniRechteck von 10 x7merrichtete Ge- 
meindehaus (Armenhaus), dessen 2,60 m hohes Untergeschoß in Bruchstein 
hergestellt ist, vermutlich gleichzeitig mit der Klosterkirche. Das Obergeschoß 
ist in Fachwerk aufgesetzt : einige Fensler darin zeigen alte Bleiverglasung. 
Im Inneren, auf einem 1,50 ml)reiten Flur, befindet sich noch deiolltiic 1 Kid. 

Infolge des Brandes im .Jahre 1(S19 stammen (he riltcicii Häuser 
Lamspringes fast durchweg aus C^qw .Jahren 1S20 bis IN.;!. Inschriften 
und Jahreszahlen über den Türen geben iMgt-ntiiinei- und l'auzeil an. 



l?üi-''t'iliäusfr. 



228 




D 11 

ZRDCS5CH0S5 

Abi). '2'M. l'.alskcllcr in Lanispiin^c; l'.id- und 
Oherj^eschoB. (1 :25().) 




Abb. 240. Ratkkeller in Lamspringe; 
Querschnitt. (l:2.ö().) 



Al)l). 211. Matskcllor in I.anispringc. 



229 

Langenholzen. 

Kirche, ev.-luth., Verschiedenes, Mühle. 

I/ili-raUir: C. B. Behrens, Slamnibauiu der Herren w Sleinber^, A<l(l., S. 35. — 
J. Chr. Harenberg, Historia eccl. Gandershemensis, S. 1723. — W. Heinzc, Geschichte 
der Stadt Alfeld, S. 409. — H. Hoogcweg. Urkundenbuch des Iloehstifts Hildesheini. 
H 019. TV 1389. 1155. 76(), 725, III 806/07, V 127, 1008. Derselbe, liivcntare 

der nielifslaatlichen Archive im Kreise Alfeld, unter: I.angenholzen. - K. .lanicke, 
Urkundenbuch des Hochstifts HihU'sheiin. 1 ()05. - - K. Ka\ser, Die reforniator. 
Kirclienvisitationen. S. 224. — J. L. Laiienslein. Historia Diplom, llildesicnsis II, 
S. 91. 285. -- A. H. Lüntzel, Geschichte der Diözese und Stadt llildesheim. H 177. — 
.1. Machens, Die Archidiakonate, S. 32. - W. IVIilhoff. Kunstdeid<mäler IIT. ^ 
A. Peters, Inventar der nichtstaatlichen Archive' im Kreise (inuiaii. nnler: I'riiggen. 
— P. Graff, Geschichte des Kreises Alfeld. S. :! 47 tf. 

Qnellen: Alfelder Landralsand : C. .\ 1 2a, He<<er- u\'n\ l>a<it'rl>iu h von i.anj^cn- 
holzen : ebend.- Winzenbnrger Erbregister von 1578. Schloßarchi\ Briiggeii : 

T^chnsurknnden von 15!>8 ff.: siehe auch die Quellen zn l-^ihrslc. Staatsarchiv 

Ilanncver: (^al. Br. 21 ('. 1\' 4. — Scluilchidiiilc von l.angenhol/cii. 

Ahhildnug: Hoogeweg a. a. ().. \' 1008 (\Va!)i)en). 



L)a T.anoenholzen Häi^erdorf war, ii\'h(")rf es zu den jüiioslcii Orlscharicn Gcstliichle. 
des Kreises. Die älteste Nachricht stammt aus dem .hdire 120."). Damals 
In'saß es bereits eine Kirche, deren Plebau Ludolf war. Die luhahei- des 
bischöflichen Hägerlehens wechselten oft. Genannt wckUmi die llen-eii 
V. Ordenbero (122.S), v. Wallenstedt. Kloster Riechenbeii* (\2:Vo), das 
Moritzstitt vor Hildesheim (1237), das Hikiesheimer Domkapitel (1210), 
(he Herren v. Tetelebeii. die Herren v. Mandelslohe, die Herren v. Hau- 
schenplat (1513 ff.), die es infolge der Stiflfehde an den Herzog von Braun- 
schweig-Wolfenbüttel verloren, der (hum einige AmtmäniuM" und die 
Herren v. Stockheim damit l)elehnte, bis es beim Friedensschlid.i Kil.") 
wieder ans Domkapitel kam. Von jetzt an war bis l.SOl inuner einer der 
Domherren der Oblegarius, Oberhäger, Gerichtshei'r und l^dron; danach 
war der Landesherr Patron. 

Außer dem Hägergut gai) es noch andere (ii-uudherri'u, nänüich das 
.Michaeliskloster in Hildesheim (1331) und die Herren v. Sleinberg (1 187), 
aus deren Besitzungen das Gut (,, Meierhof" oder ,, Zinshof", jetzt im Besitz 
der Familie Behrens) hervorging. 

Die Einwohnerzahl betrug 1<S09: 267, 1925: 606. 

Der etwa 8x8 m im Grundriß große romanische Chor der Kiiclu' nnl Beschreibung, 
halbkreisförmiger Apsis im Osten bildet den ältesten Teil der .\nhige. 
Dieser mit rippenlosem Kreuzgewölbe überdeckte Raum ist vermullich 
anfangs eine Kapelle gewesen. Die Apsis ist mit Halbkuppel geschlossen. 
Sockelprofil als 17 cm breite Schräge ausgebildet. ()l)eres Gesims aus 
Hohlkeide und PHUlchcii zusammengesetzt. In der (hiaderwand der 

3(1 



230 

Aj)sis (livi kleine roiiKiiiiscIie l^\'iisler. Die N'er^riWieiiiiiL; der Ivapelle zur 
Kirche erlol^le etwa in dei' zwt'ileii 1 lallte des 1."). .I;iliihiiii(UT[s (Abb. 2V2). 
Schür 7,r)() 111 breil, 11 m laiii^, drei Joche iiiil lijjpenlosen sc harl'i^rä litten 
(lewölbeii. luiideii schimickloseii Schluüsleiiieii iiiid jbi'eiteii. i^echteckii; 




Abi). 2 12. Kirche in I.anjicnholzcn ; (iiiinili-il.i. il:2.")(l.) 



piolilierleii (iiirteii. An diM' Nord- und Sudseile aul.ieii je drei Slrebe- 
pleik'r, \()ii denen der siidweslliche s|)äler noch um KÖO in Nei'breilerl 
isl. Zwei weitere Strebe])l'eiler stützen die Westwand. am ii(")rdlicheii 

lieliiulel sich die Inschrirt: ..AX- 
XO 1745". In dieser Zeil werck-n 
die I^'enster ihre jetzii^e rechlecki^e 
Form erhalten haben. Der Hauh- 
pulz {\v\- .Mauern slamml aus 
muesler Zi'il (Al)l). 21.')). 

I )as 1 )acli und das wi's! liehe, 
in l'\ich\verk her^eslellle niclil 
ausi^emauertt' (liebeldreieck isl 
mit loleu Dachpfannen behäni^t. 
b^irsl und (iit'belschräi^en sind be- 
schieteii. Dii' l)achiu'i<4Uii^ war 
einst riacher und dei Turm l'rliher 
elwa .') m niedriger als ^t'Lien- 
wärlii^. Di'r iiber dem C.hor- 
(üiadial li()cli;jel rdiiie kräfli^e. 
mit Satteldach \ ersehene Turm 
aus Bruchstein mit einbindemU'n 
(Juadere(d<eii ist \ ou ^\vy kanpori' 
ans durch eine in der Mauerdicke 
2i;;. KirH.r i„ i.;,nt;rni.oi/,.-n. dcF Nürdscltc licgcnde S tciu trcppc 




'lo I 

/ULjiuii^lich. Im rislcii l'unn^cschol.! sind ciiiiLic I ,iclil sclilil zc xoii 20 cm 
Breik' aiigeoidnel, im ObtM'i^cschoü niiidhoi^ii^c ScIkiIIoH imiii^cn. I)ic 
Giebeldreiecke sind im (ihei'en Teil mis \ c'rl)reltertem l-";ich\vei'i< her- 
gestellt. Das Innere ist sclilichl mit Kalklai'be festlichen: die l'jnporen 
an der nCtrdiichen nnd westlichen Wand stammen ans ^\vv Mit \v des hS. .lahr- 
hunderts. An einer P)ank im Chor: I. A. \1<:NX1':K()LI ) T 1771. 

Der Altartisch ans Stein ist noch iK'r alte romanische. Ahdeckplat tc Allai- mil 
l,73xl,l(S 111 i>roß. zei'hrochen: in der Mittt' i'ine l{eli(|nien.i;inrt zylin- ''^='"^*''- 
drisch, 10 cm, der riickseitii* LUMÜTnete llohlranm im Tisch O..S(') cm 
tief, 0,47 cm hoch, mit Ilolzbohlen ansoekleidet. An dci' N'ordeiseite des 
Tisches eine Bemalun^, lateinisches Krenz \'om I ihil terkianz nmi^ehen. 
schwarz und ockergelb mit dvv .Iahi-eszahl \1'.V.\ ( ?). \)('v Altaranlhan 
stammt ans dem Anfang des LS. .lahiiuinderts, die eingebante Kanzt'l 
über dem Altartisch vermutlich von 1771, da das an der Brüstung 
befindliche Wappen mit der t'mschrift: „FRIEDRICH CASPAR 
PHILIPP VON HAXTHAUSEN" dem um diese Zeit angefertigten am 
Patronatsstnhl gleicht. Links und rechts dei- Kanzel je drei gewundene 
Säulen mit Lanbbändern in den Windungen. Seitenteile der Waml in 
(Ini-chbrochenerArbeit. Rankenwerk. Oberhalb dei- Säulen Engelsfigureii, 
den Schalldeckel stützend. Als Bekrihinng: Christus mit der b'ahiu' 
(Abb. 2-1 1). Seitlich des Allartisches l)nrchgaiigs(')flHungen mit b'iguren 
über den Bogenmitten, links Moses, rechts ein Prophet (V). \)vv Altai' ist 
leicht getönt, die Figuren kiiiltiger in Farbe, naturalistisch. Hinter dem 
Altar steht außer neuerer Schrift angemalt: ,,Tem]i()ie et cura Dmi 
Pastoris Heinrici Georgii LcWleri Henrich Albrecht Pro tej): Vogl alliier" 
(L(kler amliei-le 1696 — 1722). Der Altar zeigt in der P)ehan(llung des 
Schnilzwerks Anklänge an die Werke Lessens (vgl. Lamspriuge. Sack). 

Das Gehäuse der auf der Westempore aufgestellten Orgel hat eine orj^ci. 
dem Altar ähnliche ornamentale Behandlung erhallen. 

Ein Patronatsstuhl im Chor an der Nordwand Iriigt v\n in Holz ge- Pnlron^ls- 
schnitztes Wappen der von Haxthausen und die Inschrill links nnd ^'"'''• 
rechts vom Wappen: 

FRID. CASP V. HAXTHAI SEX 

VON APENBURG 

CAPITULARHERR DP:R HOHEN 

DHOMKIRCHE ZI' HILDESH. 

GERICHTSHERR ZI LANGlAIlOl . TZ. 
ANNO 1771. 

Vau .Mtarkienz ans lironzt' mit .w cm hohem, gut ziseliertem Korpus Alinikiciiz. 
ist ein hervorragendes Stück seiiiei" .\it. Am ImiI.1 <las Wappen ^w 
von Haxthausen von Ai)enburg: letztes Drittel IX. .hihrhiindeil. 

N'on den \ier Altai-Ieuchtern ans IJi-oiizt' stammen zwei etwa ans .Mi.iilcnclilcr 
der Milte des 16. .lahrhu nderts. 2.S,.') cm hoch, mil neuen hTillen ans 



232 

Messing. Die beiden Jindeien. in dei' l'^)ini gleich und iJui ziselieid, vom 
Jahre 1705, sind 38,6 cm hoch, Kandelaberforni. Die drei Füße sind als 
Krallen, die eine Kugel halten, ausgebildet. An jeder Seite ein Engels- 
kopf. Inschrift: „HKINRICH ALBHECHT V. 1705". 




Abi). 211. Kirche in I.iintienliolzon: .Mtar. (1: Hl.) 



Kronlfuclil( r 
niul Wand 
arme. 



Zwei KronU'nchtci' ans l)i()n/.c h;mL>cn im Schifl'. l)erei-st( 



.).) cm. 



isl aus mindestens zwei, wahi'scju'iiilich ans drei alten Ki'oiumi /.usammeii- 
gesetzl, die dem ersten Drittel des 1<S. .lahrhunderls angehörtiMi. Dii' 
zw()lf Arme sind in zwei Reihen angeordnet. Doppeladler mit Pnnkt- 
ziselierung. Der andere, 53 cm, vom Kntle des 17. .lahrhunderls, 






i^Icichralls z\v()lfai-iiii^\ ist •ihnlicli niisi^childcl . I )()|)|)cl;i(llcr iiiil nr- 
sliichcller Ziselierung, ;iii den Anncii I )t'lj)liiiic. 

Zwei WandleuclUei' iiehtM. der Kanzel. clwa 'M\ cm aiisladctid. 
Sriirniig, ähnlich den Armen des grollen Kronleuelilers. 

Die spätgotische Läuleglocke, etwa 70 cm hoch. ,S I cm. zcigl (.lorkm 

unterhalb der Haube in golisctien Kleinbnclislaben die einzeilige 
Inschrift: ,,hilf • got • wes • ich • beginne • (hd • \(l • 
guden • ende • winne • haiis • boichaides • de • god • 
mek +" (Abb. 2 lö nnd'i Ki). Braklealenabdriicke. 

Zwei vermutlich alte l'hrschlagglocken sind 
im (ilockengeriist auf dem l^'irst des Turmes 
aul'g<^' hängt, aber unzugänglich. 

Ein Zinnkelch, etwa dem Anrange des 
17. .Jahrhnnderts entstammeml, mit demXamen : 
„KISTENBRÜGGP:"', wird nicht mehrbennizt. 

Die zinnerne Weinkanne. ]7.() cm hoch, 
o 9,5 cm, mit der Inschrift (Schieibschrift): 
i. ASPER IIERPST RENOV ATIIA 169T\ 
darunter 17()1, ist gleichfalls außer Gebrauch (I leimatmuscum in ANchl). 

Die Taufschüssel, 5 cm hoch, c 25 cm. ans Zinn, l'.and in ge- 'laulscliiissci. 
schweiften Linien, aber sonst schmncklos (IN. ,lahrhnn(U il ). 

VAn Räuchergefäß, Gelbguti. mit einfaciien Oiiiamenli'ii. in (buch- \\ Cilnaiuli- 
brochener Arbeit und den lUichstaben: .,L. 11 Z." sowii' dei' .Jahreszahl •^^''-•'• 
177'.(; außer Gebrauch (Heimatmuseum in .Vlfeld). 

Im n()rdlicheii b\Mister der Apsis ist eine runde farl)ige Glassclu-ibe, (.lasiciislcr. 
( l.'>,5 cm) eingesetzt mit dem Namen : ..1 linrich h'ischcr" und <K'r .lahies- 




Ahriul- 
iiiahlsgeratc 



Kiiilii' in l,;niL;inli()I/.cii; (ilockc. 




Abb. 21(i. Kirche in I,:inLi<tiiii)l/.cn ; l'cilstiick der ( aockeninschrit't. 



zahl ..ANNO KHw"". daiiibei- im Wappen drei b'ische uiul die rx'ischriri 
(Scliii'il)schrift): ,,Das libit .lesu Christi Des Sohnes gottes macht uns 
lein \()n allen Sünden amen". 

Auf dem l-'iiedhol Tu-gen noch \\vr Grabsteine ;tn ursprünglicher ■■i'ii'»lli<)r. 
Stelle aus dem eistt'u Diitlel des 1*.). .Iahi-hunderls (i-oter Sandstein). 

hjiie Sandsteinbriula' mit dr'.i tlaclu n Rogen. ]2/.VA m lang. 5, .SO m WariH'hrüeke. 
breit, Brüstung aus Steinplatten zwischen Steinjjteilern. ist Anfang der 
fünfziger Jahie des 19. .lahrliundeils iibei' dem Waint'liach erbaut. 

31 



2?)0 



Die \\;issciiinihlc;iiii \\';iriu"l);icli, cl w ;i 10(1 iii iiDidlicIidcr Sl niüciihiiickr, Wassern lülilr 
ist y.uv'/.v'il \'Ai2,cu[uu] des MiihK'iilx'silzcM-s VoiinckDld (Alfi'ld). Sic wiirdi' 
in Eicheiil'acln\ei-k iilxM- eiiicm (iriiiidriU von 
11,75 X 17 m iiii Jahre 1772 niil y.wn stalllichcii 
Stockwerken, deren (iefaclie mit loleii IJaek- 
steinen, leüweise in Mnslt'iii ausoeselzt sin(k 
erbanl (Abi). 217). liineii\v:iii(U" l.einn auf 
Meclitwerk. Kleiner Keller mit ii|)|)enl(iseii 
\'er putzten Krenz<>e\v()li)en. I >riiclisli'iiis()cja'l. 
Piannendach mit Sehiei'ereinlassuiii^eii an den 
Graten, Firsten niid Windbrettern. l'iiter 
dem Daeliiiberstand ein pi-olüiertes indzernes 
Gesims. Haupteingangslüi- in Kiehenliolz. 
verdoppelt mit schmiedeeisernen l)esehl:ii>en 
(Abb. 2I(S). rmrahmung profiliert. Ober der 
Tür eine Holzlafel mit Schild (Ziikel, \Viid<el). 
Inschrift: „.IP:SUM HABE ICH IN MEINEM 
HERZEN. GOTT IST BEY MIR. JOHAN 
HEINRICH MACHENS MARGRETE MACH- 
DALENA BILLISHÜSEN ANNO 1772-. 

Eine Ölmühle hinter dem HauptoebiUide -^*^=-' nliniilüc. 

ist verfallen. Am hölzei'iien Tiii-slurz das Abb. 218. 

ild eines 01stami)l\verkes m Maeliarlieit. ' 

darunter: l.S.^2. Links und rechts der Zeichnuiii» ( Schreibsehiift ) : 
,,llerr segne uns dein Geist verleih, was wlv drin treiben, glueklieh sei 
b'riedrich Grote. (Ihristine Grole geb. N'espermann"". 




Limmer. 

Kirche, ev.-kith., Gut. 



J.iteratiir: .1. Fr. Harenl)erg-. llisl. ccek (iandci-slu nu-iisi^. W. HavcMnanii. 
Ck'scliichto (1<T Lande 15rauiiscli\vei2; un.l i.inul)urö m. s. IIa. II. I (ooi^cwcg. 

l'rkundenbudi des I loclist ifls I iildcslicini. \\ 1.")(fi;i. Dciscll)^. Invmi.ari' der 

niclitstaatlichen Arehive im Kreise Aüeld. nider: i.iininer. sielie aueJi S. .')ti. — 
Derselbe, Hoyaer Urkn]i<lenl)n(li 1. KKIS, Nr. 2. W. Million. KnnstdenkniälcM- T. — 
G. I.. Müller, Das Leluis- und Faiulesaui'iielxd unter Herzog; I leiinicii. S. 55(5. -- 
W. Roßniann, Die Sliflstehde. S. (Ki?. r)Ol. G. .Selmalli. Die Herrschaften 

Everstein, Homburg und Spiegel])erg, S. ii.nt. - U. Siidendorl'. lrkun<lenbueii 
zur Geschieht e der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. \'I in<). S. 119. 
P. Graft. GeseiiieJite des Kreises Alfeld, S. 'J'XI tf. Dersell.e. Die Herren 

V. Stöcklu'im im „Haniiov. Magazin''. 192.S, S. 1 IT. 

Quellen: Schlollnrclnv 13rüggen : jA'imsurl<untlen l.')N!t tt. ; eJxiid.: l ikunde 
Xr. II."). Schlol.iarehiv Wrisbergliolz( n : Das ..nde" I.ehnlnieh. Staatsareliiv 



'2'M\ 

Iliimiovc-r: lirk. d. Hislor. \orciiis, Nr. 77i), 7i>.S, 7!)!); t-bcnd.: Cnl. P>r. (k-s. 2 Ami 
J.oiicnsteiii 59 und tiO. (i 1 ; (■l)("n(l.: BeschroiJiunii nlk'r Ivirchcn. Hdscnr. (k^s Hislor. 
Vereins. ^ l'fiirrarcliix' J.iminiT: Chniink \. I)r. I'"k'iiiiiiiii,n. Ildschr. Scludclirdiiik 
von I. immer. 

Al)])il<liini^iMi: I loouxwe.u :i. :i. ()., lA'.SÜl. 11 I ;')0.^). i hircnkeri^ ;i. a. ()..1';dei 
.") k — HdscJir. des Hislor. NCreins : ( iesi'iiiiis. Wanpen, und Mil holT. \\'a|)|)ensl udii'ii. 
Slaatsarckiv: Karten: I .\ F '.VA. 



fieseiiiehle. Uie iUlcsUMi Xncliiiclitcii lihcf Limmci' (..liiiihcrc"". I kMk'iihiiio (k's 

Namens iinislrit Icii) stniniiicn aus dein .lalirc \'.V.'>\). NicHcicht lai^ die 
crsti' Sicdluiiii doli, wo sich noch jetzl der k'lurorl ..Liinnu'ilxii'o"" hidiinkd. 
Ilici- hallen die v. Steiiihi'r.14 waiirscheiniieh seil 1 ^kS.') ( iiiindhesil/.. 

.\her die eigenlHcheii (Irundherreii waren (he w Slöckheiin, elwa xon 
l.').")!) l)is zum Heoiiiiii (k's l.S. .hdiihuiiderls, wo sie mit (k'in Todt' .\uousl 
I'"rie(hieh w Slcu'kheim hier ausslaibeii. Da (heser 1709 ein l-'i'äulein 




Ahl). 2I!1. Kirche in l.inimci-: ( iTuiidril,!. (l:li.')(>.» 



V. Hauehhaupt ocdu'italel halle, fiel das (iul seiner Wilwe /u. (h( daiiii 
einen 1 lei rii \. SoeleuLlial wieder heiratete. Helelinl wurde mit Limmer 
scliheßheh (he mil ihr verwandte Famihe v. Kameeke. \'on (k'r es ]K,V,\ 
(he Familie llc-iniehen kaid'le u\\(\ IcSöl (k'r (irai' \'. (i<)iiz-\\'risl)ei\o. 
Das (irüiuluiiiJSjahr (k'r schon \-or der l^elormalion erw;dinten Kirclie 
ist nnh(d<annt. l^alron ist (k'r Iiiliaher des (lules. 

\)vv Ort halle IShS: 'Jl'i k:iiiwohn(M-. 1925 eiiischhel.ihch (k-i- (hircli 
das i\.ahherowt'rk entstaiKk'iien i\ok)iii(' (Wxk'iiau: 7.")1. 
Reschreil)un.u:. Das Schill', im (Irundril.i 12 1(S,.~)() m orol.k ist an (k'ii iilier einem 

(Quadrat xon ,5,90 m Seite eiriehteten W'esttui'in, der \-oii der rdteren 
Kirche stehen hlieb, im .lahre 1 712 anoehant (.\bl). 219). Das Mauerwcik. 
Kalkhruchslein, jetzl mil Zcmeiilrauhpulz \-ersehen. Tiir- und k'eiisler- 
tiewände aus Sandsicin. {"cnsicr rniidlKti'iL; üeschlossi'ii. Portal an der 



Kircke. 



2:^7 



iiiiSL'childcl . 



Kii 



den l^iu'hstahci! : 
und der JaliiTs- 



Siidscilc. edwa 5 iii hoch, aus ocIhwcK.lcm Saiidslciii : (Ic-waiidc iiiil 
FlachoniaiiKMiten. Am 71 cm hohen Stiiiz hnks das v. Slockhcimhschc, 
rechts (his v. Rauchhaui)lschc Wappen. I )a/.\viscluMi (he Inschiifl: 
„ANNO 1712 IST DIESE KIEHCUE VON OIU'ND'I AI IT' Zli'. 
EHRE (iOrrSS GEBAUET WORDEN Dl Pddl (hnks) lll-:iUI\ 
AUGUST FRIEDERICH / VON STOCEHl^LMH (ivclils) ERAU / 
JOHANNA SABINA / VON RAUCHHAUPT VON DIESEM TAGE 
AN WILL ICH SEGEN GEBEN ' PROPH., II.\(;(;\I: i. (AP. V. 20", 
über dem Gebälk Chrislns. (his Kien/ haltt'nd, beideiseits hebende 
Putlen. Im Putz über dem Portal: „Pvenovirl IcS*).')"". Das rranl- 
S4esims des Schiffes, ehva .')') cm hoch, ladet fast 50 cm ans und isl 
reich profilier!. 

Die Gi-uft im Untt'r^eschoß des Tni'mes isl \-ennanerl. der llelm 
mit grauem Schiefer beleiht. Uberführnng xom (Jnadral znr nnleien 
achtseitigen Laterne durch geschweifte i^läclien. Z\vischen(lacli gleich- 
falls geschweift. Darüber eine zweite LaliMiie von kleineren Ah- 
messnugen. Spitze als sehr schlanke Pxraniide 
Wetterfahne mit dem \Va])penl)ild 
\on Slockheimb 
,.(:. M. V. H. p.- 
zahl 1C)72. 

Das Inn(,'i'e isl mit einer ebeni'u 
Decke aus Brettern mit Fugendeck- 
leisten in 6, 40m Höhe abgeschlossen. 
In der Mitte eine etwa 3 m hohe 
achtseitige Ilolzkuppel. dei'en Rip- 
pen und Schlul.ti-ing profiliei't sind 
(Abb. 25(1). Die Fenster sind 1.S20 
mit HolzsprossenwTrk versehen. 
Einfache PTni)oren befinden sich an 
der West- und Nordseite: die Orgel '<^ 
ist ohne Kunstwert. 

Der Altarauf])au, reichgeschnitzt. \,,| 
stammt aus der I{!rbauungszeit 

der Kirche. Die Kanzel kragt über dem gemaiuMien .\ltarlisch vor. 
links und rechts ein Säulenpaar auf Sockeln. An der Biiistung \ iei" ge- 
wundene Ilolzsäulen und in den Feldern flaches Schnilzwei-k. P)lumen- 
vasen und Blumenranken (Einflul.} Lessens s])in-bar). Ohi'rhall) des vei-- 
zieiten Schalldeckels ein Ölgemälde, Christus in ( .et hsemain'. N\d)tMi 
dem Bilde je eine jonische Säule. Seitt'nteile unten wie oheu als 
reiches Rankenwerk in durchbrochener Arbeil ansgehildet. 

Das Gestühl stammt in dcv I lau])t?aclu' ans neuei'er Zi'it, einigi' chor- 
stuhlaiiiiie IJanke \\\n\ Gitterslidde sind noch alt. 




Kiiflic in I, immer; Ouc] ^chiiiU. (1:2.">(l.) 



Altar mit 
Knii/.fl. 



Ccsliilil. 



238 



Opicrsloil 



Tank-, 



Allar- 
Iciiclilcr 



(.locke, 



Al)cii(l- 

malilst«(>r:"ih' 




Ahl). 252. Kii'clic iji l.imniincT 
Wiippcn an der C.ldckc v. l(i()3. 



Am Sii(KMiin;iiiJ4 im liiiiricii isl ein 'i,7'_! m hoher hölzerner Oplersloek 
\()ii einenniiioer l-^)rm ;iiir,ij;eslelll. mil Schiiiiickrormeii. wie sie' tun K'iOO 
iihMeh \\;irtMi. ()|)l'erk;islen iinl' Konsole, dariihei' eine etwa 2 m hohe S;inle 

in I>en;iiss:incerorm, mil 

koiinl hischem Kapihil 

lind (iel);ilk. Spit/e ;ils 

Ohelisk (AM). 27)]). 
I )ie rnnl'e ;ins I lol/ 

isl im I )reieck ;iii_m'le^l. 

(S,') cm bis /nm IV'cken- 

rnml. 1.07 m his znm 

1 )eckelknopi' hoch. l)ie 

obere IMatle wird \oii 

drei i^cdreliU'ii SiiulcluMi 

^elrnficn. Ilersl eller isl 

der ISC);") in Ummei' 

\('rslorJ)eneMnnn heimer 

I )iH'chslei- 1 lennin^er. 
Zwei .Miaiieuehler 

ans Uron/e. 15..") cm hoch, shimmen ans dem 

l^nde des 17. .lahrhiinderls. 

Die LrmU\<4loeke, ; 7() em. Ii'ai^l am lanoeii 

l-'elde in einem 25 cm breiten Heclileek. das 

\. Slockheimsche Wappen (.\bb. 252). Inschi'iri: 

„ZV C'.OiTKS KHK 

1 IAHEN / MICH DER 

HOCH EDEL GE- 

IU)linEN LYDOEE/ 

.\C11ATZV0N/ST0CK- 

Ilh:iM/ERB SASSE/ 

VEl^' L IMMER GIES- 

SI'A • ASSEN ANNO 

1 ()(').■)■■. Der Klöppel ist 

mil nebenslehen- 

dem SU'nipel \cv- 

sehen. 

\)v\- silbi'iA'ei'Ljoldele - 

Kelch eiilslamml i\vv 

erslen llrdlle des Kl. 

.bihrlmndeils, Höhe 1(1 cm. Knppa 10 cm. 

Si'chspaßiuO © 13,7 ein. .\m b'nl.i nuri^enielet 
""''''■ -■''• ein Knizilix iiiul zwei \Vani)enschildeheii ans Zinn 

Kirclic in l,inini|.i-: i » i 

opirrsi.HK. (Rauclihaupl und RaiisrheTi])lal) (drei Blällei-). 



03 




Abb. 2.53. 

Kiirhi' in I. immer: Kelch. 



239 

Am Kiimir sl;ill dci' Zapri'ii sechs \i('il)Uit liii^c Uliilni iiiil /iinickno- 
bogenen KroiRMibiallci ii. Der Kt'lcli isl doiii in I larbariiscii riliiilicli 
(Abb. 253). Die zugehiui^r silborvi'i'^ohk'le Palene, 1 l.f) taiu /.cii;! 

auf dem Boden einen Sechspaü. am Hände ein Weihekniiz. 

Das in der zweiten Miilfle des LS. .lalirliniiderls in l'"acli\veik zwei- ('■iM 
geschossig erbaute Gulshans lial einen nuissiven, aus belianenen liiiich- 
steinen hergestellten hohen Soekid, ein gewahnles Ahinsarddacli mil roten 
Pfannen. First und (irale aus Ziegel, also ai)weichend xon der sonsl 
üblichen Ausführung in Schielei-. Das slallli(du' (ndtiuide isl j(d/.t mil 
hellgrauem KalkniTirtel verpuizl, in den /.um l\'il (Juaderlngiai v\\\- 
jjeritzL sind. 



Lübbrechtsen. 

Kapelle, ev.-luth. 



l,i U'ia l II r: IL L. Ahrcns. 1. ZIschr. <l. Hislor. NCrriiis. ],S7('i. S. (il. - J. Clir. 
I larcnbcrg. lüstoria eccl. Ganderslicniensis, S. 955. - H. Iloo.^ewog, t'rkuiKlfiilnicii 
<los lloehslifls Hildeslieim VJ, Nr. 54ü. - lOerselbe, Inveutarc (Um- iiiclilstaaliielu'n 
im Kreise Alfeld, unter: Lül^brechtscu. — A. H. Lünt/.el, Die ältere Dio/.cse 
liildeslieini, S. 130. — G. L. Müller. Das Leims- und Laiidesaul'ifelxd unter 
Herzog Heinrieli. S. 552. — W. l^el.Uer, Das altsächsische Bauernhaus. S. 1S5. 
A. l^eters. Inventar der nielitstaatlieheii Archive im Kreise Grdiiaii, S. 7. ~'2. 
Ruflorff, Das Amt Lauenstein, i. Ztsehr. des Hislor. Vereins für NiediMsaehsen. 
185<S. — H. Sudendorf. ITrkundenhiu'h zur Geschichte <k'r 1 Icr/di^e \(m iiraun- 
schwcig und Liuu'hurg 1, S. INI — 1-*. Graff, Gesctiiehte des Kreises Alfeld, 
S. 279 fr. 

Quellen: Alfelder Landratsarehiv: idleres Repert. III, S. G39, 643. — Staats- 
archiv Hannover: Cal, Br. des. 22 X. 19: ebeiid.: des. 19 XI L 17 Lauenslein. — 
Schulchronik von Lübbrechtsen, siehe auch die Quellen zu i ioyershausen. 



Lübbrechtsen finden wir zuerst in einer T'rkunde von 1301, nach Geschichte. 
welcher der Bischof von Minden hier Oberlehnsherr wai-. l^ine angebliehe 
Erwähnung schon ums .Jahr 900 im Register des vSaiaeho, wo unter den 
(iiitern des Klosters Corvey auch ,,Liudberleshus im G.uddingo" genannt 
wird, ist in jeder l^K'ziehung ungewiß. Die Domi)ropstei llildesheim bezog 
1382 von hier Einkünfte, elxuiso um 1500 das Kloster Ciandcrsheim. 
Andere Grundherren waren im Laufe der Zeit die Herren v. Stöckheim 
und die Böcke v. Northolz (wüst bei Marieiniu), lerner die b'amiliim 
V. Spiegelberg, v. Bennigsen, v. Engeibrechten und v. Wolfi-MelltMiiieh. 
Bei der Visitation 1588 wird als ,,Eiliar' von lloyershauseu aneli ..i.u- 
brechtsen" mit Kapelle genannt. 

Der Ort hatte 1809: 191 I-.inwohuei-. 1925: 2.31. 

Die Kapelle (0,95x10,70 m) isl anl kleinem lliigel in Uiiu'hslein I leM-hreiluni; 
erhaut, aid.ien jetzt mil ZenuMi InnHiel Ncipulzl mil (■in^eritzten (JuadiT- 



210 



l'ui^i'ii. liaujalir vcrimillicli 11)17 (.laliics/ahl am Altar). Osl- und XW'st- 
st'ilc als Giei)cl ausgebildet . Am W'esteude des l);ielies über dem Sechseck 
(.SO cm Seiteuliinge) ein Dachreiter aus llolz. in den tschei' Art mit Schielei- 
gedeckt. il(')lu' tdwa I m iiher dem l'"irsl. In dei' Welteiiahne die .laliies- 

zahll7(il(Al)l).254). Kapellendach inil 
roten Sandsti'inplat ten helegl. 

Das schlichle Innere ist mit dei' 
Kelle vei-|)ul/.t und blau gekalkt. 
V b'ußbüden gedielt. Decke in 1,7.") m 

ll(')he. sichlbart- 1 lolzbalken. (leslidd 
ohne Schmucklormen. 




IFZZVnsSKWTA 




Al)l). 2.V1. l\ii|)>-lk- in l.ubliiv.-lilxri. 



Abi). 25.'!. Kapelle in I .uhlireohUen ; Allar. 



All;ir. Der Altailisch ist gemauert, die Kiickwnnd aus Stein. Mittelbild 

Abendmahl (Flachrelief). In Meduillons: (links) .Matthäus. Lukas, (rechts) 
Markus und .lohaniu-s: oben im ornamenlaleii Hahmeii ...\niio 1()17". 
.\ls nekrihiung ein Kruzitix auf dnrchbroclu'uem ('iiuiide. N'oluti'U und 
Hosen (.Vbb. '_*.').')). liiter ^Irv 1 lauptdarslelluiig steht in Henaissance- 
schrifl: ..Matt. 2(), Marc. II. Luc. 22, L. .1. Cor. IL Dat.! Hrot Heicht 
da (h'ii Leib des 1 li'rrii dal.! Lliit Im NW'iii. Die Sund treib fern"', 
(lesamt h(>he des Altars !), ,"),") in. 
Glocke. 1)'^' L;mteglocke im Dachreiter ist ohiu- Schmuck und Inschriften, 

53 cm. 



Meinierhausen. 

Kirche, ev.-Iuth. 



Literatur; (k'ogr. statist. H(.'sclircil)uii,L>; Noii Ostlalcii im llaiiiiox. (.clcliii. 
Anzeig. 1753, 76. und 77. St. l-rcili. .1. Crotc. Ncrzciclmis wiislcr ( )rtsc-lKH hii. 

S. 18. — H. Hoogeweg, Urkundcnl)ii(h des Hoclistilts Ilildcslu'ini \\ . S. M>\ und 
Nr. 1155. — Derselbe. Inventare (hr nii htstaatlichen Archive im Kreise Alfeld, 
unter: Meinierhausen und Everode. - Zweiter Jahresbericht für Kunst und Natur. 
Hildesheini. ISlti. — K. L. Koken. Die Winzenburg. S. \:v>, 133. .1. L. Lauenslein. 
Historla Diplom. Hildesiensis II. 2.SI. W. I.mke. i. AHelder Ztg. vom 13. Februar 
1925. — A. H. Lüiitzel. Die bäuerlielieu Lasten im Fürstentum f lildeslieiin. S. 1.S3. — 
J. Machens. Die Archidiakonate. S. 387. — W. Mit holt. Kuiisldeid^mider III. — 
(r. L.Müller, Das Lehns- und Laiidesaufgebot unter Herzog lieinricii. S. l(t(i. 152. — 
A. Peters, Inventar der niehtstaatliehen Archive im Kreise (ironau. unter: 
Brüggen. — P. Graff. Geschichte des Kreises Alfeld. S. 111 11. Derselbe, 

Im Hannov. Magazin. 1028. S. 9. 

Quellen: Alfelder Landralsarehi\ : Winzenburgi'r Frbregister von 1578: 
ebcnd.: Fach 342, 6. — Historischer Verein für Niedersachsen (StaatsarcidN): 
Beschreibung aller Kirchen .... — Schulchronik von Meinierhausen. 

Ai)i)ild ungen : Staatsarehiv Hannover: Karlen: I A F 31. auch Beilage in 
("rraff a. a. 0. 



Wii'klich lieglauliii^U' Xnchriclileu über dieses kli'iiu'. kiichlich mit Geschichle. 
Everode als „Mater combiiiala'' vereinigte I)(")i1'leiii haben wir itsI aus 
dem .Jahre 1321 und '['.V.W, wo es im Giiterverzeichnis des Miciiaeiisklosters 
in Hildesheim genannt wird, (irundherr und Patron war im übrigen 
der ,, adlige Sitz", den bis etwa 1609 die v. Hansehenpia l innehatten, 
danach kurze Z.eit die v. Stöckheim und die v. Rössig. im IS. .Jahrhundert 
l)is l(Sßl die v. Kcniig, danach die w Sti'inbeig. Die Kirchi' wird \')'2'.) 
zuerst erwähnt. 

\\)n dem wiisl geworih'nem Dorfe Eissem (Eisnm) an (Kt Slral.u' 
nach Everode ist noch die schon im Winzenburgei" bLrl)regisler ir)7(S er- 
wähnte Wassermühle, der sog. ,,eiseiiie Heini'iclr" vorhanden. Das eben- 
falls im Erbregister genannte Vorwerk M(')lmerhagen (MeKt'rhagen) ist 
1921 wieder aufgebaut. 

Die Einwohnerzahl von Meimei-hansen betrug 1<S(»9: 191. 192."): LScS. 

Die ehemalige in Fachwerk, laut (ilockeninschrifl im IN. .lahrhunderl, Beschnibung. 
erbaute Kirche wurde im .bdire l.S7(S durch einen Hacksli'inrohbau in 
gotischen Formen ersetzt. Inni'inanm iiberwölbl. ("hoi- mit di'ei S^'iten 
des Sechsecks geschlossen. 

Der hölzerne Altar, etwa dem Ende des 17. .lahrhunderls enislammeiid. Allar. 
trägt im Mittelstück der Rückwand eine Kreuzigung.sgiupjie, |)lastiscli. 
beseitet von je 7wei gewundenen Siuden mit Laubbändei'u in den Win- 
dungen. Am Aufsatz zwei Engel. Hemalung farbig. SäuK'n weil.l (ei- 
ueiu'rt ). 



242 



Cilocken. 



I\;iii/,cl. l)ir l\;m/.rl ist ;iii (\rv Nordw ;i iid des ChoiX'S milcr Wtw (Midiiiii; riii/A-liicr 

idliMcM- Tcik' (NiTiiiiillich 1.S7.S) neu aiiri^esh'lll. dein Stile des Altars 

;iii^e]);d5l. 

Tnufstein mit 1 )ei- Tiiiirslein. 1 m lioeh, Pokalforni, vom Aiiiaiii; des 19. .Jahilumderls. 

I iiiilsrluissei. |)j^, 'i;,,irschiissel aus Messiiii>, ■ 36,5 cm, lrä,i>t am Ran(k' eiiijL*ra viert 

die Widmuiii;: ..Aus l)ani<l)aikeit .^em'ii (lott tili' die am 2.S. A])ril l.S.'U) 

erfolgte (iehurt ilirt's Soliiies Haus .luliiis Leo xoii dessen l)<,\tj;liickleii 

l^lteni b'ranz Leopold Luidolph und k'Jisahelh Maiia Auguste von Ki'ini^ 

dei' Kirelu' zu Meinu'rhauseu gewidmet". Am l)()deu im I )iH'i\ieitelkreise : 

,,nisi qiiis reualus liieiit ex AQLA ex SPIRITL uon potest introire in 

i\\i>imm 1 )1\1. .loh 111,.').". li'iMier aul'i^enieti'l : b'iilllKuiiei-. L)lumen. I'^riiehte. 

k'i^ureii iu klassisch antiken Ti-achten. 

Alhiilciichlci. Die beiden Altaiieuchlei' aus lirou/.e. in KaiidelaheiToi in. auf drei 

b'iiLk'U (KuL>i'l, Kralle). 'i>'t '1^'" luscdiril'ti'U (auf beiden i^leichlauteud) : 

,,1 • 1 1 • \' • K • (". • K • V • H • Hi.S."^ • ". sind mit vier in Kreuzlorm aiii^eürdnelen 

l)i-eieeken und dem Monogramm NB. 
i>eslemi)ell. Zwei Messingleuchler, 
LS. .lahi'hundeit, sind einfacher ge- 
halten. 

In (Ivv sehr beengten (ilocken- 

slube des W'esllurmes hängen zwei 

(ilocken aus dem .lahre 17*.)S. Die 

größere, 63 cm, trügt am langen 

lA'ld das l^>hewappen v. König 

(Abb. 256) und die Inschrift : (Hand) 

„LEOPOLD HEINRICH ERNST 

MARIE CHARLOTTE EERDI- 

NANDE VON KÖNIG. TREUVERBl^NDENE HERZEN DIE SICH 

Z.L:RTL1CH LIEPHEN Dl'RCH IHR VEREINTES BEMÜHEN 

HISSEN SIE 1790 MEIMERHAUSEN / AUS DEM CONCURSE * 

DIRCH P>EZA11LING GROSSEl/IERLICHER SCHULDEN* UND 

VEPxSCllÖNERTEN ES DURCH NEUN NEUE CiEBEUDE * UND 

KIRCHENBAU PS- 103- V- 1 • 

(Hand) ANDENKEN EINES LIEBEN VETTERS HElNHlC.ll 
b'i:Bl)lNAND VON GADENSTEDT * 

(Hand) AUS DIESb.R GLÜCKLICHEN EHE ENTSPBOSSEN 
ZWEI SOHNE EÜNE TÖCHTER * CRISTIANE PHILIPPI ROST:- 
MUN : .lOSEPHA * 1'R1T:DERIKE • CRISTI : LEOPOL: VIC'TO * 

DREI GU'TE lit:bt: 'T()cittt:r lt:bt:n noch • gottes set:gt:n 

ÜBER SIT:*". Unterhalb (Um- llaubi-: (Hand) ..Gegossen 1 79.S von 
C. A. Bt'cker in I lildesheim"". 

Diezweile, 17 cm, hat die Inschrift : „KOMMET 1 lT:HZr, LASSTH" 
IINS DEN HERRN EROHLOCKl-.N • P • S- X • C • V • V • 1 • -. (Wappen 




2Öik ^liiisJ^iäSi;:!^ 



Abi). '2'>i'>. Kirche in Mciincihaiiscii ; 
W'iippcn ;ui (Irr iüröl.U'rcn ( Hocke. 



'J43 

wie an der ersten Glocke): „lll^INHlCI 1 .lollAXN IIAIJAN V()X 
KÖNIG- .JOHANNA MARIA ELISABE'I IIA VON KO.NK, • (.IJ'.OIIi; 
VON KÖNIG GERICHTS HERR INI) EHP.ERAU AIE i\Il-:iMl':i>,- 
HAUSEN • VIENENBURG LOCHTEM • ETC : HAP>E\ OEZECOI'-T 
NÄCHSTEHENDE ANNOCH LEBENDE XM SOHM-: • (llaii<l): 

I II III lY 

I • H • L • V • K • * W • C • G • V • K • * W • T • V • K • * .1 • L • \' • K ■ * 

V VI VII \1II 

C; • C • V • K • * E • V • K • * 11 ■ A • \' • K • * !•: • 1 { • \' • I\ • 

IX X XI XII 

1<^-L-V-K- * C-E-V-K- * .I-\V-\-K- * I"\V\-K- 
ALLERSEITS Xll. CEI^IU'I )EPv. liilerhalb (Wv Ihmhe: (Hand) 
„GEGOSSEN VON C. A. BECKER IX IIILDESHEIM. 17<).S-. 

Silberner Kelch, innen ver^oidid, Ibilu' IX. 7 cm. l-'iil.! iiiiid. an AImihI 
der Kuppa das Doppehvappen v. I\()niij; und \. Hossin^. rnischiin, '"*' ' ^^^•-■••'- »^ 
t>raviert: ,,.Iohan llinrich von Ktinii; • Kail I-disahelh xon Konij^ i^c- 
borne von Rössing". Goldschniiedezeichen \vu' am Kelch in l-'.imscn. 

Die ziigehöi'it>e silberne Palene hal 11,7 cm I )nrchmessei-. 

Silberne Oblatendose, 1 cm hoch. o\al. 7 10 cm. (loldschnnciie- 
zeichen unbestinmit. 

Zinnerne Weinkanne, mit Henkel nnd Ansgnl.i, '2'.) cm hoch: /.wischen 
Bandverziernngen die zweizeilige Lmschrifl (Schreibschiil'l) : ,,Anno 
1751 den 25 Dec. .lohan Heinrich Ln(loli)h Non König. , Johanne Angnsle 
von Koenig geborne von Gadenstedlen"'. 

Die Gebände des ehemaligen v. Königscheii (inles mit lonncii- i;,i(.|ii„i. 
gewölbten Kellern nnd Stallnngen sind ans lagerhall bcarbeilcleii Sand- 'iifnuili^cs 
steinen hergestellt. Eenster- nnd Tiirumrahmnngen in lolen W eiksb'incn. schcs (iul. 
Obergeschosse in F'achwerk, znm gröl.Uen Teil mil Plaiiiicn l)cli;ingl. 
Sämtliche Oebände ohne architektonischen Schmuck. Das (Int in 
jetziger h^)rm din-fte etwa der zweiten Ilidrie des IN. .lahihundcris cnl- 
stammen: es war einst dni-ch den l.cinctlnl.l und breite (irabenaida^en 
ueschiilzt. 



Netze. 

Kapelle, ev.-liith. 

Literatur: lleppc, Ini Nieders. Jahrimch. l'.l'iCi. Nnchiichl cnhhil 1 . S. .M. 
H. Hoogeweg, Inventare (tcr nichtstaatlichcn ArciÜNc im Kreise Alleid. hiiUt: 
Netze. — A. H. Lüutzel. Die l)äueiiichen La.slen im iMnsleiUiim liildesheim. S. 71. - 
P. Graft. Geschichte des Kreises .Mfeld. S. .KlU tf. 

Ouellen: AH'elder 1 .aiidrat sarehi v : C A 1 .Nr. 2: eheiid.: \Viii/.t'idiiir,i;er l'.rh- 
regisler 1578. — Staatsarehiv Hannover: Kreis AMelil .\ !•" Nr. II. ]X.")1. 



244 



1 H'scliri'i- 
ljuiit5. 



Geschichte. Netze i^fclKiii zu (leiijenigen Ortschaften, aus flereii Namen man auf 

eine P)esiedliiu^ scliou zur Steinzeit schiiel3en darf. Die ältesfen Nacli- 
lielili II liehen bis ins .Jaiir 1487 ZAiriick, wo als (irnndherr das Gut Har- 
i)arnsen l)zw. dessen P)esifzer, die Herren v. Sfeinberi> genannt werden. 
Sonst wai' nach dem W'inzenburuer Krbregister 157<S auch das Hildesheinier 

Moritzstifl Grundlierr. Die eben- 
falls im genannten Erbregister bei 
reits erwähnle l\ai)elle ist Filia- 
von Graste. 

Einwohnerz. l.SOU: 122, 1925: lö.S. 
Über einem Gruiidrii.» \"oii 7x 
9,25 m, ist die Kai)elle 1<S5] aus 
Eichenfachwerk, auf massivem 
Sockel errichfet. Die Giebelseiten 
sind nicht ausgemauert, sondern 
mit Pfannen behängt. Dachreiter 
im Westen iiber dem Quadrat mil 
vierseitigem Zeltdach. Über (Icv im 
Westen befindlichen Tür: ,,\\ ie 
heilig ist diese Stätte Mos. 28. 1851'-. 
In der Wetterfahne gleichfalls (Wv 
Zahl: 18:)1 (Abb. 257). 

Das Innere ist einfach iiiid 

schmucklos. An der vSiid- und Xord- 

seite je zwei Fensler aus 1 lolz mil 

Sprossenteilnng. Schlichte lünpori- 

an der Westseile 2,10 in breit, an der 

Nord- und der Südwand 1 in breil. 

Kanzelaltar in gotisierenden Eormeii. 

Gloeke. Die Läuteglocke, :?•> 55 cm. zeigt nntei'halb der 1 lanbe ein Weinrankeii- 

baiid und eine Inschrift, laut dw die Glocke 1855 von ,1. II. P)artels in 

I lildcshcim gegossen ist. nach nuten nou hängenden Palnu'tten begleitet. 




Abi). 2r>~. Kapelle in Xetze. 



Neuhof. 

Kapelle, ev.-luth. 

J.i l cm;i l u r: I Uisiliiii}^;, Im ,,liolf a. d. Jiördi"'. liMT. .S. t). — II. I looLtcwi-i*. 
rrUundeiitjuch des Hoehslifls liildeslieim. JTI 29.S. 'M3 lt., 37.S, IV 1 I 1. \' 7()<). 
Derselbe, Inveiilare der nichlstaat liehen Arehive im Kreise Alfeld unter: Xeuliot 
mtd I,ams|)iiii;j;c'. - K. .hinieke, l ■rkundenhueh des llochstiris I lildesheim. I '2f)'.i. 
'.>H1, 1~.'). 1\. Ivavser. I)ic iclorm. ivirclienvisitalioiieii, S. 222. — A. Meinberti. 



215 

Geschichte des Klosters l.aiiispriniic, S. öl. \\ . Millidtr. Kiinsl(h iikiiKiki- III. 

— A. Seidensticker, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte ii(»r(hh'iil s( lui' i'oi-sicii 1. 
S. 403. — P. (^raff. (iesciiichle des Kreises Alfeld. S. :)(i1 tt. 

Quellen: Staatsarchi\- 1 laniKAci-: I,aius|)rinLie Cv. 1 l(i und l.')2. Aiteidci- 

I.aiidratsarchiv : \\'iiizeid)urger J-jhre.uister von 1.")7N; ehend.: .1 R 'JCi. III. Ni-. 2. 
Schulchronik von Xeuhof. 



Ciii i)eR'ils 1119 c'r\\;ihiiU's Dorf j.irrimiii(k' wiiidr vom KlostiT Ceschichte. 
Lanis])i'iiii4e _i>aiiz efwoihcii. Daiuicli licü man es eiiii^cln'ii und cnichlclc 
liic'f ein \'()i\verk. Aus tliesein X'orwerk ist allniählich das /ucisl liJl'i 
genannte Xt'idiol' entstanden. Das alte Dorf Liernuiiide lai^ wohl doil, 
wo sieh jetzt noeli die „Doilstadf helindel. Das /.ueist nur kleine Dorf 
Neuhot' N'ergrößerte sich ständig. Im .lahie ISO*.) halte es seluui !.')() hjn- 
wohnei, 1925: 188. 

Außer dem Klostei" Lamspiin^e war zeitweiliL»; aiu'h das 1 liidesheimef 
Kreuzstift hier Grundherr, denn 1 107 verkaufte ihm das Klosh'i' 8 llnfi'u. 

Die schon vor der Reformation xorhandene Kirelu' oder , .Kapi'lle" 
war immer Filial von Lams})rinL$e. Sie mußte, da sie haidallii^ war. 1757 
flurch einen Neubau eisetzt werden, der llOC) Thaler kostete. 

Die 15,80 m lange, rund 11,50 m breite, 1757 erbaute Kapelle zeigt Meschreihun.! 
dreiseitigen Chorschluß (Ablh 258). Auf dem aus beliauenen Bruchsteinen 
bestehenden, mit Werkstein abgedeckten Sockel erheben sich die 1 ni 
dicken, mit Kalkmörtel verputzten, I^ruchsteinmauern. Die zalniscliuil t- 
artig versetzten Eckquadern sowie tlie Tür- und b'enstergi'wrmde siiui 
teils aus weißem Kalkstein, teils aus rotem, in der bVldmark ausleheiHk'in 
Sandstein hergestellt. Die mit gedriickte'i Heigen abgeschlossenen Fensler 
wurden etwa um die Mitte des 19. .lahrhunderts mit Risens])r()ssenwerk 
versehen. Verglasung neu. Zwei kleine ovale Fenster befinden sich im 
Westgiebel oberhalb eines in Traufhöhe herumgefidirlen C.esimses. dessen 
in Stein gearbeitetes Profil das gleiche ist. wie das des h()lzernen Trauf- 
gesimses am Schiff. Das im Osten al)gew ahnte Dach ist mit roten 
Pfannen belegt, First und (irali- sind heschieferl. Mit SchiefiT in deul- 
scher Deckungsart ist aiudi dcv am Westi-aiuie des Daches eiiichlete 
achtseitige Dachreiter mit geschweifter llaubi' bekleidid und einge(U'ckt. 
bekr()nt von Kugel. Wetlerfahne und Doppelkreir/.. In (k'r W et terfahne 
die .hihreszahl 1757. Nahe dem DaciuH'iter auf dem l-'irst ist eine eisei'ne 
t'hrschlagglocke unter kleinem Zelldach aus Zink angebracht (neu). 

Das mit Voutendecke versehene Innere' ist glall geputzt und schlicht 
gestrichen. Die auf kräftigen I lolzsliitzen ridiende h'.mpore slamn.l etwa 
aus der Mitte des 19. .lahrhundeils. Auf derselben im Wesli'ii die Orgid 
mit (iehäuse in nengotischen l'\)iiiuii. k^ißboden im ('.iKuleil und dem 
Gang aus Sollingplatten. im Schiff aus Backstein und Backstein- 
fliesen 20 20 cm grol.': auf einer (k'rsclheu die Zahl I7('ii. 

32 



246 



Altai- 
Kanzel. 



Taiirciii 



Allark'iiclitcr. 



Kroiili'uchlfr, 



Der AUartiscli ist vernuillicli ü;einaueil, jel/l durch Holzverkleidung 
verdeckt: über ihm (he Kanzel, eingefaßt von Pfeilern und Säulen 
aus Holz, (iebälk verkröpft; Verdachung und oberes Halbgeschoß 
reich gegliedeil und von einer ('.hristnsfigur mit Fahne bekrcnit. Ober- 
halb des Sciialldeckels eine 
aufgemalte Taube. An iWv 
Kanzelbrüstung ein kleines Kru- 
zifix mit 28 cm hohem, ge- 
schnitztem (>orpus, bemerkens- 
wert wegen der werkgerechten 
Behandlung. Der Altar isl in 
der Hauptsache in Blau und 
Weiß bemall (Ölfarbe). Altar- 
behang \ om Jahre bSöö. Das 
(),()() ().<)() m große .Mittelbild 
unter dei- Kanzeibrüstung (Öl 
auf Leinwand) slelll das Abend- 
mahl dai': (iiiippierung und 
l^inzelfiguren in guter Bewe- 
gung: .ludas mit dem (ieldbeutel 
in der Hand vorn Nor dem Tisch, 
luitstehungszeit nnsichei'. \iel- 
leicht Mitte des IN. .lahrh. 

Das etwa dei' ersten Hälfte 
des 19. .lahi'hunderls entstam- 
mende Altarki'euz mit (),3(S m 
hohem Koi'pus isl gut geschnitzt. 
Hin rund 1 m großer, be- 
schädigter J'aufengel aus der 
Mitte des 1(S. .lahrhunderls wii'd 
jetzt auf dem Dachboden auf- 
bewahrt. 

2 Allaiieiichter ans IJionze. 





Al)l). 25,S. Knpcllc in Xculior. 
('inmiliil.1 iinil ( )iicis(hnil I. {\:2MK) 



oi, / cm liocl 



Kandelaber- 



form. Am h'uß ziselierte l'mschriften in lateinischen (iroßbuchstaben: 
„IHNHICH KXACKSTKHT • HAirr • DIKSKX LKVCH IKH (iKBKN: 
ANNO ](w7". 

2 ähnliclu' Lenchlei', etwas reichei" gebildet, 2(S.r) cm hoch, zeigen 
am Schaft I l'almetli'n. Inschiifl an beiden Leuchtern gleich, in liegenden 
lateinischen Oroßbuchslahen : ,JLSEIU-: ELSMAN. 1718'\ 

Lin Bronzekroideuchli'r von guliMi N'erhältnissen : einer der sechs 
Sförmigen Arme mit Del|)hiii verziert, die übrigen einfacher. H(')he .'5() cm, 
i) I cm. \'ier urspi linglich vorhanden gewesene obeie Zieigliedei' 



217 

rdilcii. rmschrifl (k-r Kiii>el: „I II.- KN. : I ■ I !!• • 1< IS] X'. Ausser- 
dem ein Messingkronleiichter iiiil zwölf Annen in 2 Reilieii. ;iii iedt-ni der 
S IT)rniigen Arme 2 Lichtleller hintereinander, llöiie 1,10 m, etwa 

0,75 m. Der Leuchter ähnelt einem der in der ev.-hith. Kirciie in I>am- 
springe befindlichen. 

Die Glocke (0 0,<S() m) trägt unterhalb der Haube unter einer Kichen- (üockc 
laubranke die Inschrift: „GEGOSSEN VON S. LANGE IN HILDES- 
HEIM 1852", darunter eine Weinblattranke. In der Mitte des langen 
Eeldes: „EVANG. LUTH. GEMEINDE NEUHOE F. II. L. HERBST, 
PASTOR E. HACHFELD, KUESTER UND SCHLLLIJIRI^R H. 
OBERBECK /H. PFILIPPS L. BLECKMANN, KIRCHENVOR- 
STEHER". Die Glocke hängt im Dachreiter. 

Taufschüssel aus Messing, 31 cm. auUei- Gebi-aucli. I)eschädigf. 'r:iul\(liüssel 

Auf dem Rand Rosetten, am Boden Fries aus b'iiuditen, gel rieben und 
ziseliert. LS. .lahrhundert. 

Zwei Kelche aus Silbei', 27 und 21 cm hoch, beide in der h\)rm A])cn(l- 
einander ähnlich, mit neugotischen \erzierungen und Acht paUtui... ange- 
schafft im Jahre 1850. 



Ohlenrode. 

Kapelle, ev.-luth. 

Literatur: J. ("Jir. HareiiJjerg. tlistoria cccl. (iaiuierslu'nu'iisis. S. :;2I. 
H. Hoogeweg, Urtciuidenlnich des Hoclistifts Hildeslieini. U llO'.i. li:il. W l.!")!. 
1359. 1403, 1405, V 175, 262, 650. — Derselt)e. Inventare di'r iiithtstaal liehen 
Archive im Kreise Alfeld unter: Ohlenrode und ^Vettel)(^rll. - l\. l\.ayser. Die 
reform. Kirclienvisitationen, S. 219. — K. L. Kolveii. Die Winzenbiirg. S. 2<S. 
A. H. Lüntzel. Die bäuerliciien Lasten im l^'ürstenlnin nildeslieini. S. IS:! lt. 
Dersellie, Gesehichte der Diözese und Stadt Hildeslieini II. S. 57 1. !■:. C. Leihniz. 
Scriptores rer. Brunsv. IL S. 357 ff. — ^V. Mithott, Knnstdeid<in;iler IM. A. 

Peters, Inventar der nietitstaatlielien Archive im Kreise Gronan uider: Drüggen. 
Dersell^e, Die Entstehung der Amtsverfassung. iL lausten haeh. Der (.au 

Wilvanavelde in Ztschr. des liistor. N'ereins für Niedersaehseii. P.mki. W. I-loü- 

mann. Die Stiftsfehde, S. 196. -- A. Seidenstieker, IUhIiIs- uiu! W irtsehafts- 
geschichte norddeutscher Forsten I. S. in:'.. P. (Iratt, C.esehielile des Kreises 

.Mfeld. S. 453 ff. 

Quellen: Alfelder Landratsarchiv: \\ in/.eid)urger l'.rhicgister \(>n 157S. — 
Staatsarchiv Hannover: Hildesh. des. 7(>. 1. Sehnlehrdnik von Ohlenrode. 

Alphei's Clironik im Wet tehornei- IM'arrarchiN . 

Das Dorf Ohlenrode, (k'sseii Nanu' mit der ZusamnuMiselzuni^ ..rode"" <'<'>'iluchte, 
schon anzeigt, daß wir es mit einer jungt'ixMi Siedlung zu tun haben. 
gehörte in der llauptsaclie dem G()(lehai-(nUh)stei- in Ilihlesheini (1259 ff.). 



2 LS 

Doch wcrdrii auch sonst iioclf iiK'rkwlirdiii viel andere ('.i-iiiidheiTeii ije- 
naiint, die allerdings oit i'asch aul'einanderloii^len. n;indieh die llerren 
V. Dahlem (schon vor 1259), die v. p:ibe und v. (".usledl {\'X\{')), die v. Bock 
ti;515), die V. Freden (1347) und die v. Sehlde (13ö()). Das Dorf hatte 
1701: 1 19 Kin wohner, 1925: 351. 




Al)l). 2.')i). Kiipcllc in ( )lilcni(>clc : ( .iimiliil.l. (li^öo.) 



l)ie Ik'Ii'Üs in Nonelorniatorischei' Zeit Noihandene Kapelle (h'ilial 
Non Wellehoi'n) mußte, da sie, namentlich das Schiff, schon laiiLje hau- 
fidlii^ war. 17(S(i teilweise durch einen Neubau ersetzt werden. 
Iksehieilniiiii;. Die im (irundriß innen 13,50x5,10 m große Kapelle wurde an den 
noch aus dem Mittelalter stammenden Turm, in gleicher Breite an- 
gebaut (Abb. 259). Die Wände des Turmes wie des Schiffes bestehen 
aus l)ruchstein dei' Welteborner Feldmark, l'enster als Blockzargen- 
fenster ausgebildet mit sichtbarem Kicheii- 
holzwei'k. außen bündig mit der Wandfläche. 
An dei' Xoi'dseite isl ein wuchtigei'. 1,51 m 
breiter Strebepfeilei', 1.70 m sor die Wand- 
fhiche vorgezogen, dessen Bedeutung unklar 
ist: vielleicht Best eines alten Mauerzuges. 
Die ruinlbogige Zugangstür zum Schiff 
liegt an der Südseite, nahe dem Tui'm: im 
Schlußsti'in v'\\\ ()inamtMil ( Sount'ublume). 
Das mit roten i^faniieii bt'legtt' Dach hat 
Kanten und b'ii'st aus Schii'ler und profi- 
liertes Traufbrett. Dei' Ostgiebel (b^ichwerk) 
isl mit Bfannen ln'lningl. l)ei- dem Sattel- 
dach des Turmes aufgesetzte beschiefei-ti' 1 )achreitei' wui'de 1(S23 
hergestellt. 

Das huu're ist eiidach gehalten (Abb. 2bO). Die an diMi Lfiugsseiten 
mit Bniulung ül)er 13 cm holu'm Profil ansidzendi' Breiterdecke liegt 
etwa 1,50 in über dem Kapellenfußboden. 




Al)l). 2()(). Kapelle in Olilcnrodc; 
QiKMsclinilt. (1:250.) 



249 

Auf der bosclieidenen Westem{)oi'c' hefiiidcl sich die iiciu'. schliclilc 
Orgel. Indem nur durch eine niedrige Slide keiininch gt-nnichteii Choilei! 
liegen noch die großen roten Sandsteinplatlen. Der Turnirauni im lü-dge- 
sclioß ist mit einer rundl)()gigen Tonne (Rruchsleiii) iiJKM-deckI (Ahh. *JC)1). 




Ahli. 2(11. Kapclk' in ( )lilcmii(lc 

Der mit der Kanzel zu einer Wand vereinigte Altar hat einen gc- Allnr mii 
mauerten Tisch, auf dem die Kanzel steht. Hinter der Kanzel, ähidich ''^*"''''''- 
wie in Eyershausen eine schmale Empore. 

Vom alten Altar, der etwa um 1700 hergestellt sein kann, befinden 
sich nur noch einige stark beschädigte Reste im Turmgewölbe. 

Der aus geschliffenem Kristallglas hergestellte Kronleuchter wii-d di'in KionlfiulihT 
AnfauL» des 19. Jahiiuinderls angehören. 



Rolfshagen. 



Literalur: l-l. I)()c])ncT. l 'rkuiKlciibiich der Sladl Hildt'slu'iiii. 1 lit!). 100, JOti. — 
H. Hoogeweg, Urlviiudenbuch des liochsliris 1 iildcslu im. HI 771. 70(1 ff., 13(i<), 
IV 1190. — K. L. Koken, Die Wiiizeidnirg. l.Ti. 1>. (ri;d'!'. (iesehieiile des Kreises 
Alfeld. S. T)'.) und .■):)() U. 

(HielU'ii: i.;ims|)i-iiigci' (",(>i)i;di)iicii. S. (i I I ; s. ;i. dir J,iUT;dni- und (Quellen zu 
l,;ims[)riiitic. 

33 



250 

Gescliichtc. L/er Xanie mit der Endung ,,hai^en" deutet auf eine jüngste Siedlung 
liiii. Es hieß in den idleren Xachrichten aueli I-^olveshaghen, ]2S(^ auch 
nur ,,Indagohagen". (iiuiidhcir waren die Herren v. Dahlum, die das Dorf 
l'icSo an Larnspringe verkauften, auch (h»s Palronatsrecht über die damals 
schon vorhandene Kirche. Im K). .lahrhunderl stand vom Dorf nur noch 
die Kiiclie. (he allmählich auch \erfiel, denn das Kloster hatte (hts Dorf 
in ein Klosleivorwerk (grangia) umgewandelt. Das Dorf ist völlig ver- 
schwunden, tU)ch befindet sich hier ein 1731 erbautes stattliches Forst- 
haus, in dem lange der Oberförster der umfangreichen Klosterwaldungen 
seini'ii Amtssitz liatle. .letzt wohnt iiii'r ein heilster. 

I)enkm;dei- aitei' Kunst sind in Kolfshaijen nicht xoriianden. 



Röllinghausen. 

Kirche, ev.-luth. 



Uleralur- .J. Fr. Fallvc, Trad. (;()rl)eicnsiuni. S. (i77. W. I Icinze. (ieschichti' 
der Stadt Alfeld, S. 2.5. — H. Hoogeweg, l^iiauuk'ni)uc'li des Hoclistifts Hildeslieini. 
\'I 7(S.'). Derselbe, Inventare der nichtstaallicheii Archive im Kreise Alfeld unter: 
Höllingliausen, Einisen und Wrisbergholzi'ii. aucli S. 20 und .")7. K. Kayser, 

Die refornuU. Kirelienvisitationen, S. 2'i(i. .1. I,. Laueiisleiu. Historia Diiiloni. 

ilildrsiensis 11. S. 2H'A. — \V. Mitlioff. Kunsld('id<ni;ilcr 111. P. (iraff. ( reschichtc 
des Kn'is<"s Alfeld. S. :\{\\ ff. 

(^)iiellcii: Alfelder l.andrat sareliiv : \\'iiiZ('id)urL!t'r l-lrbrcgisU-r \(in 1")7.S. 
Schidchiouik \(in Köllinghauseii. 



Cresehiehte. L/er Name Röllinghausen (13(S7: ,,l^olIingehusen") weist zwai' auf tMiie 
■i\\\c Siedlung hin; wirklich sichere Nachrichten hai)en wir aber erst aus 
(\('n\ genannten .lahre 13<S7. Überhaupt ist über Höllinghausen nni- sein- 
wenig aus dem Mittelalter ])ekannt. Das Doif geinn't bereits 111.') den 
1 ierren v. Wrisberg. Die Dienste mui.jteii al)ei- an (his w W'rishergsciu- 
(iul Hrunkensen geleistet werdtni. 

H()llinghausen war immer nur ein kieint's Dorf l.SOU: 170 h.inwohnei-, 
1925: 289 - , aber es eihidt dadurch eine besondere IJedeutnng, dal.i sicli 
hier einige der ältesten BaneridiäusiM- des Kreisi's (Nr. bS von 1702 u. a.) 
I)efinden, an denen sicii auch die deizeilige Hauart ganz unverfälscht 
erliallen liat. 

bjue dem heiligen Petrus geweihte Kiiche wii'd schon in Norrefoi- 
matorischen t'rkninlen erwidmt (1 1(S9). 

Die nahe l-i("tllinghansen liegiMulen Steinlniiclu' wuiden xon dvv v. Stein- 
bergschen b'amilie der Stadt .VIfeld geschenkl. Sie lii-terti'n unter andeieni 
Hanmatei'ial Fiii' Kirche ninl Hathaus in .Mfeld. 



251 

Laut Iiischril'l auf dvv I.iiiilri^lockc wiirdi' die alle Kiiclic in. I^illiii.n- lirschrrihuiu 
hausen 1806 durch Hlitzschlai^ zcislinl und l.SO.S das jclzi^' (iotlrshaus 
erbaut. Es dürfte im Jahre ISIO solleudel worden sein. (k\ sieh (hese 
Zahl in der Wetterfahne vorfindet. Die hohe Lai^e auf dem allen h'ried- 
hofe verschafft der Kirche eine l)ehenscluMide. dem Oitshilde Nortreffhch 
eiii.oefüote Steihin^ o])erhaib der alten 'riiin,nst;U ti' (.\l)l). 2(')2). \)\v 
Kirche ist als Saalkirche iu Bruchstein auf 7 cm voisprini^endem Sockel 




.iiclic in 



lliimhaiiM'ii. 



über einem Rechleck von 9, 10 1(),2(S m errichtet (Abb. 'HVA). Vuv die 
Gebäudekanten, Fenster und 'riniimrahmuni*en wurdi' roter H(')llini^- 
häuser Sandstein verwendet. Der halb als Turm, halb als Daehreitei- 
ausgebildete Aufsatz an (Ivv West.seite ist 1.1.") m noi' die Mucht xor- 
gezogen: Breite rund .",20 m. Elf Stufen fühlen als h'ieitrt'])j)e zum Wesl- 
portal, dem jetzigen Hauplzugang.. Die Auüenwünde haben weil,5- 
getünchten Kalkm()rleli)utz erhalten, die rechteckigen Fensteröffnungen 
sind mit 1 lolzsprossemverk verseilen. h>iii Schrägbrett schlit'l.'d den l'l)(,'i- 
stand des mit roten Plannen gedeckten, nach Osten ai)ge\valinten Daclus. 
Die Westseite, von Traufhöhe ab. sowie der ganze Dachreiter ist mit 
grauen Schieferplatten behängt und (Um xoin (^)iia(lral ins Achteck iiber- 
geleitete Helm mit Knauf und Wetterfahne bekrönt. 



252 

Im sclilichl ^cIkiIIciumi Iiuicivii ist die iKilzeiiic ]'Lini)üiv, aul dcv im 
wi'stlicheii Teile <lii' ()iij;i'l aus neuerer Zeit stellt, an der Nord- und Siid- 
wand noch etwa bis zui- Hälfte weitergeführt; sie ist zum Teil mittels 
eiserner Standen an der Decke aufgehäuf^t. Die oebot^ene Decke besteht 
aus Holz mit einem gekehlten Frotilbri'tl im WaiidaiischluU. 
Altar mit Die Altarwand, mit der \o\\ zwei Säulen t'int^efaülen vori^ekrai^leu 
Kanzel. j,;;,|,^^.| stammt aus dcv l^rbauuni^szeit der Kirche. 



1^^ — i— 

1^^ ? 




Ahl). 'MV.'). Kiiclic in liolliiinhaiison; Ciruiulril.) uiul OiR'i;>cliiiiU. 
(1:250.) 



Altjirlcufhlt'r 



GlocUo 



7a\v\ L>anz gleich ausgebiUk'tt' einfache .Miarleuchler aus Hronze 
tragen die Inschrift: .,1. E. (oder i'\) PTJNKE 1<S1()-. 

Die ("docke ( 0.<S<S m) zeigt oben am langen h\'ld unter einem 
Ornamentband die dreizeilige Inschrift: „DKX 11. MAY l.SOC) 
ZP:HSTIIÖHTE ein GEWITTER / KIRCHE TURM V. GLOCKEN 
UND ISOS LIES MICH DIE GEMEINDE RÖLLINGHAUSEN NEU 
GUUSSEN VON 11. .\. HOCK IN EI(N)BECK", und auf der Gegen- 
seite: „WIH RUEEN EUCH DURCH UNSERN KLANG KOMMT 
BRINGT DEM GHOSSb'A' SCI HH'M^H DANK'". 



253 



Rott. 

Kapelle, ev.-luth. 



J.i U'ral 11 r: H. Hoogcwt'g. luvciUare der nic-hlslaat liclu'ii Archive im Kreise 
Alfeld unter: Rott und Hoyershaiisen. — G. L. Midier. Das Leims- und Landesauf- 
gebot unter Herzog Heinrich, S. '^r^o. W. Peüler. Das altsächsisehe Hauernhaus. 
S. 1<S5. — H. Sudendorf, LTkundenl)urh zur (iesehichte der Herzöge von Braun, 
schweig und Lüneburg I, S. ;^N1. :"><)(». — P. (iraff. Geschichte des Kreises Alfeld- 
S. 283 ff. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover: Cal. Hr. des. 22X19: ebemi.: des. ]<} XI 
I. 17 Lauenstein: ebend.: (k's. <S3 Consist. H 4(538; s. a. die Quellen zu Hoyershausen 
und das ,, Kirchenbuch" im Pfarrarchiv Hoyershausen. — Schulchronik von Rott 



Das kleine Döiicheii RüU ^ lcS()9: 93 Einwohner, \\)27): \M — ist, Geschichte, 
wie der Name (Rott = Rodung) sagt, eine jüngere Siedlung. Die äl- 
testen Nachrichten stammen aus den Jahren 1323/21, wo als Grund- 
herren die Edlen Herren v. Homburg, die v. Brunckensen und die 
V. Bock genannt werdeiL 15<S5 wird der Ort sowohl ,,P»hod", ,,Rods" 
als auch ,,Roda" genannt. 

Ob eine Kapelle (Filial von Hoyershausen) schon in vorreloiinalorischer 
Zeit vorhanden war, ist nicht bekannt. 

Die Kapelle in Rott hat nicht ganz regelmäßigen rechteckigen (Tiiiiid- Beschreibung. 
riß, da die östliche Schmalseite etwas breiter ist als die westliche. Die 
ungefähren Maße sind (S,50 x 12 m. Über dem Eingang an der Südseite 
ist die Zahl 1564 eingemeißelt, sie dürfte das Baujahr angeben. Das west- 
liche Gewände hat Schleifrillen, Das etwa 1 m dicke Bruchsteinmauer- 
werk ist außen mit Putz abgeglichen. Am Westende des Pfannendaches 
ein kleiner vierseitiger Dachreiter mit Zeltdach. Die rechteckigen F'enster 
sind in Blockzargen eingesetzt. Zum Teil befinden sich in ihnen noch 
mit breiten Bleistreifen gefaßte Scheiben. Außen ist vor der Ostwand 
ein 1,15 cm breiter, 1 m dicker, etwa 2 m hoher Strebe- 
pfeiler auf gemauert. 

Die an der Südwand stehende niedrige Kanzel ist 
unter Benutzung alter, reich profilierter Hölzer zu- 
sammengesetzt. 

Die Glocke (0 0,51 m) trägt unterhalb der llaiihe 
ein Ornamentband und die Umschrift: ,,DIEDh"R Kl 1 
MENTI- ME FECri ANNO 1(>17- (Abb. 2()l). 

Im Inneren der Kapelle, unmittelbar am l^ingangt', liegt i\vv schon 
stark abgetretene Grabstein des Lehrers Wesch aus dem .lahre 1836. 




ivanzel. 



(docke, 



Abb. 2(54. Kapelle 
in Hott; (Hocke. 



254 

Sack und Schulenberger Kapelle. 

Kirche, ev.-luth., Kapellenruine, ev.-luth. 

Lileratur: ('.. B. Beliri'iis, Slaiuinljaiini dci- 1 UTitii \. SU'inl)erji. S. 17. 
nüscliint^. l'lrdljcsflirciljun^s III 'A, S. 3'y'.^'). J. (Ihr. I laii'nJK'i«,', Histoiia imcI. 

(laiidershemensis, S. \1'2'A. ^V. llciiizc. desc-hichte der Sladl Alfeld. S. KCl. 

S. 2<S. - H. Hüogewcg. rrkun(k'id)iich des Hochslifls Mildesheiiu. I\' 7<S,'). 72.'). 
72(). — Derselbe, Inventare der niehtslaatlichen Archive im Kreise Alfeld unter: 
Sack. K. Janii'ke. Urkuiidenlnieli des Hochstifts Hildesheiiii. 1 (in.'). K. Kayser, 
Die reforniat. Kirchenvisilationen. S. 225. — K. L. Koken, Die Winzenhiirg, S. 125. 
— .]. J>. J.aueiislein, Historia Diplom. Hildesicnsis II. S. 2.s;}. A. II. Lüiitzel. 

Die ältere Dicizese Hildeslieim. S. :]8ö. — W. Mithoff. Kmistdenkmäler 111. 
A. Seidensticker. Rechts= und Wirtschaftspcsehiehte norddeiilseliei- l^^orslcn I, 
S.'AW. P. ('.raff. (K'sehichte des Kreises Alfeld, S. :VM ff. 

Oucllen: Alfelder l.andratsarehiv : W'inzenburger I'jhrej^isler Non 1,")7<S: 
ehend.; H B III 23. Xr. 2; ebend.: b'aeh iVili. 1. — Hislor. N'erein fin- Xiedersachsen 
(Staatsarchiv): Beschreibung aller Kirchen usw. — Pfarrarchiv: Kirchenrechnung 
1597. Schulchronik von Sack. 

Abbildungen: Schulenberger Kapelle: in der Sat'kwaldkaric l(<!tl bei (Iraff 
a. a. O. 'Staatsarchiv Hannover: Karten I A F A\): (Iraff a. a. (l.. S. ;M5; Nieder- 
sächsischer Sagenborn I, S. 224. 



Gcschichle. Das Dorf Sack — 1(S(H) mit 2 K), 1925 iiiil 'MV2 Eiiiwoliiu'rn wird 

Sack, /iicrsl 1205 genaiinl. In dicsein .Jahre nämlich errichtete dvv \'oi*t Walt her 

V. (iandersheim mit Genehmiguni' seiner Gemahlin .ludith eine dem 

heiligen Georg geweihte ,, Kapelle", die im gleichen .Jahre son i\vv Mullei- 

kirehe I>angenholzen abgetrennt wnide (s. Langeidiolzen). 

Grnndlienschat'l nehsl Pali'onal ging später an die \'. l)()ek 'u\)cv. 
die sie 115 hS an die v. Steiid)erg verkanlli'n. Sie blieb bis 1710 in deren 
Besitz. Nach 1740 kam sie in das Eigenlnm der Familie v. Kiep (Kiepen), 
1772 an die v. ()m])teda, dann an iWc v. l^ocholt (Bocholz) zn llennecken- 
rode, mit Henneckenrode an den Landientmeister Hliim, und dann an 
die Blumsche Waisenstiftung, die vom Bisch(')t'licheii GeneraKikariat 
in Hildesheim verwaltet wird; doch wird (\\v Stelleid)eselznng gewöhnlich 
dem i\.-hith. Landcskii'chenaml in llaniio\er iiberlassen. 

I)ic crsti' nur sehr kleine Kirche wurde im 17. .lahrhundt'ii baufällig 

und (hii-ch die jetzige ersetzt. 

Sciiuii'uberger ,,l)ie Kii'clic uiisei'er lielKUi Frau zum Sclinleuheig"". \\ie sie noch 

Kapelle. ]~^^{\ geuauut wii'd, isl schon seit hingeri-r Zeil eiiu' I^uini'. Noch bei der 

Het'ormationsfeier l<sr2 wurde in ihi' Gottesdienst abgi'halten. .Vbt'i' das 

war damals schon v'ww Ansiiahnu'. 

Fine kleine .Abbildung gibt dii' in der ("u'schichte des Kreises Alfeld 
Nci'öffentliciite Sackwaldkarte xon KiOl, in (k'r sie mil Ziegeln gedeckt isl 
und einen haubenartigen Dachreiter trägt. 



255 

Ob dort ehedem eine kleine Siedluiii)' (velei^eii h;il. weiü m;m nicht 
genau. Es finden sich aber in den (liiterverzeichnisscn des ! iildt'siieinier 
Michaehsklosters beim Jahre 13,H3 aucii (iiiler ,,t<) dem Sclmlenberge". 
Ebenso muß es eine eigene JMarre l)esi'ssen liabeii, (k'iin in den Kirchen- 
rechnungen sind deren Ciüler bis KllU besonders aurgelidirl, (hniacli 
mit denen der Kirche in Sack \erbnnden. 

Die ganze Sache ist (UHJurch. daÜ sich nun der Volksmund und (he 
Volkssage der Schulenl)urger, wie man fälschlich statt Sciuilenberger 
Kapelle sagte, bemiiciitigle, nur noch unklarer und \-er\\iritei' gewoi'den. 




Abi). :2(1.'). Kirche in S.u-k; C.nindril.i. 1 : 2:)(i. l 



l'm 1621 wußte man noch, daß das Dorf ,, Schulenberg" wegen Wasser- 
nuingels wüst wurde, und daß die Einwohner nach Sack iibersiedelten. 

Im Jahre 1694 wurde der P^au dvv Kirche in Sack laid Inschrilt \\\)vy 
dem Nordeingang begonnen und wah.i-scheinlich K^U.") vollendet. (Jahres- 
zahl in der Wetterfahne des Dachreiters.) 

Die geräumige, im Grundriß 12,50x21,50 m groMe Saalkiiche ist 
in Kalkbruchstein hergestellt und außen luit Kelleni)ut/ xeisi'heii 
(Abb. 2()5). Der Sockel, der sich bei dem nach Norden stark ;d)ladtM)den 
(ielände nui- an den Schmalseiten zum Teil, an dei- Nordseile in vollei- 
l^reite über dem Boden erhebt, springt etwa 15 cm voi' die IJuchl des 
aufgehenden Mauerwerks vor. Die Gebäudekaiden und die luinlbogig 
geschlossenen, paarig angeordneten Fenster mit abgefasten Kanten 
bestehen aus rotem Sandstein. 

Auf einei- Steini)latle über dem Nordportal das Doppt'lw nppen 
V. Steinberg und v. Miincddiansen in Flacharbeit, gehnlleii xon zwei 
1-ulten. Darunter im Schriftband dii' Buchstaben II. I. A. W S. und 



r;csi 



hreiltiiiig. 
Iif. 



256 




Altar mit 
Kanzel. 



Sophie Catharina von Munchhaiisen 
nebst ihren eini<Jen Sohne Herr 
S. C. V. M. nnd ferner in deutscher 
Schrift: ,, Diese eiiii>efallene Kirche 
hat llerr Ilennini* A(l()lj)h von Sleiii- 
berg nachgelassen Wiltwe .lohaiiii 
Adolpli von Stein l)erg zu (lotles 
P2hre undt dehnen diese in Wort 
hal- len Neu Erbauen lassen. .\niu) 
1694. " selig sindt die Gottes worl 
hciren und l)e\vahreir". 

Die ornameiiiale Ik'haiidhiiin 
des Steines, wie bei dem Portal dci 
ev.-luth. Kirche in Lanisi^ringe, ver- 
tat die Hand (U's äitei'en Dessen 
(vgl. .\l)b. XM). 

\^)n den beiden in b'achwerk her- 
gestellten Giebeln ist der östliche aus- 
gemauert, der westliche nui' mit 
Schiefer bekleidet. Im Westen au! 
dem Fairst ein achtseitiger Dachreitei', 
dessen Zeltdach in der unteren Hälfte 
geschweift ist. In der Wetterfahne 
ein Steinbock, die Buchstaben I. A. V. S. und die Zahl 1695 (Abb. 266). 
Das mit glattem Wan(lj)utz versehene Innere, in neuerer Zeit schlicht 
ausgemalt, wird in etwa 7 m Höhe durch eine gebogene Ilolzdecke 
abgeschlossen (Abb. 267). 

Der reich geschnitzte, i\cv 
Erbauungszeit der Kirche an- 
gehörende h()lzerne Altaiauf- 
bau ist mit der Kanzel 
vereinigt. Neben dieser sind 
beiderseits zwei korinthische 
Säulen mit verkröpftem Ge- 
bälk aufgestellt (Abb. 2()<S). 
Dlumenwerk und Hanken im 
Stile der Zeil (um 1700) 
schmücken in geschickter An- 
ordnung die Altarwand. Dii' 
hjnpore. hinter dem Altar 
befindlich, wird nach dem 
Schiff durch ein auf die Brü- 
stung gesetztes llolzgillerwerk _v,,,,. ^,.,-. Kirch,, in Sn.k: On.Ts.-l.nill. (1:2.V).) 



Ahl). 2(i(;. Kirche m Sack. 




J..U 








Abb. 268. Kirche in Sack; .Vltar. (1: 10.) 



258 

abi^eschlosscii, deren l)iirehi)reeiuiii.i4eii Viei|)al.iiiiusler zeii^eii. Die Altar- 
waiul ist lail)!.!^ l)elian{lelt, das Schiiilzwerk ell'enbeiiit'arbii* i^etönt. Die 
leelinische Aiisriihruii^ der Scliiiilzereieii weist auf .lobst Heinricli 
Lessens hin. 
ürgcl. Auf der Westeinpoi'e, deren Hulzbnistuni^ als Halustiade ausi^ebildef 
ist, steht (he Ori^el, deren reich geschnitztes Gehäuse der Ausbildung des 
Allares angepaßt ist, aber etwa 30 .Tahre jünger sein dürfte. 
Taufen «»t'I. Der im östlichen Teile des Schiffes hängende 'i'anfengel hat die der 
J^arockzeit eigene Form; in dei- erhobenen linken Hand ein S])ruehl)and 
mit dem 'raufsprucii aus Marcus 10. 




Abb. 2()0. Kirche in Sack: 
('■locke von l.j!>7. 








Al)b. 270. Kireiie in Sack. Zierl'iiese und Sciiiill 
an der (docke von l.")lt7. 



Altaikucliler. Zwei Messingleuchter, 0,11 m hoch, mit achteckigem Ful.5, in ri'icher 
lieibarbeit mit b'rucht- uiul Hlattgewinden verziert. Entstehungszeit 
gegen 1700. 

Kroiilc'iicliter. Im Schiff zwei Kronieuciiter aus Hi-onze: Der erste ( . 0,5.") m), mit 

acht Sföi-migen Armen in einer Heihe: daran hängen vier Bronzeringe 
von 1(S bis 21 cm 0. Nach den Zierformen zu urteilen, ist die Krone 
etwa 17()0 entstanden. Der zweite (0 0,65 m) mit zwei Reihen von 
sechs S f(')rmigen schlichten Armen übereinander nnd plastischem l)o|)pel- 
adler (F'lügel abgebrochen), lüdstehuiigszeit zweite Hälfte des bS. .lahr- 
hunderts ( ?). 

Wiuulic'uclUt'r. Zwei Wandai'me von ganz idmlicher Vovxw w'w die Ai'me dei' Kron- 

ieuciiter. 
("riockcn. Im Dachreitei' sind zwei (Hocken aufgehängt. 

1. fdocke von 1507, 0,02 m, (Abb. 2C)9): unterhalb der Haube 
zwischen zwei Zierbändern die Inschrift: „IIAXS * BODKN * HENNI * 
OMDEHLUDE * COHDT * P.AHC,EN * Mh: * Fb.Cir * 1.507 *" 
(Abb. 270). 

2. ("docke von 1727 ( 0,70 m) (Abb. 271). luterhalh dei- Haube 
zwischen zwei ( )n)ameuti'nstiHMfeii (lii> Inschrift : ..M. '\\ lOMAS Hll)h:\Vb:(; 
ME Fb'.Crr llANX()Vb:H 1727-'. Am laugen hVlde (bis v. Steinbei-gsche 
Wappen und die Unterschrift: „11. l". V. STElMiElUi PATHüX E. S. , 



259 

.1. M. RASCH. FAST. E. S. II. VOSHACFA-. C. OSSl-A'KOP. AL- 
TARISTEN. Auf der Ge^Jenseile in divi IUmIum: ..\()\ VA\() Sl'M 
VITAE. VOCO VOS. ORATE. VEMTl^. ICH lUl'l- 1^1(11 ZIM 
GEBETH UND BIX UIE STEMM ZIM IJ':P.i:X 
SO BETET NUN MITFLELSS UND KOMM'I OHX 
WIDERSTREBEN" (Abb. 272). Am KlöpiK'l 



m 



sind nebenstehende Buchstaben eini>esrhlai>(Mi. 







mmm^ 




Alil). 271. Kirche in S;ick; 
(Uockc ^■on 1727. 



In der südwestlichen Ecke der Kirche (innen) r.r;il)steiii. 

• , I 1 -,v 11 ,\ oo 1 -t r- 1 4- • I Al)l). 272. Kirilic in S;ul<; 

ist der !,/() ni liolie, (),<S8 m breite drabstein des Wappen an .icr ciocki- 

l(i(S(i verstorbenen Pastors llrici angebracht. 

Die auf einem nach Osten leicht abfallenden (u'lände. etwa 1 km Schulen- 

n()rdHch Sack, noch stehenden, im Mittel 1 m hohen mittelalterlichen lH'if?t'r 

l\ai)i'll('. 




Wf^^1^^^^$^ 



.\l>li. 27:;. r.nuic der Schiilcnhei-uer K:i|)elli 



Kaj)ellenreste sind in Kalkbrnchstein hergeslelll (.\bl). '17:\). (.\l)- 
messnngen 9.75 : 7,75 m.) h'i-idier waren die AuÜenwändr. w ic an HcsItMi 
ei'ki'iinbar ist. mit h'einpul/ auf KalkiiiiU'ipiil/. xeisrlu'n. Wdhri die (ir- 



260 

bäiidekanten, Tür und FenslertJewäiulc vcrmiil lieh vom Putz Irei i*el)liel)en 
sind. Die Kck(|uaderii sind s()ri>rälli^ aul Sciiiororstückchen versetzt. 
Sockel mit Seliriii^e. 

All dei- Siidwestwand ist (außen) etwa '.\S)() m iil)er dem Sockel eini' 
(S cm iiohe Sleinreihe, I l)is 5 cm vov (\\v Maueii'läche, voi-j^ezo^eii. 

Das (iewändi' des 1,0.') m hreilen. l.(S() m hohen. s|)ilzl)o,L>iij; «»esclilossenen 
Kinijani'es an dei' Sinloslseile zeii^t zahli'eiche Schleiriilleii (Ahh. '27 \). 




Alih. -27 1. Scluilcnbcr-ci- Kapcllf: l-:in-:ini;. 



Ein vermaneiii's. ()..")() O.OO m i^roües Puindhoi^enltMisler hefiink-t sich 
an der Xordosiseile, dei' Non Milhoir ei\\;Uinl(> „Oslijieher" isl ahi^iclrai^en. 
Das Innere der Kapelle isl mi( Panschult ani^eliilll. Die Wände 
waren mit Kellen])ulz verselu'n: am l^in;L^ani4e sind Hesle xon Lehm- 
nHU'lei nnd an einem Slilckchen Putz noch Spui'cn \'oii rosa Kalkl'ai'he 
zu t'rkennen. 
K<»ii)iis. Imu auf dem Dachhoden (K'i' Kirclu' in Sai'k Jan^e aulhewahrl m'wesenei'. 

heschädii^ler Korpus eines Kruzilixes. jelzl im liiMuiatmuseum in AHeld 
(Alles Seminai). soll ;ins dvy Schuh'id)eim'r KapelK' stammen. I h'Wie 
1,27 in. Mille 1.'). .lahrhnnderl. 



'2^^\ 



Segeste. 

Kapelle, ev.-luth. 



I.i U'rat ur: J. Fr. l-'alkc, Trad. (;()rl)('ifiisiiini. S. :\:)2. (.. I loll iiiaiiii. Die 

VarusschlaclU i. Xiedcrd. Zlo-.. 1927, Nr. 179 IT. II. lido.urwcli. rikundciii.mii 

des Hüchstifts Hildesheiin, IV (i.'i.S. 9(i4. — Dcrsidbi'. Invcnlaif dir luchlslaal lichrii 
Archive im Kreise Alfeld unter: Segeslc und Wrisheiiiliolzen. i\. .laincke. Ir- 

kundenbuch des Hochstifts Hildesheini, 1 (i;^, ()9. K. Kayser, Die rctonnalor. 

l\irclienvisitationen, S. 227. — P. Kühnel. Finden sich noch Spuren der Sla\i'ii 
im niiHI. Hannover?, S. 39. — A. H. Liuitzel. Die bäuerlichen J.asicn im iMir^lcnl um 
Hildesheim, S. 189. — Derselbe, Geschichte der Dicizcse uud Sladt I lildrshcim. 
1. S. 9;>. W. IMithoff, Kunstdenkmäler III. A. Peters, invi'ulare der inelit- 

staatlichen Archive im Kreise S])rinu;e unter: Hemn'.usen. C. Schuehaidl. I'ridi- 

iüesch. Befestigungen. S. Ki. -- H. Sudendorf, I'rkundeuhueli /.ur ( u'scliiclile der 
Herzöge von Braunschweig und Piinel)urg HI, S. <S1. P. (iraff, ('rcschiclile des 

Kreises Alfeld, S. ö03 ff. — Derselbe. Die Herreu v. Stockiu'im im Hatuiov. .Magazin, 
192.S, S. Kl. 

Quellen: Alfelder Landratsarchiv: Winzenburger F'rbrcgisler von 1.")7S: 
ebend.: älteres Repertoriuni HI, S. I2.S; ebend.: B. A. P^ö. Staalsarclii\ I lanuoxtr 
C.al. Br. C IV I. Nr. 202. — Schulchronik von Segesle. 



Oowohl in älterei^ Zeit als auch in allefjünostcM- hnl iiiim, ;uicli soitons (iescinciiic. 
der ernst zu nehmenden Forschung, immer wiedei- ncisikIiI, (h'ii Oiis- 
namen mit dem Cheruskerfiirsten Seoest in W'i'hiiidiing zu hriiinen. 
Es spricht aber doch zuviel dai^ei^en, abgesehen (hivon, dal.*, xoii den 
Germanisten auch ganz andere Al)leitnngen, etwa von Segge Schill 

und Asta = Wiese empfohlen werden. 

Das allerdings steht lest, daß wir es hier mit einer der ;iltesliMi ( )rlseharieii 
des Kreises zu tun haben. Sie wird als „Segusti in i)ago hdeithi (Flenithi- 
gau)'" bereits in den angebHchen Fuldaer Traditionen beim .lahr S.'i I j[. 
erwähnt, auch unter den Gütern, die das Ilildesheimer Michaeliskloslei- 
um 1019 besaß. Eine Wüstung Thiederessen wird schon lO'iÜ erw;dinl. 

Andere Grundherren waren nach dem Winzenburger h'.ibivgisPr ir)7.S 
die v. Steinberg und v. Stöckheim, auch die v. Wrisberg, sj)äterhin Hw.") 
noch die \'. Bennigsen. 

Der Ort hatte 1701 nur 93 Einwohner, 1925: 25:5. 

Eine Kapelle (Filiale von Wrisbergholzen) wird beicits in di-r Kelor- 
mationszeit erwidint. 

Die jetzige 15 m lange und 7 m breite Kapelle ist laut der am Slniz Besehreihun! 
der Eingangstür (Westseite) eingemeißelten .lahrcszahl 1770 eiiichiel 
und an ihr 1<S23 die Gemeindeschide angebaut, so daß si-il dieser Zeit 
beide eine geschlossene Baugriip])e bilden (Abb. 275). Das I )inchslein- 
mauerwerk ist außen und innen mit Kalk xcipulzt. wobei die Ge\\;m(U' 
einiger Fenster und dei- 'Tiir (i-oP'r Sandstein) unxerpulzl gi'hlieheii sind. 
Die Südl\'iister sind als I Jloekzargenfi'nster ausgehildel. Das nach den 

34 



262 



drei Seiten des Chores gewalmte Dach ist mit roten Pfannen einge- 
deckt, Grate nnd First in üblicher Weise beschiefert. Der i'ber dem 

()iia(h;il li()clii>('fidirte nachrcilei' an dei' Wcstseili' hat iirirdhcli uwd siid- 




Allnr. 



K 



AI 



Ahl). 27."). Kapelle in Sp^csIc; CiTiindiil.!. (l:2.')(i.) 

h Anbau li'ii im uiüeren Teile nnd ist mit diesen an der Westseite 
l)rii(lisleiii ausgebildet. Die übrigen Wände sind in Inichwerk her- 
gestellt. Durch (üese Ansbihlung 
wird der Westseite der kleinen 
Kapelle ein monumentales Aus- 
sehen verliehen. Der Helm des 
Dachreiters ist durch Eckgrate ins 
Achteck übergeführt. An der Py- 
ramide ein Schutz(hich für (he 
Ihrschlagglocke (Abb. 276). 

Die 6 m über dem Fußboden 
liegende Hrelterdecke hat ebenen 
Spiegel und seilliche X^ierlelkreis- 
Nouleii: auch der (Mior ist gewölbe- 
ailig mit Brettern überdeckt. Auf 
die Schalung sind dünne Holz- 
l)r()file nach Art noii (ie\V(")lberi])j)eii 
genagelt: kleine goldeiu' Sti'riu' 
ht'lebeu die blau getünchte Dt'cke. 
I )ie Westeinpoi'c ist bogeufiu'mig 
nach Osten in das Schiff xorge- 
zogeii. I)ic kleine ()stemi)ore dient 
zur Aurstelluug einer aus neuerer 
Zeit staniiiu'inUMi Orgt'l. Die Wände 
sind mit seliliclitem Kalkanstrich 
\ crselien. h'ul.Uxxkaibelag im Schiff 
alk-GipsestricIi. im ('.horteil rote Sandsteinplat tcn (.M)b. 277). 

Der schlichte Altar hat als Schmuck ein Ölbild auf I lolz. das heilige 
jcndmahl darstellend, handwerklich (18. Jahrhundert ".'). 




.\l)l). 27(1. Kapelle in SclscsLc 



'2(i:; 




Ixi'oiik'uchUT 



'raiiFciioel, 1 111 i^roH, in iihlicIuT Auirassiiiij^ clwa dci l'jhaiiim^szcil ■rault-Mim-l. 
der Kirclie angehörend. 

Zwei Altarleuchter, 25 cm hoch, aus Hroiize. in gotischer Form, wie sie Alla'icuclikT 
noch in der zweiten HiUfte des 1(). Jahrhuiiderts gegossen wurden. 

Der zwölfarmige Kronleuciiler, Arme 
S förmig in zwei Reihen iibereinander an- 
geordnet, ._ 0,70 m, ti'cägt an der Kugel die 
Inschrift: „VERMECHTNIS VON / KüX- 
RAD UHDE / 1832 '\ Ferner: „DIESE 
KRONE IST GeMaCHT VON C. B. EN- 
GELHARD / IN ' ALFELD'-. 

Vermutlich dienten dem GieHer Teile von 
alten Kronen als Modelle; eine Reihe von 
Zieraten (Bläser) sind denen am Kronleuchter 
in Sellenstedt ähnlich. 

Eine Glocke ( ö 0,85 m) hängt im Dach- 
reiter, unterhalb der Haube ein von Engeln 
belebtes 9,50 cm hohes Rankenornament 

iiber einem Schriftband: „MICH GOSS S. A. LANGE IN lllLI)b:S- 
HEIM 1835". Darunter ein Gehänge mit Quasten und i\vv Ortsname: 
„SEGESTE-. 

Ein Zinnkelch. 18,5 cm hocii, auf achteckigem Fuü. Irägl die Inschritl: 
,, SEGESTER: CAPELLE 1782 •. Zinnzeichen: Engel im Oval und dw 
l^uchstaben IE und CF. Die /uuehciriüe Patene iiat II cm Durchmesser. 



4 (llotke. 



Abb. 277. Kapelle in Segeste; 
nuciselmitt. (1:2.S().) 



Kelch 
I l'alciic) 



Sehlem. 

Kirche, ev.-luth., Kreuzsteine, Verschiedenes. 

LiliTalur: Der Boti- a. d. liorde. I',i22, S. 11 ff. — .1. Clir. 1 laiH'iilxT^, Hisloria 
ccc'j. Oanderheiiiensis. S. !) 1(1. H. Hoogeweg, rrkuiKk'iiluirh des Ilochstifls 

Hildesheini, V 17.5, VI N2. \'l i;^.;^.2, iVM, (575, 70;}. 101 1. HI NX.'). Nil. Derseli)e. 
Inventare der iiiehlslaallichen Archive im Kreise Alfeld imler: SchliMii. 
K. Jaiiicke, Urkundenbuch des Hochslifls Hildesheiui, J ü7 (!'.•. 22N. 2;!;i. 2.'):;. 2N7. 
— K. Kayser, r3ie reforinator. Kircheiu isilal ioiieii. S. 221. .1. 1.. I .aueiistein. 

Historia Diplom. Hidesieiisis fl. S. 27N. A. 11. Liintzel. Die haueilicheii Lasten 
im Fürstentum Hildesheim. S. 72. INi» ff. — Derselbe, Geschichle der Dic./.ese und 
Stadt Hildesheim II, S. 'u[. W. Mithoff. Kuiistdenkimder III. .\. Peters. 

Inventare der niehtstaatlichen .\rchive im Kreise (ircnau. S. 1 I. .in. TN. I'. draff. 
(ieschichle des Kreises Alfeld. S. .")21 ff. - l->. Hennecke in /eitschrifi der 
Ge-ellschafl für Ni' dersächsische Kirchen-deschichte l!r2!l. S. INN ff. 

Quellen: Slaatsarchi\- Ilannovei': l.amspringe Or. 172;ei)eiid.: Di^scliriabimg 
aller Kirchen und Ka])ellen. Hdschr. des liislor. \ereins. .Mfeldei- l.andials- 

archiv: Winzenburger Erbregister von 157N. - Schulchroiiik von Sehlem. 

Abbildungen: Graft a. a. O.. S. -")23. 



264 

Geschjchlc. \_)\v crslcii sirluTi'ii Xaclirichlcn von .yjR'di'iiein" (.'rlialliMi wir aus 

(lein .lahic 1112 (s. u.). Die Bedeutuiii^ des Oiisnainens isl uiibekaniil. 
(iiiiiidherren waren das Godehardikloster in Hildesheim, das aueh das 
Falioiial besaß, ferner die Klöster Lamsprinoe (1149), Gandersheini. 
Biiinshausen. die Karthänser und die l)()nii)r()i)stei, beide in 1 lildesiieini 
(1308/32/82). ferner die Herren v. Boek (1381), v. Sleinberi^ (1331), später- 
hin auch die v. Bheden, v. Sehnlenbnri^, v. Slopler (Erbre^islei- von 
ir)7(S), um 1731 aneli die v. Mitzephal. Es oab aueh (1290 tf.) ein MinisLe- 
liaieni^eseldechl v. Sehlem. 

Die Einwohnerzahl des Dorl'es l)elrui^ 1701: 211, 192ö: 7 Ki. 

Die der heiligen Cäcilie geweihte Kirche ist um 1112 gegriindel. Be- 
merkenswert ist, daß wir hier eine Kirche hai)en, deren (iriindungs- 
geschichle uns genau bekannt isl. Die P)auei'n (cives) von Sehlem erwarben, 
wahrscheinlich kurz vor 1 1 12, da ihnen der Weg nach Adensledt zu weil 
war. von dem Ereien Hermann und seiner Erau Alfswith einen Bauplatz, 
dei- (iraf Meinfried von Bodenburg gab die Grafschaftsrechte darüber 
auf. der Archidiakon Esicus und der Pfarrer Odo zu Adenstedt erteilten 
die Genehmigung zur Eirrichtung der Kirche, die dann von den Bauern 
durch die Hand des Bischofs dem Abt des Godehardikloslers in Hildesheini 
(s. o.) dargebracht wui'de. Der Bischof verlieh ihr um 1112 das Beclil 
zur Spendung der Sakramente, veipflichtele jedoch die neue Genu'inde 
zu gewissen Leistungen an die Mutterkirche Adenstedt. 

Von dieser urs])rünglichen Kirche ist nichts mehr vorhanden. 
Jk'schr('ilnnit>. |)^>,. jüteste Bauteil der Kirche ist der in Bruchsteinen id)er einem 
Ouadrat von rund 8, .30 m Seite errichtete Westturm, der laut zwei- 
zeiliger gotischer Inschrift an der Südseite im .Tahre 1191 erbaut ist. 
Diese lautet: ,,Opvs pvs c^pletv est in vigilia .lohanis baptiste sul) // 
Anno dni M cccc^ Ixxxx im". 

Das jetzige Schiff wurde im .lahre 1 .')()(> (Inschrift am Sturz des ver- 
mauerten Ostfensters) erbaut, im .Jahre 1875 — 1876 aber durch C. W. Hase 
völlig in neugotischen Eormen umgestallel. Das Mauerwerk ist dem des 
Turmes ähnlich, Gebäudekanten, 4^ür und Eensterumrahmungen bestehen 
aus Werkstein. Die ehemals gebogene Holzdecke hat einem Backstein- 
gewölbe, der b'lachbogen dei- Eenster einem Spitzi)ogen weicluMi müssen. 
Strebejifeiler sind voi- die Längswände gesetzt, die Schiffsmauern um 
etwa 1 m eihöhl. Dei' stattliche Turmhelm ist durch kui'ze P^ckgrate 
von Viereck ins Achleck übei-gefidut und mit Schiefer in deutscher 
Deckungsart belegl. Am unteieu Teil des Helmes vier doppelte Schalluken 
unter fhiclien Giebeldreieckeu : nahe der Spitze hangt unter einem 
Schutzdach iVw Ehrschlagglocke. Das nach Osten al)gewalmte Dach 
des Schiffes ist mit roten Pfannen eingedeckt (Alib. 278). Die jetzige 
Ausmalung erfolgte in den .lahren 1906 1907 durch den Kirchenmaler 
Quensen aus Hraunschweig. Altar und Kanzel aus der Zeit des letzten 



Kirciu', 



265 



Uml)aiies. An einer noch t'iiuilleneii 
Bank ist der Name IlIXHICll 
BAHTRAM 1677 einoesehniUen. 

Auf dem Altar vier Leuchlei- aus 
Zinn. Kaudelaberlorm auf Sockel mit 
drei Füf3en (siehe Selleustedl) ohne 
Inschriften; zwei davon 61 cm hoch, 
zwei 47,5. Gravierungen: Hosen. 

Kronleuchter, Bronze, zwölfarinig 
in zwei Reihen n])ereinander. An 
den Sf(')rmii*en Armen Delpliine. 
Doppeladler mit plastischem Kiu-per. 
Flügel fehlen. ..: 0.10 m. Mille 
17. Jahrhundert. 

Zwei Läuteglocken. 1. Glocke vom 
.lahre 1755, 1,36 m. rnterhalb 
des oberen Zierfrieses in drei Zeilen die 
Inschrift: (Hand) „PS. 150: LOBET 
DEN HERRN IN SEINEN HEL 
LIGTHUM LOBET IHN MIT HEL- 
LEN CYMBELN LOBET IHN MIT 
WOHLKLINGEN. (Hand) DIE ^,, ,.^, , , 

^ ' Abi). i/S. Wlic'llr 111 Scllli-I 

GEMEINDE IN SEHLEM HAT 

DIESE GLOCKE GIESSEN LASSEN IM .lAllRE 1755 * 
GEORG CONRAD PLANTENER VON GÖTTINGEN PASTOR. 
(Hand) LND ALEXANDER GRO'ITAN BAUER Ml<:iSri-:R * * * 




Alhir- 
Iciiclilcr, 



Kldll 
|i iii-|ilci-, 



( ilocKcn. 



[ERR 







Al)li. liT'.l. i\lrrlic iii Sclilcni; /.icT;il ;m der (.Imki- \ mi ITIIS. 

(Hand) .lACOB HARWTG INI) MC.LAS 1IP:1SI:N ALTABISTKN * 
HARM OLENDORP'-. Darnnler Immcs (.losua und Kaie!)): Ifiiier der 
heilige Andreas und die Inschrifl: ..(Hand) COS MICH (.IIB IST: 
Al'G: Hh:CKER IX IUI .1)|-:SIII<: IM". .\iif der Gegenseile Chiishis ;ini 

35 



266 



AhcMid- 
niahlssicräte. 



Palc'iu'. 
Ohlalc'iulosc. 



Taiifsclui'-sc]. 



KreiizsU'iiu' 



Kreuz, genau nach demselben Modell wie an den Glocken in PZinisen 
und Wettensen. 

2. Cxlocke vom Jahre 1768, 1,23 m, unlcrhall) der Haube ein 16 em 
hoher, aus beriiii^ellen Kni*elsk(")i)fen und l^lnmen znsammen^esetzlei-Zierfries 
(Abb. 279), und in lünr Zeilen die Inschrill: „DURCH • dOTTES • GNAL) • 
UND FEUERS • MACHT /BIN ICH IN DIESER • FORM • GEBRACHT 
/VON M. JOHANN • CHRISTIAN ZIEGNER • ZU • HANNOVER/ 
DEN 15 JU'NI ANNO MDCCLXVIII". Darunter in Flachrelief ein 

Einhorn (Abb. 280 und 281). Auf der Gegenseite in neun 

Zeilen: „CURT • ERNST RACHS / JOH. DAVID 

DENECKE ' JOH. ERNST- HAUENSCHIUD JOH. 

CHRISTIAN HEISE JOH. 

DAVID LAUE. BAUER. 

M. ICH DIENE DIER. 

GOTT LAS DU MICH 

LANGE KLINGEN /UND . 

DEIN . ERW/EHLTES 

VOLCK ZU • DEINEN 

TEMPEL RR INGEN'\ Da- 

rniitcr im Rhond)iis ein 

Pfau. Am Schlagring eine 

Wiederholung des oberen 

Ornaments. Jeder Bügel der 

Krone ist mit einem Kopf besetzl (Abbildung 282) 

Silbernei-. leilvergoldeter Kelch, 20,5 cm hoch. Sechspa[3fuß. Am 

Knauf glalle Rhomben. Am Fuße: „BERTRAM. EBELING = ANNA 

HANNEN.S.EHF= HABEN DIESEN KELCH = Z.GOTTES. ^^ -^ 

EHR: VER = EHRETANNO 1663 =". Goldschniit-dczeichcn : |fJ) J|^ 

Silberne Patene, 16,6 cm, 

()\ak' Oblatendose, 12,5x7,25x5,5 ciu. ans Messingl)lech. Silber- 





Al)l). 2,S(l. 

Kii'clic in Schiern; 

Zi(r:il ;in diT dlocl 

von 17(;,S. 



Abb. 2S1. Kirche in Sehlem; 
Zierat an iler (iloclvc von 17ü<S. 



belag abgängig. Auf dem Deckel die Buchstaben: 
aufgeiiielet. An den Seiten Eichenlaub, und drei 
kleine, .■) cm hohe Figuren in griechischer Tracht, 
wie sit- ;iii M(')belsLiicken dcv Zeit üblich waren. 

Die I em hohe zinni'rni' raul'sehiissi'l, 21 cm, 

Inigl am Rand die Inschrifl: ,,C1 IR 1 S TOPHEL 
LINNENBARG 1710 ANNA MALFNA • Ml LLk:RS". 

In Sehlem sinfl zwei Kri'uzsleine aul'gestt'llt . iMner 
von ihnen 1,33 m hoch, ().()8 m bit-il, steht auf dem ~_ 
sogenannten Krughof unttT einei alten ( lJii-)Linde, - 
etwa II. . Jahrhundert (Abb. 28.")). \)vi zweite, ver- 
mutlich wenig älter, ist zui' k'riedensfeier 1870 71 
vorderseilig eirlslellt und am Uferhang der die Orl- 



M. C. St. 18P) 




Al)h. 2S2. 
Kirehc in Sehlem: 
xronenbiiuel der Ciloi k( 
Mjn ITIJS. ( 1 : 10.) 



207 

sclial't (liirclifließciKleii .J{ielu'" neu ;iufm'.slt.'lll : 1 lohe ],()2 m, llicile 
0,68 m (Abb. 281). 

Das zweigeschossige IIaii])(gel)äii(le des Gehrjris Xi-. 1 hat an dvv (IclKifl N'r 
Vorderseite 20 Gelache in iMchenholz, die noch leilwt'isi' die alte i')aeksleiii- 
ausmauerung in Musterungen i)esitzen. Das Haus wai- fin- Laienbrüder 





Abt). 283. Hiicksoito und \'(>i-(k'rseite des Krcu/stciiis Iji'ini Iviuiiliol in 
Sehleni. (1:2(».) 

des Klosters Lamspringe bestimmt. Die in einer Kailusche idjer der 
Eingaugstür eingeschnittene Inschrift laulel: l\^"-'s ET PERILLUSTRIS 
D><^'s / b. AUGUSTINUS TEMPEST / ABBAS LAMPRINGENSIS 

HOC / .EDIFICIUM POSUIT / ANXO 
D.MDCCXVr-. 

Das Gehöft Nr. 7 ist eins der ällesten Gehöfl Nr. 7. 
Sehlems. Über einer vermauerten Tiu' sieht in 
guter Schriftverteilung: „lIENNI (iROVEN. 
ANNETORTIE KERCKMAN. ANNO 1726". 
Am Sturz des gleichfalls vei-maueiten Scheunen- 
tores in deutscher Schrift: ,..lohann .lacoi) Growe: 
Trin Ilse Husemann. Anno 1787". 

Im (ielKift Nr. 2 wei'di'n zwei ( )lgeni;d(U' (Wiu,ii Nr. 2. 
aufbewahrt, die 187.') 7() aus der Kirche eniteiiit 
sind. 1. H(")he 1,70 m. Breite 1,22 in. mit Dar- 
stellung der heiligen C.aecilie, orgelspielend, etwa 
des Ende 17. .lahiiinnderls. Dei" Meister des in 
Technik und Farl)e guten Bildes hat sich als ..Schullzer" unlerzeichnel. 
2. Höhe 1.83 m. Breite 1,2.') m. künstlerisch schwach, (.luistus als 
Salvator mundi mit vielen Beischritten. Der Meister des von .Johann 




Abb. 281. Kreiizstcin am 
Hiclunif.T. (l:2(t.) 



Heinrich iiickcMi und Anna MaiJidakMR' .MiilU'f im .lalire \7'M) i>eslirie- 
len Bildi's ist nicht festzustellen. 
Oleii. Im ijleichen Hause ein 2,75 m hoher Ölen, Sleini^ul, auf eisernem 

l'ntersalz mit neuem Sockel, im Grundriü oval: die weil.ien Kacheln mil 
reichem Schmuck; zweite Hallte des 1(S. .Jahrhunderts. 



Sellenstedt. 

Kirche, ev.-hith. 



Li I (• i;i t II !•: ('.. 1^. Behrens, Stannn])auni der HerriMi v. Steinl)er,n. S. (i. iicil. 
S. II. .1. ('.In-, i laI•clll)e^^^ tfisloria eeel. (ianderhcnieiisis, 7(S(), !)17, ir)7 1, l.")'.i|. 

1723. W. Heinze, tleschiciite der Stadt Alfeld. S. 400. H. Hoogewe.i*, l rkuiidcii- 
hueh des Ilochstifts Hildesheim. 1\' (VAS, r^•^^^, 21<S. II 301, III (i:).'). Dil, 12cS(i, 
i;'>l.'^, \' 3!!2. — Derselbe, Invenlare der niehtstaatlichen Arehive im Kreise Alfeld 
iiiUcr: Sellenstedt, s. a. S. 8 und 53, 21, 11. — K. Janicke, l'rkiuidenhucli des 
I lorhstills 1 lildi'sheiiu, 1 (ii), 1333. — K. Kayser, die reforniator. Kirelienvisitationen. 
S. 21 '.I. - Kn(!ll und Bode, Das Herzogtum Braunsehweig, 2, Ausg.. S. 2.")1. 
K. ].. Koken, Die Winzenburg, S. 199. 9,5. — ,J. L. Laueustein, llistnria Dijjlom. 
I iildesifusis ' I. S. 27(S. .1. .1. hosius. Ciedächtnis Chr. w Wrisberg, S. tS.-Lünig, 
Beielisareliiv XI. .■^)7<S. A. H. Lüntzel, Die l):uuM-lieJu'n Lasten im Fürsteid um 

1 lildesheim, S. 72. 79, 1()7. — Derselbe, Die ältere Diözese Hildesheim. S. 2cS."). 
Derselbe. C.esehiehte der Diözese und Sta<lt Hildesheim II. S. .53 1. tON. 
W. Mithoff, KuustdenkneÄler HL (i. L. Müller, Das Lehns- und LaiulesaufgeJx)! 
unter Herzog Heinrieh. S. 400. - W. Roßmann, Die Stiftsfehde. S. 950. ,S(i2. 877. 
10(;7. 1008. P. (h-.df. Cesciiichtr des Kreises Alfeld. S. 182 ff. 

Ouelleii: navemann uiul \-. ()e\ uhausen, Über die Herri'n v. Hauscheiiidal 
im Besitz, des histor. Vereins für Xiedersaebsen; ebcnd.: l'rk. 38(^. - Staatsarehi\- 
HaunoNcr: Cal. Br. des. 10-^". Haus- untl Lagerbueli im Pfarrarehiv Adcnstedt. 

Alfeldcr Landralsarehiv : Wiuzenburger Erbregister von 1578. - Si'hulehronik 
von Sellciisicdt. 



(lesehieide. Ochon in der mehrfach erwähnten sooenaiinten (Il•iindnn^su^kunde 

des Hildesheimer Michaeliskloslers, anschlich von 1022. wiTden (iiitiT 
des Klosters in ..Scellenstide" im ..l-denithii^au"" i^enanid. l)och IkmI 
man sj)äter von diesen ("liitiuii nichts nudir. lA'hnsherr ist vielmehi' das 
Klostei" (landei'sheiuL xon diun es die Herren \. Sellenstedt und nach 
deren .Vusstt-rhen im IC), .lahihnndert die Herren w Hauschenplat zu Lehen 
hatten. Ketzteii' ^eritden im LS. .lahrhiindert in S(diwieri_i*keiten. Daher 
mntitiMi sie Sellenstedt bis 17.');') an die w Wrisheri; xerpfäiulen und es 
in dvi h'ranzosenzeit iiheiiianpt durch N'eikanf an die bekannte llildes- 
heimer P'amilie Kiiiit/i'i i^anz anti^ebeu. \'oii diesiT tuwaib es dann 1(S37 
der Baron v. Sleinberi;. doch wurde es 192(S an WeinhaLjen verkaid't. 
Das Dorf hatte 1<S()9: 227 KinwohiuT, 1925: 225. 



2m 

Sc'llcnsU'dl ^val■ iirs|)riiiii>licli ciiu' st'Ihsirmdim' PImiic iihcr nnc^cmi 
(\cv i*eriiii;en Einkünt'le j)räst'iilitMii' dci" (iulslu'n ;ils l*;ilr(»ii gewöhnlich 
den Plarrer einer Nachhariiieineinde, bis es 1<S<W') endiiidliL; als ..inaliT 
eoiiibinala" mit Adensledt \ei'i)nn(len wnrde. 

Eine dem I^elrus und Panius i>(.'\veihte Kiiciie wird /uersl \'.)7){) genannt. 
Die jetzige ist nach KibS xom i^itron eri)aul. 

Die Kirche stammt iiiren Hanformen nach ans der Milte des 17. Jahr- 1 W'^ehiciltuii! 
hunderts. Als Baumaterial diente der HruchsltMn dei- Sellensledlei' h'eld- 
niaik. lü'kcinader und b'enstergewände bestehen aus loleni Werkstein, 
im (irundriß l)ildet die mit rundbogiiJen l-'ensteiii versidiene Kirche 
ein Pu'cliteck von 1(S,25\1] ni, an das i\v\- (|nadialisclu' Westlnim 
später anLjebaut woi'den isl (.Xbb. US.')). Im Schlnl.istei n des l-'enslers 




-I — ^ 



Ahl). 2.S.'). Kiichc in Si-llciislcdl ; C.ruiiilril.i. (l:2r)(i.) 



nl)ei' dem \Vesteinii;ani4 sieht die Zahl 17I.S (vielK'ieht das P)aniahr) und: 
A. I). Pn2(.laiir der Instandsetzuiii:^). Das nach Osten mit halbem Walm 
verseiiene Schitfsdach ist mit roten Pfannen gedeckt. Der Tni-m. im 
unteren 1\'\\ massiv, ist wie das Schiff mit Kalkm(")i-tel verputzt, von 
der Ilöiie der l'raufe des Schiffes an aber mit grauen Schiefertafeln 
])ehängt; der Dehn vom (huidral ins Achteck, sodann mit Schweifung 
ins Sechzehneck iibergeleitel. in (K'|- Wetterfahne die .Jahreszahl l.SOO. 

Das einfach gehaltene Innere mit kleiner Westempoi-e hat Kii-chen- 
maler Kbeling aus Hannover im .lahie lOl'i ansgemall (.\bl). 2.Sb). 

Der mittelalteiliche Allartisch hat eine 21) cm dicke Abdi'ckplat le aus 
gelbem Sandslein, mit fiinf Weiheki-euzen und Heliquiengrufl. Altar- 
bild 1,56x1 m, Kreuzigung, neu (Kopie). Dei" .\ltai' isl mit dvv sclmuden 
Ostempore und der l.S.'^X aufgestellten OrgtJ zu einer breiten .Mtaiwaiid 
zusammengezogen. 

Die an der Xordseite auf t'iner llolzs;iule ruhende Kan/A'l dinfte dei' !\;iii/ 
Form mich ^Wv Krbaunngszeit der Kirche enlslannuen. Obeihalb 



.Mtar luul 
Orücl. 



270 



Tiiurenuel. 



ToU'iikroiic. 



'raufschiissc]. 



Allarucräl. 



Ki-oiik'uchler, 



WciliraiU'li- 
.yefäü. 

(llofkt'ii. 



der KaiizeUro[){)e uiilcr (ilas und Ralinu'ii ein 'l'cil ciiicr (.'luMiiali^cMi 
Altardecke mit Monogramm E. A. v. H. und der Zahl 1771. 

DiT jetzt in der 'rurmvorhalle anfheNxahrte Taulen^el wird nicht niehi' 
benutzt. 

l-'juige dem Aid'ange des 19. .lahrhunderts angehcirentle 'l'olenkronen 
sind ebenfalls in der Tui-mvoihalle aufgestellt. 

In dem aus neuerer Zeit stammenden Taufstein ist eine schmueklose 
Taufsehüssel aus Zinn eingesetzt. 

Das siebenteilige Altargerät besteht aus sechs Leuchtern und einem 
auf di'ci Kugeln mit Ki-allen i'uhenden Kruzifix von (),9(S m iiöhe. daran 

ein 34 cm hoher Corpus und die In- 
schrift: „.1. II. V. H. 1729" und „1912 
LIESS FAMILIE Y. RAUSCHEN- 
PLAT DIE 7 ZINN GERÄTE WIE- 
DERHERSTELLEN". Zwei Leuch- 
ter 0,76 m hoch, in Kandelaberform. 
Fußsockel 21 cm hoch, über dem 
Dreieck gearbeitet. Gießerzeichen wie 
am Kruzifix: Engel mit Schwert und 
Wage. ENGELISCH ZIN. 16 AF. 87. 
Zwei Paar Leucliter 0,64 und 0,50 m 
hoch, von gleicher Form. Sie tragen 
sämtlich das v. Rauschenplatsche 
Wappen sowie eingravierte Nelken. 
Drei Kronleuchter im Schiff, von 
denen einei- i. 4. 1911 hergestellt ist. 
\'on den beiden alten Kronen ist die mit zw()lf .Vrnien. in zwei 
Reihen iil)ereinander, 0,92 m, dui-ch sechs Zierglieder (44"ompeten- 
bläser) bereichert. An der Kugel zwei Wappen, v. Rauschenplat und 
V. Steiid)erg, darüber die Ruchstaben: .,11. I^. A. V. S.", darunter in 
liegenden lateinischen Großbuchstaben: „ANNO 1613 HADT / HÄRMEN 
lU'SKEPLATE , DUSSE KRÖN IN DE KERKE YORERET", ferner: 
1912 LIESS FAMILIE RAUSCHENPLAT REIDE KRONLEl'CHTER 
WIEDERHERSTELLEN". 

Die zweite Krone gleichfalls zwc'Wfarmig, : 0,S0 m. l)()j)peladler plastisch. 
Zwei Wai)pen wie an der ersten Krone. Inschrift: ,,1)ISE KHON llADl' 
HÄRMEN RUSKEPLATE / IN DE KERKE YORERET / 1611 ". 
Ein an diei Ketten hängendes, 20 cm hohes Räuchergefäß aus Messing, 
wird in der l^urmvorhalle aufbewahrt. bS. .Iahrhundei4 '.'. 

Die I,;iutegl()(4':e ist im .lalux- 1(S72 \()n 1. II. Darlels in Ilildesheim 
i^euossen. Die 1 4ii-schla<2ülocke hat die lnschi-ift: .J^X Sl'MPTIBUS 




Abb. 2S(;. Kirche in Sc-Ilcnslcdt ; 
(,)iictsflinitt. ( 1 : LifjO.) 



l 4ii-schlaggl()(4<e 
Bl'RCHHARDT HEINRICH DE RAFSCHENPLAr 
IIAEC CAMPANA IN HONOREM DEI FUSA". 



MDCCXVI 



271 

SilbiM-vergoldeter Kelch, 22, .S ciii hoch. Achlpal.iriiU, an den achl Abfiul- 
Zapleii des Knaufes die Huchstahen 1. 11. S. A. 1 ().')(•). lU'schaii- ÄQ malilsoorätc 
zeichen undentlich. Meislerzeichen nebensleheiid. Am l-"nl.! in ^L^ 
liegenden lateinischen Großbuchstaben: ,.HFAN1(. SPIUNCK.M.VNS. S. 
\V. Zr DISEN KELCH VEHEHRF:T 20 /'/ VnHK.b'.S ABER Dil-. 
KIHCHE ZU SELLENSTEDT". 

Silberne Patene, c 16,5 cm, Goldschmiedezeichen wie am Kelch. 
An der Unterseite in l^ooenlorm: ,,l)b:H KlHCllh". ZU SELLEXSTEl) 1. 
1656". 

Silberne Oblatendose, 5,5 cm hoch, oval 9,7 6.9 cm. Anf dem 
Deckel eine Kreuzigung, graviert. Im DeckeliinuTcn 
in lateinischer Schreibschrift: ,,.l()haniie / Marie Sloll- 
rege 1(S23", Goldschmiedezeichen nebenstehend. 

Ein ()ll)ild auf Holz. l.OX ■ 0,98, Taufe Christi, \ielleicht aus dem (icinäldc 
Ende des 18. Jahrhunderts: ein weiteres Ölbild auf Leinwand, Abend- 
mahl, etwa aus der Mitte des 19. .lahiiuinderls. beide nnbeholteii i^e- 
malt, werden jetzt im Schitf aulbewahit. (b'.hemaligt' AilarbihkM-.) 



Warzen. 

Kapelle, ev.-luth. 



Li t era l u r : C B. Behrens. Staninil)auni (\vr Wvvwu v. SIcmhIkmu. Add.. S. ."il. 
— (ieogr. kistor. Beschreil)ung von Ostl'alcn (tiaiinow (',v\. An/.. 17.").;). S. 11 I I. 
R. Doebner, Urkun.(lenl)uch <ler Stadt Hildosheini. 1 12. l-'icih. .1. (iiidc \'vr- 

zeichnis wüster Ortschaften. W. Iteuize. (iesehichtc <k'r Stadl .\lteld. S. 2N. 
H. Hoogeweg, Urkundcnl)ucli des Hoc-hstifts Hildosheini. II lOlM). 111 «Hl. 1 lOi). 
\' KMiS. — Derselbe. Invenlare (Il'V nii'htslaatlichen Archive im Kreise Alfeld unter: 
Warzen und Föhrste. - K. Janicko, l'rkundcnbuch des lloelislins I lildesheini. 
1 140, 421. — K. L. Koken, Die Winzenburg. S. 112. W . Milhoti. Kuns((leid<- 
niäler 111. — A. Peters, Invenlare der nichlstaatliehen Archive im Kreise (ii-oiian 
unler: Brüggen. — W. Rol.»niann, Die .Stittsfehde. S. .')lcS. II. Sndt'ndoii'. Ir- 

kundeid)ucli zur (ieschichte der Herzöge von Braunschweig und l.imelivng. IX 
221. 1. 1'. ('.raff. Ccschichle des Kreises Alfeld. S. :;2'.i ff. 

Ouellen: .Staatsarchiv Hannover: Lamspringe ()r. IIS- eluiid.: (nole a. a. (). 
mit hdschr. Zusätzen. — Alfclder Landralsarchiv : Winzeid)urgei- llrbregisler 
\()n l.')7.S. — Sehloßarchiv Brüggen: Lehnsurkuriden l.')N't ff. Alttider Rals- 

archiv: Hoogeweg, Alfelder rrkundenl)uch Nr. 1(H^ loT. IIN. i:V.i. II.'.. l.")(), 1(>,S. 
22S. 2.')1. .'^09. — Schulchronik von Warzen: s. a. die Ouellen zu i'dhr.sle. 

.\ bbi I d n n gen ; Staalsarein\- : Karten: 1 .\ f 'SA. 

Das bereits 1079 als ,,\Vardusheim"" t'rwidinle Waiv.cn wird niehl das Geseiiichle 
lieutige sein, sondei'n das in der Slitlstehde zei'störte ..(iroliwarzen". (l;i.s. 
wie die noch um 1760 vorhandenen l'riimmer anzeii^leii. ;tm lU-rge niehl 
weit vom Stifte St. k>lisal)elh bei Alfeld lag. l)ie lU'wolinei- haben sich 



272 

dann wohl jenseits des Hei'<4es in ,, Kleinwarzen", jetzt einfaeli ,, Warzen" 
i^enannl, anivebaul. Die l^inwohnerzahl betiiii^ l.SOO: 119, 192Ö- 2(S(i. 
(ii'undluMTcn waren das Michaeliskloster in llildesiieini (107*)). die 
Kl()ster LanisjjriiiLie (llS;')) nnd (iandersheini (1291), ferner das llildes- 
heinier Moi-ilzstift (l.')()2), zeitweise aneh die 1 lerren v. Sehleni nnd die 
\'. l^seherde. Späterhin aber ^elKirte (his ganzt' Dort den \'. Sleiid)eri>", 
(He (h)rl bereits 12*.)(S (iiiler besat.ien. 




A1>1). 2S7. l\:i|)(llc in \V;irzcn: Aiisirlil. (JucrstliiiiU , < .rimdril.i. ( 1 : •J.')(l. | 



(irol.) Warzen hatte selion 120(S eine Kii'clie. dei'en l'beireste noch im 
1(S. .laiirluindi'rt zn seilen waren. Dagegen eihielt das hentii^e Warzen 
(Kieinwaizen) erst um 179(S eine eigene Kai)elle (Miial von (ierzen). 
Bi'schri'iltunu. Die über dem Rechteck von (i,7()X 10,75 m in i^iclientachwerk ant 

1 Jrnciisti'iiisocke! bjide (k's bS. .lahrliunderts errielitete Kapeile ti'ägt 
eiiu'ii im (Irundril,} (piadratischen Dachreiter von 2,()0 m mit einem 
niedriiien Zeltdach. Die (letache sind mit Backsleinen ansgi'inant'rl und 
mit Kalkmörtel Nt'rputzl. In der W'et teitahne ein Stt'inbock nnd die 
.lahi'eszahl 179(S (Abb. 287). \)'\v rechteckigen Fenstei' haben Aul- 
teilung durch i Iolzs})rossenNvei'k. Im ornameidal umi'ahmtt'n b'elde rd)ei' 
dei' Westliir in gotischei' Schiill die Inschi-ill ..W'üt du (iOtt di^'nen 
so lall dir sein bj-nsl si-in autt dal.! du (iOlt mchl versuchst , Sirac 
am bS. \'. 23'". Das Innere ist mit KMlklaibe wcil.i gesli'iclu'u. Als 
Altar ein eintachei' Tisch. 



273 

Der Ki-oiilcuchlcr. sochsanniL;. (». I.'! m bivil. OJ I in hoch, isl (\vm Kionlc-uc'hlcr, 
in (lerzeii sehr ähnlich. Inschrill in hileinischei' Schreihschiil t : ..Znni 
Anrlenken nn A. Trost, oefaHen in der Sciiiaciit i)ei Langensalza am 
27. .luni 186(V\ vermutlich ist die Krone selbst aber idler. 

Die (ilocke, .: 0,()0 m, trägt untei-halb der ilanbe zwischen Oniamenl- (.lorkt-. 
streuen die Inschrift: ,,Zl'R EHRE (iO'i TlvS HAT MICH DIE (iE- 
MEINDE WAHTZEX GIESSEN LASSEX. 17<),S". Am lanaen l^-lde 



T?rT^ 



riM«iiM.ALtW8.-i!f.aaiit\^i 



Abb. 288. 

Kapelle in Warzen; 

Glocke. 







Abi). 2.S>.i. 
Kapelle in Warzen; Zi(■l•ll•i(■^ an der (ilocke. 



nuten: .,G()S MICH HEINRICH ALBRECHT ROCK IN EINP,ECK" 
(Abi). 2.S.S \\\\i\ 289). 

Zwei Kelche aus Zinn. Der eine, Höhe K),.") cm. mit Inschrift: Kclelie, 
,,SAEI.IA KAY: EE". Palene c 11,() cm. 18. .lahrhnndert. 

Ein zweiter Kelch, Höhe 17 cm, trägt am Euße die Inschrift: 
,,E. M. L. R. 1803". Gießerzeichen: Krone, darüber schwebender Engel. 
„Englisch Blockzinn 1725". 



Westfeld. 

Kapelle, ev.-kith., Pfarrkirche, kath., Verschiedenes. 

Literaliir: .1. l*"r. l^'alke. Trad. (■,()ii)ciensiuni. S. 21(1. l-'ri'ili. J. (rrote, 

Verzeiclinis wüster Orlscliaften. S. 17. - F. düntluT. Dit AiiibcT^aii. S. 17(i. — 
H. Hoogeweg, Urlvundenljucli des Hoelistiits 1 lildrslu-iin. 11 loiHi. \' li-Uti, \'.\W1. 
III 484, ()2.'^. 1722, VI .540. — Derselbe. Inventare der niehtstaal liehen Arehive im 
Kreise Alfeld unter: AYestfeld und AVrisbergholzen. Zweiter .Iahres])eriehl für 

Natur und Kunst. Hildesheini 184(i. - K. .laineke. l rkun(leni)ueh des Hoehstifts 
Hildeslieim, I ()3. 27.5, 407. 4S(). K. Kayser. Die refoinialor. Kirehenvisitationen, 
S. 220. — K. L. Kolben. Die Winzenburg. S. i:V2. Vw I.ückr. Das Dorf Sibbcsse, 

S. 15. — A. H. Lüntzel, Die bäuerlieheii Lasten im Inustrntum liildi'slu'im. S. l<s:iff. 
— Derselbe, Die ältere Diözese Hildesheim. S. 1.52. I )i'rsi'lbe, (icsiliidilf drr 

Diözese und Stadt Hildesheim I, S. !)0. - - V.. (1. lA'il)niz, Seriptores rer. Urunsv., I, 
S. 700. — W. Mithoff, Ivunsldenkmäler III. (i. 1.. Müllrr. Das Lehiis- und I.andes- 
aufgebot unter Herzog Heinrieh, S. 152. - l'osse und iCrmisih. Cod. Dipl. S;i.\. frk. 



271 

der Crraffn v. Meißen. I 2. S. 'i.')!. Xr. M\2. - AV. Hf)üni;mn. Die Stitlslelule, S. 1 1 li; 11. 
— SchriHler, Dynasten, S. 21.'^ Sommer, (lesch. X:u-hrichlen über die katholische 
Kirehe in Westfeld im S(. Hern\var<isi)hilt, Hildesheim. KK).'). Xr. 'M) ff. — Facti 
species betr. Helif^ionsbesciiwerdeii. Hildesheim, KiUd, S. 17. 77. H. Freih. v. 

l 'slar-Gleichen, (jeschicbte der (iraleii v. Wiii/.enl)iirii. S. '2l!l. — P. Graff, Ge- 
scbichte des Kreises Alfeld. S. :)(i(i 11. 

O Hellen: Scldol.iareiuv Wrisber^bolzen : l.ehnviiikiiiidcii htdi-. Wesli'eid. 
.\llelder Landralsarelu\' : Winzenburger Iirbregister von 1.")7<S: ebend.: H B 111 2)}, 
Xr. 2. — Staatsareliiv Haimover: Hildesheim des. 1 7(), 1: el)end.: (-al. Br. C IV I. 
Xr. 202: ebend.: llildesbeiin. Landesarchiv 1 7".». 1. Ahsclin. 2 1. — Sehulchmnik 
von Westfeld, sowohl iulheriseh als auch katholisch. 



Geschichte. jn den soi>. ^riaditioiien des Klosters Corvey wird im 9. .lahrhiinderl 

(.'in „ruetvelde" in paijio l'leithi (Flenithit^an) i>enannl, welches sehr 
wahrscheiidieh nnst'i' Wesli'eid ist. .\neli das Kloster Fulda scheint hier 
1170 ])egülei1 gewesen zu sein. 

.\ls weitere Grundheiien werden (iral Dieliieh w (^atlenburg (11. .lahr- 
hunderl), Dietrich v. Wei'dei-, beide im 11. .lahrhunderl erwähnt, ferner 
das Moritzstift (llöl), die I)omj)ropstei (1277), das Johanuesstift (12<S2), 
das .Vndreasstift und das Michaeliskloster (Winzenburger Erbregister 
\()n 1.')7(S), sämtlich in Hildesheim, ferner das Kloster Lamspringe (1310). 
auch die Kloster Brunshausen und Gandersheim (Krbregister), schließlich 
die llerien v. Steinberg (1370), v. Rheden, v. l)Ock, v. Rauschenplat. 
V. Stopler. \-. Stöckheim (Krbregister und spidere ,,Kandbeschreibungen"). 
Die Palrimonialgei'ichtsbai'keit stand im 11). .lahrhunderl den v. Schuleu- 
btirg zu. Ks gab (llSl fl) auch ein Ministerialengeschlecht v. Weslfeld. 

Die Kinwohneizahl beliug 1701: 187, darunter KS Katholiken — es 
halte sich auch seit 1()93 unter mannigfachen Streitigkeiten eine kleine 
katholische (ieuu'inde gebildet - , 1925 insgesamt: 311. 

Die schon voi- der Refoinialion bestehende lutherische Kai)elle, Filial 
\on Wrisbergholzen. ist 1753 durch einen Xeubati ersetzt. 

Die Feldmark der Wüstung Kodsen (lllä: Koddingessen, \ielleicht 
auch das 1019 genannte Liudullessen), das 1 157 wegen Wassermangels 
wüst wurde, liegt zur Hälfte in der W'estfeldei-, zur Hälfte in der Sibbessei' 
F'eldmark. 
Beschreibuiifi;. Die im Osten mit di'ei Seilen des .Vchlecks geschlossene Ka|)elU' ist 

^P^' *"■ einschlieUlich des vermullich 1S02 umgestalteten Turmes rund Ki m 
lang und r).75 m bieit und aus Kruchslein dei" Sibbesser Brüche herge- 
stellt (.\bb. 290 u. 291 ). .\ul.ien sind die Wandi' unxerpntzl geblieben. Tür- 
und Fensteigewände bestehen aus Werkslein mit schwachen Profilen, (her 
dem rundbogigen Fingangs])ortal au der Südseile sieht die Inschrift: 
..llii-r geh ich in dem Haul.i auf deine grose / (lüU' und setze mich 
getrost zu deinen ImU.U'u hien • bMiiei-; .,1M .I.MIBK CHRISTI 1753/ 
HAT DIE HIESIGE GEMEINDE IX WESl FEKD , DIESE KIRCHE 
MIT GOTT NEU /BAUEN LASSEN". 



275 

Eine zweite Iiischriltplalle, (),<S() 1 in i^i'ol.i. ^il)l iiorliiiKils das 
Baujahr 1753 an. Inselirill: „AVSIMCIIS 1) 1\' INIS / ANNO H. S. 
MDCCLIII /HAEC CAPELLA NOVA EVAX(.i<:i.l CORVM or, IM- 
MINENTEM RVINAM / VETTER IS EX lA'M )AMi:X'l() i:S'l' i:X- 
STRVCTA: /CVRANTE / IVL. DAX. \V1-:(:E1-: PASTOUb: IX Wl^lS- 
HERCtHOLZEN WESTEELl) El Sl^dESTE ADI VV AX I !•: I1.\XS 
HAHEREANÜ HOC AXO PROVISORlv S. D. G-. 




Abb. 2it(l. K;i|)fllr in Wcsllcld; ( .nindril.'.. (1:2,')Ü). 



Der Turm. i)is etwa zur I^^iisllnihe des Daches massiv hoclii^t'lidirl. 
zeii^l olierhalh der Traute eine mit Ptannen al)^edeckle Veijün^unL' : 
die auti^esetzte vierseitii^e Cdockenslube ^^ie ancli die aus dem 
Qua(h'at ins Achteck geschickt ülier^etühite .Spitze, ist mit Schieter- 
platten bekleidet. Die Pyi'amide 

wird von Kugel und Wettei^lahne * 

bcknint; in letzterer die Zahl l.SO'i. 
Der Turm ist aber im Mauerwerk 
älter und kann schon vor Errichtung 
des Schiffes vorhanden gewesen sein. 

Das Innere ist. vermutlich im 
.lahre ]<S(S(), gelegentlich dei- .\ut- 
stellung einer neuen Orgel auf (\<c\- 
kleinen Ostempore umgestaltet. Dabei 
hat auch der alte, mit geschnilzleii 
Eiguren geschmückte gotische Altai' 
dem jetzigen weichen müssen: auch 
der Tauteugel ist seitdem ver- 
schwunden. Das T()unengew(')lbe, das 
den mit Empore ausgestattelen Turm- 
raum überdeckt, liegt im Sciu'itel 
höher als die h(')lzerne Hogendecke 
des Schiffes, die ahnlich ausgebildel 
ist wie die über dem Chor in Segesle. 

Es sind zwei Kronleuchter aus 
Rron/A' \ (M-liau(U'U. nou denen der auf ^,,,, ^'u. i:\.-inih. Knpriic in wcstrd 



'rmni. 




Kroii- 

k'llclltlT 



("ilocke. 



276 

der Westempore der ältere und wertvollere ist. Dieser hat sechs S förmig 
gebogene Arme; 0,60 m. Adler plastisch gegossen. An der Kugel die 
Inschrift: „lOHAN CONRAD UHDE ZU WESTFELD 1790". 

Der im Schiff hängende neunarmige Messingkronleuchter entstammt 
der ersten Hälfte des 19. .Jahrhunderts. 

Die Läuteglocke, 0,(S9 m, trägt an den Kronenbügehi Mechl- 
ornameut. rnterhalb derllaul)e zwischen Sclinnr/iigeu die 1 cm hoiie 




Abb. 2(ili. Kiipcllr in Wcsllcld; (llot-kc. 



Kclclu 

Katholiscln' 
Prnrrkiri'lic. 



Inschrift in gotischen Kleiid)uchstaben : ..anno (Rundmedaillon mit 
Mutter (iottes und Kind) diii • m • cccc • Ixxx ■ \ in • maria. bin. ik. ghenat. 
yhski-islo sancta kaleriiia pi'oiia huius capane". Darunter Fries in der 
Art eines spätgotischen Bogeid)andes mit h;mgenden Blättern 
(Abb. 292). Nebenstehender Kl()i)pelstemj)el ist zehnmal eingeschlagen: 

Kelch und Patene aus Zinn vom .lahie 17(S7. 

Nachdem die Ende des 17. .lahiiuiiiderts erbaute alte katholische 
Kirche im Anfang des 19. .lahrhunderts ])aufällig gewoiden war. wurde 
sie im .lahre 1«S4(S durch (his jetzige (mtteshaus ersetzt. Dieses ist ein 
massiver Saalbau (20>11 m) mit hali)iiiiidei- Apsis. in rund 7 m 
Höhe liegt die ebene, gut aufgeteilte Ilolzdecke mit sichl baren Haiken. 
Fensler rundbogig geschlossen. Am Westende des Daches erhebt sich 



II I 



ein kleiner, achtseitiger Dachreiter aus Holz, mit stunii)ter l)eschielerler 
Pyramide. 

Eine etwa im Anfange des 18. Jahrhunderts hergestellte Kreuzigungs- Kreuzigungs- 
gruppe aus Holz ist auf dem Beichtstuhl aufgestellt. Korjjus des Ge- ""^l'l'^'- 
kreuzigten 1,30 m hoch: daneben S. Maria mit ausgebreiteten .\rmen und 
S. .Johannes, je 1,20 m hoch. Vermullich gehörten zwei über dem 
Altar seitlich aufgestellte hölzerne Schnitzwerke (Antonius und Joseph) 
zu der Gruppe. Sämtliche Figuren sind mit dunkelgrüner Ölfarbe neu 
gestrichen und leicht vergoldet. 

Die hölzerne Kommunionbank, 0,90 m hoch, 2,90 m lang, ist durch KtJinniuMion- 
zwei senkrechte, geschnitzte Stützen (Rankenwerk) in drei Feldei- geteilt. *'"^ 
Im mittleren: Monstranz im Strahlenkranz, umgeben von Akanlhus- 
ranken, aus denen fünf Engelsköpfe hervorschauen; Seitenfelder mit reichem 
.\kanthusschmuck. Die Art der Zeichnung und Ausfidirung weist auf die 
Werkstatt Jobst Heinrich Lessens hin (vgl. Lamspringe, Klosterkirche). 
Bemalung wie vor. 

Die schlichte Orgel stammt aus dem .Jahre 1850. Oryel. 

Eine Pieta aus Holz. 0,73 m hoch, 0,50 m bieit, mit slai'k farbigem Xrspcrliild. 
(neuerem) Ölfarbenanstrich, wird etwa der Erbauungszeit der allen 
Kirche (17. Jahrhundert) angehören. 

Die im Dachreiter aufgehängte Glocke, 0,27 m, trägt am langen ('.lockt'. 
Feld die Inschrift: (Chronostichon): „S. MA" (Marienbild): RIA / 
EVIGILANTE DIE TER AVE RESONABO IVIARI^ POPLITE / 
PLEBS DONO SVRGITE PVLSA SONO". (1726.) Auf der Gegenseite: 
„D. B. C. RASFELDT / ET U. A. C. SCHILLER / EIÜS CONIUX ME / 
FIERI FECERUNT". Am Rande: „I. H. BECKER FECIT". 

Das in Fachwerk zweigeschossig hergestellte katholische Pfarrhaus Pfairliaus. 
ist laut Jahreszahl und Abtswappen über der Eingangstür 1779 erbaut. 

Über der Eingangstür zum Hause Nr. 2 in Westfeld befindet sich Haus Xr. 2. 
eine etwa 0,30 m hohe, 1 m breite Holztafel, auf der links und rechts 
von einem Monogramm (Jiristi (im Kranze) die W^orte stehen: ,,Wer auf 
Gott vertrauet hat sehr wol eebauet I. C. FISCHER. ANT. KEISER 1742". 



Wetteborn. 

Kirche, ev.-liith. 



Literalur: l<'reili. .J. Grote, Verzeichnis wüster Ürlscliatlt-n, S. 20. — H. 
Hoogeweg, rrl<undenbuch des Hochstifts Hildeslielni, III 300. 1532. Ü89, V 175. 
1086. - Derselbe. Inventare der nichlstaatlielien Archive im Kreise Alfeld unter: 
Wetteborn. Zweiter Jahresbericht für Xalur und Kunst. Hildesheini 1846. — 
K. Janicke, iTkundenbuch des Hochstilts Hildesheini. T 417, 458. K. Kayser, 

Die reformator. Kirchenvisitationen, S. 219. — K. L. Koken. Die Wiuzenburg. 
S. 133. — .J. L. I.auenstein, Hist. Diplom. Ilildesiensis. II, S. 281. .\. M. Lüntzel. 
Die bäucrlicben Lasten im l-'ürstentum Hildeslieim, S. 73. — Derselbe, (resciiiclite 

36 



(U'schiclilc 



27(S 

(k'r l)i(")/,fsc u\]{\ SUull I lildcslu'iiu. II, S. 1<S7. .")7I. ]•]. (i. lA'il)iii/. Siriplorcs rcr. 
Brunsv., TI 'A^u If. J. :Macliciis. Die Ari-lii(li;ik<,nalc. S. 'M. <)(1 - A. McinJicr«. 

GescliichU' des Klosters Lanis])riiige, S. li). — \V. ^Mithoff, Kuiisldenkmäler 111. 
Alfeld. W. RoÜniann. Die Sliftslehde, S. 12. 49(i. -- P. Graff. Geseliiehle des Kreises 
S. "jnt. I K) n. ]']. lleiinecke in Zeitschrift der Gesellseluifl für Xiedersäelisische 
Kireheii(jes(hiehte 192i), S. 169 11'. 

Quellen: Alfelder Landratsareliiv : ^^■inzc'nl)urfier iM-bretjister von 157.S. — 
Alfelder Eplioralarchiv unter: Wetleborn. - Pfarrarcliiv Wi-tteborn: Alpliei's 
("Jinmik, Hdsehr. — Staatsarchiv Hannover: Hildesheini des. 1 7tl. 1. 



Wcllchoni wird Ix-ivils 1188 als Archidiakoiuilssilz ifcnannl. Seine 
KircJH' war dariini eine der iilleslen des Kreises, (ii'niid- und (ieiielüs- 
lieir \\;ir n;it nr^eiiiiiß znnäciisl dei" liischof, dessen Allod lu'hsl Znhehör. 
Zt'hnlen und Palronal 1305 das (landersheimer Ma.rieidviosler i^ei^en 
i^ieiche i^eciUe in Kleinlewe einlauschte. Rechtsnachfolger des Kloslers 
ist spidei' die ( "niversiliit Helmstedt. Sonstige (irundherren waren die 



r>esclirei])nnt>. 




Al)l). 2'.i:',. KiiTlic in WrlU'lxnn; C.nmdril.i. (1:2.")0.) 

V. l'shir lind die Klöster (iandersheim und Brunsiiausen (h-rbrei^isler 
von ir)7(S), lind im 1*,). .lahrlmnderl die v. Koch (Ablösungsaklen). 

Der Oll. {\vy während der Stiltslehde zweimal eini:ieäscherl wurde, 
halle 1701: 111 Einwohner, lO'if): 2^)]. 

Im .luhre 1182 wurde der Zelmle des wiisl gewordenen, am Kvers- 
häusener Holz gelegenen Ribherode der Pfarre Welleborn l)eigelegl. 
Kine andere Wiislung ist unweit davon Nieniiusen (Xigehusen), (his 
118X. ebenso wie Ohlenrode, dem Iliidesheimer (iodehardiklosler gt'h(")iU'. 

\'on i\vv allen Bauanlage ist nur noch der aus gotischer Zi'it 
stammende W'estlurm ((> > 7,5 ivi im (jrunchiß) erhallen. Au ihn 
wurde in den .lahreu 17 1() bis 1718 das jetzige Schiff über einem Recht- 
eck Non 11,50X20,25 m in heimischem I5ruchstein angebaut (Abb. 293). 

1 )t'r 'liirm, dessen Schallöffnungen durch gedrückte Rogen geschlossen 
sind. h;il ein beschieferles Walmdach erhallen, tlessen First ein auf 



279 



zwei kräi'liii;cii Sliclcii iiiliciidcs Scliiilzdacli liii' cww kU'iiir lilorkr [\'i\Li,i 
(Abi). 294). 

Das vom SchiiT aus zuifäni>'lu'lK' l'',i(lm'scli<)l.l des ruriiics isl luil 
zwei ri])peulosen Kreuzgewölben überdeekl. 

Das Sehii'f hat Fenster und 'l'ürunirahnuingen aus W'eikslein und isl 
aul.Jeii unverputzt i^eblieben. Das naeh Osten abnewalnile Daeli uud 
{\v\- Turnihehn sind beschietei-t. 

Eine hölzerne Bogendeeke sehlielJt das Schitt in etwa (') ni Hohe ah. 
Die breite Westempore, mit kurzen Flügehi an der Nord- und Siniwanik 
trägt die schlichte Orgel, gegen Ende 
des 18. Jahrhunderts hergestellt. 
iMue zweigeschossige Emporenanlage 
hinler der Altarwand beeinträchtigt 
diese stark in ihrem schönen Aufbau 
(Abb. 295). 

Die hölzerne Altarwand wurde 
von dem Gandersheimer Bildschnitzer 
Joh. Caspar Käse etwa Mitte des 
KS. .lahrhunderts hergestellt. Beider- 
seits der über dem Altartisch vorge- 
kragten Kanzel ein Säulenpaar. Über 
den reich geschnitzten Durchgangs- 
(Wruungen links Paulus, rechts Petrus 
iu X'olUignren. Obei'halb des mit 
einem kleinen Engel geschmückten 
Schalldeckels der Auferstandene. Der 
in Bokoko geschnitzte Altar zeigt in 
i\v\- figürlichen wie ornamentalen 
Behandlung tüchtiges Können. 

Zwei Holzsäulen, aus der mittel- 
alterlichen Kirche übernommen, 
spätgotisch, reich geschnilzt, sind 
beiderseits der östlichen Eingangsliir 
hinter dem Altar wieder aufgestellt. 

Der im Schiff vor dem Altar schwebende holzei-ne Taufengi 
sclKMiste seiner Art im Krei.se Alfeld: er durfte gleichfalls aus (\v\- \\\ak- 
statt Kaspar Käses stammen. Im Sjjruchband: ..Lasset die Kindlein 
zu mir kommen-'. Darunter: „IIENXI MÄlMh:: AI5H'l 
und die (.Iahres-)Zahl 17ir) (Abb. 29C)). 

Zwei Altarleuchter, P)i-()n/e, WalzenschafI uiil Knauf, au 
in gotischer Auffassung, Höhe 'M cm. 

Drei Kronleuchter, davon einer aus Bronze, .' (),.") 1 n 
mit Delphinen in den S förmigen Armen, etwa uiu 1770. 




Ahl). 2\i\. Kirclic in WCIlcIxprn. 



All;ir II 
Kun/.el. 



Siiuk'ii. 



isl der raiiiciigr 
Werk- 
indlein 
\1)A.M • 

drei l-'illieii, AUailciu' 



/wdllarniig 
1 )oppeladler 



Ivronkuclüer, 



2^0 



Glocken, 



Abeiul- 
maliJsgcrätf. 



flach. — Ferner zwei Kristallglaskronleuchter, etwa um 1800. Glas- 
perlengehänge, Messingringe in durchbrochener Arbeit. 

Im Turm hängen zwei Läuteglocken und eine IHirschlagglocke, letztere 
unzugänglich. Ein altes Meßglöckchen, etwa 10 cm horli, dient jetzt als 
Kalkantenruf im Orgelwerk. 

Die ältere Läuteglocke stammt aus der Fridizeit der (iolik. Form hmg- 
gestreckt, 1,07 m. Außer zwei Brakteatenabdrücken unterhalb der 
Haube und einigen Schnurziigen schlicht. Die zweite Glocke, c 1,22 m, 
trägt unterhalb der Haube zwischen zwei gotischen Ornamenten in zwei 

Zeilen die Umschrift: „KOMET 
HER THO MI ALLE DE Gl BE- 
MOET VNDE BELADEN SINT 
ICK WIE IV ERQVICKEN VER- 
BUM DOM IN V MANET IN ETER- 
NVM. / ERNST BARCHARDES 
AMTMAN .lOHANNES STRV- 
WEN PARNER DREVES WISEN 
KARSTEN SIVERS HENNI 
KRUSE HEFT Ml GEGOTEN 
ANNO DOMINI 1562". Die Worte 
der ersten Zeile sind durch kleine 
stehende Rauten getrennt, die der 
unteren Zeile durch Vögel, ab- 
wechselnd sitzend und fliegend. 
Am langen Felde zweimal ein 25 cm 
hohes Kruzifix, daneben nochmals 
ein Kruzifix in kleiner Form, sowie ein Marienbild, ferner am Rande 
Lamm, Maria und Kruzifix. Die Bügel sind mit Menschenköpfen verziert. 
Der 27 cm hohe silbervergoldete Kelch auf AchtpaOfuß zeigt maß- 
\()llen Zierat am Knauf. Am Schaftübergang ein 4,5 cm hohes Kruzifix. 
Auf dem Fuß in lateinischer Schreibschrift: ,,G. F. F. Bosse Pastor Anno 
1751". (loldschmiedezeichen vermutlich wie an der Oblatendose, schwer 
erkennbar. 

Am Rande der silbervergoldeten Patene (0 LS, 5 cm) neben dem 
Weihekreuz eine Inschrift in lateinischer barocker Schreibschrift, dreizeilig: 
„I. H. Beckmann. A. A. M. Arnüjrecht. G. N. Stender. F. Stender. G. N. 
Buhlender. A. A. 1). Sehliker. .1. P. Buhlender. E. Ruhlender. .1. F. 
Ruhlendcr. M. 1). Mulieii. II. Herbst. II. II. Sleiidiof. M. E. Stein- 
hoff. / J. II. Mnlje II. Pluni: C. DinoekT G. II. Bartels. K. Bartals. 
H. Niehoff. 1 1. .1. Sehunemann. .1. C. ()])])man. A. C. Piobsl. C. Bethel. 
.1. M. Bartnim. .1. C. P.artram. A. M. Bartram. C. .lolKinnes. C. I). 
Look. A. Uhe. A. (".. .lunnelings. M. V.. Strohlcii." lMilslc'liuiiL>szeit ver- 
mutlich auch 1754. 




.Vbb. 295. Kirche in Wettcljurii; 
guerschnitt. (1:250.) 



Der kleine, 12,3 cm hohe, sill)eriie Kelch trayl an den ranlcnlorniinen 
Zapfen des Knanfs die Hnchslaben: „IHKSVS" und am l-'iil! ein ;;.7 cm 
hohes Kruzifix. 

Oblalendose, silberveri>oldet, oval <) 12 cm, (i cm hoch. Auf (k-m 
Deckel die Gravierung eines Lammes mit (Ut h'ahne. liiler dem Hoden 
eine Inschrift (Schreibschrift), die besagt, daß (he Dose 17.")() 
von P. Behrens und seiner Frau Anne .Inhenne o(.|). (.lonic 
geschenkt ist. Goldschmiedezeichen iiehiMislehend. 



©@ 




Abb. US)6. Kirclu' in Wettelioni; T:uil<'n<;('l. 

Taufschiissel, kupfervergoldet (0 0,39 m), ti-;igt die Raiulinschrift : 'raul'sciiüssol 
„M. HÄHMANNVS HEMMELINCK ANNO Umv. Im Hoden eingraviert : 
Christi Taufe, Taube im 17strahligen Stern. Gottvater im Glorienschein 
in den Wolken mit Beischrift: „Jhvh" in hebräischen Buchslaben. Als 
Zierglied ein Bogenband. 



Wettensen. 

Kapelle, ev.-luth., Verschiedenes. 



Literatur: R. Doebner. Url^undcnluRli der Sladl 1 lildeslu'ini. \'II 25(t. 111 
Nr. 512, 528, 538, 1126, 1311. - C. C.rcitfcnliagen, (Icstiiiclite dos Sclilosses und 
Dorfes Brüggen. — W. Heinze, Geschichte der Sladl Allcld. S. KU. 1 i. t loogeweg. 
Urkundenbuch des Hochstifts Hilrlesheini V. Nr. (iOO. Nr. 73Na. I)(rs(ll)e. Tnven- 
tare der nichtstaallielien Aicliive im Kreise Allild urder: WelliMisen und lliiUM-n. 

37 



282 

— J. L. Lauenstein. Hist. Diplom. Hildesiensis II, S. 272. — A. Peters, Inventare 
der nichtstaatlichen Archive im Kreise Gronau, S. 14. - A. Seidensticker, Rechts- 
und Wirtschaftsgeschichte norddeutscher J'^irsten I, S. 'A97. — P. Graft, Geschichte 
des Kreises Alfekl, S. 873 if. 

Quellen: Scliloßarchiv Brüggen : Lelinsurkinidc von l.'j.Si). — Alfelder I.and- 
ralsarchiv: A F Nr. 11. — - Sciudchronik von Weltensen. 

Ahli iid 11 iig: Alte Kirche, im Besitz des Ackermanns Bode I in Wettensen. 



Geschichte. In einer Urknnde von 1039 (Harcnlter^, Gandeisheim, S. 721 und 729), 
iiljei' deren lu-htliei! keine I'herelnsliniinunn l)esteht, wird ein ,,\Vedensen" 



Beschreihmu 




Al)l). 2il7. l-;iifinaliii(' I\a|)f)l(' in \Vctteii;en. 

erwähnt. .Tedenfalls ist richlio, daß Ganderslieim hier frühzeitig die 
Lehiisoberlioheil besaß und vor 1331 die Herren v. Steinberg damit 
l)elelinle. Doeli lialte auch der Bischol von I lildesheim Lehnsrechle, auf 
(iiimd deren er ebenfalls die Herren v. Steinberg belehnte. Sie wei'den 
auch als Patrone der schon vor der Reforn\ation bestehenden Kapelle 
(l-"ilial von l^inisen) genannt, konnten aber bei der Besetzung von Einiseii 
(s. d.) niemals ein Volum a.usiiben. Später wurde daher die Kapelle gli'ieh- 
sam Privatkapelle der 5 Reiheleute in Wettensen, 

Der kleine Ort hatte 1809: 125 l':inwohner, 1925: 162. 

Die dem heiligen l'rban geweihte Kapelle, ein Fachwerkbau mit 
kleinem Dachreiter, wurde in den .lahien 1901 bis 1905 durch einen 
N(Md)au in romanischen h^ormen ersetzt. Die in Abb. 297 wiederneGcbene 



283 

Skiz/A' (k'S alU'ii Baues ist iiacli '■iiicr im Ijesitzc des I lolhcsiL/A'is l-'i". liodc 
in Weltenseii befiiidliclicii Pli(;l')L>rai)liie i^czcichin-l. 

Im Dac'hrcilcr der jelzigeii Kapeil" häii^l eine ('docke {z 0,17 m), Glocke 
die linierhalb der Haube mit einem ornanuMitiei len b'ries ^eschmiickl isl. 
Am langen P>ld ein Kruziri>. von gleichei' l'"oiin und (Irciße wie an 
der Glocke in Eimsen. Aul' der Gej>enseiLe die Insehiill: ...lOllANN 
HENNIG BOHDEN HERMANN ANDREAS EISCHI^P» .lüHANN 
JUSTUS GRIEBO JOHANN ENGELHARDT BüHDEN / ZU 

WETTENSEN", am Pvande: ,,G()S MICH P. A. BECKER IN HAN- 
NOVER ANNO 1777-. 

Ein gußeiserner 1,(S7 m hoher Ol'eu, bei Neuaulsteiluug duich eine 
Reihe von Kacheln um 25 cm ciIkHiI, li'ägl ai' der Stirnseite neben Oina- 



Haus Nr. 

Ofen. 




Abb. 298. Truhe des Hofbesitzers Fr..Bod( in WeUensen. (1:20.) 



menlen die In.schrilt: „I. C. WOLTERS, I. H. M. V.", drs hannovei-sche 
Wappen und die .Jahreszahl 1803. Seitenteile mit spiingendem Pleid. 
An der Rückseite: „I. H. Bode. E. C. BARTENS-. 

Das Ik'cken ( .: 0.81 m) eines aus grauem Sandstein hergeslellli-n '1' 
Taufsteines, das beim Neubau der Kapelle nahe den (istlichen Grund- 
mauern gefunden wurde, ist zurzeit im Garlen des GehtHtes Nr. 1 auf- 
gestellt. Das sonst schlichte Becken wiid am Rande von einem .■),.') cm 
breiten Bande umzogen mit der Inschrift: „HANS FlSCllhlP. DOPTlb: 
OPERMAN ANNO 1699". Ein ähnlicher Stein ohne (Mnamenle und 
Schrift, beschädigt, dient als Regenfaß. 

Im Obergeschoß des Wohnhauses wird eine 1.79 m bi'eil •. 0.7(1 m hohe 1 
Eichenholztruhe aus dem Anfang des 17. .lalirhunderts aufbewahrt 
(Al)b. 298). 

Auf dem rund 2 km nördlich der 0;tselK;rt liegenden Isiaelitiseheii !; 
Friedhof, der stark dem Verfall entgegengehe mikI zuizeil \:\ Grabhugel 
schwach erkennbar. Zv.ei von den Cirabsteinen aus der Mitl'" des 19. Jahr- 
hunderts rJehen noch an ursprünglich'^r Stelle. Ein dritter dient auf 
dem Gehöft Nr. 1 in Wettensen als Grabenübeideckung. 



aiil'sU'in. 



.laclit iscli. 
ii((llH»r. 



284 

Winzenburg. 

Burgruine, Pfarrkirche, l<atli., Domäne, Verscliiedenes. 

I,i I (Tii l II r: i I. L. Alircns, Zur Geschichte des Klosters J.occum i. Zlschr. des 
llislor. NCic'iiis ITir Xiedersachseii, 1876, S. 51. — A. Bertram. Gescliiehle des Bistums 
Hiklesheim. 1. S. 152. A. Brennecke, Der Xorllieimer >hukt im Hannov. .Magazin. 
1926, S. 31. — A. Cohn, Die Grafen v. Reinhauseii und \\inz('n])urg (6. Bd. d. 
Forscli. z. deulsc.il. (iesch.). — R. Doebner, Urkundeiilmcli der Stadt Hildesheiin. 
1.7.3, 22, 85. — L. M. Gi]l)ert, Ilandhucii für Reisench'. III. S. ;'.7'.t. I'rcih. .T. Grote, 
Verzeichnis wüster Ortschaften, S. '.». !■". W. Gusmann. Wald- und Siedhmtfs- 

flächen SUdiiannovers, S. 105. — Zweiter Jalireshcrichl fm- Kunst und 
Natur, riildesheim 1<S1(). .1. l''r. Harenbcrg, Hi^t. eccl. Gandersliemensis, S. '.VIl. - 
V. Hofniann, Dculsclus Land und Geschichte, 3. Aufl., .S. 273. — H. Hoogeweg, 
TJrkun(lenl)Uch des Hochstifts Hildesheim, II, 235, 185, 492.; IV 638; HI 1380. 
Derseii)e, Inveulare der nichtstaallichen Archive im Kreise Alfeld, S. 11. — K. 
.lanicke. Urkundenlmch des Hociistifls Hil(lesh(>im. I ()83, 206, 315, 763, 221. -^ 
K. Kayser, Die reformat. Kirchenvisitationen. S. 222. - K. L. Koken. Die 
Winzenburg. — ■ J. L. Lauensirin. Hist. Diplom, llildcsinisis 1, S. 227. Lclzncr. 
Dasselsche Chronik, 2. Buch, S. ()2. — A. II. J.iinlzel, Die liiiuerliclicn Lasten im 
h'ürslenlum Hildesheim, S. (ii). — Derselbe, Die Stiftsfehde, S. !>I. Dcrscljir. 

Die ältere Diözese Hildesheim, S. 263, 372. — Derselbe, Geschichte der Diözese 
und Stadt Hildesheim 1, S. I 19. - E. G. Leibniz, Orig. Guelph. Hl. H8 ff., II 1099. 

— W. Mühoff, KmTstdenkmäler III. Monum. Germ. S. S. VI 767. W. Paasch. 
Geschichte der Pfarrkirche zu Winzenburg in Mitteilungen geschieht I. und gemein- 
nütz. Inhalts, 2. Bd. — W. RoÜmann, Die Stiftsfehde, S. 993, 1007. — Schrader, 
Dynasten, S. 125. — C. Schuchardt. Frühgesch. Befestigungen, S. 98. — Derselbe. 
Atlas frühgesch. Befestigungen und Arbeitst)ericht 1916. — S|)ecies facti 169t), 
S. 197. — R. Freih. v. Uslar-Gleichen, Geschichte der Graten v. Winzenburg. — 
A. Seidensticker, Rechts- und Wirtschaftsgeschichte norddeutscher Forsten, 1 392. 

— Wenck, Hessische Landesgeschichte II 2, S. 657 ff. — Wippermann, Reg. Schaumb., 
S. 16, 25. — Zeppenfeld in Lüntzels Beiträgen z. Llildesheim. Geschichte. S. 186. 
224 ff. — P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld. S. 376 ff. 

Quellen: Staatsarchiv Hannover: Lanispringc Or. 150; cbend. : Frk. 811 des 
Histor. Vereins. — Alfelder Landratsarchiv: Winzeiiluiiger Frbregister von 1578. 

Abbildungen: Schuchardt a. a. (). (Pläne). 1 larnd)erg a. a. (>.. Tafel 1 2 

/Wappen). — Graft a. a. (). - 1'j\. .Müller, Führer din'eh .\lfeld und l'mgehung. 



Geschichte. LJal.! die jclzimc l)()m;iiu' Wiii/ciibiiro viele .Talninin(k'ite hiiidurcli 

Mittelpuiikl, Amis- und (ierichlssilz unseres Px'/.irkes war, ist kein liloßer 
Zufall. Verschiedone SpuriMi zeiLien noch die LUMleiiliiim". die diese Cie^eiid 
schon in den ältesten Zt'ilen iinlh'. Die sol;. Apenleiclu' unteihall) der 
l)iiri;ruine liefen sehr wahrscheinlich an t'iner ehenialii^en Knilstälte. 
Maiicherk'i, wie die Saiiie vom lUniLi.neisl 1 lödecken mit dem aid lallenden 
Hute, seini- \'erwaiHllinii>en in einen l-lahen, l^^liirbezeichnunoen wie 
Wolfeslänot' u. a.. weist'ii ohne l-'i-ai^e aul' Wodan hin. 

So isl es anch naliirlieh, daß iferade hi^T eine liidineseliiclitliche Be- 
rostigiini», die ..Ilohe Schanze" (32<') m) eniehlel wui'de. Sie braucht 



285 

nicht durchaus eine sog. Flucht- oder \'oll<shurs:* gewesen zu sein, sondern 
war vielleicht ein Adelssitz, hiel.) vielleichl auch schon damals ,,\\in/.en- 
burg". Der Name wäre dann spideiiiin anf (he (')() ni tielVf gelegiMie heutige 
Winzenburg übertragen. 

Die Bedeutung der Hohen Schanze und spjilt'r dei' Winzenburg. die 
l)is zu ihrer Zerstörung in der Sliftst'ehde inuner als ..das Ilauplscldol.! 
des Stiftes" galt, lag darin, daU sie das Leinelal und den hjiigang nou dort 
in den Ambergau sperrte. 

Dal3 auch schon die Hohe Schanze ein Aik'lssilz gewt-sen sein inilssc, 
hat man deshalb angenommen, weil der Sage nach das Kloster Lam- 
springe von einem Grafen Hicdag gegründet sein soll (\gl. Lamspringe). 
Da nun nach damaliger Sitte die Dynastengcschk'chier häufig in dei- 
Nähe ihrer Wohnsitze auf ihren (Grundstücken ein Kloslei- gründeten, 
um sich in geweihter Erde begraben zu lassen, so dinflen auch die Stifter 
von Lamspringe in der Nähe gewohnt haben und hii'i- begütert gewesen 
sein. Da käme eigentlich nui- die Hohe Schanze in iM-age. lunzelheiteu 
fehlen allerdings gänzlich. 

Man wird nur sagen k()nnen, daß wir als die Hechtsnachfolger dieses 
Geschlechts, welches vielleicht die s])äteren Grafen v. Assel waren, die 
angesehenen Grafen von Winzenburg finden, die Erben des im 12. Jahr- 
hundert ausgestorbenen Geschlechts der Grafen v. Reinhausen bei Göl- 
tingen. Hermann HL, der letzte Graf v. Reinhausen starb 1122 in Baynii. 
Sein Sohn war Hermann I. v. Winzenburg, der einen von ihm an dei- in- 
zwischen als frühmittelalterlichen Herrensitz errichteten, urkundlich llOU 
zuerst erwähnten jetzigen Winzeidmrg aufgeführten Bau nach seiner 
Heimat ,, Baierberg" nannte. 

Es ist noch nicht vollständig aufgehellt, wie diese Reinhäuser Grafen 
an die W^inzenburg kommen, von der sie nun ihren Namen erhalten — 
eine ,,(;rafschaft Winzenburg" hat es nie gegeben; die Winzenburg ge- 
holte zum Flenithigau — . Man wird sich vorläufig dandt begnügen 
müssen, daß die Winzenburg auf irgendeine Weise ein Lehen der Hildes- 
heimer Kirche wurde, und daß Hermann I. sie von seinem Oheim, dem 
Bischof Udo von Hildesheim (1079— UM) zum Lehen erhielt. Im .lahre 
1130 erfolgte Hermanns Sturz wegen einer Mordtat. Die zerstörte lUirg 
fiel an Hiidesheim zurück, erst 1150 erhielt die Familie die L>urg wieder. 
Es ist unentschieden, ob sie noch Hermann 1. oder schon dessen Sohn 
Hermann IL zurückgegeben wurde. Doch auch ih'iniann II., der in- 
zwischen einer der mächtigsti'u Grafi'u geworden wai-, konnte sich seines 
Besitzes nicht lange erfreuen. Aus nicht ganz ersichtlichen Griinden 
NNurde er 1152 ermordet. Sofort zog de!" Bischof die L.uig wiedei- ein: 
doch wurde sie hiiufig vei-i)fändet. obwohl ausdrücklich xou den 
Bischöfen ei-kläil werden mußte, daß es wegen ihrer Bedeutung inchl 
geschehen .sollte. Zur Zeit der Stiftsfehde hatte Henning v. Rauschenplal 



286 

sie iiiiie. Sie winde diiicli dessen Soliii Plii]ij)p \erleidigl, Ersl 1522 
i^ehiiif» die Eiunaiime, und zwar aiieli nur dadurch, daß der Pulver- 
Inrni anf unerklärliche Weise in die Lull iloi^. 

Im Laufe der Jahre verfiel die Burg dann völlig. Die Steine dienten 
zur Erweiterung der Gutsgebäude in Hornsen und Haseken hausen. 
Hasekenhausen war die am Fuß gelegene Ortschaft. Sie wird zuerst 
1140 erwähnt. Grundherren waren das Hildeslu'inier CfüdehaKÜklosler 
(ILSrS) und das llildesheimer Miehaeliskloster, das auch das Patronats- 
reclil besaß. Ferner sind als Grundherren zu nennen die Herren v. Dalem 







ff ' 



Abb. 299. Die Winzenburg; Plan der Biir^anlage. (1:6000.) 



(1279) nnd die Herren v. Stöckheim (1246). Im .lahre 15 15 wurde Haseken- 
hausen zerstcnt. Die sich allmählich um die Domäne neu ])il(lende Oil- 
schaft hieß fortan: Winzenburg. Sie hatte 1(S23: 15<S Einwohner, 1*.)25: M25. 

Hasekenhausen halle schon vor 11 10 eine Kirche, die von den Hauern 
(.,cives"), auch mit der Absicht, eine Zufluchtstätte zu haben, gegriindel 
nnd der .lungfrau Maria sowie den heiligen .Jungfrauen lMi))hemia und 
luiphrasia geweiht war, wie auch das heul ige Kirehensiegel noch answeisl. 
Durch die Stiftsfehde fiel die Winzenlnirg an l)rannschweig-\\"oll'eid)iil h'l. 
Da die Kirche schon 1568 baufällig war, ließ Herzog .lulius eine lutherische 
Non Everode zu bedienende Kajielle bauen. Sie wni'de Kil.'n nachdem 
das Große Stift wieder an Hildeslieini znrilekgefalk'ii war. in c'ww ka- 
tholische umgewandeil; 1721 nuißle sie. da sie zu klein wurde, einem 
Neubau w^nchcn, der 1723 wiederum vergnW.U-rl nnd 1X6] durch die 
heutige große Kirche ersetzt wurde. 

Die jelzige bürgerliche (u'meinde Winzeiduiig unital.it nichl nur das 
Dorf, sondern auch noch Klnni]), Weslerberg, reichmuhle. Sehildhorst, 
Hausfreden. Leinekamp. Die (jlashiitten in Weslerberg und Scliildhoisl 
sind 1714 bzw. 1793 gegründet. Schildhorst ist jelzl als (ilashiille ein- 
gegangen. Einige Glasgefäße von dort aus dem Anfang des 19. .lahr- 
hunderts befinden sich im Kestnerniusenm in Hannovci'. 



2^: 



Die aul einer Aiiliöhe oherluill) dei' Oiischntl Wiii/.eiiburi^ liei^eiide IUs(lircil)iiii.t 
Burg bestand aus drei Teilen: dem rxiiii^wall, dem sol;. IJaierbern- und der ^^"''f^''""^''- 
eigentlicheu Burg (Abb. 299). Dei- Bingwall, etwa 600 m vom Wi'slhaiig 
entfernt auf dem Kamm des Ijuii^herges liegend, hat rund (10 m Duich- 
messer. Kronenbreite etwa .'j m. Sohlenbreile 10 1,") m. Oh der 
Hingwall eine ehemalige Volksbnrg war (xUt v'ww Anl.ienschan/e (\vv 
späteren Anlage, mag dahingestelll bleiben. 

Der Baierberg, auf dem bauliche 
Anlagen nicht festgestellt werden 
konnten, der aber vermutlich die 1109 
erwähnte Burg Hermanns I. getragen 
hat, liegt zwischen Bingwall und i^urg; 
er stellt t'ine h'bene dar xou rund 
80 ■ 150 m (irr)üe mit steil ablalleuden 
Rändern. 

Die Burg selbst wird vom 1 kiierhi'rg 
durch eine etwa 10 m breite, liefe 
Sclduclil getrennt: sie zei-Jallt in zwei 
'leite, in die Vorburg mit dei' Huiue des 
Turmes und die Hauptanlage mit dem 
Binnenhof. Nach der Zerst(')rung der 
Bnrg erfolgtt' die Bausloffent nähme so 
griindHeh. dal] jetzt nur noch spärüclie 
Reste von den Fundamenten vorhanden 
sind, die kaum einen sicheren Aufschlul.) 
über die Lage und Zweckbestimmung 
(]vv einstigen Räumlichkeilen geben. 

Am besten erhalten ist noch der Rest 
des ehemaligen gotischen Wehrturnu'S 
au der Ostseite der Vorburg. Dieser 
überragt das umgebende Gelände zurzeit 
um etwa 7 m, ist aber auch schon vr)llig 
seiner Werksteinbekleidung beraul)l. Im 
luuert'U lagert mehrere Meter hohei- 
Schutt. Die Kalkbrnchsteinnuuu'ru 
zeigen jetzt noch 2,50 bis ,'),20 m Dicke. 
An der Ruine sind in neuerer Zeit 

Sicherungsarbeiten vorgenommen. Der Zugang an der Nordseite dürfte 
eine früher mit Spitzbogen geschlossene Öffnung von 1.50 m P)reile und 
rund 2 m 1 lohe gewesen sein, au dei-en westhclier Leibung noch einige 
Werkstücke mit 3 cm breitem Kanteuschhig und elw;i 7 eni weil \(»i'- 
springeudem Bossen (Rustika) zu sehen sind. Auch an dei' Siulseile be- 
tindet sich eine etwas kUMiiere (Mliiung und in (\vv Weslwand eine 




\bb. ;5(l(). KaUi. efarrkiichc in Win/cnbiii-j:;; 
.Marienbild. 



2<S8 



Pfarrkirche. 



elliptische ()ft'ining von 1,50 2 in, deren Umrahmiin£i nicht mehr fest- 

znslellen ist. 
Katholisclu' Die alte Kapelk' im Dorf \Vinzeni)nri> ist im .lahre 1(S()1 durch die 

jetzt vorhandene, von 11. \V. II. Mitholl in romanischen Formen aus 

Bruchstein erbaute sehr i^roße Kirche mit 
einbezogenem Chor ersetzt. Die i^ut aufge- 
teilte I lolzdecke ist zum Teil in die Dach- 
konstruktion hinein i^ezoi^en. Im Westen des 
Schilfes befindet sich eine Km])ore aus 1 lolz. 
Der stattliche Westturm hat eine xom 
Quadiat ins Achteck iibergefiihrte S])itze er- 
halten. Die Dachdeckuuifen bestehen ans 
i^raublauem Schiefer. Die figurenreiche Aus- 
malung ist neu. Eine Tür der alten Kapelle 
ist nach Everode gekommen, wo sie jetzt als 
Ilaustüi' verwendet wird, 
t^ildwfrkc. ' , ,, „,., ~ ~: : — ; ' t'ber der Sakristeiliir sind drei bunt 

Abb. .501. Ornamcntstem in der 

i'r:.nii..N„uiii(T in wiii/.cnbui-. (1:2(1.1 bemalte liolzgcsch ult z tc iMgurt'ii auf Konsok'ii 

aufgestellt (wurmstichig) : 
1. Maria sitzend mit dem Kimk', (iO cm hoch, Anfang des Ki. .lalir- 
hunderts (Abb. 3()()). 




^^ •-- 




-7^ 



Abb. 3(12. Kreuzslein am W'ege Everode-WinzA'nljui't;. (1:20.') 

2. Weibliclie Ingur, Arm über der Brust gekreuzt, leicht schivitend. 
Mitte des 17. .lahrhunderts. 

3. Männliche Figur mit eihobeiien Händen, lu'lend. (iegenstück 
zui' N'oriuen. 



280 



Drei anscheinend von ein und demselben Meister st;iinnieiide Ol- (rcmalde. 
gemälde, 1,73x1,23 m, iiänj4en oberlialb dei- Kmpore. M;iii;i l'>ni|)i;in,i>nis. 
Christi Himmelfahrt und Verklärung C.hrisli. Imus von iiineu (nach- 
träglich) mit Graphitstiit bezeichnet: ,,M.1)(:(:LXXV1 IMaV. 

In der Mauer, die den Kirchplatz von der Piarrei Irennl, sind zwii \\ai)i)cnstfiiK', 
plastisch bearbeitete Steine eingelassen. An der Westseite: (irciße 0,50 
x0,80 m. Im Rahmen die Jahreszahl 1723, seitlich je ein gflügelter Engels- 
kopf, darunter ein Fruchtgehänge. An der Ostseite: Größe 1,02x0,92, 
etwa aus gleicher Zeit, das fürstbischöfliche Wappen (Abb. 301). 




.\bb. 303. Pächterwohnhaus der Domäne Winzenburg; Grundriß des Erdgeschosses." 

(1:250.) 



In der näheren Umgebung der Kirche und der Ortschaft stellen ver- Stationsbilder, 
•schiedene Stationsbilder aus der zweiten Hälfte des 18. .Jahrhunderts, 
die teilweise bemerkenswerten bildnerischen Schmuck aufweisen. 

Am Wege zwischen Everode und Winzenburg, etwa in der Mille Kieuzsloin. 
zwischen beiden Orten, befindet sich ein alter Kreuzstein, der als ,,Bern- 
wardskreuz" bezeichnet wird (s. Abb. 302). Das roh gearbeitete Kreuz 
scheint dem frühen Mittelaltei- anzugehören. P>ei (Wv l'.)2() erfolgten 
W'cgeverbreiterung wurde es neu aufgestellt. 

Die jetzige Domäne war früher ein Vorwerk der Winzenburg. Nach DunuuK-. 
Zerstörung der Burg ist das (ieluifl mit den Werksteinen der Ruine 
vergrößert und erweitert. 

Das über einem Rechteck von 26,50x11,50 m 17(i9 in Bruchstein PiuliU-i- 
erbaute zweigeschossige Pächlerwohnhaus hat 1 m starke verputzte 
Umfassungswände und Innenwände aus Facluverk (Abb. 303 und ;')()l). 



290 




l\ull III 



IMriUM'\()ii;ii^(Mi, Bnndf^csiins sow ic 'I'iir- 
uiitl l^\'iisler_m'\\;iii(U' Ix'stclu'ii ;ms 
Werkstein, das rcicli piolilieilc llaiipl- 
gcsims aus Holz. Das al)i<cwalinLe 
Mansarddach ist mit Pfannen «gedeckt, 
die zahlreiclien kk'inen Daclierker sind 
wie iWv P'irsle, (irale nnd Schornslein- 
t'iidassniii^en besehiel'erl (Abb. .')().")). 
1909 \vni'(le das I lans im Inneicii nni- 
i^'ebaiil 1111(1 niid 191 I der .\iil)au im 
Süden iiinzui4eriiii;t. Die Milleku-hse 
der iiürdliclieu Außenwand isl dnreli 
reichere Ausbildung betont, lliei' isl 
die noch alte Ilolzliir mit profiliertem 
.Sleini>ewäiide, gesehwuiii^enem (ie- 
simse und Snpi'aporte (in letztei'er die 
.Jahreszahl 17()9) maÜNoll mit l'iokoko- 
oi'uament gcschmiickt und ancli das 
über dem Portal liegende Obergesclioü- 
fenster mit Hankenwerk nmiahmt (Abb. 3(J<)). 
kI Das über rechteckigem (Irnndril.) von (U,39 X 1<S,7(J m in Hrnelistein 
■ ansgeführte Stallgebäude mit (liebeln ans Kiehenfaelnveik (Ansmaneinng 



Al)l). 30t. l'ik'hlcfwohiiliMUs dcf noniiini 
Winzciiliiiri;; Querschnitt. (1:2.ön.) 




iTni 

iiiupiUI 



^ 1 

» 



■^ 




Abb. .30."). noniäiio \Vin/,iiil)iirti: l'iiclitcrwdjiiiiiaiis 



Al.l). :\tHi. 

1 )iini;m(' Winzcnhur^; 

l'orliU des t-'iiclilerwolinhauses. 



291 

in Iiruchslein), eiithäll jolzl niillcr (U'ii Slnlluii^i'ii noch (\\v H;iunif 
der Molkerei. riii- und InMisteri^fwäiidc sind schlichl, aus Sandstein. 
I^>auausridiruu,i4 idinlicli wie l)ei dem elwa zur seihen Zeil (l.")."),")) Iiei- 




Abb. :!(I7. Dom:inc Win/.ciibui^; Slnll-cbiuiilc. Oiicrschiiil I . (1:2.')().) 



gestellten Sla]lij;el)äude auf der Domäne llornsen (.\l)l). 'M)~). Das rund 
1700 qm Sehiil t tläelie enthallende I )aciii>esclioU mil dii'i id)t'ivinaiHler 
liegenden Duden lud Lid tungscittnungen in beiden Seiii;igl'lächen, den 




.\bb. ;j(»S. SUiUjicbiiiulo der Donuiiif Wiii/cnlnii'! 



drei Rjiden enlspreehend. Am Südgiebel nnlei- einer Haube eine Wiiule 
und eine Gloeke (unzugänglich) (.\l)h. .'iOX). Oberhalb des hjuganges 
an (k-r Siidseile eine dem l'.nde des 1.'). .lahihuiideils ani^ehorende 



292 

Reliefdarstelluno der Maria mit dem Kind. 0.75 m hoch, 0,25 m breit, 
in Stein. 
Mühle. Die etwa um 1600 an den Kuh- und Pferdestall angebaute Wasser- 
mühle ist in den unteren Teilen aus Bruchsteinen, in den Aufbauten aus 
Eichenfachwerk heroestellt. Das überstehende ()ber<4eschoß wird durch 
gut gegliederle Konsolen und reich ])rofilierte h'üllhölzei' unterslül/t. 
An der Selzschwclle die Inschiift: ..Hl^NOVA^n'M ANNO 1755". 



Wispenstein. 

Freiherrl. v. Craminsches Gut. 

JJlcratur: ('.. H. lichrcns. Stainmbaimi drr I Icrrcii \. Stein])erg. A. Ber- 

Iraiii. (loschichlt' dos Bistums Hildcsht'iiii, I, S. .'194. — H. Hoogeweg, Inveiitare 
(Ici- nichtslaatlichen Archive im Kreise Alfehl unter: Wispenstein inid Imsen. — - 
Zweiter .Ialiresl)ericht für Kunst und Natur. Hiktesheim 1846. — K. Jauicke, 
L'rkundenbueh des Hoclistifts Hildesheim. I, 387. — A. H. Lüntzel, Die ältere 
Diözese Hildeslieim, S. 4:i0. — W. Mithoff, Kunsldenkmäler. III. — A. Peters, 
Die Invenfare der nichtstaatlieiieii Arehive im Kreise (ironau, unter: Brüggen. — 
W. l^)l.{mami. Die Stiftsfehde. S. 496. .1. f. D. Starcke. Evangelischer 

Kireiieiislaat. S. .35. — Graft. Gesehielite des Kreises Alfeld. S. 69, 137, 302 V 

Quellen: l^"r. Buchholz, Das adl. Geschlecht v. Steinherg, Hdschr. im Schloß- 
aicliiv Brüggen: ebend.: Lehnsurkunden l.')89 ff.: ebend.: J. Th. Willich. Beschrei- 
bung des Gericlits Wispenstein. Hdschr.- Alfelder Landratsarchiv: A F 7: ebend.: 
\\'inzenl)urger Erbregister von 1578. Scludchronik von Wispenstein. — Staats- 
arciiiv Hannover: Cal. Br. des. 10. •'^". Xr. 133. 

Ab l)il(l u nge II : ebend.: Karten: I A F 31. -- Graft a. a. ().. Kartenl)eilage. 



Geschichte. L)ie Zusammensetzung des Ortsnamens mit Stein deutet an, dal.{ an 

dieser Stelle eine Besiedlung durch einen weltlichen Herrn erfolgte, damals, 
als Dietrich und Heinrich v. Steinberg, deren Familie, bislang in Alfeld 
wohnend, sich auch ,,\'om Hause Alfeld" nennend. 1151 ,,in einem Eck 
der Wespe und Leyna" einen Edelsitz erbauten, dessen Gebäude zunächst 
nur aus Holz bestanden, t'ber das Baujahr sagt ein aller Reim, der die 
Jahreszahl MCCCCLI (1451) bedeutet: 

Ein Ring von einer Tasche, 

darto veer halffe F'laschen, 

ein Speit (Spieß), darto ein Ein, 

Gebuwet wart de Wispenstein. 

Ob (He Errichtung des Burgsitzes .\nlaf3 zur Ortsgründung gewesen 

ist, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Denn schon 1178 besaß das 

Kloster Lamspringe eine Mühle an der Wisj)e, vielleicht dort, wo jetzt 

die Wispensteiner Midde ist. .Jedenfalls ist die Ortschaft lange .Jahre 



2o: 





38 



294 




295 

hindurch nur klein gewesen. Sie l)eslau(l außer dem „Sitz" nur aus einigen 
außerhalb der Mauern zu beiden Seiten der Wispe wohneiuk'n ,A'()r- 
bürgern". 

Die Wispensteiner Linie der Herren v. Steinl)erg erlosch 1717. Ihi' 
Lehen Wispenstein fiel an die Bodenburg-Hriiggener Linie, die 1*»11 
ausstarb. Die Erbtochter heiratete den Freiherru v. Craiiiiii und t'rhielt 
nach ihres Vaters Tode die Fideikommisgüter. Ihr idlester Sohn heißt 
V. Cramm-Steinberg. Zur Wispensteiner Linie geluulen .\(lrian, berühmt 
als Kriegsmann, Freund Melanchthons, und Melchior II.. ebenfalls Kiiegs- 
mann, b'ieund des Antonius Corvinus. 

Der Ort. dessen Einwohnerzahl l.S()5: 239, 1925: 299 belrug, hatte 
während der Stiftsfehde und fast mehr noch während des Dieißigjidirigen 
Krieges zu leiden. PLs soll ehedem hiei' auch eine der .lungfiau Maria 
geweihte Kirche vorhanden gewesen sein. Doch ist ui-kundlich nichts 
davon zu erweisen. Die Familie v. Steinberg als Patronatsinhaberin hat 
allerdings zeitweise auf dem Standpunkt gestanden, daß Wispenstein 
die ,, Mater" und Imsen die ..Ulia" sei. Das einzige, w^as auf das ehe- 
malige Vorhandensein eines Gotteshauses hinweisen kcninte, ist der 
Lmstand. daß sich unter den Flurorten auch diese finden: .,1'nter unseivr 
lieben Frauen Grund" und ..Kirchhofsgarten". Aber weitei' ist nichts 
darüber bekannt. 

Von den noch vorhandenen alten Gebäuden des (iutes \\'isj)enstein Besclirfil)uin 
ist das etwa 2<Sx 15,20 m im Grundriß große Herrenhaus das i)e- Herrenliaus. 
deutendste, dessen Erdgeschoß mit 1 m dicken, verputzten Bruchstein- 
mauern noch der spätgotischen Bau])eriode entstammt (Abb. 309). 
Die schlichten Fenster- und Türumrahmnngen aus Werkstein haben erst 
später die jetzige Form erhalten. Das in Eichenfachwerk gegen ImkIc des 
16. Jahi'hunderts hergestellte Obergeschoß setzt sich mit leicht vorgekragter 
Balkenlage auf das gotisch ])rofilierte Abschlußgesims des iM'dgeschosses 
(Abb. 310). Der nach dem oben angeführten }*eini 1 151 eirichlete 
Bau hatte vermutlich nur ein einziges Geschoß. Die Setzschwelle niul 
der untere Teil der Fachw^rkstiele sind mit Flachschnilzereien ge- 
schmückt; Auskehlungen an der Setzschwelle und den Füllhölzern. Ein 
kleiner Erker ist an der Nordostecke des Obergeschosses vorgezogen. 
An der Südwestecke ragt noch 5 m hoch über Erdgleiche der Rest 
eines im Halbrund aus Bruchstein erbauten Befestigungsturmes empor 
mit tonnengewölbtem, von außen zugänglichem Kelleiraum (Abb. .'Ml). 
Das mit Krüpjielwalmen versehene Dach ist mit roten Pfannen, (kr 
First mit Sandsteinplatten gedeckt. Statt dei- Windfedern haben die 
Giebelkanten beschieferte Einfassungen erhallen. Die Südseite des 
Gebäudes trägt roten Sandsteinplattenbehang (Al)l). 312). 

Die Ausstattung der Innenräume ist einfach und reicht nui" bis in 
den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück. In dieser Zeit wird das Ge. 



296 




Abb. 311. A(k'li;j;('s Cul Wispcn-Iiin ; TiirinsUmii)!. 




Abi). :il2. Adcli^jcs Cut Wi>i)ciistciii: llcnciilijuis. giiciM-luiilt . (l:2:>(t.) 



297 

])äiidc — vielleicht durch Hraiul teihveise zeisKul woi'den sein und 

hat darauf eine umfassende Inslandsetzun^ erfahren, denn die vStiele 
des äußeren Fachwerkes sind (>berhalb der iH'nslerhriislun^en erneuert. 
Stuck oder sonstigen Schmuck enthalten die Häundichkeilen nicht. Ver- 
schiedene alte Ölgemälde, Darstellungen von .Tagdtr()[)häeii und f/ddischeii 
Begebenheiten hängen im Treppenhaus, hii nordwestlichen lü-kzimmer 




Al)li. :!i:'.. Adeliges (iul \\'is|)eiistein: ehein:ili'^c üiniieiei. 

des Obergeschosses ein Ofen mit gut.5eisei'nem t'ntersalz. hiul Insciiiill 
aus dem .Jahre 1715. Im Flur ein Schrank aus dem 17. .lahrhundert. 

Die alte Wall- und (irabenaulage ist noch an der Südseite des Herren- 
hauses erkennbar. Der einst westlich desselben entlang fiihi-ende Oraben 
wurde etwa im .lahre 1915 \ei-fiillt. doch ist die sti-inerne l>iiic-ke vom 
.Jahre 1810 erhalten geblieben. 

Jm Inspektorwohnhaus, das als zweigeschossigei- l-'achwerkbau sich 
an die Ostseite des Herrenhauses anlehnt aber jünger als dieses ist, 
befindet sich ein Kachelofen mit gußeisernem Zwischensatz. .\ii der 
Fängsseite das „springende Pferd"" im Jvranz, an der Schmalseiti' die 
ßuchstaben G. R. und die .lahreszahi 1717. 

Im 'rrei)penhaus eine ('docke mit der .lahivszahl 1711), 0,21 

Im Anfange des 17. .lahiiuinderts wurde nördlich vom Herrenhause 
das alte Brauhaus errichtet. Der Bau ist zweigeschossig, mit massiven, 

39 



lusprklor- 
\V()lnili;iiis. 



ni. ('ilDc-ke. 

Alti's 
Hr;uili;ius. 



298 



C.ldc 



1 m dicken Bruchsteinmaucrn und jüngeren Giebeln in Tannenfach- 
werk. Das Dach mit Krüppelwalm ist mit IM'annen, Firste und Grate 
mit Sandsteinplalten eingedeckt. Ein aus der Mitte der Ostseite vor- 
tretender, id)er dem Sechseck errichteter Tiiiin mit ().<sr) m dicken Wänden, 

enthält die steinerne Wendeltreppe nach 
dem Obergesciioß und dem Dachboden. Dei- 
beschieferte Helm verjüngt sich in gesclnveiiter 
Form nach der Laterne liiii, die mit einer 
Haube geschlossen ist. Im Hlatt dei- übei- 
dei' Kugel aufgesetzten Wetterfahne ein Stein- 
bock in Ausscimit tarbeit soNvie (he Huciisla])en 
E. S. und (he .lalireszahl 1719 (Abb. 313). 
i'ber der Eingangstiir zum Turm ist eine 
//Mjf-An>: '^vH*M -AI «. *\^i-is.i''^ Sandsteinplatte eingelassen mit dem von 
Abi). :!ii. Adeliges Olli \visp<nsi,-in; Puttcu gehaltenen v. Steinbergschen Wap))en 

und der Inschrift in lateinischer Schreibschrift : 

,,Xisi dominus Custodierit domu Fustra Vigilat qui custodit eam'". 

Im ()bergeschoI3 des Treppen turmes ist eine lo(S(S gegossene Glocke, 

( ;j 0,<S<S m) aufgehängt (Abb. 31 1). Am langen F>ld eine Anzahl Medaillons 

und die Buchstnhen T. M. O. (s. Abb. 315). 





Bf&i'\'itgi 



m '>i^iM-^nm^ 



Al)l). in.'). All^■li-(■^ Olli \Visp,ii,lcin; 
/.ii^;iniTiiiiisl(lliiim \<in ZiciMicn und Sclirilttrilcn ;iii der (ilocUc. 



rnterhall) der Haube in Icdeinisehen (ii-ol5buchstal)en d'w Inschrift: 
SIVERDT * VXDT * SIVKHDI" * DK * GEVEDDEREN (Medaillon) 
VON * STEIXHAHGl^ *, darnnlei- Zierbaud in s]);Ugotischem Charaktei-. 
Am Rande die Inschrift- „VERFA'M * DOMIXI * MAXIST * IX * 
/ETERNVM * AMEN * FREDERICil * inEEFELDT * ME * l-ECIl 
* IN EIMBECK * ANNO * 1588" (W;ipi)en). Am Klfippe! ist der 
nebenstehende Stempel eingeschlagen. 



Ü 



'2W 

])ic' im Besitz des Freilierrii \'. (!rainin in l}iii,L>iii'ii heiiiKlIiche Miilile .\lulil( 
am Wispebach zeigt an der Weslwaiid einen Stein mil dei' iiischiil'l : 
„ERNST VON STEINBERG / 1759'\ 




Abi). ;i1(;. Wispclinickc in \Vi^p(■n^t(■in. ( Obcrluuipl . i 



Die in Sandsteinquadern erhaute, 8 m lange, 5,25 ni breite Hi'ucke Brücke 
nher die \Visi)e trägt an der Westseite ein Schild mil Steinbock, an 
der Oslseite die Jahreszahl 1839 (Abb. 31(i). 



Woltershausen. 

Kirche, ev.-luth. 

Literatur: H. v. Bruiniiigk, Im Sitzuiiij;sl)ei-ic-lit der (lesellsthalt liir Cesehielite 
und Altertümer der üstseeproviiizen, 1907. — Freili. J. C.rote, Verzeiehius wüster 
Ortschaften, S. 25. — H. Hoogeweg, Urkundenbuch des Hochslifts Hildesheim. 
II 500, III 115(i, l\ l>Ki, \' ()<S<), ;U(i. — Derselbe. IriveiUare der nichlslaat lieben 
Archive im Kreise Alfeld, unter: AVoltershauseii. Zwiiter .labresliericht Im- 

Kunst und Natur. Hildesheim l.Sl('>. - K. Janicke, IrkuncUMibucli des lioehstifts 
Hildesheim. I .'^87. 475. — K. Kayser, Die rcformal. Kircbeiivisilalionen, S. 227. 
220. — K. L. Koken, Die Winzenburg, S. 132. — A. H. JAmlzel. Die l)üuerlichen 
Lasten im Fürstentum Hildesheim, S. 1<S:5 ff. — Derselbe, Die ältere Diözese Hildes- 
heim, S. 430. 230. — A. Mein])erg, Gesciiichte des Klosters Lamspriuge, S. 41 ff. 
-- W. Mithoff, Kunstdenkmäler III. — A. Seidensticker, Rechts- und W irlselialls- 
geschichte norddeutscher Forsten I, S. 397. A. (i. Th. Wedekind. i. l',ote a. d. 

Börde, 1919 ff. — P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 400 ff. 



300 

Oucllcii : Sfhloßarchiv Wri.sl)C'rj*li()l/.cn 
\Niiizc'ii])uri'"t'r l-]r])rt''J;is(c'r von lö/N. 



W 1. 



Alft'ldcT Land Pill sarcliiv 



A 1) I) i 1(1 II n "(• n : Hniiiiiiu 



a. a. (). 



(k'sdiichlc. L)i'i()i-l \\'()lt(.Tsliaust'ii muß dem Nanu'ii nach (.'ine sehr alle Siedhiiii; 

sein; ei- wird sciioii 1111 erwidiul, hat auch eine, wie aus den vorhandenen 
Bauteilen zu eisehen isl, sehr alte Kirche. Ans Nachrichten des 12. .lahi- 
hniiderts ergibt sich, daß damals die Herren v. Escherde und das Klostei- 
Lams})ringe Grundherren waren. Später (1370 u. ff.) werden noch als 
solche i^enannt der Archidiakon von Alfeld und das Hildesheimer Morilz- 
slil'l l)/w. im \\). .Jahrhundert das ('.olk\ü;ium .Iose])hinum ebendort, 1732 
auch (\\v h'amilien \'. Iledemann und v. WiMsbei'!». 




Abi). :'>I7. K'irt-lif in Woltcrsliaiiscii ; ('.riindiil.'.. (I:2r>(l.) 

Dei'Oil halle 1701: 1 7.") l^inwohnei'. 192."): löl. I )er Komponist Ludwig 
Spohr verlebte hier seine .Jugend, da sein (Iroßvater Spohr nou 1753 
bis l.S()5 in Woltershausen Pastor war. 

Unter den Fhii'orten weisen noch dei' ,,Sollenser Anger" und das 
,,Xienser b^'ld" auf die Wüstungeu Sollensen (117<S: Solenhusen) und 
Niensen, deren Bewohner im 16. Jahrhundert nach Wolteishausen gezogen 
sein Süllen, hin. P^rsteres wird schon 1521 wüst genannt, letzteres 1578. 
l'.csciuH'iluMit». Der über einer Grundfläche von 5,50x<S,00 m errichtete West- 
turm gehört in seinem unteren Teile der romanischen Bauzeil an. F.r ist in 
Bruchstein hergestellt. Die jetzige, achtseitige Spitze mit kleinen Kck- 
türmchen dürfte ihre Form erst 1<S(S0 erhalten haben geleg(Mitlich der Neu- 
beschiefei-ung des Helmes. I^'i-iiher dienlt" das iMdgeschoß des Turnu's 
als Dui-chgangshalle zum Schiff, die beiden rundbogigen Offnungen mit 
Schrägjjrofil als Kiimpl'er sind vermauert. 

Im .Jahre 150*.) wuide der (")slliclu' Ti'ü der Kirclu' als eingezogener, 
mit fünf Seiten des regelmäßigen Achtecks geschlossener Chor erneuert 
(Abb. 317). Das Baujahr geht aus zwei Inschi-iften an der Oslwand her- 



301 



vor. Die eine in i^olischen ßuchslnhen. lO,,")!) eni hoch, befindet sieli iiber 
einer dreiteiligen Maßwerknische, .sie huilel: ,,Ann() dni xv^'ix". Über 
der Inschrift ein Christnskopf mit l^>ruslansal/., (he Doinenkrone anf 
dem Haupte, dahinter Heihgenschein (Abb. ;31<S). Das (he Nische um- 
ziehende Profil entwickelt sicli ans (U'in Kafigesims des Chores und 
zeigt gleiche Cdiederung. Nischen- 
liefe' 0,31 m. Höhe der mit Heien 
Öffnung 0,91 m. 

Die zweite gotische Insciiiifl 
ist unlerlialb des alten noch er- 
kennbaren Hauptgesimses, in 
einem etwa 0,30 m hohen, 0,50 in 
breiten Stein eingehauen. ,,Anno. 
miHesio / Quigensio non /o". Die 
(lliormauern sind später, viel- 
leiclit 1(S02, um rund 1 m er- 
liöht. Eine mit gotisch profi- 
liertem Rahmen und Nasenwerk 
verseiiene Nische mit der 75 cm 
liohen Figur des heiligen Paulus(?), 
Schwert und Buch tragend, ist 
in ! m H()iie im Mauerwerk 
angeordnet. Im anschließenden 
östlichen Teil der Schiffswand 
sind noch Reste alter vermauerter 
Fensteröffnungen erkennl)ar. An 
den Außenseiten des Chores, 
direkt über dem gotischen Sockel- 
prolil, befinden sich auffallend 
viele Schleifrillen. Zahlreiche 

10x10 cm große Rlistlöcher, zum größten Teil offen, sind ans den Werk- 
steinen ausgeklinkt. Drei gotische zweiteilige Fenster in den Chor- 
wänden sind außen ihrer Maßwerke beranbl niid zum Teil veiinanert. 

Das Innere des jetzt als Sakristei dienenden Clu)res ist durch die 
hölzerne Altarwand vom Schiff getrennt und von einem Kieu/.gi'wolbe 
mit spätgotischen Rippen überdeckt. Im Scheitt'l ein runder Schhiüstt'in, 
darauf Maria im Strahlenkranz. 

Das Schiff mit den Innenmaßen 19,50 x«S,00 m hat 1 m dicke 
Umfassungsmauern aus Bruchsteinen der Woltershausener lüldniaik. 
Die Gewände dei' an der Nordseile hegenden Eingangst lir und (\vv mit 
geradem Slurz versehenen Fensler der Nordwand sind aus Dolomit, die 
der Südseite aus rotem Sandstein hergestellt, letzterer wurde auch zu den 
Werkstücken am Clior verwendet. 




Ai)i). ;iis. 

Kiiihc in Wollcrsliauscn ; Xisclu' in t\vv Oslwniid. 



:502 



llUKTCS. 



Al(:ir. 



Allar- 
Icuchtcr. 



Kr(tn- 
IiiuIiUt. 




Abb. I'.r.t. Kiiilic in Wiillcrsliauscii. 
( )iicrM-luiill. I 1 :L!r)iM 



Das Schiff ist iiiil KalkiiKH'lel verputzt. Die iihci' der Eiiii^iins4sliir 

hefindliclie Insclirifl „ANNO 1<S()3" i^il)t das .lalir an. in dem das oanze 

Sehirr uiiLer teihveiser Verwendung aitei- Hausleine neu aufgeführt 

wurde. Als Dachdeckung rote Pfannen 

id)iieher Art, P'irst und Grate beschiefert. 

Anfallspunkt der fünf Chordachsehrägen 

(luich eine Wetterfahne mit altem Hahn 

hetont. 

Das sciinuicklost' inneiv ist mit einei- 

h()lzeiiien Segmeidtonne überdeckt. Die 

Wände sind mit dei- Kelle verputzt: 

scldichte Kmporen an der West- und 

Nordwand. Fensterscheiben der Südseite 

in I>lei, an der Nordseite zwischen hjseii- 

sprossen. l'mrahmungen aus I lolz. Fuü- ^ 

l)()den im Mittelgange: Kalk-(ii|)seslrich. 

unlei- den Bänken zurzeit ohne Belag 

(Sand) (Abb. 'M'.)). 

Die luilzerne Altarwand wird ihieii b\)rmen nach zwiscIuMi 1720 

und 1710 hergestellt sein. Der Altartisch ist gemauert, id)er ihm wurde 

später die Kanzel mit schlichter Brüstung eingebaut. Inti'rhalb 

deiselben ein Kruzifix mit etwa 1 m hohem Korpus seitlich je eine 

gewundene Säule und eine Pfeiler- 
Noilage. l'ber den I )ui-chgangs- 
tüivn links .Matthäus, rechts Jo- 
hannes: im oberen .\ufbau Markus 
und Lukas. .\ls Bekicnuing auf 
dem Gebälk ('.hrislns mit dei' 
Fahne, beseitet xon h'.ngeln, die 
ein Band halten mit der .\uf- 
schrift: ..ICH LFBE l'ND HIB 
SOLLT AfCH LFBEN JOH. 1 !. 
W 1<)- (.\bl). .i'iO). 

Zwei .VItai'leuchtt'r aus Bronze 
in Kandelaberfoini. 0.1.') cm hoch. 
auf drei L^iil.U"'n. l-".twa Mitte des 
17. .lahrhundcrts. 

Zwei Zinnlenchtt'r. D,o cm hoch, 
mit Mittelteller. Mitte des LS. 
.lahrhuinicrts. 

I )ie beiden im Schill' h;ingen- 
ileii Messingkronleuchter aus (\vv 

.Abb. :>.2(i. Kird... in W,.lU..>haus,„; Allar. ^Ü"^' ''''^ ^ •^- da h ril U 11 de r l S. 




303 

Von den beiden Länieiflocken ist eine im Jahre Ifil'i von 1 lärmen ('.locken. 
Koster gegossen. 1,05 m, Hiigei ])roi'iliei'l. rnlerhalh (Kt I iaiihc 

zwischen spätgotischen Zierbändern in 3 cm hohen golischen i\lein- 
])nchstaben die durch Braklealenabdriicke (Br.) gelrenn le insehriil: 
..ano (bii m"v'' xii (Br.) snm (Udcisona (Hr.) I'leo morlna (Br.) pelh) nocina 
(Hl'.) I'rango tonitrua (Br.) Ingo demonia (l^r.) \()eor maiia (I>r.) sabha 
an • iiarlolomei (Br.) herme koster (Br.)'". 

Am Anfang der Schrift eine kk^ne Bi'Hefchiislelhing (Ut .Ahiria anl 
(k'r Mondsichel im Strahlenkranz. Am langen In-ld das .') cm holu' 
Monogramm Härmen Kosters (s. Glocke in Hörsum). leniei Harlholomäus 
(mit Buch und breitem Messer): an der Gegenseile eine bekrCtnlc Heilige 
mil einem rntier am Bande (.Juliane). 

Von der im .Tahre 1905 gesprungenen und ei'iienerlen. 1510 ge- 
gossenen St. Nikolausglocke hängl in dei" Sakrislei eine Pholo- 
gra})hie. Eine Ersatzglocke isl 1925 durch Gebr. Badlei- in Hildesheim 
hergestellt. 

Silbervergoldeter Kelch, ein sehr schönes Werk gotischer Goldschmiede- Ahciul- 
kunsl (Abb. 321). Höhe 22 cm. Unterhalb der Kuppa am Schalt in kh'J.'/J^'"'''' 
zierlichen gotischen Kleinbuchstaben die Inschrifl : ..ihesns". Am Knanl 
zwischen den durchbrochen gearbeiteten Maßwerkzieraten sechs raulen- 
r(")i'mige Zapfen, in deren Fassungen neue EasursteinknCtple eingesetzt sind. 
Aul dem Schaft unterhalb des Knaufes ähnlich wie oberlialb desseli)en die 
Buclistaben v. maria. Geschweifte glatte Flächen leiten /um Seehs!)al.i- 
fuß über, aus dessen Einschnillen spitzwinklige Ecken heraustreten. Dei- 
Rand ist mit einem durchbrochen gearl)eiteten Vieij)aßnmster geschmückt. 
Die glatte Fußplatte springt über den unteren Band inx'h etwa % cm 
vor, sie trägl an der Unterseite in gotischen Kleinbuchstaben die Inschrift: 
..got * oeve * (eve) * den * de * evige * iiin * de * dessen * keliek * nicht * 
let * l)i * alle * godes * hiligen * Iv * evigen * liden * sin *'" (Abb. 322). 
In einem Bogenfeld des Fußes ist eine Kreuzigungsgiiippe anlgi'heltet. 
l'Uter dem Kieuz Maria und .lohannes, dane])en zwei Schildclien ans 
vergoldetem Silberblech mil Email. Wappen der v. Weltberg und von 
Üxküll (Livland). Goldschmiedezeichen fehlen, vermntliehe h:nistehungs- 
zeit Ende des 11. .Jahrhunderts. 

Die zum Kelch gehörende Patene, c 10 cm, mit Vier])aßvertiefniig. PaUne. 
zeigt in den Zwickeln giavierte Ornamente. Am I^and l^eiderseits des 
Weihekreuzes in gotischen Kleinbuchstaben die Inschrifl: ...lohannes 
corever decanus osiliensis copai'avit huc calixem orale pro (o". Gold- 
schmiedezeichen fehlen. Irrstes Vieilel des 15. .Jahrhunderis. Die Patene 
ist, wie 11. V. Bruiningk in den Sitznngsbeiiehten der Gesellsehan Mn- 
Geschichte und .Mlerlnmskunde der Ostseeprovinzen Bußlands \'ur (his 
.Jahr 1907 iduMV-eugend nachgewiesen hat, wohl sicher, dei' Kelch wahr- 
scheinlich li\ landischen l^rsprungs (Abb. ;)23). 



30 




Abi), ü'il. Kirilu' in Wollersluui^cn ; Kclili. 




Alili. :V22. Kirche in \V(ill<'rsli:inscii ; ■rcilsliick dir Kc-jihinsiliril t . 



30") 

Ein kleiner zinnerner Kelch (liiille etwa aus dvv Mitle des 11). Jahr- Zinnk(.'kh. 
hiinderts stammen. 

Ein Weihrauchgeläli von 'i() eni Hohe ist auUei- (iehiaueh ( l)r()nze). Wrihrauch- 
Deckel in durchbrochener Arbeil mil eiiiii^eii /iesi-ruMun^eii. Inschrift : ^^ ^ ' 
„I-AS 1719A MM". 

Die zinnerne Tanfschüssel von (),2() m 1 )iiichnu'sser isl scliinucklos. Tauf'schüsscl 
Gießerzeichen: Lanini mit der Fahne im ()\al und .lahi'eszahl. von dci- 




Al)l). '.>X>. Kirc'lu' in \\'lllt(■|•^lla^lM■n ; l':ilriic. 



noch . .39 zu erkennen ist, außerdem zweimal Schild, geteilt, oben halber 
Adler, unten nicht feststellbar. Veinuitliche Entstehunoszeil 17. Jahr- 
hundert. 

Ein in der Sakristei aufgestellter einfacher Opl'crstock lr;igt (He Aul- opt'rrslocU. 
Schrift: „STEFFEN PAPE 16ö(V. 

Als Fußbodenbelag des Lehrerstuhles sind Hreller verweinlet. (he c.cstülil. 
vielleicht einer alten Emporenbrüstung entstammen. Aut ilnu'u sind 
Spuren von Malerei (um 1600) zu erkennen, darstellend (.hrislus am 
Kreuz, weibliche Figur: Cberschiitt : .,l-'ides"' und ,,Spes". 



306 

Wrisbergholzen. 

Kirche, ev.-luth., Gräflich v. Görtz-Wrisbergsches Gut. 

Literatur: (]. H. Behrens, Staniinl)aiim der Herren v. Sleinlx'r«. Add.. S. öö. 

— A. Bertram, (k-sehiehle des Bistums Hildeslicim I, S. 91. Allg. deutselie 
Biograpliie, iL Bd.: C.hristoph v. \Vrisi)erg. — R. DoelMier, l Tkundcnl)ueli der 
Stadt riildesheim, VII (57. \V. (iraf v. Görtz, Ahnenreilieu in ..Kultur und 
JA'lH'n'". A. 1']. Gösccke, Leichenpredigt auf (^hristopli HL Cienmldin. .1. (i. 
rii. (Iraesse und E. Zimmermann, Führer für Sammler von l'or/.ellan und Fayence. 
S. l'M. - W. Heinze, Geschichte der Stadt Alfeld, S. (iX. 1 1. 1 loogeweg, ITrkunden- 
huch des Tlociistifts Hildesheim, IV 638 und S. 72(i. II !»(i4, HI 079, II 102, III 
i:i:5:i.V;UL7L"'), 719, O.S9, VI7L OI.j, M27, II 10 1, III 20.3, IV 17.3, 3i:i, II 1090, III 
lOKi. 1\' ISO, VI 20. — Derselbe, Invcntare der nichtstaatlichen Archive im Kreise 
All'eld, unter: Wrisbergholzen, s. a. u. S. .32, Ö'A, 33. - K. .Janicke, Lrkundeid)uch 
des Hochslilts Hildesheim, I 6.3, 07 (59, ISO, 210. .312. - K. Kayser. Die relormal. 
Kirchenvisitalionen, S. 22(5. .J. L. Lauenstein. Hist. Diplom. Hildesiensis IL 
S. 273. V. Löhney.sen, C.hr. v. Wrisberg, Im Arch. für Gesch., Göhealogie, I, 1S40. 
S. 1 17. .J. .L Losius, Gedächtnis Chr. v. \Vrisberg. -- Fr. Lücke, Das Dorf Sibbesse, 
S. 17 ff. - A. H. Lüntzel, Die ältere Dicizese Hildesheim, S. 107, 147, 282, 370, 

— Derselbe, Geschichte der Di(3zesc und Stadt Hiklesheim II, S. 108. — Derselbe, 
Die Stiftsfchde. S. 13. .1. Machens, Die Archidiakonate, S. 389, 374. - W. Mithoff. 
Kunstdenkmäler HI. (i. L. Müller, Das Lehns- und Landesaufgebot imter 
Herzog Heinrich, S. 496. — A. Peters, Die Inventare der nichtstaatlichen Archive 
im Kreise Gronau, S. 77. — (). Hiesebieter, Die deutschen Fayencen des 17. und 
18. Jahrhunderts, S.213 ff, auch in ,, Cicerone" 1911. — A. Seiclensticker, Rechts- und 
Wirtschaftsgeschichte norddeutscher Forsten I, S. 398. — A. Stoehr. Deutsche 
Fayencen. S. 336 ff. - P. Graft, Geschichte des Kreises Alfeld, S. 191 ff. 

Ou eilen: Schlotiarchiv Wrisbergholzen 1\' 1 ebend.: Saalbuch: ebend.: 
IV 2 M. - l-]i)Iioralarchiv Wrisbergholzen: .Memorabilieid)uch. Schulchronik 

von Wrisbergholzen. — Alfelder Landratsarchiv: Winzenburger F]rbregister von 
1578. — Schloßarchiv Brüggen : Lehnsurkunden 1589 ff. — Staatsarchiv Hannover: 
Lrkmiden des Histor. Vereins. Xr. 959, 960, 962. 900, 969, 970. 

Abbildungen: Staatsarchiv Hannover: Cal. Br. des. X -^ " 71 (idlere SchloIJ- 
ansichl von 1589). - (jccrone, 1911. S. 230 ff. Riesebieter a. a. O. Stoehr a. 

a. O. — Tb. Graesse und Iv Zimnu'rmami a. a. (). — Graft a. a. O. — Auch im 
Schloß Wrisbergholzen. 



(leschichte. |jer ()i1 hieß zuerst ci^eiiliicli nur .,1 lollluiscn"" oder ..1 lollensen". 

Um aber Verwechshint>en mit anderen Ortschalteii gleichen Namens 
v()iziibeiii!;en, i4e\v()hnHcli ,,'rhi(lerikesli()llluisen" bzw. ..1 )itdrichliolzeir', 
iiacii den bereits 1 1 Ki, vieileiehl aiieli schon 1022 erwidinleii Herren v. 
llolthusen, in deren b'amiUe der Name Dielrieli liäul'io wnv. Dieliichs IL 
Bruder wai- I Iiii^o, daher lesen wir in eiiuM' Urkunde von 12<S() 
oder r2«S I auch ,,I lui^heshollhusen ". Später, als die IhMren v. Wrisberi^ 
— die Sage meldet durch lleiral eines \. WrislxML^ mit (k'r iMblocliler 
V. llolthusen (iiit und Doi-f iniu'hatlen. nannte nuin es \Viisbei\L;hoizeii. 
Doch hieß t's L")7(S (i^i hiei^islei') einlaeli nur ..llolltMisen". 



307 

Die Herren v. Wrisberg werden urkundlich zuerst um 1350 envähnt. 
Als Letzter des Geschlechts starb 17(11 Hudoll' .lohaunes, der Erbauer 
des Schlosses. Die Erbtochter seines bereits 17'iö verstorbenen Bruders 
heiratete Karl Friedrich v. Schlitz oen. v. Ciävlz, dessen Großvater r'ried- 
rich Wilhelm v. Schlitz gen. v. (i(")rtz in den Heichsgralenstand eiiioben 
war. Doch wurde den Nachkommen Kaii b'iiedrichs erst 1.S17 noii König 
Georg 111. die Erlaubnis gegeben, den Gralenlitcl auch ihrerseits zu 
führen. 

Die Herren v. Holthusen bzw. deren Hechlsnachlolgei'. (he 1 h'ncn 
V. Wrisberg, waren zunächst noch nicht die einzigen Grundhencn. In 
Betracht kommt vor allem das tlildesheimer Miciiaeliskloster, das um 
1019,1022 hier begütert war, insbesondere auch (his halbe Patronal i\r\- 
schon damals voiiiandenen, den Apostehi Petrus und Pauhis, inicli an- 
deren Nachrichten dem heiligen Martin geweiiiten Kirche besaß. Dieses 
halbe Patronat wurde dem Kloster im Mitteialtei' häufig, namentlich 
auch von den verschiedenen Besitzern der andeien IbiMtt'. st rt'itig gemacht. 
Später hatte es aber das ganze Patronat. Daß Wrisbergholzen seit 1 .")()•) 
längere Zeit Sitz einer Superintendentur war, ist bereits gesagt. 

Unter dem Bischof Godehard (1022 3(S). der diesen Phitz außeiordi'ut- 
lich liebte, entstanden hier auch die Anfänge eines Benediktinerkloslers, 
ebenfalls mit einer Kirche, von dem man aber später nichts mehr h()it. 

Andere Grundherren waren die Herren v. Stöckheim (voi- 1 102). die 
Familien Schenk v. Meienberg und v. Widfingen (1255 und 12.S0). das 
Klostei" Marienrode (1221), die v. Hössing (1301) und (\\v \. Slt-inhi-rg 
(131<S). 

Das Doli' Wrisbergholzen, welches zunächst nicht allzu giol.! war. 
erfuhr durch den Schloßbau (1710 ff.) und die 1735 geschehene 
(irüiulung der bis 1(S31 in Betrieb betindlichen Fayencefabrik eine ziem- 
liche rmwandlung, sowohl was Anlage als auch was Bevölkerungszahl 
und -arl betraf. Die Einwohnerzahl betrug 1.S09 auch 177, 1925, Dort 
und (iut zusammengenommen, nui' 109. VAiw gr()ßere Anzahl von \\\- 
zeugnissen der Fayencefabrik wird im Keslnermuseum zu Hannovei- 
aufbewahrt. 

\'()n der romanischen Kirchenanlage ist nni' noch der \\\)vy dem Bescliri'ihim.u. 
Rechteck von etwa 7,50 :\7,00 m erbaute Westturm vorhanden, di'ssen "^"^ ^*'- 
Schallöcher Formen vom Anfang des 13. .iahrhundeits zeigen. \)\v 
rundbogig geschlossenen gekujipelten Öffnungen werden durch S;iulen 
mit Würfelka])ilälen und weit ausladenden Saltelsteinen geteilt. Als 
Basis der S;'iulen dienen umgekehrte Wiirfelkapiläle. \n der Westseite 
des Turmes befindet sich außerdem ein sjutzbogig id)ei(lccktes Schall- 
loch, darunter ein (^hristuskopf, ähnlich dem an der Kapelle in Grafeide. 
An der Südseite sind drei Schlitzfenstei- übereinander angeordnet. Der 
nüt Schiefer gedeckte Turndielm, 1792 neu hergestellt, zeigt im untcrt'u 



308 

Teil kräftige Schweifung und leitet vom Viereck in das regelmäßige 
Achteck der aufgesetzten offenen Laterne über, die eine hohe, unten 
leicht geschweifte Pyramide, Kugel und Wetterfahne trägt; in letzterer 
die .lahix'szahl 1791 (Abb. 324). 

In einer Ai)messung von etwa 2(),5() x 11,00 m wurde im Anfang des 
17. .lahrhunderts das jetzige Schiff in Bruchstein an den Turm angebaut 
(Abb. 325). Die mit gedrückten Bögen geschlossenen Fenster sind in 




AIjIi. :'>2I. Kirche in WiislxT-sholzcn. 



Werkstein hergestellt und mit über der Sohlbank auslaufenden Kanlen- 
profilen versehen. An den (iebäudeecken einbindende gesi)itzte Steine als 
Einfassung. Der Trepi)enanbau an der südlichen 1 urmseite wurde erst 
Anfang des 20. .lahrhuiuk-rts hergestellt. Am Sturz des östlichen, zwischen 
zwei Strebepfeilern liegenden Fensterpaares der Südseite ist in gotischen 
Buchstaben die Inschrift eingemeitU'lt : ..Anno domiiii KiO.ö'". Die 
Außenmauern sind geputzt. 

Der Nordseite des Schitfi's ist ein im .\chteck angelegter Treppenturni 
vorgelagert, dessen Mauerwerk dem des Schiffes gleicht. Die Form des 
beschieferten Daches eiMunerl an den Trej)penturm am Rathaus in Alfeld. 
Der Stui'z (Um" Eingangslür i'uiil auf Konsolen; auf cini-r dersellx'n cjL 
das ,') cm hohe nebenstehende Steinmetzzeichen, l'mralimung mit <"^ 
Karniesprolil und Perlschnur, l'ber dem Eingang eine Wappentafel, 
eingefaf.)! von llermeid-caryaliden, (he ein (iesims mit ornamentalem 
Aufsatz tragen. Ehewappen mit der Beischrift : .,('.fiHIS TOF V. WHIS- 
BERG r.EiniU'D V. Ml'X(:HArSh:X". im Cebäik: ..AXXO 1(V2P'. 



309 



/] 



n 



In der Mitte des Wappenfeldes ein 5,5 cm hohes Steiiinielzzeichen 
von nebenstehender Form. 

Das Innere, im Westen, Xorfleii und Osten noii eiuei- zweige- 
schossigen Kmporenanhige umgehen, \vird in etwa (S.5() in ihilie (hnch 
eine flach gewölbte Bretterdecke abgeschlossen, (he in luuerei- Zeil reich 
bemalt ist. Bleiverglaste Fenster zwischen Sturmstangen. 

Unter dem um eine Stufe erhöhtem Chor befindet sich eine vom Schiff 
aus durch Falltlu-en zugängliche, jelzt aber verschlossene (iruftanlage, in 
der Angehörige der gräflich Wrisbergsch.eii l-'amihe beigeselzl sind. 

Die Emporen scheinen anfänglich nur eingeschossig gebaut zu sein. 
Mit besonderer Sorgfalt ist (he Brüstung im ersten (iescholi ausgebildet, 



Inneres. 




Abb. 32.}. Kirche in \Viivbcii;holzcn; (IruiKiril.!. (1:2.')U.) 



die (Uirch korinthische 1 lalhs;iuk'ii in fast (punh-alisclir h'eUk'r geteilt 
wird. In den Feldern eine Bilderreihe von aciitzeim. 0.7(1 ().(')< I ni 
groI.5en Darstellungen, die sich zur Hälfte auf Begebenheiten (k's alten 
Testaments, zur Hälfte auf solche des neuen Testaments beziehen (I'mh'ii 
und Antitypen). Öl auf Leinwand. I )ie P)riistnng zeigt k\)rmen. die um 
KiOü üblich waren. 

Der .Mtar ist mit der Oigel zu einem eindincks\ ollen .\nfbau ver- 
einigt (A))l). 326). Über dem Altartisch ein 1,20 1.00 in großes Ölbild 
(Abendmahl), das von geschnitzten Fruchtgehängen und gewundenen 
Säulen beseitet wird. Über dem Bild Engelsfiguren, in der Mitte eine 
Kartusche mit den Worten: ..AEDES HAE.EC SACRA HENOVATA 
ANNO 1731". Links und rechts über den Durchgangsöffnungen je 
vier 0.75 ■M),45 m grol.k'. in (")l auf Leinwand gemalte Darstellungen 
(Begebenheiten aus dem Leben Christi und die vier l'A angelislen). saml- 
liche Bilder aus der Mitte des LS. .lalnhunderls. i'l»i'i- dem Ahscliliill- 

40 



Altar mit 
Orsel. 



310 



ifL'sinis zwei Wappen (v. Wrishern v. Schlilz oen. v. Ctüviz). Als 

Schildlialler: Hchlxu-ke. Oberhalb des (iesiinses in li()he des Fuüljudens 

der oberen Empore ist die Orgel aufi^eslelll, in deren Vorderseite, gut 

verteilt, ein Teil des Pfeifen Werkes sich I bar ist. 

Ein h(")l/ei lies Lesepult mit Kruzifix aus deiMille (U's 1*). .lahrhundei'ts, 

befindet sich in der Sakiislci. 
l\;inzc'l. Die an der Siidwaiul aul'm'sfelUe Kanzel auf einta- Aciileekssüule mif 

bauchigem Schaft zeigt die am Anfang des 17. .lahrhunderts üblichen 

Sclimuckformen. Am Unlei'satz das Wrisbergsche und Münchliausensche 

Wappen mit Beischrift: .,(iEH- 
TRAUT / GEBORN V. MUNNIC / 
HAUSEN. CHRISTOFF / V. 
WRSBEROK. S WITWE HAT 
GOT ZU / EHREN DISE CANT- 
ZEL / ALSO STAFIREN LAS- 
SEN ; Aö 1()21". Ferner: „CHRI 
STOFFER VON WRIS BERGK, 
SVAA GER". Am unteren Ansatz 
dvi- Kanzelbrüstung: ,,Nempt das 
Wort an luit sauftmut das in euch 
gt'flaidzet ist welches kau e\vei- Seele 
seUg machen. .lac. 1. CAP.", ferner 
..LVC. 11 : Selig sind die Gottes wort 
hören und bewahren". 

An der zur Kanzel führenden 
Treppe: lOANES. B.; die im Acht- 
eck angelegte Kanzelbrüstuug ist 
mit Darstellungen des Erlösers und 
der vier Evangelisten geziert. Der 
Schalldeckel ist außerordentlich 

reich pi-ofiliert und oniaiueiiliert, stark gekröpfte Arbeit. 
Taiil'sif'iii. Der Taufstein in Pokalform, 0,97 m hoch (b^uf.5 achtseitig, neu), aus 

Irmenseul stammend, gehtirt dem Ende des IC). .Jahrhunderts an. 
VllarleiulUcr. Zwei Altarleuchter aus l)r<)nze, etwa 31 cm hoch, in Kandelaber- 

lorm. Anfang des 17. .lahihunderts. 
Kroniciiclilcr. lui Schiff drei Kronleuchter aus Bronze, von denen der größte und 

kleinste erst vor einigen .lahren aus dem gräflichen Schlol.! in die Kirche 

gekommen sind: einer stammt ans Irmenseul. 

1. Der größte mit achtzt'hn Armen in (hei Heihen, 0,03 m, zwei Arme 
fehlen, Adler mit plastischem Kcu-per, Kugel neu, aus Messingblech, LS. Jahrh. 

2. Der zweite, 0,90 m. hat zwei Reihen von je acht reichverzierten 
Armen übereinandei-, zweite llidfte des 17. .lahrhunderls. Als oberer Ab- 
schluß des Mittelk(')i-pei"s, ein Mann auf einem Adler reitend. 




Al)l). '.VM't. Kirche in Wi-isl)cr^h(il/.i'ii ; Iniu 



311 



^, 



3. \)vv drille, c' 0,71 in, träi^l /.\\v\ lU-iln'ii von je sechs Aiiiu'ii iihci- 
eiiiaiider. Adler mit sehr \\v\[ oespiei/len l-'liii^t'hi. /iciate: 'riompeten- 
bläser wie am Kronleuehter in Sellensledt. Anlani^ des 17. .laln-Jninderls. 

Die älteste Glocke slaniml aus dem .hihie 1 112. 1,02 m: unlerhalh (.iocki'ii. 
der Haube die einzeilige, ö,5 cm hohe Inschiill in i^oiischiMi 
Buchstaben: ,,Ano dni mccccxlii o rex glorie \x'iii cum 
pace maria'' (Abb. 327). Zwisclien niaiia und Auo ein 
Marienbildchen. Am langen l-'eid: MedMillon niil einer 
Darstellung, die dem Pilgerzeichen von Tiier ähnlich isl. 
ferner zweimal das nebenslehende Meislerzeicheu, 
zwei weitere Pilgerzeichen und drei kreisrunde Medaillons. 
(Vgl. Glocke in Fcihrste). 

Die zweite Glocke ist 1721 gegossen. p 1.21 ni. 
Haube zwischen barocken Palmettenreihen die insehrill: ,,MATKR 
WRISBERGHOLTENSEN WESTFELD UND SEGESTE / F1LI.1-: 
ANNO 1721 GOS MICH ECHARDT CHRISTOPH P,FCKEP> IN 




Fnlerhalb der 










.\hb. :V2~. Kirche in Wiisbcrtiliol/cn ; TcilsUick «Icr Sc-lirift 
und Zicralc an der (".locke von 1 1 12. 



HILDESHEIM--. Am langen Felde die Imdzeilige Inschrill: ..1-:S 
GEBE UNSER GOTT DAS MEIN KLANG UND GELEUlh: VIi:i. 
1-HOMMF SIMEONS ZU SEINER KIRCHEN LEITE 1).\S MI-.IIL 
ZUM HOCHZEITFEST ALS LEICHEN DIE (iExMEINE , UND Nlh: 
ZUM FEIGER STURM INI) KRIEGESNOHT ERSCHEINE / AN- 
TIIOX h'JHCH GÜSEREN PAS TOP. •-. l)arid)er ein 2() cm hohes 



312 



Al)en(l- 

niahlsi^cräU' 

Ivelchc. 



Pol (MICH. 



Oblateu- 
dose. 

Sog. Kui^cl- 
l)echer. 




Epitaphien. 



Kruzifix, iimrahml von Blätterabdriickeii, lenuT an der Gegenseite das 
Wrisbergsche Wappen mit der Unterschiül : ,,lleir Christoff von Wris- 
berg" (Abb. 328). 

Die Uhrschlagglocke, 0,66 m, trägt zwischen einem Zierfries die 
Worte: „LUDWIG KRNST HEIXHICH FHHL. V. GÖERTZ WRIS- 
BERG", am Rande (Hand) ,,L. . . . (wegen ungünstiger Aufhängung nicht 

zu ermitteln): GOS MICH 1793". Schriftcharakter 
ähnlich dem an den Glocken in Meimerhausen. 

1. Grot3er Kelch, silbervergoldet, Höhe 
19,2 cm, Sechs])aßfut.^ An dei' Kuppa ornamen- 
lale Gravierungen. Auf den sechs Zapfen des 
Knaufs Schihk'hen mit (ilasflüssen ; gotisierende 
Oinamente. Am VuB ein 3,5 cm großes aufge- 
nietetes Kruxifix, daneben im Schildchen Doppel- 
wa])pen mit den Bezeichnungen E.V.W, und 
K.V. 11. Inschrift am Eut.]e: „WRISBARCH • 
HOLSTEN • GEHÖRT DVSSE • KILCH IN • 
DI KIRCHEN". Gohlschmiedezeichen fehlen. 
Mitte des 16. .laiirhundeits. 

2. Kleiner Kelch, 12,(S cm hoch, silberver- 
goldet. Am Oberteil des Fußes ein kleines 
aufgenietetes Kruzifix. Inschrift ^an der Kuppa: 
,,Der gesegnete Kelch ist die Gemeinschaft des 
Bhites Christi", am Knauf: ,,Wris- 

\iü: ,,Was bist du Mensch, (hd] Gott 
()[)fere Gott Dank". Goldschmiede- 
zeichen nebenstehend, ferner .lahresbuchstabe B. 

An der zugehörigen Patene am Rand ein Weihekreuz und die Inschrift: 
,,i)as gesegnete Brodt ist die Gemeinschaft des Leibes Christi". 
Goldschmiedezeichen nebenstehend. 

Patene aus Zinn, 11,5 cm, Ihnschrift am Rande: ,A\ HISZBERG ■ 
IIOLTZEH KIRCHE HR'). Zinnzeichen: Engel im Oval, daneben die 
Buchstaben L. E. und G. 1'. 

Obhitendose, Silber, o 8,5 cm, 3,6 cm hoch. Gohlschmiedezeichen wie am 
Zvv()lfmännerpokal des Ratssilbers in Alfeld vom .lahre 1()72. (s. Seite (i8.) 

h^in Silbergefäß in Form eines Bechers, auf drei Kugeln ruhend, 
18,5 cm hoch, 10,5 cm. Zweite Hälfte des 18. .Jahrhunderts? Die in 
Treibarbeit hergestellten Darstellungen, Pulten, Blumen u. a. weisen 
auf eine frühere nichlkirchliche Veiwendung des Stückes hin: jetzt 
dient der Becher zur .Vufbewahrung von Oi)lalen. Gohlschmiedezeichen: 
(P)uchstabe) L im Kreise, sonst unkenntlich. 

.\n der inneren Südwand der Kirche hängen in reich verziertem Rahmen 
zwei etwa 2,65x2,25 m große (Ölgemälde auf Leinwand. Am Rahmen 



Abi). :!2S. Kirche in W'risberi;- 

liol/cn; Wappen an der Glocke 

von 1721. 



bergholzen 1812", am 1 
deiner gedenkt? Drum 




mm 



313 

ciiu's j('(U'ii, in 1 iolz ^escIiiiiUcii iiiid l;iil)i<4 l)cli;iii(k'll, .')<> Aliiu'iiw ;i|)[)rii. 
Die Bilder zeigen Kreuzii*uiigsi>riii)i)eii mil den ^r;illicheii i'';imilieii;iiige- 
hcirigen. Auf dem ersten das Kilern})aar niil siehtii [(kdileni und den 
Namen dei- dargestellten Personen, unterschritt: ,,EPITAPIU\M • 
CHRISTOFFS WRISBERG ERNST DES JÜNGEREN SOIIN'\ Auf 
dem zweiten: „EPITHAPHIÜM. Cl IHIS lOl- 1 S KHEYHEHHX VON 
WRISBERG BÜRRIES SOflN-. 

Die sehr schönen Stücke sind nichl niil .lalnvszahlt'ii \ ersehen. N'ielleiclil 
sind beide gleichzeitig kurz nach \1'.V2 (Christoph v. W. -|-) angefiMiigt . 

An der Nordseite, seitlich eines veiinauerten l^inganges, ein 2,0.') (),*.)7 (ii:il)sU'iiu' 
Meter großer (irabstein mil dem lebensgroßen P>ildnis eines (ieisllichen, 




Abb. 321). Grällich v. GüiLz-\Vri>bcriJSLhe> Schlori in Wrisbcrtüholzcn. 
(Nach einem Stich aus dem Besitz des ("Tiafen w dörtz-Wrisbei ;>. ) 



nach der InschrifL des am 5. November l()5;j \erslor]K'nen .lacobus 
Gerhard. 

Über dem Grabstein in einer iubkulaartigen Pmrahmung das v. Wris- 
berg- V. Münchhausensche l)()i)[)el\\ai)i)en in iihnlicher Ausfuiirung wie 
es am Treppenturm vorkommt, mil der Insciirill: ..N'ERBl'M DOMINI 
MANET IN .ETERNERUM", und: .,l)er Herr behiite deinen ansgang 
und eingang". 16. .lahrhundert. 

Links der Umrahmung eine aus zwei SlenuMi ziisninnieii- 
gesetzte Platte mit einer von ungewandter Hand eingt'schlageneii 
schwer lesbaren Schrift: ,,Aiiii() dmi mccc ccxlviii hi • ssn de 
von ho(?)nsi de vo wr(?)iie('.Mo (?) und (?)dli)au(?) . . ." 
das Folgende niclil zu eiilziffein. In (Um- Milte des linken P)ruch- 
stnckes das (Sem hohe, iiebensleheiuk" Zeichen. Das gleiche am Gesimse. 

^'ier aus der Kirche in Irmeiiseiil stammende Gi-al)steine. die nu-hrere 
Jahrein! Gutspark unter freiem Himmel standen, haben jetzt im nnlereiii 
Turmgeschoß (Kircheinorhalle) eiiu-n wiirdigen Platz gefunden. Sit' 

41 




(Iriillic-lics Cjiil 



314 

sind von verscliiedtMier GixW.k' und zum Gedächtnis von Mitgliedern der 
Familie v. Slocklu-ini oeselzl: in den Jahren 1592, 1593, HiO'i und l(i7(). 

Aul' dem b'ri^'dhof. ntudhch dvv Kirche, als l'rne auT hohem Sockel, das 
freistehende (irabmal des 1<S22 verstorbenen Pastors Heinrich Stoltrei*en. 

Der ausgedehnte, dem (Iralen \. (itirtz-WrisherLi i^ehcu-ende Gutshof, 
(■)stlich der Kirche gelegen, undal.U das griU'liche Schlot'). Wirlschafts- 
gebimde, W'assermiihle und einen etwa 10 hannoNersche Morgen grol.ten. 




Abb. 330. üi'äflich v. Gört/.-NVrisbergsches 
Schloß in Wrisbergholzen; Westseite. 



bolanisch wei-fvollen Park mit heiAorragciulem. nlleni Paundjcstand. 
Schlui,;. Das I lauplbanwtM'k ist das den ()stliclu'n Abschlul.i des Gutshotes 
bildende Sehloü. das in den .lahiXMi 17 10 bis 17 15 nach den i^hinen (\v\- 
Gebriick'r P)iitemeister aus Moringen errichtet wurde (Abb. 329). \)vr 
Mittelbau, .")() 1(),5() m im Grundril.i groU, wird von zwei vortretenden 
Seitenflügeln eingelaüt. Das Gebäude ist zweigeschossig in heimischen 
P)ruchsleiii ansgetührt niul mit Kalknmrtrl vei-pntzl. Die k'.cklisenen. 
Portal- und l'^enstergewainlc, Gesimse uiul Giebel bi'stelu'U aus XW'i'kstein. 
Die lnnen\\;in(k' sind griit^lenteils in b'achwcik hergestellt. DasMansard- 
dach ist im uideriMi Teil mit Goslaier Schicin'. im ( )bt'rdacli mit gi-- 
schwärzteu Plannen einiiedeckl. 



;n5 

Im Drek'ckoic'hrl dos Mil Iclrisalilcs /wiscluMi Zier- und l^;iiik(.'ii\vfik 
unter einer (iralenkrone zwi'i Wnppen (\. W'iisher^ v. Schlilz oen. 

V. Goltz niil den Huclislal)en : ,,H. 1. !•". 11. \'. W. und ('.. II. V. V. 
V. S. (i.V. G.'" liidvs, und reelils das Baujalu': ,.ANX() 171.")". Im Tuisluiz 
des Hauptportales dem eine l-'ivilreppe voi-nelai^eii isl, die Namen: 

RTDOLPH, .loiiAXX VON \v^ISP,^:I5G i7ii> (.iii'.isrixA iii:n- 

HIKTTE VON GOHHTZ" (Abb. MU)). 




Abi). :'.;5i. 

C.riillifh V. Görtz-WrisbcTgsches Schloß in \Viishers>;li<)Izfii; 
Teilstück eines Wandplattcnbelajis. 

Das Innere enlhiUl im ErdoescIioÜ eine 9,.")() 9..')0 m i^ioiu. l-'/moauivs- Iiuu-its. 
Iialle mit einer 'rreppenanlage, dahinler einen *)..")() 7 in i^rol.ien Speise- 
saal im Stile der zweiten Hcälfte des LS. .Jahrliiindeits mit Noij^elaijerter 
stattlicher Parkterrasse. Über dem S})eisesaal ein zwei Stockwerke 
hoher Prunksaal. 

Im Erdgeschoß des linken St'itent'liigels befindet sich ein jetzt durch 
eine Scheerwand in zwei I^;iunie zerlegtes Zimmer. d(>ssen \Van(lfl;icheii 
nach Art holländischer Innemruime mit \\ andlliesi'ii aus der i'lu'maligen 
orfiflich Wrisberuscheii Faviuieelahiik hek'L't sind. Die im .lahre 177)2 



ol(3 



]I()l7,s;uil('. 



aiiLicbriicIilc I k'kli'idiiiig Z(Ml;I I );ir.slclliiiin('ii ;iiis dein Tierreich iinrh 
Al)l)il(iiiiiL*eii des Werkes xoii .loncliiiu ('.;iiner;iriiis: Symbolum el 
end)leiii;iliiiii ceiiliiritt Moi^imlici' H)(')(S (Ahl). .■).')!). 
r^piliiph. P)ruclist iieki' eines ;uis Iniieiiseul stninnieiideii l^])ila|)hs. idwa aus 

i\cv zweilt'ii 1 lidlle des K). .lalii'luiii- 
derls, darunter eiuii^e i>ul eihalleue 
kleine b'ii^nren. werden im Schlol.l 
.■inihewahi't (Ahl). 'MVI). 

Im l'ii\ alhesil/. des (iral'en he- 
linden sieh i'eiehe Wallen- und 
Kunstsaniiiduni>eii. 

\\\uc ans i\vy Kiiche in Jinu'n- 
seul stamnuMide reich i^eschnilzle 
Hülzsäule. die dort zur l'nler- 
stidzun^ des Dachwerks diente, ist 
im l'ark neben dem SchlolJ aul- 
Hestellt (binde K). dahrhnndeit ). 

Nördlich xoni Schloü an der 

nach Se^i'sle fiihi'enden Straße sti'ht 

eiiu' zum ^ridlicluni (int t^eluii'ende, 

in bjchenl'acinvei'k hergestellte 

Scheune mit Seitenlängstemu'. Sie 

lud an der Längsseite 27 Gefache von dui'chschnittlich 1,75 m Ui'eile 

mit reichen Backsteinmusterungen, Pfannendach gewalmt (Abi). 'MVA). 

IM'nrrlKiu^. Das in Eichenfaclnverk hergestellte Pfai'rhaus stammt in si'inem 

westlichen Teil aus dem Jahre 1()05. Es wurde 172(S unter Pastoi' .lulius 



Guls- 
schcuiic. 




Ahl). :{:{2. Ciüllk-Ii V. (.()it/,-Wiisl)<T^scli( 

Schlol.i in Wrisljcr^iliolzon; 

l'".pitaphri,mir('Ti ans Irmcnsonl. 




Alili. '.'>'.'>'.'>. ( iiilsM'licnnc in W'iisl)cri;hiil/i 



Daniel Wecke vei'gi'ößei'l. wie aus dem id)ei' dei' i laust iir befindlichen 
Seg(.Miss[)ruch in lateinisclu'r Sprache mil dahieszahl heiAorgeht. 



Verzeichnisse. 



Abbildungen. 



Abi). 
1 
2 

3 

4 

5 

() 

7 

8 

9 
10 
11 
12 
13 
14 
15 
16 
17 
18 
19 
20 
21 
22 
23 
24 
25 

20 
27 
28 
29 
30 
31 



Dt-r Krris Allcld: Kjuie 

Ivirchc in Adf ii s t cd t : (irundril,! 

,, ,, ., OiKTsc-hnil l 

Altar 

Glasbild 

lüu'iii. He t li n iisches (iut in Adcnslcdt; WOhniaiim 

Arc-liäo logiscliiT Plan d or wStadl AMt'ld 

Siegel der Stadt Alfeld von 1258 

.. 1477 

Ait'eldci- I^ra kl eal t-n von 125(1 

N i ko 1 a i ki rc lie in AI leid: Grund ril.! 

romanisches Ka|)iläl. . . . 



Inneres 

Nord|)ortal 

Quersclmilt 

AVestseite 

Norclseite 

Nische im Strebepfeiler 

Schaubild dei' Westseite 

Nordseite 

Steinmel/zcichcn 

i'henial. gol . I lociiallar 

(MilleUcidl 

N(4)ciiallar 

,, ,, .. (I'vlick 

sei teil dci- I-UiljcI ) . 
4'eilslück eines Allarschreins . . . 
l-"i.uur des Ailares xon 1738 . . . 
Seitenteil des Aitares \-on 1738 
eliemalii'er Altai" xon 1738 . . . 

Triumphkreu/ 

Sakrament siiänsclieii 



Seile 

7 
12 
13 
13 
14 
10 
20 
21 
21 
22 
25 
2(i 



28 
29 
30 
.'.l 
32 
33 

:n 



II) 
11 
f2 
43 

n 

45 



3 LS 



Abb. 

32 
38 
34 
35 
36 
37 
38 
30 
40 
41 
42 

43 

U- 
15 
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47 
48 
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51 
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57 
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64 
65 
66 
67 
68 
69 
70 
71 
72- -71 

75-77 



7.S 
79 
80 
81 



Nikohiikir du- in Alfeld: Taufslein (Teilst iick) 

Glocke von 1468 . . 



P, :i I 



,. ,, .. Waiulleiichler 

„ ., .. Allarlcudiler 

,, ,. .. \\eihrauch^cfäß 

,, ,, .. Hekrrniiiiig eines Ndil r;i,uekreii/.es 

,, ,, ,. (Irahslein vom .hiliic 15()(S . . . . 

1576 . . . . 
1<)(»7 . . . . 
,, .. (ir;ii)sl eine noiu .hihrc 17 1(1 u. 175(1 
,, ,, ., V. Steinhernsclu's l-'.pil jipli (Zeich- 
nung) 

,, ,, ,. V. Sleinhcrifsches l\|)il;i|)h (Photo 

uraphie) 

Tolciischihl 

l-'l i sa lic 1 h s I i f I in A I l'e 1 d • ( '.MiiHh'issc und (hicrschiiil te . . . . 

Nordscitcii 

,, .. Teilst i'ick der Decke 

1 landleiichter 

i;;il haus in AI leid: Schauhild 

Griuidrisse 

Ansicht 

Ouerschnil 1 

Teilsti'ick vom l\rker 

1 lau|)l portal (Ansicht und Schnitt). . . , 

Schaubild 

h'cnsler der Westseite 

ssillxT in AI fehl: Z\völfmänner|)()ka] 

Kramerjf ildei)okal 

üalsmitnnerpoka! 

l'okal der J^);ickci-<i;ilde 

Sc inn i ed e <j;i I d e 

A (• h t m ä n n erj^la s a n s A 1 fe I (I 

A 1 1 t' s Seminar in Alfeld: Siulostansichl 

,, ,, ., .. drundrisse . 

,, ,, ., ,. (^hierschnitl 

l'orlal 

,. ., ,, ,, Nordvvestecko 

Brüslun<fsfüllung 

'I'eilstück der Südwand 

I'.rker des ehcmal. Kaiandhauses in Alfeld 

,, ,, ,, ,, Ost seile . . , 

,, ,, ,, ,, Brüst uiiüs- 

fül hingen . . . 
,, ,, ,, ,, FrFese und 

Brüstun<^s- 
lidlunticn . . . 

Wdhnliaus in All cid: Seminarstral.ie 3. Griuidrisse 

3, Quersc-hniti 

3, Ansicht 

\ni Markte 10, Trep])e 



S.-ilc 

16 
H) 
47 

17 

IN 
IS 
i'.t 
49 
51 



56 
58 
5'.) 

(')(! 
61 
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77 
77 
7S 
7.S 
79 
Sd 

Sl 



.S2 

-s;; 

N4 
85 



319 

Abb. Seite 

.S2 Wolniliiitis in Allfid: Am Markte 10. Wniulsticl 87 

8;! .. .. .. ., .. 1(1. Srhrank <S,S 

84 Sprirlu'i- ,, „ ,, „ 7 Hth.. Atisiclil ii. Schiiil! S<i 

Sf) .. ., ,. .. ., 7 .. Tcilsliick .... !l() 

8(i Woli II liaiis ,, ,, I liiikT der Scluilc 2. C.iiiiKlril.! n. (JiuTschii. 91 

87 ,, ,, „ Winde 17. Westseite i»2 

88-90 ,, ,, ,, Winde 17. (nundril.l. ( hierschnil I . \onl- 

seiie •.):; 

91 ,, ,. ,. Ilolzersiral.ie li). ( hieisc imil ! . ( irundri^se '.» t 

92 „ ,. „ „ 13. StiaUenansichl .... 95 

93 ., ,, ,, Am Markte 7. Balkenkdusoie W 

94 ., ,, , ,. .. 7. Grundrisse 97 

95 ,, ,, ,, SeininarsI ral.ie Ki. OuerselinitI .... 9N 
90 ,, ,, „ ,, l(i. Stral,k-nseile .... '.»'.) 

97 „ „ „ ., 1(). Teilsliiek 10<i 

98 „ ,. .. .. IH. Holseite MM 

99 ,, ,, ,. il(.i/.erstral.!e ;:. l-"inzeilieit 1 n2 

100 n. 101 ,. .. .. Kiinsl)erü (1. (iruiulrii.i und iljuisliir . . in;; 

102u.l<»:! .. .. .. .. (i. Ouerscimill inid .\nsielil KM 

101 Wuhn liä user,, ,. I.einsjrat'.e 2<l und 21 10.") 

1<!.") Wolinliaus .. .. liiler der Iviri-iie !). Ivolfer lOti 

I0(i Mühlen ^ra hen hr ii e Ic e in .VMe I d; .\nsielit. Ouerseiini I t . ( .rundril.! IOC) 

107U.108 \\'elirlurni in Alfeld; Seliaul>ild und ('.rundrisse 107 

l(l'.)u.lH) .. .. .. Querschnitt und .\nsichl vom .lahre ISliM 108 

111 Kirelie in .Mmstedl: Crrundril.) 1 1(i 

112 .. ,, .. Querschnitt 111 

113 ,, ,. „ W^estempore 112 

11! .. .. .. IVilstück der (dockeninschrill von i:)I2 112 

ll.')U.ll() ,. .. .. I^'itiuren an der (docke \(Ui 1 .'> 1 2 ... IK! 

117 ,, ,. lireinum; Cirundril.! 11."» 

118 ,, .. .. (Hierschnitl 11.') 

119 .. .. ., Altar IUI 

120 KajicMe in Ca pell e n ii agen : Schaul)ild Il'.i 

121 Wohnhaus in ('. a j)e 1 1 e n h aJ^'H ; Schauldld Il'.i 

122 Kapelle in Dt'hnsen: (Jiuerschidt t. .\nsich(. (inindril! .... 121 

123 .\Uar 122 

121 Kiichi' in Du in gen; (Vrundriß 121 

125 „ ,. .. Querschnitt 12 1 

126 „ ,, Kimsen; Mittclbild des Altares 127 

127 „ ,. .. Zierfries der (docke 128 

128 ,, ,, Kveiisen: (IrundriLi und (^)uerscl'nit I 129 

129 „ „ „ Schauhild i:!o 

ISO ,, .. ,. SluckNcrzierunii des Balkens i:;i 

131 ,, .. l^^verode; Kruzifix l-'^-i 

132 .. K(»pr 133 

133 M;.rienl)ild in ^:^en.(le l.'M 

IUI Kapelle in l\ > ers h a u s e n ; Schauijild l-'i5 

i:>.")U.i:>(; Kirche in l''öhrste; C.rundrit.i und (JuiMschnil I 137 

137 „ ,, „ (docke l-'!9 

138 ,, ., ,, tdockeninschrill 1-!9 

139 ,, ,. ,, l'ilgerzeiclufi an der (docke I in 



320 



Abb. Seite 

140 K;)|)cllc in l<'(» 1 /, i cli ;ni s t- ii ; Scli;iiil>il(l. (Jiicrscluii I I . ( '.iiindril.'. 111 

111 ivirclic in (Icr/.cn; ( Irutulril.i und (^)ucrsclinil I 1 !."> 

I 12 .. .. .. Altnrlt'ucJilci' 111 

1 i;; .. .. .. Kronk-iu-hUT 1 H 

IM K;i|'*'"^' i'^ (rralc'ldc; CrnuidriU 1 ICi 

11,") ,, ,, ,, Insfhrit'tsU'in und ronianisclicr Kdpl. . lili 

MC. ., „ „ Ostwand MC, 

1 17 .. ,. ,. Altarsfhrcin 1 IN 

MX .. ,. ., Taufslcin IM 

II!) .. ,, ., Kronicuclilcr 1 .")(i 

löO Kirche in (irasic: Sdiauhild l.M 

i:)l ,. ,. .. ivcdch 132 

1 r)2 ., ,, (Iro I.U rcdf n ; (riundril.l 155 

15,') ,. .. .. Qucrsclinil I 155 

154 .. .. 11 a i'h;, rnscn ; (irundriü und Oucischnil I 1 5.S 

155 .. .. .. Kclcii 15'.l 

1 5() Bu rg- I^'rcMJ en ; Crrundril.i 1(11 

157 ,, ,. Fin,^errini> Hil 

1 5.S iviiclic in iirn-suni: Scliaui)i!d 1()2 

15',) .. .. .. KronleucI; (er Ki,'! 

KKlu.lC.i .. ., ,. (Wcrkf von 151H KU 

1(12 .. ,. 15:U KU 

l(i;{ ,, ,, Mo >c' rsh a US I' n ; Schanhild 1(17 

1(14 ,, ., ,, Orundril.l 1(17 

1(15 ., ,, ,, QiicTsc-luiill KIN 

1(1(1 ,, .. ., Opft-rslork KlcS 

1(17 .. ., ,, Allarlcuchlcr K)!l 

KlSu.Kl!» .. ,, ,, (.locke von 1511 169 

17011.171 .. ,, ,. .. .. 1511. Einzelhoiteu . . 170 

172 Mühle ., .. Kreu/slein 170 

17.'1 Kiiche in linsen: Crrundriß und (hierschnil I 171 

17 1- .. .. .. Inschrintalel 172 

175 .. ,. ,. Aitarleucliler 17,'5 

17(1 ,, ,. ,. IvronleiichtcT 17."> 

177 ., ,, ,, (riocke voll 150(1 17 1 

1 7.S (i u I ssch euno in Irnieiistnil 175 

170 Kirche in KIM n l'red eii : Gruiidril.! 177 

ISd ,, , ,, ,, Qiierschiiitl 177 

INI .. .. .. Schaubiid 17<S 

182 ha ms |) r i n <»e um 1(150 17!> 

INI Klos I eranlatjc in l.a m s p ri n «e: L'l)ersich[s|)]an 1S5 

in:; Klos I erki rcii e in J,a m s p r i n ,^e: Ortshild am Weihwasserbecken INI 

1N5 Kl OS I e ik i rch e in J , a m s pi' i n !4 e : (irundril.i lS(i 

1N(1 ,, ,, ,, Querschnitl 1N7 

1N7 ,, ,, „ [niieres ISN 

INN ,, „ ,, Schaul)il(l ISO 

IN!) ,, „ ,, Ostaiisiclil 100 

!I)(l ., ,, ,, Kr\pla. C.ruudril.! u. Schniti 1!)1 

l!il „ ,, ,, .. (irabmal 102 

1!)2 „ ,, „ Chor mil I loclialtar .... l!).'! 

19311.194 „ ,, „ b'ries am llociiallar 194 



321 



Abb. 

195 
196 

197 

198 

199 

200 
201—204 

205 

206 

207 

20.S 
20911.210 

211 

212 
2i;"iu.21 I 

215 

216 

217 

218 

219 

220 

221 

222 

228 

224 

225 

226 

227 

228 

229 

230 

231 

232 

233 

234 

235 

236 

237 

238 

239 

2-10 

2 11 

242 

243 

244 

245 

246 

247 

248 

249 



K I OS l crk i rcli r in J.a ni s|)ri ii gt'; M;iri('ii;ill;ii- 195 

,, ,, ,, I )iH'lit;il>cni;ikcl des Mniicii- 

;ill;iis 197 

Altiirscliniiikf 199 

l)i(.ii\siiis;ilt:ir 19!) 



All;ir in ilci' Sakristri 

Kaii/.c'l 

Teilst i'ickr dri' Kaii/.cl . . 

<)i-^;^'i 

'raursU'inscIiraiikc . . . 
l'ulhmu 

C.liorsciiraiikc 

Chorsluhiwanucii .... 

(nioroestülil 

Weiinvasserlx'ckc'ii. Sclmil I 



2( M I 
201 

2o;> 

20 1 
205 
205 
20 (i 
207 
20N 
20'.» 
20'. I 



SUikkdlustrnarbril 210 

\'cs|)C'rl)il(l 211 

(ilofki'iiinscliiirt 212 

(■rl(»ckc-iil)il(l 212 

(iral)st('in ans d. .lalirc 15 IN 21.") 

1550 21;; 

(ilasffiister 211 

K los ( c raiilage in La in s p ri n <»c' : (irundriU 215 

Kloster Lainspri iige ; Al)teitli'igel Ostseite 210 

,, ,, (^)iierschiul I 217 

,, ,, l-"reiti'eppe 21N 

Mittelleil 21i» 

(irol.ier Saal, l.äiigswand 220 

,, ,, .. .. Kamill .... 221 

,, Wandfiillung . 222 

h'ensterleibiiiig 222 

Kiosternüihle 22;i 

,, l,amiiie(|iieik' 22 1 

(\\'ap|)eiisl("iii ) 221 

ulh. Kirctie in I.a in s p ri ii ge; (iruiidril.! 225 

Ouersehnil t 225 

,, Dachreiter 225 

,, Insehriltslein 226 

., ehemalige Hriist nngslülliiiig 227 

Ratskeller in I.a m s p r i ii ge ; Cirundrisse 22.S 

Ouersehnitt 22.S 

Schaubikl 22S 

Kirche in La ii gen h o 1 z eii : Cirundril.! 2.'!0 

Schanl.ild 2;;o 

Altar 2;;2 

(lloeke 23;^. 

(ilockeninsehrift 233 

Mühle in La n ge n h o I /.e n ; .Vnsichten. (rniiidrisse iisw 234 

'rürklo|)ler 235 

Kirche in Limmer; (irundril.! 23() 



322 

Abb. Seite 

250 Rirchi' in Liiiiiiifr (Uicrsclmill 237 

251 ,. ., .. Oplerstofk 2:i<S 

252 ,. ,. .. (;i()(kciil)il(l 2:^<S 

253 ,. .. .. Kelch 23.S 

251 l\a|)i'll(' in I. ii I) li it'c li I s c n : Scliaiil)il(l 2 K) 

255 ,. .. ,. Allar 240 

25() Kirclic in Mr i ni i' rli a n s c n : ( il()ci<cnltil(l 242 

257 Kapi'iic in Sei/v 244 

25,S ,. ,, Ni'iiiior ( ii iiiniril.I, (JuiTsflmil t 240 

251> ,, ,, Oh Im rod (■: C.rnndril.i 2 tS 

200 .. ,. .. Oucrschnilt 2 LS 

2()1 .. .. .. Schauliild 211) 

202 Ivirciic in 1^ ö II i n <i;h a n sc n : Schanhild 251 

2t).'5 .. .. .. (jruiidril,! und (^)uci-.schnil t . . . 252 

2(i4 Kapelle in l^oK; (ih.ckc 253 

205 Kirche in Satl<; ( rrundiil.i 255 

2(i0 .. ,. .. Schanhild 250 

2()7 ., .. .. Ouerscimill 25(5 

2(),S ,, Mtar 257 

269n.27(i ,, ,, ,, ('.locke von ]5!)7 258 

271 u. 272 .. .. .. .. .. 1727 259 

273 Hnine der Sc ii n I e ii hert^c f Kapelle: Schanhild 259 

274 ., .. .. .. i:inoan,y 20(1 

275 Ka|)ellc in Senesle: (Irundrij.i 202 

27(i .. .. ,. Schauliiid 202 

277 ., .. .. (hiers(4initt 203 

27<S Kirche in SehK'ni: S(4iaul)ild 205 

27i) ,. ,. ,- (.lo( kenzieiale 205 

2<S0u.2.Sl .. ., .. ,. 260 

2<S2 .. .. .. Ivronenhiioel der (llo(4<e 200 

2(S.'! Kri' nzsl e i 11 in Sehlein heim Krug'liol' 207 

2.S4 ,. .. ., ;tiii Rieheuter 207 

285 Kirche in Seiieiisledl; (irundril.> 20!» 

280 .. ... .. (Juerschnitl 27(1 

287 Kapeile in W'ar/en; Ansicht, (^)ncrschnil I . (Irnndril.! .... 272 

288 u. 289 .. .. .. (llo(4<e 273 

290 „ .. West Feld; (irnndril.! 275 

291 .. .. ,, Schanhild 275 

292 .. .. .. Criocke 270 

29;; Kirche in W'e I ( e Ix; r n : (IrniKiril.) 278 

291 .. ., .. Schanhild 279 

295 ,. .. .. (^)ucrschnill 280 

29(i .. .. .. 'I'anlen^'el 281 

297 l-]li e in a I i lic Kapelle in W C I I e n s e n 282 

298 4'ruiie in Wellenseii 28.'! 

299 Die W i ii/.en hu r^; IMan (\i'V r.ur.uaida^e 28(; 

300 Kalii. I'tarrkirche in W i n /. e n h u r.L> : Marienhiid 287 

301 ( )r n a ni e n ( s U> i n i n \\ i n /. i' n h u rii 288 

302 Kren/.slein he i \\ i n /. e n h u rjj; 288 

303 Domäne \\" i n z e n h u r l; : l'ächlerwohnhans. ('.rundrii.5 289 

30 1 .. .. .. (^uersc4iiiit l .... 29(1 



Abb. Seile 

30') Domäne W i ii /c ii b ii ri; ; I'iuliIciwoliiilKiiis. Scli;i\il)il(l .... 21X1 

300 ,, ,, .. Portal •JiM) 

307 „ ,. Slalliichäiidc. OiuTsclmil t 291 

308 .. .. ., Schaiibil«! 2!)l 

309 Adliges C.ul Wis pc n s t ci ii ; I IcTmihaiis. Gruiidrissi" .... 2'.».'> 

310 ., .. „ „ Nordseih' 21M 

311 „ „ „ „ Tunnsliimpl .... 2i)r, 

312 „ „ „ „ Querschnitt .... 2'.H1 

313 ,, ,, „ ehemalige Hrmicrci 2!i7 

314 ,. .. „ Glocke. 2!».s 

315 .. .. .. rrlockcnzicrnte 2'.tN 

31 H \\ i s |) c 1) r ü cke in W'i s p cii s I ci n 2119 

317 Kirclu' in Wo 1 1 c rs li a n son : (rrundril.! 300 

318 ,. .. ,. Xisclu' in der Oslwatul .".Ol 

319 „ ,, ,, Oucrschnilt 302 

320 „ „ „ Altar :i'i2 

321 „ „ „ Kelch :;ol 

322 ,. „ „ Kelchinschrifl •"'.Ol 

323 .. .. ., Patenc -'.O.') 

324 Kirche in W r i s he rg Ik» 1 /. e n : Sclianbild "'0<S 

325 ,, ,. ., Crimdrii.i :!0'.t 

326 ,. „ ,. Inneres illO 

327 ,, ,, ,, Crlockenhilder :n 1 

328 ., .. .. . ("rlockcnhild '-''^'I 

32!» Ciräfl. \. (1 o r t /,- W ri s i)ergsc]i es Schloü 313 

330 , ., " ,. Westseite :'>\\ 

331 ., .. .. .. .. \\'an(li)lal tenhehig . .31.') 

332 .. .. .. .. .. l-',|)itaphtignren . . .''.H) 

333 (iutsscheune in Wri s h e rg ho Iz en 31 (i 



Sachen. 



Die stärker «ifdriiclcteii ScileiizahU-ii weiscJi aul Abhilduii'ieM liiii. 



Adlige Höfe und Crider. Domiineii 
Vorweriie. 

Adenstedt 17. 

Harbarnsen loi). 

1 lonisen 165. 

iniieiiseul ITö. 

Jjiiiiiier 2;i!>. 

Meinierliausen 2415. 

Winzenbiirg 2}{J>. 

Wispciislein 202. 

Wrisbergholzen 'M'i. 
Altäre «), 10, 1:5. 2:\, 2 1. 2<S. :{'.. :r», 
37. :{«, :{». 10. .')*) 



und 



124. 127. 

147. l.")2. 

17IS, 102. 

2:11. 237. 

20(5. 2(i2. 



130. 1.32. 



111. 11.-,. 
13.S. 1 ^2. 



l.')(i. l.")«, I(i2. KIS, 

105. 19H, 1!»». 200. 

2'i0. 2U. 2K). 2 10. 

2(19. 27<». :502. :{00. 



.30. 

iäi, 

1 lt. 

1 73. 
22(;. 
2.") 2. 



Allarlvreu/,e 5'.), IKi. Kl.".. 231. 27(1. 

Altarleuchter 14. 55. .")!). 111. IKl. lli» 

1 12 
10» 
2t2 
27!» 



121. 125, 127, 13(1. 132, 13.S, 
H'i, IM), 152, 15(1, 15<S. 163, 
17:1, 178, 200, 226, 231, 23<S. 
246, 252. 258, 263, 265. 270, 
302, 310. 

Altarsdireine •). 10. :{'•, :r>, 30. 37. 30. 
127, li7. 

Antependien 192. 100. l!t,S. 200. 

Apsis 8, 229. 

.\usli;in{4eseliild Ni>. 

Uaut'inliäuser II». 1.3 1. 250. 267. 277. 
Heeher 312. 

Befestigungen 105. 122. 161. 2Ö7, 207. 
]-5efestigungstürnie 100. 287. 295. 
Beichtstühle 202. 277. 
Bildwerke 28, 29, 51, 60. 133. 158. 175, 
288. 289. 292. 3I(;. 



Brakteaten 22. 

Brakteatenabdrücke an Crlocken 210, 

233. 280, 303. 
Bronzegefäß 2. 

Brücken 105, 159, 2.".3. 297. 200. 
Burgen 9, 101, 165. 2H7. 
Bürgerhäuser in Alfeld. 

Am Klinsberg (6) 90. 

Am ?*Iarkte (7) »0. (7 Ulli.) »5. 

(10) 83. 

lliider der Scliule (2 1) «7. 
il(>lzerstral3e (.3) 00, (4) 87. ;9) 91 

(11) 89, (11 lith.) 90. (13) «0. 
(31) 100, (33) 97. 

J.einstraÜe (17) 99, (20) 07. (21) 0«. 
Obere Mühlenstralie (1 ) 99. 
Paulis traue (I) 96. 

Sennnarstraße (1) 86, (."!) «3. (1(1) Ol. 
l'nler der Kirche (9) 100. 
Wallsiraüe (9) 86. 
Winde (6) S6. (15) 101. (17) «7. 
BürgerhäUM'i- in t.ainsiJiinj^r 227. 

Cliorgeslühl 202. 2:!7. 

("Jiorsciiranken 1*02. 

Christ usk(iplc 2«. I iO. 301. 3o7. 

Macherker N(l. W. 1S9. 227. 2 IN. 

Daclireilci- 1 15. I 10. 12 1. l.'Kl. l.Ti. 135. 
144, 14(1. 172. 189. 223. 2'i0, 244, 
245, 251. 253. 262. 272, 277, 279. 

Decken und Wandinaicicicn 15. 17. 
.50, 117, 217. 

Diek'U und lungangshallen Nd. 2 IN. 315. 

Domänen s. adlige I Icirc usw. 

lünpiirni 15. 2 1. 2(1. 57. I I I. 1 1'.». 12 t. 
126. 136. 141, lil. 1 17. 189, 225. 
252. 257. 262. 275. 279. 302. 300. 



325 



145, 14(), 147, 
230, 255, 260, 



]^|)it:)|)lic ^8. 54, 55. .1(5. ül'i. :$!(;. 
]<:rkt'r 64. 295. 

Fenster 28, 32, 33. 31, (50. (55. «(>, 
130. 132. 144. 

167. 188, 222, 
301, 307. 

Festräume 21JJ, 315. 

Fialen 28, 33, 105. 

Fingerring Ifil. 

Friedhöfe 16. 104. 125. 128. 153, 

Gerlenktafeln 117. 

(uMnähle 15. 17. :«). 57. 117. 121. 

144, 117. 171. 184. 104. 105. 

213, 218. 267. 271. 280. 297, 

312. 
Gemeindehaus 227. 
Gestühl 130. 204, 237. 265, 305. 
Gewölbe 8. 2«, 27. 28, 32, 66. 

110, 164, 177. 185, 187, 189, 

192. 225, 229. 230. 279, 301. 
Gildehäuser 89. 
Gildeladen 68. 125. 
Gildepokale 70. 71. 
Glaskelche und -kannen 60, 153. 
Glasmalereien nnd Buntverglasu 

16, 57, 60. 212. 233. 
(iloc-ken 10. 15. 41. 42. 59. 112. 

121, 125, 128, 131, 133, 136, 

142, 149, 152, 156. 159. I6i. 

168. 173, 175, 178, 210, 226, 
238, 240, 242, 244, 247, 252, 
258, 265, 270. 273, 276, 277. 
283, 291, 293, 298, 303, 311. 

Glockengießerzeichen 41, 164, 169. 
311, 332. 

Glockenhaus 189. 

Goldschmiedezeichen s. Sonderauf- 
stellung .333. 

Grabmäler 104, 190, 314. 

Grabplatten und Grabsteine Ki. 
49. 50. rA, 52, 53, 54, 104, 
144, 164, 169, 172, 174. 211. 
253, 259, 283, 313. 

Gruftaltäre s. Relicpiienaitäre. 

Gruftanlagen 137. 237, .309. 

Güter s. adlige Höfe usw. 

Handleuchter 46. 59, 136, 147. 

Handmühlen 76. 

Herrenhäuser 239, 289, 295, 314. 

Hostiendosen s. ()l)latendosen. 



121, 
164, 
272, 



283. 



1 32, 

196, 

;io9. 



109, 
1 90, 



116, 
138, 

165, 
233, 

253, 

280, 

303, 



48, 

1 25, 
233, 



Kamine 90, 218. 

Kannen s. Weinkaiiiicii. 

K;iii/eln 13. :>A. 4(1. 59. II.'». 127. 130, 

132. i;{8. 144. 152. 156, 158, 163, 

168, 173, 178, 200, 226, 237, 242, 

2 19. 252, 253. 256. 269. 302, 310. 

Kapellen 8, 9, 26, 1,33, 134, 159, 229, 254. 

.Mfeld. V. Steinbergsche Kapelle 32, 
Kai)elle des b:iisabethslifts 58. 

(-ai)ellenhagen 118. 

Dehnsen 120. 

bAershausen 135. 

F()lziehausen 140. 

Grafeide 145. 

Harbarnsen. ehemalige Kapelle 159. 

Hörsuni, ehemaljge Kapelle 164. 

J.übbrechtsen 239. 

Netze 242. 

Neuhof 244. 

Ohlenrode 247. 

Rott 253. 

Schulenberger Kapelle 259. 

Segeste 261. 

Warzen 271. 

Westfeld 273. 

Wettensen 281. 
Kapitale 26, 126. 130. 189. .3(17. 
Kartuschen 222, 223, 267. 
Kelche 10, 14, 46, 112, 117. 128. 133. 
139, 150, 152, 153, 156. 1.59. 169. 
174, 178, 226, 233. 238, 2 13, 247. 
263, 266. 271. 273. 276. 280. 303. 
305, 312. 
Kelchlöffel 47. 227. 
Kirchen 8. 9, 175. 

Adenstedt 11. 

Alfeld, Nikolaikirehe 23. 

Almstedt 110. 

Breinum 115. 

Duingen 124. 

Eimsen 126. 

Evensen 129. 

Everode 132. 

Föhrste 136. 

Gerzen 143. 

Graste 150. 

Großfreden 153. 

Harbarnsen 157. 

Hörsum 162. 

Hoyer.shausen 166. 

Imsen 170. 

Kleinfreden 176. 

42 



326 



J,;mis|)iiii,iic, K;ilh. 1 M;inl< irclu' (Ivlo- 

slcrkirche) l«i. 
J.amsi)rin<fc', (.'W-Iulh. Iviiclu' 222. 
J^anöenholy.cn 229. 
LinmuT 'J'Mi. 
Meinu'iiuuiM'ii 2il. 
R()llinj>li;iu.sfn 2."»1 . 
Sack 2r,r). 
Sfhk'iii 2i;i. 
St'llensU'dl 2H;>. 

Westfeld, katli. IMai rkirclu' 27(1. 
Wetteborn 27«. 

Win/A'iiburg-, katli. I'tai rkiiclu' 'iSS. 
Woltershaiiscii MH) 
WrishtTüholzoii .'MIT. 
Kir-litiiinic S. 12. -V-i. 12 1. IM?. 1 II. 151, 

1.'. 1. HU;. 177. 1S!>. 22 1. 2:30, 2:S6. 

2 IS. 2r)l. 2r)l. 2ti'.>. 27 1. 275. 27<S. 

;5()(i. :'.(i7. 

Kl<')|)pelsf(.Mii|)C'l IHN. 2:;s. 2511. 27C). 

Kloster und khisliTliciu' Haulcii 21 i. 2<')7. 

Koffer 100. 

Kiimimmidiiliaiik 277. 

Kronlciiriilcr II. 12. K".. II. 15, 112, 

1 17. 125, 12N. i:;;). i:;s. Wt. k.». 

152. 15S. 1(;:{. 17:l. 17S. 220. 2;V2. 

21(1. 2M). 25.S, 2(i;5. 2(15. 270. 27."^. 

275. 27n. ;!<)2. iild. 

Kru/,il'i\c und Kreuze \). iO. i7. 5*), 

1 1(1. !:{:{, 1 I I. 1 17. 17:;. 1!H1. 209, 

2(10, 277, 'M)2. 
Kreuzsteiiie 170. 200. 2»!>. 
Kryi)la \'M). 

Ka.leii 125. 2«:{. 
Lesepulte N'.). lld. :\(W. 
Lettner 2 1. 202. 

Mauerlurm in Alleld 10». 

Mafiwerk 2.S. ;;2. :;;'.. :'. 1. (15. :{oi. 

Meüqewaiid und .Meßgerät 210. 
Monstranzen 2J>. 1 17. 277. 
Mühlen, s. Wassermühlen. 
Münzen 22. 

Ohialendosen 1 I. 17. 1 L'.. I 17. 12S. 1 Id. 

15(1. 17 1. 227. 2i;;, 2(1(1. 271. 2S1. 

:W2. 
()l)ferstocke lo. 1 Kl. 10». 2:»J. ;{o5. 
Orgeln i;;. 2 1. Id. 111. 11(1. 12 1. i;}2. 

200, 2;il. 2Ö8, 2H9, 277. 30!». 
Öfen 17, 268, 283, 297. 



Ölniünle 2.'k5. 

I'aleiien Id. 1 I. 1 l.'.. 125. 1 jd. 15d. 15:;. 
I 15(1. 159. 1(19. 17 1. 227. 239. 243. 

26!^). 2(1(1. 271. 27tl. 280. 281. :U):J, 
312. 

Patronatssluhl 111, 231. 

Pfarrhäuser Ki, 220, 277. 31(1. 

Fieta s. Ves])erl)ilder. 
■ Pilgerzeiehen (an (docken) 130. 3M. 

Pokale s. ('.ildep(d<a|c und Katssilber. 

Posthaus 122. 

Porlaie und Türen 1(1. 17. 2;]. 27. ;}3. 
:;i. Oo, 133. 138. 111. 1 13, 151. 155, 
172, 177, 190, 21'.. 223, 221, 235, 
23(5, 218. 25:;. 255. 200, 272. 27 1. 

288. 290. 298. ;;d2. :;i5. 

(hielilassunu 220. 

Halhäuser und Palskeller (10. Ol. (12. 

0:J. Oi. (15. 121. 227. 
Ratssilber (in Alfeld) (i7. 0». 
Reli(|uienaltare 121. 1 17. 2:;i. 2(1'.». 
Reli((uieid)eliälfer 20!>. 
Rustika 237. 

Sakranientsliäuselien iO. I!MJ. 

Sakristeien 28, 192. :;ol. 

Säle 21«, 315. 

Säulen 1(57, 2:«{, 279, 31(1. 

Scheunen 1(15, 175. 220. :U(1. 

Schleifrillen 253. 2()0, 301. 

Schlösser und Ai)teien 21 i. :M i. 

Schmucksachen 101. 

Schnitzwerke 9. lo. 72. 78. ',»;;, 19 1. 

218. 288. ;;i(l. 
Schränke «i. 11(1. 297. 
Siegel (der SladI .Mfehh 21. 22. 
Stadtmauer (in Al'eld) 9. 107. 
Stallifebäude 1(15. 175. 220. 290. 
Stationsbilder 29. 51. 289. 
Steinnielzzeichen 32. 3i. I i-',. 1 i7 :J0». 

:t09 
Stuck (17. 130. 21«. 
Stukkolustroarbeiten 2«, 51, fi."». 158. 

175. 202, 313. 31(1. 
Supra!)(U-len 172. 223. 2:;5. 255. 290. 298. 

Tabernakel s. Sakramentshäuschen. 
Taufen aus Holz 13. 125, 127. LiO. 138. 
238. 



327 



Taulengel 111. IUI. lüO. 1 

263, 270, 27». 
Tnufschüsseln 14, 127. lüS. 111. 

153, 156, 174, 178. 233, 242. 

266, 270, 281. 30.-). 
Taufsteine 24, il. 132. I i7. 10 1. 

242, 283, 310. 
TolenscliiM 56. 

Torpfosten 102, 117, 128, 110. 1 II. 
Treppen 9, 12, 24, 33, «1. 187. 18'.K 

218, 298, 308, 310. 31.-). 
Troppentürnie «2, (»i. 2!»S :m\. 
Triumph kreuz 0. -50. 
Truhen ,s. Laden. 
Türen s. Portale. 
Tiirklopler IM. 235. 
Türme, s. Kirch-. Tre|)i)en- und A\ 

türme. 

X'aseii 1 10. Ml. l.-)0, IM\. UiO. 
Ves]ierl)il(ler 20!», 277. 
N'ortraaekreuz •57. 



2 16. 2.-)8. N'crweike s. adliijje (ailer usw. 



1 11». 
247, 



21 



Wandl'licsrii rU."). 
Wandleurhler -ir», 232, 258. 
Wandmalerei s. Deckt-nmalerei. 
\VaMdscliraid< 28. 

Wappen und \\'aj)pciisl eine 16. 17 
1',). .")0. .')1. .')2. .',:{. .'(;. i;;i. 

158, 175. 222. 22.'!. 22(;. 2;;i. 

242. 2»!>. 208. 30.3. :;08. 310. 

315. 
Wassermühlen 00, ItiO. 220. 2'r.. 

202. 21 >o, ;;i I. 
Wehrt ünne 10». 287. 2!).">. 
WeihrauehgefäUe 17, 158. 233. 270. 
Weihwasserbeeken 20 'i. 
Weinkannen 1 1. 16. 18. 1 5o. 153. 

233, 213. 
Wetterfahnen 110, 121. 1.30. 135. 

158, 223, 237. 240. 2 15. 256. 

275, 298. 302. :i08. 
Wimprege 215. .")3. 



131. 
2:{». 
:n2. 

2 11. 



305. 



1 !6. 
260. 



43 



Orte. 



Dil' inil SUtii (*) versehenen Orte sind wiisl. 
Auf den stärker gedruckten Seilen ist der Ort im Zusiunnienlunif); l)ehandell 



Ackenhausen* 

Adensledl 5, (i, 8, 11, 112, 140. 2(ir), 
Alazun (Alaclioidessuni)* . . . . 

Alfeld 1, ;i, 1, ."), 7, 8, 9, 17, i:«, m;>, 

175, 2:-53, 250, 271, 292, 'AOO, 

Almstedt 8. 

Altes Dorf* H, 

Altliausfreden 

Aninienhausen 'A, 113, 

Arnhausen* 

Arnsberg 

Hakenrode 

Hameln 

Barfelde 

Beleke 

Bercingehusen (Barsihausen)* . . . 

Berlin 

Belhcln 

l^ilderlahe :\. (i, 7. 

Bückeneni 7, 1 15, 

Bodenburg 

Bodenseii* 

Braunsciuveig 21. 

Hreinum Mi, 

Brodesende (Brosende)* 

Brunshausen* 

Brunshausen (Kloster) 2, 2(il. 27 1. 

BrüggcMi 7, 

Brünighausen 7, 

Brunkensen (i, 22. KKi. 

Burg-Freden (Ilausfreden) . . . . 



Seite 

19 



r.ai)e]|en1iagen 7, 8, 

Celle (Zelle) 



2(i9 
IGO 
1C)1. 
:-508 
110 

19 
160 
182 

19 
181 

171 

1 

3 

181 

171 

68 

3 

183 

129 

6 

19 

160 

182 

182 

182 

278 

12 

117 

250 

161 

11» 

1 |o 



Clus 



Seite 

12. i:'.2. 176 



Coi)i)enl)riigge 1 

Corvey 142, 1 13 



Daliluni 

Dedenhausen 

Dedensen 

Dehnsen (i. 

Dell lösen 

Derenhurg 

Detfurth 

Dietrichholzeil 

Dotihauseii* *. 

Dörshelf 8, 

Dudingen 

Duingcn . . . 3. 1. 5. 7. 8, 122, 
Duttingen (l)ulinge)* 

Eberholzen 

Echusen* 

Eckehardeshausen* 

Eggersen 

Eichausen* 

iMiberneshausen* 

I'jinsen 

Eisseni (b",isum)* . 

Eitzuni 

Ehen* 

Elze 

Eniessen 

I^>niensulle 

Esbeck ( l'.seinkc) 

EseluTsliausen 

Evensen 111. 129. 

l-:verode :>. 8. !». |:J1. 2 11. 286. 288, 



113 
120 
120 
120 
S 
114 



9. 12r,. 2 13. 



1. 3. 7, 



306 
171 
122 

140 

140 

19 

1 
172 
182 
118 
172 
182 
282 
2 11 

2 

171 
8 
126 
171 
154 
8 
182 
289 



Seite 

Eyersliausen ^.l■^'^. 2J*» 

Eygershauscn 135 

Falszh Ilsen 140 

Feklterdizen* 1 U 

Föhrstc i:j(;, 143, 311 

Fölziehauseii 7, 140 

Frankfurt 181 

Freden (Fredenon). ... 2. 8, U, 154 

Fulda 136. 274 

Fünuuelse 11 

(iandersheini 1. 2. 12. 118. 120, 123, 120, 

132. 143, 17(;, 183. 239, 264, 268, 272, 

274.278.279. 282 

Gerzen 1 i2. 272 

Gherdegheliusi 142 

Glashütte :'.. 182. 227 

Godenau 23(5 

Goslar 223 

Güttingen (i. 8. 160, 181 

Grafeide (Grafla. Grafion) . 8, 9, 145 

Graste 2,10,150,183,244 

Greene 1, 3 

Gronau 3, 6, 7 

Großdüngen 6 

Großfreden 3, 153. 171 

Großwarzen* 271. 272 

Halle 5 

Hamburg 181 

Hannover 6, 9, 10, 23, 35, 54, 117. 121, 

128, 131, 166, 170. 254, 286, 307 

Harbarnsen(Hariberne.ssuni)129. 157. 244 

Harlesseni 3 

Hasekenhausen (Hasekc'nhLisen)132, 28(i 

Haskeszen I(i2 

Hausfreden IßO 

Hebenhausen* 182 

Heierszhausen (Heyersliiisen ) . . . 1(56 

Heigershauscn 135 

Helmstedt 278 

Henneckenrode 254 

Hersze 162 

Hetegereshauseii* 182 

Heyerssen 166 

Hieshausen* 1 82 

Hildesheim (Hilden, Hildesen)2. 3. 5, 6. 
8, 12, 40, 56, 76, 110, 112, 114, 115, 
123, 126, 131, 133, 145, 181, 183,229, 
247. 254, 264. 272, 274. 282. 285.300, 

307 



329 

Seite 

Hilfleveshausen* 182 

Hockelu 6 

Hohe Schanze- 2. 284 

Holtenscii (llollhuscn) 306 

Hollhusi'U* 182 

Hornsen 105. 286 

Holzen 162 

Hoyershausen 4, 5. 7. 8. 12(i, HMJ. 239.253 

Hörsheiiul) HV2 

Hörsum N. 1(52. 303 

Hudessen* 19 

HiigheshoItlnisiMi 'MH\ 

Ilde 129 

Inison ( liuinanlius) 170 

Indagohagen 250 

Inuenseul 2, 17i. .'^3), 316 

Klaus* 182 

Kleinfreden 22, Kil. 170 

Kleinlewe 278 

Kleinwarzen 272 

Kkmiii 28() 

Koppengrave 111 

Köln 10. 34 

Lanisi)ringe 1. 2, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12. 110, 

113, 122. 125, 129, 132, 145, 151, 

155, 174. 179, 231. 250, 264, 272, 

27 1, 285, 292, 300 

Langenhülzen . 2, 8, 98, 162, 229, 254 

Langensalza 273 

Lauenstein 3, 4, 5, 6. 7, 118 

Leinekamp 286 

Lermunde (Liermunde)* . . . 1.S2, 215 
Linuuer . . . 5, 6, 7, 8, 118, 175, 25:5 

Liudulessen'i' 27 1 

Livland 303 

Lochtum (l.oclilcni) 243 

Loddingessen* 27 1 

Lodsen* 271 

Lübbrerhlsen 7. 166. 2:59 

Lüttingessem* 114 

Mainz (Mogiintia) 316 

.Marienburg 1 

Marienrode .... 19, 23, 76, 151. 171 

Mariensiein* 182 

Meimerluuiscii 2il. .312 

Meschede 181 

Minden 239 



330 



Modeshiuisi'ii* 182 

Moriiiifeii ;U4 

I\I()liiK'rliageii (Mel\i'ili;ii>i'ii) . . . '2 U 

.\clzt' 2, 2« 

Neuhol 2-4-4 

NiederfrcdtMi 176 

Nienhusen* 278 

Niensen* 'M)0 

NienslcdL b. Gionau 6 

Oberfreden 176 

Ohleiibiirg* 165 

Ohieiirode 116,247, 278 

Oldenrodc* 182 

Ollensen* 160 

Ostnmi 6 

rausJiauscu* 182 

Papeidvanip 111 

Patlensen 126 

Peine 6 

Petze 7 

Pitelen 181 

Redingshausen* 182 

Regershausen* 182 

Rhedeii 1, 3 

Ribberode* 278 

Riehen berg 223, 229 

Rlglingliausen* 172 

Rinlehi 50 

Robberhuseii* 132 

Rolfshageii (Rolvesliaglien) 3. 1, 182, 

249. 250 

R()lliiigliausen 8, 2rA) 

Roll (Riiod, Rüda, Rods) ... 7, 25:{ 

Sack 0,10.223,231,254 

SalzdetliiiuiJi 7 

Sarstedt 181 

Sehe|)pei]iusen* 166 

Sehildhorsl 8, 286 

Schirbeclv 3 

Schlciüheini 22 

Sehulenberg* 254 

Sebexen 3 



Sfitc 

Segesle (Segiisti) . . . 2, 2BI, 311, 316 

Sehlem 5. N, 12!). 2H:{ 

Sellenstedt ( Seelleiislide) 1 I. 152, 26.".. 

um. .iii 

Sellinghauseii* ICi; 

Seypessen (Sepseiies b'eid, Sebesser 

Feld)* 111 

Sibbesse 7. 27 1 

SoesI 1X5 

Soilenscn (Solenhuseii)* ;>()0 

Steinwedel 13,2 

Suitl)()de.sboden* 141 

Suitereshauseii* 182 

Teichniülile 286 

Thiderikeshollhiiseii :5()() 

Thiederesseii* 261 

Trier 311 

letvelde 271 

X'elderdizen* 141 

Vienenburg 243 

Vuoresete (N'iiorsete) 136 

Vorenhagen* 118 

Uallensen 3, 5, 123, 1 lO 

Wallenstedl 3 

Wardusheini* 271 

Warzen 271 

Weenzen 8 

Wehrstedt 6, l(i 

Westerberg 8, 286 

West fehl 5, 10, 273, 311 

Wetteborii . . . .1,5,8,135,218,277 

Wettensen (Wedensen) 2J12 

Winzenburg 3, 4, 5. 6, 7, ü, 50. 132, 133, 
133,160,165,181, 2«; 

Wispensteiii 9, 56, 292 

Wohjdeiisteiii 4 

Wohlenhauseii 182 

Woltershaiisen 5, 8, 10, 112. 157, 299 

Worescte 136 

Wrisbergholzen 5, (>, 8, 150, 261. 274, :10<> 

Ziiedenein 264 

Ziegeliuitte 182 



Handwerker und Künstler. 

(I )ie in Klninmcrn l)eigefügten .Jahreszahlen {^i-bcii dir l-",ntslchiiii<is/.i'it (U-r Werke an.) 



Bargen, Cordt, Glockengießer (1.Ö97) 258. 

Bartels, J. H., Glockengießer in Hildes- 
heim (1868) 159, (1872) 270. 

Becker. C. A., Glockengießer in Hildes- 
heim (1755) 265. (1760) 173. (1793) 
312, (1798) 152. 

Derselbe in Verbindung mit H. 
Damm (1817) 226. 

Becker, Echardt Christoph. (Glocken- 
gießer in Hildesheim (170(i 
M. Eggcrt) 142 (1721) 311. 

Becker. Joh. Barward, Glockengießer 
in Hildesheim (1681?) t2. 

Becker, M. Christoph Aug., Glocken- 
gießer in Hildesheim (1741) 211. 

Becker, P. A., Glockengießer in Han- 
nover (1772 oder 1777) 128, (1777)283. 

Bilefeldt, Frederich, Glockengießer in 
Einbeck (1588) 298. 

Bock, H. A., Glockengießer in Einbeck 
(1798) 273, (1806) 252, (1823) 136. 

Borchardes, Hans, Glockengießer (um 

1500) 233. 

Borgentrik. Conrad. Bildschnitzer in 
Braunschweig (lebte dort 1157 bis 

1501) (um 1^90) 24, 35. 
Bulcher, L., Glockengießer aus England 

(1721) 211. 
Bülemeister, Gebrüder, Baumeisti'r in 
:\I()ringen (17 10 1745) 314. 

Ihinnn. H., Glockengießer in Hildes- 
heim in Verbindung mit C. A. 
Becker (1817) 226. 

Kbeling. Beinhold, Kirchennuder. lebt 

in Hannover (1912) 269. 
Er, B., Maler eines Ölbildes in Winzen- 

burg(kath. Pfarrkirrlic) (1776) 280. 



Ehrhardl, Lehrer imd Maler, lebt in 

Gandersheim (1927) 190. 
Engelhard. C. B.. Gelbgießer in Alteid 

(1832) 2()3. 

Fahrenholz, Bildhauer in Bockenein 
(1722—1728) 115. 

Friedrich, Harald, Kunstmaler, lebt als 
Professor und Geheimer Regierungs- 
rat in Hannover (1896) 1 17. 

Gröninger, Mauritz, Münsterischrr Hof- 
bildhauer (Ende 17. .lahrh.) 192. 

Hans, ^Meister, Orgelbauer in Braun- 
schweig (1574) 24. 

Hase, C \V., Konsistorialbaumeister, 
Professor, (Geheimer Baurat in Han- 
nover (1849) 151, (1875—1876) 261. 

Helmes, Brant, Glockengießer (1534) 1(>4. 

Henninger, Drechsler aus Mannheim, 
starb in Limmer (1865) 2.3S. 

Hupp, Otto, Heraldiker. lebt in ScilU'il.l' 
heim (1902) 22. 

Käse, Joh. Caspar, Gandcrsheimscher 
Hofbildhauer (in G. luu-hgewiesen 
1736 -1756) 27!>. 

König, Maurernu'isltr aus Hannoscr 
(17.52) 1(;6. 

Kost er. Mar nun. ( ildckengießer in Ilil- 
desheim (1512) 112. 117. 303, (15i;;) 
168, (1516) 161. 

Kratzenberg, A.. Maurermeister in Al- 
feld (1819) 22 1. (1821) 157. 

Kratzenberg. .1.. Bildhauer (viel- 
leicht auch Maurermeister) in Al- 
feld (1799) 52. 



332 

Kruse, liciini, Gl()fkcii<>it'üt'r (l.'MJ'i) 

IIG. 280. 
K.,F., (Klöppel-)Scliiiiic(l. ar- ^__ 

beitef 1(5(53 für die (re- |j3 

ineinde J. immer 2.'i(S. 



Lamhers, l^verjuirdus, caemeutariiis 
Winsehollensis. starb als J.aieii- 
bruder des Klosters Lamspringe 
1708 184. 

I^ami)e, Hcnni, Glocken giel.U'r in Ilildes- 
heini (1(550) 119. 

J^ampen. Heinrich, (il()(kent»ii'i.{er in 
llildeslieim (1709) 1(5(;. 

Lampen, .lohann. Tlieodor. (rlocken- 
gieüer (1727) 211. 

Lange, S. A., Glockengießer in Ilihks- 
heim (IS.^r)) 20;>. (183(1) l.")(;. (t,s:)2) 
2-t7. 

Lessen. Heinrich (der Ältere), auch 
Henrich Lessen genannt. BiUL 
hauer in Goslar, vielleichl Kl 1-2 ge- 
boren, und Vater von ,b>bst. 
Heinrich Lessen (Ende 17. ,Jalir- 
hunderl) 19(5, 198. 223, 25(5. 

Lessen, Jobst Heinrich, Bildhauer in 
Goslar (Ende des 17. Jahrhunderts 
und Anfang des 18. Jahrhunderts) 
200, 202. 231, 237, 258, 277. 

Meier. Christian Ludw., Crlockengießer 
in Hraunsclnveig (1705) 42. 

Meute, Diedrich. CrlockengieUer (1(517) 
253. 

Milhotl', H.Wilhelm 11.. Haurat in 
1 lannover (18(11) 288. 

Ossenkop. J., (Klöpp.el-)Sclimit'(l. licferl 
für Hoyershausen (Zeil unhcst imml ) 
168. 

Quensen, Kirchenmaler in Brannscluveig 
(190(5 1907) 2(51. 

Radler, Jacob, GloclvengicRer in Hildes- 
heim (1853) 178. 

Radier, Karl, Glockengiel.ier in Hildes- 
heini, Sohn des vorigen (1893) 133. 

Rahlffs, Zimmermeister in Hann(\er 
(1752) 16(5. 



Rideweg, M. Thomas, Glockengießer 
in Hannover (1727) 258, (1733) 121. 

Schaper, Orgelbauer in Hildesheim (Mitte 
19. Jahrhundert). 

Scherk, Jobst, Maurermeister aus Hör- 
nedc (Horde) in Westfalen (1670) 
184. 

Schrader. .lochim. Meister. Glocken- 
gießer (1(110) 15. 

Schulze, Kunstmaler in Hildesheim (17 17 
bis 1748) 115. 

Sciiulzer, Kun.stmaler (Ende 17. .Jahr- 
hundert •?) 267. 

Sies, Hieronynuis, Maler, lebt von 
1690 bis 1725(f ) als Laienbruder in 
Lanisi)ringe 195, 206, 213. 

Steiger, Andreas, Meister, Bildschnitzer 
(1610) 72. 

Lirichs. .Vndri'as. (ilockengiel.ier ( 1663)15. 

Weiidt, Maurermeisterin Brüggen (17.'!6 
bis 1738) 12. 

Wiederholt, Karl, Kunstmaler, lebt in 
Hannover (1906) 178. 

W.,H. H., (Klöppel-)Schmied, ar- 
beitet 1727 für die Glocke 
in Sack 259. 



I 



a 



Ziegner, .lohann Dieterich, (ilocken- 
gießer in Hannover (1766) 131. 

Ziegner, M. , lohann. Christian. Glocken- 
giei.iei' in Hannover (17(1N) 266. 

Meisler mit nebenstehendem Zei- 
chen (Klöppel-)Schmie(l. ar- a5>v 
heilet (Zeit ?) für die Glocke \^ 
in Westfcld 276. 

Meisli'i- mit nebenstehendem ^^i 
Zeichen ( doekengiel.ier jQf 

(1 f68) 41. 



Nh'isler mit nebenstehen- 
dem Zeiclien Glocken- 
giel.ier (II 12) .311. 




Goldschmiedezeichen. 



Bt'Sfhau- MeisUT- 

zeichen Seite 



Bfstluiu- .MrisliT 

zeu'lu'ii 



Seite 



Einbeck. 






GüttiüRen oder (laiulersheini. 





[0 



IJaiiuüver, 



lildesheini. 



@ 



UM ^ 









Hiidesheini ( l-'orlsetzunu)- 



69 



281 



125 



271 



117 



46 



68 
174 



117 



^pis 






IS 






S3 






l:?9 V 



OD 



mMV9 



P»3 






^ 



128 
243 

68 
266 
150 
169 



46 



14 



226 



334 



Beschau- Meister- 




Besc 


lau- ]\Ieister- 




zeicheii 


Seite 




zeichcii 


Seite 


Hildesheini (b'ortsetzung). 




Unbestimiiil . 




mit»' 


153 




^03 


1(39 




312 




m HD 


312 


^ ^^^ 


227 




mn^ 


150 


Uiibesfiniml . 










? viflk'ic-lil ÄTl 
llildcslu'iin. Wtif 


271 




ö '^^^^ 


140 


^^ 


IG 
17 




%wim 


140 



m 



17 



*) Kann viclloiclit Tjcscliaiizciclu-n von 17U3 sein. 



Ergänz LI n|j;en und Berichtigungen. 



Auf Seite 1 12 (iter Absatz zweite Zeile isl slati ..M^:(■.(iI^RT•' ,,M FCGI-JAT" 
zu lesen. 
,, ., 1 14 4ter Absatz ist liinter ,. Arbeil'' einzusetzteii : ., aus dem Jalire liS.")!)'-. 

,. ,, 151 letzte Zeile ist liinter l<S18/li) einzusehalten: ,.dureh Maurermeister 

Kratzenberg aus Alfeld" •. 
„ 172 letzter Absatz, Reihe 5 ist statt ..TREVER-' ., TREUER"' zu lesen. 
17() vorletzte Zeile ist hinter 17X2 einzuschalten: ,,nach einem Kosten- 
anschlag des Mauerermeisters Kratzenberg aus Alfeld". 
,, ,, 17<S ist hinter der Sehlu(?.zeile einzusetzen: ,, Das Pfarrhaus stanunt laut 

lateinischer Inschrift über der Haustür aus dem Jahre 1765." 
., 238 Iter Absatz (Glockeninschrift) ist statt „LVDOFF" ..EVDOLFF" 
zu lesen. 
,, ,' 213 4ter Absatz (Oblatendose) ist statt ., Goldschmiedezeichen unbe- 

bestimmt" einzusetzen: Beschauzeichen": Löwe im Schildchen, 
Meisterzeichen L. S. und .fahresbuchstabe A (erste Hälfte 18, Jahr- 
hunderts). Ähnliche Zeichen an den Geräten in .Jembke und Isen- 
büttel (Kreis Gifhorn). 
,, ,, 249 Schlußzeile (Ohlenrode.) Es ist zuzusetzen. ..Die zinnernen Abend- 

mahlsgeräte sind 1780 beschafft'". 
„ 263 .3ter Absatz. Es ist statt ,,(:. B. Engelhard'" ,.G. B. Engelhard" 
zu lesen. (Dies ist auch im Handwerker- und Kunst lerverzeichnis 
zu ändern.) 
„ ,, 324 ist unter .,Brakteatenal)drücke an Glocken'" Seite II und 1.30 

einzuschalten. 
Im Handwerker- und Künstlerverzeichiiis : Hoinecke. h\. Malei- in llildes- 
heim (1817) 178. 

Meister mit nebenstehendem Zeichen : ( Kloppel-jSchniicd. ar- l J 
heilet 1588 für die (docke in Wispenstein 298. ^^ 



JÜM 2 2 1971 



N 

6874 
H34K8 
Bd. 2 
Heft 6 



Die Kunstdenkraäler der 
Provinz Hannover 



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